Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung 1
1 Einleitung 3
2 Theoretische Grundlagen 6
2.1 Sachanalyse 6
2.1.1 Drogen 6
2.1.2 Wirkungsweise von Drogen 7
2.1.3 „Alltagsdrogen“ eine Begriffsbestimmung 9
2.1.3.1 Alkohol 12
2.1.3.2 Nikotin 14
2.1.3.3 Medikamente 17
2.1.4 Sucht und Abhängigkeit 22
2.1.5 Ursachenmodelle der Abhängigkeitsentwicklung 24
2.1.6 Drogenkonsum im Jugendalter 25
2.1.7 Life-Skills Ansatz 28
2.1.7.1 Theoretischer Hintergrund 28
2.1.7.2 Life Skills 30
2.1.7.3 Lebenskompetenzprogramme 31
2.2 Forschungen zu Schülervorstellungen 33
2.2.1 Begriffsbestimmung 33
2.2.2 Schülervorstellungen und Unterricht 35
2.2.3 Schülervorstellungen zu Drogen 37
2.3 Modell der Didaktischen Rekonstruktion 40
2.4 Problemstellung 42
3 Methode 44
3.1 Charakterisierung und Begründung der Untersuchungsmethode 44
3.2 Leitfadenkonstruktion 46
3.3 Untersuchungsdurchführung 47
3.3.1 Auswahl der Schüler 47
3.3.2 Probeinterviews und Modifizierung des Leitfadens 48
3.3.3 Durchführung der Interviews 48
3.3.4 Aufbereitung der Interviews: Transkription und Redigierung 49
3.4 Auswertung 51
3.5 Verallgemeinerung der Schülervorstellungen 53
4 Ergebnisse 54
4.1 Interview I: Maja 54
4.1.1 Maja: Geordnete Aussagen 54
4.1.2 Maja: Explikation 58
4.1.3 Maja: Einzelstrukturierung 62
4.2 Interview II: Jan 64
4.2.1 Jan: Geordnete Aussagen 64
4.2.2 Jan: Explikation 68
4.2.3 Jan: Einzelstrukturierung 71
4.3 Interview III: Anne 73
4.3.1 Anne: Geordnete Aussagen 73
4.3.2 Anne: Explikation 76
4.3.3 Anne: Einzelstrukturierung 80
4.4 Interview IV: Sina 82
4.4.1 Sina: Geordnete Aussagen 82
4.4.2 Sina: Explikation 86
4.4.3 Sina: Einzelstrukturierung 89
4.5 Interview V: Maik 91
4.5.1 Maik: Geordnete Aussagen 91
4.5.2 Maik: Explikation 95
4.5.3 Maik: Einzelstrukturierung 99
4.6 Zusammenstellung und Verallgemeinerung der Schülervor
stellungen 101
4.7 Auswertung des Arbeitsblattes zur Einschätzung der
Gefährlichkeit von Drogen 108
4.8 Quellen der Schülervorstellungen 109
5 Diskussion 110
6 Schlussfolgerungen für die Schulpraxis 116
7 Literaturverzeichnis 119
8 Anhang 126
8.1 Interviewleitfaden 127
8.2 Transkript Interview I: Maja 130
8.3 Transkript Interview II: Jan 130
8.4 Transkript Interview III: Anne 143
8.5 Transkript Interview IV: Sina 149
8.6 Transkript Interview V: Maik 154
8.7 Arbeitsblatt zur Einschätzung der Gefährlichkeit von Drogen 159
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen
Abbildung 1 : Trias-Modell zu den Entstehungsursachen der Drogenabhängigkeit
(KIELHOLZ LADEWIG, 1973 ) 24
Abbildung 2 : Fachdidaktisches Triplett. 41
Abbildung 3 : Drogen, die Schüler zu den Alltagsdrogen zählen. 101
Abbildung 4 : Von den Schülern genannte Folgen des Rauchens 104
Abbildung 5 : Motive für einen Drogenkonsum bei Jugendlichen. 106
Tabelle 1 : Einschätzung der Gefährlichkeit verschiedener Drogen durch die einzelnen
Schüler 108
Abbildung 6 : Durchschnittliche Einschätzung der Gefährlichkeit von Drogen durch die
Schüler. 108
Abbildung 7 : Quellen von Schülervorstellungen. 109
Abkürzungsverzeichnis
BZgA Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bzw. beziehungsweise d.h. das heißt DHS Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. et. al. et altera GABA Gamma-Aminobuttersäure Hrsg. Herausgeber i.d.R. in der Regel LSD Lysergsäurediethylamid PCP Phenylcyclohexylpiperidin sog. sogenannte u.a. unter anderem WHO World Health Organization z.B. zum Beispiel
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Schülervorstellungen zu Alltagsdrogen und suchtpräventiven Lebenskompetenzen und greift damit ein Thema auf, das eine hohe Aktualität besitzt. Der Konsum von Alkohol, Nikotin und Medikamenten nimmt einen festen Bestandteil im alltäglichen Leben vieler Menschen ein, wobei das Suchtpotenzial dieser Drogen unterschätzt und ignoriert wird. Die Verharmlosung dieser Alltagsdrogen ist ein gesellschaftliches Problem, das nicht nur Erwachsene betrifft, sondern auch Kinder und Jugendliche, die die Konsummuster der Erwachsenen übernehmen. Das Jugendalter ist das Einstiegsalter in den Drogenkonsum. Das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit Alltagsdrogen gehört zu den
Entwicklungsaufgaben, die im Jugendalter zu bewältigen sind. Aus einem Probierkonsum kann jedoch ein regelmäßiges Konsummuster und schließlich eine Abhängigkeit entstehen. Besonders Jugendliche, denen entsprechende Kompetenzen fehlen, haben Schwierigkeiten, die Anforderungen des Alltags zu erfüllen und altersspezifische Aufgaben zu meistern. Sie sind besonders gefährdet, in einem Drogenkonsum die Lösung ihrer Probleme zu suchen.
Zeitgemäße suchtpräventive Programme beinhalten neben Informationen über Drogen und Standfestigkeitstrainings auch Bausteine, die bestimmte Kompetenzen schulen. Diese sogenannten Lebenskompetenzen oder Life Skills befähigen einen Menschen, mit den Anforderungen des Lebens angemessen umgehen zu können und machen ein Ausweichverhalten in den Drogenkonsum überflüssig.
Vor der Durchführung suchtpräventiver Unterrichtseinheiten in der Schule ist es erforderlich, die Vorstellungen der Schüler zu diesem Themenbereich zu ermitteln. Schüler entwickeln viele verschiedene Vorstellungen zu den verschiedensten Sachverhalten, und kommen mit diesen Vorstellungen in den Unterricht. Stehen die Vorstellungen in einem Gegensatz zu den fachlichen Perspektiven, an die die Schüler im Unterricht herangeführt werden sollen, wird das Verständnis des wissenschaftlichen Standpunktes erschwert und der Lernprozess behindert. Die vorunterrichtlichen Vorstellungen der Schüler sollten daher bei der didaktisch-methodischen Planung berücksichtigt werden, um den Schülern angemessene Lernwege aufzeigen zu können und den Lernprozess optimal zu gestalten.
Neben den Schülervorstellungen fließt auch die fachliche Perspektive in die didaktische Planung von Unterricht ein. Das Modell der didaktischen Rekonstruktion bietet den entsprechenden Rahmen für die fachdidaktische Forschung zu Schülervorstellungen.
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In der vorliegenden Arbeit wurden die Schülervorstellungen zu Alltagsdrogen und suchtpräventiven Lebenskompetenzen durch problemzentrierte, leitfadenstrukturierte und offene Einzelinterviews ermittelt. Dabei lagen die Hypothesen zugrunde, dass Schüler über zahlreiche Alltagsvorstellungen zu diesem Themenbereich verfügen, die Alltagsdrogen im Vergleich zu anderen Drogen als weniger gefährlich einstufen, Folgen und Gründe des Drogenkonsums kennen sowie Verhaltensweisen und Fähigkeiten benennen können, die Lebenskompetenzen entsprechen.
Es wurden fünf Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren befragt. Die Interviews wurden transkribiert und in Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse in der fachdidaktischen Forschung ausgewertet. Die einzelnen Konzepte und Denkfiguren der Schüler wurden zu Kategorien von Vorstellungen verallgemeinert.
Die Untersuchung ergab, dass Schüler über eine Vielzahl von Vorstellungen, sowohl fachlich kompatible als auch fachlich inkompatible, zum Themenbereich der Alltagsdrogen und suchtpräventiven Lebenskompetenzen verfügen. Die Alltagsdrogen Alkohol und Zigaretten stufen sie als wenig gefährlich ein. Sie kennen deren Bedeutung und Funktionalität im alltäglichen Leben und nutzen diese zum Teil bereits für sich selbst. Medikamenten ordnen sie eine mittlere Gefährlichkeit zu. Ein Ziel suchtpräventiven Unterrichts sollte daher darin bestehen, den Schülern das Suchtpotenzial und die Gefährlichkeit der Alltagsdrogen zu vermitteln. Alle Schüler beurteilen einen Drogenkonsum aufgrund der physischen und psychischen Folgen als negativ. Sie verfügen über unterschiedlich stark ausgeprägte Vorstellungen zu Lebenskompetenzen und beschreiben verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Lebensbewältigung. Dennoch sehen sich einige Schüler nicht in der Lage, Drogenangebote abzulehnen. Als Hauptgründe für einen Drogenkonsum wurden Stress und Gruppenzwang genannt. Auch die Vorbildfunktion, die Erwachsene für Kinder und Jugendliche besitzen, wurde von den Schülern angesprochen. Lebenskompetenzprogrammen einschließlich der Standfestigkeitstrainings kommt daher eine hohe Bedeutung zu.
