Vorwort
Die Bronzezeit vor mehr als 2000 bis 800 v. Chr. gilt als die erste und längere der Metallzeiten in Europa. In dieser Zeit wurden Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Bronze hergestellt. In einigen Gebieten hatte die Bronzezeit eine andere Zeitdauer. So begann sie in Süddeutschland schon vor etwa 2300 v. Chr. und endete um 800 v. Chr. In Norddeutschland dagegen währte sie von etwa 1600 bis 500 v. Chr.
Der Begriff „Bronzezeit“ wurde 1836 in einem Museumskatalog durch den dänischen Prähistoriker Christian Jürgensen Thomsen (1788–l865) aus Kopenhagen eingeführt. Der
Text über die Bronzezeit stammt aus dem vergriffenen Buch „Deutschland in der Bronzezeit“ (1996) des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung und entspricht dem damaligen Wissensstand.
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Christian Jürgensen Thomsen (1788–1865)
nach dem jeweils am meisten verwendeten Rohstoff
in drei Perioden ein:
nämlich Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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Die Bronzezeit
und Burgherren
Als Bronzezeit wird jenes Zeitalter der Menschheitsgeschichte bezeichnet, in dem erstmals in größerem Umfang aus einer Verbindung der Metalle Kupfer und Zinn – nämlich Bronze – Werkzeuge, Waffen und Schmuck angefertigt wurden. Nach der vorangegangenen, viel längeren Steinzeit ist die Bronzezeit in Europa mit ihrer verhältnismäßig geringen Dauer von maximal 1500 Jahren das zweitlängste Zeitalter der Urgeschichte.
Die Bronzezeit begann – nach den ältesten Bronzefunden zu schließen – in Mesopotamien, Ägypten, auf der Mittelmeerinsel Kreta, in Troja und Südosteuropa schon um 2500 v. Chr., nahm in manchen Teilen Mitteleuropas etwa 2300 v. Chr. ihren Anfang und setzte in Nordeuropa erst gegen 1600 v. Chr. ein. Die Bronzezeit endete mit dem Aufkommen des Eisens, also bei den Hethitern in Kleinasien schon 1300 v. Chr., in Griechenland etwa 1200 v. Chr., in Italien und auf dem Balkan um 1000 v. Chr., in Teilen Mitteleuropas ungefähr 800 v. Chr. und in Nordeuropa erst um 500 v. Chr. Bronzezeitliche Kulturen haben in Europa, Afrika und Asien existiert.
Der Begriff „Bronzezeit“ wurde 1836 in einem Museumskatalog durch den dänischen Prähistoriker Christian Jürgensen Thomsen (1788–l865) aus Kopenhagen eingeführt. Statt des Namens Bronzezeit schlug der Prähistoriker Christian Strahm aus Freiburg/Breisgau bei einem Vortrag im April
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1991 den Ausdruck „Metallikum“ vor, weil man erst seit diesem Abschnitt von einer weitverbreiteten Metallurgie sprechen könne. Strahm bezeichnete die ältere Frühbronzezeit in Mitteleuropa als „Aufbauphase“ und die entwickelte Frühbronzezeit als „industrielle Phase“ der Metallurgie.
Bis in die Bronzezeit reichen die Anfänge der Antike, also des klassischen oder griechisch-römischen Altertums, zurück. Die Historiker datieren den Beginn der Antike uneinheitlich. Sie lassen die Antike entweder schon mit der frühgriechischen Einwanderung in Hellas vor 1500 v. Chr. beginnen oder erst mit der eigentlichen griechischen Geschichte etwa 500 Jahre später. Auch bezüglich des Endes der Antike war man sich nicht einig. Es wird durch bestimmte historische Ereignisse – wie etwa den Beginn der Alleinregierung Konstantins 324 n. Chr. oder die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus durch den Söldnerführer Odoaker 476 n. Chr. – markiert.
Außer den archäologischen Funden geben auch zahlreiche schriftliche Quellen über das bronzezeitliche Leben Auskunft, weil in dieser Periode die Schrift in Ägypten, Sumer und Babylonien bereits bekannt war und auf Kreta, in Phönikien und Griechenland eingeführt wurde. So liegen beispielsweise für Ägypten aus der Zeit nach 2000 v. Chr. die Dauer der einzelnen Herrscherdynastien, die Regierungszeit der Pharaonen, deren Namen sowie Jahreszahlen wichtiger Ereignisse vor. Dieses Zahlengerüst liefert manchmal wertvolle Anhaltspunkte bei Datierungsfragen.
