AGAMEMNON
Eine griechische Sage
Verlag Ernst Probst
Nachdem die Griechen nach zehnjährigem Kampf endlich Troja bezwungen hatten, steuerten sie, reich an Ruhm und Beute, der heimatlichen Küste zu. Aber vielen Helden brachte die Heimfahrt noch größere Leiden als der lang andauernde Krieg, und anderen, wie Agamemnon, sollte die Rückkehr in die Heimat zum Verhängnis werden.
Seit Tantalos es gewagt hatte, mit den Göttern Spott zu treiben, lastete schwerer Fluch auf seinen Nachkommen. Pelops, der Sohn des Tantalos, hatte sich die schöne Hippodameia zur Frau genommen, nachdem er ihren Vater Martilos, einen Sohn des Hermes, getötet hatte. Die Rache, mit der die Götter Pelops verfolgten, übertrug sich auf seine Söhne Atreus und Thyestes: Bruderzwist und Verwandtenmord ließen den Fluch, der auf dem Geschlecht der Tantaliden lastete, sich immer von neuem erfüllen. Nur Aigisthos, der Sohn des Thyestes, überlebte das grauenvolle Morden, bei dem sein Vater durch das Schwert Agamemnons den Tod gefunden hatte. Als Agamemnon nun zum Kriege gegen Troja auszog, hielt Aigisthos die Stunde seiner Rache für gekommen. Bei Klytaimnestra fand er willige Unterstützung. Ihr Herz war voll Rachsucht gegen den Gatten Agamemnon, der ihre geliebte Tochter Iphigenie bei der Ausfahrt der Griechen hatte opfern wollen. Klytaimnestra verband sich treulos dem Aigisthos, und dieser regierte im Namen der Königin das Reich. Auf die Heimkehr des rechtmäßigen Königs und Gatten hatte das frevelnde Paar sich wohl vorbereitet, und als Agamemnon sich durch einen Herold anmelden ließ, schritt Klytaimnestra ihm mit heuchlerischer Freude entgegen, hieß ihn willkommen und führte ihn, der noch nichts von der Treulosigkeit seiner Gattin wußte, freundlich in den Palast. Nur Kassandra, des trojanischen Königs Priamos Tochter, die als Sklavin Agamemnons mitgeführt wurde, erkannte dank ihrer Sehergabe das Schicksal ihres Herrn, dem sie das Leben verdankte. Sie war jedoch eher bereit, mit ihm zu sterben, als ihre Warnung zu verkünden.
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Ernst Probst, 2003, Agamemnon. Eine griechische Sage, Munich, GRIN Publishing GmbH
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