Vom Opfer
zum Serienmörder
Die exemplarische Darstellung einer authentischen Geschichte der
Opfer-Täter-Entwicklung im Kontext mit pädosexuellen, nekrophilen,
sodomistischen und anderen tierquälerischen Taten
Stichwörter:
sexueller
Missbrauch
von
Kindern,
Pädosexualität,
Kinderprostitution, Kinderpornographie, Nekrophilie, Serienmord, Devianz,
Delinquenz,
Von Petra Klages
2
Danksagung:
An 1. Stelle danke ich dem Mörder Axel F
1
, welcher bereit war, sich differenziert mit
seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und seine Materialien zur Verfügung zu
stellen. Es ist auch für einen Mörder schwierig und schmerzhaft, die Dinge im Detail
zu betrachten und sich dann zu offenbaren. Er hat diesen Schritt bzw. viele Schritte
gewagt.
Ich hoffe, dass seine Bemühungen, die Ursachen für sein eigenes, brutales und
tödliches Verhalten zu erkennen und damit möglicherweise Ansätze für eine
verständnisvollere und umsichtigere Familie, ein aufmerksames Umfeld und eine
aufmerksame Gesellschaft zu bieten, Früchte tragen werden.
An zweiter Stelle danke ich meinem ,,neuen" Freund, dem Autoren und Regisseur
Gunther Scholz, welcher mir seit über einem Jahr unermüdlich und fast schon
grenzenlos mit Rat und Tat zur Seite steht. Ohne ihn würde es dieses Buch nicht
geben.
Weiter danke ich PD. Dr. Adam Zurek (Fachbereich Psychologie, Universität
Bremen) und Prof. Lorenz Böllinger (Fachbereich Rechtswissenschaft, Universität
Bremen) für ihre fachlich wertvolle Unterstützung.
Nicht zuletzt bedanke ich mich bei Conni und Tara, Gertrud und Georg, Trodi, Loui,
Rashid, Robin und Gaucho für ihre Geduld, Liebe und ihren Glauben an mich.
1
In dieser exemplarischen Schilderung wurden generell alle Namen und andere Hinweise welche Aufschluss über die
tatsächlichen Begebenheiten geben können geändert. Es handelt sich hierbei um reale Gegebenheiten, die Änderung der
Namen, Orte u. a. Angaben erfolgt zum Schutze der Opfer- und Persönlichkeitsrechte.
3
Wer mit Ungeheuern kämpft mag zusehen,
dass er nicht dabei selbst zum Ungeheuer wird.
Denn wenn du lange in einen Abgrund blickst,
blickt der Abgrund auch in dich.
Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse,
Aphorismus 146
Die Ungeheuer, mit welchen wir zu kämpfen geneigt sind,
haben wir selbst geschaffen.
Fehlt uns nur der Mut,
die Verantwortlichen zu bekämpfen,
oder ist es die eigene Schuld,
die wir verspüren,
wenn wir sehen, was wir versäumt, ignoriert
und wo wir nicht gehandelt haben?
Petra Klages, 2008 -03-23
4
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
S. 5 13
1.1 Auszüge aus dem psychiatrischen Gutachten
S. 13 - 21
1.2 Die rechtliche Situation
S. 22
2. Die Kindheit
S. 23 - 27
3. Der ,,nette" Nachbar
S. 27 - 34
4. Das erste Mal
S. 34 - 38
5. Der Arzt
S. 38 - 42
6. Menschliche Exkremente
S. 43 - 52
7. Hühner-Heini
S. 52 - 57
8. Das Jahr 1979
S. 57 - 59
9. Gymnasium
S. 59 - 63
10. Huseyin
S. 63 - 72
11. Spenden
S. 72 - 79
12. Kaninchen
S. 79 - 80
13. Das Wirkstoff-Wunder
S. 80 - 84
14. Das ,,zweite" erste Mal
S. 84 - 87
15. Sadistische Sodomie, Tiertötungen und Euphorie
S. 87 - 92
16. Suizid
S. 92 - 95
17. Nekrophilie
S. 95 99
18. Brigitte
S. 99 - 118
19. Der nächste Schritt
S. 118 - 123
20. Gewaltexzesse und der erste Mord
S. 123 - 128
21. Fazit
S. 128 131
22. Literaturhinweise
S. 132 133
23. Vita
S. 134
5
1. Einleitung:
Dieses Buch ist im Zuge der Vorbereitung und teilweise parallel zu meiner
Dissertation: Die Opfer-Täter-Entwicklung und die Co-Täterschaft des Umfeldes bei
seriellen Sexualmorden, entstanden. Im Jahre 2006 begann ich mit meinen
Vorbereitungen. Meine Diplomarbeit hatte ich über den körperlichen und sexuellen
Missbrauch an Kindern und Jugendlichen geschrieben und entwickelte
währenddessen mein Interesse für den Täterbereich.