Die Menschen der Bronzezeit kannten vielleicht schon ein altes Maßsystem, das nach neueren Erkenntnissen bereits in der Steinzeit vorhanden war und bis in die Barockzeit galt. Es soll auf der Basis von 33,3 Zentimetern für eine Einheit
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beruhen. Über dieses „altgermanische Maßsystem“ hatte der Archäologe und Numismatiker Robert Forrer (1866–1947) aus Straßburg schon 1907 geschrieben.
Für Skandinavien und Norddeutschland wird die 1885 von dem schwedischen Prähistoriker Oscar Montelius (1843– 1921) aus Stockholm erarbeitete Gliederung der Bronzezeit verwendet. Er teilte die nordische Bronzezeit nach der typologischen Abfolge von Bronzeerzeugnissen (Gewandspangen, Rasiermesser, Schwerter, Gürteldosen) in sechs Perioden ein, die er mit römischen Ziffern von I bis VI kennzeichnete. Das auf seinen Erkenntnissen aufbauende Chronologieschema sieht heute so aus:
Periode I (frühe Bronzezeit):
etwa 1800 bis 1500 v. Chr., Periode II (ältere Bronzezeit):
etwa 1500 bis 1200 v. Chr., Periode III (mittlere Bronzezeit):
etwa 1200 bis 1100 v. Chr., Perioden IV und V (jüngere Bronzezeit):
etwa 1100 bis 800 v. Chr., Periode VI (frühe Eisenzeit):
etwa 800 bis 500 v. Chr.
Für das südliche Mitteleuropa (Süddeutschland, Österreich und die Schweiz) ist weitgehend die Gliederung von 1902 des damals in Mainz arbeitenden Prähistorikers Paul Reinecke (1872–1958) maßgeblich, der später in München tätig war. Er teilte die süddeutsche Bronzezeit nach Fundkombinationen in vier Stufen von A bis D ein. Auch die folgende Hallstatt-Zeit gliederte er in vier Stufen von A bis D, die er der Eisenzeit zurechnete.
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Erst später erkannte man, daß das Fundgut der Stufen Hallstatt A und B noch nicht zur Hallstatt-Kultur im eigentlichen Sinne gehört. Aus diesem Grund wurden diese Abschnitte unter dem Begriff Urnenfelder-Zeit zusammengefaßt. Die Stufen Hallstatt C und D gelten heute als eigentliche Hallstatt-Zeit beziehungsweise -Kultur im Sinne der frühen Eisenzeit. Bisweilen werden die Stufen A und B je nach Fundgut als früheste Eisenzeit bezeichnet.
Im südlichen Mitteleuropa gilt heute – etwas abweichend von Reineckes Schema – folgende Einteilung der Bronzezeit:
Die Stufe Bronzezeit A entspricht der Frühbronzezeit. Sie wurde zeitweilig nach der vorherrschenden Bestattungsart auch Hockergräber-Bronzezeit genannt (etwa 2300 bis 1600 v. Chr.).
Die Stufen Bronzezeit B und C werden als Mittelbronzezeit bezeichnet. Wegen der charakteristischen Bestattungsart heißt diese auch Hügelgräber-Bronzezeit (etwa 1600 bis 1300/1200 v. Chr.).
Die Stufe Bronzezeit D (etwa 1300 bis 1200 v. Chr.) markiert sowohl das Ende der Mittel- als auch den Beginn der Spätbronzezeit. An manchen Fundstellen weist sie noch Merkmale der Hügelgräber-Bronzezeit auf, an anderen bereits solche der Urnenfelder-Zeit, meistens aber beides. Diese Übergangszeit oder Zeit eines faßbaren Kulturwandels, die Bronzezeit D, wird heute häufig als ältester Teil der Urnenfelder-Kultur betrachtet. Die Hauptphasen der nach ihrer typischen Bestattungsart in weiten Gebieten als Urnenfelder-Kultur definierten Spätbronzezeit umfassen die Stufen Hallstatt A und B (etwa 1200 bis 800 v. Chr.) nach der Terminologie von Reinecke.