Die vorliegenden Ergebnisse können eine Grundlage für die Konzeption und Durchführung suchtpräventiver Maßnahmen bilden und tragen auf diese Weise zu einer erfolgreichen Suchtprävention bei.
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1 Einleitung
„Beginne den Unterricht auf dem Standpunkt des Schülers, führe ihn von da aus
stetig, ohne Unterbrechung, lückenlos und gründlich fort! Der Standpunkt des
Schülers ist der Ausgangspunkt. Dieser ist also vor dem Unterricht zu
erforschen. (...) Ohne die Kenntnis des Standpunktes des Schülers ist keine
ordentliche Belehrung desselben möglich.“ 1
Diese Feststellung DIESTERWEGs aus dem Jahre 1835 ist heute ebenso gültig wie zur damaligen Zeit. Die Metapher, dass „der Schüler dort abgeholt werden müsse, wo er steht“, durchzieht viele fachdidaktische Schriften (DUIT 1990, 114). Nur Unterricht, der auf dem Vorwissen der Schüler und den Vorstellungen der Lernenden aufbaut, kann einen Lernzuwachs herbeiführen.
Seit den 1970er Jahren werden daher die Schülervorstellungen zu den verschiedenen fachwissenschaftlichen Gebieten intensiv untersucht. PFUNDT und DUIT begannen vor etwa dreißig Jahren, die Forschungsarbeiten zu Schülervorstellungen, aber auch zu Vorstellungen der Lehrenden in den naturwissenschaftlichen Fächern in der Bibliografie „Students´ and Teachers´ Conceptions and Science Education“ zusammenzustellen. Diese zählt mittlerweile über 7700 Einträge (http://www.ipn-uni- kiel.de/aktuell/stcse/stcse/html, abgerufenam 30.10.2007). Die vorliegende Arbeit widmet sich den Schülervorstellungen zu „Alltagsdrogen“ und suchtpräventiven Lebenskompetenzen und soll damit einen Beitrag zur didaktischen Forschung in diesem Bereich leisten. Dass diese Thematik nach wie vor aktuell ist und suchtpräventive Maßnahmen mehr denn je erforderlich sind, kann man den Schlagzeilen der Tageszeitungen entnehmen. Regelmäßig wird über Jugendliche berichtet, die bewusstlos zusammengebrochen, ins Koma gefallen oder sogar gestorben sind - in Folge übermäßigen Alkoholkonsums. Auch rauchende Grundschüler sind keine Seltenheit mehr. Das Einstiegsalter in den Drogenkonsum ist gesunken (HURRELMANN & BRÜNDEL 2003, 178).
Der Konsum von Alkohol und Tabak ist in unserer Gesellschaft allgemein akzeptiert und in alltägliche Abläufe integriert. Viele Rituale sind an den Konsum von Alkohol und Zigaretten geknüpft. Man trinkt auf Partys, um lockerer zu werden; Geschäftsabschlüsse werden mit einem „guten Tropfen“ begossen. Das allabendliche Glas Wein oder Bier zur Entspannung und zum Abschalten vom stressigen Alltag ist
1 zit. nach Diesterweg 1962, 127.
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ebenso selbstverständlich wie die Zigarettenpause. Auch Medikamente werden bedenkenlos konsumiert. Tabletten gegen Kopfschmerz und Schlafstörungen werden eingenommen, um die Leistungsfähigkeit - und damit auch den Arbeitsplatz - zu erhalten und die Anforderungen des Alltags bewältigen zu können. Dabei wird das Suchtpotenzial, das diesen Stoffen zugrunde liegt, unterschätzt. Problematisch ist, dass Kinder und Jugendliche sich stark an Vorbildern orientieren. Sie beobachten und übernehmen die Konsummuster der Erwachsenen (SILBEREISEN 1998, 1056). In unserer Leistungsgesellschaft werden immer höhere Anforderungen an den Einzelnen gestellt. In gleichem Maße steigt das Risiko, diesen Anforderungen nicht gerecht zu werden. Bereits Kinder leiden unter Stress und Leistungsdruck. Der Griff zu Alkohol, Zigaretten oder Medikamenten ist für viele Menschen ein Ventil, das den auf ihnen lastenden Druck mindern soll. Ihnen fehlen wichtige Kompetenzen, die es ihnen ermöglichen, im Alltag zu bestehen und die ihnen gestellten Anforderungen zu meistern. Im Rahmen suchtpräventiver Maßnahmen können diese Kompetenzen in der Schule gefördert werden. Damit solche suchtpräventiven Maßnahmen Erfolg haben, ist es wichtig, dass sie schülerorientiert sind. Dazu zählt auch, dass sie an das Vorwissen der Schüler anknüpfen.
Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, die Vorstellungen von Schülern zum Themenbereich Drogen und zu suchtpräventiven Lebenskompetenzen zu erheben, um diese bei der didaktischen Konzeption suchtpräventiver Unterrichtseinheiten und Programme beachten zu können. Die grundlegende Fragestellung nach den Vorstellungen von Schülern zu Drogen und Lebenskompetenzen wird dazu weiter ausdifferenziert:
o Welche Assoziationen verbinden Schüler mit dem Begriff Drogen?
o Kennen Schüler die Gefährlichkeit der Alltagsdrogen?
o Kennen Schüler die Auswirkungen des Drogenkonsums?
o Warum nehmen Jugendliche Drogen?
o Wie schätzen Jugendliche den Drogenkonsum Erwachsener ein?
o Können Schüler Lebenskompetenzen benennen, die vor einem Drogenkonsum schützen?
Es sollen Konzepte herausgestellt werden, die die Vorstellungen der Schüler zu den verschiedenen Themenbereichen erkennbar machen. Sind solche Konzepte bekannt, können sie bei der Vermittlung suchtpräventiver Unterrichtsinhalte Berücksichtigung finden und auf diese Weise zu einer wirkungsvollen Suchtprävention beitragen. Denn
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Schüler kommen mit einer Vielfalt von Vorstellungen zu verschiedenen Themenbereichen in die Schule. Diese Vorstellungen haben ihren Ursprung meist in der Lebenswelt der Schüler und können den Lernprozess behindern, wenn sie sehr gegensätzlich zu den fachlichen Vorstellungen sind, die im Unterricht vermittelt werden sollen. Unterricht sollte daher immer - gemäß dem Postulat DIESTERWEGS - die Vorstellungen der Schüler aufgreifen und an ihre bereits vorhandenen Kenntnisse anknüpfen.
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2 Theoretische Grundlagen
2.1 Sachanalyse
2.1.1 Drogen
Drogen sind psychoaktive Substanzen, die auf das Zentralnervensystem einwirken und Strukturen, Funktionen und Emotionen im lebenden Organismus verändern können. Als „Drogen“ wurden ursprünglich getrocknete Pflanzen oder Pflanzenteile bezeichnet, die direkt als Heilmittel oder zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet werden (STIMMER 2000, 113). Im Laufe der Zeit hat der Begriff eine Erweiterung erfahren: er umfasst nun neben pflanzlichen auch chemische Substanzen (BÄUERLE 1996a, 52). Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter Drogen vor allem die gemäß dem Betäubungsmittelgesetz „illegalen“ Drogen, deren Herstellung, Verkauf, Erwerb und Konsum unter Strafe stehen. Diese werden wiederum in „weiche“ Drogen, wie z.B. Cannabis und Ecstasy, und „harte“ Drogen, zu denen u.a. Kokain, Heroin und LSD zählen, unterschieden. Zu den „legalen“ Drogen gehören Tabak und Alkohol. Nach dem Jugendschutzgesetz dürfen sie von Jugendlichen ab einem Alter von 18 bzw. 16 Jahren käuflich erworben werden. Im Sinne der Definition sind aber auch Kaffee und Tee, Sedativa, Analgetika, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Schnüffelstoffe Drogen, da sie ebenfalls Stimmung, Denken und Antrieb des Konsumenten beeinflussen (STIMMER 2000, 113).
Aufgrund ihrer Wirkungsweise werden Drogen auch als Suchtmittel oder Rauschgifte betitelt, wobei mit diesen Begriffen vor allem illegale Drogen assoziiert werden. Alkohol und Nikotin hingegen werden oft als Genussmittel deklariert und verharmlost. PALLENBACH und DITZEL beschreiben als den wesentlichen Unterschied zwischen legalen und illegalen Drogen nicht das Abhängigkeitspotenzial, sondern die gesellschaftliche Akzeptanz. Jede Art von Drogenkonsum ist riskant. Die Statistik belegt das hohe Suchtpotenzial legaler Drogen: es gibt mehr Nikotin-, Alkohol- oder Medikamentenabhängige als Abhängige illegaler Drogen (PALLENBACH & DITZEL 2003, 35). Auch BÄUERLE betont, dass die Unterscheidung in legale und illegale Drogen kein Maß für deren Gefährlichkeit und Schädlichkeit ist (BÄUERLE 1996a, 52).
