1 EINLEITUNG 3
2 DAS PHÄNOMEN TERRORISMUS 4
2.1 BEGRIFFSDEFINITION: TERRORISMUS 4
2.2 ARTEN DES TERRORISMUS 7
2.2.1 NATIONALISTISCHER TERRORISMUS 7
2.2.2 IDEOLOGISCHER TERRORISMUS 7
2.2.2.1 Ideologischer „alter Terrorismus“: Sozialrevolutionärer Terrorismus 7
2.2.2.2 Ideologischer „neuer Terrorismus“: Al-Qaida 8
2.2.3 TERRORISMUS MIT STAATLICHER BETEILIGUNG 8
2.2.3.1 Staatsterrorismus 8
2.2.3.2 Staatlich geförderter Terrorismus 9
2.2.3.3 Staatlich geduldeter Terrorismus 9
3 TERRORISTISCHE IDEOLOGIE, STRATEGIE UND ZIELE 10
3.1 GRUNDSÄTZLICHE BZW. LANGFRISTIGE ZIELE 10
3.2 BEGRENZTE BZW. KURZFRISTIGE ZIELE 10
3.2.1 RACHE 11
3.2.2 REAKTION 11
3.2.3 RUHM 12
3.3 EXKURS: SELBSTMORDTERRORISMUS 12
4 TERRORISMUS - URSACHEN UND ERKLÄRUNGEN 14
4.1 ERKLÄRUNGEN AUF INDIVIDUELLER EBENE 14
4.2 ERKLÄRUNGEN AUF NATIONALER EBENE 14
4.3 ERKLÄRUNGEN AUF GESELLSCHAFTLICHER EBENE 15
4.4 ERKLÄRUNGEN AUF TRANSNATIONALER EBENE 16
5 DIE ROLLE DES OPFERS IM TERRORISMUS 18
5.1 DAS UNMITTELBARE BZW. DIREKTE OPFER 18
5.1.1 DAS OPFER ALS ENTMENSCHLICHTES MITTEL DES TERRORISMUS 18
5.1.2 OPFERERFAHRUNGEN UND ÜBERLEBENSSTRATEGIEN 19
5.1.3 DAS LEBEN MIT DER OPFERERFAHRUNG 21
5.2 DAS INDIREKTE OPFER: STAAT UND RECHTSORDNUNG 21
6 SCHLUSSBETRACHTUNG 23
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Einleitung
Anschläge in Djerba, auf Bali, in Jakarta, Kabul, Madrid und London und Irak - der Terrorismus ist überall. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht mit neuen unheilvollen Nachrichten über terroristische Anschläge, Entführungen und Morde in den Zeitungen lesen oder im Fernsehen sehen. Das Bild der zwei Jumbo-Jets, die sich in die Zwillingstürme von New York bohrten, hat sich wie kein anderes in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Der 11. September 2001 mit knapp 3000 Opfern war bislang beispiellos in der Geschichte des Terrorismus.
Und doch ist Terrorismus kein neues Phänomen - er hat eine lange Tradition: Da ist der nordirische Terrorismus der IRA, der Unabhängigkeitsterrorismus der Korsen, Basken und Katalanen, das Olympiamassaker von 1972, 1977 die Entführung Hanns Martin Schleyers, die Geiselnahme der Gruppe Danshjuyane Khate Emam in der amerikanischen Botschaft in Teheran, die Entführung des Kreuzfahrtschiffes Achille Lauro, die Sprengung des Pan Am Fluges 103 über Lockerbie - all diese Fälle zeigen, dass der Terrorismus mittlerweile eine der größten sicherheitspolitischen Herausforderungen der Nachkriegsgeschichte darstellt.
