Universität Rostock
Historisches Institut
Hauptseminar: Finnland als selbständiger Staat (1917-2007)
Wintersemester 2007/2008
Hausarbeit zum Thema:
Die Lapuabewegung in Finnland
eingereicht von:
Katharina Jürgen
5. Semester Geschichte (Hauptfach)
Rostock, den 18. Juli 2008
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Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung
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2. Forschungsstand
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3. Analyse des Themas
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3.1 Der Weg bis nach Lapua
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3.2 Von Lapua nach Helsinki
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3.3 Der Bogen der Gewalt ist überspannt
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4. Ergebnis und Ausblick
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5. Literaturverzeichnis
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6. Quellenverzeichnis 14
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1. Fragestellung
Heute ist Finnland fester Bestandteil in der europäischen Staatengemeinschaft. Doch erst mit
dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem gleichzeitigen Ende des Kalten Krieges
konnte sich das nordeuropäische Land aus seiner unbequemen Lage zwischen den
Machtblöcken aus Ost und West befreien. Trotzdem sah sich Finnland, wie viele andere
Länder zu Beginn der 1990er Jahre, großen Herausforderungen gegenübergestellt. Der
Wegfall von Absatzmärkten und die Hürden der Globalisierung schwächten auch die finnische
Wirtschaft, die zu großen Teilen auf das Forstwesen und einer subventionierten
Landwirtschaft basierte.
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Der Beitritt zur Europäischen Union (EU) im Jahr 1995 sicherte der
finnischen Republik sowohl auf politischer als auch auf wirtschaftlicher Basis wieder ein
Stück Unabhängigkeit.
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So gelang etwa der Wandel von einer eher einseitiggeprägten
Wirtschaft zum ,,High-Tech-Nokialand"
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, das stabil und sicher in das 21. Jahrhundert starten
konnte.
Knapp 100 Jahre zuvor war Finnland in einer völlig anderen Situation. Die Anstrengungen
des Bürgerkrieges von 1918 sollten noch weit in die zukünftigen Ereignisse hineinwirken.
Aber dennoch gelang es der jungen Republik, nach einer kurzen und erfolglosen Phase der
Monarchie, eine Vielzahl an politischen Neuerungen zu verabschieden. Zu nennen wäre hier
die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, der Religions- und Versammlungsfreiheit oder di
Klärung der Sprachfrage. Und auch der aus dem Krieg resultierende Streit mit Schweden um
die Åland-Inseln konnte beendet werden.
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Die Weltwirtschaftskrise von 1929 sollte das Land erneut verändern. Neben der steigenden
Arbeitslosigkeit mussten Unternehmen und Banken Konkurs anmelden. Wieder einmal kamen
politische und gesellschaftliche Probleme auf die Regierung zu. Das Sprachenproblem kehrte
zurück und mit der Lapua-Bewegung tauchten antiliberale und antiparlamentarische
Strömungen auf.
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Diese Belegarbeit soll nun einen Blick daraufwerfen, wie sich die Lapua-Bewegung
durchsetzen konnte und womit es ihr gelang die finnische Regierung zu Gesetzesänderungen
1
siehe: Forsberg, Tuomas: Finnland. In: Weidenfels, Werner (Hrsg.): Die Staatenwelt Europas. Bonn 2006, S.
124
2
siehe: Geiss, Immanuel: Geschichte griffbereit: Staaten. Bd. 5. München 2002, S. 122
3
zitiert aus: Forsberg, Tuomas: Finnland. In: Weidenfels, Werner (Hrsg.): Die Staatenwelt Europas. Bonn 2006,
S. 124
4
vgl.: Klinge, Matti: Geschichte Finnlands im Überblick. 4., überarbeitete Auflage. Keuruu 1995, S. 127
5
ebenda: S. 128
3
zu zwingen. Der dritte Betrachtungspunkt wird sich mit der Frage beschäftigen, warum die
Lapua-Bewegung letztendlich doch scheitern musste.
2. Forschungsstand
Obwohl die Republik Finnland (Suomen Tasavalta/ Republiken Finland; SF) mit rund 5,12
Millionen
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Einwohnern ein recht dünnbesiedeltes Land ist, bedeutet dies nicht, dass es
weltpolitisch nicht von Bedeutung ist oder war. In der Vergangenheit stand das Land mehrfach
unter der Abhängigkeit anderer Mächte, sei es nun Schwedens, dem nationalsozialistischen
Deutschland oder des russischen Zarenreichs bzw. der Sowjetunion. Nach Ende des Zweiten
Weltkriegs war es gefangen zwischen den Supermächten, die im Kalten Krieg zu Rivalen
wurden. Dennoch schaffte es Finnland mit seiner Neutralitätspolitik die eigene Souveränität zu
wahren und großen Gefahren zu entfliehen. Das Land ging weder militärische (NATO; North
Atlantic Treaty Organization) noch wirtschaftliche Bündnisse (EFTA; European Free Trade
Assoziation) ein.