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Alle Drogen, die dem Körper von außen zugeführt werden können, sind exogene Drogen. Darüber hinaus gibt es im Organismus eine Vielzahl endogener, natürlicher Drogen, die Neurotransmitter. Diese Substanzen befinden sich an den Synapsen und Rezeptoren des Zentralnervensystems sowie zum Teil im peripheren Nervensystem und sind verantwortlich für die biochemische Komponente der Erregungsleitung im Körper. In geringen, exakt aufeinander abgestimmten Dosen, verhelfen sie zu einer angemessenen Verarbeitung von Emotionen und steuern entsprechende Reaktionen (ETSCHENBERG 2003, 8).
Sie beeinflussen Stimmungen und verursachen Gefühle wie Angst, Freude, Trauer und Wut. Zudem regulieren sie natürliche Vorgänge, u.a. Schlafen, Träumen, Lernen, Aufmerksamkeit, Beruhigung und Erregung. Beispiele für solche körpereigenen Drogen sind:
o Acetylcholin
o biogene Amine, z.B. Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin
o Aminosäuren, z.B. Gamma-Aminobuttersäure (GABA), Glycin, Glutamin, Aspartat
o Neuropeptide, u.a. die Substanz P und Endorphine (CAMPBELL, REECE & MARKL 2006, 1239).
Ein Ungleichgewicht in den biochemischen Verhältnissen hat negative Auswirkungen auf den Gehirnstoffwechsel und bedingt physische und psychische Krankheiten. So können Störungen im Dopaminstoffwechsel bei Dopaminüberschuss zu Schizophrenie und bei Dopaminmangel zu Parkinson´scher Krankheit, Störungen im Serotoninhaushalt zu Depressionen führen. Durch entsprechende Psychopharmaka kann die biochemische Balance wieder hergestellt werden. Andererseits verursacht ein Missbrauch solcher Medikamente oder die Zufuhr anderer exogener Drogen biochemische Dysbalancen (ETSCHENBERG 2003, 8).
2.1.2 Wirkungsweise von Drogen
Alle exogenen Drogen greifen auf jeweils substanzspezifische Weise in den Gehirnstoffwechsel ein und aktivieren, verstärken oder hemmen dort, mittelbar oder unmittelbar, die Ausschüttung körpereigener Substanzen und können somit Gefühle, Stimmungen und Wahrnehmungen beeinflussen (ETSCHENBERG 2003, 4).
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Die suchtwirksamen Stoffe werden auf suchtmittelspezifische Weise vom menschlichen Organismus aufgenommen: enteral über den Magen- Darm- Trakt, über die Schleimhäute des Mund- Nasen- Rachenraumes oder die Enddarmschleimhäute, über die Lunge, die Haut oder gelangen direkt durch intravenöse Applikation in die Blutbahn oder das Muskelgewebe. Ihre anschließende Verteilung, Resorption und Wirkung werden durch verschiedene Parameter beeinflusst:
o die Durchblutungsstärke der Organe,
o die Löslichkeit der Substanz im Körper,
o die selektive Speicherung bzw. Freigabe des Wirkstoffs in einzelnen Organen,
o die Fähigkeit der Substanz zur Membranpassage zwischen Zellen und Organen (BÄUERLE 1996a, 52).
Es können drei allgemeine Wirkungskategorien von Drogen unterschieden werden:
1. Zentral dämpfende Substanzen, die die Tätigkeit des Zentralnervensystems verlangsamen und bei genügender Dosierung Spannungen lösen und enthemmend wirken. Sie vermindern Urteilsfähigkeit, motorische Aktivität und Konzentration. Beispiele: Alkohol, Sedativa oder Hypnotika, Opiate.
2. Stimulanzien, die die Aktivität des Zentralnervensystems steigern. Durch Erhöhung von Blutdruck und Puls verursachen sie aktiveres Verhalten, schnelle Denkprozesse und gesteigerte Wachheit. Beispiele: Kokain, Amphetamine, Koffein, Nikotin.
3. Halluzinogene, die die Sinneswahrnehmung verändern. Sie weisen ein Wirkungsspektrum von leichteren Wahrnehmungsveränderungen wie Steigerung der Intensität von Empfindungen bis hin zu Trugwahrnehmungen auf. Beispiele: LSD, Ecstasy, Meskalin, Psilocibin, PCP sowie verschiedene Formen der Cannabinoide, die neben einer halluzinogenen Wirkung ebenso sedierende und stimulierende Wirkungskomponenten aufweisen. (PETERMANN & ROTH 2006, 13).
Die Suchtmittel können zudem verschiedene Wirkungsintensitäten aufweisen. Neben der linearen Wirkung, die eine gleichförmige Steigerung und Abnahme der Wirkung darstellt, gibt es die kumulative Wirkung, bei der es zu einer Speicherung und späteren, vom Konsumenten nicht kontrollierbaren, Freisetzung des Suchtstoffes kommt. Die kumulative Anhäufung geschieht, wenn dem Organismus mehr Substanz zugeführt wird, als er resorbieren und ausscheiden kann. Polytoxikonamie, der kombinierte Konsum verschiedener Suchtmittel, kann zu einer additiven Wirkung der einzelnen
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Substanzen führen, wobei sich diese in ihrer Wirkung gegenseitig abschwächen oder verstärken. Möglich ist auch eine über die Summierung hinausgehende Potenzierung der Wirkung. Beispiele für einen solchen Mischkonsum sind die gleichzeitige Zuführung von Alkohol und Sedativa, von Heroin und Beruhigungsmitteln oder auch von Kokain und Aufputschmitteln (BÄUERLE 1996a, 53). Um das biochemische Gleichgewicht im Organismus zu verändern und eine substanzspezifische Wirkung hervorzurufen, müssen die Wirkstoffe der exogen zugeführten Drogen an im Zentralnervensystem befindliche Rezeptoren binden. Diese Rezeptoren sind für die Aufnahme endogener Substanzen im Organismus bestimmt, binden jedoch auch strukturell ähnliche exogene Substanzen. Entdeckt wurde dieser Mechanismus in den 1970er Jahren, als im menschlichen Gehirn Rezeptoren für Morphium und Heroin gefunden wurden. Es stellte sich heraus, dass diese Opiate Ähnlichkeit zu den körpereigenen Endorphinen haben und aufgrund dessen die Bindungsstellen der Rezeptoren ebenso besetzen können (CAMPBELL, REECE & MARKL 2006, 1240). Ohne entsprechende Rezeptoren ist jeder Drogenkonsum effektlos.
2.1.3 „Alltagsdrogen“ - eine Begriffsbestimmung
Für den Begriff „Alltagsdrogen“ gibt es keine eindeutige Definition. In der Fachliteratur wird er häufig verwendet, jedoch werden unter diesem Sammelbegriff zum Teil unterschiedliche Drogen zusammengefasst. Aus diesem Grund werden im Folgenden die Begriffsbestimmungen verschiedener Autoren zu „Alltagsdrogen“ vorgestellt, um Übereinstimmungen und Unterschiede herauszustellen und eine für diese Arbeit gültige Begriffsbestimmung vorzunehmen.
LEPPIN, HURRELMANN und PETERMANN zählen in dem von ihnen herausgegebenen Band „Jugendliche und Alltagsdrogen“ vor allem Nikotin und Alkohol zu den Alltagsdrogen, die als „gesellschaftlich tolerierte Alltagssubstanzen“ benannt werden. Der in diesem Werk erschienene Beitrag „Prävention von Alkohol- und Medikamentenkonsum in der Schule“ von MITTAG und JERUSALEM berücksichtigt darüber hinaus auch Medikamente als Alltagsdrogen. Im Unterschied zu den illegalen Drogen wird das schleichende Gefährdungspotenzial der Alltagsdrogen hervorgehoben, wodurch diese auf den ersten Blick weniger gefährlich erscheinen. Zudem werden die
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Alltagssubstanzen als gateway- Drogen in den Konsum illegaler Substanzen beschrieben (LEPPIN et al. 2000, 9).