Aus soziologischer Sicht mangelt es jedoch vor allem an einem: Einer Betrachtung des Phänomens aus Opfersicht. Immer wieder ist von dem Terroristen als Täter, seinem Antrieb, seiner Sozialisation und seinen Ideologien die Rede. Eine dezidierte Opferbetrachtung ist jedoch bisher in der Forschung weitgehend vernachlässigt worden. Genau hier soll die nachfolgende Arbeit ansetzen - auch wenn dies aufgrund der dürftigen Quellenlage nur in begrenztem Umfang möglich ist. Zu allererst möchte ich allerdings einen Blick auf den Begriff „Terrorismus“ werfen. Der Versuch einer Definition soll dabei weiter führen als die Feststellung, dass der Begriff zuerst im 18. Jahrhundert für die Schreckensherrschaft der Jakobiner verwendet wurde. Ich möchte zudem die verschiedenen Ausprägungen des Terrorismus der heutigen Zeit erläutern, bevor ich im folgenden Kapitel dem Antrieb des einzelnen Terroristen und den Ursachen des Terrorismus als Ganzem auf den Grund gehen werde. Eine Darstellung derselbigen ist nötig, jedoch möchte ich es nicht bei dieser täterbasierten Betrachtung belassen, sondern mich im nachfolgendem Kapitel den direkten und indirekten Opfern des Terrorismus zuwenden. Dabei soll die Opferwerdung und -erfahrung sowie Bewältigung derselbigen im Mittelpunkt stehen. Abschließend möchte ich noch kurz möglichen Bekämpfungs- und Präventionsmöglichkeiten beleuchten - schließlich sind es diese Strategien, die eine Viktimisierung von Vorneherein verhindern können.
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1 Das Phänomen Terrorismus
1.1 Begriffsdefinition: Terrorismus
Täglich taucht der Begriff „Terrorismus“ zahlreiche Male in den Medien auf, in wissenschaftlichen Arbeiten wird er geradezu selbstverständlich verwendet und in nationalen Sicherheitsgesetzen, die zahlreiche Staaten seit dem 11. September 2001 verabschiedet haben, wimmelt es nur so vor Begriffen wie "Terrorismus", "terroristische Organisation", "Terrorakt" oder "terroristisches Netzwerk". Dennoch ist Terrorismus kein eindeutig definiertes Phänomen. Das zeigen nicht zuletzt die bisher erfolglosen Versuche der Vereinten Nationen, Terrorismus trennscharf zu definieren 1 . Betrachtet man Terrorismus unter rein juristischen Gesichtspunkten erscheint die Begriffsdefinition einfach: „Es handelt sich um schlichte Kriminalität“, wie Kühne feststellt 2 . Denn trotz aller Unterschiede der nationalen Gesetzbücher weist Terrorismus die Tatbestandsmerkmale von einer oder gleich mehreren Straftaten auf - sei es Tötung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Raub oder Erpressung. Wirft man jedoch einen kriminologischen bzw. soziologischen Blick auf den Terrorismus wird die Differenzierung viel schwieriger. Wie sich Terrorismus dann einigermaßen sinnvoll und einigermaßen trennscharf definieren lässt, soll im Folgenden anhand von sieben Punkten erläutert werden. Die Merkmale rekurrieren dabei größtenteils auf die Terrorismus-Definitionen von Louise Richardson, Hans-Joachim Schneider, Wilhelm Dietl, Kai Hirschmann und Rolf Tophoven 3 : Ein erstes Abgrenzungskriterium des Terrorismus von gewöhnlicher Kriminalität ist demnach die Begründung durch eine Ideologie. Denn während normale Kriminelle aufgrund emotionaler Probleme oder wegen des Strebens nach einem Vorteil delinquent werden, ist es bei Terroristen eine Ideologie 4 . „Die[se] weltanschauliche Idee und das Bemühen dieser Idee zum Durchbruch zu verhelfen, sind Auslöser und Anlass für terroristische Taten.“ 5 Zwar können auch emotionale Probleme des einzelnen Terroristen zu seinen Taten beitragen, eine Ideologie mit absolutem Wahrheitsanspruch - seien dies religiöse, philosophische oder umwelttechnische Überlegungenliefert aber letztendlich immer die zugrunde liegende Begründung. Zweitens handelt es sich bei Terrorismus um geplante und organisierte Gewalt - sei es angewendete oder nur angedrohte 6 . Ein spontaner Gewaltausbruch - etwa bei einer eskalierenden
1 Vgl. Zumach, Andreas: Der Terror mit dem Terror. Lässt sich „Terrorismus“ überhaupt definieren? Der Streit der UNO ist in vollem Gange. In: taz, 11.September 2002, S. 26.
