"Griechische Geschichte -von der Mykenischen Zeit bis zum Hellenismus"
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
WS 1996/97
Jörg Georgi / Stefan Mannes
INHALTSVERZEICHNIS
0.0. Einleitung *
0.1. Griechische Geschichte als Problem *
0.2. Griechische Geschichte und ihr Raum *
1. Griechische Frühgeschichte (2.Jsd. bis 500. v Chr.) *
1.1. Der nahöstliche Hintergrund der griechischen Geschichte *
1.2. Die minoisch-mykenische Zivilisation *
1.3. Der Nahe Osten und die Griechen in den "Dark Ages" *
1.4. Die Welt der Homerischen Epen: Ilias und Odyssee *
1.5. Die Krise der archaischen Zeit *
1.6. Zwei Wege: Sparta und Athen vom 8.-6. Jh. *
2. Griechische Geschichte der Klassischen Zeit (500-336) *
2.1. Die Perserkriege (500-479) *
2.2 Die Attische Demokratie im 5. Jh. *
2.3. Der athenische Imperialismus und der Peloponnesische Krieg (478-404) *
2.4. Griechische Geschichte im 4. Jh.: Zwischen Krieg und Frieden (404-336) *
3. Griechische Geschichte im Zeitalter des Hellenismus (336-30v.Chr.) *
3.1. Die Makedonen und Alexander der Große (336-323) *
3.2. Politische Geschichte des Hellenismus *
3.3. Der Hellenismus als soziokulturelles Phänomen - Ausblick *
4. Zur Anschaffung empfohlene Literatur: *
0.0. Einleitung
Alte Geschichte ist immer griechisch-römische Geschichte zugleich, da beide zusammen seit dem 2. Jh. ein Kontinuum bilden.
Wenn man aber eine Geschichte des Altertums schreiben möchte, muß man aber die alten Hochkulturen des mediterranen Raums, die vor der griechisch-römischen Geschichte lagen, mit einbeziehen. Dort schon liegen nämlich die Wurzeln soziokultureller Organisation. Hier bildete sich der Staat mit den Herrschern (Königen) und verschiedenen Institutionen aus, gab es eine Palastorganisation und wurde die Religion instrumentalisiert.
Indizien hierfür sind
Besonders Ägypten zeichnet sich durch eine lange kulturelle Kontinuität aus, die laut ASSMANN unbeschadet von jedweden Katastrophen bis in den Hellenismus reichte. Im Zweistromland entwickelte sich ein starker Austausch zwischen der ansässigen Bevölkerung der Städte Ur, Uruk oder Babylon und Ägypten, als andere Völker hinzukamen wie die Akkader, Assyrer oder Hethiter. Mit berücksichtigen muß man die Kulturen, die sich im Nahen Osten ausgebildet haben, wie Israel, Kanaan/ Phönizien und andere.
Seit der Neuzeit hat man allerdings die Geschichte des Orients aus der Lehre herausgenommen, weil sie nicht in die Rückbesinnung auf die griechisch-römische Antike paßte. Hegel ging in seinen Vorlesungen sogar soweit, einen Antagonismus zwischen griechisch-römischer und orientalischer Geschichte aufzubauen, was damls gängige Meinung war. JOHN STUART MILL hielt das Ereignis von Marathon 490 für die englische Geschichte wichtiger als die Schlacht von Hastings... Immerhin wurde die Geschichte des jüdischen Volkes miteinbezogen, weil Hebräisch neben Latein und Altgriechisch als antike Sprache galt.
ROLAND meinte, daß die Geschicht Europas mit den drei Städten Jerusaelm, Athen und Rom begänne.
Die Bezugnahme auf die jüdische Geschichte wurde allerdings durch den Antisemitismus im 19./ 20. Jh. gedämpft. HÖLSCHER und MEIER meinten, daß Rom und Athen als "nächste Freunde" zu gelten hätten. Dem stellt sich erst BERNARD gegen, der in seinem Buch "Black Athina" bewies, daß man die Geschichte Roms und Athens nur in der Einbettung des damaligen Kontextes sehen könne.
Es bleibt also festzuhalten, daß man auch für die isolierte Betrachtung der griechischen Geschichte nicht umhinkommt, auch die Geschichte des mediterran-nahöstlichen Raumes zu betrachten. So spricht man seit dem 1. Jsd. von einer ersten mediterranen Koine#Û
0.1. Griechische Geschichte als Problem
Es stellt sich unweigerlich die Frage, was denn dann griechische Geschichte sei ?
Man muß dort ansetzen, wo die Griechen sich selbst beginnen, als Einheit zu begreifen.
Die beiden modernen Volksbegriffe helfen dabei nicht weiter:
Da beide Begriffe allerdings als eigentlichen Zweck die Schaffung von Eigenstaatlichkeit haben, sind sie nicht übertragbar auf die Zeit vor dem 18. Jh.
Eher findet sich bei den Soziologen und Ethnologen ein Ansatz, die Form des Zusammenlebens bei den alten Griechen zu charakterisieren. MAX WEBER spricht davon, daß sich ein großer Verband als Schicksals- bzw. Kulturgemeinschaft fühlt. MÜHLMANN prägt einen intentionalen Begriff von Gemeinschaft, in dem nicht die Möglichkeit der Zugehörigkeit wie bei der Volksnation wichtig ist, sondern sich die Idee der Abstammungsgemeinschaft durchsetzt. (???) KLAUS E. MÜLLER präzisiert, daß die Zuordnung zu einer Gemeinschaft nicht einmal real sein mußte; wichtig war nur die Vorstellungvon der Herkunft als tradierte biologische Einheit.
Seit wann nun begreifen sich die antiken Griechen als Einheit ?
(Interessant wäre in diesem Zusammenhang noch die Frage, wie es dann bis heute mit diesem Selbstverständnis weitergeht.)
Dazu muß man sich fragen, wie man denn ihr Selbstverständnis ermitteln könne.
Seit dem 8. Jh. liegen uns schriftliche Quellen vor, die gewisse Auskunft geben können. Auch die Existenz der Olympischen Spiele seit 776 v. Chr., an denen nur Griechen teilnehmen durften, spiegelt eine Vorstellung der Zugehörigkeit wieder.
Sie selbst konstruierten sich Stammbäume, die alle mehr oder minder bei dem Urvater Hellen beginnen und von dem alle Griechen irgendwie abstammen müssen. Die Makedonen, die eigentlich auch keine Griechen waren,bastelten sich aber eine Abstammung zurecht, um als den Griechen verwandt anerkannt zu werden:
Da der Stammbaum meist über Zeus läuft, war es nicht schwer, die Makedonen auf ein Verhältnis zwischen Zeus und Hellens Schwester zurückzuführen. De facto wurden sie so zu Vettern der Griechen. Alexander wurde auf den Olympischen Spielen gefragt, ob er denn wirklich kein Grieche sei. Er belegte seine Herkunft aus der Familie der Argeaden, die aus Argos stammten, eine Stadt mit dorischer Bevölkerung und von Herakles persönlich gegründet...
Da also seit dem 8. Jh. eine Unterscheidung zwischen Griechen und Barbaren schriftlich nachweisbar ist, kann man seit dieser Zeit auf alle Fälle von einer griechischen Geschichte sprechen.
Für die Zeit vor dem 8. Jh. v. Chr. fehlen allerdings jegliche schriftliche Quellen. Man behilft sich mit anderen Mitteln:
Für die Griechen kann man festhalten, daß es Texte aus dem 13. Jh. v. Chr. gibt, die in Linear B abgehalten sind. An archäologischen Zeugen gibt es Reste der Mykenischen Zivilisation, die bis in das 16. Jh. v. Chr. zurückreichen. In Ägypten finden sich Hinweise auf "Danaer" aus dem 14. Jh. v. Chr. Die Griechen sahen sich später selbst als deren Nachfolger an.
Fazit: man muß, um die griechische Geschichte vollständig betrachten zu können, bis in das 16. Jh. v.Chr. zurückgehen.
0.2. Griechische Geschichte und ihr Raum
Auch bei der Betrachtung des Raumes kann man viel falsch machen.
Der Anthropograph RATZEL führte ein stark deterministische Betrachtung von Mensch und Raum ein.
ALFRED PHILIPPSON entwickelt in seiner Abhandlung zum Mittelmeergebiet eine Völkerpsychologie. Der Geograph CARL RITTER verlegte den politischen Individualismus (Stadtstaaterei) in die Landschaft zurück und sprach von einer "Landschaftsindividualität", die auf dem Konzept der natürlichen Grenzen beruht. Auch dies ist ein reines Konstrukt, da die Griechen die Grenzen kaum beachteten. So marschierten die Spartaner ohne großen Aufhebens über das Taygetos-Gebirge, um die Messener zu versklaven. Auch das Meer stellte kein Hindernis dar.
Man kann aber Einflüsse der Geographie auf die geschichtliche Entwicklung konstatieren. So hat das Meer, die Zergliederung der Landschaft in einerseits ein Inselarchipel und in Höhenzüge und Beckenräume im Landesinneren andererseits eine starke Auswirkung auf die kommunikative und verkehrstechnische Ausrichtung gehabt. Das Meer wurde zu einem verbündenden Element der Kommunikation über die Küsten- und Binnenschifffahrt. Auch die klimatische Differenzierung, die mit Winterregen und heißen trockenen Sommern die Erosion fördert, wirkt sich auf die ackerbaulich nutzbaren Gebiete aus. Letztlich ist das ganze Gebiet ziemlich kleinräumlich, so daß man sich bei gegebenen Ressourcen irgendwie arrangieren mußte.
Vier Faktoren lassen sich für die Beziehung zwischen Mensch und Raum im antiken Griechenland festhalten:
Der in der Antike bestimmende Hauptraum setzte sich um 1000 v. Chr. aus der südlichen Balkaninsel, Thessalien, mehreren Beckenebenen, Attika, dem Peloponnes, Kreta, den Kykladen, Rhodos und dem westkleinasiatischen Festland zusammen.
HERODOT ließ im 5. Jh. v.Chr. eine Figur sagen, daß Griechenland immer schon die Armut als Weggefährten hatte, gleichzeitig aber auch die Tüchtigkeit, die auf der Weisheit und dem Gesetz beruht. Hinzu kam eine gewisse "Technikfreundlichkeit" in der Organisation.
Seit dem 7./8. Jh. weitete sich der von Griechen besiedelte Raum aus, als durch Überbevölkerung Griechen zur Auswanderung gezwungen wurden. Die Kolonisation des Mittelmeer- und Schwarzen Meergebietes dauerte bis 550 v. Chr. an. Besiedelt wurden das Marmarameer, die Krim, die Westküste des Schwarzen Meeres, Sizilien und Unteritalien (Magna Graecia = großes Griechenland, weil fruchtbarer und reicher als das Original), Südfrankreich (Massilia), Spanien, Ägypten und Nordafrika (Kyrene = Cyrenaika). Sie siedelten bevorzugt dort, wo man Küstenschiffahrt betreiben konnte, und überall, wo keine bestehenden Zivilisationen sie daran gehindert hätten wie z.B. in der Levante. Platon meinte dann auch, daß die Griechen um das Mittelmeer säßen, wie Frösche um einen Teich. Darin kommt auch zum Ausdruck, daß das Meer trotz aller Gefahren immer noch ein verbindendes Element über alle Distanzen hinweg blieb.
1. Griechische Frühgeschichte (2.Jsd. bis 500. v Chr.)
1.1. Der nahöstliche Hintergrund der griechischen Geschichte
Um auf die griechische Frühgeschichte zu kommen, muß man weit ausholen und beim Gilgamesch-Epos beginnen, das als ältestes schriftliches Epos gilt. Es wurde Ende des 3. Jsds. in Keilschrift auf gebrannten Tontafeln zusammengestellt und stammt wahrscheinlich von älteren Überlieferungen ab.
Wichtig ist es für die Geschichte, da es recht zuverlässig Informationen über die wesentliche Elemente der Hochkultur gibt.
An zentraler Stelle stand die politische Organisation als eine Verbindung von Macht und Herrschaft, die sakral überhöht wurden, und von intellektuellen und technischen Fertigkeiten, wie Backsteine, Mauerbau, Bewässerung usw.
Warum enstanden die ersten Hochkulturen gerade in Mesopotamien ?
Der Grund ist im "fruchtbaren Halbmond" (croissant fertile) zu suchen, der von Meer und Wüste umgeben die einzige besiedelbare Fläche bot. Hier konnte man ohne großen Aufwand und Probleme Regenfeldbau betreiben. Dies geriet ins Wanken, als seit dem 8. Jsd. v. Chr. die Bevölkerung zunahm und Konflikte aufkamen. Gleichzeitig bildeten sich Siedlungshierarchien aus und nahmen die technischen Innovationen qualitativ und quantiativ zu, so ackerbauliches Gerät, das Töpferwesen, die Schmiedekunst. Insgesamt entwickelte sich ein differenziertes wirtschaftliches System.
Seit der zweiten Hälfte des 4. Jsds. nahmen allerdings die Dürreperioden zu und setzte eine Versteppung ein. Dies ist im Rahmen eines Klimaumschwungs zu sehen, der aus dem eher gemäßigten Klima eine subarides Klima machte. Seitdem war man in der Landwirtschaft auf Bewässerungsfeldbau angewiesen, wollte man die wachsende Bevölkerung weiterhin ernähren. Dieses Know-How galt gleichzeitig auch als Grundlage der Herrschaft, schließlich glaubte man, daß das Wasser von den Göttern gebracht wurde. Um die Bewässerung zu organisieren, mußte man eine Verwaltung aufbauen, für welche alsbald eine Schrift nötig wurde. Die Herren der Organisation, Priester und König, wohnten in den Zentren, Tempel und Palast. Man muß aber festhalten, daß der Herrscher nicht den Göttern gleichgesetzt wurde, ihm aber gute Beziehungen nach oben nachgesagt wurden. Anfangs gab es nur einzelne Zentren, aus denen sich dann die sumerischen Stadtstaaten entwickeln sollten. Die Organisation war durch ein ausgefeiltes Redistributionssystem geprägt, das sämtliche Produkte registrierte und verteilte.
Dabei blieben Konflikte zwischen den Stadtstaaten nicht aus. Teilweise griff man auch auf nomadisierende Wüstenvölker zurück, die eine gewisse Fertigkeit bei Razzien auf die ländliche Bevölkerung entwickelt hatten. Diese suchte regelmäßig Schutz bei ihren Organisatoren, was diese sich gegen die Entrichtung einer Steuer vergüten ließen. Später siedelten sich die Völker in der Nähe der Stadtstaaten an und wurden als "Erzwingungsstab" eingesetzt. Mit der Monopolisierung des Militärs war es nur eine Frage der Zeit, bis sie die komplette Macht übernahmen. Einer der ersten war Sargon von Akkade (2280-2230), der sich zum Sarruken ("der wahre König") aufschwang und die Stadtstaaten unter sich vereinte. Sein Ziel war allerdings die Errichtung eines Welt- bzw. Großreiches, das die damals bekannte Welt umfassen sollte.
Nach dem Zusammenbruch der Akkader gab es eine Renaissance der Stadtstaaten, dennoch wurde die Tradition des Großreiches aufrechterhalten. Als nächste kamen die Chaldäer und begründeten das Altbabylonische reich mit Babylon als Zentrum. Auch Hammurabi gehört hier hinein.
Deren Nachfolger waren die Assyrer mit Ninive als wichtigem Zentrum, das Reich von Elam, die Hethiter, das Neubabylonische Reich wieder unter den Chaldäern, die Meder und schließlich die Perser.
Ähnlich wie in Mesopotamien sah es in Ägypten aus. Das System war hier jedoch noch stärker ausgeprägt, da die Organisation des Nils größeren Aufwand benötigte. Die Beherrschung des Nils konnte mit Macht gleichgesetzt werden, Herrschaft mit dem Sieg der Ordnung.
Zur Organisation gehörte besonders die Berechnung der Überflutungen, die Reparatur und Instandhaltung der Kanäle, Schleusen und Dämme und schließlich die Verteilung der Erträge. Aus diesen Bedürfnissen wurde der Astronomie eine große Bedeutung beigemessen und entwickelte sich später der Kalender und das Jahr.
Auch in Ägypten wurde die Herrschaft religiös überhöht. Der Pharao ("großes Haus") hatte als Sohn des Obergottes Amun-Ra eine enge Beziehung zuden Göttern ohne jedoch ein Gott zu sein. Erst nach seinem Tod wird er gottähnlich, weshalb man ihm ein würdiges Leben einrichten mußte, was in üppig ausgestatteten Grabmälern gipfelte, die aus Diebstahlgründen etwas ausgefeilter konstruiert wurden, wie z.B. die Pyramiden.
Da man ohne den Pharao in ein Chaos zu versinken glaubte, mußte man die Organisation und das Ritual permanent aufrechterhalten, woraus sich die lange Kontinuität bis zu den Römern hin erklärt.
Ordnung war den Ägyptern besonders wichtig, weshalb man der Göttin Maat besondere Aufmerksamkeit schenkte. Der Herrscher war im übrigen nicht nur ein Ausbeuter. Er handelte vielmehr nach dem Ethos der Gerechtigkeit und achtete das Recht. ASSMANN spricht von einer "vertikalen Solidarität", in der Hierarchie und Solidarität zusammenlagen.
[siehe hierzu: Anweisung im Grab des Rechmire, Wesir unter Thutmosis III. (1479-1425). In: Geschichte in Quellen. Bd.1. Nummer 17.]
Nur konsequent war eine permanente Phobie vor einer Unterbrechung der Kontinuität. Dennoch wurde die politische Geschichte des antiken Ägyptens nicht von Katastrophen verschont. Immer griff man jedoch wieder auf das bewährte System zurück:
Durch permanente Kontinuität und Rückbesinnung konnte über 2500 Jahre hinweg ein einheitlicher Kulturkreis aufrecherhalten werden.
Auch zu erwähnen ist das Hethiterreich, das von ca. 1500 bis 1200 v. Chr. Bestand hatte. Es ist auf eine Ebene mit dem Assyrerreich und dem Neuen Reich zu stellen.
Welche Bedeutung haben all diese Hochkulturen für die griechische Geschichte ?
1.2. Die minoisch-mykenische Zivilisation
Auf Kreta kopierte man teilweise die Systeme Ägyptens oder des Zweistromlandes.
Die Rekonstruktion ist hier allerdings eine archäologische Frage, da man die vorhandenen älteren Linear A- Schriften noch nicht entziffert hat. Die jüngere, in Mykene gefundene Linear B ist eine ältere Form des Griechischen und wurde in den 50er Jahren entschlüsselt.
Ausgegraben und teilweise wieder aufgebaut wurden die Reste auf Kreta von A. EVANS, der auch ein chronologisches System der "minoischen Zivilisation" konstruierte, das die Zeit in die Phasen Früh- (FM), Mittel- (MM), Spät- (SM) und Subminoisch einteilte. Dieses war auch wesentlich zuverlässiger als seine baulichen Rekonstruktionen. Ausgebaut hat sein System N.PLATON, der eine Chronolgie aufstellte, die auf der Palastarchitektur basierte.
Auch auf Kreta finden sich Anzeichen wiederholter Zerstörungen und Wiederaufbauten. Meist nahm man nach derartigen Einschnitten Änderungen in der Organisationsform vor. Besonders wichtig ist der Zerstörungshorizont von ca. 1500 v. Chr., da danach Knossos als Zentrum ausgebaut wurde. Man glaubte lange Zeit, daß die Thera-Eruption den Untergang hervorgerufen hatte, und datierte die Ausgrabungen entsprechend. Jüngere Forschungen bestätigten zwar einen enormen Ausbruch mit weltweiten Auswirkungen. Allerdings legt eine Datierung sie auf den Zeitraum um 1640/ 25 fest.
Spätere Formen der minoischen Kultur weisen starke Übereinstimmungen mit den Anlagen von Mykonos und anderen auf.
Auch für die mykenische Zivilisation handelt es sich um eine "klassische Zeit" der Frühgeschichte, in der es zwar schon schriftliche Zeugnisse gibt, man zur Rekonstruktion aber größtenteils auf die Archäologie angewiesen ist.
Welche Informationsmöglichkeiten gibt es hierfür ?
1. Die Sprachgeschichte
Anfang des 19. Jhs. steigt das Interesse an Indien und dem Sanskrit im Zusammenhang mit der zunehmenden Einflußnahme Englands in Indien.
Erstmals tritt das Indogermanische in schriftlicher Form in der 2. Hälfte des 2. Jsd. als Indoarisch auf. Durch das Aufzeigen von Verwandtschaften zwischen dem Griechischen, Persischen und Germanischen wurde die Rekonstruierung einer Ursprache möglich (historische Sprachbetrachtung, diachroner Verlauf). Hierzu war allerdings die Kenntnis des Sanskrits nötig, das eine Übereinstimmung zu den europäischen Sprachen aufweist. Schon Wiliam Jones (England ???), in Deutschland Friedrich Schlegel, beschäftigte sich mit Studien zum Sanskrit. Als Gründer der Indogermanistik gilt Bopp (1791-1867).
Das Problem dieser Disziplin war die Frage, ob es hinter einer definierten Sprache auch tatsächlich eine Volksgruppe gab. Ältere Sprachgruppen sind das Arische als Sammelbegriff für indoarische Sprachen. Es teilt sich in die Vorstufen Indoarisch und Iranisch ein. Indoarisch entwickelt sich weiter zum Vedischen, welches man als Altindisch betrachten kann, in dem Texte bereits vom 2.-1.Jts. v. Chr. auftreten. Das Iranische splittet sich in das Awestische (Awest: kanonische Texte einer Religion, Mythen) und das Altpersische, dem die Perser der Achämeniden zuzurechenen sind. Die Entzifferung deren Keilschrift gelang Grotefend.
