Vorwort
Die Bronzezeit vor mehr als 2000 bis 800 v. Chr. gilt als die erste und längere der Metallzeiten in Europa. In dieser Zeit wurden Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Bronze her- gestellt. In einigen Gebieten hatte die Bronzezeit eine andere Zeitdauer. So begann sie in Süddeutschland schon vor etwa 2300 v. Chr. und endete um 800 v. Chr. In Norddeutschland dagegen währte sie von etwa 1600 bis 500 v. Chr.
Eine der wichtigsten bronzezeitlichen Kulturen Mitteleuro- pas war von etwa 1300 bis 500 v. Chr. die Lausitzer Kultur. Ihr Verbreitungsgebiet reichte im Westen bis an die Saale in Mitteldeutschland, während es im Süden Nordböhmen, Nord- mähren, und die nordwestliche Slowakei umfasste. Im Nord- westen gehörte das südliche Brandenburg dazu, und im Osten bildete die heutige polnische Provinz Posen (Poznan) die Grenze. Die Prähistoriker unterscheiden zwischen einer Ost-, West-, schlesisch-mährischen, oberschlesisch-polni- schen, mittelschlesischen und einer Lausitz-sächsischen Gruppe. Zur Westgruppe rechnet man die einst vor allem in der Lausitz, im südlichen Brandenburg und in Sachsen ansässige Lausitz-sächsische Gruppe.
Den Begriff „Lausitzer Kultur“ hat 1880 der damals in Berlin wirkende Pathologe Rudolf Virchow (1821–1902) geprägt. Der Text über die Lausitzer-Kultur stammt aus dem vergrif- fenen Buch „Deutschland in der Bronzezeit“ (1996) des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst in alter deut- scher Rechtschreibung und entspricht dem damaligen Wis- sensstand. Weitere Kulturen der Bronzezeit aus Deutschland werden ebenfalls in Einzelpublikationen vorgestellt.
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Als Berlin
noch ein Dorf war
Die Lausitzer Kultur
vor etwa 1300 bis 500 v. Chr.
Eine der wichtigsten bronzezeitlichen Kulturen Mitteleuro- pas war von etwa 1300 bis 500 v. Chr. die Lausitzer Kultur. Sie entwickelte sich vermutlich aus der Vorlausitzer Kultur und existierte während der mittleren und jüngeren Bronze- zeit sowie in der frühen Eisenzeit. In diesem Text werden lediglich die bronzezeitlichen Abschnitte von etwa 1300 bis 800 v. Chr. behandelt, die ungefähr der Lebensdauer der süd- deutschen Urnenfelder-Kultur entsprechen.
Das Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur reichte im We- sten bis an die Saale in Mitteldeutschland, während es im Süden Nordböhmen, Nordmähren und die nordwestliche Slowakei umfaßte. Im Nordwesten gehörte das südliche Brandenburg dazu, und im Osten bildete die heutige polni- sche Provinz Posen (Poznan) die Grenze. Die Prähistoriker unterscheiden zwischen einer Ost-, West-, schlesisch- mährischen, oberschlesisch-polnischen, mittelschlesischen und einer Lausitz-sächsischen Gruppe.
Zur Westgruppe rechnet man die einst vor allem in der Lau- sitz im südlichen Brandenburg und in Sachsen ansässige Lausitz-sächsische Gruppe. Dazu gehörten im Norden die Spindlersfelder Gruppe, im Osten die Niederlausitzer Grup- pe, Neißemündungs-Gruppe, Oberlausitzer Gruppe, Aurither Gruppe sowie im Westen die Fläming-Gruppe, Schliebener
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RUDOLF VIRCHOW,
geboren am 13. Oktober 1821 in Schivelbein (Pommern), gestorben am 5. September 1902 in Berlin. Er wirkte zunächst als Professor und Privatdozent an der Universität Berlin.
1849 arbeitete er als Professor in Erlangen und 1856 wieder als Professor in Berlin. Virchow war ein renommierter Pathologe, Arzt und Politiker. Außerdem gilt er als Begründer der pathologischen Anatomie.
1880 verwendete er erstmals den Begriff Lausitzer Kultur.
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Gruppe, Elbe-Mulde-Gruppe, Elbe-Elster-Gruppe, Dresde- ner Gruppe und Osterländische Gruppe. Letztere hatte sich überwiegend östlich der Saale in Sachsen-Anhalt und Thü- ringen sowie geringfügig auch in der Umgebung westlich der Saale niedergelassen.
