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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Autoren 4
2.1 Robert Launay 4
2.2 Kerstin Bauer 5
3. Der Begriff des wirtschaftlichen Handelns 5
3.1 Historische Entwicklung 5
3.2 Fernhandel und regionale Ökonomie 6
4. Die Dyula-Gesellschaft 7
4.1 Übersicht 7
4.2 Name 7
4.3 Eigen- und Fremdbezeichnung 7
4.4 Lebensziele 9
4.5 Niederlassung 10
5. Historische Situation 10
5.1 Anfänge 10
5.2 Handelsroute Nord-Süd eine Form des target trade 11
5.3 Der regionale Handel ein value business 13
6. Kolonialzeit - Zeiten der Veränderung 14
6.1 Einmarsch der Franzosen 14
6.2 Umbruch durch Abschaffung der Sklaverei und Sicherheit im Süden 15
6.3 Einführung von Rinderzucht 15
6.4 Neue Transportmittel: Eisenbahn und Lastwagen 16
7. Postkoloniale Lage Zeiten der Anpassung 16
7.1 Moderne Textilindustrie 16
7.2 Tourismus 17
8. Heutige Situation 18
8.1 Handel heute 18
8.2 Warenproduktion 19
8.3 Sozial-ökonomische Situation 19
9. Schlussfazit 22
10. Karte von Côte d Ivoire 23
11. Literaturverzeichnis 24
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Einleitung
In dieser Seminararbeit im Fach Ethnologie möchte ich eingehend das Volk der Dyula im Allgemeinen und ihre Wirtschaftsweisen im Speziellen untersuchen. Um ein der Komplexität der Materie angemessenes Bild der Situation darzustellen, wird die historische Lage im Zeitraum ab etwa dem sechzehnten Jahrhundert mit der heutigen Situation verglichen. In diesem chronologischen Kontext ist die koloniale Zeit mit all ihren Folgen entscheidend. Im Fokus dieser Arbeit stehen ethnologische, wie auch wirtschaftliche Fragen im globalen und lokalen Zusammenhang. Darüber hinaus gilt mein Interesse auch aktuellen Problematiken, sei es der Umgang mit neu entstehenden Anforderungen in der Arbeitswelt, die Adaption an sich wandelnde Lebensumstände oder aber die schwindende Bedeutung von ehemals zentralen Lebensaufgaben.
Der Wandel in der Arbeitswelt und in den Lebensumständen betrifft in meinen Augen jeden einzelnen Menschen. Mit dem Verschwinden von ehemals zentralen Lebensumständen müssen sich aber ganz besonders die Menschen auseinandersetzen, die sehr von den Veränderungen der Globalisierung betroffen sind, wie beispielsweise die Bewohner der Côte d’Ivoire. In dieser Arbeit möchte ich nun der Frage nachgehen, wie das Volk der Dyula lebte und wirtschaftete und wie die Menschen es heute schaffen, mit der neuen, veränderten Strategien ihren wirtschaftlichen Alltag innerhalb neuer Rahmenbedingungen zu meistern. Mein Ziel ist es, diesen anspruchsvollen Prozess der Veränderung eines Volkes und einer Region anhand des Beispiels der Dyula zu veranschaulichen.
Die Grundstruktur der Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Im ersten Teil wird ein Überblick über die Autoren gegeben, deren Werke grundlegend für diese Arbeit waren. Im Anschluss folgt eine Begriffsbestimmung der Konzepte ‚Handel’ und ‚Dyula’. Kapitel 5 skizziert die historische Lage der Dyula und ihrer Handelsaktivität entlang der Nord-Süd-Route und innerhalb des Bezirkes, anschließend werden in Kapitel 6 die Kolonialzeit und die damit einhergehenden Veränderungen durch die Franzosen und durch neue Transportmöglichkeiten beschrieben. Der letzte Teil betrachtet die Zeit seit der Unabhängigkeit in den Sechziger Jahren des Landes und inwiefern moderne Textilindustrie und der Tourismus auf die Wirtschaft Einfluss genommen haben. Im Schlussteil werden die aktuelle Situation der Dyula und die des Handelns veranschaulicht.
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1. Autoren
1.1 Robert Launay
Robert Launay ist Ethnologe. Sein Studium absolvierte er in den USA, England und Frankreich. Er betrieb intensiv Feldforschung in Westafrika (im Speziellen in Côte d’Ivoire), wo er sich mit muslimischen Händlergruppen auseinandersetzte. Sein erstes Buch ist Traders without Trade, 1982 erschienen. Sein zweites Buch, Beyond the Stream: Islam and Society in a West African Town (1992) gewann den “Amaury Talbot Prize” für die beste afrikanische Ethnographie in England. In diesem Werk beschreibt er islamische Praktiken in Koko, einem Viertel von Korgoho. Eine kurze, differenzierte Zusammenfassung des Buches von Elizabeth Sirriyeh findet sich im Journal of Religion in Africa.