Neben dem Arischen steht das Anatolische, das sich in Altanatolisch und Luwisch (Ende des 2. Jsd. v. Chr.) aufteilt. Ersteres führt dann auf das Hethitische von ca. 1700-1300 v. Chr. Daneben gibt es quasi von Osten nach Europa weitergehend Tocharisch, Armenisch, Griechisch, Latino-Falistisch, Osko-Umbrisch sowie Germanisch, Albanisch und Keltisch.
Auf dieser Grundlage wurde die Indogermanistik politisiert und ideologisiert. Sie diente als Substrat der Nationenbildung, wobei man versuchte Völkerzugehörigkeiten zu konstruieren, um alles Nichtgermanische letztlich ausgrenzen zu können. Auf der Strecke blieb die seriöse Wissenschaft. Der Mißbrauch des Begriffs des "arischen" wurde durch die Entdeckung der semitischen Sprachgruppen weiter forciert und diente einer weiteren völkisch-rassistischen Unterscheidung.
Aus diesen Erfahrungen muß man auch für die griechische Geschichte festhalten, daß das Sprechen einer gleichen Sprache nicht mit dem Vorhandensein gleicher Völker zu verwechseln ist und daß fremde Sprachen nicht in einem Gegensatz zueinander stehen müssen.
Das Griechische besitzt als eine der indogermanischen Sprachen eine hohe Eigenständigkeit und steht dem Lateinischen sehr nahe. Man geht davon aus, daß es als gesprochene Sprache seit dem 16. Jh. v. Chr. existierte. Davor hat man eine uns noch unbekannte Sprache gesprochen, auf die die Linear A-Funde auf Kreta hinweisen, die man bislang noch nicht entziffert hat. Ein Hinweis daraus sind die zahlreichen Lehnwörter im Griechischen, die aus Sprachen höher entwickelter Zivilisationen (Ägypten, Phönizien, ...) entnommen wurden. Beispiele hierfür sind besonders Ortsnamen (Korinth: -nth ist ein Indiz für eine ältere Sprache), Götternamen oder das Wort für Badewanne.
Man kann auch heute nur vermuten, daß die frühen Griechen erstmals zu Beginn des 2. Jsds. auf die Balkanhalbinsel eingewandert sind.
2. Materielle Kultur
Hierunter sind besonders archäologische Funde zu zählen, aus denen ähnlich wie für die Hallstatt- oder La Tène-Kultur ein Überbegriff geprägt wurde: Mykene steht somit stellvertretend für eine komplette Epoche, obwohl es sich nur um einen einzelnen Fundort handelt.
Das Bild dieser Zivilisation wurde weitestgehend von SCHLIEMANN (Begründer der Grabungsarchäologie) geprägt, der Mykene ausgegraben hatte. Schlieman suchte bei allen seinen Ausgrabungen nach dem Homerischen und wurde mit Funden in Mykene, Troia oder Orchomenos belohnt. Mykene stellt somit eine einheitliche Kulturprovinz dar, eine Art "mykenischer Koiné", die vom westlichen Griechenland bis an die westliche kleinasiatische Küste reichte. Teilweise findet man als Zeichen einer Art mykenischen Vorkolonisation Spuren in Unteritalien und auf Sizilien.
Schon früh versuchte man eine Deutung der Funde aus sich selbst heraus und prägte mit dem "early state module" die Idee der Palastzentralität. Die wichtigsten Zentren waren Knossos, Mykene, Tiryns, Pylos, Athen, Theben, Orchomenos, Iolkos, Kephallonia, Sparta. Weitere Subzentren werden an der Westküste vermutet. Alle Zentren spielten eine gewisse Rolle in der griechischen Mythologie.
In der zentralen Stadt bildete der Palast den Mittelpunkt für Verwaltung, Politik, diente aber auch als Vorratskammer. Hier konzentrierte sich auch das technische Know How wie der Straßen- oder Brückenbau z.B. in Argolis, Be- und Entwässerungsinfrastruktur wie Staudämme oder Kanäle. Einer der beeindruckendsten Funde stammt aus Kopais in Böotien. Die Gegend dort stellt geomorphologisch ein Polje dar, also im Karstgebiet eine wannen- bis kesselartige Hohlform mit ebenem Boden. Die Böden dort sind meist sehr fruchtbar, durch die unterirdische Be- und Entwässerung besteht aber Überschwemmungsgefahr und bilden sich mancherorts Sumpfgebiete aus. Die Trockenlegung des Raumes geschah erst in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts (an späte Leser: es handelte sich hierbei um das 20. Jh.), erste Ansätze lassen sich aber bis in die mykenische Zeit zurückverfolgen. Im 14. Jh. v. Chr. hatte man die unterirdisch gelegenen Abflüsse soweit ausgebaut und kanalisiert (Katavothren), daß ein besserer und geregelter Wasser- und Schlammabfluß gewährleistet wurde. Unter Alexander versuchte man erneut die Anlage eines Kanals zur Entwässerung. Heute zählt das Gebiet zu den fruchtbarsten Regionen Griechenlands.
3. Fremdbeschreibungen
Besonders die Ägypter hinterließen zahlreiche bildliche Darstellungen der mykenischen Zivilisation, in denen die mykenischen Griechen als eine Einheit dargestellt wurden. Wichtiger sind aber die Inschriften im Todestempel des Amenophis III. (ca. 1390-1352).
4. Kollektive Erinnerung
Dies umfaßt die griechischen Mythen, die man lange Zeit für wahr erachtet hatte. Besonders die Archäologie nutze sie als Basis für die Suche nach historischen Plätzen, wie Troia. Auch die Bezeichnung der griechischen Völker als Danaer, Achaier, Argeier bzw. Argiver wurde als historisch bewertet: die Griechen selbst hatten sich nie als "Griechen" bezeichnet.
Das Problem der Tradition wurde so ziemlich blauäugig unterschlagen. FRANZ HAMPEL stellte dem uneingeschränkten Glauben an den Wahrheitsgehalt der Mythen gegenüber, daß die Ilias kein Geschichtsbuch sei, aber einen wahren Kern habe.
Immerhin kann man eine starke Übereinstimmung der Zentralität wichtiger Orte festhalten. Dennoch bleibt die Frage offen, ob es ein mykenischen Großreich gab, daß die Strukturen erklärt.
5. Schriftliche Quellen
Bereits Evans fand in Knossos zufällig erhalten gebliebene Tontäfelchen, die durch die Zerstörung eines Palastes gebrannt worden waren und eine sogenannte Linearschrift enthielten. Die Überdauerung war nicht vorgesehen, da diese Tontäfelchen nur eine billige Schreibgrundlage darstellten, mit der man Berechnungen oder Notizen notieren konnte und nach Belieben wieder auswischte. Entsprechend dienten die meisten Täfelchen der Buchführung.
Die ältere Linear A ist minoisch, stammt aus der Zeit vor dem 15. Jh. und ist noch nicht entziffert.
Die Entzifferung von Linear B gelang MICHAEL VENTRIS (Mathematiker und Ingenieur) in den frühen 50er Jahren mit der Hilfe des Graezisten JOHN CHADWICK. Ventris, der während des Zweiten Weltkrieges feindliche, sprich: deutsche, Codes entziffern half, nahm an, daß es sich um Griechisch handeln könnte, wobei das Alphabet später nicht übernommen wurde und gewisse Differenzen in den Endungen und Silben auftraten. Man muß hier allerdings festhalten, daß die Entzifferung unbekannter Schriften nur funktioniert, wenn man die Sprache dazu kennt. Deswegen ist Linear A noch nicht entschlüsselt.
Die Täfelchen enthielten insgesamt drei unterschideliche Typen von sog. Ideogrammen, also einer symbolischen Wiedergabe von Gegenständen. Meist handelte es sich dabei um Mengenangaben, die mit Zahlen kombiniert wurden. (siehe hierzu Material)
Trotz aller Erfolge gibt es auch mit Linear B noch einige strukturelle Probleme, da die (Silben-) Schrift im Grunde nicht zum vokalreichen Griechischen paßte. So gibt es heute noch einige unbekannte Schriftzeichen.
Wichtig sind die Täfelchen auf alle Fälle für die Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Untergangs der Palastwirtschaft. Gleichzeitig mit der Kultur ging auch die Schrift verloren.
Im Vergleich zu den Zivilisationen des Zweistromlandes ist die "Ausbeute" an Täfelchen jedoch sehr gering.
Mykene:
1. Chronologie:
Man kann den Beginn des Helladismus mit der Bronzezeit ansetzen. Die mykenische Kultur beginnt um 1900 v. Chr. mit der Einwanderung indogermanischer Gruppen (Mittelhelladisch: 1900-1700) und reicht bis 990 v.Chr. (submykenisch). Die Späthelladische Zeit gilt als mykenische Zeit und reicht von 1700-1050. Sie wird nach dem klassischen Dreierprinzip weiter unterteilt in Späthelladisch I-III. Wichtig ist der Übergang zwischen späthelladisch SH III B (136/30/-1200) und SH III C (1200-1050), in der eine Zerstörung stattfand, die die meisten Zentren erfaßte und parallel dazu das Hethiterreich beendete. Den Abschluß bildet das Submykenische von 1050-990, das einen zivilisatorischen Rückschlag darstellt.
2. Das Wesen der Palastkultur
Die Festungen der mykenischen Kultur waren siedlungshierarchisch angelegt, dienten kultisch-religiösen Zwecken, waren logistisches, politisches, soziales und ökonomisches Zentrum. Meist gab es eine Oberstadt wie die Burg von Mykene, die masiv angelegt waren, so z.B. das mykenische Löwentor. Die Anlagen dienten aber nicht nur rein fortifikatorischen Zwecken, sondern auch der Repräsentation.
Das Zentrum war der Herrscherpalast, der das Megaron bildete, also das Kerngebäude. Der König war zugleich politischer als auch religiöser Herrscher. Der Palast hatte größtenteils eine logistische Funktion und war gleichzeitig eine Vorratskammer, die für eine größere Bevölkerung ausgelegt war, als die Palastbewohner stellten. Die Wirtschaft war durch eine Verwaltung geprägt, die sämtliche Getreideein- und Ausgänge registrierte, wodurch eine Schrift nötig wurde.
3. Die Organisation
Zentrale |
Provinz (hier: Pylos) |
Dorf |
wanaks = Herrscher |
deiwelo aigolahia und |
damos = Gemeinde (gr. demos) |
lawagetas = Feldherr |
per(a) aigolaheia = dies- bzw. jenseits des Ziegengebirges |
gwasileus ="Dorfschulze" (gr. basileus) |
telestai |
koreter = "Gouverneur" |
gerusai = (gr. Ältestenrat) |
orcha = militärische Einheit |
prokoreter = "Vizegouverneur" |
ktoina kekhemena = |
moiroppas = Befehlshaber |
ktoina ktimena |
|
hepetas = militärischer Rang |
4. Sozioökonomische Differenzierung
Man kann unterscheiden in eleutheros = Freie, dohelos = Sklaven (vgl. gr. dulos= Sklave) und onateres = Hörige. Die Gesellschaft wurde von Männern geprägt, dennoch waren bestimmte Tätigkeiten wie das Schmieden für die Männer und das Weben für die Frauen wichtige Beschäftigungen mit hohen sozialen Stellenwerten.
Wie kam es zum Zusammenbruch der mykenischen Kultur ?
Man geht von einer großen Völkerwanderung aus, die die betroffenen Länder geradezu überschwemmte. Bezeichnet wurde sie lange Zeit als "Dorische Wanderung" oder "Agäische Wanderung". Manche Ansätze erweiterten die Wanderungsbewegungen auf Gesamteuropa und ordneten die Dorische Wanderung unter die "Zweite Indogermanische Wanderung".
Heute spricht man von einer modifizierten Wanderungshypothese.
Zur Rekonstruktion und zeitlichen Fixierung stehen die üblichen Quellen zur Verfügung:
Insgesamt geht man nicht von einer einzelnen, großen Wanderungswelle aus, sondern spricht von einer "Epoche", die vom 13. Jh. bis in das 11. Jh. reichte und ihren Höhepunkt um 1200 hatte.
Der Zusammenbruch der Palastkultur fand also größtenteils durch äußere Einflüsse statt, wobei manche Ansätze zusätzlich von inneren Problemen der mykenischen Stadtstaaten ausgeht. Der Untergang der Paläste als geistiges, kulturelles und weltliches Zentrum brachte den Untergang des kompletten Systems mit sich. Meist verfiel die Infrastruktur, so z.B. in Kopais, wo die Höhlen zur Bewässerung nicht mehr gewartet wurden und verstopften.
Die kleineren infrastrukturellen Einheiten wie die damoi (Gemeinden) und einzelne Burganlagen bildeten die Basis für die spätere griechische Polis (ursprünglich Bezeichnung für Burg), wie die Akropolis in Athen.
1.3. Der Nahe Osten und die Griechen in den "Dark Ages"
Die sogenannten "Dark Ages" als Bezeichnung für einen nur wenig erforschten Zeitraum trifft für den Nahen Osten weniger zu. Dort stieg in dieser Zeit das assyrische Großreich auf und hinterließ mit den Königsannalen zahlreiche Schriftquellen.
Mangels sie beanspruchender Großmächte gab es in der Levante eine eigene Entwicklung. War die kanaanäische Zivilisation bisher im Einflußbereich Ägyptens und des Hethiterreiches z.B. Schlacht von Kadesch 1299/ 85, fiel diese Bedrohung mit dem Zusammenbruch des Hethiterreiches und den Problemen, die Ägypten mit den Seevölkern hatte, weg.
1. Landnahme und Kanaanäer
Die Kanaanäer sprachen semitische Dialekte und waren bereits seit der ersten Hälfte des 2. Jsds. bekannt. Wie die meisten höher entwickelten Kulturen seinerzeit waren auch die Kanaanäer in Stadtstaaten organisiert, in denen der Herrscher ein Verbindung mit der Religion einging. Seit dem 15. Jh. v. Chr. war die Region unter ägyptischer Kontrolle. Der Gottbegriff der Kanaanäer lautete "El" oder "Baal" und ist nicht eigentlich festmachbar, da er bereits Ansätze einer religiösen Abstraktion zeigt. Verwurzelt blieb er aber immer im Stadtkönig und wurde auch immer als Regenbringer betrachtet. Zusätzlich gab es verschiedenen Fruchtbarkeitsgöttinnen.
Als die Philister sich im Süden der Levante (spätere römische Provinz Judäa) festsetzen, wurden die dort ansässigen Kanaanäer unterdrückt. Die Philister waren eine auf Kriegführung spezialisierte Gruppe und sprachen eine indogermanische Sprache. In der Bibel ist Goliath einer der ersten erwähnten Philister.
2. Israel
Die Zeit der Landnahme zeigt, wie Archäologie zum Politikum werden kann. Seit dem Zionismus bezieht man sich mit der Gründung des neuen Staates Israel auf die erste Landnahme und spricht nun von der zweiten Landnahme. Im heutigen Israel sind zahlreiche Archäologen gleichzeitig Politiker oder Offiziere, wodurch die Geschichtsschreibung nicht unbeeinflußt bleibt. Aufgrund einer einseitig gewichteten Perspektive fordern die Palästinenser heute eine eigene Archäologie.
Die erste Bevölkerung war ursrpünglich nomadisiert bzw. halbnomadisiert, d.h. sie siedelten in der Nähe von Hochkulturen zwischen der Syrischen Wüste und dem Zweistromland. Kontakte konnten freundlicher Natur sein, meist unternahm man Plünderungszüge, um sich zu versorgen. Organisiert waren sie in loser Form in Sippen oder Stämmen. Zu diesem ersten Substrat des späteren Volkes Israel kamen noch ehemalige Fronarbeiter aus Ägypten als zweites Substrat, die sich mit den Stämmen vereinten. Ihre Gemeinsamkeit war die Jahwe-Verehrung.
Die Landnahme zog sich über einen längeren Zeitraum hinweg, wobei die Leidtragenden die ursrpüngliche Bevölkerung war, die von Kanaanäern, Moabitern, Ammonitern und Philistern gebildet wurde. Die ersten Einwanderungen erfolgten im 13. Jh. und nahmen im weiteren Verlauf verstärkt zu. Eine Herausbildung des Volkes Israel aus den (zwölf) Stämmen erfolgte im 12. bis 11. Jh. Dabei gab es eine Differenzierung der Stämme im Süden (späteres Juda) und Norden (späteres Israel).
Für die allgemeine und die griechische Geschichte ergeben sich aus dem bisher Gesagten drei Gesichtspunkte:
1. Die sozio-politische Organisation ist der Stamm, der damit ein konkurrierendes Modell zu den bisher bekannten herrschaftlichen Organisationsformen darstellt.
Der Stamm war eine Abstammungsgemeinschaft, die auf einer verwandtschaftlichen Einheit basierte. Die meisten Stammesangehörigen waren so miteinander verwandt, obwohl eine biologische Verwandtschaft nicht obligatorisch gewesen war, da sich alle auf einen Stammvater zurückverfolgen ließen.
Für die Hierarchie der Stämme war die Familie Vorbild. Damit waren die Stämme in einer patrimonialen Form organisiert, in der die Vaterrolle auf den Verband übertragen wurde.
Das Verhältnis zwischen Stammesvorstand und den Angehörigen wurde nicht durch Angst, Zwang oder Herrschaft gebildet, sondern durch Respekt, freiwillige Fügung und Autorität.
Durch ein Klientelsystem, in dem einzelne in einer wirtschaftlichen Abhängigkeit zum Patron standen, bewies das System eine hohe Integrationsfähigkeit auch für nicht familiäre Mitglieder.
Die einzelnen Familien waren ihrerseits miteinander versippt, mehrere Sippen bildeten einen Clan und alle zusammen einen Stamm. Durch die Versippung entstand ein egalitärer Zusammenhang. Brüderlichkeit war das Modell der sozialen Schichtung zwischen den Familien.
Der Vater war als Stammesfürst auf die allgemeine Zustimmung angewiesen und wurde durch einen Ältestenrat kontolliert. Allgemein galt das Konsensprinzip, das Einzelherrscher zu verhindern half.
2. Der Monotheismus war und ist das eigentliche Merkmal der jüdischen Religion. Dessen strikte Einhaltung wie in den ersten drei Geboten des Dekalogs waren einmalig in der Geschichte.
Man spricht von einer "Jahwe-allein-Bewegung", in deren Verlauf zwischen den zahlreichen konkurrierenden Gottheiten wie El oder Baal um Jahwe als Gott der Israeliten gerungen wurde, der dann zum Schöpfer der Welt wurde. Erleichtert wurde dessen Akzeptanz durch die Zuordnung von Erfolgen zu einem Gott. Der einzelne Gott war nicht an einen bestimmten Herrscher gebunden, sondern konnte sich jedem offenbaren. Die Glücklichen zeichneten sich dann durch ein bestimmtes Charisma aus und besaßen göttlich sanktionierte Autorität. Zahlreiche Kriegserfolge wurden so auf Jahwes Einfluß auf die Feldherren zurückgeführt, wie das Beispiel von David und Goliath zeigt.
Die ersten erfolgreichen Leute wurden als Richter bezeichnet. Später entwickelten sich daraus die Propheten, die in einem besonderen Nahverhältnis zu Gott standen und mehr Einfluß bekamen, als die Stammesältesten.
Katastrophen wurden nach diesem Prinzip als Verfehlungen gegen Gott betrachtet.
Einer der ersten, wichtigen Propheten war Samuel Ende des 11. Jhs., der den sehr erfolgreichen Feldherren Saul zu einem der ersten Könige Israels salbte und damit dessen Herrschaft legitimierte. Es zeigte sich aber, daß die Herrschaft labil wurde, wenn Gott die Gunst entzog: Saul wurde gestürzt und von David (um 1000-965) und dessen Sohn Salomon (965-932) abgelöst.
Sie trieben den Aufbau der Monarchie weiter, indem sie orientalische Herrschaftsformen rezipierten, wobei dies in einer Phase des allgemeinen Niederganges geschah (Hethiterreich und andere).
Eine markante Wendung erfuhr die Religion durch den Tempelbau unter Salomon, der eine eigentlich für Nomaden vorgesehenen Gottheit in ein Gebäude steckte. Außerdem baute er Jerusalem zum Zentrum aus, entwickelte eine Beamtenhierarchie, stellte ein stehendes Herr auf, das mit Streitwagen agierte und führte Frondienste ein. Mit dem Tod Salomons kann man auch schon den Zusammenbruch des jüdischen Großreiches festmachen, das in das nördliche Israel und das südliche Juda geteilt wurde.
Seit dem 9. Jh. gerät die Region unter assyrischen Einfluß. Sargon II. von Assur unterwirft 721 das Nordreich, 587 zerstört Nebukadnezar II. (neubabylonisches Reich) Jerusalem und den Tempel.
Die weitere Entwicklung des Monotheismus wurde mit der babylonischen Gefangenschaft (587-538) weiter vorangetrieben. Zuvor kritisierten die Propheten als eine Art selbsternannte Redner die Aristokratie und Monarchie. Elia, Amos und Hosea im Nordreich z.B. griffen damit ein etabliertes Herrschaftssystem an. Seit dem 8. Jh. erkannte man eine soziale Komponente, während vorher der Kampf eher um theologische Probleme geführt wurde.
Im Nordreich wurde die Kritik Hoseas lauter, als sich syrisch-phönikische Baal-Kulte beim Herrschaftsausbau durchsetzten. Im Südreich begannen nach dem Untergang des Nordreiches die Propheten Jesaja, Ezechiel und Jeremia zu wirken. Man führte die Katastrophe im Norden auf die Beleidigungen Jahwes zurück und forcierte den Jahwekult weiter. Unter Josia (640-609) wurde im Südreich das Deuteronomium als altes Gesetzbuch aufgefunden und Reformen durchgeführt. Trotz des Status als assyrischer Vasallenstaat war dies die letzte stabile Phase, bevor auch das Südreich babylonischen Expansionsbewegungen zum Opfer fiel.
3. Die alleinige Verehrung Jahwes festigte den Monotheismus in der Gefangenschaft, welche als gerechte Bestrafung betrachtet wurde.