Den Begriff Lausitzer Kultur hat 1880 der damals an der Universität Berlin wirkende Pathologe Rudolf Virchow (1821–1902) geprägt. Virchow erkannte bei Besuchen des Gräberfeldes von Zaborow bei Priment (Provinz Posen) in den 1870er und 1880er Jahren, daß ein Teil der dortigen Funde von einer selbständigen Kultur stammt. Denn be- stimmte Tongefäße lagen tiefer als die slawische Keramik und unterschieden sich durch ihr feineres Tonmaterial, ihre Form und Verzierungen deutlich von dieser.
Pflanzenfunde aus der Siedlung von Berlin-Lichterfelde ver- raten, daß in dieser Gegend Brandenburgs eine steppen- ähnliche Vegetation wuchs. Nach Auffassung des Ausgrä- bers Adrian von Müller ist das Dorf Berlin-Lichterfelde von den Bewohnern verlassen worden, als der Brunnen während einer Dürreperiode austrocknete.
Wie groß die Menschen jener Zeit waren, ergaben Untersu- chungen von Knochenresten aus dem jungbronzezeitlichen Gräberfeld Saalhausen 2 (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg, wo man die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt hatte. Demnach erreichten die dortigen Männer eine Körper- höhe von 1,67 bis 1,76 Metern, während es die Frauen auf 1,58 bis 1,67 Meter brachten.
Die damaligen Menschen hatten eine niedrige Lebenserwar- tung. Im ehemaligen Tornow (Kreis Oberspreewald-Lausitz) entfielen 26,5 Prozent der Todesfälle auf Kleinkinder im Alter bis zu einem Jahr. Insgesamt starben im Kindesalter etwa 40 Prozent. Die durchschnittliche Lebensdauer betrug 17,8 Jah-
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Menschen der Bronzezeit beim Bau eines Wohnhauses. Die Wände der damaligen Unterkünfte wurden meistens aus Ästen oder Zweigen geflochten sowie mit Lehm verschmiert oder beworfen. Als Dachbelag dienten vielleicht Stroh, Schilf, Rinden oder Grassoden.
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re. Nur 48,8 Prozent der Verstorbenen in Tornow hatten das Erwachsenenalter erreicht. Die Gemarkung Tornow wurde durch den Abbau von Braunkohle beseitigt.
Komplikationen während der Schwangerschaft, der Geburt und im Kindbett führten dazu, daß mehr Frauen als Männer im jugendlichen und erwachsenen Alter starben. Das ließ sich ebenfalls in den Gräbern von Saalhausen 2 nachwei- sen, wo häufig Doppelbestattungen von Frauen mit Kleinst- kindern erfolgt sind.
Die Dresdener Anthropologin Birgit Dalitz ermittelte bei Untersuchungen der Knochenreste aus Saalhausen 2 zahl- reiche Spuren von Krankheiten. Sie stellte Zahnwurzel- mißbildungen, durch schwere Erkrankungen mit Stoff- wechselveränderungen verursachte Schmelzstörungen der Zahnkronen von Kleinkindern, Kieferveränderungen auf- grund nicht ausgebildeter Zähne, Zahnverluste und Verän- derungen an Wirbeln der Wirbelsäule fest.
Im Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur lebten auf einer Fläche von einem Quadratkilometer drei bis vier Personen. Heute liegt die Bevölkerungsdichte in Ostdeutschland bei mehr als 150 Personen pro Quadratkilometer, also gut vierzigmal höher. Es gab weilerartige Gehöftanwesen und unbefestigte dorfähnliche Siedlungen im Flachland sowie befestigte Höhensiedlungen mit Wällen, Gräben und Toren. Die auf einer Anhöhe am Rand der Pankeniederung gegrün- dete Siedlung von Berlin-Buch (Brandenburg) umfaßte 33 Häuser. Der Ausgräber Albert Kiekebusch (1870–1935) aus Berlin hatte irrtümlich geglaubt, mehr als hundert von einst- mals tausend oder noch mehr Häusern entdeckt zu haben. Außer Pfostenlöchern und Herdstellen von kleinen ein- und größeren zweiräumigen Wohnhäusern wurden in Berlin- Buch auch Steinsitze, Vorratsgruben, in den Hausboden ein-
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Siedlung der Lausitzer Kultur
von Berlin-Lichterfelde im Bäketal.
