Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Fragestellung 4
3. Analyse der Thematik 5
3.1 Terrorismus Ein Erklärungsansatz 5
3.2 Vom demonstrierenden Studenten zum Terrorist 8
3.3 Stadtguerilla und Fokustheorie 12
4. Zeiten in den alles möglich war 14
5. Literaturverzeichnis 15
5.1 Darstellungen 15
5.2 Quellen 17
2
1. Einleitung
Die Anschläge vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) schürte auf der gesamten Welt die Angst vor politischmotivierter Gewalt. Schnell gab es in den Medien kein anderes Thema mehr als den Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Doch der 11. September war nicht der Beginn dieser skrupellosen Gewalt gegen unschuldige Zivilisten oder staatliche Organe. Terrorismus ist auch keine Erfindung der Zeitgeschichte. Seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte wurde Gewalt benutzt, um Macht auszuüben oder um das politische Geschehen zu beeinflussen. 1 Beinahe jedes Land musste sich in seiner
Vergangenheit dieser schwierigen Herausforderung stellen und wurde gezwungen bis an die Grenzen seiner staatlichen Handlungsfähigkeit zu gehen. Auch der Bundesrepublik Deutschland (BRD) blieben diese Erfahrung nicht erspart. Seit Beginn der 1970er Jahre machte die Rote Armee Fraktion (RAF) mit ihren zahlreichen Anschlägen auf sich aufmerksam. Das Jahr 1977 wurde dann zum Höhepunkt ihrer terroristischen Gewaltakte. Markiert wurde dieser etwa durch Tötung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback, dem Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank Jürgen Ponto und schließlich durch die Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Mit der Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ am 13. Oktober 1977 durch ein palästinensisches Terrorkommando zeigte sich zu gleich die internationale Tragweite des bundesdeutschen Terrors. Aber genau mit diesen Taten verlor die RAF auch an Rückhalt in der extremen Linken, die darin eine Gewalt „gegen das Volk“ sah. 2 Dennoch existierte die Terrorgruppe bis
zu deren Auflösung im Jahr 1998 weiter.
Im vergangenen Jahr jährte sich nun der so genannte „Deutsche Herbst“ 3 1977 zum
dreißigsten Mal. Im Jahr 2008 kann man auf die vierzig Jahre seit der 68er-Bewegung und die Studentenrevolten zurückblicken. Beides, der Terror der Roten Armee Fraktion und die Studentenrevolten, sind laut den Politikwissenschaftlern Backes und Jesse eng miteinander verbunden. Denn die Bildung terroristischer Gruppierungen sei ohne das Auflehnen der
1
vgl.: Carr, Caleb: Terrorismus – Die sinnlose Gewalt: Historische Wurzeln und Möglichkeiten der Bekämpfung. München 2002, S. 19 ff.
2 siehe: Langguth, Gerd: Protestbewegung: Entwicklung – Niedergang – Renaissance: Die Neue Linke seit 1968. Köln 1983, S. 208 ff.
3 Der Begriff steht heute als Synonym für die Gewalthöhepunkte des Jahres 1977. Geprägt wurde er durch die Überschrift „Ein deutscher Herbst“ einer Textsammlung aus dem Jahr 1978, die sich auch auf Heinrich Heines „Wintermärchen“ stütze.
siehe: Backes, Uwe; Jesse, Eckhard: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. 4., überarbeitete und aktualisierte Ausgabe. Bonn 1996, S. 231 ff.
3
Studenten gegen die Staatsmacht der BRD nicht zu erklären möglich. 4 Scheinbar schien der
Übergang zur Gewalt bereits hier ihre Ursprünge zu ziehen.
Doch wie konnte bei einigen Menschen das Verlangen entstehen, heraus aus anfänglichen Demonstrationen auf den Straßen auch zu den äußersten Mitteln der Gewalt zu greifen? Was versteht eigentlich die Wissenschaft unter dem Begriff des Terrorismus?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Auf eine histologische Abhandlung der Gewalttaten der RAF oder deren Entwicklung im Laufe ihrer aktiven Phase wir dabei verzichtet. Zu Beginn der Arbeit soll geklärt werden wie sich der Terrorismus entwickelte und wie man den Begriff genauer definieren kann. Danach wird sich ein Kapitel mit der 68er Studentenbewegung als Ausgangspunkt des linksgerichteten Terrors in der BRD befassen. Schließlich wird kurz geklärt werden, auf welche Theorien und Ideen sich die Führungsköpfe der RAF beriefen, um so auch ihre Taten zu legitimieren.