Das Klima der Bronzezeit fiel weitgehend in die Späte
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Wärmezeit (auch Subboreal genannt), die schon in der Jungsteinzeit begonnen hatte und bis etwa 800 v. Chr. dauerte. Es war eine Zeit des Übergangs, in der in Europa gebietsweise Eichenmischwälder, aber auch Buchen-, Buchen-Tannen- oder reine Fichtenwälder wuchsen.
In den Wäldern Mitteleuropas lebten in der Bronzezeit unter anderem Braunbären (Ursus arctos), Wölfe (Canis lupus), Rot- beziehungsweise Edelhirsche (Cervus elaphus), Auerochsen beziehungsweise Ure (Bos primigenius) und Wildschweine (Sus scrofa). Funde von Löwenknochen, in einem Fall sogar mit Schnittspuren, Darstellungen der Mykenischen Kultur sowie die Sage von Herakles (Herkules) und dem Nemeischen Löwen zeigen, daß im bronzezeitlichen Grie-chenland noch wildlebende Löwen (Panthera leo) gejagt und verzehrt wurden.
Im Mittelmeergebiet ereignete sich um 1500 v. Chr. eine der verheerendsten Naturkatastrophen der Bronzezeit: Bei einem Vulkanausbruch wurde die griechische Kykladeninsel Thera (das heutige Santorin) so stark verwüstet, daß man dieses Ereignis sogar mit dem Untergang des sagenhaften Atlantis in Verbindung brachte.
Die Menschen der Bronzezeit waren im Durchschnitt etwas größer als diejenigen der vorhergehenden Steinzeit. Bei den frühbronzezeitlichen Angehörigen der Aunjetitzer Kultur in Tschechien und der Slowakei, in Mitteldeutschland und Niederösterreich erreichten die Männer eine Körperhöhe von 1,60 bis maximal 1,78 Metern, die Frauen von 1,55 bis 1,66 Metern. Die Männer der nordischen Bronzezeit in Skandinavien und Norddeutschland waren häufig mehr als 1,70 Meter groß, wie aus Skelettfunden in Baumsärgen ersichtlich wird.
Für Jungen und Mädchen endete die Kindheit wohl im Alter
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Kostümbild „Germanenpaar der Bronzezeit“ auf einem Holzstich um das Jahr 1890. Damals bezeichnete man die Menschen der Bronzezeit irrtümlich als Germanen.
Tatsächlich sind diese erst ab der Eisenzeit um 500 v. Ch. nachweisbar.
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von etwa 14 bis 15 Jahren. Dieses Ereignis wurde mit einem großen Fest (Initiationsfeier) begangen, bei dem die Jugendlichen Aufnahme in den Kreis der Erwachsenen fanden. Nach der Zeremonie, die möglicherweise vom Häuptling oder Priester durchgeführt wurde, galten Jungen als Männer, die Mädchen als Frauen und konnten nun heiraten. Bei der Feier erhielten die Jungen vermutlich eine Waffe und die Mädchen bronzene – oder sogar goldene – Schmuckstücke.
Um den Gesundheitszustand der bronzezeitlichen Bevölkerung war es meistens schlecht bestellt. In manchen Kulturen hatte mehr als die Hälfte der Menschen irgendwelche körperlichen Mißbildungen und Krankheiten.
Mehr als drei Viertel der Männner und Frauen litten unter Parodontose, über 25 Prozent an Karies. Auch Kiefererkrankungen waren recht häufig. Weniger als ein Fünftel der Männer wurde älter als 40 Jahre. Bei den Frauen, die häufig wegen mangelnder Hygiene nach einer Entbindung starben, überlebte nur jede zwanzigste das 40. Lebensjahr. Schädelverletzungen und -krankheiten versuchte man gelegentlich durch Operationen (sogenannte Trepanationen) zu heilen.
Die bronzezeitlichen Bauern, Handwerker und Krieger in Mitteleuropa lebten in Einzelgehöften, kleinen Dörfern und befestigten Siedlungen („Burgen“). Letztere wurden auf Bergen mit zum Teil steil abfallenden Hängen errichtet sowie mit Gräben, Wällen und Palisaden befestigt, was unruhige Zeiten vermuten läßt.