FREITAG und HURRELMANN bezeichnen psychoaktive Medikamente, Alkohol, Tabak und Koffein als legale, „alte“ Alltagsdrogen, da sie in unserem Kulturkreis bereits seit Jahrhunderten verbreitet sind. Darüber hinaus zählen sie provokativ auch Cannabisprodukte, Ecstasy, Speed und LSD als „illegale Alltagsdrogen“ dazu. Sie begründen ihre Zuordnung neben gestiegenen Konsumzahlen vor allem mit der Funktionalität, die der Konsum dieser illegalen Substanzen ebenso wie der Konsum der legalen Substanzen für Jugendliche und junge Erwachsene im Alltag besitzt. Die Autoren wollen die Selbstverständlichkeit hervorheben, mit der Jugendliche diese Stoffe konsumieren: zur Bewältigung des alltäglichen Lebens und insbesondere von alterstypischen Entwicklungsaufgaben (FREITAG & HURRELMANN 1999, 8). In den Unterrichtsmaterialien der BZGA werden Alkohol, Nikotin und Medikamente zu den Alltagsdrogen gerechnet und sogar als „Lebens-Mittel“ dargestellt. Ausschlaggebend für diese Bezeichnung ist der selbstverständliche und bedenkenlose Umgang mit diesen Drogen in unserer Gesellschaft. Analog zu LEPPIN et al. wird auch hier das hohe Abhängigkeitspotenzial der Alltagsdrogen betont (BZGA: Arzneimittel, 8). Auch SABINE BÄTZING, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, widmet sich im Vorwort des Drogen- und Suchtberichtes 2007 den Alltagsdrogen und hebt die gesellschaftliche Verharmlosung des Gebrauchs von Alkohol, Nikotin und Medikamenten hervor (DIE DROGENBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG 2007, 1). Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass alle genannten Autoren Alkohol, Nikotin und Medikamente zu den Alltagsdrogen zählen. FREITAG und HURRELMANN fassen zusätzlich Koffein, Cannabisprodukte, Ecstasy, Speed und LSD unter dem Begriff „Alltagsdrogen“ zusammen. Als charakteristische Merkmale von Alltagsdrogen werden
o die gesellschaftliche Toleranz des Gebrauchs
o die Funktionalität des Gebrauchs
o der Gebrauch im alltäglichen Kontext
o eine Unterschätzung des Abhängigkeitspotenzials durch die Konsumenten sowie
o eine Funktion als Einstiegsdrogen in den illegalen Drogenkonsum genannt. Daraus ergibt sich folgende Begriffsbestimmung: Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden gemäß dem allgemeinen Konsens Alkohol, Nikotin und psychoaktive Medikamente als Alltagsdrogen bezeichnet, da sie in
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alltäglichen und sozialen Kontexten konsumiert werden und ihr Konsum in diesem Zusammenhang eine Funktionalität aufweist. Ihr Gebrauch wird allgemein akzeptiert und als selbstverständlich angesehen. Dabei wird die Gefahr einer Abhängigkeit von der Überzahl der Konsumenten verkannt. Die von FREITAG und HURRELMANN benannten „illegalen Alltagsdrogen“ werden ausgeklammert, da die Konsumzahlen in den letzten Jahren gesunken sind und weit hinter denen von Alkohol, Nikotin und Medikamenten zurückliegen. 2 Zudem ist die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Drogen außerhalb des Jugendalters nicht gegeben. Auch Koffein wird in dieser Arbeit nicht als Alltagsdroge betrachtet, da dessen Abhängigkeitspotenzial vergleichsweise gering ist und es nicht als Einstiegsdroge in den Konsum illegaler Drogen gilt.
2 Aktuelle Zahlen zu den Konsumhäufigkeiten der „Alltagsdrogen“ können den Kapiteln 2.1.3.1, 2.1.3.2 und 2.1.3.3 entnommen werden.
Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland, v.a. Jugendliche und junge Erwachsene, sind regelmäßige Cannabiskonsumenten. 400 000 von ihnen zeigen ein Missbrauchs- bzw. Abhängigkeitsverhalten. Die meisten Cannabisnutzer sind jedoch Probierkonsumenten (DIE DROGENBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG, 36).
Seit dem Jahr 2004 ist ein deutlicher Rückwärtstrend des Probierkonsums zu verzeichnen: probierten im Jahr 2004 noch 21,3 % der 12- bis 19- jährigen Cannabis, so sind es 2007 nur noch 15,1 %. In der Altersgruppe der 18- bis 19- jährigen sank dieser Anteil von 40,1 % auf nun 32,3 %. Die Zahl regelmäßig Cannabis konsumierender Jugendlicher ist seit 1993 etwa konstant geblieben. 6,9 % der 18- bis 19- jährigen Jungen und 1,7 % der gleichaltrigen Mädchen gaben an, mehr als zehn mal im vergangenen Jahr Cannabis verwendet zu haben (BZGA 2007c, 7).
Beim Ecstasy- Konsum ist seit 1997 ein kontinuierlicher Rückwärtstrend zu verzeichnen (DIE DROGENBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG, 39). Die kiggs- Studie ermittelte einen Anteil von 0,5 % der männlichen und 0,6 % der weiblichen 14- bis 17 -jährigen Jugendlichen, die angaben, in den letzten 12 Monaten Ecstasy konsumiert zu haben. Bei Aufputschmitteln wie Amphetaminen und Speed waren es 0,6 % bzw. 0,8 % (LAMPERT & THAMM 2007, 605).
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2.1.3.1 Alkohol
Alkohol ist das weltweit am stärksten verbreitete Genuss- und Beruhigungsmittel (STIMMER 2000, 16). Er wird in unserer Gesellschaft zu verschiedenen Gelegenheiten getrunken. Dem Konsum werden dabei vielfältige Funktionen auf sozialer Ebene zugesprochen. Zudem wird Alkohol zur emotionalen Regulation, u.a. bei Stress und depressiven Stimmungen, zugeführt.
Reiner Alkohol ist eine farblose, klare, leicht entzündliche und brennend schmeckende Flüssigkeit, die als Ethanol oder auch Ethylalkohol bezeichnet wird. Er ist der rauschverursachende Bestandteil alkoholischer Getränke. Trinkalkohol entsteht bei der Hefegärung pflanzlicher, zuckerhaltiger Substanzen (u.a. Bier und Wein) oder, wie Branntwein, durch Destilleration (ebenda, 16).
Alkoholkonsum in Zahlen
Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland konsumieren Alkohol auf gesundheitsriskante Weise. 1,6 Millionen Deutsche sind alkoholabhängig und leiden damit an einer der häufigsten chronischen Erkrankungen. Mit einem jährlichen Pro-Kopf- Konsum von 10 Litern reinen Alkohols nimmt Deutschland im internationalen Vergleich einen Platz im oberen Drittel ein (DIE DROGENBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG 2007, 26). Der im Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung verzeichnete Rückgang des Alkoholkonsums im Jahr 2005 gegenüber 2004 in der Gruppe der 12- bis 17- jährigen konnte in einer aktuellen Erhebung der BZGA nicht erneut festgestellt werden: im Jahr 2007 konsumieren wieder mehr Jugendliche regelmäßig Alkohol. Gegenüber 21 % im Jahr 2004 trinken nun 22 % von ihnen mindestens ein alkoholisches Getränk pro Woche, wobei der Konsum von Alcopops aufgrund von Preiserhöhungen durch die Bundesregierung rückläufig ist. Stattdessen greifen die Jugendlichen auf Bier, bier- oder weinhaltige Mixgetränke oder Spirituosen zurück. Ein besonders bedenkenswerter Trend zeichnet sich mit dem sogenannten Binge- Trinken ab: gegenüber 2005 ist die Zahl der Jugendlichen, die im letzten Monat fünf oder mehr alkoholische Getränke pro Trinkgelegenheit konsumiert haben, um 7 % auf 26 % in 2007 gestiegen. Diese gefährliche Entwicklung ist vor allem bei Jungen zu verzeichnen und besonders bei den älteren Jugendlichen beliebt: so wächst die Zahl der Binge- Trinker von durchschnittlich 12 % in der Altersgruppe der 12- bis 15- jährigen auf 51 % bei den 16- bis 17- jährigen (BZGA 2007b, 19).
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Eine vollkommene Alkoholabstinenz ist - aufgrund der gesellschaftlichen Akzeptanz und allgemein positiven Einstellung zum Konsum - bei Jugendlichen und Erwachsenen selten. Während in der Altersgruppe der 12- bis 15- jährigen noch 37 % angaben, nie Alkohol zu trinken, gehören in der Altersgruppe der 16- bis 17- jährigen nur noch 6 % zu den Nietrinkern (BZGA 2007b, 8). Vielmehr sind unbedenkliche Konsummuster die Regel: die meisten Erwachsenen betreiben einen gelegentlichen Gebrauch (PETERMANN & ROTH 2006, 18).
Wirkung und Folgen des Alkoholkonsums
Das Trinken von Alkohol in Form alkoholischer Getränke führt oft schnell zu einer seelischen Abhängigkeit, bei längerfristigem Konsum zudem zu einer körperlichen Abhängigkeit. Nach einem Entzug besteht meist ein lebenslanges Rückfallrisiko (BÄUERLE 1996a, 55).
Alkohol wirkt erregend und dämpfend auf das Zentralnervensystem. Intoxikationen gehen einher mit psychischen Veränderungen oder Verhaltensänderungen: gehobene, heitere, gereizte, aggressive oder depressive Stimmungen, erhöhte Kontaktfreudigkeit, Abbau von Hemmungen, Verminderung des Reaktionsvermögens und Koordinationsstörungen. Eine besonders hohe Einzeldosis verursacht Bewusstlosigkeit und Lähmungen und kann, in Abhängigkeit vom Vergiftungsgrad, den Tod zur Folge haben. Auch eine undeutliche Sprache, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen können Folgeerscheinungen der Alkoholeinnahme sein (ebenda, 54). Neben diesen kurzfristigen Folgen, die zum Teil als positiv empfunden werden können, weist der Alkoholkonsum ausnahmslos negative Langzeitfolgen auf. Dazu zählen auf physischer Ebene Schäden an Magen und Leber, der Verlust von Gehirnzellen und des Kurzzeitgedächtnisses sowie anderer Hirnfunktionen, ein erhöhtes Risiko für Speiseröhren-, Magen- und Darmkrebs, männlicher Potenzverlust sowie Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems. Belastende Verhaltensweisen führen zudem zu Einbußen im sozialen Bereich, v.a. zum Verlust sozialer Beziehungen und des Arbeits- oder Ausbildungsplatzes (BÄUERLE 1996a, 54).