2. Forschungsstand
Das Phänomen des Terrorismus ist für die Politikwissenschaft seit langer Zeit von großem Interesse. Zahlreiche Arbeiten versuchen die Ursachen und Motive dieser Art von politischer Gewalt zu untersuchen. So gibt zum Beispiel Peter Waldmann in seiner Veröffentlichung aus dem Jahr 1998 einen umfassenden Überblick über die Geschichte und die unterschiedlichen Formen des Terrorismus. 5 Neuere Publikationen, etwa von Gerd Koenen oder Wolfgang
Kraushaar, zählen mittlerweile zu den deutschen Standardwerken um das Forschungsgebiet der RAF. 6 Auch bei den englischsprachigen Arbeiten gibt es ähnlich ausführliche Literatur.
Zu erwähnen wäre an dieser Stelle ein Buch von Cindy C. Combs. Auch sie gibt Erklärungsmuster für die Entstehung von Terrorismen, allerdings richtet sich ihre Analyse nur auf das 21. Jahrhundert. 7
Will man sich mit politischer Gewalt in Deutschland im Allgemeinen auseinandersetzen, so gilt die Publikation von Backes und Jesse als Standardwerk, welches bereits in mehreren aktualisierten Ausgaben erschien. Ihre Arbeit thematisiert sowohl den linken und den rechten Extremismus, betrachtet aber auch den Terrorismus in der BRD seit den 70er Jahren. 8
4
ebenda: Backes; Jesse: Politischer Extremismus. Bonn 1996, S. 220
5
siehe: Waldmann, Peter: Terrorismus: Provokation der Macht. München 1998
6
siehe: Koenen, Gerd: Vesper, Ensslin, Baader: Urszenen des linken Terrors. Frankfurt a. Main 2005 Kraushaar, Wolfgang (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus. Bd. 1. Hamburg 2006
7
siehe: Combs, Cindy C.: Terrorism in the twenty-first century. New Jersey 1997
8
siehe: Backes; Jesse: Politischer Extremismus. Bonn 1996
4
Doch auch zur RAF im Einzelnen lassen sich unzählige Publikationen finden. So veröffentlichte Stefan Aust schon 1984 die Erstausgabe von „Der Baader Meinhof Komplex“ 9 , in der er die gesamten Ereignisse um die RAF detailliert niederschrieb und auch
auf einzelne Kurzbiographien der wichtigsten RAF-Protagonisten einging.
Seitdem sind viele weitere wissenschaftliche Werke erschienen. Für die Betrachtung des Themengebietes rund um die Rote Armee Fraktion steht demnach ausreichend Fachliteratur zur Verfügung.
3. Analyse der Thematik
3.1 Terrorismus – Ein Erklärungsansatz
Wie bereits erwähnt stellt der Terrorismus keine Gewaltform dar, die erst im 20. Jahrhundert auftrat. So lehnten sich beispielsweise die jüdischen Zeloten und Sicarii schon im 1. Jahrhundert nach Christus gegen die Vorherrschaft der Römer in Palästina auf. Im Mittelalter kam es im Vorderem Orient zu ähnlichen Vorkommnissen. Dort waren es die Assassinen, Anhänger einer islamischen Sekte, die sowohl rivalisierende islamische Glaubensrichtungen als auch Christen mit Waffengewalt töteten oder zu Tributzahlungen zwang. In Indien herrschte über 1000 Jahre die Gemeinschaft der Thugs, die aus Glauben an ihre blutrünstige Göttin zu regelmäßigen Menschenopfern „gezwungen“ waren. Obwohl die eben genannten Beispiele der angewandten Gewalt religiösen Ursprungs sind, zählen sie doch zu den geschichtlichen Vorreitern des heutigen Terrorismus. 10
Im 18. Jahrhundert veränderte sich die Gestalt dieser repressiven Gewalt. Sie griff nach extremeren Mitteln, denen des terroristischen Anschlags. Die Französische Revolution markierte dabei einen deutlichen Wendepunkt. Zwar waren bereits seit der Antike Tyrannenmorde zur Ausschaltung von ungeliebten politischen Machthabern (Monarchen) bekannt, doch erst die Revolution in Frankreich machte einen solchen Anschlag aus anderen als aus religiösen Motiven möglich. So wird die Hinrichtung von Marie Antoinette im Oktober 1793 heute als eine der ersten terroristischen Morde angesehen. Allerdings wollte man mit dieser Tat nicht versuchen die Staatsgewalt zu stürzen, der Staat selbst und die Jakobiner unter Maximilian Robespierre waren die „Terroristen“. 11 Ihr Herrschaftsinstrument
9
siehe: Aust, Stefan: Der Baader Meinhof Komplex. erweiterte und aktualisierte Auflage. München 1998
10
siehe: Waldmann: Terrorismus. München 1998, S. 40
11
siehe: Combs: Terrorism. New Jersey 1997, S. 24 ff.
5
Arbeit zitieren:
Katharina Jürgen, 2008, Am Anfang war der Protest, München, GRIN Verlag GmbH
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