2 Kühne, Hans-Heiner: Unzeitgemäße Betrachtungen zum Problem des Terrorismus. In: Feltes, Thomas/Pfeiffer, Christian/Steinhilper, Gernot (Hrsg.): Kriminalpolitik und ihre wissenschaftlichen Grundlagen. Festschrift für Prof. Hans-Dieter Schwind zum 70. Geburtstag. Heidelberg 2006, S. 103.
3 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. Die Ursachen der Gewalt und wie wir sie bekämpfen können. Frankfurt am Main 2007. Sowie: Dietl, Wilhelm/Hirschmann, Kai/Tophoven, Rolf: Das Terrorismus-Lexikon. Täter, Opfer, Hintergründe. Frankfurt am Main 2006.
4 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S. 28, sowie: Dietl, Wilhelm/Hirschmann, Kai/Tophoven, Rolf: Das Terrorismus-Lexikon. A.a.O., S. 18 und: Kühne, Hans-Heiner: Unzeitgemäße Betrachtungen zum Problem des Terrorismus. A.a.O., S.103.
5 Ebd., S.103.
6 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S. 28 sowie: Schneider, Hans Joachim: Kriminologie der Gewalt. Leipzig 1994, S.175 und Dietl, Wilhelm/Hirschmann, Kai/Tophoven, Rolf: Das Terrorismus-Lexikon. A.a.O, S.17.
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Demonstration - ist demnach noch kein Terrorismus, ebenso wenig wie so genannter Cyberterrorismus streng genommen nicht unter den Begriff „Terrorismus“ fällt. Drittes Terrorismus-Merkmal ist die Übermittlung einer Botschaft 7 . Der Zweck einer terroristischen Tat ist es meist nicht, den Feind zu besiegen, sondern eine Botschaft zu verkünden. So verkündete beispielsweise nach dem 11. September 2001 der Al-Qaida-Sprecher Abu Ubeid al-Qurashi: „Die Wiederherstellung arabischer und islamischer Größe wurde eingeläutet“ 8 . Eng mit diesem Charakteristikum verknüpft ist der vierte Teil der Terrorismus-Definition, wonach Tat und Opfer symbolische Bedeutung haben 9 . So standen beispielsweise die Zwillingstürme des New Yorker World Trade Centers für die Finanzmacht der USA und Hanns-Martin Schleyer in den Augen der RAF für die Elterngeneration mit ihrer wenig ruhmreichen und oft totgeschwiegenen nationalsozialistischen Vergangenheit.
Das fünfte von Richardson aufgeführte Kriterium ist die Feststellung, dass Terrorismus „die Vorgehensweise von Gruppen auf substaatlicher Ebene [ist], nicht von Staaten“ 10 . Richardson geht davon aus, dass Staaten zwar Terrorismus als Instrument ihrer Außenpolitik nutzen, man Terrorgruppen jedoch als substaatliche Akteure und nicht als Staaten sehen muss, um ihr Verhalten „mit analytischer Klarheit“ begreifen zu können 11 . Hans Joachim Schneiders Terrorismus-Definition hingegen liegt eine andere Sichtweise zu Grunde: Demnach ist Terrorismus „Gewaltanwendung oder als Drohung […], die von einer Einzelperson oder einer Gruppe angewandt werden, die im Auftrag einer […] Regierung handelt“ 12 . Dies stellt genau die Konfliktlinie dar, an der eine Terrorismusdefinition der Uno bisher gescheitert ist. Denn eine große Staatenmehrheit will die Terrorismusdefinition auf Einzelpersonen und Gruppen beschränken. Nur wenige Länder, die sich selbst als Opfer von Staatsterrorismus sehen - wie etwa Kuba oder Palästina - plädieren für die umfassendere Definition 13 . Wie ich in Kapitel 2.2.3 noch erläutern werde, ist es durchaus sinnvoll, dieser Argumentation zu folgen und auch Staaten in die Terrorismus-Definition einzuschließen. Weniger umstritten hingegen ist das sechste Kriterium, wonach beim Terrorismus Opfer von Gewalt und das durch die Tat zu erreichen versuchte Publikum nicht identisch sind 14 . Demnach sind Opfer nur das Mittel um ein größeres Publikum zu erreichen. Sie werden entweder per Zufall ausgewählt oder sind Repräsentanten einer größeren Gruppe - wie etwa Diplomaten. Über diese Opfer und die öffentliche Aufmerksamkeit, die Margaret Thatcher nicht umsonst als „Sauerstoff“ des
7 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S. 28.