Diese Lektüre soll der Allgemeinheit einen umfassenden Einblick in die Opfer-Täter-
Entwicklung, in die Folgen sexueller Gewalt und pädosexuelle Praktiken bieten, als
auch die mögliche Entwicklung eines Serienmörders aufzeigen. Es wurde so
verfasst, dass es sich sowohl an interessierte Laien, besorgte Eltern, Erzieher,
Sozialassistenten, Pädagogen, Psychologen und Psychiater, der Polizei u. a.
Fachpersonal richten kann.
Üblicherweise findet man bei medialen Nutzungen entsprechende Hinweise zur
freiwilligen Selbstkontrolle und zur Empfehlung der Altersgrenze, bei Büchern bleibt
dieses jedoch aus möglicherweise besteht hier ein Defizit, welches noch zu
korrigieren wäre. Ich halte es für notwendig, darauf hinzuweisen, dass dieses Buch
nicht für Kinder oder Jugendliche geeignet ist.
Nach relativ kurzer Zeit der Beschäftigung mit dem Themenbereich, musste ich
feststellen, dass der Weg vom Opfer zum Täter manchmal tatsächlich logisch
erscheint bei näherer Betrachtung jedenfalls. Die unglaublichen Dinge, die ich von
Opfern vernommen hatte, waren mir nicht erklärlich. Ich fragte nach dem ,,WARUM"
für diese Taten und suche bis heute nach Antworten. Einen Teil habe ich finden
können. Einige dieser Antworten finden Sie in diesem Buch wieder, einen anderen
(und weit größeren), können Sie bei Interesse später in meiner Dissertation lesen.
Ursprünglich wollte ich eine Dissertation über Pädosexuelle schreiben, irgendwie
ging ich dann aber weiter. Ich ,,landete" bei den Mördern, machte noch weitere
Schritte und kam nach ungefähr einem halben Jahr der Themensuche bei den
Sexualserienmördern an also hier.
Plötzlich befand ich mich vor ungeahnten Problemen, mein Thema und mein
Entschluss standen fest woher aber sollte ich in Deutschland aktuelle Daten und
Fakten über Sexualserienmörder bekommen. Ich wandte mich an unterschiedliche
Instanzen und Personen und erfuhr ausschließlich Ablehnung. In der Zwischenzeit
gelangte ich jedoch in den Besitz von Unterlagen deutscher Serienmörder aus der
Vergangenheit und begann, diese zu studieren. Ansinnen war jedoch, einen
Vergleich zwischen den Mördern der deutschen Vergangenheit und einem Täter aus
der heutigen Zeit zu wagen. Ich stieß sozusagen auf ,,Granit", bei meinen
Recherchearbeiten nach momentan einsitzenden Serienmördern. Unterlagen blieben
unerreichbar, Interviews wurden nicht erlaubt, Informationen wurden schlicht
abgelehnt, der Datenschutz zeigte sich unerbittlich Wissenschaft hin oder her.