In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz gab es – wie zuvor in der Jungsteinzeit – auch Seeufersiedlungen („Pfahlbauten“). Spuren von ihnen kennt man aus der Früh- und Spätbronzezeit. In der Mittelbronzezeit waren die Seeufer offenbar wegen ungünstiger klimatischer Verhältnisse und
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steigender Wasserspiegel kein idealer Platz für Siedlungen. Die Wände und Dächer der Wohnhäuser und Nebengebäude hatte man überwiegend in Holzbauweise errichtet. In manchen Gebieten baute man sehr große Häuser, mehrheitlich viele kleinere. Aus Angelsloo-Emmerhout bei Emmen in der holländischen Provinz Drenthe sind Grundrisse einer Siedlung mit etwa 50 Lang- und Kurzbauten sowie Speichern bekannt. Die Langbauten hatten eine Breite zwischen fünf und sechs Metern sowie eine Länge bis zu 65, in einem Fall sogar bis zu 80 Metern. Die riesigen Häuser waren in je einen Wohn- und Stallteil gegliedert. In Elp, ebenfalls in der Provinz Drenthe, existierte eine Siedlung, die aus sechs Lang- und vier Kurzhäusern sowie drei Stallgebäuden bestand. Das größte Gebäude mit 40 Meter Länge konnte im Stallteil etwa 20 bis 30 Rinder aufnehmen. Die Wohnhütten der Aunjetitzer Kultur in Tschechien und der Slowakei mit Grundrissen von sechs mal vier beziehungsweise neun mal sechs Metern gaben sich wesentlich bescheidener.
Auf Kreta, in Griechenland, auf Sardinien, den Balearen (Mallorca, Menorca), in Spanien, Frankreich und im Karpatenbecken (Ungarn) wurden in der Bronzezeit bereits steinerne Wohngebäude oder -anlagen mit teilweise kolossalen Ausmaßen errichtet.
Zu den erstaunlichsten Leistungen der bronzezeitlichen Baukunst zählten die prachtvollen Paläste von Herrschern der Minoischen Kultur auf Kreta. Hier sind vor allem die Anlagen von Knossos, Phaistos und Hagia Triada zu nennen. Deren Glanz steht in auffälligem Kontrast zu dem Elend der Hütten in weniger entwickelten, gleichzeitigen Kulturen Mitteleuropas.
Der Palast von Knossos aus dem 16. Jahrhundert v. Chr., der
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ältere Vorgänger hatte, umgab einen 28 mal 60 Meter großen zentralen Hof, der von zahlreichen mehrstöckigen Gebäuden mit vielen Räumen, Pfeilersälen und Lichthöfen umrahmt wurde, die durch enge Korridore und Treppen ver-bunden waren. Fresken mit Alltagsszenen schmückten viele Wände. Der Palast verfügte über Warmwasserheizung, Badezimmer mit Sitzwannen und Toilette mit Wasserspülung. Diesem Komplex schloß sich eine Stadt mit schätzungsweise 50000 Einwohnern an.
Weniger prunkvoll fielen die wehrhaften Burgen der Mykenischen Kultur (1600 bis 1100 v. Chr.) auf dem griechischen Festland und einigen Mittelmeerinseln aus. Das berühmteste Beispiel dieses Baustils findet sich in Mykene (auch Mykenä oder Mykenai genannt), nach dem jene Kultur bezeichnet ist. In den Epen des griechischen Dichters Homer residierte Fürst Agamemnon auf Mykene. Besonders trutzig wirkte die auf einem Hügel thronende Burg in der zweiten Hälfte des l4. Jahrhunderts v. Chr., nachdem sie mit „kyklopischen“ Mauern verstärkt worden war.
Auch andere Kulturen beziehungsweise Stämme errichteten in der Bronzezeit schon burgenähnliche Befestigungsanlagen mit steinernen Mauern und mitunter sogar Türmen. Derartige Bauwerke kennt man von der El-Argar-Kultur in Spanien, aus dem mediterranen Frankreich und aus dem Karpatenbecken (Ungarn).
In Mitteleuropa gab es überwiegend „Burgen“ mit Mauern, deren Holzkonstruktionen man mit Erde und Steinen füllte. Solche Befestigungen sind häufig durch Brände, die durch ungeschicktes Hantieren mit offenem Feuer verursacht oder durch Angreifer gelegt wurden, zerstört worden.