Heute unterrichtet er an der North Western University in den USA, mit dem Schwerpunkt auf die Geschichte der Ethnologie. Launay veröffentlichte viele Artikel zur Frühgeschichte und Geschichte der Ethnographie in Afrika. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind nebst den eben genannten: zeitgenössische Entwicklung, Religionsethnologie mit besonderem Fokus auf den Islam und historische Ethnographie in Westafrika.
Heute arbeitet er zusammen mit Asylbewerbern, die politisches Asyl in den Vereinigten Staaten suchen. Momentan schreibt Launay an einem neuen Buch: Savages, Despots, and Romans: The Urge to Compare and the Origins of Anthropology. 1 Die meisten Informationen in dieser Arbeit stammen aus dem Buch Traders without Trade. Es entstand nach einem Aufenthalt von 21 Monaten bei den Dyula im Rahmen einer Forschung, die von der Columbia University gefördert wurde. Ein kritisches Zitat von Richard Roberts fasst die Studie sehr gut zusammen: „The study is based on a fairly conventional research design comparing an urban and a rural Dyula settlement over more than a century although the author does not pay sufficient attention to local and subtle changes within the broad chronological periods which he defines. Launay’s study of the Ivory Coast Dyula provides a richly supported and carefully argued case for the polysemic ambiguity of ethnicity which adds to the growing literature on the dynamics of social boundaries in contemporary Africa” (Roberts, 1984: 108).
1 http://www.anthropology.northwestern.edu/faculty/launay.html [20.02.2008]
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1.2 Kerstin Bauer
Kerstin Bauer studiere an der Universität Bayreuth Ethnologie, Volkskunde und Soziologie und schloss dieses 1996 ab. Ihre thematischen Schwerpunkte sind materielle Kultur, Konsumforschung, Kulturwandel und Globalisierung, sozialer Wandel, Staat und Staatlichkeit und ihr regionaler Schwerpunkt ist Westafrika, wohin sie zahlreiche Feldforschungen unternahm.
Sie arbeitete bei verschiedenen Ausstellungsprojekten mit und hatte auch eigene Ausstellungen in Bayreuth. Seit 2001 ist sie wissenschaftliche Assistentin am Ethnologischen Seminar der Universität Basel und Dozentin am Zentrum für Afrikastudien Basel. 2 Sie promovierte 2005 zum Thema Kleidung im Norden der Côte d’Ivoire. Geschichte und Dynamiken des Wandels, vom Ende des 19. Jahrhunderts bis Beginn des 21. Jahrhunderts. Aus diesem Werk sind die Informationen zu den aktuellen Entwicklungen.
2. Der Begriff des wirtschaftlichen Handelns
2.1 Historische Entwicklung
Unter dem Begriff des Handelns versteht man im Sinne der klassischen Ökonomischen Theorie die Aktivität von Gütertausch durch Verkauf gegen Geld oder durch Warentausch gegen andere Handelsgegenstände. Damit ein Handel stattfindet, benötigt es eine Nachfrage von knappem Gut, Zahlungsmittel, einen Käufer, einen Verkäufer und meist auch einen oder mehreren Zwischenhändler. 3 Die historischen Wurzeln des professionellen Handelns liegen im Altertum, als sich der Handel um das Mittelmeer herum mit Phönikern, Karthagern und Griechen entwickelte. 4 Der Fernhandel zwischen dem Orient und Europa blühte im 12. Jahrhundert auf (bedeutende Orte: Byzanz, Venedig, Genua); im Zeitalter der Entdeckungen wurden neue Kontinente erschlossen und mit den Forschungsreisen kamen neue, exotische Güter auf den Markt. Bis Beginn des 20. Jahrhunderts war Europa das Zentrum des Welthandels, heute spielen die Vereinigten Staaten und asiatische Länder sehr bedeutende Rollen wirtschaftlicher und finanzieller Natur. Durch die fortschreitende Globalisierung haben sich viele wirtschaftliche Vereinigungen auf globaler, kontinentaler und nationaler Ebene (z.B. WTO, EU, Seco) gebildet.
2 http://www.unibas-ethno.ch/redakteure/bauer/detail.php [24.2.2008] 3 http://lexikon.meyers.de/meyers/Handel [20.2.2008] 4 http://lexikon.meyers.de/meyers/Handel [20.2.2008]
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2.2 Fernhandel und regionale Ökonomie
Handloff zufolge gibt es stets von Afrikareisenden ausgeschmückte Beschreibungen von Fernhandel, doch die Beziehung zum regionalen Gütertausch bleibt unklar (vgl. Handloff, 1982: 277). Viele Autoren bemühen sich um eine Veranschaulichung dieser Beziehung, so auch Vansina: „The structure of indigenous trade in Central Africa makes it necessary to distinguish between three different types of trade. There is first the local trade from village to village within a given population. The goods exchanged are generally specialized products from local industry. […] A second type of trade is conducted over greater distances either between culturally different peoples within a single state, or between neighbouring peoples. Transactions are made at market-places. […] Long-distance trade [is] the third type of trade. […] It involves more than a passing on from market to market of goods coming from distant places; it is direct trade over long distances” (Vansina, 1962: 375ff).
