2
1. Einleitung und Themeneinführung
Vor dem Hintergrund des Booms kulturwissenschaftlicher Ansätze und Theorien in der Literaturwissenschaft erlangen traditionell-philologische Vorgehensweisen schnell den Ruf des Ordinären und Veralteten. Dies gilt auch für sogenannte formalistische Ansätze. Im Folgenden soll demonstriert werden, dass man (alleine) an Hand der Frage der Gattung literarische Produkte umfassend und tiefgründig analysieren kann. Der Aufsatz bewegt sich allerdings nicht auf der Ebene einer Primärtextanalyse. Vielmehr werden Sekundärliteraturtexte aus verschiedenen Zeitpunkten hinsichtlich der Gattungsfrage des „Guoten Gêrhart“ analysiert. Auf einer Beobachtungsstufe dritten Grades ergibt sich somit ein gehaltvoller wissenssoziologischer Ansatz, welcher zugleich Erkenntnis über den Primärtext und die Sekundärtexte erlaubt. 1 Hierbei sollten die Differenzen zwischen den Eigenbeschreibungen historischer Systeme und den durch wissenschaftsimmanente Beobachter vorgenommene Fremdbeschreibungen späterer Zeiten zumindest immanent bewusst sein. Dieses Diktum Luhmanns gilt ebenso für mittelhochdeutsche Literatur. In diesem Aufsatz werden Forschungsstandpunkte und Positionen zu Rudolf v. Ems Werk „Der gute Gerhart“ referiert. Diese entstammen unterschiedlichen Zeitpunkten. Somit verfährt der Aufsatz zugleich diachron und wissenschaftshistorisch. Zuerst wird ein Aufsatz aus dem Jahre 1950 von dem Heidelberger Germanisten Friedrich Sengle dargelegt und kritisch gewürdigt. Dieser Aufsatz wirkte zu seiner Zeit sehr aufsehenerregend, und er produzierte viel wissenschaftlichen Widerspruch, da er in der Forschung bisher stark vernachlässigte bzw. nichtbeachtete Aspekte an das Tageslicht brachte. Quasi als eine mögliche Gegenposition zu Sengle wird die 1967 publizierte Position Xenja v. Ertzdorffs dargestellt. Bei Ertzdorffs Werk handelt es sich um eine größere Abhandlung über die höfischen Romane des 13. Jahrhunderts. Als letzter Abschnitt wird dann die neuere Forschung von Sonja Zöller aus dem Jahre 1993 miteinbezogen und untersucht. Hierbei handelt es sich um eine Dissertation über Rudolf v. Ems' Dichtung "Der guote Gêrhart". Vor dieser detaillierteren Analyse von Forschungsstandpunkten erfolgt ein kurz gehaltener Überblick über Darstellungen des „Guten Gerharts“ in Literaturgeschichten. Gemeinsam ist diesen Texten, dass sie nicht ihr Hauptaugenmerk auf die Gattungsfrage des "Guten Gerhart" legen, sondern eher inhaltlich-thematische Aspekte, epochengeschichtliche Skizzierungen sowie sozialgeschichtliche Implikate fokussieren. Gattungswissenschaftliche Detailfragen werden an diesen Orten weniger ausführlich diskutiert. Trotzdem ist es interessant zu untersuchen, welche gattungstheoretischen Ansätze hier Präferenz erfahren. Ferner lohnt es, einen Blick auf die jeweils gegebene Begründung zu werfen. Um die große Diversität und mögliche Gegensätzlichkeit bzw. Nähe der Gattungsklassifizierungen des "Guten Gerhart" aus derartig beschaffenen
1
Vgl. zur luhmannschen Wissenssoziologie und dem Beobachterstandpunkt höherer Ordnung exemplarisch Niklas Luhmann, Die Religion der Gesellschaft. Frankfurt am Main, S. 75 f. und zum Konzept des Beobachterstandpunktes zweiter Ordnung bei Texten vgl. z.B. Niklas Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft. Zweiter Teilband. Frankfurt am Main 1997, S. 876.