Für die Bauern, Handwerker und Krieger der Bronzezeit war die Jagd nicht mehr lebenswichtig, weil die Ernährung
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durch Ackerbau und Viehzucht weitgehend gesichert wurde. Dennoch dürfte gelegentlich der Speisezettel durch zur Strecke gebrachte Wildtiere oder Fische bereichert worden sein.
Verkohlte Getreidekörner aus Siedlungen, Gräbern und an Opferstellen sowie Getreidekörnerabdrücke auf Tongefäßen und Hüttenlehm belegen, welche Getreidearten in der Bronzezeit angebaut wurden. Wie in der Jungsteinzeit gab es weiterhin Nacktgerste (Hordeum vulgare var. nudum), mehrzeilige Gerste (Hordeum vulgare), Saatweizen (Triticum aestivum), Emmer (Triticum dicoccon, früher auch Triticum dicoccum genannt) und seltener das ertragsarme Einkorn (Triticum monococcum). Hinzu kamen Rispenhirse (Panicum miliaceum), Dinkel beziehungsweise Spelt (Triticum spelta), der sogar in Gebieten mit niederschlagsreichem und rauhem Klima gedeiht, und im südlichen Mitteleuropa auch Kolbenhirse (Setaria italica).
Außerdem säte und erntete man allerlei Gemüse, wie Kohl (Brassica oleracea) und vielleicht auch Möhren (Daucus carota). Eiweißhaltige Hülsenfrüchte wie Linsen (Lens culinaris), Erbsen (Pisum sativum) und vor allem Ackerbohnen (Vicia faba), auch Pferde- oder Saubohnen genannt, wurden immer beliebter. Man verwendete sie vermutlich zur Herstellung von Brei.
Schlafmohn (Papaver somniferum) und Flachs (Linum usitatissimum) dienten – wie schon in der Jungsteinzeit – zur Gewinnung von pflanzlichem Öl. Der Flachs (Lein) wurde außerdem zur Herstellung von Fasern für Leinengewebe verwendet. Ab der Spätbronzezeit stellte man häufig aus Leindotter (Camelina sativa) Öl für technische und Speisezwecke her.
Als eßbare Sammelpflanzen sind Wildäpfel (Malus syl-
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vestris), Wildbirnen (Pyrus pyraster), Schlehen (Prunus spinosa), Trauben von Wildem Wein (Vitis sylvestris), Kornelkirschen (Cornus mas), Himbeeren (Rubus idaeus), Brombeeren (Rubus fruticosus), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Haselnüsse (Corylus avellana) und Eicheln (Quercus robur, Quercus petraea) bekannt.
Dicht bei den Einzelgehöften oder Dörfern dürften gartenartige Flächen gelegen haben, etwas weiter davon entfernt die Felder, auf denen Sommer- und Wintergetreide Hülsenfrüchte angebaut wurden. Zum Schutz der Saat und der Frucht auf den Äckern vor Wild- und Haustieren waren Zäune beziehungsweise dichte Hecken erforderlich.
Neben Feldhacken aus Holz oder Hirschgeweih wurden zum Auflockern des Ackerbodens auch hölzerne Pflüge mit Rindern und später auch Pferden als Zugtieren eingesetzt. Bronzezeitliche Hakenpflüge, welche die Erde aufrissen, aber noch nicht wendeten, sind aus Italien (Lavagnone) und eventuell auch aus Deutschland (Walle bei Aurich) bekannt. Außer den parallel gezogenen Pflugspuren unter Grabhügeln ist der Einsatz des Pfluges durch spätbronzezeitliche Felszeichnungen nachgewiesen.
Die Getreideernte erfolgte in der Frühbronzezeit wohl überwiegend mit Sichelschäften aus Holz oder Hirschgeweih, in die scharfkantige Feuersteinklingen eingeklemmt wurden. Schlagartig mit Beginn der Mittelbronzezeit setzte sich paneuropäisch die aus Bronze gegossene Sichel als Neuheit durch. Es fällt auf, daß dieses Erntegerät erst jetzt in Bronze ausgeführt wurde, obwohl der Werkstoff Bronze schon seit Generationen bekannt war. Sicheln sind fast ausschließlich in Depots (früher Horte genannt) gefunden worden. Sie lösten das frühbronzezeitliche Randleistenbeil als Hortungsgut ab.