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2.1.3.2 Nikotin
Nikotin, der bedeutendste Wirkstoff der Tabakpflanze, ist ein natürlich vorkommendes, flüssiges und farbloses Alkaloid. Nach Bildung in der Wurzel wird es in den Blättern gespeichert. Mit einer für den Menschen tödlichen Dosis von 0,05 g gehört es zu den stärksten Pflanzengiften (STIMMER 2000, 431). Nikotin wird meist als Bestandteil von Zigaretten, Zigarillos, Zigarren oder als Pfeifenfüllung geraucht, kann aber auch gekaut oder geschnupft werden. Für die Anwendung werden die Tabakblätter gestoßen, geschnitten oder gemahlen (BÄUERLE 1996a, 55). Aufgrund des schnellen Abbaus von Nikotin im Körper kann eine tödliche Dosis durch Rauchen nicht erreicht werden. (STIMMER 2000, 431).
Tabakkonsum in Zahlen
Der Konsum von Tabak stellt das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko dar; nicht nur für die Raucher selbst, sondern auch für Nichtraucher, die passiv dem Tabakrauch ausgesetzt sind. In Deutschland rauchen 33 % der Erwachsenen. Davon sterben jährlich 140.000 Menschen an den gesundheitlichen Folgen ihres Konsums. Die Mortalitätsrate der Passivraucher liegt bei 3.300 Menschen pro Jahr (DIE DROGENBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG 2007, 12).
Mit 18 % hat der Anteil der jugendlichen Raucher in der Altersgruppe der 12- bis 17jährigen seit Erhebung der Konsumzahlen durch die BZGA im Jahr 1979 einen historischen Tiefstand erreicht. Auch die Zahl der Nieraucher (57 %) ist so niedrig wie nie zuvor im Erhebungszeitraum. Diese Zahl ist von besonderer Bedeutung: je höher der Anteil der Nieraucher unter den Jugendlichen, desto weniger Menschen beginnen zukünftig mit dem Rauchen. Denn die meisten Raucherkarrieren beginnen im Jugendalter (BZGA 2007a, 9).
Das Einstiegsalter in den Zigarettenkonsum liegt durchschnittlich bei 13 Jahren (DIE DROGENBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG 2007, 12).
Die meisten jugendlichen Tabakkonsumenten, aktuell etwa 27 %, betreiben einen Probierkonsum (BZGA 2007a, 9). Das Rauchen wird meist nach den ersten Gebrauchserfahrungen und mit zunehmendem Alter wieder aufgegeben. Andere Jugendliche werden jedoch innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren ab dem ersten
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Konsum zu regelmäßigen, täglichen Rauchern und entwickeln ein
gesundheitsschädliches Konsummuster (PETERMANN & ROTH 2006, 18). Neben den rückläufigen Zahlen zum Zigarettenkonsum ist allerdings auch eine Zunahme in der Bekanntheit, Beliebtheit und Häufigkeit des Shisha- Rauchens bei den 12- bis 17- Jährigen festzustellen. Das Wasserpfeifenrauchen wird von den Jugendlichen mit 38 % bedeutend weniger schädlich eingeschätzt als das Rauchen von Zigaretten, das 91 % von ihnen als ziemlich oder sehr gesundheitsschädigend empfinden. Von den aktuell 14 % der Jugendlichen, die Shisha rauchen, verstehen sich nur 48 % als Raucher; der Rest bezeichnet sich als Nichtraucher oder Nieraucher (BZGA 2007a, 16). Diese Zahlen verdeutlichen, dass hinsichtlich des Shisha- Rauchens ein hoher Aufklärungsbedarf besteht und diese Form des Rauchens in zukünftige Präventionsmaßnahmen einbezogen werden sollte.
Wirkung und Folgen des Nikotinkonsums
Etwa die Hälfte der Raucher, die bereits im Jugendalter mit dem Zigarettenkonsum anfangen, ein regelmäßiges Konsummuster entwickeln und beibehalten, sterben an den Folgen des Rauchens. Je niedriger das Einstiegsalter, umso wahrscheinlicher ist eine Tabakabhängigkeit in späteren Jahren, verbunden mit einem erhöhten Krebsrisiko und einem zunehmend unwahrscheinlicheren Ausstieg aus dem Konsum (BORNHÄUSER 2003, 68).
Tabakrauch ist ein Gemisch aus etwa 500 Gasen (u.a. Stickstoff, Kohlenmonoxid) und enthält Partikel aus etwa 3500 verschiedenen Substanzen. Im Rauch können mehr als 40 karzinogen wirkende Stoffe nachgewiesen werden (STIMMER 2000, 432). Durch die Inhalation beim Rauchen gelangt das Nikotin direkt über das Alveolarepithel in den Blutkreislauf und auf diesem Wege innerhalb von sieben Sekunden ins Gehirn, von wo aus es seine vielfältige Wirkung entfaltet (ebenda, 431). Es kann sich sowohl erregend oder- bei Einnahme höherer Dosen- hemmend auf das vegetative Nervensystem auswirken, wobei die subjektiv erfahrene Wirkung in beiden Fällen sowohl eine Beruhigung oder eine Anregung sein kann. Dieses Phänomen wird als Nesbitt´sches Paradox bezeichnet.
Nikotin verursacht die Ausschüttung von Noradrenalin und Adrenalin aus den sympathischen Nervenendigungen bzw. dem Nebenrindenmark. Dadurch wird eine Erhöhung der Herzfrequenz und der Gefäßkonzentration ausgelöst und die
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Muskelspannung und reflektorische Erregbarkeit wird verringert. Anregung der Atmung, Konzentrationssteigerung und Erhöhung der Gedächtnisfähigkeit sind weitere Wirkungen der Tabakaufnahme. Durch unterschiedliche Inhalationstiefe und Inhalationsfrequenz kann ein Raucher das Ausmaß der akuten physiologischen Wirkung beeinflussen (STIMMER 2000, 431).
Bei erstmaligem Nikotinkonsum können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten, vor allem, wenn gleichzeitig Kohlenmonoxid und Teer aufgenommen werden, wie beim Zigarettenrauchen (BÄUERLE 1996a, 56). Übelkeit, Erbrechen, Leibschmerzen, Durchfall, Herzklopfen, Blutdruckänderung, Schwitzen, Schwindelgefühl und Zittern sind Anzeichen einer akuten Nikotinvergiftung (STIMMER 2000, 431). Als Langzeitfolgen des Tabakkonsums werden Durchblutungsstörungen, Herz-, Kreislauf-und Gefäßerkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Raucherbein), Atemwegserkrankungen wie chronische Bronchitis oder Lungenkrebs und Geschwüre des Magens oder Darms beschrieben (BÄUERLE 1996a, 56). Rauchen verursacht zudem Karzinome an Kehlkopf, Speiseröhre, Blase, Niere und Pankreas sowie in der Mundhöhle und verkürzt allgemein die Lebenserwartung (STIMMER 2000, 432).
Durch Rauchen in der Schwangerschaft kommt es zu verzögertem Wachstum des Fötus, verbunden mit dem erhöhten Risiko einer Fehlgeburt. Auch nach der Geburt ist das Wachstum des Kindes beeinträchtigt (STIMMER 2000, 432).
Nikotinkonsum führt in eine seelische und soziale Abhängigkeit (BÄUERLE 1996a, 56). Das physiologische Abhängigkeitspotenzial hingegen ist gering. Physiologische Entzugsreaktionen treten bei der Tabakentwöhnung nur über den vergleichsweise kurzen Zeitraum von etwa einer Woche auf (STIMMER 2000, 433).
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2.1.3.3 Medikamente
Die Bezeichnung „Medikament“ stammt von dem lateinischen Wort medicamentum (Heilmittel) ab. Durch die Einnahme von Medikamenten sollen Krankheiten verhütet, gelindert oder geheilt werden. Der Begriff Arzneimittel umfasst darüber hinaus auch diagnostische Mittel, Impfstoffe und Präparate zum Ersetzen von Körperflüssigkeiten (DHS: Medikamente, 3). Im allgemeinen Sprachgebrauch werden beide Begriffe häufig synonym verwendet.
Die Basis von Arzneimitteln bilden natürliche Stoffe menschlicher, tierischer oder pflanzlicher Herkunft, denen chemisch oder pharmazeutisch präparierte Wirkstoffe zugefügt werden (BZGA: Arzneimittel, 15).