Schließlich gelangte ich an Axel Petermann von der Bremer Polizei, welcher mir in
seinem möglichen Rahmen Hilfestellungen leistete (wofür ich mich an dieser Stelle
6
bedanke). Er nannte endlich einen Namen, welcher für mich (was ich damals noch
nicht wusste), von unschätzbarem Wert sein sollte: Gunther Scholz.
Eben dieser Gunther Scholz, welchen ich heute zu meinen Freunden zähle, lud mich
zu einem Gespräch nach Berlin ein. Nachdem ich im Frühjahr 2007 eine 5stündige
Autofahrt hinter mich gebracht hatte, kam es zu unserem ersten Treffen. Gunther
Scholz ,,lotete" mich sozusagen aus, wollte mehr über meine Motive wissen, fragte
mich zu meinen Tätigkeiten und Emotionen in Bezug auf brisante Belange. Im
Anschluss an (das für ihn zufrieden stellende) Gespräch, war er bereit, mir wichtige
Auskünfte zu erteilen und mir Informationen zu geben, welche mich ungeahnt
weiterbrachten.
Eine der überaus wichtigen Informationen bestand darin, mir einen einsitzenden
Serienmörder zu nennen, welcher versuchte teilweise reflektiert seine Vergangenheit
zu betrachten um seine Taten in irgendeiner Form nachvollziehen zu können. Einen
Haken hatte die Angelegenheit jedoch, er war sozusagen ,,scheu", allerdings stimmte
er später zu, der Öffentlichkeit seine Geschichte mitzuteilen um vielleicht
Möglichkeiten der Prävention zu eröffnen. Auf schriftlichem Wege näherte ich mich
vor über einem Jahr Axel F
2
., welcher auch heute noch einsitzt und vermutlich nie
wieder das Gefängnis verlassen wird.
Seit dieser Zeit, stehen wir in kontinuierlichem Kontakt und erörtern seine Erlebnisse,
seine (nicht bewiesenen) Opfererfahrungen und seine Mordtaten, welche zum Teil in
dieses Buch einfließen. Es handelt sich hier ausschließlich um bislang
unveröffentlichte Informationen. Für die Authentizität kann keinerlei Gewähr gegeben
werden, zum Teil handelt es sich um nicht überprüfbare oder retrospektiv belegbare
Verläufe.
Sie halten ein Buch in den Händen, welches maßgeblich von einem sadistischen
Serienmörder und einem Opfer massivster sexueller Gewalt ,,mitgeschrieben"
3
wurde. Um die Dokumente des Axel F. nicht zu verfälschen, wurden lediglich
Kürzungen vorgenommen, allerdings keine sonstigen Veränderungen. Die Lesenden
können sich so einen eigenen, unverfälschten Eindruck machen und ggfs. die
Glaubwürdigkeit in Frage stellen. Da sämtliche Personen realen Ereignissen
entstammen, wurden alle Namen der Personen und Orte verändert. Dieses ist im
Zuge des Schutzes der Persönlichkeits- und Opferrechte unerlässlich.
Im Verlaufe seiner Entwicklung wandelte sich das Kind Axel vom Opfer zum Täter
schwerster sadistischer, nekrophiler, sodomistischer und tendenziell kanibalistischer
Gewalttaten und wurde zum Mörder. Mit Hilfe vorliegender Unterlagen, welche aus
dem
Gerichtsurteil,
psychologischen
Gutachten,
einer
umfangreichen
Selbstbiographie und zahlreichen persönlichen Briefen bestehen, wird exemplarisch
die Entwicklung vom Opfer zum Täter deutlich gemacht und an dieser Stelle darauf
hingewiesen, dass es sich hier nicht um einen Einzelfall sondern um eine der
Möglichkeiten menschlicher Entwicklung und somit um die traurige Realität unserer
Welt handelt.
2
Alle Namen und andere Hinweise auf die Personen wurden verändert.
3
Hiermit ist die vorliegende Selbstbiographie gemeint, aus welcher maßgeblich zitiert wird.
Die Vielzahl der vorliegenden
unterschiedlichen Unterlagen garantiert einen weitgehenden, authentischen und realistischen Einblick.
