Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Heitmeyers Theorie der sozialen Desintegration 3
2.1 Konfliktpotenzial nach Heitmeyer 4
3. Alternative Erklärungsansätze 10
3.1 Erklärung Honneth 10
3.2 Erklärung Simmel 11
3.3 Erklärung Freud 14
3.4 Erklärung Rational- Choice 15
3.5 Erklärung Marx 16
4. Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
In diesem Essay sollen Erklärungen bezüglich der Theorie Heitmeyers zum Thema Rechtsextremismus erörtert werden. Dabei sollen diese in Diskussion mit weiteren Erklärungsansätzen von Honneth, Simmel, Freud, Rational- Choice und Marx dargestellt werden.
2. Heitmeyers Theorie der sozialen Desintegration
Wilhelm Heitmeyer ist Professor für Pädagogik an der Bielefelder Universität mit dem Schwerpunkt Sozialisation. Heitmeyer beschäftigte sich mit dem Phänomen der Desintegration, Fremdenfeindlichkeit und dem Rassismus, was auch in den, von ihm zahlreich durchgeführten Studien festgehalten ist. Er versucht folglich resultierende Phänomene und Konflikte zu erklären und zu beschreiben. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf den Fremdenhass, der durch die Entwicklung der Gesellschaft angetrieben wird. Er beschreibt in seinen Untersuchungen, wie Menschen, die sich in einer unsicheren gesellschaftlichen Lage befinden, auf Minderheiten reagieren und wie die Situation in einem Aufnahmeland den Fremdenhass beeinflusst. Er beschäftigt sich besonders mit der Entwicklung der Jugend in der heutigen Gesellschaft. Er betont, dass besonders Jugendliche durch die Probleme der Gesellschaft beeinflusst werden und die daraus folgende Unsicherheit und Orientierungslosigkeit sie anfälliger macht für ein fremdenfeindliches Verhalten. Als Ursache nennt Heitmeyer im Allgemeinen die Desintegration jedes Einzelnen und der Gesellschaft. Die Desintegration oder "Auflösung" bezeichnet einen der Integration entgegen gesetzten Prozess, in dem sich Systeme, die durch Vereinigung entstanden sind, wieder in ihre Teilsysteme spalten. Im Zusammenhang dieses Essays bedeutet dies für den Einzelnen oder auch eine ganze Gruppe, dass die Institutionen und Gemeinschaften es nicht verwirklichen konnten, „in der Gesellschaft existentielle Grundlagen, soziale Anerkennung und persönliche Unversehrtheit zu sichern“ (Anhut 2002: 381). Wie ich es in Punkt 2.1 genauer erläutern werde, fühlen sich einzelne oder sogar Teile der Gesellschaft dieser nicht zugehörig. Sie haben das Gefühl nicht anerkannt zu sein und schätzen sich im Vergleich zu höher situierten Mitgliedern der Gesellschaft als unwichtiger ein. Heitmeyer und Anhut berufen sich auf B. Peters. Nach ihm gibt es 3 Integrationskriterien, die erfüllt sein müssen um von Integration sprechen zu können. Das erste Kriterium ist die strukturelle Dimension/ individuell-funktionale Systemin-
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tegration: „Gewährleistung der Teilhabe an den gesellschaftlich produzierten Gütern.“ (vgl. Anhut & Heitmeyer, 2000: 47).
Ein weiteres Kriterium ist die Institutionelle Dimension/ kommunikativ-interaktive Sozialintegration: Es soll allgemeingültige moralische Grundprinzipien geben und des Weiteren muss jeder Mensch die Chance erhalten an öffentlichen Auseinandersetzungen beziehungsweise Abstimmungen teilnehmen zu können.
Als letztes ist die Sozio-emotionale Dimension/ kulturell-interaktive Sozialintegration zu nennen: Sie umfasst die Integration des Einzelnen in Gruppen wie Familie und peer-groups und spricht weiterhin jedem die Entwicklung der individuellen Identität zu.