3
Sekundärliteraturwerken zu belegen, werden bereits an dieser Stelle zwei Beispiele dafür gegeben. Martini sieht im "Guten Gerhart" "die ständische Gebundenheit des höfischen Romans." 2 als durchbrochen an, während Glaser/Lehmann/Lubos den "Guten Gerhart" unter der Gattung der Novelle subsumieren und gesellschaftlich-soziale Veränderungen nicht direkt beim Namen nennen. 3 Beide Ansätze müssen sich trotz der scheinbaren Gegensätzlichkeit nicht unbedingt ausschließen, da man z.B. die Durchbrechung von Standesschranken unter starren Gesellschaftsstrukturen als eine solch unerhörte Begebenheit betrachten kann, so dass diese als ein vorzügliches Novellenkriterium fungieren kann.
2. Gang der Untersuchung
In älterer Sekundärliteratur findet sich zumeist eine relativ späte Datierung von Rudolf v. Ems' Werk "Der gute Gehrhart": so z.B. auf nach 1230. 4 In der neueren Forschung hingegen wird die Dichtung auf einen wesentlich früheren Zeitraum, nämlich zwischen 1208 und 1212, datiert. 5 Nicht nur die richtige Datierung bereitet Schwierigkeiten, sondern man kann behaupten, dass das Werk in mehr als nur einer Hinsicht problematisch ist. Es stellt bis zum heutigen Tage Literaturwissenschaftler vor viele unaufgelöste Ungereimtheiten, Fragestellungen, Rätsel und Probleme. Eine dieser Frage- und Problemstellungen, die bis zum heutigen Tage nicht zufriedenstellend aufgelöst worden ist, umfasst die in der wissenschaftlichen Diskussion lebhaft und konträr geführte Frage, welcher Gattung die Dichtung zuzuordnen ist. Zwei zentrale Fragen des Aufsatzes können so formuliert werden:
1. In welche Gattungskategorie wird Rudolf v. Ems' Werk "Der gute Gerhart" in der Sekundärliteratur
eingeordnet?
2. Ist der Versuch einer solchen Gattungszuordnung überhaupt zulässig und sinnvoll?
Die erste Frage ist - dies sei an dieser Stelle vorweggenommen - kaum eindeutig auflösbar, da "Der gute Gerhart" unterschiedlichste, einander beinahe antithetisch gegenüberstehende Gattungsmerkmale aufweist. Die zweite Frage wird hier trotz der schieren Unmöglichkeit einer eindeutigen Beantwortung von Frage eins zunächst einmal pauschal mit einem "Ja" beantwortet.
Der Aufsatz soll mitunter eine Begründung für die Bejahung dieser Frage sein und versuchen, eine Argumentationslinie zu entfalten, die den der Gattungsfrage innewohnenden Gehalt ersichtlich werden lässt. Der Forschungsstand ist bei der Gattungskategorisierung von Rudolfs Dichtung nicht zufriedenstellend. Das ist nicht (nur) defizitärer Forschungsarbeit zuzuschreiben, sondern resultiert aus einem sehr komplex konstruierten und einem äußerst vielschichtigen Werk.