7
Die verwendeten Zitate wurden fast ausschließlich der Selbstbiographie entnommen
(welche ebenfalls bislang nicht veröffentlicht wurde), sekundär fließen geringe Anteile
aus dem Gutachten ein.
Ein Opfer massivster Gewalttaten ist aus unterschiedlichen Gründen, welche in
folgenden Kapiteln erläutert und plastisch anhand von Fallbeispielen dargestellt
werden, geradezu prädestiniert, unterschiedliche Formen der Gewalt weiterzugeben.
Eine Steigerung bis zu Mordhandlungen liegt leider im Bereich der Möglichkeiten.
Vermutlich gibt es das Phänomen des Serienmordes seit Anbeginn der Menschheit.
Manche geschehen aus Neid oder Gier nach dem Besitz der anderen, einige werden
offensichtlich vor dem Hintergrund sexueller Motivationen verübt, andere hingegen
scheinen nicht eindeutig zuzuordnen zu sein und erst spät werden die tatsächlichen
(aber verdeckten) Beweggründe, welche sexueller Natur sind, offensichtlich.
Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass die Taten individuelle Phantasievorstellungen des
Täters deutlich machen.
Das Phänomen des Mordes, die Ätiologie des Unbegreiflichen wurde seit den 70er
Jahren vermehrt von amerikanischer Seite in den Fokus wissenschaftlicher
Forschung gestellt. Einschlägige deutschsprachige Literatur gehört bis in die heutige
Zeit, zu den rar gesäten Dingen und soll durch diese Lektüre Ergänzung erfahren.
Durch die modernen Medien wurden und werden bestimmte Segmente der sexuellen
Misshandlung und des Serienmordes seit geraumer Zeit häufig und kontrovers
diskutiert, richtige und leider häufig fälschliche Meinungsmache wird propagiert und
somit teilweise in unser gesellschaftliches und persönliches Wertesystem integriert.
Die so erreichten, moralisch erschütterten und ethisch wie humanistisch
aufgerüttelten Menschen, richten ihr Augenmerk jedoch nicht auf die Ursachen oder
den Ursprung des eigentlichen Missstandes, sondern sie verlieren sich im ihr
zugänglich gemachten, teils lediglich marginalen, Detail. Die häufig am Konsum
orientierten Interessen dürfen Bezug nehmend auf diese, alle Lebensbereiche
betreffende Thematik des sexuellen Missbrauchs, zu keiner Zeit außer Acht gelassen
werden. Die Vermarktung tragischer Ereignisse, wie wir sie erst kürzlich im Falle von
Fritzl aus dem österreichischen Amstetten erfahren konnten, stellt nur einen
Teilbereich der konsumistischen Interessen dar und sollte ebenfalls kritisch
hinterfragt werden. Es handelt sich hier nicht um Delikte welche
ausschließlich eine
individuelle Tragik und einen spezifischen Charakter besitzen, sondern ebenfalls um
ein weltweit ausgesprochen profitables und bequemes Geschäft mit der Nutzung der
Ressourcen von schwächeren Lebewesen
4
. Sehr deutlich weise ich hier auf die
globale Problematik der Kinderprostitution, des Sextourismus und der
Kinderpornografie
5
hin. Fritzl stellt bezüglich des inzestuösen Missbrauchs
bedauerlicherweise keine Seltenheit dar. Die pervers anmutende Perfektion, mit
welcher er sein Verbrechen umsetzte und verbarg, hingegen schon. Außerdem ist es
nicht unwesentlich, an dieser Stelle die mögliche ,,Folgeprostitution" der betroffenen
Menschen zu erwähnen, ungefähr 90 % aller Prostituierten waren vor der Prostitution
Opfer sexuellen Missbrauchs
6
. Auch Axel durchlief diese Entwicklung. Erst war er
Opfer schwersten sexuellen Missbrauchs, wurde von Pädosexuellen ,,konsumiert"
4
Dies bezieht zwangsläufig das Lebewesen ,,Tier" mit ein.
