Fachrichtung: Sozialpsychologie
21.12.2007
Semester: HS 2007
Universität Mannheim
Reduktion von Stereotypen und Vorurteilen
Welche Möglichkeiten gibt es?
Hausarbeit für das Hauptseminar
,,Stereotype und Vorurteile"
Lisa Breiter
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Kurze Einführung zu Stereotypen und Vorurteilen ... 4
3. Möglichkeiten der Reduktion von Stereotypen und Vorurteilen... 5
3.1. Gedankenunterdrückung... 5
3.2. Kontakthypothese ... 7
3.3. Empathie... 9
3.4. Perspective-taking ... 12
4. Fazit ... 13
Literaturverzeichnis... 16
3
1. Einleitung
Stereotype und Vorurteile sind allgegenwärtige Phänomene des alltäglichen Lebens, die
Menschen helfen, ihre mentalen Strukturen zu ordnen. Dabei können Stereotypen sowohl
sinnvoll, als auch weniger sinnvoll sein, bzw. negativ, als auch positiv. Häufig treten sie in
Bezug auf stigmatisierte Gruppen auf, z. B. ethnische Minderheiten, was zu
diskriminierendem Verhalten gegenüber diesen Gruppen oder einzelnen Mitgliedern führen
kann. Menschen möchten oftmals ihre stereotypen Einstellungen gegenüber anderen
verstecken, um nicht z. B. als Rassist abgestempelt zu werden. Doch dadurch ergibt sich keine
dauerhafte Einstellungsänderung.
Ich finde das Thema bedarf näheren Untersuchungen, da man, um den Einfluss von
Stereotypen auf unsere Einstellungen und unser Handeln zu verstehen, zunächst untersuchen
sollte, warum Stereotypen entstehen und wann sie den Menschen beeinflussen. Nachdem dies
erkannt wurde, ist es möglich, sich Gedanken über die Reduktion von Stereotypen zu machen.
In ihrem sozialen Umfeld begegnen Menschen fortwährend stereotypbehafteten Personen. In
manchen Situationen hat dies keinerlei negative Auswirkungen, da diese Stereotype korrekt
sind und somit zu einem leichteren Verständnis unserer Umwelt beitragen. In vielen Fällen
treffen sie jedoch nicht zu oder lassen sich nicht bedingungslos auf alle Personen einer
stereotypen Gruppe übertragen. Hier wäre es am sinnvollsten Stereotype komplett ausschalten
zu können. Doch dies ist leider nicht so einfach. Ich finde es faszinierend, dass Methoden wie
Unterdrückung des Stereotyps unter Umständen sogar genau das Gegenteil bewirken können,
obwohl es zunächst als eine plausible Idee erscheint. Doch wie ist es nun möglich,
Stereotypen zu reduzieren und lassen sie sich eventuell auch komplett beseitigen? Diesen
Fragen möchte ich in meiner Hausarbeit auf den Grund gehen.
Ziel meiner Hausarbeit ist es herauszufinden, welche Möglichkeiten der Stereotypenkontrolle
es gibt und welche ihre Vor- und Nachteile sind. Im Speziellen werde ich versuchen, die
Methode herauszufinden, welche am sinnvollsten erscheint und am realistischsten anwendbar
ist.
Zu Beginn meiner Hausarbeit möchte ich kurz auf die Entstehung und die Funktionen von
Stereotypen und Vorurteilen und ihren Auswirkungen eingehen. Im Anschluss stelle ich vier
potentielle Möglichkeiten der Reduktion von Stereotypen vor. Zum einen die
Gedankenunterdrückung, die einem beim Reduzieren von Stereotypen wohl am ehesten in
den Sinn kommt. Hier werden lediglich die unerwünschten Gedanken unterdrückt, aber nicht
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verändert, was unter Umständen sogar gegensätzlich verlaufen kann. Eine weitere
Möglichkeit ist die Kontakthypothese, bei der die ,,verfeindeten" Gruppen oder Personen in
direkten Kontakt treten. Dies ist allerdings nur unter bestimmten Umständen erfolgreich. Eine
dritte Möglichkeit ist das Hervorrufen von Empathie für ein Mitglied einer stigmatisierten
Gruppe. Diese Methode überschneidet sich mit perspective-taking, also das Betrachten der
Person oder deren Handeln von alternativen Standpunkten aus. Letzere Methode halte ich für
die sinnvollste, was ich am Ende meiner Arbeit näher erläutern möchte.
2. Kurze Einführung zu Stereotypen und Vorurteilen
Bei der Suche nach Definitionen von Stereotypen stößt man auf eine beachtliche Anzahl.
Lippmanns (1922) Erklärung finde ich persönlich sehr zutreffend: Stereotype sind "pictures in
one's head", die helfen, die Komplexität der Umgebung zu managen, da sie die soziale Welt
vereinfachen.