Weiterhin muss die Gesellschaft dem Einzelnen die Möglichkeit erteilen, emotionale Anerkennung zu erlangen (vgl. Anhut, 2002). Ist eine Integration unter den bereits aufgeführten Kriterien nicht gewährleistet, fühlt sich die entstandene Minderheit benachteiligt, da sie im Vergleich mit anderen schlechter da steht. Dies muss aber noch nicht allein der Grund für den Beitritt zu einer rechtsextremistischen Gruppe sein. Ein ausschlaggebender Faktor ist die soziale Kompetenz eines Menschen. Menschen die eine stark ausgeprägte soziale Kompetenz besitzen, sind besser in der Lage solche Desintegrationserfahrungen zu verarbeiten. Auch die Art, ob und wie das Individuum Verantwortung selbst übernimmt oder anderen zuweist, bestimmt darüber, ob sich fremdenfeindliches Verhalten einstellen kann. Manche Menschen neigen eher dazu die Ursache für eine Niederlage bei sich selbst zu suchen. Andererseits gibt es Menschen, die die Schuld bei anderen Suchen, ob dies gerechtfertigt ist bleibt offen. Handelt es sich bei dieser Schuldzuweisung um Personen aus ethnischen Minderheiten, so kann dies ein Grund für eine allgemeine Abneigung gegenüber dem Fremden sein. Des Weiteren ist der Umgang mit Desintegrationserfahrungen von der Milieuzugehörigkeit beeinflusst. Handlungsmuster, wie der Lösung eines Problems durch Gewalt, können bereits in einer Person verankert sein (vgl. Anhut & Heitmeyer, 2000/ Anhut, 2002).
2.1 Konfliktpotenzial nach Heitmeyer
Heitmeyer betrachtet bezüglich der Entstehung von Konflikten und des Konfliktpotentials in der modernen Gesellschaft Konflikte, die durch das Vorhandensein von einer Mehrheitsgesellschaft und von Minoritäten entstehen. Konfliktbereitschaft und Konflikte entstehen also vorwiegend aus Fremdenhass.
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Gruppen, die auf unterstützende Zuschüsse und Sozialhilfe angewiesen sind, fühlen sich besonders bedroht durch Fremde. Die Fremden bzw. die Minderheitsgruppen könnten nach Ansichten der Mehrheitsgruppe die ohnehin verknappten Ressourcen nutzen und den Mitgliedern der Mehrheitsgruppe somit die bereits schlechte Stellung noch weiter verschlechtern. Aus dieser Angst kann ein Fremdenhass und somit eine Konfliktbereitschaft entstehen. In der Fremdenintegration wird eine Konkurrenz hinsichtlich der Arbeitsstellen, dem vorhandenem Wohnraum, der Sozialhilfe und anderen Institutionen wie Schule gesehen, somit tendiert die Mehrheitsgruppe zu einem xenophobischen Verhalten. Das Gefühl der sozialen Benachteiligung kann einen Fremdenhass fördern, wenn weitere Bedingungen gegeben sind. Zum einen ist die bereits aufgeführte Konkurrenzsituation zu beachten. Zum anderen besteht die Möglichkeit, das Selbstbild zu wahren durch die Festlegung von Feindbildern. Dabei liegt eine Entwicklung des Fremdenhasses nicht fern. Weiterhin neigen Menschen, die sich als Verlierer der Leistungsgesellschaft ansehen dazu, Merkmale aufzuwerten, die ihnen nicht genommen werden können. Damit ist beispielsweise ihr Geschlecht oder ihre ethnische Herkunft gemeint. Menschen die diese bestimmten Merkmale nicht besitzen werden gleichzeitig abgewertet. Rassistische oder sexistische Ideologien können in diesem Zusammenhang attraktiv wirken. Jedoch entwickeln sich diese Feindbilder meist erst nach einer spezifischen, individuellen Erfahrung in denen Konkurrenz oder Fremdheitserlebnisse nicht überwunden werden konnten. Heitmeyer betont, dass es in der Gesellschaft zwar zu einer gewachsenen Verständigungsbereitschaft und ökomischen Chancengleichheit kommt, aber gleichzeitig zu Rückzugstendenzen der Minderheit und struktureller Stagnation. Dies könnte einerseits die Verfestigung der ethnischen Schichtung bedeuten, andererseits auch die Auflösung von ethnischer Unterschichtung. Durch die Verfestigung ethnischer Schichtung kommt es zu einer Brisanz und folglich zu einem Konfliktpotential seitens der ethnischen Minderheit. Sie könnten den Eindruck erlangen, dass eine Integration verweigert wird. Besonders Angehörige aus älteren Generationen, die sich als Mitglieder dieser Gesellschaft fühlen, sind davon betroffen. Die Auflösung von ethnischer Unterschichtung würde zu dem Resultat führen, dass sich der Problemdruck in der Mehrheitsgesellschaft erhöht. Betroffene Gruppen in der Mehrheitsgesellschaft wären jene, die sich „durch soziale Abstiegsprozesse bedroht sehen und in einer für sie ohnehin schwierigen Situation erkennen müssen, dass "sogar" Angehörige ethnischer Minderheiten an ihnen vorbeiziehen.“ (Anhut/Heitmeyer,2000).
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Arbeit zitieren:
Sabrina Waßer, 2007, Heitmeyers Theoriemodell, München, GRIN Verlag GmbH
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