8 Ubeid al-Qurashi, Abu zitiert im Middle East Media Research Institute Special Dispatch Nr, 353. In: http://www.memri.org/bin/articles.cgi?Area=sd&ID=SP35302, Zugriff am 28. November 2007.
9 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S. 29.
10 Ebd. S. 29.
11 Ebd. S. 29.
12 Schneider, Hans Joachim: Kriminologie der Gewalt. A.a.O., S.175.
13 Vgl. Zumach, Andreas: Der Terror mit dem Terror. Lässt sich „Terrorismus“ überhaupt definieren? Der Streit der UNO ist in vollem Gange. A.a.O., S.26.
14 Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S. 29, vgl. Auch: Wardlaw, Grant: Political Terrorism. Cambridge 1984, S. 16 sowie: Gibbs, Jack P.: Conceptualization of Terrorism. In: American Sociological Review
54, 1989, S. 329-340.
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Terrorismus bezeichnet hat, wollen die Täter dann die eigentliche Zielgruppe erreichen 15 . Dies sind je nach wissenschaftlicher Betrachtung und Art des Terrorismus meist die Regierung eines Landes oder ein „als interessiert unterstellter Dritter“ 16 . Dieser Dritte war etwa in Zeiten des Linksterrorismus der RAF das so genannte Proletariat. Diese „Unterdrückten“ waren Empfänger der Botschaften der Roten Armee Fraktion und zugleich ihre Legitimationsressource. Im Rahmen des transnationalen Terrorismus à la Al-Qaida lässt sich heute allerdings feststellen, dass der „als interessiert unterstellte Dritte“ an Bedeutung verloren hat, was in Kapitel 6 noch weiter ausgeführt wird. Der deutlichen Abgrenzung des Terrorismus vom Guerilla- und Unabhängigkeitskampf dient das siebte Kriterium, wonach sich Terrorismus bewusst gegen Zivilisten richtet. Letztendlich ist dieses ein weiterer Punkt, an dem eine international konsensfähige Terrorismus-Definition meist scheiterte. Denn wie lassen sich Anschläge von "Terroristen" unterscheiden von "legitimer Gewaltanwendung" durch Freiheitskämpfer oder Guerilleros? Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela beispielsweise gilt weltweit als geachteter Freiheitskämpfer. Dennoch bleibt festzuhalten, dass er mit dem ihm unterstehenden Afrikanischer Kongress (ANC) einst mit Briefbomben und anderen terroristischen Maßnahmen das Apartheid-Regime bekämpfte. Hier zeigt sich wieder, dass des Einen Terrorist des Anderen Befreiungskämpfer sein kann.
Terroristen selbst halten sich meist für Freiheitskämpfer - so auch Bin Laden: „Wir kämpfen, weil wir freie Männer sind, die nicht schlafen können, solange sie unterdrückt werden“, rechtfertigt er sein Handeln 17 . Um dennoch zu einer klaren Terrorismus-Definition zu gelangen, ist Richardsons Definition sehr hilfreich - zwar bleibt die Abgrenzung zu Freiheitskämpfern schwierig, zumindest aber lassen sich so Terroristen von Guerilleros unterscheiden. Denn Guerilla ist demnach eine „irreguläre Armee, die gegen die regulären Truppen des Staates kämpft“ 18 . Terroristen hingegen geben sich nicht der Illusion hin, den Feind militärisch besiegen zu können. So ist er „die Waffe derjenigen, die einen Wandel herbeiführen wollen, und zwar schnell, die aber zu wenige sind, um sich entweder in einem demokratischen System durchzusetzen oder mit einiger Aussicht auf Erfolg Krieg führen können“ 19 . Terroristen kämpfen vielmehr für die Verbreitung ihres Gedankenguts. In den Worten von Terrorismus-Forscher Franz Wördemann heißt das: „Guerilleros wollen den Raum, Terroristen das Denken besetzen“ 20 . Dass die Übergänge von beidem fließend sind, zeigte nicht zuletzt die RAF, die unter Andreas Baader anfangs in Deutschland einen Guerillakrieg nach lateinamerikanischem Vorbild entfachen wollte, bevor sie den Weg des Terrorismus einschlug. 21
15 Thatcher, Margaret: Rede bei American Bar Association am 15. Juli 1985.
http://www.margaretthatcher.org/speeches/displaydocument.asp?docid=106096, Zugriff am 29. November 2007.
