I. Einleitung
Zu einem Menschen gehört nicht nur alleine die Fähigkeit zur Sprache als mögliches Kommunikationsmittel. Die Möglichkeit zur verbalen Kommunikation ist aber ein wesentliches Unterscheidungskriterium des Menschen zum Tier. Die Fähigkeit zur Sprache zeichnet den Menschen also unstrittig aus. Aber auch die verschiedensten Formen nichtsprachlicher Kommunikation bilden eine ganz wesentliche und konstituierende Komponente des Menschseins. Die sprachliche und die nonverbale Kommunikation zusammengenommen gehören zu den wesentlichen Faktoren, die die Kommunikation der Menschen überhaupt ausmachen. Beide Kommnukationsformen werden häufig interaktiv verwendet. Die nonverbalen Komponenten der Gesamtkommunikation sind den Menschen häufig nicht richtig bewußt:
„Trotz - oder vermutlich sogar richtiger: wegen - ihrer unterschwelligen Wirkungsweise kommt den nonverbalen Verhaltensformen eine wesentliche Funktion bei der Koordination und der Kooperation von Gesprächspartnern zu; und das Unbehagen, das viele Menschen dem Telefon gegenüber hegen, dürfte weitgehend daher rühren, daß bei Telefongesprächen die nonverbale Komponente wegfällt.“ 1 Ein sehr wichtiger Punkt wird in diesem Zitat angesprochen. Die nonverbalen Verhaltensformen laufen oft unbewußt ab. Aus diesem Grunde nehmen wir sie häufig nicht mit der nötigen Achtsamkeit wahr, obwohl sie, wie in dem Zitat angedeutet wird, eine relevante Rolle in der Alltagskommunikation spielen. In der Schule oder an der Universität treten die nonverbalen Verhaltensformen naturgemäß tagtäglich in großer Zahl auf. So könnte es für einen potentiellen späteren Pädagogen wichtig sein, nonverbale Verhaltensformen seiner eventuellen Schüler später auch als solche wahrnehmen zu können. Anzeichen und Botschaften, die die Schüler einem durch die nonverbale Kommunikation liefern, sollte man als Lehrender beurteilen und in ihrer Tragweite richtig einschätzen können. Im Duden findet man folgendes über das Wort Kommunikation:
1
Angelika Linke / Markus Nussbaumer / Paul R. Portmann, S. 273
1
„Verständigung untereinander, zwischenmenschlicher Verkehr besonders mit Hilfe von Sprache, Zeichen.“ 2 Betrachtet man diese Definitionen eingehend, so wird auch hier deutlich ersichtlich, daß nichtsprachliche Interaktionen zwischen Menschen unter dem Sammelbegriff der Kommunikation zu subsumieren sind. Bei den verschiedenen Arten der nichtsprachlichen Kommunikation werde ich in diesem Aufsatz geruchliche Signale, Berührungssignale, hörbare Signale und sichtbare Signale behandeln. Innerhalb dieser vier verschiedenen Themengebiete werde ich das Hauptgewicht auf die Kommunikation durch sichtbare Signale legen, da sich dieses Themengebiet wiederum in sehr viele andere Teilgebiete zerlegen läßt und somit thematisch am weitesten gefächert ist. Die Einheit der sichtbaren Signale und der Berührungssignale kann man als Körpersprache bezeichnen, wie David Crystal dies tut. 3 Unter dem Wort Körpersprache findet man im Duden folgenden Eintrag, der sich von David Crystals Definition etwas unterscheidet: „in Körperhaltung, Bewegung, Gestik, Mimik, sich ausdrückende psychische Konstitution, Gestimmheit.“ 4 Im Duden sind die Berührungssignale also nicht wie bei David Crystal explizit aufgeführt. Festzuhalten bleibt, daß Körpersprache auf jeden Fall die visuelle Kommunikation beinhaltet. In einem ganz kleinen Abschnitt der Schrift werde ich drei kurze Hypothesen vorstellen, die zu erklären versuchen, wie der Mensch zur verbalen Sprache gekommen sein könnte. Im letzten Abschnitt des Essays werde ich eine Form der symbolischen Kommunikation aus Hochland-Neuguinea beschreiben und erläutern.
Meine vorliegende Ausführungen basieren vor allem auf einem Aufsatz des Humanethologen Wulf Schiefenhövel, Signale zwischen Mensche -, Formen nichtsprachlicher Kommunikation fundiert. Andere Literatur wurde zu diesem Aufsatz komplementär verwendet.