5
Vgl. Wuttke, 1998, Gallwitz & Paulus, 1998
6
Vgl. Schwarzer, 2000, S. 138
8
und ebenfalls medial ,,vermarktet"
7
, dann schlug er für einige Jahre die ,,Karriere"
eines Prostituierten ein. Bereits als Kind quälte und tötete er unterschiedliche Tiere,
später wurde er zum Serienmörder.
Allein
in
Deutschland
existieren
ungefähr
50
000
Konsumenten
kinderpornographischer Erzeugnisse
8
, wobei das Dunkelfeld erwähnt werden muss
und nicht unterschätzt werden darf. Als weiteren Hinweis auf den enormen Umfang
des grausigen Konsums dienen die Zahlen des Landeskriminalamtes Baden
Württemberg. Innerhalb von 18 Monaten wurden von der zentralen
Auswertungsstelle unter dem Namen: ,,Kinderpornographie" 11 500 Kinderpornos
und 200 Printmedien sichergestellt. Es muss darauf hingewiesen werden, dass hinter
jeder pornographischen Darstellung ein tragisches Schicksal steht und allein die
Nutzung dieser Darstellungen zur weiteren sexuellen Ausbeutung von Menschen und
auch zur Verrohung der Betrachter führt außerdem: die Nachfrage bestimmt das
Angebot! Eins dieser Schicksale findet sich in diesem Buch, die Geschichte des
Serienmörders Axel F.
Auf folgende Punkte möchte ich explizit hinweisen:
1. Das Phänomen der Nutzung und Ausbeutung von Menschen und Tieren
9
auf
unterschiedliche und schreckliche Art und Weise, kann nur funktionieren,
wenn es im Verborgenen geschieht und wir uns die Tragweite dieser
massenhaften Handlungen nicht bewusst machen. Es ist notwendig, dass wir
entschieden auf allen uns möglichen Ebenen agieren und Aufklärung wie
Prävention in den Vordergrund stellen. Die Stagnation oder eine weitere
Verschärfung dieser Problematiken können nur unter einer allgemeinen
gesellschaftlichen und weltweiten Duldung und im Interesse eines weiter
stattfindenden und höheren Profits durch Ausbeutung der schwächeren
Lebewesen existieren was keinesfalls toleriert werden kann.
2. In Deutschland steckt die Forschung bezüglich unterschiedlicher sexueller
Straftaten an Kindern, Jugendlichen, erwachsenen Männern, behinderten und
pflegebedürftigen Menschen, wie auch an Tieren, noch mehr oder weniger in
den Anfängen. Dieses Forschungsdefizit betrifft neben den viktimisierten
Gruppen auch die unterschiedlichen Tätergruppierungen. Es existieren nur
minimal aussagefähige Studien.
3. Dieses Buch ist primär der ausführlichen Biographiearbeit des Serienmörders
Axel F. und der Reflexion selbst berichteter Opfererfahrungen durch sich
ständig wiederholenden sexuellen Missbrauch im Kindesalter gewidmet,
welche zum Teil die Basis für die Entwicklung zum Serienmörder bieten kann.
Unklar ist und bleibt, welcher Teil der Viktimisierungen real geschehen ist und
welche Bereiche lediglich der Phantasie des sadistischen Täters entspringen.
Ebenfalls wird es vermutlich immer ungeklärt bleiben, aus welchem Grunde
eventuelle retrospektive Veränderungen von ihm vorgenommen wurden.
4. Die Thematik und die unverfälschte Wiedergabe seiner Schriften beinhalten,
dass die Leser mit Situationsdarstellungen konfrontiert werden, welche
7
Es wurden mit großer Wahrscheinlichkeit kinderpornographische Aufnahmen von ihm gemacht.
8
Vgl. Gallwitz & Paulus, 1998, S. 40
9
Wobei der Bereich der Tierquälerei, zu welchem definitiv der sexuelle Missbrauch von Tieren zählt, nach wie vor als
Dunkelfeld bezeichnet werden muss.