2 Martini, F., Deutsche Literaturgeschichte, S. 54
3 Glaser/Lehmann/Lubos, Wege der deutschen Literatur, S. 36
4 Frenzel, H. A. und E., Daten deutscher Dichtung, Band I, S. 49
5 Zöller, S., Kaiser, Kaufmann und die Macht des Geldes, S. 220
4
Im Aufsatz wird nicht der Versuch unternommen, neue Forschungsansätze und / oder Forschungsperspektiven zur Gattungsproblematik des "Guten Gerhart" zu erarbeiten bzw. zu eröffnen. Dies würde den vorgegebenen Rahmen sprengen. Vielmehr werden verschiedene Forschungsansätze auf die Gattungsproblematik von Rudolfs Dichtung "Der Gute Gerhart" in einem am ehesten als eklektisch zu bezeichnenden Verfahren hin durchgesehen und die jeweiligen Forschungsergebnisse präsentiert. Wo es für angebracht gehalten wird, wird auch eine kritische Würdigung an verschiedenen inhaltlichen (und eventuell formalen) Punkten stattfinden. Der Aufsatz ist in fünf Teile gegliedert. Im Gegensatz zu den vier kurz dargestellten Ansätzen aus Literaturgeschichten, werden drei Ansätze ausführlicher diskutiert und gewürdigt. Jeder dieser drei Ansätze wird als ein Hauptteil betrachtet. Inhaltlich-thematische Aspekte werden bei diesen drei verschiedenen Interpretationsansätzen im Vordergrund stehen und diese werden Schlussfolgerungen über die Gattungsbeschaffenheit des "Guten Gerharts" erlauben. Dabei ist zu sagen, dass manchmal nicht offensichtlich mit der Gattungsproblematik in Zusammenhang stehende Aspekte für diese doch überraschenderweise aufschlussreich sein können. Im fünften Arbeitsschwerpunkt, dem Schlusskapitel, werden die Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel kurz und pointiert referiert. Es wird der Versuch unternommen, die verschiedenen Ansätze zur Gattungsthematik in ein grobes Klassifizierungsraster einteilen zu können. Aus diesem Klassifizierungsraster heraus wird zu belegen versucht, dass die verschiedenen Ansätze - entgegen den ersten Eindrücken - nicht unbedingt all zu weit voneinander entfernt liegen müssen. Die größtenteils kontrovers geführte Debatte um die Gattungsproblematik lässt sich mit dem Argument rechtfertigen, dass durch mögliche Gattungsverschiebungen auch inhaltliche Themenverschiebungen stattfinden können. Diese Themenverschiebungen können z.B. so aussehen, dass im Gegensatz zur vorherigen mittelalterlichen Dichtung "ritterlich-höfische Tugenden und Ideale offensichtlich nicht (mehr, S.S.) die eigentlich ritterliche, d.h. adelige oder ministerialische Welt zur Voraussetzung haben." 6 müssen. Wenn das Diktum stimmt, dass die Form eines Werkes seinen Inhalt bestimmt, ist es von äußerster Relevanz, Gattungskategorisierungen vornehmen zu können, um die inhaltlichen Aspekte richtig gewichten und bewerten zu können. Dass dies insbesondere beim "Guten Gerhart" Not tut, wird im folgenden kurz zu erklären sein.
6 Wunderlich, W., Der "ritterliche Kaufmann", S. 161
5
3. Hauptteil
Für den „Guten Gerhart“ ist das folgende Bibelzitat von besonderer Bedeutung: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher in Gottes Reich kommt" (Matthäus 19,24). Im "Guten Gerhart" wird ausdrücklich betont, dass ein reicher Kaufmann dem Reich Gottes durch sein gottgefälliges, aber durchaus weltlich orientiertes Leben und Verhalten nahe ist und aussichtsreiche Chancen besitzt, als Reicher in das Reich Gottes einziehen zu können. Diese an sich schon brisante Thematik wird gesteigert. Der Kaufmann wird dem Kaiser durch Mithilfe von Engeln und damit göttlicher Hilfe als positives Beispiel für Gottgefälligkeit und Demütigkeit vorgestellt. Kaiser Otto versündigt sich, weil er anmaßende Stellungnahmen zu seinen eigenen Taten vor Gott äußert und Kaufmann Gerhart erfährt eine ethische Handlungsmotivation alleine durch Gottes Gebot. 7 Die Demütigkeit des Kaufmanns Gerhart liegt v.a. darin begründet, dass er, ganz im Gegensatz zum Kaiser, sich nicht vor Gott seiner Taten rühmt und in einem als kaufmännisch zu betrachtendem Verfahren seinen Himmelsplatz errechnen möchte. Die Thematik dieser Gottesnähe und Gottgefälligkeit anhand eines Großkaufmanns und Fernreisekaufmanns zu exemplifizieren war bis zum "Guten Gerhart" in der mittelalterlichen Literatur nicht vorgekommen und undenkbar, weswegen eine inhaltliche Innovation Rudolf v. Ems' Werk "Der gute Gerhart" immanent ist. Dies ist in der Sekundärliteratur einhelliger Tenor. Dabei kommt es aber auf die unterschiedlichen Gewichtungen an, die man diesen Innovationen konzediert. Ob Neuerungen im Bereich der Gattung stattgefunden haben, wird im folgenden anhand von Sekundärliteraturtexten zu untersuchen sein.