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Vielmehr verhalf diese Neutralitätspolitik den Stein für die Konferenz zur
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) ins Rollen zu bringen. Während der
Konferenz wiederum verhalf sie Finnland eine bedeutende Vermittlerrolle einzunehmen.
Heute ist das Land Mitglied der EU und übernahm im Jahre 2006 die Aufgabe der
halbjährigen Ratspräsidentschaft.
Es zeigt sich also, dass Finnland keinesfalls ohne Bedeutung für die länderübergreifende
Geschichte und Politik war beziehungsweise ist. Dementsprechend gibt es zahlreiche
Publikationen, die sich der Geschichte des Landes annehmen. Zum größten Teil stammen
diese aus Finnland oder wurden von finnischstämmigen Wissenschaftlern verfasst. So
veröffentlichte Risto Alapuro 1988 das Buch ,,State and Revolution in Finland", das die
Geschichte des Landes vom Beginn des 19. Jahrhunderts untersucht.
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Eine ähnlich umfassende
Arbeit lieferten die Autoren Jussila, Nevakivi und Hentilä. Da deren Gemeinschaftsarbeit 1999
erschien, nutzten sie zusätzlich die Chance, die Politik nach Ende des Kalten Krieges zu
beleuchten.
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6
siehe: Schubert, Klaus; Klein, Martina: Das Politiklexikon. 4., aktualisierte Auflage. Bonn 2006, S. 108
7
vgl.: Brodocz, André; Vorländer, Hans: Finnland: Geschichte. Aus: www.bpb.de/themen/Y5KIG2.html (Stand:
24. Januar 2008)
8
siehe: Alapuro, Risto: State and Revolution in Finland. Berkeley [u. a.] 1988
9
siehe: Jussila, Osmo; Hentilä, Seppo; Nevakivi, Jukka: Vom Großfürstentum zur Europäischen Union:
Politische Geschichte Finnlands seit 1809. Berlin 1999
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Deutschsprachige Veröffentlichungen beschränken sich oftmals auf Übersetzungen. Doch
auch hier gibt es selbständige Werke, etwa von Ingrid Bohn, die vergleichbar mit den bereits
genannten sind.
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Deutschsprachige Publikationen, die sich ausschließlich mit der
Lapuabewegung auseinandersetzen sind kaum zu finden. Dieser recht kurzen Episode in der
finnischen Geschichte sind lediglich einzelne Kapitel in Gesamtdarstellungen gewidmet
worden.
Auch wenn die Literaturlage nicht so unerschöpflich ist, wie etwa zu den Themen der beiden
Weltkriege, gibt es doch ein breites und ausreichendes Angebot an guter Literatur, die
hilfreich für die Untersuchung der finnischen Geschichte herangezogen werden kann.
3. Analyse des Themas
3.1 Der Weg bis nach Lapua
Die Weltwirtschaftskrise von 1929 ließ auch auf Finnland einen dunklen Schatten der
Unzufriedenheit fallen. Viele Menschen plagte die zunehmende Arbeitslosigkeit und die Angst
vor sozialer Not. Zudem regte die aufheizte Stimmung rechte, teilweise auch radikale
Gruppierungen dazu an, in der breiten Bevölkerung auf Zuspruch zu stoßen. So etwa der Lalli-
Bund oder der Verband der Frontsoldaten des Freiheitskrieges. Sie propagierten besonders
gegen ein mögliches Erstärken des Kommunismus, der für sie eine Bedrohung für die
Selbstständigkeit Finnlands darstellte. Weiterhin vertraten sie nationale und antirussische
Forderungen, die sich auch offen gegen die illegalen Organisationen der Kommunistischen
Partei Finnlands (SKP)
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richteten. Den größten Zuspruch bekamen diese Gruppierungen in
der Bauernschaft, aber auch bei Teilen des Beamtentums und Militärs. Diese eher
konservativen Kreise standen einer innenpolitischen Aussöhnung zwischen den Roten und
Weißen Finnen sehr skeptisch gegenüber oder lehnten sie gar völlig ab. Dementsprechend lag
das Zentrum der antikommunistischen Bewegungen vor allem im finnischen Ostbottnien, ein
durch seine Landwirtschaft geprägtes Gebiet. Hier sollte sich dann zum Jahresende 1929, in
den kleinen Ort Lapua die stärkste und einflussreichste Bewegung herausbilden. Unter der
Führung des Großbauern Vihtori Lisakki Kosola wurde sie als Lapuabewegung in ganz
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siehe: Bohn, Ingrid: Finnland: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Regensburg 2005
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Die SKP wurde bereits 1918 verboten, agierte dennoch aus dem Moskauer Exil heraus. So gelang es mit Hilfe
von Tarnparteien Sitze im Parlament zu gewinnen und auch in den Gewerkschaften waren sie erfolgreich.
vgl.: Jussila, Osmo; Hentilä, Seppo; Nevakivi, Jukka: Vom Großfürstentum zur Europäischen Union: Politische
Geschichte Finnlands seit 1809. Berlin 1999, S. 174 ff.
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