9
möglicherweise nur schwer zu verkraften sind. Es ist jedoch unumgänglich,
einen Teil dieser Darstellungen zu verwenden, welche die Entwicklung vom
Opfer zum Täter deutlich machen können. Details, welche nicht sinnvoll
schienen, wurden nicht erwähnt, bzw. gekürzt.
5. Es ist mir ein Anliegen, die Öffentlichkeit auf die mögliche Gefährlichkeit und
Brisanz von Ignoranz, mangelnder Liebe, fehlender Anerkennung und
Unterstützung dem Kind gegenüber, sowie auf die Missachtung von
Tierquälerei, wie auch sodomistischen Handlungen und Tiertötungen,
hinzuweisen.
6. In der heutigen Zeit besteht kaum noch ein Zweifel daran, dass es nur ein
kleiner Schritt vom tierischen zum menschlichen Opfer ist. Das vorliegende,
jedoch sehr geringe Datenmaterial unterschiedlicher Autoren, wie zum
Beispiel von Dr. Alexandra Schedel-Stupperich (2002), geben hier weitere
Hinweise. Trotzdem ist dieser Bereich in der Forschung bislang insbesondere
im deutschsprachigen Raum, unterrepräsentiert und soll zum Teil durch
dieses Buch, jedoch weiterführend durch meine Dissertation, ergänzt
werden
10
.
7. Die in folgenden Ausführungen angedeuteten Taten an Tieren sollten weit
mehr die Aufmerksamkeit, globale Empörung und angemessene
Interventionen zur Folge haben, als es bis heute der Fall ist. Innerhalb von
Familien und der Gesellschaft werden tierquälerische Taten, Sodomie und
Tiertötungen zum Teil ignoriert oder aber als prä - pubertäres Probierverhalten
interpretiert und dementsprechend nicht adäquat reagiert oder interveniert.
Dabei ist es zum Teil belegt, dass Kinder, welche in ihrer Entwicklungsphase
Tiere foltern, quälen und auch sodomistische Handlungen durchführen, ein
signifikant erhöhtes Risiko haben, diese Taten später auch an Menschen
durchzuführen und diese ggfs. auch auszuweiten (Stupperich, 2006). Hier gilt
es präventive Hilfen zu schaffen, um weitere, z. T. schlimmere Taten zu
verhindern.
8. Möglicherweise hätten die Serienmorde eines Joachim Krolls, Ronny Riekens,
Paul Ogorzows und zahlreicher anderer Serienmörder, verhindert werden
können, wenn angemessen und unverzüglich auf ihre tierquälerischen Taten
(meist in der frühen Kindheit oder Pubertät) eingegangen worden wäre. Auch
die Morde von Axel F. hätten möglicherweise verhindert werden können.
9. Traurigerweise fast schon ,,übliche" Praktiken zur Tierhaltung, welche
sadistischen Akten ähneln und Tiertötungen
11
- auch jene, die vor dem
Hintergrund der Vermarktung geschehen, sollten ebenfalls einer
differenzierten Prüfung unterzogen werden, um festzustellen, welcher
Änderungen es bedarf
12
. Auch hier finden sich bei den Serienmördern
10
Weiterer erheblicher Forschungsbedarf besteht jedoch in jedem Fall.
11
Insbesondere weise ich auf den fragwürdigen ,,Jagdsport" hin, welcher in einer Zeit, in der der Lebensraum der Tiere und
schließlich die unterschiedlichen Tierarten massiv dezimiert werden, kaum noch eine Berechtigung findet und gleichzeitig den
geistigen Exkurs zu äußerst fragwürdigen Handlungen und möglicherweise zu kriminellen Delikten ermöglicht.
12
Das menschliche Gehirn ist insbesondere in der Kindheit und Jugend prägbar, jedoch können auch spätere Einflüsse
verrohend und brutalisierend wirken, bzw. bestimmte Aspekte der Persönlichkeit beeinflussen und strukturieren. Diese
Prozesse könnten sich beispielsweise bei kontinuierlichen inhumanen Schlachtprozessen, wie auch Tötungen während der
Jagd einstellen und in delinquenten Handlungen ihr Ventil finden.