Während der Gefangenschaft wurde die Identität bewahrt, indem man die alten Schriften redigierte. Der Pentateuch (die fünf Bücher Mose) wurden zur Thora ("Weisung, Gebot"). Heimkulte und der Treffpunkt Synagoge festigten den "fundierenden Text", wie Assmann die Thora beschrieb.
3. Die Phönikier
Für die Phönikier gibt es kaum Quellen, die vorhandenen sind wenig aussagekräftig. Die wichtigsten Informationen stammen aus dem Alten Testament und von Nachbarvölkern, die mit den Phönikiern zu tun hatten.
Sie waren die direkten Nachfolger der Kanaanäer und waren in einem losen Verband von Stadtstaaten organisiert, von denen die wchtigsten Tyros, Sidon, Arados und Byblos waren.
Die Phönikier profitierten vor allem durch den Besitz der beiden Güter Holz und Purpurschnecken. Das Zedernholz wurde für Monumentalbauten wie Tempel benötigt, die Purpurschnecke lieferte den gefragten Farbstoff.
Durch die günstige Verkehrslage am Endpunkt der Karawanenwege, die die Levante mit dem Osten verbanden war man bald ein wichtiger Umschlagplatz z.B. für Weihrauch aus Südarabien. Mit zunehmendem Reichtum wurden die Güter über das Mittelmeer in den Westen transportiert.
Die Phönikier beherrschten im 9. Jh. das Mittelmeer bis über Gibraltar hinaus und hatten damit eine Austauschfunktion zwischen dem Mittelmeer und dem Osten (siehe hierzu Bibel: Ezechiels Klage über Tyros). Gegen 825 gründeten sie Karthago. Auch Homer spricht in seinen Epen über die Phönikier.
Sie bildeten damit eine "Funktionsethnie", d.h. sie waren ein Volk, das sich in einem größeren kulturellen Zusammenhang auf eine bestimmte Funktion konzentrierte.
Diese Rolle erforderte eine bestimmte Organisation der Wirtschaft, wie z.B. eine Spezialisierung in der Landwirtschaft. Insgesamt war die Wirtschaft aber nicht in ein politisch-monarchisches Redistributionssystem eingebunden, sondern war eine Angelegenheit der Kaufmannsaristokratie.
Wahrscheinlich gab es wie in Rom einen Ältestenrat bzw. Senat, der zumindest für Karthago gut dokumentiert ist.
4. Griechenland in den "dark ages"
Über dieselbe Zeit gibt es für Griechenland nach dem Zusammenbruch der mykenischen Palastkultur noch weniger Informationen. Im Grunde genommen wurde mit dem Einfall der Seevölker tabula rasa gemacht, so daß es nur noch ein vage historische Erinnerung in den Mythen gab.
Erhalten geblieben waren aber die lokalen Strukturen. Ehemalige Siedlungsplätze waren noch in den Händen der ehemaligen Bevölkerung oder wurden von Zuwanderern, die griechische Dialekte gesprochen hatten, neu bevölkert. Auch die Basisstrukturen wie der damos/ daimos (Gemeinde), der Ältestenrat oder der basileus als eine Art Bürgermeister blieben erhalten. Die Einwanderer bauten dazu stammesartige Strukturen auf, was sich später auch in der Organisationsform der Polis zeigte.
Der Rückgang der Lebensweise auf die Subsistenzwirtschaft erlaubte nur noch bescheidene Lebensformen. Größtenteils wurde das Land von selbstwirtschaftenden Bauern (autourgoi) bestellt.
Teilweise gab es neue Ansätze von größeren Machtballungen durch einzelne "war lords", die sich auf Seeraub und Handel spezialisiert hatten.
Das Griechenland der "Dark Ages" setzte sich aus den südlichen Teilen des heutigen Griechenlandes zusammen, aus der Inselwelt und aus der Westküste Kleinasiens.
Durch partielle Expansionen einzelner war lords gab es Gebiete indivduellen Kontaktes besonders mit der Levante. So standen im 10. und 9. Jh. Euboia mit Al Mina in Kontakt, wichtige Punkte waren auch Pithekusa und Leftkandi. Auch Zypern entwickelte sich zu einer Austauschzone zwischen Griechenland und Phönikien. Mit dem weiteren Ausgreifen der Euboier wurde die Insel Iskia/ Ischia vor Italien besiedelt, die zu einem Stützpunkt und Umschlagort für Eisen wurde. Später wurde diese Siedlung der Ausgangspunkt für die griechische Kolonisation nach Kyme (heute Cuma). Im weiteren Verlauf übernahm Korinth die Rolle Euboias.
Damit blieben auch orientalische und phönikische Einflüsse auf Griechenland nicht aus. Zahlreiche Elemente einer mediterranen Kultur wurden aufgenommen, wie Schiffahrt, Kunstproduktion, Mythen und Märchen.
Durch die intensiven Kontakte mit den Phönikiern bauten die Griechen die Schifffahrt weiter aus, kolonisierten den Mittelmeerraum und erhielten ein Alphabet.
Sie übernahmen das phönikische Alphabet, das nur eine geringe Anzahl von Lautzeichen aufwies und damit auf einen langen Schriftgebrauch verwies. Allerdings handelte es sich um ein reines Konsonantenalphabet, zu dem die Vokale hinzugedacht wurden. Aus demselben Alphabet entwickelte sich im 1. Jsd. das Aramäische, aus dem Hebräisch hervorging.
Das später einheitliche griechische Alphabet war ursprünglich das ionische Lokalalphabet. Man eignete sich allerdings nicht nur das fremde Alphabet an, sondern nahm eine kreative Anpassung vor, indem man nicht benötigte Lautzeichen mit Vokalen der eigenen Sprache besetzte.
Damit bildete das phönikische Alphabet mehr oder weniger die Grundlage für die europäische Schriftentwicklung. Aus dem Phönikischen entwickelte sich das Griechische, das das Etruskische beeinflußte, welches wiederum auf die Entwicklung des Lateinischen Einfluß nahm. Erstmalig dürfte die Griechen im nördlichen Syrien/ Al Mina die Schrift rezipiert haben, wo sie für den Handel benutzt wurde (Registrierungen, Notizen, wirtschaftliche Organisation).
[Lit.: Burkert, Walter: ostmediterrane Koiné]
Die in Kontakt stehenden griechischen Händler bzw. Seeräuber stellten allerdings nur eine sehr kleine Gruppe dar. Kontakte fanden auch nur dort statt, wo eine Nähe zu den orientalischen Kulturen bestand, so grob entlang einer Linie von Rhodos bis nach Troja. Teilweise gab es noch Kontkte zu Sardeis im Lyderreich. Die Masse der Griechen wurden von Bauern gestellt, deren Horizont nicht über 20-30 km hinausging. Dennoch gab es in jeder Region einzelne Personen, die durch Reisen einen größeren Einblick erhalten hatten und dadruch hervorstachen. Auch dadurch kam es zu Spannungen zwischen den Gereisten und den lebenslang Immobilen.
1.4. Die Welt der Homerischen Epen: Ilias und Odyssee
1. Das Homerproblem
Die homerischen Epen sind wichtig, wenn man sich mit der Rekonstruktion der Dark Ages beschäftigt und waren schon für die antiken Griechen wichtig, die sie stark rezipiert hatten. Da sie die die Welt quasi mit Homers Augen betrachteten, kann man mit ASSMANN die Epen als "fundierenden Text" bezeichnen. So nahm z.B. Sokrates in seiner Apologie (Soll er lieber die Sache verraten oder für die Sache sterben ?) Bezug auf die Ilias, als er Achilles zitierte. Die Epen geben also Auskunft über die Zeit, in der sie angesiedelt sind, aber auch über Religion, Alltag oder Jenseitsvorstellungen im archaischen Griechenland.
a) Die homerische Frage
An sich ist dies ein philologisches Problem, das F.A.WOLF mit seiner Abhandlung "Prologomena ad Homerum" Ende des 18. Jhs. erstmals formuliert hatte. Er versuchte damit zu beweisen, daß es sich bei den Epen um eine Sammlung von Texten handeln müsse, die von mehreren Verfassern und nicht nur von Homer zusammengefaßt worden sind.
Damit war das Problem in der Welt und es bildeten sich bald zwei Richtungen heraus:
Die Analytiker vertraten WOLFS These und sahen die Epen als zusammengebasteltes Werk mehrerer Autoren oder mit den Worten NAGYS als ein "Patchwork". Die Unitarier gingen von ein bzw. zwei Autoren aus, die die Werke allerdings von sich aus verfaßt haben.
Im 20. Jh. gab es durch die Oral-Poetry-Forschung nochmals Impulse, die von ursprünglich mündlich tradierten Gesängen ausging. Schaldewald hielt dieser These das schwere Argument entgegen, daß die Texte viel zu komplex seien, um nur zusammengewürfelt worden zu sein. Die Neo-Analytiker z.B. unter KULMANN legten die Epen kurzerhand auf die Zeit vor Homer, weil sie so konstruiert sind, daß langjährige Phänomene wie der Trojanische Krieg in einem Zeitraum von wenigen Tagen zusammengefaßt und durch Rückblenden und Vorschauen ergänzt wird. Es waren ihrer Ansicht nach ein bis zwei Autoren, die ältere Gesänge miteinander verflochten haben.
b) Homer und die Geschichte
An der Historizität des Trojanischen Krieges hatte niemand jemals wirkliche Zweifel gehegt. Schliemann fand trotz seiner anfänglich eher als dilettantisch zu bezeichnenden Methoden auch Reste unterhalb Ilions, die bis in das dritte vorchristliche Jahrtausend zurückreichen. Er selbst benutzte hierfür zahlreiche andere Quellen und weniger die von ihm mystifizierte Ilias.
Heute stellt man sich die Frage, inwieweit die alten Schichten, die man bis 1250 zurückverfolgt, eine "homerische Welt" repräsentieren.
Zwar gibt es verblüffende Übereinstimmungen zwischen den Ausgrabungen und den Schilderungen Homers. Allerdings sind diese nur partiell vorhanden. Das wichtigste Manko Homers dürfte die mangelnde Beschreibung von Palastkulturen sein. Auch die "wanax" bzw. "anax" werden außer mit Agammemnon nicht erwähnt und können nicht mit Homers Königen gleichgesetzt werden. Man kann aber die beschriebenen Zustände als zeitgenössisch betrachten. Homer spricht so nicht mehr von Bronze als dominierendes Metall, sondern bereits von Eisen.
Man kann also eine bewußte Historisierung erkennen, die in der Schilderung einer vergangenen Welt vorgenommen wird und durch die Verwendung von Relikten einer älteren Zeit geschieht. Homer spricht so etwa von Streitwagen, die im 7. oder 8. Jh. bereits von der Bildfläche verschwunden waren.
Ob auch Zustände des 8. Jhs. beschrieben werden ist auch nicht eindeutig zu beantworten.
[Lit.: Moses Finley: Die Welt des Odysseus. Frankfurt/ New York 1992]
Dennoch ist es laut H.-J.Gehrke durchaus legitim, aus dem Material ein Bild historischer Phänomene zu ermitteln. Somit wird möglicherweise das Bild einer Gesellschaft des 8. Jhs. beschrieben. Möglicherweise aber auch ein Bild mit einer hohen normativen Kraft vermittelt.
2. Sozioökonomische Grundstruktur
a) oikos, Familie, Freundschaft und Gesellschaft
Der oikos war zugleich das Haus, die Familie und die Form des Haushalts als wirtschaftliche Form des Familienlebens. Die Familie bestand damals aus einer Kern- bzw. Kleinfamilie, die auch nicht biologisch verwandte Angehörige umfaßte. Dies waren meist Hintersassen oder Dienstmannen, sog. therapontes.
Die Machtverhältnisse wurden durch die rigide patriarchalische Form der Vergemeinschaftung bestimmt und waren aufgrund der unsicheren, unfriedlichen Lebensumstände wohl auch kaum anders möglich. Ohne Oberhaupt war der oikos faktisch schutzlos, wie man am Schicksal der Familie des Odysseus sehen konnte.
Der oikos war aber auch die Keimzelle der übergreifenden Vergesellschaftung, die auf individueller Freundschaft beruhte. Alle Kontakte außerhalb des oikos waren Freundschaftsverbindungen bzw. Kameradschaftsbünde, sog. Hetairien. Diese Beziehungen waren erblich und nicht nur affektiv, sondern brachten auch eine starke Unterstützung mit sich, die man durch Geschenke zum Ausdruck brachte. Jedes Geschenk mußte gemäß dem Gesetz der Reziprozität erwidert werden.
Auch die Gastfreundschaft war strikt geregelt. Sie nützte besonders Fremden, die unterwegs auf Reisen waren.
Es gab des weiteren Tendenzen, Freundschaften zu Verwandtschaften auszubauen, indem man Familienmitglieder des befreundeten oikos adoptierte oder miteinander verheiratete. Auch bei Verheiratungen mußte das Gebot der Gabe und Reziprozität eingehalten werden, so über Brautgeschenke und Mitgifte. Selbst eine solche Verschwägerung war aber immer nur Zeichen einer Männerfreundschaft.
b) Soziale Stratigraphie und Wirtschaftsformen
Das Vortragen der Epen durch Sänger mit Stöcken (Rapsoden) auf Symposien diente auch der Vermittlung alter Verhältnisse. Man kann aus den Epen soziale Strukturen ablesen.
Demzufolge standen sich die Herausragenden (exochoi andres) und das Volk (demos, mit Tendenz zum Pöbel) gegenüber. Exochoi konnte man nur werden, wenn man bestimmte Leistungen erbracht hatte, reich war, sich als guter Kämpfer, Freund oder Trinker erwiesen hatte. Reichtum ermöglichte also eine gewisse Form der Abkömmlichkeit. Man konnte seinen Status allerdings auch wieder verlieren. Die wirtschaftliche Basis der Oberschicht, die sich langsam zu einer Adelsschicht entwickelte, war die Landwirtschaft und Beutezüge, mit denen man seinen Einfluß und Reichtum mehren konnte (siehe hierzu die Präsentation des Odysseus bei seiner Rückkehr nach Ithaka als Kreter, der viele Beutezüge mitgemacht haben wollte).
Der Oberschicht stand erneut die große Gruppe der Bauern (autourgoi) gegenüber. Diese teilten sich in eine Art Mittelstand auf, der sich durch den Besitz von Gespannen, Ochsen und Bediensteten auszeichnete. Danach kamen die unterbäuerlichen Schichten, die keine Gespanne besaßen und sich als Tagelöhner (theten) verdingen mußten. Teilweise waren Sklaven besser gestellt, da sie sich innerhalb eines oikos befanden. Die Tagelöhner konnten sich mehr oder minder glücklich schätzen, wenn sie in eine Abhängigkeit gerieten, weil sie dadurch gewisse Vorteile zu erwarten hatten (siehe des Odysseus Gespräch mit dem toten Achilleus in der Unterwelt).
Weiter gab es die Handwerker für Metall und Keramik, die mangels Kundschaft kein ortsfestes Gewerbe ausübten, sondern mit Sack und Pack durch die Gegend wanderten und ihre Dienste anboten. Bis in das 20. Jh. hinein soll diese Form auf Kreta existiert haben. Händler waren für die Versorgung von Waren zuständig, die es auf regionaler oder lokaler Ebene nicht gab und kamen dadurch weit herum. Anfangs übernahmen die Phönikier diese Aufgabe und gaben dadurch wichtige Impulse für die weitere griechische Entwicklung und den kulturellen Transfer.
3. Politische Organisation
Bei der politischen Organisation handelte es sich um eine lose Form der Gemeinschaft, als deren Grundform der oikos als Dorf, aber auch als Einzelhof stand.
Zwar gab es auch Anführer, sog. basileis, als Relikte aus kriegerischen Bewegungen oder noch aus der Zeit der Landnahme. Sie waren aber keine Könige, Monarchen oder wie auch immer geartete Herrscher, sondern standen zwischen einem König und einem Häuptling. Nur im Krieg waren sie Anführer, sonst fehlte ihnen jede Vollzugsgewalt. Teilweise übernahmen sie gewisse kultische Funktion wie Gebete und Opfer für die Allgemeinheit.
Insgesamt vermittelt dieses Bild nicht den Eindruck, daß daraus eine religiös geprägte Herrschaft hätte erwachsen können.
Wer also mehr Macht wollte, mußte diese mit Gewalt erwerben (iphi anassein = mit Gewalt herrschen) und diese auch mit Autorität aufrechterhalten. Gealterte Anführer bzw. solche mit geschwundener Autorität wurden aufs Altenteil bzw. Abstellgleis geschoben, wie der Vater des Odysseus, Laertes. Macht ging dann nicht automatisch über auf die Söhne, sondern mußte von diesen erst erarbeitet werden (siehe Telemachos, der zu jung und zu wenig männlich schien). Tonangebend waren damit alle exochoi andres, die eine Konkurrenz für jeden König darstellten, der selbst nur primo inter pares gewesen wäre.
Aus "ehemaligen" exochoi erwuchs später der Rat der Alten, der anfangs allerdings noch keine Institution darstellte. Daneben war das Volk, das zwar versammelt und dessen Meinung gesucht wurde, das faktisch aber keine Macht hatte.
Ansätze zu einer Herrschaft waren höchstens in der Heeresorganisation und im Kultischen möglich gewesen. Auch in der Rechtssprechung, die damals nur als Schiedsgerichtsbarkeit ausgeprägt gewesen war und Richtern nur eine begrenzte Kompetenz gestattete, hätte man Herrschaft ausüben können. Entscheidungen des Richters waren nur insofern bindend, wenn beide Parteien sie akzeptierten, was aber nur auf freiwilliger Basis geschehen konnte. Im weiteren Verlauf bauten die Richter ihre Position weiter aus, so daß Hesiod sie als "gabenfressend" bezeichnete.
Zusammenfassend kann man sagen, daß es keine Herrschaft und/ oder staatliche Gewalt gab. Die Gemeinschaft regulierte sich selbst, wobei der Oberschicht ein großes Gewicht zukam.
4. Kann man eine Mentalität und ein Wertesystem aus den homerischen Epen herauslesen ?
Die archaische Gesellschaft prägte ein extremes Konkurrenzdenken, was man auch aus dem an der Homerstatue an der Universität angebrachten Spruch ableiten kann: "Immer der Beste sein und die anderen übertreffen". Das Zitat kommt in den Epen mehrmals vor, zweimal jedoch als Ratschlag eines Vaters an den Sohn.
BURCKHARDT sprach von einer agonalen (=wettkämpferischen) Gesellschaft.
Auch die Ehrendefinition fiel sehr streng aus. Es gab keine inneren Werte, alles richtete sich nach dem Äußeren. Mehr Schein als Sein durch Macht, Schönheit und Reichtum wurde hoch angesehen. Die Begriffe bezeichnen diese Haltung: doxa (Schein, das Äußere, das von außen Sichtbare), time (das Meßbare, Vermögen) und kleos (die Achtung bei den Zeitgenossen und den Zukünftigen).
So war u.a. eine Aufgabe der Sänger, derartigen Ruhm weiterzutransportieren. Ehre erhielt man also durch Stärke, Kraft, Siege. Basis hierfür war die Tüchtigkeit (areté). Dies bedeutete aber keine Glorifizierung der Krieges; immerhin wurde Kriegsgott Ares als größter Dummkopf unter den Göttern dargestellt. Vielmehr bestand eine latente Spannung zwischen Gewalttätigkeit und dem Zurückschrecken vor deren Anwendung.
Die ewige Konkurrenz bewirkte ein ständiges Kräftemessen, das sich im Reden, Saufen oder Singen äußerte. Die Entwicklung des wettkampfmäßig betriebenen Sports rührte aus eben dieser Mentalität.
DODDS (Irrationalität bei den Griechen) entwickelte das (fragliche) Modell von einer "shame culture" (siehe Hektor, der sich nicht vom Kampfgeschehen fernhalten wollte) und einer "guilt culture", die weniger auf eine Außenorientertheit fixiert ist, sondern auf innere Werte schaut.
Selbst die Freundschaft bzw. Feindschaft diente der Ehre. Sowohl beim Geben, als auch bei einer Schädigung kam man in Erwiderungszwang, sprich man mußte auch Rache üben können. Damit besaß das System eine Tendenz zur Selbstzerstörung, was man mit dem Begriff der "Falkengesellschaft" bezeichnen könnte.
Auch die Ehefrau diente nur der Ehre des Mannes. Freundschaft stand noch vor Liebe und sollte eine Frau mal untreu geworden sein, schädigte sie damit der Ehre des Mannes.
Um den Konflikten aus dem Weg gehen zu können, wurden vielfältige Formen der Kommunikation entwickelt, wie der Austausch, das Gespräch, Symposien...
5. Religion
Nach all dem bisher gesagten kann es kaum überraschen, daß auch die griechische Göttervorstellung von einem extremen Anthropomorphismus geprägt war.
Die Götter wurden als Menschen angesehen, die den Vorteil der Unsterblichkeit und grenzenlosen Macht besaßen. Damit wurden sie zu Herrschern (anax), die nach menschlichen Regeln handelten.
Wie die Menschen waren auch die Götter in das System der Reziprozität eingebunden. Platon kritisierte diese Form von Religion einmal als "Krämerkunst": Geb ich Dir, gibst Du mir.
Die Götter waren in eine Rangordnung eingebettet, in der jeder eine spezielle Funktion innehatte. Später ordenete man einzelne Götter verschiedenen sozialen Schichten, Berufsgruppen oder Städten zu.
Die Jenseitsvorstellungen waren von einem starken Diesseitsbezug geprägt. Der Tod ist eine ätzende Schattenexistenz in der Unterwelt ohne eigene Identität. Unsterblichkeit konnte nur im Hier und Jetzt erreicht werden.