Neben den erwünschten Wirkungen kann die Einnahme der meisten Medikamente mit unerwünschten Begleiterscheinungen einhergehen. Solche Nebenwirkungen sind, im Vergleich zu den Beschwerden der mit dem Medikament behandelten Krankheit, meist weniger gravierend. 5 bis 6 % der verschreibungspflichtigen Medikamente weisen jedoch eine gefährliche Nebenwirkung auf: sie können bei unsachgemäßer Anwendung einen Missbrauch hervorrufen, der schließlich in die Abhängigkeit münden kann (DIE DROGENBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG 2007, 33).
Ein Arzneimittelmissbrauch liegt vor, wenn das Arzneimittel zu oft, in zu hoher Dosierung und ohne Indikation zugeführt wird, um bestimmte Gefühle hervorzurufen oder eine Leistungssteigerung zu erreichen (BZGA: Arzneimittel, 21). Medikamentenmissbrauch im Rahmen sportlicher Wettkämpfe wird als Doping bezeichnet (ebenda, 31).
Eine Arzneimittelabhängigkeit ist aufgrund uneinheitlicher Konsummuster schwer zu erkennen. Viele Patienten weisen eine Niedrigdosis- Abhängigkeit auf, d.h. die Einnahmemenge entspricht der des ärztlichen Rezeptes. Erst auftretende Entzugserscheinungen nach Absetzen des Präparates lassen die Abhängigkeit erkennen. Solche Entzugssymptome werden oft falsch als erneutes Auftreten der Ausgangsbeschwerden gedeutet, was zu einer wiederholten Einnahme des Arzneimittels führt (DHS: Medikamente, 5). Etwa 30 % der psychotrop wirkenden Medikamente werden verschrieben, um solche Entzugserscheinungen zu vermeiden (DIE DROGENBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG 2007, 33).
Es gibt viele unterschiedliche Wirkstoffe in verschiedenen Arzneimittelgruppen, die suchtauslösend wirken.
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Dazu zählen
- Alkohol in Arzneimitteln,
- Morphin, Codein, Methadon, Pethidin und Fentanyl in Analgetika,
- Barbiturate und kürzer wirksame Benzodiazepine in Hypnotika,
- länger wirksame Benzodiazepine und Carbamate in Psychopharmaka,
- Amphetamine, Appetitzügler, Ephedrine als Psychostimulanzien sowie
- Anticholinergika, Laxantien, Corticoide, Diuretika, Betablocker als weitere Wirkstoffgruppen (BZgA: Arzneimittel, 22).
Die bedeutendsten Arzneimittelgruppen, die ein Suchtpotenzial aufweisen, sind Schlaf-und Beruhigungsmittel (Sedativa und Tranquilizer), Schmerzmittel (Analgetika), Anabolika, Appetitzügler und Abführmittel (BZGA: Arzneimittel, 24). 1,1 Millionen Deutsche sind abhängig von in Schlaf- und Beruhigungsmitteln enthaltenen Benzodiazepinen und Benzodiazepinderivaten (DIE DROGENBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG 2007, 33).
Arzneimittelkonsum in Zahlen
Nach Nikotin- und Alkoholabhängigkeit ist Arzneimittelabhängigkeit die dritthäufigste Suchtkrankheit in Mitteleuropa (STIMMER, 400). In Deutschland entspricht die Zahl der Alkoholabhängigen in etwa der Zahl der Menschen, die medikamentenabhängig sind (DIE DROGENBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG 2007, 33).
Die Abhängigkeit von Medikamenten ist vorwiegend eine „weibliche Sucht“: 70 % der schätzungsweise 1,4 bis 1,9 Millionen Medikamentenabhängigen in Deutschland sind Frauen. Besonders betroffen sind zudem ältere Menschen. Beide Gruppen sind verstärkt von sozialer Benachteiligung und psychischen Problemen betroffen. Sie bekommen eher Arzneimittel mit Suchtpotenzial verschrieben und gebrauchen diese dadurch auch häufiger (ebenda, 33).
Die Anwendung von Arzneimitteln ist auch bei Kindern und Jugendlichen verbreitet. Das Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts brachte folgende Ergebnisse in der Altersgruppe der 0- bis 17- Jährigen: 50,8 % haben in den vergangenen sieben Tagen mindestens ein Arzneimittel, 20 % sogar zwei verschiedene Arzneimittel angewendet. Der stärkste Medikamentenkonsum war bei den 0- bis 2-Jährigen zu verzeichnen. Zu erkennen war zudem ein stärkerer Konsum bei Mädchen als bei Jungen, wobei die Differenz im Alter von 14 bis 17 Jahren am höchsten ist:
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61,4 % der Mädchen, aber nur 40,5 % der Jungen nehmen regelmäßig Medikamente ein. Die im Kindes- und Jugendalter am häufigsten angewendeten Präparate sind Mittel zur Bekämpfung von Husten, Schnupfen, Fieber und Erkältung sowie prophylaktische Mittel, u.a. Vitamin D- und Fluoridtabletten. 3,4 % der Arzneimittel wurden mit der Indikation Kopfschmerz angewendet.
0,2 % der 14- bis 17- jährigen Jungen und 1 % der gleichaltrigen Mädchen nehmen Medikamente ein, um eine psychotrope Wirkung zu erzielen (LAMPERT & THAMM 2007, 605).
Wirkung und Folgen des Medikamentenmissbrauchs
Die meisten suchtstoffhaltigen Medikamente wirken psychotrop und werden zur Behandlung von Ungleichgewichten im Zentralnervensystem eingesetzt. Je nach enthaltenem Wirkstoff, Dosishöhe, Einnahmedauer und individueller Veranlagung weisen sie ein unterschiedlich hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitsrisiko auf (BZGA: Arzneimittel, 23). Im Folgenden wird die Wirkung der bedeutendsten suchtauslösenden Arzneimittelgruppen skizziert.
Analgetika
Schmerzmittel werden bezüglich ihres Wirkungsortes in zwei Gruppen unterschieden. Peripher wirksame Analgetika verhindern die Schmerzentstehung durch Blockade von Schmerzsubstanzen im peripheren Nervensystem. Sie werden bei schwachen bis mittelstarken Schmerzen eingesetzt und haben zusätzlich meist entzündungshemmende (antiphlogistische) und fiebersenkende (antipyretische) Eigenschaften. Die Hauptwirkstoffe dieser Gruppe sind Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen. Problematisch sind Kombinationen dieser Wirkstoffe mit zentral dämpfenden oder zentral erregenden Substanzen, wie z.B. Codein oder Koffein. Solche Analgetikakombinationen können die Entwicklung einer Abhängigkeit hervorrufen. Einfachpräparate weisen kein Abhängigkeitspotenzial auf. Zentral wirksame Analgetika hemmen die Weiterleitung der Schmerzimpulse im Zentralnervensystem oder verändern die Wahrnehmung und Verarbeitung der Schmerzreize im Gehirn. In diese Gruppe gehören Opiate und opioide Analgetika, die bei starken Schmerzen, z.B. Tumorschmerzen, eingesetzt werden. Opioide Wirkstoffe
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sind auch in hustenstillenden Medikamenten enthalten. Aufgrund ihres hohen Suchtpotenzials unterliegen zentral wirksame Analgetika dem Betäubungsmittelgesetz. Die Gefahr der Suchtentwicklung wird bei regelmäßiger therapeutischer Kontrolle als gering eingeschätzt. Ein Missbrauch erfolgt vor allem durch Konsumenten illegaler Drogen. Aufgrund der ähnlichen Wirkung werden opioide Analgetika u.a. als Ersatz für Heroin illegal gehandelt und eingenommen und auch in der Substitutionstherapie Drogenabhängiger eingesetzt (DHS: Medikamente, 18).
Die Ursache des Schmerzes wird durch Schmerzmittel nicht behoben (STIMMER 2000, 40).
Unabhängig vom Suchtpotenzial vieler Analgetika kann eine Langzeitanwendung zu stärkeren Schmerzen, Befindlichkeitsstörungen sowie Schädigungen der Magen-Darm-Schleimhaut und der Leber führen. Der Dauergebrauch von Kombinationspräparaten mit Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein schadet den Nieren (BZGA: Arzneimittel, 25).
Hypnotika, Sedativa und Tranquilizer
Schlaf- und Beruhigungsmittel wirken auf ähnliche Weise. Eine klare Abgrenzung ist schwierig; vielmehr sind die Übergänge zwischen den Gruppen fließend (BZGA: Arzneimittel, 26). Ihre Wirkstoffe sind Barbiturate, Benzodiazepine mit kurzer, mittlerer oder langer Halbwertzeit und Carbamate (ebenda, 22). „Moderne“ Schlafmittel, die seit den 70er bzw. 80er Jahren auf dem Markt sind, enthalten die Wirkstoffe Zolpidem, Zopiclon oder Zaleplon. Diese wirken ähnlich den Benzodiazepinen.
Hypnotika beinhalten kurz bis mittellang wirkende Benzodiazepine und werden vorwiegend bei Ein- und Durchschlafstörungen eingesetzt. Sedativa dienen der Beruhigung am Tage. Tranquilizer mit lang wirkenden Benzodiazepinen wirken anxiolytisch, d.h. sie lösen Angst- und Spannungszustände, werden darüber hinaus aber auch zur Sedierung vor Operationen, bei schweren physischen Krankheiten und im Alkoholentzug angewendet. Als Schlafmittel sind sie nicht geeignet: durch ihre lange Wirkdauer treten am Morgen Nachwirkungen auf, die als hang over bezeichnet werden. Zudem kann sich der Wirkstoff im Körper anreichern (DHS: Medikamente, 10). Barbiturate können - je nach Dosierung - beruhigend, schlaffördernd oder betäubend auf das Zentralnervensystem wirken.