10
ausreichend Beispiele, welche den Kontext zwischen Tierschlachtungen als
Initialreiz und späteren sadistischen Serienmorden verdeutlichen. Ich stelle
hier keinesfalls die (unhaltbare) Behauptung auf, dass alle, die an
Tiertötungen und Schlachtprozessen beteiligt sind, zu sadistischen
Handlungen neigen oder zu Serienmördern werden. Jedoch scheint der
Zusammenhang zu der Entwicklung einiger Serienmörder signifikant.
10. Das Leben des Axel F. ist durch seine eigenen Schilderungen geeignet, die
Entwicklung zum Serienmörder transparent zu machen. Aus diesem Grunde
lasse ich das Opfer und den späteren Täter zu Worte kommen um seine
Lebensgeschichte zu erzählen
13
. In eher geringem, jedoch angemessenem
Rahmen ergänze und interpretiere ich die Selbstbiographie. Für dieses Buch
beziehe ich mich fast ausschließlich auf seine biographischen Angaben.
Weitere ausführliche und andere Analysen, beziehen ebenfalls das
psychiatrische Gutachten, ein ungefähr 100 Seiten umfassendes Interview,
das Gerichtsurteil u. a. Datenmaterial in die Analysen meiner Dissertation ein,
welche sich in der Bearbeitung befindet.
Beim Lesen empfiehlt es sich, über ,,Die Theorie der zyklischen Weitergabe von
Viktimisierungserfahrungen", welche ich bereits erwähnte, wenigstens oberflächlich
informiert zu sein, aus diesem Grunde erfolgt hier eine knappe Darstellung
inhaltlicher Aspekte:
Rossilhol (2002) weist beispielsweise darauf hin, dass die Mehrzahl der
Missbraucher, selbst in der Kindheit traumatisiert wurden. Die Familien zeichnen sich
signifikant häufig durch Dysfunktionalität aus. Folgende weitere Aspekte sind als
relevant zu betrachten und fließen
14
in meine Ausführungen ein:
· Die Identifikation mit dem Aggressor kann als maßgebender Faktor im
Verlaufe der weiteren Entwicklung herausgestellt werden.
· Konditionierungen, welche traumatischer Natur sind, werden in das
Bewusstsein internalisiert und es erfolgt somit eine neurologische Adaption
der erfahrenen Missbrauchsakte.
· Innerhalb der dysfunktionalen Familie (der primären Bezugspersonen) fehlt es
i. d. R. an angemessenen affektiven Erfahrungen in der Kindheit.
· Die Eltern bieten dem sich entwickelnden Kind ungenügend Schutz, Liebe und
Aufmerksamkeit.
· Die Basis für das spätere Täterverhalten (wobei es sich ebenfalls um
weibliche Täterinnen handeln kann), wird durch den individuellen Opferstatus,
häufig durch sexuelle Viktimisierung erworben.
· Desto vulnerabler die kindliche Seele ist und desto umfangreicher die
destruierenden Impulse und Prozesse auf den sich entwickelnden Menschen
einwirken, desto brisanter und gefährlicher kann die Entwicklung verlaufen.
· Insbesondere muss auf die Verantwortlichkeit der Familie, als auch des
Umfeldes hingewiesen werden. Hier kann der notwendige Halt und Schutz
geboten werden. Ein Kind, welches Traumatisierungen erfährt, aber in einer
liebevollen familiären Atmosphäre aufwächst in einem geschützten und
umsorgenden sozialen Umfeld lebt, in welcher primäre Bezugspersonen
13
Über den Wahrheitsgehalt können keine Aussagen gemacht werden.
14
Bestimmte Prozesse werden marginal angesprochen, tiefergehende Analysen erfolgen in meiner Dissertation. Insbesondere
bei neurologischen Prozessen wird auf andere Forschungsarbeiten verwiesen.
0 Kommentare