De facto ist diese Definition nicht haltbar, da weder der Dorfhandel auf örtlichen Güter beschränkt ist noch vom Fernhandel ausgeschlossen ist. Für Gray und Birmingham (1970) ist ein anderes Kriterium zur Differenzierung relevant: Sie unterscheiden in den Wirtschaftsweisen, nämlich, ob Güter zum Eigenbedarf hergestellt werden und im Rahmen der Verwandtschaft ausgetauscht wird oder ob „trade freed from subsistence and kinship shackles“ war (Handloff, 1982: 278). Des weiteren konnte Handel „to the formation of capital, increased consumer demand, and economic specialization, especially in the production of export commodities” (Handloff, 1982: 278) führen.
Eine dritte Typologie wird von Meillassoux (1971) vorgeschlagen. Er unterteilt Handel in drei Kategorien. Die erste ist ‚target trade’ (vgl. Handloff, 1982: 279), welcher nur zu Stande kommt, wenn ein Überschuss an Waren vorhanden ist und daher nicht das ganze Jahr über stattfinden kann. Die zweite bezeichnet Händler, die Güter lediglich des Austauschwertes und des Profits wegen akkumulieren. Da keine Bezeichnung für die Kategorie existiert, werde ich sie nachfolgend ‚value business’ nennen. Die letzte Kategorie, ‚true commerce’ (Handloff, 1982: 279), beinhaltet das Handeln mit dem Medium Geld und der anschließenden Umwandlung von Profit zu Kapital. Dieser Handel findet ausschließlich um des Gewinns Willen statt.
In den Kapiteln 5 und 8 werde ich wieder auf die Typologie von Meillassoux zurückkehren, da sie für meine Arbeit von den drei vorangegangenen Beispielen die sinnvollsten Kategorien darstellen und sie gut auf das Beispiel der Dyula anwendbar sind. Meillassoux betrachtet nicht nur eine, sondern mehrere Wirtschaftsweisen. Seine dargestellten Typen sind zudem deutlich voneinander abgrenzbar, was die anderen beiden Kategorisierungen nicht sind.
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3. Die Dyula-Gesellschaft
3.1 Übersicht
Um eine Grundlage für die Arbeit zu schaffen, wird nun ein kurzer Überblick über die Dyula gegeben. Etwa im 15. Jahrhundert begannen die Dyula, ihre Netzwerke zu bilden, woraus ihre Handelstätigkeit entstand. 5 „In the nineteenth century, the Dyula in the savannah hinterland
of the Ivory Coast inhabited a simple social universe. They were Muslim, Malinke-speaking traders, who avoided subsistence farming whenever possible” (Roberts, 1984: 107). Nach Greenberg gehört Malinke bzw. Manding in Familie der Mande-Sprachen und diese ist wiederum eine Untergruppe der Niger-Kongo Sprachfamilie (vgl. Greenberg, 1970: 8).
3.2 Name
In den verschiedenen Dialekten des Manding hat Dyula verschiedene Bedeutungen. Die Bedeutung, die bis heute Gültigkeit hat, lautet ‚umherziehender Händler’. Andere Bedeutungen sind so veraltet, dass sie außerhalb des kolonialen und postkolonialen Rahmens unverständlich sind (vgl. Launay, 1982: 1).
3.3 Eigen- und Fremdbezeichnung
Zunächst sollte der Begriff der Ethnizität grundlegend dargestellt werden. Das Wort ist eine Eindeutschung vom englischen ethnicity. Es „zielt auf die Beziehungen zwischen ethnischen Gruppen (Ethnien) und lässt sich am besten als ‚Denken in ethnischen Kategorien’ übersetzen. Ethnien sind familienübergreifende Gruppen, die sich selbst eine kollektive Identität zuschreiben und/oder von außen als Gruppe definiert werden. Die Kriterien [der] Außengrenze […] sind höchst wandelbar und greifen immer nur auf einen kleinen Teil des kulturellen Repertoires auf“ (Mabe, 2002: 51). Folglich ist Ethnizität ein theoretisches Konstrukt.
Grundsätzliche problematisch ist am Begriff ‚Dyula’, dass er einerseits eine ethnische Gruppe und andererseits eine berufliche Zugehörigkeit kennzeichnet (vgl. Bauer, 2007: 32ff). Durch die zunehmenden Möglichkeiten der Mobilität vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts entstand eine starke Migration innerhalb der Côte d’Ivoire sowie auch innerhalb ganz Afrika. „Under these circumstances, it is hardly surprising, that the term ‚Dyula’ has become a ‚super tribal’ ethnic label (see Rouch 1956), a global category lumping peoples who heretofore, or in their home regions, considered themselves distinct, but who, as immigrant strangers, are seen – and may well see themselves – as relatively similar both culturally and 5 http://www.everyculture.com/Africa-Middle-East/Dyula-Economy.html [12.2.2008]
Arbeit zitieren:
Florence Chazarenc, 2008, Handel und Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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