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Problematisch ist eine Langzeitanwendung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, da das Risiko einer Abhängigkeit mit der Anwendungsdauer steigt. Der regelmäßige Gebrauch von benzodiazepinhaltigen Medikamenten wirkt
verlangsamend auf die körperliche und geistige Beweglichkeit. Kritik- und Distanzfähigkeit gehen verloren. Zunehmende Gleichgültigkeit und Emotionslosigkeit tragen zum Verfall der Persönlichkeit bei.
Ein plötzliches Absetzen von Benzodiazepinen ruft starke Entzugserscheinungen hervor, u.a. Unruhe, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Halluzinationen und Psychosen. Das Medikament sollte daher durch ständige Dosisverringerung über mehrere Wochen „ausgeschlichen“ werden (BZGA: Arzneimittel, 27). Man kann zwischen einer Niedrigdosis- und einer Hochdosis- Abhängigkeit unterscheiden. Letztere entsteht durch Toleranzentwicklung und daraus folgender Dosissteigerung. Werden Angststörungen und ängstlich- depressive Verstimmungen über einen längeren Zeitraum mit Benzodiazepinen behandelt, können diese Störungen chronisch werden (DHS: Medikamente, 12).
Die tägliche Einnahme von Schlafmitteln des Barbiturat- Typs führt schnell zu einer Toleranzentwicklung, die eine Dosiserhöhung erfordert. Das Absetzen des Präparates sollte ebenfalls schleichend erfolgen (BZGA: Arzneimittel, 27). Zolpidemhaltige Medikamente weisen folgende Nebenwirkungen auf: visuelle Wahrnehmungsstörungen, Psychosen, Amnesien und optische Halluzinationen. Auch Zopiclon hat in Einzelfällen schwerwiegende Nebenwirkungen. Schlaf- und Beruhigungsmittel dieser neueren Generation besitzen gegenüber Benzodiazepinen jedoch ein geringeres Abhängigkeitspotenzial (DHS: Medikamente, 14).
Stimulanzien
Stimulanzien wirken anregend und aktivierend auf das Zentralnervensystem. Neben Amphetaminen und Ephedrinen zählt auch Coffein zu dieser pharmakologischen Gruppe. Bei Langzeitgebrauch stellt sich eine Toleranzentwicklung ein. Gewichtsverlust, Konzentrations- oder Schlafstörungen sowie psychotische Verhaltensweisen können ebenfalls resultieren. Ein Absetzen ruft meist der primären Wirkung entgegengesetzte Effekte hervor. Psychostimulanzien weisen ein mittleres bis hohes Missbrauchspotenzial auf und können in eine psychische Abhängigkeit führen (BZGA: Arzneimittel, 29).
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Der in Deutschland am häufigsten verordnete psychostimulierende Wirkstoff ist Methylphenidat, ein Amphetamin. Er ist in den Medikamenten Ritalin und Medikinet enthalten, die zur Behandlung der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung bei Kindern eingesetzt werden (DHS: Medikamente, 16).
2.1.4 Sucht und Abhängigkeit
Das Wort Sucht leitet sich etymologisch von dem Wort „siech“ ab, das in etwa „krank“ bedeutet (WAIBEL 1994, 12). Bis zum 16. Jahrhundert war Sucht eine allgemeine Bezeichnung für Krankheit, enthalten z.B. in den Wörtern Schwindsucht oder Fallsucht. In der Folgezeit wurde der Begriff zunehmend mit negativen Assoziationen besetzt, was in den Bezeichnungen Geldsucht, Rachsucht, Tobsucht oder Eifersucht zum Ausdruck kommt. Umgangssprachlich bezieht sich der Begriff Sucht auch heute noch auf solche laster- und zwanghaften Verhaltensweisen. Im 19. Jahrhundert wurde Sucht schließlich zum Begriff einer spezifischen Krankheit, dem Alkoholismus, der bis dahin als Trunksucht bekannt war. Da immer mehr Substanzen entdeckt und entwickelt wurden, die wie Alkohol zu einer Suchtentwicklung führten, gab die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1950 eine Definition von Sucht heraus. Danach war Sucht ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge, verbunden mit psychischer und körperlicher Abhängigkeit, Dosissteigerung sowie schädlichen Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft. Diese Definition stellte sich jedoch als unzureichend heraus (STING & BLUM 2003, 27). Daraufhin ersetzte die WHO im Jahre 1964 den Begriff Sucht durch den Begriff der Drogenabhängigkeit: „Drogenabhängigkeit ist ein Zustand psychischer oder psychischer und physischer Abhängigkeit von einer Substanz mit zentralnervöser Wirkung, die zeitweise oder fortgesetzt eingenommen wird“ (NIEBAUM 2001, 25).
Sucht wurde somit zu einer Abhängigkeitserkrankung deklariert (STING & BLUM 2003, 28).
Eine psychische Abhängigkeit besteht in dem starken seelischen Verlangen, eine Droge wiederholt zu konsumieren. Das gesamte Leben wird weitgehend auf den Drogenkonsum ausgerichtet: das Interesse des Konsumenten konzentriert sich
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zunehmend auf die Droge und soziale Beziehungen werden vernachlässigt (BARTSCH & KNIGGE-ILLNER 1995, 15).
Die physische Toleranzentwicklung nach mehrmaligem Konsum einer Droge, die eine Dosissteigerung erforderlich macht sowie auftretende Entzugssymptome nach Absetzen der Droge sind typische Merkmale einer physischen Abhängigkeit. Nicht jeder Konsum führt in eine Abhängigkeit. Der gelegentliche Konsum und auch die sinnvolle Verwendung von potentiellen Suchtmitteln gilt als Gebrauch. Dazu zählt z.B. auch die Verwendung von Alkohol zur Wunddesinfektion. Genuss ist ein als angenehm empfundener Konsum. Wird der Genuss zu häufig oder in unangemessenen Situationen herbeigeführt, liegt ein Missbrauch vor. Durch missbräuchlichen Konsum schadet der Konsument nicht nur sich selbst, sondern gefährdet auch andere, so z.B. beim Trinken von Alkohol am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr sowie durch Rauchen in der Schwangerschaft. Ein Mensch, der abends ein Bier oder ein Glas Wein braucht, um entspannen zu können, hat sich an den Konsum gewöhnt. In diesem Fall liegt eine physische und psychische Bindung an ein Suchtmittel vor und der Übergang in die Abhängigkeit, die durch eine Chronifizierung dieser Bindung gekennzeichnet ist, ist fließend (BÄUERLE 1996b, 41).
GANTNER formuliert folgende Faustregel: „Je höher die Dosis, je regelmäßiger der Konsum, je mehr andere Drogen konsumiert werden und je unangemessener die Situation, desto größer ist das Missbrauchs- bzw. Abhängigkeitsrisiko“ (zit. nach GANTNER 2003, 87)
Aktuelle Definitionen der Sucht beziehen sich nicht nur auf die Drogenabhängigkeit, sondern schließen neben stoffgebundenen auch stoffungebundene Süchte ein. SCHULZ definiert Sucht als ein „unabweisbares, starkes Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand“, welches sich sowohl auf Drogen als auch auf Verhaltensweisen beziehen kann (STIMMER 2000, 581).
„Jedes menschliche Verhalten, das Lustgewinn bringt, kann süchtig machen (...)“ (BARTSCH & KNIGGE-ILLNER 1987, 166). Bei einer stoffungebundenen Sucht bezieht sich das Denken, Fühlen und Handeln von Menschen zunehmend auf bestimmte Tätigkeiten oder Verhaltensweisen, wobei ein von diesem Verhalten unabhängiges, selbstbestimmtes Leben für die Betroffenen immer weniger möglich wird (KOLLEHN & WEBER 1991, 13). Zu den stoffungebundenen Süchten zählen unter anderem Sport-, Spiel-, Mager-, Arbeits-, Kauf-, Fernseh-, Internet-, Sex- und Abenteuersucht.
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2.1.5 Ursachenmodelle der Abhängigkeitsentwicklung
Sucht ist ein multikausales Geschehen. Ob jemand eine Abhängigkeit entwickelt oder nicht, kann weder zuverlässig vorausgesagt noch ausgeschlossen werden (BÄUERLE 1996a, 40). Es gibt nicht die Suchtursache oder die Suchtpersönlichkeit. Vielmehr spielen zahlreiche biologische, psychologische und soziologische Faktoren bei der Entwicklung einer Abhängigkeit zusammen. Diese wechselseitigen Beziehungen verdeutlicht das 1973 von KIELHOLZ und LADEWIG entwickelte „Trias der Entstehungsursachen von Sucht“ mit den Eckpunkten Person - Droge - Umwelt (LAGING 2005, 129):
Abbildung 1: Trias-Modell zu den Entstehungsursachen der Drogenabhängigkeit
(KIELHOLZ & LADEWIG, 1973).