1.5. Die Krise der archaischen Zeit
Folgen dieser Krise für die griechische Geschichte waren die Kolonisation großer Teile der Bevölkerung und mit der Ausbildung der Polis eine neue Organisation, in der die Mitbestimmung und Selbstverwaltung großer Teile der Beteiligten die griechische Demokratie abzeichnete. Diese Demokratie sollte bis in die Neuzeit Auswikungen zeigen.
Ob man allerdings für ein rund 200 Jahre dauerndes Phänomen den Begriff Krise anbringen kann, ist zweifelhaft, da eine "krisis" schon bei den Griechen eine kurzfristige Entscheidung bezeichnete. Auf alle Fälle kann man Zeichen dieser Krise in ganz Griechenland finden, die sich in ihrer Natur, ihrem Ablauf und in ihrer Lösung überall ähnlich waren.
1. Exklusivitätstendenzen und interne Differenzierung der Adligen
Im 7./ 8. Jh. bildete sich eine eindeutige Oberschicht aus, die sich nach unten aber noch nicht völlig abgeschlossen hatte. Merkmale dieses sich "in statu nascendi" befindenden Adels war ein besonderer Lebensstil, in dem Muße und Abkömmlichkeit dominierten. Ein ostentativer Konsum wurde gepflegt, der sich in einer Betonung der äußeren Schönheit und in einem gepflegten Äußeren äußerte. Dies war in einer Gesellschaft, die allgemein die äußere Erscheinung als Maß für die Ehre betrachtete nur konsequent. Ein derartiges Auftreten diente nicht zuletzt einer Zementierung und Abgrenzung des eigenen Status auch nach unten hin.
Diese Lebensart mußte auf Dauer gezeigt werden, was zu gewissen Verewigungstendenzen führte. Das Bestattungswesen wurde so ausgebaut, daß nicht nur der Akt der Bestattung selbst, sondern auch das Grabmal zu einer kostspieligen Angelegenheit wurde. Die Grabmäler wurden meist mit typifizierten Bildern oder Statuen ausgestattet, in denen die Männer in zeitloser Schönheit und unangreifbar von körperlichen Gebrechen nackt dargestellt wurden. Auch Frauen erfuhren das gleiche Schicksal, wobei sie nicht nackt dargestellt wurden, sondern zur Betonung des Reichtums mit prächtigen und wertvollen Gewändern bzw. Textilien aller Art ausgestattet wurden. Diese Verehrung ging so weit, daß man auch nicht vor religiösen Praktiken nicht Halt machte und den Göttern kostbaren Statuen in Menschenform widmete, die den Spendern verblüffend ähnlich sahen.
Trotz der Abschottung nach unten war die adelige Oberschicht in sich sehr heterogen. Hier herrschte ein ständiges Kräftemessen und Kämpfen, das auch vor den beschriebenen Maßnahmen (Statuen) nicht zurückschreckte. Um das selbstzerstörische Potential zu bremsen, das dem System innewohnte, begannen die um die Vorherrschaft kämpfenden "Hetairien" den Sport als Ausgleich zu betreiben. Dieser verlagerte die Auseinandersetzungen auf eine friedliche Ebene, da man hier nach bestimmten Regeln kämpfte. Disziplinen waren Laufen, Boxen, Scheibenwerfen (Diskos), später Fünfkampf oder die Pankratien.
Interessant ist, daß das in der Öffentlichkeit geltendeSchamgebot auf dem Sportplatz nicht galt, weshalb auch später der Begriff "Gymnasion" (Nacktplatz) geprägt wurde, als sich langsam Einrichtungen, Gebäude oder Plätze zu entwickeln begannen. Auf diesen Sportplätzen traf man sich auch weiterhin zum Gedankenaustausch oder zu Symposien.
Die Festigung des Adels wurde durch die Erblichkeit einen Schritt weitergetrieben. Man begann teilweise Aufsteiger als Neureiche zu denunzieren. Die Absicherung der adeligen Herkunft erfolgte durch die Konstruktion von Stammbäumen ("Eupatriden"=die mit guten Vätern) und der Entwicklung eines Stammesbewußtseins, das soweit ging, daß der Adel sich selbst als "agathoi" (gut) und das Volk als "kakoi" (Schlechte) betrachtete, der Begriff "daimos" für Gemeinde sogar die Konnotation Pöbel erhielt.
Voraussetzungen für eine derartige Entwicklung waren auf alle Fälle Außenkontakte durch Handelsfahrten und de Pflege von dergestalt gewonnenen Gastfreundschaften über den eigenen Familienkreis hinaus.
Hinzu kam die Akkumulation von Reichtum, die nicht mehr über eher gefährliche Beutezüge abgewickelt wurde, sondern über Landbesitz. Die Landwirtschaft hatte mit Olivenöl und Wein besonders bei den Skythen gefragte Waren, die sie gegen Gold, Sklaven und andere Güter tauschen konnte. Der zunehmende Arbeitskräftemangel und die Verschuldung zahlreicher Bauern durch die Realteilung führte zur Landabgabe an die Adligen. Konnte die Schuld auch hierdurch nicht getilgt werden, drohte im Extremfall die Sklaverei, so daß viele Bauern eigene Familienangehörige verkauften.
Durch die Instrumentalisierung von Befugnissen konnten sich die Adligen ein weiteres Zubrot verdienen, indem nämlich für die Rechtsprechung Gebühren erhoben wurden oder sie von den Resten der für kultische Zwecke gebrachten Opfertiere profitierten.
Durch diese inneren Spannungen entwickelte sich aus dem Konkurrenzkampf ein Machtkampf mit einer Tendenz zur Herrschaft, was schließlich zur Tyrannis führte.
2. Demographie und ökonomische Krisenphänomene
Die Realteilung und die Mitgift für Töchter entsprachen der Idee, allen gleiches Recht zukommen lassen zu wollen. Die Probleme, die daraus für kinderreiche Familien entstehen, beschrieb Hesiod in seinen "Werke und Tage", worin er für eine kleine Familie plädiert.
Das für das 7. und 8. Jh. vermutete beträchtliche Bevölkerungswachstum läßt sich durch die starke Kolonisation belegen, die durch begrenzte Ressourcen und Druck von oben ausgelöst worden sein dürfte.
Eine soziale Deklassierung erfolgte außerdem durch die Tendenz der Adligen, Abhängigkeiten zu schaffen, also das, was man in der Neuzeit unter "Bauernlegen" verstand. Diese ging so weit, daß Bauern in die Leibeigenschaft bzw. Sklaverei absanken.
Man kann also eine Spannung zwischen dem Konkurrenzkampf des Adels und der Unterdrückung der Bauern festhalten. Dies bedeutete jedoch nicht, daß diese sich das gefallen ließen oder sich daran gewöhnten. Verhindert wurde dies auch durch das Wissen um die Herkunft mancher Adligen aus der eigenen sozialen Schicht.
Es tauchten damit langsam Forderungen nach "Bodenreformen" bzw. Bodenneuverteilungen und Schuldenverteilungen bzw. -stundungen auf.
Es stellt sich hierbei die Frage, wer diese Forderungen hätte durchsetzen sollen. Allerdings sollte sich zeigen, daß durchaus Faktoren vorhanden gewesen waren, die vermitteln konnten.
3. Die Rolle der Gemeinschaft
Die Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft war besonders unter den Bauern durch ein starkes Solidaritätsgefühl und Solidaritätsverpflichtungen geprägt. Diese waren so stark, daß sie soziale Normen darstellten, deren Ignorierung mit Ausgrenzung oder Schandstrafen wie Ausspottung, Partialwüstung oder Ausfressen geahndet wurden.
Wie aber konnte man in dieses System den Adel miteinbeziehen ? ATKINS spricht von einem Gegenüberstehen von "cooperative values" vs. "competitive values", also von Solidarität vs. Einzelinteressen.
Eine Möglichkeit bildete die Umgestaltung des Heerwesens. Pferde wurden generell nicht eingesetzt und dienten nur als Transportmittel für die, die sie sichs leisten konnten. Die Kampfesweise war voher von einzelnen, spezialisierten Männern bestimmt, die mit dem Töten keine größeren Probleme hatten. GEHRKE meint, daß der Tötungswille nicht als Instinkt im Menschen angelegt sei, sondern erst erworben werden müsse. So konnte durchaus ein Einzelner mehrere "verängstigte" Bauern in die Flucht schlagen. Diese Form des Kämpfens änderte sich nun zugunsten der Hoplitenphalanx ("Hopla" = Waffen).
Deren Elemente werden sehr schön auf der sogenannten "Chigi-Vase" dasrgestellt. Die Soldaten waren alle mit Helm, Lanze, Beinschienen und Schild ausgerüstet. Begleitet wurden sie von Musik, die dem Rhythmus under der Anstachelung diente. Durch die Anordung der Schlachtreihe wurde jerweils der linke Nachbar vom Schild des rechten mitgeschützt. Um dem ganz rechts Stehenden eine Chance zu lassen und dem Gegner keine Eingriffsmöglichkeit in die Schildefront zu geben, wurden rechts immer die besten Kämpfer hingestellt und entwickelte die Schlachtreihe einen Rechtsdrall, der dazu benutzt wurde, in die Flanke der gegnerischen Phalanx zu stoßen.
Daraus ergaben sich gewisse politische Implikationen. Nachdem sich diese neue Kampfesweise einmal durchgesetzt hatte, verbreiterte sich die Basis der Kämpfer, da nun auch Bauer miteinbezogen werden konnten. Gleichzeitig ermöglichte dies die Übertragung des adeligen Kampfethos auf die Bauern. Insgesamt kann man von einer Stärkung des Denkens der "cooperative values" sprechen in dem Solidarität und Schulterschluß wurden auch nach oben weitergegeben wurde.
Der Dichter TYRTAIOS dichtete besonders für Kämpfe (besonderes Versmaß) und prägte den später von HORAZ übernommenen Satz, daß es süß und ehrenvoll sei, fürs Vaterland zu sterben. Damit wird erstmals das vom Vater auf die Gemeinschaft übertragene Gemeinschaftsbewußtsein deutlich.
Unmittelbar damit hängt die Idee der Mitbestimmung bzw. -beteiligung zusammen, die nicht mehr nur auf kriegerische Unternehmen beschränkt sein sollte, sondern auch für andere gesellschaftliche Formen.
Man bezeichnet die Gründe für die Entstehung dieser Idee heute als "relative Deprivation", d.h. es gab eine Gefühl der Beraubtheit oder Benachteiligung, obwohl gleiche Leistungen erbracht wurden.
Wie wurde man nun mit diesem Druck der Gemeinschaft für mehr Partizipation fertig ?
4. Neue Bewußtseinshorizonte
Im 7. und 8. Jh. lassen sich massive Veränderungen im Bewußtsein der Menschen feststellen.
BRUNO SNELL (???) stellte eine "Entdeckung des Ich" heraus, die z.B. SAPPHO zu ihrer Dichtung veranlaßte und zu einer mentalen Verarbeitung der sozialen Bedeutung der Indivdualität führte. Man glaubte nicht mehr an eine Gottgesteuertheit, sondern erkannte, daß man selbst zum Handeln in der Lage war.
Hinzu kam eine zunehmende Kenntnis der Welt, anderer Situationen, Lebnensweisen, Völker, denen man sich zu nähern versuchte.
THALES z.B. profitierte so von der Nähe der Stadt Milet zu den damaligen Hochkulturen und ihren Errungenschaften in der Mathematik und Astronomie. Neu war bei ihm, daß er seine Muße (schola) und Abkömmlichkeit nicht mehr für den Sport opferte, sondern sie in Neugier, "Wissenschaft" und Philosophie investierte. Dies brachte ihn soweit, daß er eine Sonnenfinsternis voraussagen konnte. Allerdings erkannten auch schon die frühen Philosophen, daß ihre Beschäftigung ähnlich wie der Sport keine allgemeinen Nutzen hatte. Auch in der Philosophie wurde der Konkurrenzkampf weitergeführt.
Mit der Zeit verbreitete sich der Glaube, daß man manchen dieser kundigen bzw. weisen Adligen etwas zutrauen konnte, so Probleme oder Auseinandersetzungen lösen.
ANAXIMANDER war einer der ersten, der die aus reiner Überlegung mit geometrischen Mitteln die Erde in den Mittelpunkt des Universums projizierte, dadurch auf eine einfache Geometrie brachte und mit dem Gnomon (Meßstab, eigentlich für Sonnenuhren gebraucht) die Wendekreise berechnen konnte.
PARMENIDES widersprach dem allerdings gleich und kam wiederum durch Überlegungen zu dem Schluß, daß die Erde eine Kugel sein müsse.
Es entwickelte sich hier erstmals die Wissenschaft des Erforschens, in der empirische Erfahrungen in ein logisches System integriert wurde. Die Griechen selbst nannten dies "historié", also das "Wissen wollen". ANAXIMANDER soll die erste Karte der Welt entworfen haben, die HEKATAIOS später mit konkreten Erscheinungen wie Flüssen, Gebirgen, Meeren vervollständigte. Wissenschaft wurde so eine Verbindung von Forschung und Theorie.
Obwohl aber diese Erkenntnisse und Methoden nicht für die Praxis bestimmt gewesen waren, übten sie einen so starken Einfluß auf die übrige Bevölkerung aus, daß man derartigen "Intellektuellen" die Fähigkeit zu Problemlösungen zutraute.
Die Bewältigung der Krise erfolgte damit auch mittels der griechischen Reflexion, die Erforschung und Neugier nutzte, um die Prinzipien der Welt zu erkennen und den "arche" (Anfang) zu finden, der auf der Basis von "physis" funktionierte. Anfangs versuchte man diese mit dem Medium Wasser.
5. Tyrannis und Gesetzgebung
Für die Lösung der Krise standen den Griechen zwei Möglichkeiten offen, nämlich Herrschaft oder Mitbestimmung.
Das Prinzip der Herrschaft orientierte sich am Vorbild der orientalischen Strukturen, in denen die Tendenz zum Herrschen den Konkurrenzkampf überholte. Der Begriff "Tyrannos" stammt im übrigen aus Anatolien, da die Griechen für Herrschaft keinen eigenen Terminus kannten.
Die zweite Möglichkeit bestand in einer auf Gesetzen basierenden Ordnung, für die man auf die Schrift zurückgreifen mußte, um die Gesetze zu fxieren. Diese Form der Ordnung wandte sich komplett gegen die Tyrannis und stützte sich auf breite Bevölkerungsschichten, denen Werte wie Solidarität, Kooperation oder Schulterschluß wichtig waren.
Bis zum Ende des 6. Jhs. hatte sich diese Ordnung durchgesetzt, wobei es regional graduelle Unterschiede bei der Mitbestimmung gegeben hatte. Immer aber gab es eine Ausgrenzung bestimmter Gruppen, wie Frauen, Sklaven, Fremdarbeiter. Wichtig für diese "nomokratie" (Gesetzesherrschaft) war die Idee, daß man nur die Gesetze befolgend seine Freiheit vor der Tyrannis bewahren konnte und daß dies auf freiwilliger Basis geschehen mußte.
In der älteren Tyrannis bildete der Tyrann um sich herum eine Art Hofgesellschaft aus, die sich aus Adligen zusammensetzte. Adlige waren in diesem Gemeinwesen entweder mit dem Tyrannen befreundet oder seine Feinde, woraus sich eine strukturelle Bürgerkriegssituation ergab. Basis für die Herrschaft war die Krise und die Popularität, die ein Tyrann beim Volk haben konnte, was eher die Regel als die Ausnahme war, da das Volk die Streitereien zwischen den Adligen alsbald leid war. Daß der Tyrann nicht unbedingt ein schlechter Herrscher sein mußte, belegen die Maßnahmen zur Existenzsicherung für Kleinbauern oder weitblickende Gesetzgebungen, die mancher Tyrann erließ. Dadurch, daß der Tyrann andere Leute mobilisierte, entwickelte er nach der Sicherung nach Innen Bestrebungen zur Erweiterung nach Außen und machte damit eine Außenpolitik. Polykrates von Samos z.B. (siehe auch Schillers "Ring des Polykrates") war mit einem Pharao befreundet. Innere Integration wurde besonders durch die Mobilisierung der Religion mittels Ausübung von Kulten, Opfern, Gesänge erreicht. Insgesamt entstanden auch Formen von Religionspolitik, Wirtschafts- oder Rechtspolitik.
Dennoch war der Tyrannis keine dauerhafte Existenz beschienen, da die Überdehnung der Macht mit Bestrebungen zur Selbstbestimmung zusammenfiel. Dagegen half auch nicht die Entwaffnung des Volkes und eine Monopolisierung der Macht durch den Tyrannen.
Beispiele für Tyrannen sind: Pheidon von Argos, die Kypseliden in Korinth (Kypselos, Periander), die Orthagoriden von Sikyon (Kleisthenes), die Peisistratiden von Athen (Peisistratos, Hippias, Hipparchos) oder Polykrates von Samos.
Andererseits gab es auch Tendenzen, einzelnen Personen eine befristete Macht zur Gesetzgebung zu überantworten. Es bildeten sich sogenannte "Aisymneten" heraus, Aristokraten, die "Tyrannen auf Zeit" waren. Einer der wichtigsten "nomotheten", SOLON, begründete deren Macht mit der Vereinigung von "bia" und "dike", also von Gewalt und Recht.
Andererseits konnte die Gemeinschaft aber auch selbst Gesetze nach Mehrheitsentscheidungen beschließen.
Eng mit der Gesetzgebung war die Religionspolitik verflochten. So war das Orakel von Delphi wichtig für Gesetzesbeschlüsse.
Gesetze wurden meist auf Bronze oder Stein schriftlich fixiert. Obwohl den Griechen bewußt war, daß die Gesetze anthropogenen Ursprungs waren, stellten sie sie immer auch unter göttlichen Schutz.
Das Medium der Schrift diente auch zur Bezeichnung von Gesetzen, wie z.B. als "tammagraphos" (???).
Wichtig war nun, daß durch die Fixierung der Gesetze auf haltbaren Materialien diese allen zugänglich gemacht wurden und die Gemeinschaftmitglieder durch ein einfaches Alphabet (24 Buchstaben) in die Lage versetzt wurden, diese auch verstehen zu können. Von jedem männlichen, an der politischen Mitbestimmung beteiligten Bürger wurden Lese- und Schreibkenntnisse erwartet.
Es wurde also eine einfache Form von Staatlichkeit durchgesetzt, die zwar die "bia" und "dike" beanspruchte, aber eine Mitbestimmung anbot, die allerdings nur 50-60% der Bevölkerung erreichte. Die "polis" wurde damit zur Nomokratie und zum Garanten für die Freiheit.
Besonders in Sparta war die Befolgung der Gesetze tief verwurzelt, wie der klassische Spruch "Wanderer, kommst Du nach Sparta, berichte, Du habest uns liegen sehen, wie das Gesetz es befahl !" (Zustand der Spartaner nach der Schlacht an den Thermopylen 480) oder die Verwunderung des persischen Königs Xerxes über den Widerstand der Griechen, der ihm von einem Griechen mit deren Freiheitswillen und Unwillen, sich einem Herrscher zu unterwerfen, erklärt wurden, zeigen.
6. Die Große Kolonisation
Die großen Kolonisationswellen fanden zwischen 750 und 550 v.Chr. statt, also bereits vor derm Höhepunkt der eigentlichen Krise in Griechenland, aber diese Entwicklung begleitend.
Die Kolonisation bot Möglichkeiten, Spannungen zu umgehen. Sie fand an verschiedenen Orten in utnerschiedlichen Formen Ausdruck, ist aber typisierbar.
Voraussetzungen für eine Kolonisation waren die wachsende Kenntnis der Welt sowie die zunehmende Übervölkerung der griechischen Siedlungsgebiete.
Gab es bisher nur vereinzelte Handelsstützpunkte, wurde nun eine gezielte Kolonisation in Angriff genommen. Erleichtert wurde diese durch Kenntnisse der Händler über fruchtbare Länder, die nur gering besiedelt waren. Basierend auf den Erfahrungen der euboischen Händler im Mittelmeer kolonisierte man so z.B.von Iskia aus Kyme bzw. Cumae.
Das Prinzip der Kolonisation funktionierte über ein Mutterstadt in Griechenland, in der es eine Oberschicht gab, die die Seefahrt beherrschte, und in der es Probleme gab. Kamen aus der Umgebung weitere potentielle Kolonisten hinzu, wurde das Orakel befragt. An die Spitze stellte man den Oikisten, der der eigentliche Initiator des Unternehmens war und Fähigkeiten in Organisation, Städtegründung, Vermessung usw. haben sollte oder wußte, wer das hatte. Die Kolonie war von ihrer Natur her eine auf politische Mitbestimmung angelegte Stadt, in der anfangs über Lose ("kleros") gleichgroße Landstücke zugeteilt wurden.
Auch unter den Tyrannen gab es zahlreiche Initiativen zur Kolonisation. Sie setzten allerdings eher Verwandte ein. Die Regel bildete aber die Mitbestimmung aller Kolonisten wie in der Mutterstadt.
Die Kolonisation zwang zu einem hohen Maß an Organisation, was nicht geringe Rückwirkungen auf die Mutterstadt hatte. Die "Aipokie", der Ableger bzw. die Pflanzstadt, hielt mit der "Metropolis", der Mutterstadt, enge Beziehungen in Form einer quasiverwandtschaftlichen Solidarität aufrecht, die sich in der Übernahme religiöser Beziehungen, Kulte oder Kalender äußerte.