3.1 Gattungskategorisierungen des "Guten Gerharts" in
Literaturgeschichten
3.1.1 De Boor: Exemplum bzw. Legendendichtung
Die "Geschichte der deutschen Literatur Band II" von de Boor und Newald stellt fest, dass in Rudolf v. Ems' Dichtung "Der gute Gerhart" zum ersten Mal der Stand des Bürgers als Neuerung und Erweiterung zu den bis dahin in der mittelalterlichen Literatur häufig auftauchenden Ständen der Geistlichen, Ritter und Bauern hinzugefügt wird. 8 Aus dieser Aussage ergibt sich, dass de Boor in der Dichtung vorkommende Standestransparenzen zwischen bürgerlichen und ritterlichen bzw. adeligen Ständen erkennt. Seine Gewichtung in der Gattungskategorisierung legt er aber auf die Rahmengeschichte mit ihrem Exemplum und
7 Walliczek, W., Rudolf von Ems, "Der guote Gerhârt", S. 163-164
8 Boor, H., de, Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bd. 2, S. 169
6
dessen Nähe zur Legende. 9 Aus den transparenter gewordenen Standesschranken zieht de Boor folglich keine gattungstechnischen Konsequenzen. Sowohl das Exemplum als auch die Legende sind zwei Gattungen, welche lange Zeit vor Rudolfs Dichtung "Der gute Gerhart" existierten. Unter Exempel sind "allgemein kurze Erzählformen mit prakt. Nutzanwendung" 10 zu verstehen, welche sowohl in epischen Werken als auch in Predigten vorkommen können. Legende meint die "Darstellung einer heiligmäß., vorbildhaften Lebensgeschichte oder einzelner exempl. Geschehnisse daraus." 11 Als eigentlich neues Moment am "Guten Gerhart" sieht de Boor, dass real-historisches Hintergrundgeschehen in die Dichtung miteinbezogen wird und ferner, dass "der Einstrom der staufisch-höfischen Idealität in den Bezirk der Legende." 12 spürbar wird. De Boor erkennt und benennt die wesentlichen innovativen literarischen Neuerungen im "Guten Gerhart". Er betont, dass zum ersten Mal ein Kaufmann in einer durchweg positiven Art und Weise in einer Dichtung dargestellt wird. Auch das eigentlich Revolutionäre daran, dass diese positive Darstellung sich im religiösen Bereich abspielt, wird von de Boor benannt. An dieser Stelle wäre meines Erachtens allerdings eher auf den in der Dichtung beinahe ständig existenten Dualismus des säkularisiert-kaufmännischen und des religiös- transzendenten Charakters hinzuweisen. Tiefgreifende, die Gattungsthematik betreffende Konsequenzen zieht de Boor aus seinen Erkenntnissen nicht. Alte, bis zu diesem Zeitpunkt tradierte Gattungsformen wie das Exemplum und eng damit verbunden die Legendendichtung halten trotz der analysierten thematischen Neuerungen als Gattungskategorisierung(en) her.