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Stereotype lassen sich auch als kognitive Strukturen umschreiben, die das
Wissen, die Überzeugungen und Erwartungen der wahrnehmenden Person über bestimmte
Gruppen von Menschen enthalten. Menschen haben also einen Satz von Attributionen in
ihrem Kopf, der Gruppen von Menschen zugeschrieben wird. Vorurteile bezeichnen fast
dasselbe. Es sind meist negative Einstellungen gegenüber Mitgliedern einer Gruppe.
Einstellungen lassen sich in drei Komponenten unterteilen. Einmal die affektive oder
emotionale Komponente, nämlich die Bewertung einer Person oder einer Gruppe. Das zweite
ist die kognitive Komponente, also das stereotype Wissen. Als dritte Komponente ist die
Verhaltenskomponente zu nennen, also die Handlungen einer Person, was in diesem Fall
häufig Diskriminierung bedeutet.
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Wie am Anfang schon erwähnt, müssen Stereotype nicht zwingend negativ und auch nicht
immer inkorrekt sein. Zudem sind sie für das bessere Verständnis der Welt notwendig. Die
Realität ist so komplex, dass Menschen sich in ihr ohne Stereotype wahrscheinlich nicht
zurechtfinden würden. Macrae et al. (1994) bezeichnen Stereotype deswegen als ,,energy-
saving-devices". Sie helfen die kognitiven Prozesse der Informationsverarbeitung und
Abspeicherung zu erleichtern. Sie vereinfachen die Wahrnehmung, die Urteilsbildung und die
1
Vgl. Lippmann, W. (1922). Public opinion. New York: Harcourt & Brace, S. 3ff.
2
Vgl. Aronson, E.A., Wilson, T.D., & Akert, R. (2003). Sozialpsychologie 4., aktualisierte Ausgabe. München:
Pearson Studium, S. 484f.
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Handlung. Ohne sie wäre das Bewerten einer fremden Person sehr viel aufwändiger, da man
sie so anhand einiger Merkmale einer sozialen Gruppe zuordnen kann.
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3. Möglichkeiten der Reduktion von Stereotypen und Vorurteilen
Einstellungen gegenüber stigmatisierten Gruppen sind schwer zu ändern. Dies hat mehrere
Gründe: Zum einen liegt das an kognitiven Prozessen, die gegen eine Änderung wirken
können. Wenn wir stereotypinkonsistente Informationen erhalten, kann dies dazu führen, dass
nicht unsere Sicht der gesamten Gruppe verändert wird, sondern wir die betreffende Person in
eine Subkategorie unterordnen, sie also als eine Ausnahme betrachten. Somit erfolgt
gegenüber der eigentlichen Kategorie keine Einstellungsänderung.
Zum anderen gibt es starke Beweggründe, die gegen die Veränderung wirken können. Eine
positivere Einstellung kann potentielles prosoziales Verhalten implizieren, kann aber auch die
eigene erhabene Position im Vergleich zur Gruppe bedrohen oder gegen den Gedanken einer
gerechten Welt sprechen. Also versuchen sich manchen Menschen dagegen zu wehren.
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In diesem Abschnitt möchte ich vier Möglichkeiten aufzählen, um Stereotypen und Vorurteile
zu reduzieren. Es handelt sich um Gedankenunterdrückung, bei der Stereotypen unterdrückt
werden sollen. Diese Methode ist sinnvoll, hat allerdings einige unerwünschte Nebeneffekte.
Eine weitere Möglichkeit ist, den Kontakt zwischen den Gruppen oder Personen herzustellen,
die übereinander Vorurteile haben. Dies ist allerdings nur unter bestimmten Bedingungen
sinnvoll. Zwei weitere, ähnliche Methoden sind das Fühlen von Empathie und perspektiv-
taking. Bei beiden geht es darum, sich in die andere Person oder Gruppe hineinzuversetzen
und zu versuchen möglichst gleich zu empfinden.
3.1. Gedankenunterdrückung
Gedankenunterdrückung ist eine Möglichkeit, die einem bei dem Versuch die Zugänglichkeit
und Anwendung sozialer Stereotypen zu verhindern am ehesten in den Sinn kommt.
Verschiedene Experimente konnten auch beweisen, dass dies eine sinnvolle Methode ist (u. a.
Macrae et al., 1994; Wegner et al., 1990). Hierbei spielen zwei kognitive Prozesse eine Rolle:
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Vgl. Macrae, C.N., Milne, A. B., & Bodenhausen, G.V. (1994). Stereotypes as energy saving devices: A peek
inside the toolbox. Journal of Personality and Social Psychology, 66, S. 37.
4
Vgl. Batson, C. D., Polycarpou, M. P., Harmon-Jones, E., Imhoff, H. J., Mitchener, E. C., Bednar, L. L., Klein
T. R., & Highberger, L. (1997). Empathy and attitudes: Can feeling for a member of a stigmatized group
improve feelings toward the group? Journal of Personality and Social Psychology, 72, S. 106.
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