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Einleitung
Der Begriff ,,Netzwerkgesellschaft" ist ein von Manuel Castells geprägter Begriff. Im ersten
Teil seiner Trilogie ,,Das Informationszeitalter- Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft", auf
die ich mich im Wesentlichen beziehe, schildert er die Entwicklung einer
informationsbasierten Netzwerkgesellschaft, die er als Konzept einer neuen Gesellschaftsform
begreift. In meiner Ausarbeitung befasse ich mich mit Castells Begriff der
Netzwerkgesellschaft und erarbeite mögliche Grenzen und Visionen seines Entwurfs.
Castells Begriff der Netzwerkgesellschaft
Castells spricht von der informationstechnologischen Revolution als ein Wechsel von
industriellem Kapitalismus zu einem informationellen Kapitalismus, der seinen Ursprung
unter Anderem in den informationstechnologischen Entwicklungen der frühen 90er Jahre hat.
Denn 1993 wurde der erste grafikfähige Browser namens ,,Mosaic" veröffentlicht und
ermöglichte auch Laien das World Wide Web zu nutzen. Die Entwicklung des Internets geht
auf militärstrategische Maßnahmen des US-Verteidigungsministeriums zurück, das in den
1960er Jahren ein System namens ,,Arpanet" (Advanced Research Projects Agency Network),
das bei einem möglichen Angriff der Sowjetunion die Kommunikation amerikanischer
Behörden gewährleisten sollte, entwickelte. Heute gilt das Internet als eine der
Schlüsseltechnologien, die zur informationellen Revolution beigetragen hat. In der reinen
Existenz neuer Kommunikationstechnologien kann jedoch eine netzwerkorientierte
Gesellschaft nicht begründet sein. Castells argumentiert die Entstehung informationeller
Gesellschaften auch mit der Auflösung eines starren Kapitalismus, der seine Strukturen
dezentralisierte und liberalisierte. Weltweit wurden Finanzmärkte integriert und Netzwerke
zwischen global agierenden Wirtschaftseinheiten gebildet, was dazu führte, dass der Grad der
Information, also der Wissensstand, eine Wettbewerbsgröße wurde. Gleichzeitig fanden
politische Veränderungen statt, die dem Staatsbegriff liberalere Funktionen zusprachen und
damit eine fortschreitende Globalisierung förderten. Dieses Schlagwort der Globalisierung
beinhaltet nicht nur den informativen Austausch unterschiedlicher Kulturen, sonder auch das
Entstehen neuer Kulturen. Neue Kulturen sind einerseits aus dem verstärkten
Zusammenrücken der Kulturen entstanden, andererseits, und das ist das revolutionäre daran,
sind Kulturen innerhalb der technologischen Netzwerke entstanden. Diese Kulturen sind
Kulturen dessen Inhalt sich aus den Technologien bezieht bzw. bei denen die Technologie
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zentral ist. So entstanden ,,Kulturen der reale Virtualität", die maßgeblich zu der
Bedeutungskraft virtueller Netzwerke beigetragen haben. (vgl. 1, S. 5-11)
Die geschilderten Veränderungen führten und führen laut Castells zu einer neuen Beziehung
zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Neustrukturierung der Gesellschaft bringt
eine veränderte Art der Produktion mit sich. Dem Begriff der Produktionsweise einer
Gesellschaft schreibt Castells eine besondere Bedeutung zu und definiert sie wie folgt:
,,Produktion ist das Handeln der Menschheit gegenüber der Materie (Natur), um sie
anzueignen und zum eigenen Wohl umzuwandeln, indem ein Produkt erzielt wird, wovon ein
Teil (ungleich verteilt) konsumiert und der Überschuss für Investitionen akkumuliert wird,
und zwar gemäß verschiedener gesellschaftlich bestimmter Ziele".
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Damit produziert werden kann bedarf es dem Einsatz von Produktionsmitteln, die mittels
Energie auf die ,,Materie" einwirken, um ein Produkt zu erzeugen. Produktionsmittel sind
technologisch basiert und stehen in Castells Verständnis in einer informationsbasierten
Beziehung zu der ,,Materie". Castells teilt die Nutzung eines Produkts in zwei verschiedene
gesellschaftliche Formen, dem Konsum und dem Überschuss. Die Strukturen einer
Gesellschaft bestimmen was mit dem Überschuss der Produktion geschieht, und legen damit
auch die Art der Produktionsweise fest. Es kommt also auf die grundlegende gesellschaftliche
Struktur an, ob Teile der Gesellschaft über den Überschuss bestimmen und so eine ungleiche
Verteilung stattfindet, die die Entstehung gesellschaftlicher Klassen zur Folge hat, die
wiederum die Produktionsweise mitbestimmen, indem die unteren sozialen Schichten
Arbeitskraft liefern. Im zwanzigsten Jahrhundert gab es im Wesentlichen die
Produktionsweise des Kapitalismus und des Etatismus. Castells gibt als grundlegende Größe
die Produktivität einer Gesellschaft an, die über die Verteilung und Anwendung des
produzierten Überschusses entscheidet. Die Produktivität einer Gesellschaft ist durch die
Produktionsweise determiniert. Als Produktivität definiert Castells ,,das Verhältnis des Wertes
jeder Produkteinheit zum Wert einer Einheit des eingesetzten Materials"
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Dieses Verhältnis wird mit Hilfe von technologischen Errungenschaften möglichst optimal
gehalten. Dies ist nur möglich, wenn dabei Energie und Wissen ideal zum Einsatz kommen
und die Art der Produktion so verändern, das mit möglichst wenig Arbeit möglichst viel
produziert wird. Der Faktor Wissen nimmt hier eine ganz besondere Stellung ein, da in der
neuen informationellen Wirtschaft die Produktionsmittel aus Wissen bestehen. Es wird also
im Gegensatz zum Industrialismus, bei dem die wichtigste Quelle für Produktivität im
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Castells, Manuel: Das Informationszeitalter Teil 1, S. 15
2
Castells, Manuel: Das Informationszeitalter Teil 1, S. 17
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