3.1.2 Bäuml: Nachklassisch-chronistische Prosa
Gedanklich knüpft Franz. H. Bäuml in der "Geschichte der deutschen Literatur" an de Boor an, ohne allerdings dessen Gattungsanalyse und -kategorisierung nachzuvollziehen. Einig ist Bäuml mit de Boor in dem Punkt, dass staufisch-höfische Idealität das Neue am "Guten Gerhart" ist; allerdings in einem pseudo- geschichtlichem Rahmen mit einem Kölner Kaufmann als Protagonisten. 13 Bäuml betont, dass der "Gute Gerhart" sowohl räumlich als auch zeitlich bestimmt ist: "die Zeit Ottos I. und die Stadt Köln ergeben einen Rahmen, der die vom Guten Gerhart, einem Kaufmann, erzählte Geschichte in Verbindung bringt mit identifizierbarer, außerpoetischer Welt." 14 Bäumls Ansatz geht also dahin, eine Entfiktionalisierung der Dichtung festzustellen. Außerpoetische Realität wird in Fiktionales transformiert. Gattungstechnische Transformierungen sieht er in diesem Vorgehen nicht. Die eigentliche Gattungsklassifizierung Bäumls muss
9 Ebd., S. 170
10 Metzler Literatur Lexikon, S. 141
11 Boor, H., de, S. 261
12 Ebd., S. 170
13 Bäuml, F.H., Mittelalter, in: Bahr, E. (Hrsg.), Geschichte der deutschen Literatur, Band 1 Vom Mittelalter bis zum Barock, S. 197
14 Ebd., S. 196
7
man der Kapitelüberschrift "Der nachklassische Roman und die chronistische Prosa" 15 entnehmen. Durch den Terminus nachklassisch soll suggeriert werden, dass es sich nicht mehr um Reinformen der höfischen Dichtung handelt, wobei unter höfischer Dichtung eine "Sammelbez. für Dichtung, die sich themat. und formal an einer höf. ... Adelsgesellschaft ausrichtet und sie ihrerseits mitprägt." 16 verstanden wird. Bäuml sieht im "Guten Gerhart" Gattungsmischformen verschiedenster Couleur, welche die Eigenartigkeit des Werkes ausmachen. Unter dem Begriff der chronistischen Prosa ist wohl der Einbruch real-historischer Ereignisse in mittelalterliche Fiktion gemeint. Die genauere Analyse und Beschreibung dieser Gattungsmischformen beim "Guten Gerhart" unterbleibt aber bei Bäuml.
3.1.3 Bumke: Höfische Literatur
Zu einem anderem Ergebnis als de Boor und Bäuml kommt Joachim Bumke in seiner "Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter". Dieser weigert sich, den "Guten Gerhart" als Patrizierdichtung oder "auf die Interessenlage der Ministerialiät (hin, S.S.) festgelegt." 17 zu interpretieren. Zum ersten Mal stehe in der höfischen Literatur ein Kaufmann im Mittelpunkt und dieser erlange eine sonst nur Adligen vorbehaltene Vorbildlichkeit, worin er die Widerspiegelung der "Entwicklung der Stadtwirtschaft und der Stadtgesellschaft in dieser Zeit." 18 sieht. Bumkes auf dieser Analyse basierenden Schlussfolgerungen gehen nicht dahin, zu vermuten, dass zumindest eine periphere Gattungsverschiebung zu der von ihm verneinten Patrizierdichtung stattgefunden hat, sondern dass ein Stück höfischer Literatur mit all dessen (typischen) Gattungsmerkmalen vorliegt. Diese Argumentation gipfelt in der Aussage, dass es im "Guten Gerhart" keineswegs um die Darstellung eines steigenden Selbstbewusstseins des Bürgertums geht, sondern im Gegenteil, dass Gerharts Handlungen (bzw. die Handlungsstränge der Dichtung) darauf bestrebt seien, die eventuell ins Wanken geratene ständische Ordnung wiederherzustellen. 19
3.1.4 Walz: Späthöfische Epoche
Hubert Walz sieht Rudolf v. Ems Werk "Der Gute Gerhart" in "Die deutsche Literatur im Mittelalter" als der späthöfischen Epoche zugehörig an und behauptet, dass anhand dieser Dichtung "einige charakteristische Züge der späthöfischen Dichtung aufgezeigt werden." 20 können. Die Tendenz seiner Charakterisierung und Einordnung ist durch diese Aussagen vorgegeben. Sie geht dahin, den "Guten Gerhart" als höfisches Epos
15 Ebd., S. 196
16 Metzler Literatur Lexikon, S. 205
17 Bumke, J., Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter, S. 245
18 Ebd., S. 245
19 Ebd., S. 245
20 Walz, H., Die deutsche Literatur im Mittelalter, S. 145
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Dr. Stefan Schweizer, 2008, Gattung und Form - Eine Sekundärtextanalyse zu Rudolf von Ems „Der guote Gêrhart“, Munich, GRIN Publishing GmbH
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