16 Vgl. Münkler, Herfried: Guerillakrieg und Terrorismus. In: Neue politische Literatur, 15. Jahrgang, 3/1980, S.320ff.
17 Bin Laden, Osama: Message to America., 30.Oktober 2004.
18 Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S.30.
19 Ebd., S.36.
20 Zitiert in Dietl, Wilhelm/Hirschmann, Kai/Tophoven, Rolf: Das Terrorismus-Lexikon. A.a.O, S.20.
21 Vgl. Fetscher, Iring/ Rohrmoser, Günter: Ideologien und Strategien. Opladen 1981, S.27.
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1.2 Arten des Terrorismus
Derzeit werden meist nur anlässlich von Jahrestagen oder bevorstehenden Haftentlassungen die Taten der RAF oder anderer Terrororganisationen beleuchtet, im Blick der Öffentlichkeit stehen fast ausschließlich die Taten der Al-Qaida. Dabei gibt es mehrere Terrorismus-Spielarten - Larry Siegel unterteilt drei 22 :
1.2.1 Nationalistischer Terrorismus
Der nationalistische Terrorismus zielt auf die Unabhängigkeit, Trennung oder Vereinigung einer Volksgruppe. Täter sind stets ethnische Minderheiten, „die sich sozial, politisch, sprachlich und religiös benachteiligt, ja sogar unterdrückt fühlen“ 23 . Beispiele sind die IRA, die baskischen Terroristen der ETA, die Kämpfer der Partiya Karkerên Kurdistan (PKK) oder auch die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO. Richardson hält den nationalistischen Terrorismus für besonders gefährlich, da die Terroristen meist „enge Verbindungen zu der Gemeinschaft haben, die sie zu repräsentieren behaupten. Das ist das Wasser, in dem Maos Fische schwimmen“ 24 . Eine Auslieferung oder Denunziation durch die Bevölkerung sei nicht zu erwarten.
1.2.2 Ideologischer Terrorismus
Der ideologische Terrorismus umfasst sowohl den sozialrevolutionären wie faschistischen Terrorismus, aber auch den religiösen Terrorismus. Dietl, Hirschmann und Tophoven sehen im Terrorismus der Al-Qaida zwar eine eigene Form, betrachtet man den islamistischen Terror genauer, wird klar, dass es sich nur um eine Fortentwicklung des sogenannten alten ideologischen Terrorismus handelt.
1.2.2.1 Ideologischer „alter Terrorismus“: Sozialrevolutionärer Terrorismus Der ideologische Terrorismus in seiner sozialrevolutionären Form hat seine Ursprünge in Südamerika. Er hat zum Ziele eine soziale und politische Revolution, er will den unteren sozialen Schichten zu ihrem Recht verhelfen - am Besten von heute auf morgen. Entscheidend für die Ausbreitung des bis dahin lateinamerikanisch geprägten ideologischen Terrorismus war der Brasilianer Carlos Marighella, der mit seinem „Minimanual of the Urban Guerilla“ die theoretische Basis für den westeuropäischen Linksterrorismus der RAF und italienischen Brigate Rosse lieferte 25 . Durch linksradikale Gruppen wie die RAF oder die Brigate Rosse aber auch der ethnonationalistischen palästinensischen Terroristen wurde der Terrorismus internationalisiert. Denn mit Anschlägen auf ausländische Militäreinrichtungen, Entführungen von Flugzeugen und Schiffen mit Passagieren aller Herren Länder überschritten sie zum Zweck des Erreichens internationaler
22 Vgl. Siegel, Larry J.: Criminology. St.Paul 1992, S. 313f.
23 Schneider, Hans Joachim: Kriminologie der Gewalt. A.a.O., S.176.
24 Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S.39.
25 Zum ideologischen Terrorismus sind auch faschistische, neonazistische und rechtsradikal motivierte Terrorgruppen zu zählen. Sie werden aufgrund ihres zahlenmäßig selteneren Vorkommens an dieser Stelle jedoch nicht weiter behandelt.
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Frederik Obermaier, 2008, Der Terrorismus und seine (vernachlässigten) Opfer , Munich, GRIN Publishing GmbH
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