Konsequenzen der Kolonisation waren
Mutterstadt/ Metropolis |
Kolonie/ Apoikie |
Chalkis und Eretria |
Pithekusai; Kyme, Straße von Messina, Neapolis, Dikaiarcheia (Puteoli), nördliche Ägäis (Chalkidike) |
Korinth: 1. Phase 2. Phase |
Korkyra, Syrakus Leukas, Anaktorion, Ambrakia, Poteidaia |
Megara |
Megara Hyblaia, Kalchedon, Byzantion, Herakleia am Pontos |
Milet |
Marmara-Meer, Schwarzes Meer (bes. Kyzikos, Sinope, Berezan-Olbia) |
Phokaia |
Massalia (Emporion/ Ampurias, Antipolis/ Antibes, Nikaia/ Nice) Alalia, Hyele/ Elea |
Thera |
Kyrene |
Achaia |
Kroton, Metapont |
Sparta |
P>Tarent |
Teos |
P>Abdera |
Samos |
P>Zankle/ Messana |
Zwar gab es auch Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung, im großen und ganzen blieb die Kolonisation aber friedlich. Erst später neigten manche Stämme dazu, die Griechenstädte in Besitz zu nehmen und sich hellenistisch zu gebärden.
Das Ende der Kolonisationswelle kann man mit dem Ende des Angebots an freien Siedlungsplätzen festmachen. Neue Formen wurden später z.B. vom Tyrannen Dionysos von Syrakus oder von Alexander dem Großen entwickelt.
1.6. Zwei Wege: Sparta und Athen vom 8.-6. Jh.
Beide Staaten waren dominierende Vertreter ihres Genres, von denen es zahlreiche, wenn auch nicht immer authentische Quellen gibt. Teilweise sind Überlieferungen aus anderen Poleis wie den kretischen zuverlässiger.
Sparta
Während Athen eine autochthone Gründung war, erfolgte die spartanische Landnahme relativ spät. Für das spartanische Bewußtsein war die Einwanderung allerdings sehr wichtig. Der historische Hintergrund bestand in einer dorischen Einwanderung nach Eurotas, für dessen Eroberung man rund 200 Jahre benötigte. Die ursprüngliche Bevölkerung wurde versklavt und bildete die Schicht der "Heloten". Neben diesen gab es die "Perioiken", sogenannte Umwohner, die sich aus der dorischen Bevölkerung zusammensetzte, die nicht in Sparta selbst wohnte und nicht zu den "Spartiaten" gehörte. Diese bildeten die eigentliche Herrscherschicht, waren in der Hauptsache Krieger und abkömmlich, d.h. sie pflegten eine kriegerische Lebensweise. Ihr Stützpunkt war das aus vier Dörfern zusammengesetzte Sparta, das im Grunde genommen ein perenniertes Militärlager darstellte.
Im 1. Messenischen Krieg von 740-720 begann Sparta mit der Expansion in das fruchtbare Gebiet der Messener im Südwesten des Peloponnes. Sie konnten die messenische Bevölkerung zwar helotisieren, diese haben sich aber nie vollständig ihrem Schicksal ergeben, so daß auch als eine Zeichen für die Zuspitzung der Militarisierung Spartas den Messenern jedes Jahr feierlich der Krieg erklärt wurde.
Interne Konflikte zwischen den breiteren Schichten und reicheren, dominierenden Spartanern machte im 7. Jh. neue Regelungen des Zusammenlebens notwendig. Die hierfür geeigneten Institutionen waren bereits vorhanden und bestanden aus
Im 2. Messenischen Krieg von 660-640 errangen die Spartaner durch die neue Hoplitenkampftechnik einen Sieg über aufständische Messener. Danach gab es in Sparta eine Neuordnung des Zusammenspiels der Institutionen in der sogenannten "großen Rhetra", die eine Art von Gesetz oder Schiedsspruch aus einem Oraklespruch heraus darstellte und mit der das soziopolitische Leben formalisiert wurde. Allerdings gab es keine schriftliche Fixierung der "Rhetra".
Die Gesetzliche Grundlage der politischen Organisation war die "Gerusia", die sichaus 30 Ältesten einschließlich der beiden Könige zusammensetzte. Es war festgesetzt, daß die "Gerusia" an bestimmten Tagen zusammenzukommen hatte. Ihre Beschlüsse mußten imemr der Apella vorgelegt werden, die letztendlich über eine Ratifizierung bestimmte. Eine Zusatzregelung erlaubte eine Ablehnung eines Volksbeschlusses, wenn dieser "verfassungswidrig" war. Abstimmungen in der Apella funktionierten dabei über das Lautstärkeprinzip, in dem zwei Parteien durch die Lautstärke der Zustimmung Bestimmungen beschloß.
Auch damals gab es schon Diskussionen darüber, ob die politische Organisation demokratisch war oder nicht. Tyrtaios dichtete, daß die Beschlußkraft vom Volke ausgehe, ein Prinzip der späteren griechischen Verfassungen.
Durch die politische Organisation und das Hoplitenheer galt Sparta damit als die relativ fortschrittlichste und erfolgreichste Polis.
Verschiebungen von Besitz- und Lebensverhältnissen, aber auch Bereicherungs- und Herrschaftstendenzen besonders durch die Könige machten im 6. Jh. neue Refomen nötig.
Nunmehr wurde die "agogé", die spartanische Lebensweise, fixiert und Abweichungen davon geahndet. Das Leben der Krieger wurde von Kindheit an festgeschrieben und auf eine Männergemeinschaft ("Syssitien") ausgerichtet, wozu u.a. Initationsriten hinzukamen.
Um Herrschaft durch einzelne zu verhidnern, wurden die "ephores" (Aufseher) eingerichtet. Es gab pro Jahr fünf "Ephoren", die eine Art von Zensor für den Lebenswandel darstellten und die Könige auf den Feldzügen begleiteten. Im weiteren Verlauf entwickelten sie sich zum dominierenden Organ des spartanischen Staates.
Sparta zeichnete sich durch die Bekräftigung der agogé aus und durch die Kraft, Spannungen zu ordnen und die Gemeinschaft zu stärken, nicht zuletzt durch Maßnahmen zur "Ausmerzung" individueller Bestrebungen wie Königsverurteilungen oder Exilierungen.
Spartas politische Ordnung wird auch als der "Spartanische Kosmos" (kosmos = Ordnung) bezeichnet.
Mit der weiteren Ausdehnung nach Arkadien etablierten die Spartaner ein neues System, das nicht aus einer Helotisierung, sondern aus dem Abschluß bilateraler Bündnisse zur gegenseitigen Hilfestellung bestand. Begründet wurde damit die "hegemoniale Symmachie", in der viele lokale Poleis unter einer herausragenden Macht verbündet waren. Mit dem Sieg über das konkurrierende Argos erhielten die Spartaner endgültig die Hegemonie auf dem Peloponnes. Teilweise schlossen sich Städte freiwillig dem "Peloponnesischen Bund" an, so z.B.Korinth. Sparta war damit "prostates tes Hellados", die erste Macht Griechenlands. Sie übten allerdings keine Macht oder Unterdrückung über die anderen Griechen aus, sondern übernahmen nur die Rolle der Hegemonialmacht. Die Bedeutung Spartas zeigt sich z.B. in den Anfragen nichtpeloponnesischer Städte zur Hilfe wie Athen, das den Tyrannen vertrieben haben wollte, oder kleinasiatische Städte, die sich durch Kyros bedroht fühlten. Seit dem ausgehenden 6. Jh. hatte Sparta auch den Nimbus der Unbesiegbarkeit.
Athen im 7. und 8. Jh.
Der "Putschversuch" Kylons mit dem Ziel, eine Tyrannis zu errichten, scheiterte trotz der Unterstützung durch die Adligen. Athen schlidderte damals nur knapp an einem Bürgerkrieg vorbei. Die Ereignisse dieser Zeit mußte die Zeitgenossen ziemlich stark geprägt haben, da sie danach DRAKON (um 630) mit der Entwicklung einer Gesetzgebung beauftragten. Ziele waren eine Reduzierung von Gewalt und Brutalität sowie eine Verhinderung unkontrollierter Racheausübung und die Suche nach friedlichen Konfliktlösungsmöglichkeiten ohne Ehrverlust einer der beiden beteiligten Seiten. Die Gesetzgebung DRAKONS war damit schon alles andere als "drakonisch".
Reichte vormals bereits, daß Blut geflossen war, um gemordet zu haben, unterschied man nun erstmals in verschiedene Tötungsdelikte wie "absichtsvoll getötet" und "nicht absichtsvoll getötet". Die Blutrache wurde durch einen Rechtsweg ersetzt, bei dem die gesamte Polis mit ihren Institutionen eingesetzt wurde. Allerdings beschränkte sich die Gesetzgebung nur auf das Delikt der Blutrache, die damals das relevanteste Thema darstellte. Andere drängende Probleme wurden nicht gelöst, was zu einer Zunahme der Konfliktsituationen führte. Ursache waren der bereits erwähnte Druck des Adels und von Emporkömmlingen auf verschuldete Bauern, die durch "Kredite" in eine Schuldknechtschaftsverhältnis gerieten, das über eine totale Abhängigkeit bis zur Sklaverei reichen konnte.
SOLON wurde um 600 mit einer Regelung beauftragt. Er kennzeichnete die Situation in einer seiner Elegien und beschreibt sein Konzept zu deren Lösung: Als Ursache erkannte er die ständige Bereicherung der Reichen, wodurch eine "schlummernde Zwietracht" entstand, die sich in einer "stasis" (Bürgerkrieg) entladen müsse. Die Unzufriedenheit bot damit ein großes Potential für eine Tyrannis. Die Schuld erkannte SOLON bereits bei den Menschen und der Gemeinschaft, nicht aber bei den Göttern, weshalb auch alle Beteiligten betroffen waren. Solons Programm zur Bekämpfung dieser Krise bestand darin, das Recht in Form von Gesetzen durchzusetzen, um eine "eunomia" zu erreichen, eine Art guter Ordnung mit Harmonie unter Achtung der Gesetze.
[Lit.: Solon F 3 D; Übersetzung z.B. in Stahl: Die griechische Polis. Paderborn 1989. S.83]
Solon bekam hierfür alle Vollmachten eines "nomotheten". Er übernahm DRAKONS Gesetzgebung und vereinigte "bia" und "dike", also Recht und Gewalt. Indem er versuchte, ein bürgerliches Bewußtsein bzw. eine Art von Staatsbürgerethik zu schaffen, ging er aber über einfache gesetzgebende Maßnahmen hinaus. Trotz seiner Maßnahmen kann SOLON nicht als radikaler Demokrat gelten, da er nicht alle Forderungen des Volkes, das er selbst als Gesindel betrachtete, erfüllte. So erreichte er zwar eine "Abschüttelung" der Schulden ("seisachtheia"), setzte aber keine Bodenreformen durch, die mit eine Ursache der Krise war.
Seine Gesetzgebung umfaßte alle Lebensbereiche bis in das Privatleben hinein. SOLON verbot aufwendigen, zur Schau gestellten Luxus z.B. bei Bestattungen oder Hochzeiten, aber auch den Verkauf eigener Kinder als Sklaven. Auch Rechtlose wurden nun in das Rechtssystem integriert. So konnten sich Töchter gegen den Kyrios (Herrn) wehren, wenn ein Dritter durch diesen eine Überschreitung der Gesetze erkannte. Damit kommt ein neues Element auf, nämlich das der Popularklage, die es jedem freien, erwachsenen Bürger erlaubte, Gesetzesübertreter zu verklagen. Der Bürger wurde auch durch die Geschworenengerichte ("Heliaia"=Volksgericht) stärker in das allgemeine politische Leben integriert. Der Gedanke war, dem Volk als Betroffenen einen Anteil der Rechtssprechung zukommen zu lassen, anstatt professionelle Richter einzusetzen.
Das politische Leben wurde insgesamt durch ein Zusammenspiel der verschiedenen Gremien geregelt. Es gab ein aktives Wahlrecht für alle wahlberechtigten Bürger in der Volksversammlung, in der "one man, one vote" galt. Das Archontenamt stand allerdings nur Angehörigen einer bestimmten Gruppe offen, die nicht nach Geburt oder Abstammung, sondern nach der Größe ihres Vermögens bemessen wurde. Damit war das Konzept der "Timokratie" geschaffen, einer Herrschaft der Vermögenden. Man unterschied vier Klassen:
Allerdings kann man seit der Mitte des 5. Jhs. einen wachsenden Bedeutungsverlust der Timokratie feststellen.
Für die Volksversammlung waren die rund 25-30000 männlichen, erwachsenen Bürger Attikas zugelassen, was für sinnvolle Diskussionen eher hinderlich war. Es wurde deswegen ein Gremium eingerichtet, das die Volksversammlung vorbereitete. Problematisch ist allerdings die Identifizierung dieses Gremiums. Es gab zum einen den Areiopag, in dem die alten Beamten nach Ablauf ihrer Amtszeit automatisch auf Lebenszeit eintraten. Der Areiopag besaß die Vollmacht über die Blutgerichtsbarkeit, die Sakralgerichtsbarkeit, hatte ein disziplinarisches Aufsichtsrecht über andere Beamte und wachte über die Gesetze ("nomophylakie"). Wahrscheinlich bereitete aber nicht der Areiopag die Volksversammlung vor, sondern die "boulé" (Rat), die Solon einrichten wollte, wie die Quellen belegen. Ob es nur bei einer Forderung blieb oder die boulé tatsächlich eingerichtet wurde, muß für diese Anfangsphase offenbleiben.
Um 594 (Darum umstritten) wurden die Reformen SOLONS wahrscheinlich vollendet. Er selbst legte die Befugnisse, die er als nomothet erhalten hatte, ab und verließ sogar Athen, um die Athener sich selbst zu überlassen. Er vertrat die Ansicht, daß sich jetzt erweisen mußte, ob die Athener in der Lage waren, die Krise mit Hilfe des neuen Prinzips von Gesetz und Gesetzesbefolgung zu meistern.
Also es funktionierte nicht. Auch nicht trotz der Ethisiserung der Religion, was schwierig genug gewesen sein dürfte, da Moral und griechische Götter kaum kompatibel sind. Die Idee war eine Disziplinierung der Bürger, die bei Verstößen mit einer göttlichen Gerichtsbarkeit bestraft werden konnte, die sich bis in das dritte Glied der Nachkommen fortsetzen konnte (Blutschuld, Sippenhaftung). Eine Idee, in der Einfluß des Judentums und des Orients mittelbar zum Ausdruck kommt. SOLON hatte auch durch eine Mobilisierung gegen einen gemeinsamen Feind bzw. für eine gemeinsame Sache ein gemeinschaftsstiftendes Moment eingeführt. In diesem Falle ging es um die Gewinnung der Insel Salamis für Athen, was nicht unbedingt als selbstverständlich anzusehen war, da Athen damals weder eine Hafenstadt war, noch an der Küste lag und auch sonst keine Schiffahrt betrieb.
Es scheiterte an weiteren Unruhen und der Tyrannis, die sich in Athen etabliert hatte. Ursache waren Auseinandersetzungen zwsichen drei politischen Gruppen ("staseis"), nämlich der Pediaker unter Lykurg, der die reicheren Bauern aus der Ebene ("pedion") um sich sammelte; den Paraliern unter Megakles aus der Familie der Alkmaioniden, der eher die Fischer aus der Küstenregion ("paralia") anführte; und den Diakriern ("in/ hinter den Bergen") unter Peisistratos, der besonders den Osten Attikas kontrollierte.
Alle Bezeichnungen stammten aus der Sicht Athens. Die Gruppen waren relativ lose gefügt und bildeten keine Parteien, sondern ein Konglomerat von Hetairien und Koalitionen. Die teils erbittert geführten Auseinandersetzungen wurden immer auf dem Hintergrund des Konfliktes mit Megara um die Insel Salamis geführt.
Nach zweimaliger Vertreibung setzte sich schließlich Peisistratos durch, der die Macht monopolisierte. Er arrangierte sich hierzu mit den Adligen innerhalb und außerhalb der Polis, verbündete sich mit anderen Tyrannen und erhielt eine Leibwache, die den Kern seines Erzwingungsstabes bildete und sich aus Thrakern und Skythen zusammensetzte. Peisistratos behielt die solonische Verfassung bei und erhielt wahrscheinlich Unterstützung durch die Kleinbauern, denen er den Schutz vor Leibesverpfändung garantierte. Dafür wurden die Reichen jetzt besteuert. Die Einkünfte kamen den Kleinbauern als Saatgut (Kredite) zugute, wodurch sich Peisistratos weiterer Unterstützung durch die Ärmeren sichern konnte. Er führte allerdings keine neue Schuldknechtschaft ein, sondern konnte auf die Dankbarkeit der Bauern hoffen. Eine derartige Wirtschaftspolitik wurde nur durch eine weitere Binnenkolonisierung ermöglicht, bei der man bis auf die Berghänge ging, um Landwirtschaft zu betreiben. Damit ging eine Reihe kleinbäuerlicher Existenzgründungen einher.
Auf dem Gebiet der Rechtspflege sorgte er für eine flächenmäßige Erfassung Attikas durch die Einrichtung von "Demenrichtern", also Richtern, die in die Dörfer gingen, um Recht zu sprechen. Attika war für damalige Verhältnisse bereits ein großes Gebiet, was zu Problemen bei der Erreichbarkeit und dem Einfluß Athens führte.
Eine Integration sollte durch eine zunehmende Entpolitisierung der Bürger erfolgen, indem der Tyrann die Religion mobilisierte. Peisistratos machte sich dafür quasi zum neuen Burgherren der Akropolis neben Pallas Athene, forcierte den Athenekult, ließ einen neuen Tempel bauen und richtete den Panathenäenkult mit seinen Prozessionen, Kulten, Darbietungen, Wettkämpfen (Sport, Musik, Kunst,...) und Opferschmausen ein. Diese gleichzeitige Verherrlichung von Göttin und Tyrannen wurde durch die Adligen unterstützt. Teilweise wurden auch regional beschränkte Kulte hervorgehoben, wie die Dionysosvererhung bzw. der lokale Kult des Dionysos von Eleutherai.
Hinzu kam eine aktive Außenpolitik zur Eroberung von Salamis und Kriegen in der nördlichen Ägais (Troja, Lesbos) und die Unterstützung anderer Tyrannen durch Söldner und dem Hoplitenheer. Man versuchte auch die Annexion des Apollo-Heiligtums auf der Insel Delos. Der Apollonkult wurde besonders durch die Ionier und andere "Herumwohnende" geführt, weshalb man auch von einer "Amphiktyonie" spricht (Kult der Herumwohnenden").
Dennoch mußte die Tyrannis irgendwann scheitern, da die Entwicklung in eine Sackgasse mündete. Die meisten angestrebten Ziele wurden erst nach dem Tyrannen erreicht, so die Eroberung Delos, der attische Imperialismus oder die Kulte. Aber gerade deshalb hatte er für die griechische Geschichte eine große Rolle gespielt.
Gescheitert ist die Tyrannis nach dem Mord an einem der beiden Söhne des Peisistratos, Hipparchos. Sie erhielten von ihrem Vater eine stabile Herrschaft, die nach dem Mord vom Bruder Hippias in ein Terrorregime verwandelt wurde, das gegen eine kleine Gruppe von oppositionellen Adligen vorging, an der auch die Alkmaioniden beteiligt gewesen waren.
Durch eine spartanische Intervention auf Anfrage der Opposition wurde der Tyrann 510 aus Athen vertrieben und es kam zu neuen Kämpfen zwischen Kleisthenes, der sich an den Errungenschaften der Tyrannis unter dem Schutz der solonischen Verfassung orientieren wollte, und Isagoras, der eine Organisation ins Auge faßte, die dem Adel mehr Gewicht beimaß. Kleisthenes wurde durch die Spartaner vertrieben, die Isagoras unterstützten. Daraufhin kam es zu einer Gemeinschaftsaktion der Athener zur Vertreibung der Spartaner und dem Rückruf Kleisthenes um 508.
Kleisthenes führte seinerseits Reformen durch, die auf dem Prinzip der "Isonomia", der Gleichberechtigung in bestimmten Bereichen, bestanden [siehe Schaubild]
Zuerst führte er eine Phylenreform durch, wonach die traditionellen gentilizischen Phylen mehr oder weniger bedeutungslos wurden. Diese Phylen reichten weit zurück und waren stammesmäßig organisiert. So waren z.B. die Ionier in vier Phylen nach der Abstammungsidee organisiert. Kleisthenes schaffte nun 10 völlig neue Phylen, die nach bekannten Helden benannt wurden und die ein Zusammengehörigkeitsgefühl analog zu einer Abstammungsgemeinschaft schafften. Attika wurde hierfür in drei Teile ("Trittys") zerlegt, in den Bereich der Stadt ("asty"), der Küste ("paralia") und in das Binnenland ("Mesopeia"). Durch eine derartige Zerlegung und eine gleichzeitige Vermischung der Phylen untereinander wurden Machtzusammenballungen vermieden: eine Phyle setzte sich nun aus den drei Trittys der Küste, der Stadt und des Landes zusammen. Kleisthenes schaffte damit nicht nur eine Binnengemeinschaft, sondern erreichte auch in den Verfassungsorganen eine Durchmischung der Bevölkerung.
Die "boulé", der Rat der 500, setzte sich aus 50 Vertretern je einer Phyle zusammen. Zusammengestellt wurden die Vertreter gemäß der Demengrößen in der Phyle. Der Rat beriet über alle anstehenden Fragen und war Leitungsgremium der Volksversammlungen. Beamter wurde man per Los auf ein Jahr, was man insgesamt nur zweimal im Leben werden durfte. Hierin zeigen sich auch die Maßnahmen der Isonomia, die Machtballungen verhindern sollten. Das Prinzip ermöglichte es praktisch jedem Bürger, einmal Beamter zu werden.
Die Phylenorganisation wurde ebenfalls in das Heerwesen übertragen: es gab 10 Phylenregimenter, den 10 Strategen vorstanden.
Da die boulé immer noch zu groß war, um Geschäfte führen zu können, war jeweils eine Phyle für ein zehntel des Jahres (36 bzw. 39 Tage) die geschäftsführende Prytanie. Die Phyle stellte jeden Tag einen neuen Vorsitzenden ("Epistates"). Der Rat war aber kein repräsentatives Organ und besaß keine Entscheidungsbefugnisse. Sein Zweck war lediglich die Vorberatung.