Das Dorf umfasste mindestens fünf Wohnhäuser, die sechs bis neun Meter breit und 8,50 bis 12,50 Meter lang waren, und Nebengebäude. Die Siedlung wurde von einem Graben und einem Zaun aus Gestrüpp umgeben.
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gegrabene Vorratsgefäße, Webstuhl- und Abfallgruben, Re- ste von Zäunen, Keramik, Werkzeuge und Waffen gebor- gen.
Aus mindestens fünf rechteckigen Wohnhäusern bestand die Siedlung von Berlin-Lichterfelde im Bäketal. Sie waren 8,50 bis 12,50 Meter lang, sechs bis neun Meter breit und hatten einen Raum mit Herdstelle. Das Dorf wurde von einem 1,50 Meter breiten und 60 Zentimeter tiefen Graben sowie einem Zaun aus Gestrüpp umgeben. Durchlässe gab es im Nord- westen und Südosten. Zwei Brunnen stammen aus unter- schiedlicher Zeit. Der Brunnen 1 ist aus zwei Hälften eines Eichenstammes hergestellt worden. Zehn Meter nördlich davon befand sich neben einem Pfahl der Brunnen 2 aus einem etwa 1,60 Meter hohen, ausgehöhlten Eichenstamm, der zuvor möglicherweise als Bienenstock gedient hatte. Auf der 1,50 Meter hohen Erhebung namens „Lütjenberg“ im ehemaligen Tornow (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg sind zwei Hauskomplexe nachgewiesen wor- den. Der ältere Hauskomplex I bestand aus zwei Pfosten- häusern (zwölf mal sechs und zwölf mal fünf Meter, vier Pfostenspeicherbauten und einem Grubenkomplex. Der jün- gere Hauskomplex II umfaßte zwei Grundrisse mit den Ma- ßen 15 mal neun und neun mal fünf Metern.
Die Siedlung auf dem Taubenhügel am Rande der Neiße- niederung von Nieder-Neundorf (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) in Sachsen setzte sich aus neun Häusern mit einer Länge von 3,80 bis 7,20 Metern und einer Breite von drei bis 6,80 Metern sowie einer Fläche von 38,50 bis
49 Quadratmetern zusammen. In einem der Gebäude hat man
einen Herd freigelegt.
Neben solchen unbefestigten Ortschaften wurden zahlrei- che befestigte Siedlungen („Burgen“) im Flachland und auf
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Anhöhen errichtet. Solche wehrhaften Anlagen waren mei- stens einen halben bis sechs Hektar groß und nahmen nur ausnahmsweise eine Fläche von fast 20 Hektar ein. Für die Befestigungen im Flachland wählte man Sümpfe, san- dige Kuppen in sumpfigem Gelände, Seeinseln, Halbin- seln oder Bach- beziehungsweise Flußschleifen als Stand- orte. Sie wurden lediglich durch ringförmige Erdwälle ge- schützt.
Bei Burg (Kreis Spree-Neiße) in Brandenburg errichtete man in der jüngeren Bronzezeit auf einer Talsandinsel namens Schloßberg in der Spreeniederung zunächst eine unbefestigte Siedlung. Später wurde das Areal in der jüngsten Bronze- zeit und zur Zeit der folgenden Billendorfer Gruppe mit ei- nem Wall in Holzschalenbauweise befestigt. Als die Anlage einem Brand zum Opfer fiel, errichtete man einen Wall in Rostkonstruktion, der allmählich zerfiel. Heute ist der Wall noch bis zu zwei Meter hoch. Er umschließt eine Fläche mit einem Durchmesser von mindestens 80 bis maximal 110 Metern.
Die Siedlung von Bollersdorf (Kreis Märkisch-Oderland) in Brandenburg befand sich am Westufer des Scharmützelsees auf einer in den See ragenden Halbinsel. Vermutlich trennte und schützte ein von Menschenhand ausgehobener Graben die Halbinsel vom Festland. Auf der zum See gerichteten Seite verlief ein Palisadenzaun.
Die befestigten Höhensiedlungen variierten in ihren Anla- gen. Ein Teil der Befestigungen lag auf Geländespornen, die durch einen Wall und Graben vom Hinterland abgetrennt wurden. Häufig waren solche „Burgen“ mit mächtigen Wäl- len und teilweise in die Steilabhänge eingeschnittenen Grä- ben gesichert. Andere Befestigungen thronten über Steilufern von Gewässern und wurden durch einen sichelartigen Wall
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Ernst Probst, 1996, Die Lausitzer Kultur, Munich, GRIN Publishing GmbH
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