2
Duden, S. 865
3
David Crystal, S. 399
4
Duden, S. 885
2
I. I. Zur Person des Autors
Wulf Schiefenhövel wurde 1943 geboren. Er studierte Medizin in München und Erlangen. 1984 habilitierte er in den Fächern Ethnomedizin und Medizinische Psychologie. Heute lehrt er als außerplanmäßiger Professor an der Universität München und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Humanethologie in der Max-Planck-Gesellschaft in Andechs. Außerdem ist er Lehrbeauftragter für Humanethologie an der Universität Innsbruck. Seit 1965 nahm er an verschiedenen Felduntersuchungen in Papua-Neuguinea, Irian Jaya (West-Neuguinea) und Indonesien teil. Von 1974-1980 war er Felddirektor des interdisziplinären Schwerpunktprogrammes der deutschen Forschungs- gemeinschaft Mensch, Kultur und Umwelt im zentralen Bergland von West- Neuguinea. Viele seiner wissenschaftlichen Arbeiten publizierte er in Zusammenarbeit mit Irenäus Eibl-Eibesfeldt.
II. Kommunikation durch geruchliche Signale
oder die olfaktorische Kommunikation
Sehr früh wurde in der Evolution der Lebewesen die Aufnahme und die Verbreitung chemischer Signale in Form von Duftstoffen für die Kommunikation auf- und ausgebaut. Normalerweise traut der moderne Mensch seinem Geruchssinn nicht besonders viel zu, schon gar nicht im Zusammenhang mit der Beurteilung oder Bewertung von Mitmenschen. Ein eher lustig und etwas obskur anmutendes Gegenbeispiel, welches nämlich belegen könnte, daß der Geruchssinn sehr wohl viel mit der Beurteilung und Einschätzung von Menschen zu tun haben könnte, ist folgendes:
„Ein Linguist etwa behauptete am Körpergeruch seiner Informanten erkennen zu können, ob sie unter Anspannung standen (und deshalb vielleicht weniger zuverlässige Daten lieferten)!“ 5
3
Sprachliche Redewendungen können uns aber genauso eines besseren belehren, denn zum Beispiel der in der deutschen Sprache fest verankerte Ausdruck: „Den kann ich nicht riechen.“, deutet bereits darauf hin, daß der Geruchssinn eine ziemlich wichtige Rolle in der zwischenmenschlichen Kommunikation und Beurteilung spielt. Jeder Mensch besitzt einen ihm völlig eigenen und individuellen Körpergeruch. Dieser spielt im menschlichen Zuammenleben eine relevante und regulierende Rolle. Der Mensch fühlt sich von manchen Menschen angezogen, hingegen von anderen wiederum abgestoßen. Zumindest teilweise sind diese Sympathien und Antipathien auf zueinander passende oder nicht zueinander passende Körpergerüche zurückzuführen. Nun ist es schwierig, diese Thesen des Sympathien und Antipathien bestimmenden Körpergeruchs exakt im normalen Alltag nachzuweisen. An diese Überlegungen anknüpfend dürfte es ferner schwierig sein, die Relevanz der olfaktorischen Kommunikation bei gleichgeschlechtlichen Personen bis ins letzte Detail zu erforschen. Eine ganz wesentliche Rolle spielt der Körpergeruch aber nachgewiesenermaßen beim erotisch-sexuellem Zusammensein verschiedengeschlechtlicher Personen. Infolge des sexuellen Erregungszustandes sondern die menschlichen Duftdrüsen besonders viel von ihrem Kommunikations-Sekret (Androstenon bei den Männern und Kopuline bei den Frauen) ab. Fraglich und noch nicht vollständig wissenschaftlich bewiesen ist die genaue, spezifische Funktion dieser menschlichen Duftsignale. Inzwischen ist es aber gelungen, die gut begründete Hypothese aufzustellen, daß Geruchsstoffe die Partnerwahl entscheidend mitbestimmen:
„Wenn der Sexualduft des potentiellen Partners als wenig attraktiv oder sogar aversiv (widerwärtig) empfunden wird, könnte dessen Immunsystem möglicherweise nicht zu dem der eigenen Person passen. Das wiederum hätte Konsequenzen für die Gesundheit der Nachkommen ...“ 6 Falls diese Hypothese stimmt, so macht es keinen evolutionsbiologischen Sinn, seinen eigenen Körpergeruch zu kaschieren. Dennoch benutzen die meisten Menschen künstliche Düfte, um ihren eigenen Körperduft zu verschleiern. Diese künstlichen Düfte gefährden eventuell die Gesundheit der Nachkommen, weil sie
4
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Dr. Stefan Schweizer, 2008, Nonverbale Kommunikation: Signale zwischen Menschen - Formen nichtsprachlicher Kommunikation, Munich, GRIN Publishing GmbH
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