Außer den Strategen wurden fast alle Beamte per Los bestimmt, was bald dazu führte, daß sich die Macht auf das Strategenamt verlagerte.
Für ihre Demokratie hatten die Athener ein starkes Selbstbewußtsein entwickelt, was zu dem Glauben führte, allen anderen überlegen zu sein. Um 506 zeigte sich dies durch die Siege über Theben in Boiotien und Chalkis auf Euboia. HERODOT prägte erstmals den Begriff "Demokratie" und erkannte, daß diese Form der Polis durch ihre innere und äußere Einheit auch Stärkere bezwingen konnte.
2. Griechische Geschichte der Klassischen Zeit (500-336)
Der Begriff der "Klassik" entstammt der Kunstgeschichte und wurde von WINCKELMANN im 18. Jh. auf die Antike übertragen. Bereits in der Antike selbst betrachtete man die Zeit des 6. und 5. Jhs. als klassisch im Sinne von vorbildlich und normengebend.
Von der Kunstgeschichte übertrug man den Begriff auf die Literatur des 5. Jhs. was besonders die Autoren und Gestalten THUKYDIDES, HERODOT, ARISTOPHANES, SOKRATES, PLATON und ARISTOTELES umfaßte. Heute noch erscheint der Begriff in der Bezeichnung der "klassischen Archäologie" oder "klassischen Philologie".
Es stellt sich die Frage, ob die Bezeichnung der griechischen Geschichte des 6. und 5. Jhs. als "klassisches Griechenland" legitim ist.
Von den Perserkriegen ausgehend, in denen die Griechen als individuelle Stadtstaaten den Sieg über ein organisiertes Reich davontrugen, erklärten die Griechen erstmals, daß die Erzeugnisse der griechischen Kultur auf der Freiheit basierten. Auf der anderen Seite wurde bereits in der Antike die Vorherrschaft Athens als Despotie rezipiert.
Man muß wohl sagen, daß der Aufstieg und die weitere freie Entwicklung Athens nach den Kriegen enorm zugenommen hatte und einen wichtigen Nährboden für die geistige Entwicklung lieferte. Allerdings sollte man die Perserkriege weder über- noch unterschätzen.
Der Begriff des "klassischen" Griechenlandes soll im weiteren als Etikett für diese Entwicklung gebraucht werden, allerdings keine Wertungen enthalten.
2.1. Die Perserkriege (500-479)
1. Das Reich der Achämeniden als Weltreich
Bevor die Perser ein eigenes Weltreich aufbauen konnten, gab es von Kleinasien bis in den Iran mehrere Einzelreiche, die sich alle in der Tradition der altorientalischen Reiche sahen und bewußt darauf zurückbezogen: Im Assyrerreich schwang sich ein Sargon II. zum Herrscher auf, das Neubabylonische Reich bezog sich nach der Abschüttelung der Assyrer auf Hammurabi und auch in Ägypten gab es eine Renaissance der Alten Reiche. Vom 8. Jh. an entsteht das medische Reich, das mit der Zerstörung Ninives 612 und Assurs 614 das Assyrerreich beendet und zum Großreich unter Kyaxares aufsteigt. Danach gab es für rund zwei Generationen ein "Konzert der Mächte" zwischen den Saïten in Ägypten, Nebukadnezar in Babylon und den Lydern im westlichen Kleinasien, das auf einer Art wechselseitigem Respekt basierte. Der Krieg zwischen den Medern und Lydern wurde am 28.5.585 abgesagt, nachdem eine von Thales vorausgesagte Sonnenfinsternis als schlechtes Omen gewertet wurde. Der Fluß Halys bildete seitdem die Grenze zwischen beiden Reichen.
Mit dem Aufstieg der Achämeniden in Persien, das bisher ein tributpflichtiger Vasallenstaat dargestellt hatte, bekam die Entwicklung eine neue Dynamik. KYROS II. erhebt sich gegen die Meder, erobert das Reich und sieht sich nicht mehr zwingend an die Abmachungen mit den anderen Großmächten gebunden.
Auf der Seite der Lyder war zur gleichen Zeit KROISOS an die Macht gekommen, der mit seinem Herrschaftssystem einen starken Einfluß auf die Griechen ausübte, deren Kultur und Religion ihn wiederum beeindruckte. Man kann von einer Art Symbiose zwischen den Lydern und den kleinasiatischen Griechen sprechen. KROISOS galt als reichster Mann der damaligen Welt und glänzte durch zahlreiche (Weihe-)Geschenke an die Heiligtümer der Griechen darunter auch das Orakel von Delphi. Dieses weissagte ihm, daß er ein großes Reich zerstören werde, wenn er im Osten eine Expansion versuchen sollte. In gutem Glauben an seine Macht begann er Eroberungen nach dem Osten und wurde von KYROS besiegt, der 546 die Hauptstadt der Lyder zerstörte und sich die westkleinasiatischen griechischen Städte einverleibte [siehe hierzu auch das fiktive Gespräch Herodots zwischen Solon und Kroisos, dessen Erwähnung diesem dann das Leben schenken sollte].
Die Expansionen des KYROS sollten das Gleichgewicht in der Region weiter stören, als er 539 das Babylonische Reich eroberte und dadurch u.a. den Juden die Rückkehr nach Palästina ermöglichte. Um 530 stirbt KYROS, woraufhin sein Sohn KYMBYSES II. um 525 die Eroberung Ägyptens durchführt. DAREIOS wird von 521 bis 486 dessen Nachfolger und golt als Schöpfer des persischen Großreiches, da er eine Organisation in Satrapien vornimmt. Er respektiert allerdings die jeweiligen Kulte und Religionen, da aufgrund der Größe des Reiches kein zentralistischer Herrschaftsstaat ausgebildet werden konnte. Nur mit Persien selbst gab es einen zentralen Kern, das übrige Reich wurde von "Gouverneuren" in den Satrapien verwaltet, die tributpflichtig waren.
Der König wird durch die dualistische Lehre ZARATHUSTRAS zu Exponenten der göttlichen Macht. Die Lehre basiert auf dem Kampf zwischen dem guten Gott Akura Mazda und den Kräften der Finsternis. Die Religion weist dabei eine stark ethische Komponente auf, da sie den Einzelnen zur Unterstützung der guten Gottheit in die Pflicht nahm und z.B. Lügen geächtet wurden. Der wichtigste Mensch (!) im Kampf gegen die bösen Mächte war natürlich der Großkönig, was ihm einen enorme Legitimierung verschaffte, die bis in das Sassanidenreich im 3. Jh. reichen sollte.
DAREIOS ließ deshalb auch die Grenzen des Reiches erkunden, um die Grenzen der damaligen Welt zu ermitteln und weiter nach Westen zu expandieren. Der Versuch, die Skythen zu unterwerfen, bringt die Perser bis an die unterer Donau, mißlingt aber. Dennoch gibt es im 6. Jh. bereits einen Einfluß auf Thrakien und Makedonien.
2. Perser und Griechen
Für die Griechen besaßen die Perser eine eher geringe Bedeutung. Zwar wagte man nach KROISOS Tod etwas Widerstand, akzeptierte aber im großen und ganzen deren Anwesenheit, da man nicht darunter leiden mußten. Auch die Tribute und Truppenaufstellungen für die Feldzüge der Perser gegen die Skythen bzw. zum Brückenbau über die Donau stellte kein Problem dar, da die Perser nicht in die inneren Verhältnisse eingriffen, die damals von der Tyrannis geprägt waren. Die Perser ihrerseits unterließen dies, da ihnen durch die Tyrannis die Möglichkeit geboten wurde, sich ohne großen Einsatz weiter nach Westen auszudehnen. Zwischen den Persern und den Tyrannen bestanden somit gewisse (gute) Wechselbeziehungen.
Die Auseinandersetzungen zwischen Griechen und Persern begannen mit dem ehrgeizigen ARISTAGORAS von Milet, der eigentlich nur Stellvertreter für den abwesenden Tyrannen war. Er überredete die Perser in Naxos einzugreifen, wo ein Bürgerkrieg ausgebrochen war. Damals standen die Städte an der kleinasiatischen Küste in guter Beziehung zu den vorgelagerten, unabhängigen Inseln. Das von ihm erwartete leichte Eingreifen scheiterte jedoch, so daß die Perser seinen Kopf verlangten. Dies vorausahnend proklamierte ARISTAGORAS die Beseitigung der Tyrannis und die Einrichtung der Isonomia wie in Athen. Damit begann 500 der IONISCHE AUFSTAND, der bis 494 andauern sollte. Auf der Suche nach Verbündeten begab er sich nach Sparta und brachte KLEOMENES die damals einmalige Weltkarte des ANAXIMANDERS mit, die HEKATAIOS mit Inhalt gefüllt hatte (s.o.). Diese schmissen ihn jedoch hinaus, als sie von den Distanzen (90 Tagesmärsche) erfuhren. Er ging daraufhin nach Athen und appellierte an die Gemeinsamkeit aller Griechen, woraufhin Athen 20 Schiffe und Eretria 5 sendeten. Die Griechen griffen Sardeis an und eroberten es bis auf die Akropolis. Danach zogen sie zurück im Glauben, das sei es gewesen. Die Perser mobilisierten jedoch ihre Armee und Flotte und schlugen zurück. 494 wurde Milet zerstört, die Bevölkerung versklavt.
In Athen führte Phrynikos mit dem "Fall Milets" eine frühe Form der Tragödie auf, die an die Persergefahr erinnerte.
3. Perserfeldzüge unter DAREIOS
Die Perser selbst schickten 492 ihren Griechenlandexperten MARDONIS los, der ein amphibisches Unternehmen organisierte, in dem Schiffe und Landheer gemeinsam zuschlagen sollten. Gleichzeitig wurden Gesandte an alle Griechenstädte losgeschickt, die als Zeichen der Unterwerfung Wasser und Erde überbringen sollten. In Sparta und Athen wurden diese Gesandten allerdings getötet. Das ganze Unternehmen scheiterte an ungünstigen Winden am Berg Athos, wodurch die persische Flotte vernichtet wurde.
490 begann unter DATIS und ARTAPHERNES ein erneuter Anlauf mit dem Ziel, Athen zu erobern und Hippias als Tyrannen einzusetzen und Eretria zu zerstören. Eretria wurde zerstört, die Bevölkerung versklavt. Die Perser landeten darauf bei Marathon, was in Athen eine Panik auslöste. Unter dem Strategen MILTIADES wurde eine offene Feldschlacht vorbereitet, anstatt sich hinter den schlechten Stadtmauern zu verschanzen. Die Spartaner konnten aufgrund religiöser Feiern keine Hilfe leisten, einzig die Stadt Plataia schickte ein paar Soldaten. Ein relativ kleines griechisches Hoplitenheer stand damit einer persischen Übermacht (20000 ?) gegenüber und besiegte es im September 490 in der Schlacht bei Marathon.
Der berühmt gewordene Marathonläufer basiert wahrscheinlich auf einer Legende aus dem 4. Jh., da Herodot selbst keine Kenntnis von ihm besitzt. Die Legende sagt auch, daß der Hirtengott Pan einem aus Sparta zurückkehrenden Läufer seine Hilfe zugesagt hatte, woraufhin man ihm einen Kult in Athen einrichtete. Während der Schlacht hat er durch sein Schreien dann die Perser in eine "panische" Angst versetzt.
4. Der XERXES-Zug
486 stirbt DAREIOS woraufhin Ägypten abfällt. Sein Nachfolger XERXES (486-465) ist erst einmal mit dem Aufstand in Ägypten beschäftigt, bevor er sich seiner Hauptaufgabe zuwenden konnte. Laut Herodot "dröhnte ganz Asien" unter den Aufrüstungsmaßnahmen der Perser. Darunter fällt auch der Bau eines Kanals nördlich des Berg Athos zur Vermeidung einer ähnlichen Panne wie 492 und dem Aufbau einer Schiffsbrücke über die Dardanellen. 481 begann der zweite Perserzug. Symbolisch peitschten Sklaven das Meer aus, um es zu züchtigen.
In Athen bestand wenig Interesse an den persischen Vorbereitungen, da man sich eher vor Aigina fürchtete, deren Flotte zu einer Bedrohung für Athen werden konnte. Einzig THEMISTOKLES erkannte die Gefahr, schaffte es aber nicht, die Athener aufgrund der persischen Bedrohung von einem Flottenbauprogramm zu überzeugen. Dies wurde ihm erst mit Hinweisen auf Aigina bewilligt. 482/ 481 wurden rund 100 Einheiten der neuen Trieren (Dreidecker à ca. 180 Mann) gebaut, bei Beginn der persischen Offensive hatten dieAthener rund 200 Schiffe. Diese neue Bauweise ermöglichte den Widerstand gege die größeren und behäbigeren phönikischen Schiffe, die bisher das Mittelmeer beherrschten. Als 481 die Gefahr offensichtlich wurde, versammelten sich alle Griechen, um im Hellenenbund geschlossen gegen den gemeinsamen Feind vorzugehen. Erstmals wurde hier die Idee einer geschlossenen Gruppe von Griechen politisiert. Bestehende Konflikte wurden ausgesetzt oder beendet, sogar nicht direkt betroffene Griechen aus dem Westen schlossen sich an. Der "Panhellensismus" war so erfolgreich, daß sogar Athen und Aigina ihre Streitigkeiten beendeten. Allerdings wurde eine Strafe angedroht, wenn sich Stadtstaaten weigerten, mitzumachen, was als "médismos", Kollaboration und Defätismus gedeutet wurde. Besonders die Griechen, die in einer räumlichen Nähe zu den Persern wohnten, mußten auf diese Weise überzeugt werden. Hegemon für Landheer und Flotte war Sparta, wobei de facto der Befehl über die Marine bei THEMISTOKLES lag. Die Militärs erwarteten einen Angriff zu Land und auf dem Wasser. Mögliche Punkte zum Widerstand waren das Tempetal in Thessalien, die Thermopylen und die Meerenge von Korinth. Von ersterem Punkt sah man ab, da man ein zu schnelles Abfallen der Thessalier bei einem persischen Nahen befürchtete. Die Flotte wurde daraufhin am Kap Artemision auf Euboia installiert, das Heer bei den Thermopylen. Nachdem dieses dort unter LEONIDAS mehr oder weniger glorreich untergegangen war ("Wanderer, kommst Du nach Sparta, sage, Du habest uns liegen sehen, wie das Gesetz es befahl!"). Das persische Heer drang bis Mittelgriechenland vor und wurde von zahlreichen neuen Verbündeten und Überläufern begrüßt. Sogar die Priester von Delphi liefen über, weshalb man die Pythia des "médismos" bezichtigte.
Nachdem die Schlacht auf dem Meer etwas unübersichtlich geworden war, zogen sich die Griechen nach Salamis zurück. Athen war nicht mehr zu halten und auch das Orakel riet zweimal zur Flucht. Beim drittenmal empfahlen sie, "hinter hölzerne Mauern" zu gehen, was THEMISTOKLES instrumentalisierte, indem er sich auf die Flotte berief. Gleichzeitig begann ein Evakuationsprogramm nach Aigina und auf den Peloponnes, von wo man die Zerstörung Athens und den Tod der gebliebenen Hartnäckigen beobachten konnte.
In der weiteren Diskussion wurde die Idee, bis zum Isthmos von Korinth zurückzuweichen aufgegeben, da die Perser sehr leicht die Insel hätten umschiffen können. Insgesamt gab es eine starke Tendenz, Salamis aufzugeben. Eine bereits 8 Jahre nach der Schlacht aufgekommene Legende schrieb THEMISTOKLES zu, einen Boten an XERXES geschickt zu haben, der ihm zum Zuschlagen riet, da die Griechen im Begriff seien, sich aus dem Staub zu machen. Der Perserkönig selbst installierte sich auf der Insel Salamis, um einen guten Blick auf die Schlacht zu haben. Ein Teil der Flotte umschiffte die Insel, um die Griechen von zwei Seiten zu zerdrücken. Die Griechen wagten angesichts der nahenden persischen Flotte einen Angriff und zeigten sich bald mit ihren kleinen und wendigen Schiffen im unübersichtlichen Schlachtgetümmel und im engen Sund überlegen.
Nach dem Untergang seiner Flotte flüchtete XERXES Hals über Kopf, da das Gerücht aufkam, die Griechen wollten in ihrem Siegestaumel nun auch noch die Schiffsbrücke am Hellespont zerstören. Dies lag denen allerdings fern, da immer noch das persische Landheer eine Drohung darstellte.
479 wurde Athen vom in Thessalien hibernierenden MARDONIUS ein zweites Mal zerstört. Die Griechen gingen nun zu einer offensiveren Kampfweise über und siegten bei Plataiai in Boiotien in einer Landschlacht. Auch in der Seeschlacht am Mykale-Gebirge bei Milet siegte die griechische Flotte, nachdem die kleinasiatischen Griechen Appelle an die Athener zur Befreiung gerichtetet hatten. Dabei bildete sich die Vorstellung von der Freiheit und der Abschüttelung der Knechtschaft aus. Die perserfreundlichen Griechenstädte wurden nicht bestraft.
Die Perser gaben daraufhin ihre Eroberungsabsichten auf, wodurch die politische und geistige Freiheit der Griechen gerettet wurde und die weitere Entfaltung der griechischen Kultur ermöglichte.
5. Griechische Offensive und Delisch-Attische Symmachie
478 befreite man die ionischen Städte unter dem Spartaner Pausanias von den Persern, der wegen seines tyrannischen Gebärens und Beschwerden seitens der Griechen allerdings von den Ephoren zurückgepfiffen wurde. Sparta scheidet daraufhin aus dem Krieg aus und Athen wird auf Bitte der Ionier zur Schutzmacht gegen die Perser.
465 waren die Griechen am Eurymedon in Kleinasien unter KIMON erneut gegen die Perser erfolgreich und errungen einen Doppelsieg über das Heer und die Flotte.
449 gab es einen weiteren Doppelsieg über die Perser bei Salamis auf Zypern. 448 wird der "Kallias-Friede" geschlossen, von dessen Historizität man nicht sicher ausgehen kann. Auf jeden Fall gab es ein Arrangement zwischen Persern und Griechen, mit dem die athenische Herrschaft anerkannt wurde, die kleinasiatischen Griechenstädte autonom im persischen Reich blieben und ein gegenseitiger Verzicht auf Einmischung vereinbart wurde. Außerdem durften die Perser sich nicht näher als drei Tagesreisen der kleinasiatischen Küste nähern (???).
478/ 477 wurde der Attisch-Delische Seebund auf alle Ewigkeit gegründet, nachdem es zu einer Krise im Hellenbund gekommen war. Wahrscheinlich legten die kleinasiatischen Städte Athen eine Hegemonie für die Führung von Seekriegen nahe. Sparta zeigte sich einverstanden und es begann die Reorganisation. Wichtig war hierbei die Regelung der Beteiligung. Es wurde ein Kontingent der zu liefernden Schiffe durch die Bundesgenossen festgelegt, die ARISTEIDES nach der wirtschaftlichen Kraft bemaß. Alternativ konnte man auch einen finanziellen Betrag abliefern, den "phoros" (=Beitrag). Das Geld wurde durch athenische Schatzmeister (Hellenotamiai) im Apollonheiligtum auf Delos verwaltet. Damit war die Attisch-Delische Symmachie ausgebildet, was im weiteren Verlauf zur Entfremdung zwischen Sparta und Athen führte. Für die Bundesgenossen selbst bestand kaum eine Möglichkeit, aus dem Bündnis wieder herauszukommen.
Als erste Konsequenz der Perserkriege kann man damit den Aufstieg Athens zur dritten Großmacht im Mittelmeer neben Persien und Karthago festhalten.
Als zweite Konsequenz ergaben sich innenpolitische Veränderungen aufgrund des gestiegenen Selbstbewußtseins der Theten, die die Schiffe bedient hatten. Für die 200 Schiffe waren rund 40.000 Ruderer nötig, weshalb fast jeder athenische Bürger als Soldat diente. Vorher wurden die Hoplitenheere nur durch reichere Bauern gebildet. Ohne die Perserkriege ist somit eine weitere Entwicklung zur athenischen Demokratie nicht denkbar gewesen.
2.2 Die Attische Demokratie im 5. Jh.
1. Soziologische Aspekte
Wichtig für das Selbstbewußtsein war die Flotte, die ähnlich durchschlagend war wie die Hoplitenphalanx. Aufgrund der Leistungen der Polis bildete sich seitens der Bürgerschaft ein aristokratisches Selbstbewußtsein aus. Dies ging soweit, daß die Beiträge (phoroi) des Attischen Seebundes dazu benutzt wurden, die neuen Lebensweise mit einem aristokratischen Habitus zu finanzieren.
Den Adligen ermöglichte die Demokratie eine Integration, indem sie die Ämter der Strategen übernahmen und die politische Elite bildeten. Allerdings muß man sagen, daß eine Integration von unterschiedlichen Schichten der Polis ohne eine Machtentfaltung nach außen nicht mögliche gewesen wäre.
2. Verfassungsentwicklung
Man kann für den Prozess der Verfassungsentwicklung zwei Epochen festmachen. Ein Einschnitt fand 461 mit der Weiterentwicklung der Kleisthenischen Verfassung unter EPHIALTES und PERIKLES statt. Der Begriff der Demokratie für die damalige Staatsform ist für das Jahr 457 erstmals belegt und entstammt einer Tragödie. "Demokratie" wurde allerdings nur mittelbar auf die Ordnung des KLEISTHENES angewandt, wie HERODOT berichtet. Er meinte auch, daß die entscheidenden Maßnahmen unter KLEISTHENES gelegt wurden und die Entwicklung dann 461 mit PERIKLES einen Höhepunkt erreichte. In der Antike gab es mit dem Begriff der "äußersten Demokratie" eine weitere Fassung.