Betrachtet man das soziale Umfeld differenzierter, so kann man zwischen sozialem Nahraum und gesellschaftlichem Rahmen unterscheiden (NIEBAUM 2001, 118). Risikofaktoren für eine Abhängigkeitsentstehung sind demnach in der Person selbst, ihrem sozialen Nahraum, den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und in der Droge zu suchen. Diesen Bereichen sind aber auch sog. Schutzfaktoren zuzuordnen, die einem Substanzmissbrauch entgegenwirken (LAGING 2005, 129). Selbst die Existenz mehrerer Risikofaktoren muss daher nicht in süchtiges Verhalten münden.
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Vor allem emotional labile, stimulierungs- und erlebnisbedürftige Jugendliche sind gefährdet, eine Substanz dauerhaft als Hilfsmittel zur Lebensbewältigung zu missbrauchen (HURRELMANN 2007, 169). Als Motive für einen dauerhaften Zigarettenkonsum gelten ein geringes Selbstwertgefühl, Verhaltensunsicherheit, Leistungsdefizite in der Schule, Unzufriedenheit mit dem eigenen Äußeren und ein geringes Ansehen unter Gleichaltrigen (ebenda, 172). Faktoren, die einem Zigarettenkonsum vorbeugen, sind Sport, ein gutes Verhältnis zu den Eltern, Lebenszufriedenheit, ein als sehr gut empfundener Gesundheitszustand sowie Zufriedenheit mit den schulischen Leistungen (LANDESSTELLE BERLIN GEGEN DIE SUCHTGEFAHREN E.V., 3).
Selbstwertprobleme und Unsicherheit sind auch Prädiktoren für einen übermäßigen Alkoholkonsum. Darüber hinaus spielen eine Alkoholabhängigkeit der Eltern und allgemein belastende Familienverhältnisse, die die eigene Identitätsfindung stören, eine große Rolle (HURRELMANN 2007, 173).
Das Trias- Modell als ein multifaktorielles Suchtmodell stellt die Vielfalt der Einfluss-faktoren für eine Abhängigkeitsentwicklung dar. Es verdeutlicht aber nicht, auf welche Weise einzelne Risiko- und Schutzfaktoren zusammenwirken. Die gleiche Gewichtung aller Einfluss nehmenden Faktoren ist zudem nicht realistisch. Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass diese Faktoren eine individuell verschieden hohe Relevanz besitzen (LAGING 2005, 130).
Psychologische, soziologische, neurophysiologische und genetische Theorien bieten Antworten zu kausalen Zusammenhängen zwischen Ursache und Wirkung des Drogenkonsums, indem sie das Zusammenspiel einzelner Faktoren näher betrachten. Eine allübergreifende umfassende Theorie zur Suchtentstehung existiert bisher jedoch nicht (LAGING 2005, 150).
2.1.6 Drogenkonsum im Jugendalter
Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es das Jugendalter als eine Phase im Lebenslauf noch nicht. Erst danach kristallisierte es sich im Zusammenhang mit komplexeren Berufsbildern und der Erfordernis einer speziellen Berufsausbildung heraus. In den letzten 50 Jahren hat die Jugend eine starke zeitliche Ausdehnung erfahren. Das Jugendalter ist die Übergangsphase, in der das Kind zum Erwachsenen heranreift. Es
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erstreckt sich über eine Spanne von durchschnittlich 15 Jahren: als Jugendliche gelten heute junge Menschen im Alter von 11/12 Jahren bis hin zu 26/27 Jahren (HURRELMANN 2007, 17).
Jugendliche haben viele Entwicklungsaufgaben zu meistern. Körperliche und psychische Veränderungsprozesse müssen verarbeitet und die eigene Identität gefunden werden. Durch Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und Werten gilt es, ein eigenes Wertesystem zu schaffen. Jugend bedeutet auch emotionale Ablösung: an die Stelle der Eltern als wichtigste Bezugspersonen treten nun zunehmend Gleichaltrige aus dem Freundeskreis. Leistungsanforderungen in Schule und Ausbildung wollen bewältigt und ein eigener Lebensplan entworfen werden. Zudem müssen Jugendliche lernen, mit der Angebotsvielfalt unserer Konsumgesellschaft angemessen umzugehen und Angebote - auch an gesundheitsgefährdenden Suchtstoffen - kritisch zu hinterfragen (BZGA 2001, 16).
Jugendliche zeigen eine erhöhte Bereitschaft zu Risikoverhaltensweisen. Sie erleben sich selbst als gesund und unverletzbar und sind stark gegenwartsorientiert. Mögliche Langzeitfolgen eines Risikoverhaltens werden als persönlich irrelevant eingeschätzt und treten gegenüber den als positiv bewerteten kurzfristigen Konsequenzen in den Hintergrund (BOTVIN & TORTU 1988, 100).
Das Jugendalter ist das Einstiegsalter in den Konsum legaler und illegaler Drogen mit Ausnahme von Medikamenten, die bereits im Kindesalter konsumiert werden. Der experimentelle Konsum psychoaktiver Substanzen gilt aus
entwicklungspsychologischer Perspektive als normal. Absolute Abstinenz im Jugendalter ist vielmehr differenziert zu betrachten, da abstinente Jugendliche oft ein geringeres Maß an psychischer Stabilität aufweisen als experimentierende Gleichaltrige und eher sozial isoliert sind (LEPPIN 2000, 64). Durch Probieren können die Jugendlichen einen verantwortungsbewussten Umgang mit psychoaktiven Substanzen erlernen und Grenzen ausloten. Zudem hat jugendlicher Substanzkonsum eine Funktion bei der Bewältigung der zahlreichen Entwicklungsaufgaben: so kann er z.B. den Kontakt zu Gleichaltrigen durch Abbau von Hemmungen erleichtern (LAGING 2005, 136). In der Drogenaffinitätsstudie der BZGA von 2004 gaben die Jugendlichen an, sich von einem Drogenkonsum zudem Glücksgefühle und Abstand vom Alltag zu erhoffen (BZGA 2004b, 4). Der Konsum stellt allerdings nur eine ausweichende Form der Problembewältigung dar, da lediglich das subjektive Befinden manipuliert und der
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Entwicklungsdruck nur kurzfristig gemindert wird. Zu einer Reifung der Persönlichkeit trägt der Substanzkonsum nicht bei.
Problematisch ist daher ein über den von Neugier geprägten Experimentierkonsum hinausgehender, regelmäßiger und dauerhafter Missbrauch psychoaktiver Substanzen mit schwerwiegenden psychischen, physischen und sozialen Folgen für den Konsumenten (HURRELMANN 2007, 169). Jeglicher Drogenkonsum vor der Jugendphase stellt ebenfalls einen Missbrauch dar (LEPPIN 2000, 65). Aus pädagogischer Sicht liegt ein Missbrauch immer dann vor, wenn durch den Konsum die Persönlichkeitsentwicklung, die sozialen Beziehungen und die körperliche Gesundheit des Kindes oder Jugendlichen behindert wird (BÄUERLE 1996a, 34). Besonders anfällig für einen Drogenmissbrauch sind Jugendliche, die bereits in der Kindheit physische und psychosoziale Beeinträchtigungen erfahren haben (SILBEREISEN 1998, 1062). Mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter bzw. mit der Übernahme von Erwachsenenrollen wie Berufsausübung, Partnerschaft und Elternschaft geht der Substanzkonsum in der Regel zurück bzw. pendelt sich auf ein gesellschaftlich akzeptiertes und rollenkonformes Maß ein (LAGING 2005, 136). Eine Ausnahme bilden auch hier junge Erwachsene mit in der Kindheit erfahrenen Risikofaktoren: sie sind in besonderem Maße gefährdet, ihre in der Jugend etablierten problematischen Konsummuster beizubehalten (SILBEREISEN 1998, 1062).
Auffassungen, Kenntnisse und Erwartungen, die den Konsum von Tabak und Alkohol betreffen, werden bereits im Kindesalter durch Modelllernen erworben. Besonders das Konsumverhalten der Eltern spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Familie ist meist auch der Ort, in der der erste Schluck Alkohol getrunken wird. Zigaretten und illegale Drogen werden hingegen eher heimlich im Freundeskreis probiert (FISCHER & LEPPIN 2006, 136).
Im Jugendalter ist eine typische Reihenfolge der konsumierten Substanzen zu verzeichnen: Der Einstieg erfolgt über psychoaktive Arzneimittel, Tabak und Alkohol, gefolgt von Cannabis und Ecstasy. Ein regelmäßiger Gebrauch von Cannabis und Ecstasy wiederum bahnt den Weg zu harten illegalen Drogen. Die Zahl der Konsumenten sinkt jedoch mit jeder nächstfolgenden Stufe stark ab: nur sehr wenige Jugendliche machen Erfahrungen mit harten illegalen Drogen (WEICHOLD & SILBEREISEN 2006, 158). Diese Stufenfolge des Konsums entspricht der Gateway-Theorie nach KANDEL. Präventionsmaßnahmen für die sogenannten gateway-drugs
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Katharina Manohr, 2007, Alltagsdrogen - Interviews zu Schülervorstellungen vor dem Hintergrund des Life-Skills-Ansatzes, Munich, GRIN Publishing GmbH
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