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Die mittelbronzezeitlichen Sicheln weisen als einziger Ge-genstand im bronzezeitlichen Inventar ein komplexes Zeichensystem auf, die sogenannten Sichelmarken. Es spricht einiges dafür, daß diese Sichelmarken ein mit kalendarischvegetationszyklischen Begriffen verbundenes Mitteilungssystem beinhalten. Die mondförmige, heilige Gestalt der Sichel, ihr massives und plötzliches Auftreten in Depots, verbunden mit der Beobachtung, daß zwei Drittel aller Markensicheln nie benutzt wurden, lassen die Bronzesichel als Hortgut erscheinen.
Anfangs wurde die Sichel überwiegend als „Hortgeld“ an numinöse Mächte für Bitten oder Danksagungen hergestellt und geopfert. Erst in der Jung- und Spätbronzezeit, als die Zusammenstellung der Depots mehr auf dem Materialwert anstatt auf dem Symbolwert der Opfergaben basierte, büßte die Bronzesichel ihre streng genormte Form und auch ihre Funktion als „Hortgeld“ ein. Von nun an diente sie vor der Deponierung in der Regel als profanes Ernteschnittgerät. Wie in der Jungsteinzeit wurden auch in der Bronzezeit die Getreidekörner mit steinernen Handmühlen zerquetscht. Das auf diese Weise gewonnene Mehl mischte man mit Wasser. Der Teig wurde dann in tönernen Backöfen zu Brot gebakken. Solche Backöfen gehörten zu jedem Haushalt.
Neben den schon in der Jungsteinzeit üblichen Haustieren – wie Hund (Canis), Rind (Bos), Ziege (Capra), Schaf (Ovis) und Schwein (Sus) – gewann in der Bronzezeit das Pferd (Equus) immer größere Bedeutung. In der Mittelbronzezeit kam der vom Pferd gezogene Streitwagen auf. Ab der Spätbronzezeit fand das Pferd vermehrt als Reittier von Kriegern Verwendung.
Die während der Bronzezeit gehaltenen Schafrassen trugen noch dicke Stichelhaaare in der Wolle. Sobald diese beim
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Spinnen zu Wollfäden zusammengedreht werden sollten, erwiesen sie sich als recht widerspenstig: Sie knickten und spreizten sich mit den Enden aus dem Faden heraus. Das kann man an bronzezeitlichen Kleidungsstücken gut beobachten.
Der wichtigste technische Fortschritt in der Bronzezeit war die Verwendung des neuen Metalls Bronze bei der Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Schmuck. Anders als bei Rohkupfer, das man bereits gegen Ende der Jungsteinzeit (auch Kupferzeit genannt) in Europa kannte, ist Bronze wesentlich leichter zu schmelzen, erweist sich dann aber beim Endprodukt als merklich härter. Aus Bronze ließen sich weitaus kompliziertere Geräte anfertigen als aus Stein.
Wo und ab wann Bronze zuerst bewußt hergestellt wurde, ist umstritten. Wahrscheinlich wurde diese neue Legierung aus den Metallen Kupfer und Zinn im Vorderen Orient entdeckt. Die ältesten Bronzegeräte sind aus Mesopotamien, Ägypten und von der Mittelmeerinsel Kreta bekannt. Anscheinend konnte dort der enorme Metallbedarf bald nicht mehr ausschließlich durch eigene Kupfer- und Zinnvorkommen gedeckt werden.
Dies führte offenbar bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend zu Expeditionen von Erzsuchern nach Mittel- und Westeuropa, die wohl überwiegend auf dem Seeweg entlang der Mittelmeerküste erfolgten. Möglicherweise sind bestimmte befestigte Hügelsiedlungen in Südspanien und Portugal von solchen Erzsuchern als Kolonien erbaut worden. Dieser Theorie zufolge haben Kontakte der Erzexpeditionen mit einheimischen Stämmen und das Abreißen der Verbindung zum fernen Mutterland vielerorts selbständige Kulturen der Frühbronzezeit entstehen lassen. In Mitteleuropa zeigte sich zunächst nur die Bevölkerung
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Ernst Probst, 1996, Die Bronzezeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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