Ein erster Schub kam 488/ 487, was allerdings nicht unmittelbar mit Marathon und den Perserkriegen zusammenhängt. Man änderte damals die Besetzung des Archontats, indem man nach einer Vorauswahl die Bewerber auf ein Jahr ausloste. Schon damals war die Funktion des Archontats rein formeller Natur und beschränkte sich auf die Ausübung kultischer Handlungen, der Kriegführung und der Prozeßleitung. Allerdings war der Einfluß bereits in Marathon gering und übernahmen die 10 Strategen die Aufgabe der Kriegführung. Das Losverfahren diente der Beschneidung der Macht der Adligen, allerdings war der Zugang zum Strategenamt nur für Fünfhundertscheffler möglich, da sie u.a. mit ihrem Privatvermögen für mißlungene Feldzüge haften mußten, wie das Beispiel MILTIADES zeigte, dessen Sohn KIMON noch zahlen durfte.
Es zeigt aber auch die Angst von einer Machtkonzentration bei den Einzelnen und die Erfahrung der Tyrannis.
Der Ostrakismos, den es schon seit KLEISTHENES gab, spiegelt auch das Mißtrauen gegen zuviel Macht wider und bezweckte eine Erhöhung der Bürgerbeteiligung. Nach jedem Amtsjahr, das zur Sommersonnenwende begann und endete, wurde eine Versammlung einberufen, auf der bestimmt werden sollte, wer Athen zu verlassen habe. Auf eine Scherbe wurde der Name des favorierten Kandidaten geritzt. Zur Beschlußfähigkeit waren 6000 Stimmen nötig, dann entschied die einfache Mehrheit über 10 Jahre Verbannung und Verlust desAnsehens und des Vermögens. Auch der Ostrakismos diente der Neutralisation des höchsten Amtes und diente als Kontrollinstrument, um übermäßig ambitionierte Adlige/Mächtige zu drosseln. Darüberhinaus wurde esbenutzt, um den politischen Gegner auszuschalten. Dies hatte besonders starke Auswirkungen, da durch das Ausschalten eine Gegners meist auch eine bestimmte politische Linie aufgegeben wurde und sich die andere durchsetzte. Beispiele hierfür sind THEMISTOKLES, der sein Flottenbauprogramm gegen ARISTEIDES durchsetzte, später KIMON und PERIKLES oder in den 40er Jahren nochmals PERIKLES, der sich durchsetzte. Man kann das Verfahren auch als eine Art von Wahl ansehen, bei der der unbeliebte Politiker abgewählt wurde. Das Verfahren wurde bewußt politisiert bzw. mißbraucht, wie die Werkstatt belegt, in der hauptsächlich Scherben mit dem Namen des THEMISTOKLES hergestellt wurden, die man nachher unter den Interessenten verteilte. Meistens gingen die Streitigkeiten zwischen Angehörigen der Peisistratiden, die die Tyrannis wollten, und den Alkmaioniden, wie KLEISTHENES.
Die meisten Scherben, die man heute kennt, stammen aus dem Perserschutt und sind eine wichtige Quelle. Sie wurden damals archiviert, um die Legitimität der Verbannung zu dokumentieren und erhielten darüberhinaus recht aufschlußreiche Schmähungen.
461 kam es unter Wirkung der Perserkriege zu politischen Kämpfen, als KIMON, der enge Beziehungen zu Sparta hatte, den Prozess der Vorantreibung der Demokratie nicht weiterverfolgen wollte. Er stütze sich dabei auf den Areiopag, der damals noch die Gewalt über die Blutsgerichtsbarkeit, die Beamtenkontrolle und die Nomophylakie (=Normenkontrolle) innehatte. EPHIALTES setzte sich ihm entgegen und entmachtete den Areiopag. Er wurde bald darauf ermordet, woraufhin PERIKLES sein Werk fortsetzte. Gleichzeitig begann sich der Dualismus zwischen Sparta und Athen zu verschärfen.
Die Kontrolle über die Beamten und die Nomophylakie ging direkt auf den daimos in Form der boulé (Rat) und der ekklesia (Volksversammlung) über. Das Volk bestimmte nun, ob Beschlüsse mit bestehenden Gesetzen in Einklang standen. HERODOT sagte hierzu, daß der daimos der Herr über alles sei. Alledings gab es keine Trennung zwischen Legislative und Exekutive, was das ganze System nicht zu einer Demokratie im heutigen Wortgebrauch machte, sondern zu einer echten "Volksherrschaft".
In den 450er Jahren gab es unter PERIKLES Reformen, die die Einführung von Diäten vorsahen, um die Bedeutung der unteren Schichten zu stärken. Politik sollte nun nicht mehr der "leisure class" möglich sein, sondern allen. Der "misthós" (=Lohn, Besoldung) wurde für bestimmte Ämter eingerichtet, und zwar für die 500 Ratsherren und für die 6000 Geschworenen bzw. Richter. ARISTOPHANES machte sich in seiner Komödie "Die Wespen" über diese Besoldung lustig. Die Bezahlung war allerdings bescheiden und orientierte sich an den gängigen Minimaleinkommen. Die Richter erhielten rund 3 Obolen, was dem Tageslohn eines Hilfsarbeiters entsprach, die Ratsherren erhielten 5 Obolen, dem Tageslohn eines gelernten Arbeiters.
Außerdem wurden die Zeugiten zum Archontat zugelassen und ein Bastardgesetz eingeführt. Dies verschärfte die bestehende, eher laxe Regelung, in der athenischer Bürger war, der einen griechischen Vater aufweisen konnte. Nun mußten beide Elternteile athenische Bürger sein. Die Motive für diese Neuregelung liegen weitgehend im Dunkeln. Es bieten sich zwei Erklärungsansätze an:
1. PERIKLES beabsichtigte eine Reduzierung des aristokratischen Gegnerkreises, die sich oftmals auswärtige Frauen leisteten.
2. Die Besonderheit des athenischen Bürgerrechts, das mit besonderen Privilegien wie den Diäten verbunden war, sollte hervorgehoben werden.
3. Prinzipien
Hierzu zählt die Herrschaft der Gesetze als Garant der Freiheit. Um die Herrschaft der Gesetze zu ermöglichen, benötigte man aber die Souveränität des demos. Die Idee war tief verankert, daß der demos durch Maßnahmen, wie dem "graphé paranómon" die Gesetze zu schützen in der Lage war.
ARISTOTELES kritisierte allerdings, daß die Herrschaft die gesetzmäßigkeit zerstört.
Die radikale Betonung der Gleichheit diente der Vorbeugung gegen zuviel Einzelmacht, die die Freiheit gefährdete; zudem war die Tyrannisgefahr immer virulent. Man versuchte dies durch das Losverfahren, Diäten, die die Bedeutung des Reichtums reduzierten, und den Ostrakismos.
Die zeitgenössische Kritik bemängelte allerdings schon früh, daß die Gleichheit ein bedenkliches Phänomen sei, da für die Politik die Kennerschaft wichtiger ist. Außerdem würden Rangordnungen nicht mehr berücksichtigt. Man begegnete dem, indem man in der Theorie zwischen der arithmetischen und der geometrischen Gleichheit unterschied. Die Idee war wohl stark von der Schule der Pyhtagoräer beeinflußt.
Diese Prinzipien hatten entsprechende Auswirkungen auf die politische Praxis.
4. Konsequenzen in der politischen Praxis
Man stellt sich unweigerlich die Frage, wie denn eine Verfassung funktionieren könne, die auf die restlose Ausschaltung der Macht ausgelegt ist.
Dem ist zu entgegnen, daß dies wohl nie ganz möglich war, weshalb man sich jetzt zu fragen hat, worin sich denn diese Macht geäußert hatte.
THUKYDIDES schrieb in einer Abhandlung über die Bedeutung des PERIKLES für die Demokratie, daß es sich nur dem Namen nach um eine Demokratie handelte, in Wirklichkeit aber die Herrschaft des ersten Mannes war.
Unter PERIKLES war man sich damals schon bewußt, daß er es eigentlich war, der im Hintergrund die Fäden sponn. Er selbst tat auch alles, um nicht allzu präsent in der Öffentlichkeit zu wirken. Die Zeitgenossen nannten ihn deshalb den "Olympier", er wurde in den Komödien kritisiert, was auch im politischen Kampf gegen ihn benutzt wurde.
Das Prinzip dahinter läßt sich am besten mit "Demagogie und Initiative" beschreiben. [s. Aufsatz zum Funktionieren des politischen Alltags in: Jones, A.H.M. (Hrsg.): The Athenian Democracy).
Der Ablauf eines jeden Tages sah so aus, daß die Tagesordnung durch die boulé in sogenannten "probuleuma" fixiert wurde und dann durch alle Bürger auf dem Pnyx diskutiert werden konnte. Es konnten allerdings auch Zusatzanträge gestellt werden, was einen Unterschied zu Rom darstellte, wo die Volksversammlung nur diskutierte, was der Senat zur Diskussion freigab. Es zeigt sich auch hierin der Ausdruck der Herrschaft des Volkes.
Da nicht alle reden konnte oder wollten, bildete sich langsam eine "political class" aus, die meist aus Reichen bestand. Sie nutzten ihren Einfluß auf andere und wurden als "Demagogen" bezeichnet, was damals eher soviel wie "Spitzenpolitiker" bezeichnete und keiner negative Konnotation hatte. Sie waren de facto ohne Amt und haben sich permanent durchsetzen müssen. Daraus entwickelte sich die Tendenz, sich eine Position innerhalb der Verfassung zu schaffen.
Es ergaben sich daraus vier Konsequenzen.
Die Verbesserung der rhetorischen Fähigkeiten ließ Sprachschulen aus dem Boden schießen, die eine zweckgebundene Rhetorik lehrten. Besonders die Sophisten zeichneten sich darin starkaus. SOKRATES und PLATON sollten diese bald kritisieren wenn nicht bekämpfen, da ihnen die zweckgebundene Rhetorik nur als ein Mittel zur Machtergreifung ohne Moral erschien.
PROTAGORAS verfaßte eine Schrift, deren Titel "Über die Wahrheit - Aufs Kreuz legen" lautete. Der Untertitel kommt eigentlich aus dem Sprachgebrauch des Ringens und bezeichnet bereits die Stoßrichtung. Der Grundsatz der Rhetoriker lautete, die schwächere Sache zur stärkeren zu machen, egal wie moralisch oder umoralisch sie war (Anm. Gehrke: Heute noch in der Rechtssprechung zu finden; siehe Verhalten Anwalt-Klient). Die Idee, durch Reden zu täuschen, war selbst nicht anrüchig. Wichtig war die Überzeugung bzw. das Reden (peithó). Einer der bekanntesten Rhetoriker seiner Zeit, GORGIAS, sagte einmal, daß Überzeugen durch Reden wie Zwang sei. Er schrieb eine Verteidigungsrede für Hellena, die nicht besonders populär war, da sie den Trojanischen Krieg mit entfacht und deswegen eine schlechte Presse hatte.
Das Streben nach dem Strategenamt als dem einzigen Wahlamt war die einzige Möglichkeit, innerhalb der Verfassung eine einflußreiche Stellung zu bekommen, wie PERIKLES lange Zeit bewies. Die Alternativen bestanden darin, Ratsherr zu werden, allerdings war man da dem Zufall überlassen, dies nur für ein Jahr und durfte es nur zweimal im Leben werden. Der Stratege besaß Rede- und Antragsrecht in der boulé.
Der letzte Punkt betraf den Ausbau der Justiz. Insgesamt gab es 6000 Laienrichter aus den 10 Phylen. Juristen wurden aufgrund der starken Einbindung der Justiz in die Politik nicht benötigt. Deshalb gab es aber auch eine starke Prozesstätigkeit, weil eigentlich politische Probleme, die im Rat hätten beraten werden sollen, vor die Gerichte gebracht wurden. Die Volksversammlung konnte wesentliche Prozesse aber auch selbst entscheiden.
Die Losung der jeweils 600 Richter für anstehende Prozesse geschah teilweise über Losmaschinen und wurde täglich durchgeführt. Es sollte damit die Bestechlichkeit ausgeschaltet und dem Gleichheitsprinzip Rechnung getragen werden.
Eine Möglichkeit, über Prozesse Einfluß zu nehmen, bestand in dem Klageweg der "graphé paranómon". Man konnte damit Beschlüsse, die gerade in der Volksversammlung beschlossen werden sollten, aussetzen und vor die Gerichte bringen, wenn man der Ansicht war, daß sie gegen gültiges Recht verstießen. Der Kläger war dann allerdings verpflichtet, innerhalb einer bestimmten Frist diesen Verstoß nachzuweisen (suspensives Veto, siehe USA). Wurde dies nicht getan, erhielt er eine Strafe auferlegt und der Beschluß war rechtskräftig. Wenn er den Weg der Klage ging, entschieden Kläger und Ankläger in einem Prozeß, in dem rechtliche und besonders rhetorische Argumente eingesetzt wurden.
Um einen Mißbrauch dieses Instrumentes zu vermeiden wurden jeweils die Stimmen gezählt, die für oder gegen den Antrag waren. Erhielt man nicht über 26% Zustimmung, ging man ins Exil.
Es gab auch Klagen wegen der Einbringung eines ungeeigneten Gesetzes.
Eine letzte Konsequenz bestand in der Abgrenzung der Polis als Gemeinschaft nach außen. Die innere Eintracht konnte nur mit einer rigiden Abgrenzung nach außen erfolgen, was sich in einer "imperialistischen" Politik äußerte. Und es wurden auch im Inneren Gruppen ausgeschlossen, wie Frauen oder Ausländer (Metöken). Nach außen zeigte sich die Demokratie also aggressiv, in Inneren waren rund 90% der Bevölkerung von ihr ausgeschlossen.
2.3. Der athenische Imperialismus und der Peloponnesische Krieg (478-404)
Im 5. Jh. waren die beiden dominierenden Themen in Griechenland der Expansionismus und Imperialismus Athens und der aufkeimende Konflikt mit Sparta.
1. Der Ausbau des Seebundes
478 wurde der Attisch-delische Seebund innerhalb des Hellenenbundes gegründet. Die unter persischem Einfluß stehenden Staaten konnten beitreten, verpflichteten sich aber zur Herresleistung bzw. alternativ zur Zahlung eines "phoros" (Beitrag).Verwaltet wurde die Bundeskasse durch die Hellenotamiai, die meist athenische Beamte waren, im Apollonheiligtum auf Delos. Athen baute den Bund konsequent zum Herrschaftsinstrument unter seiner Regie aus, indem es die militärische und finanzielle Verwaltung an sich band. Athen bestimmte die Kriegführung und stellte die Schiffe. Seit den 70er/60er Jahren konnten die Bundesgenossen nicht mehr aus dem Bündnis austreten. Versuche wurden von Athen meist gewaltsam beendet wie die Beispiele Karisnatos (???) und Naxos zeigen.
461 fand in Athen eine Wende in der Demokratie statt, als KIMON ostrakisiert wurde. Dies stellte einen dezidierten Bruch in den Beziehungen zwischen Sparta und Athen dar, die KIMON gepflegt hatte. Athen verbündete sich daraufhin mit Spartas Erzfeind Argos, worauf bald der Krieg zwischen dem Attisch-delischen Seebund und dem Peloponnesischen Bund folgte. Als Ursachen für diesen Krieg kann man das Streben Athens nach der Hegemonie in Griechenland und der Unterwerfung des Persischen Weltreiches sehen. Athen war damit auch genötigt, einen Zweifrontenkrieg zu führen.
Im Grunde gab es keine wirklichen Differenzen zwischen Sparta und Athen. Der Anlaß des Krieges waren dieVersuche Athens, verschiednene Punkte im Korinthischen Golf zu kontrollieren und die Kontrolle über Boiotien und Theben zu erlangen. Sparta beschützte anfangs noch passiv seine Verbündeten.
Athen unterstütze auch in Ägypten einen Aufstand und schickte ein Expeditionsheer ins Nildelta, wo es eine herbe Niederlage erfuhr. Mit der Schlacht bei Salamis bei Zypern 451 war in etwa ein Gleichgewicht erreicht. 449/448 wurde der historisch ungesichtere "Kalliasfrieden" geschlossen, in dem die Perser Athens Herrschaft akzeptiertenn und sich verpflichteten, nicht näher als drei Tagesreisen an das Mittelmeer zu gehen.
446 schlossen Sparta und Athen den 30-jährigen Frieden, der die Anerkennung des Attisch-delischen Seebundes und mit dem Verzichts Athens auf die Vorherrschaft in Mittelgriechenlanf die Festschreibung des Status quo vorsah. Der Friede hielt zum Schluß immerhin 15 Jahre. Es war auch die Zeit, in der sich die Demokratie in Athen unter PERIKLES stark veränderte.
2. Der Seebund als athenisches Herrschaftsinstrument
Um 454 wurde die Bundeskasse von Delos nach Athen gebracht mit der Begründung, daß die Insel wegen der Perserkriege nicht mehr sicher wäre. Athen mißbrauchte die Beiträge schon früh, was von dem Politiker THUKYDIDES (¹ Geschichtsschreiber) kritisiert wurde. PERIKLES setzte allerdings seine Haltung durch udnd ließ zu, daß die Athener sich auf Kosten der Bündnispartner ein schönes Leben machten. Man muß aber auch sehen, daß die benötigten Finanzen insgesamt die Einkünfte durch die phoroi überstiegen und Athen viel zugeschossen hatte, was den Athenern wahrscheinlich nie bewußt gewesen war. Athen fühlte sich als Herrscher und war sich klar darüber, daß es die anderen ausnutzte.Athen sorgte aber auch für Vereinheitichungstendenzen, indem es eine gleiche Münze durchsetzte, Prozesse in Athen austragen ließ usw.
Der politische Interverntionismus Athens bestand in einer Durchsetzung des eigenen Systems, in dem überall athenfreundliche Politiker eingesetzt wurden. Man kann insgesamt eine Unterhöhlung des Völkerbündnisse festestellen und ein Wandel hin zu einem Staatsbündnis. Der sechzigste Teil des Beitrages ging in das Athenaheiligtu auf die Akropolis in Athen, wo auch Quader standen, mit denen seit 450/449 die Tribute in Form von Tributquotenlisten festgehalten wurden. Später wurde dann nach Bezirken verwaltet. Mit dieser Form der Verwaltung ging auch ein stark repräsentativer Aspekt einher. Unter PERIKLES wurde die Akropolis neugestaltet, Stelen aufgestellt, Kulte eingeführt bzw. "globalisiert". Auf den Dyonisien wurden z.B. die Geldsäcke mit dem Geld aus der Bundeskasse gezeigt, die Propyläen und er Parthenontempel wurde aus den Beiträgen mitfinanziert und dienten zur Demonstration der Macht Athens.
Die anderen sahen darin ein Zeichen massiver Unterdrückung. Seit den Perserkriegen hatte sich eine Freiheitsideal ausgebildet, das eine Herrschaft Athens nur als Tyrannis ansehen konnte. In den 30er Jahren wurde darüber aber auch in Athen öffentlich diskutiert. THUKYIDES rechtfertigte das Handeln Athens mit der Aussage, daß wer die Macht hat, herrscht. Weniger mächtige werden beherrscht und Gleichstarke werden bekämpft. Diese Idee wurde von den Sophisten entwickelt, die das Streben nach Macht als eine dominierende Komponente der Politik ansahen. Dadurch mußte die Herrschaft auf die Außenpolitik ausgeweitet und das Konzept der Autonomie (eleutheria) als die Übertragung des antityrannischen Freiheitskonzetes auf die Außenpolitik durchgeführt werden.
Die Debatte spitzte sich immer weiter zu und der Widerwille steigerte sich. Seit 446 rüstete Athen weiter auf und sicherte sich immer mehr ab. Die Stadtbefestigungen wurden ausgebaut, die "Langen Mauern" nach Piräus errichtet, so daß Athen zum Schluß als vom Lande uneinnehmbar galt. Eine Aushungerung der Stadt war nicht möglich, solange Athen die Seeherrschaft aufrecherthalten konnte. Kollaborationen mit einem Feind konnte aufgrund der starken Integration der Bevölkerung als wenig wahrscheinlich angesehen werden.
3. Der Peloponnesische Krieg (431-404)
THUKYDIDES erkannte schon, daß der Konflikt durch PERIKLES forciert wurde. Er unterschied erstmals nach Ursachen und Anlässen. Als Anlaß zum Krieg sah er den Konflikt zwischen Korinth und Korkyra (Korfu), das von Athen unterstützt wurde und den Krieg mit Korinth forcierte. Die Spartaner konnten durch Korinth zum Krieg bewegt werden, obwohl sie eigentlich nicht wollten. Als Athen einen Boykott Megaras begannen, stellte Sparta 431 ein Ultimatum, in dem die Beendigung des Boykotts und die Autonomie für alle Seebundsmitglieder gefordert wurden.
Es entwickelte sich im folgenden eine Art "griechischer Weltkrieg", dessen eigentliche Ursachen nach THUKYDIDES die Angst vor zu großer Macht des anderen war, wie die moralischen Deformationen und der wirkliche Verlauf des Krieges im Vergleich zum geplanten beweisen könnten.
Kurze Verlaufsskizze:
PERIKLES wollte keinen Landkrieg anfangen, so daß die Spartaner mit wiederkehrender Regelmäßigkeit in Attika einfielen und das Land verwüsteten. Aufgrund der gestiegenen Bevölkerung in Athen brach eine Seuche aus, die man PERIKLES in einem Prouzeß anzulasten versuchte. Er wurde jedoch rehabilitiert und blieb an der Macht bis zu seinem Tod 429. Insgesamt verfolgte er eine eher defensive Strategie. Die Athener landeten auf der Perloponnes und intervenierten in lokalen Konflikten. Das entscheidende Ereignis war jedoch die Gefangennahme von mehreren 100 Spartiaten, die als Expeditionsheer auf eine Insel vor der Küste des südwestlichen Peloponnes geschickt worden waren und die Konflikte mit den Messenern ausnutzten. (???). Die Griechen setzten sie jedoch fest, indem sie den Zugang zur Insel mit ihrer Marine dicht machten. KLEON ließ sie festnehmen und im Triumphzug durch Athen führen. Sparta bot daraufhin den Frieden zu athenischen Bedingungen an, was jedoch abegelehnt wurde und zu einer machtpolitischen Zuspitzung führte.
Da ein Angreifen Athens sowohl zu Lande als auch zu Wasser nicht möglich war, griff BRASIDES die Seebundstaaten über den Landweg an, um Athen von der Versorgung abzutrennen. 423 kam es zu einer Schacht, 421 zum Nikiasfrieden, in dem der Status quo ante festgehalten wurde.
Dies war aber eine fauler Friede (???). Einige abgefallene Bundesgenossen bildeten einen Sonderbund und führten von 421-415 den "Sonderbundskrieg". In Athen wurde nun eine aktive Expansionspolitik betrieben, wohingegen Sparta als machtpolitischer Faktor an den Rande trat. 415/414 fand die Sizilische Expedition statt, die in einer ziemlichen Katastrophe endete (siehe ARISTOPHANES, Die Vögel). Dennoch machte Athen weiter.
413-304 fand der Ionisch-dekeleische Krieg statt, der wieder gegen Sparta gerichtet war. Diese wurden jedoch von den Persern unterstützt, mußten dafür aber im Falle einer Niederlage Athens Kleinasien an die Perser abtreten. Mit diesem Geheimvertrag wären die Zuastände von 480 wiederhergestellt worden. 405 gab es eine entscheidende Schlacht in der nördlichen Ägäis, bei der die athenische Flotte unter Lysander besiegt wurde. 404 wurde Piräus abgeriegelt und Athen kapitulierte.
4. Die Folgen
Die Friedensbedingungen bestanden in der Auflösung des Seebundes, die Autonomie für alle Stadtstaaten, Athen mußte Mitglied im Peloponnesischen Bund werden, die Demokratie sollte abgeschafft werden. Seit 415/ 414 hatte es bereits Versuche zur Errichtung einer Oligarchie gegeben. Aus einer Kommission von 30 Leuten, die eigentlich die Änderung der Verfassung zur Aufgabe hatten, entwickelte sich eine oligarchische Junta ("Dreißig Tyrannen"), gegen die allerdings Widerstand aufkam. Es bildeten sich zwei Parteien in Athen aus: die eine umfaßte die Oligarchen und Demokraten, die den eleusischen Sonderstaat bevorzugten, die andere Partei bestand aus den alten Demokraten (???).
403 wurde die Demokratie restauriert und eine Amnestie für die Abkömmlige beschlossen. Lediglich direkt an der Junta Beteiligte wurden verfolgt. Wahrscheinlich versuchte man sich in Ersatzhandlungen Luft zu machen wie z.B. im Sokratesprozeß.
Die Folgen für die Jahrzehnte danach wurden besonders deutlich in der Abtretung griechischer Städte an die Perser, was aber wegen einer Krise im Perserreich nicht sofort erfolgte.
Die Krise bestand darin, daß sich Kyros gegen Artaxerxes durchsetzen wollte und dafür auch griechische Söldner einsetzte. Er besiegte das persische Großreich in einer Schlacht am Euphrat wo er allerdings auch starb (Siehe XENOPHON, Anabasis).
Es kam zu einem Konflikt zwischen Sparta und den Persern, die im Korinthischen Krieg (395-287) gipfelte, einer Serie von Kriegen, bei der die Perser den athenischen Feldherren Konon unterstützten. 394 wurde die spartanische Flotte besiegt, die Mauern in Athen wiederaufgebaut und ein neuer Anlauf in der Machtpolitik unternommen. 387 wurde der Königsfriede in Susa geschlossen, der den eigentlichen Abschluß des Peloponnesischen Krieges darstellte. Geregelt wurde die Abtretung griechischer Städte in Kleinasien an die Perser und die Autonomie der übrigen Griechenstädte unter spartanischer Aufsicht.
Man kann schließlich eine Dominanz Spartas und der Perser feststellen. Sparta löst außerdem Machtballungen auf und es kommt erstmalig ein neuer Typus von Frieden auf, der als allgemeiner Frieden (koiné eirene) bezeichnet wurde.
2.4. Griechische Geschichte im 4. Jh.: Zwischen Krieg und Frieden (404-336)
1. Hegemonie und Konzept des Allgemeinen Friedens
Frieden begann sich langsam als eine Sehnsucht breitzumachen. Das Konzept war die Koiné eirene, der allgemeine Frieden, der alle Griechen miteinbeziehen sollte. Es stellte sich allerdings bald die Frage, wer ihn denn durchsetzen sollte. Sparta fiel irgendwann weg, weil es eigene Interessen verfolgte.
378 wurde der 2. Attische Seebund unter Athen gegründet. Er wandte sich gegen Sparta und setzte sich für die Autonomie der Bündnerstädte ein.
371 wurde der Landfriede zwischen Sparta und Athen geschlossen. Im gleichen Jahr gab es einen Krieg zwischen Sparta und Theben. In der Schlacht bei Leuktra wurde das spartanische Heer unter EPAMEINONDAS und seiner Taktik der schiefen Schlachtordnung besiegt. Nach 300 Jahren spartanischer Herrschaft wurde Sparta nun zur Mittelmacht und fiel in sich zusammen, als auch die Messener einen eigenen Stat gründeten.
Mit der Schlacht bei Mantineia 362 wurde die thebanische Herrschaft durch ein spartanisch-athenisches Heer beendet. Zwar gab es nur ein Unentschieden (Sieg Thebens über die anderen ???), doch starb EPAMEINONDAS. Es wurde ein allgemeiner Friede geschlossen, allerdings keine Lösung der Machtfrage gefunden. XENOPHON spricht in seiner Hellenika über eine Ahisia, etwa eine Entscheidungslosigkeit, die in einem Machtvakuum endete.
2. Der Aufstieg Makedoniens
Zwar gehörten die Makedonen auch zur griechischen Zivilisation, sprachen einen griechischen Dialekt, glaubten an die griechische Götterwelt und hatten ähnliche Sitten und Gebräuche; sie wurden aber als Barbaren anerkannt, da sie eine eigene Entwicklung durchgemacht hatten, die nicht zur Demokratie und Polis führte. Sie waren eher noch im "homerischen Zustand" steckengeblieben,wurden aber von den Illyrern und Thrakern unterschieden. Die übrigen Griechen betrachteten sie wohl eher als eine Art "nächste Fremde", also eher als Vettern, denn als Brüder.
De Makedonen besaßen eine ausgeprägte Monarchie, die einen König als Zentrum der Staatlichkeit besaß. Die Ansprüche auf die Königswürde lag lange Zeit bei dem Geschlecht der Aigeaden. Es gab kein Erstgeburtsrecht, alle Nachfolger waren gleichberechtigt und konkurrierten um die Macht. Polygamie vergrößerte darüberhinaus die Rivalität. Insgesamt kann man die Geschichte Makedoniens nach innen auf die Kämpfe um die Macht, nach außen auf die Kämpfe gegen die Illyrer und Thraker beschränken. Im 6./5.Jh. lehnten sie sich stärker an die Perser an und bekamen einige Probleme mit dem Entstehend des athenisch-spartanischen Dualismus.
Unter ARCHELAOS (???) gab es einen ersten Aufstieg, indem das Land durch den Ausbau der Infrastruktur gestärkt wurde, was primär der Sicherung der Herrschaft zugute kam. In Pella (???) wurde ein neues Machtzentrum komplett neu geschaffen. Durch die thebanische Besetzug gab es bis 362 eine Krise in Makedonien. 359 starb der König und hinterließ den späteren Philipp II. (359-336), der eine Wende einleitete, durch die Makedonien zur griechischen Großmacht aufstieg und gleichberechtigt neben Theben zu stehen kam. Wichtig waren die Maßnahmen, mit denen er seine Herrschaft stabilisierte:
Außenpolitisch nutzte er die Streitigkeiten zwischen den Stadtstaaten aus und führte zahlreiche "Heilige Kriege" (356-346, 340-338). Er benutzte wechselnde Koalitionen, spielte die Gegner gegeneinander aus und konnte sein Reich bis zur Donau ausweiten. 340 gelangte er bis an die Meeresenge bei Byzanz, was zum 4. Heiligen Krieg mit Athen führte, die um ihre Getreideversorgung bangten. DEMOSTHENES bringt den Hellenenbund gegen Philipp II. auf, sogar die Thebaner schlossen sich an. 338 fand die Schlacht bei Chaironeia statt, in der der Sieg über die Griechen durch die Kavallerie entschieden wurde. Makedonien besaß nun die Kontrolle über Griechenland, das sich mit dem Gedanken an einen einzelnen Herrscher nicht anfreunden konnte. Philipp machte eine geschickte Politik, indem er die Zustimmung einzelner Politiker errang und die Idee der koiné eirene wiederaufnahm: unter makedonischer Hegemonie sollte gemeinsam gegen Friedensstörer vorgegangen werden. 338/337 entstand daraus der Korinthische Bund, der für die Athener das Ende der Freiheit bedeutete und den Abstieg in die Sklaverei. Als gemeinsamer Feind wurden die Perser ausgemacht und 337 ein Krieg gegen die Perser durch den Bund beschlossen.
Heute setzt man hier den Beginn der Epoche des Hellenismus.
Nach DROYSEN war der Hellenismus die Synthese aller möglichen Einflüsse aus dem Orient und Okzident nach hegelianischer Manier.
Heute beschreibt der Hellenismus eher die Expansion der griechischen Zivilisation in Form einer Überlagerung. Sie bildete den Rahmen für Verweigerungs-, Assimilierungs- und Identifizierungsprozesse, aus denen eine Akkulturation entsprang. Schließlich hatte man die Idee einer gemeinsamen Zivilisation und lebte in einer freundlichen Koexistenz.
Der Hellenismus war nicht einheitlich, sondern buntscheckig, besaß aber immer eine gemeinsame Grundierung.
Als Voraussetzungen für die Expansion sind zu nennen:
Deshalb kann der Anfang des Hellenismus erst mit 333 und Alexander angesetzt werden.
Das Ende ist wesentlich problematischer zu datieren. Unter politischen Gesichtspunkten war es der 1.8.30, als Octavian Alexandria eroberte und KLEOPATRA VII. als letzte Ptolemäerin starb.
Allerdings setzten sich die Prozesse weiter fort und greifen teilweise erst nach der römischen Kaiserzeit richtig. Das römische Kaiserreich war immer auch ein griechisch-römisches Reich, in dem als Amtssprachen Griechisch und Latein gleichberechtigt gesprochen wurden. Rom trat im Grunde genommen in die Tradition der hellenistischen Herrscher.
Vielleicht kann man das Ende deshalb auch bis in das 7. Jh. verlegen, als sich der Islam durchzusetzen begann.
3. Griechische Geschichte im Zeitalter des Hellenismus (336-30v.Chr.)
3.1. Die Makedonen und Alexander der Große (336-323)
Alexander zeichnete sich durch eine grandioses Macht- und Ruhmstreben aus, was von seiner starken Beeinflussung durch die homerische Geschichte herrührte. Er lebte quasi wie Homers Helden und fühlte sich selbst als Herakles Nachfolger. Als Konkurrenten betrachtete er nicht DAREIOS III., sondern die Helden des Epos. Wichtig für eine Einordnung ALEXANDERS war sein "pothos", seine Sehnsucht oder Leidenschaft, es den Ahnen gleichzumachen und die Welt zu gewinnen. Im Vergleich zu seinen Zeitgenossen ging er über alle andere hinaus und selbst PHILIPP II. wollte nicht weiter expandieren.
Wichtige Stationen im folgenden:
336 wurde PHILIPP II. ermordet, woraufhin ALEXANDER der Große von 336-323 dessen Nachfolge antrat. 336/335 erneuerte er den Korinthischen Bund und festigte die Herrschaft über Griechenland, indem er den Widerstand brach und an Theben ein Exempel statuierte.
334 begann er mit dem Asienfeldzug. Er schlug drei Schlachten -darunter die am Granikos-, wobei vieles ihm auch kampflos zugefallen war, wie Kleinasien oder Ägypten.
333 fand die Schlacht bei Issos am Golf von Iskenderum statt, nach der er das Angebot, die westliche Hälfte des persischen Weltreiches anzunehmen, ausschlug.
332/331 kam er nach Ägypten, wo er im Orakel als Sohn des Zeus begrüßt wurde; wahrscheinlichglaubte er selbst daran. Im Nildelta gründete er die Stadt Alexandria.
331 ging er bis in das Zentrum des persischen Reiches vor. Nach der Schlacht von Gaugamela, auf der Dareios geflohen war, fiel ihm Babylon in die Hände.
330 eroberte er die Perseis. Erleichtert wurde ihm das wohl durch die Ermordung des letzten Achämeniden Dareios III. durch einen Satrapen.
330-327 eroberte er den nördlichen Iran bzw. Zentralasien.
327-325 fand sein Indienfeldzug statt, der ihn bis nach Pakistan und in den Pandschab führte. Erstmals verweigerte sich ihm hier die Truppe, die nach Hause wollte. Er ließ eine Flotte bauen und fuhr damit bis an den Indischen Ozean herunter. Von dort kehrte er nach Susa zurück, wo er 324 das Reich reorganisierte, weil sich die Satrapen während seiner Abwesenheit verselbständigt hatten.
Bevor er die Vorbereitungen zur Eroberung der Arabischen Halbinsel abschließen konnte, starb er 323 an der Malaria.
ALEXANDER hinterließ keine Nachfolger, allerdings war seine Frau ROXANE schwanger. Zwischen den Palladinen begannen nun Auseinandersetzungen, in denen nach einem schwachen König gesucht wurde, den man in ALEXANDERS etwas debilem Halbbruder ARIDEIOS. Als die pezhetairoi zu meutern begannen, wäre es fast zu einem Bürgerkrieg gekommen. Man einigte sich schließlich auf einen Kompromiß, demzufolge ARIDEIOS die Vormundschaft für den Sohn ALEXANDERS übernehmen sollte.
3.2. Politische Geschichte des Hellenismus
Zwischen 323 und 301/281 fanden die Diadochenkämpfe statt, in der sich schließlich die hellenistische Staatenwelt herauspräparieren sollte. In den Kämpfen versuchten einzelne Persönlichkeiten, die Reichseinheit zu erhalten. Am Schluß der Kämpfe standen die Reiche der Antigoniden in Makedonien, der Seleukiden in Vorderasien und der Ptolemäer in Ägypten. Eine Reichseinheit war letztlich wegen der ständigen Beanspruchung durch Kriege nicht möglich und scheiterte so weniger am mangelnden Willen.
In der Zeit von 281 bis 221 gab es ein labiles Gleichgewicht der Großmächte. Gleichzeitig kam mit Rom eine neue Macht im Osten auf, die von den Griechen allerdings wenig ernstgenommen wurde.
Zwischen 221 und 168 wurde dann die Krise des hellenistischen Staatensystems eingeleitet und begannen die Niederlagen gegen Rom. Die wichtigsten Krieg waren der 2. Makedonische Krieg von 200-197 in dem sich Pergamon, Rhodos und Athen mit einem Hilfesgesuch an Rom wandten, um sich vor PHILIPP V. und ANTIOCHOS III. zu schützen. Makedonien wurde auf eine Mittelmacht beschränkt. Als ANTIOCHOS in die Lücke springen will, beginnt der Antiochoskrieg von 192-188, der mit der Abgabe Kleinasiens an Rhodos und Pergamon endete und die Seleukiden als Mittelmacht hinter den Taurus verlagerte. Es zeigte sich hier, daß Rom recht gut in der Lage war, die Mächte gegenseitig auszubalancieren. Der 3. Makedonische Krieg bzw. Perseuskrieg von 171-168 begann, als der Sohn PHILIPPS V. die Hegemonie über Griechenland erhalten wollte. Die Römer schlugen ihn in der Schlacht bei Pydna und beendeten die Linie der Antigoniden.
De facto war mit diesem Ereignis das Ende der hellenistischen Staatenwelt besiegelt worden. Die Seleukiden und Ptolemäer waren kaum handlungsfähig, ANTIOCHOS IV. versuchte zwar noch das Ptolemäerreich zu gewinnen, wurden von den Römern aber nach der Schlacht von Pydna vor Alexandria gemaßregelt und zog wieder ab. Im Jahre 168 hatte es keine Spielräume mehr für die Mittelmächte gegeben. Seit 168 bis ungefähr 30 v.Chr. lagen die hellenistischen Staaten im Schatten Roms. Attalos III. vermachte 133 sein Reich von Pergamon den Römern, ein Zeichen für die Zustände im hellenistischen Osten.
3.3. Der Hellenismus als soziokulturelles Phänomen - Ausblick
Es icht wichtig festzuhalten, daß die stärksten hellenistischen "Staaten" Monarchien waren. Es gab kein allgemeines Staatsrecht und -system, vielmehr verhielten sich die Herrscher gegen die unterschiedlichen Untertanen spezifisch verschieden und entwickelten Strategien der Akzeptanz, um ihre auf Usurpation basierende Macht zu legitimieren.
Der Monarch stand immer zwischen dem Erfolgsdruck und der Notwendigkeit, sich in regionale Strukturen einfühlen und Rücksicht nehmen zu müssen. Die Autonomie der griechischen Polis mußte z.B. garantiert werden, wollte man keine Konflikte provozieren.
Die Monarchien entwickelten auch zu diesem Zweck eine gewaltige Pracht, wiesen auf der anderen Seite aber strukturelle Schwächen auf.
Wichtig für eine kulturelle Blüte waren die Städte, die den Hellenismus auch zu einer Städtegründungszeit machten (>1000 Neugründungen), was zu einem hohen Urbanisierungsgrad führte. Der Lebensstandard wurde nach griechischem Vorbild ausgerichtet, so daß es überall Gymnasien, Theater u.a. gab. In den Städten war der Austausch auch am größten und herrschte die größte Sprachenvielfalt, während auf dem Lande nur Ägyptisch oder Syrisch gesprochen wurde.
Die stärkste Beeinflussung fand jedoch in der Religion statt. Mysterienkulte wie die Eleusien setzten sich durch, während sie vorher nur die Initiation einer Gruppe zu einer bestimmten Gottheit betraf, die durch die Nähe zur Gottheit und gewisse Jenseitsvorstellungen geprgt war. Man begann sich mit anderen Gottheiten zu identifizieren wie Isis oder Demeter. Der Siegeszug dieser Gottheiten wurde von einer ursrpünglich jüdischen Gottheit besonders seit der Zerstörung Jerusalems 70 stark beeinflußt. Das Christentum entstand damit als eine Lösung aus jüdischen Wurzeln und einem starken hellenistischen Einschlag. Es war aber keine Mysterienreligion, da es monotheistisch war und Gemeindestrukturen aufwies. Auch die griechische Philosophie hatte eine starke Wirkung auf die Apologeten und die frühe Dogmatik war vom Platonismus geprägt (besonders PLOTINS Neoplatonismus).
Das geistige Leben war von der Philosophie geprägt. Stoiker und Platoniker wendeten sich zu einer Ethik und praktischen Philosophie hin und knüpften hierzu an Sokrates an. Wichtige Richtungen waren die Lehre Epikurs, der einen konsequenten Materialismus als humane Ethik postulierte, und die Stoiker, die von einem festgelegten Weltverlauf ausgingen und einen starken Einfluß auf die Römer ausübten (besonders PANAITIOS von Rhodos oder SENECA).
Ein Ausblick wirft wieder die Frage auf, ob das Ende des Hellenismus mit der Ausbreitung des Islams festzulegen ist. Das Römische Reich war nur im Westen untergegangen, blieb im Osten aber in Form von Byzanz als oströmisches Reich bestehen. Die Byzantiner nannten sich selbst Römer.
Man kann also sagen, daß sich der Hellenismus noch über Jahrhunderte hinweg halten konnte. Hinzu kommt die Übernahme und Rezeption antiker Vorstellungen aus der Philosophie und Wissenschaft durch die Araber trotz der Ausbreitung des Islams. Erst arabische Gelehrte ermöglichten eine Verbreitung antiker Schriften über Spanien nach West- und Mitteleuropa. Eine unmittelbare Rezeption fand aber auch durch das lateinisch geprägte westliche Mittelalter statt, besonders unter KARL d. Großen oder den Ottonen, die ihrer Herrschaft eine byzantinische Prägung gaben. Die Kreuzzüge, die Eroberung Konstantinopels 1453, die Errichtung von Akademien nach platonischem Vorbild, die dem Humanismus einen wichtigen Schub gaben, schließlich die Rezeption des Griechischen in der Verfassungslehre (Gewaltenteilung des Aristoteles, Bundesstaatensystem bei Polybios) beweisen, daß der Hellenismus bis in die Neuzeit hinein nachgewirkt hatte.
4. Zur Anschaffung empfohlene Literatur:
1. Dalheim, Werner: Die griechisch-römische Antike. Bd.1 Griechenland. Paderborn 1992.
ders.: Die griechisch-römische Antike. Bd.2. Paderborn 1992.
oder:
ders.: Die Antike. Paderborn. 1994 (?). - Gebundene, überarbeitete und erweiterte Fassung des Doppelbandes
2. Gehrke, Hans-Joachim: Geschichte des Hellenismus. Oldenbourg Grundriß der Geschichte. München 1990.
3. Heuß, Alfred/ Schachermeyer/ Welles: Propyläen Weltgeschichte. Bd.3.
4. Schuller, Wolfgang: Griechische Geschichte. Oldenbourg Grundriß der Geschichte. München ³1991. (???)
5. Weiler, Ingomar: Griechische Geschichte. Einführung, Quellenkunde, Bibliographie. Darmstadt ²1988. (???)
Arbeit zitieren:
Stefan A. Mannes, 1997, Griechische Geschichte - von der Mykenischen Zeit bis zum Hellenismus, München, GRIN Verlag GmbH
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am Thursday, March 28, 2002-