David Kästle
Referat
Ernest Hemingway
1.) LEBEN UND WERK
- Ernest Miller Hemingway wird am 21. Juli 1899 als zweites von sechs Kindern des Arztes Dr. Clarence Edmonds Hemingway und seiner Frau Grace Hall Hemingway in Oak Park, einem Vorort von Chicago, geboren.
- Bis 1917 Schulbesuch in Oak Park, keine außergewöhnliche Jugend, Schülerzeitung.
- Hemingway beginnt seine schriftstellerische Karriere als Reporter beim Kansas City Star.
- Im April 1918 meldet sich Hemingway als Sanitäter beim Roten Kreuz für die italienische Front, wo er dann
- Im Juli durch den Einschlag einer Kartätsche schwere Beinverletzungen erleidet und drei Monate im Lazarett verbringen muß. Dort verliebt er sich in die zehn Jahre ältere Krankenschwester Agnes von Kurowsky, die aber wegen des Altersunterschiedes zurückhaltend darauf reagiert. Als Hemingway
- Im Januar des Jahres 1919 in die USA zurückkehrt, erlebt er nach der Kriegsverletzung den zweiten harten Schlag, als er erfährt, daß Agnes unmittelbar vor der Heirat mit einem adligen Italiener steht.
- Erst rund zehn Jahre später schafft er es, die Ereignisse in dem Roman ,,In einem anderen Land" zu verarbeiten (Originaltitel: ,,A Farewell to Arms"). Der junge Frederic Henry ist wie Hemingway auch als Helfer des Roten Kreuzes in der italienischen Armee tätig. Nach einer Beinverletzung verliebt er sich im Lazarett in die Krankenschwester Catherine Barkley. Nachdem er verdächtigt wurde, ein Deserteur zu sein, gelingt es ihm zwar, sich mit Catherine in die Schweiz zu retten, doch die hochschwangere Catherine stirbt dann.
- Nach der Rückkehr ist Hemingway zunächst Reporter in Toronto (bis 1920) und Chicago.
- Im Herbst des Jahres 1920 lernt er ,,seinen literarischen Lehrmeister" Sherwood Anderson kennen, mit dem er eine Freundschaft beginnt
- Auch lernt Hemingway zu der Zeit seine erste Ehefrau, die acht Jahre ältere Hadley Richardson kennen, die er am 3. September 1921 heiratet. Da Hemingway und seine Frau sich in Chicago, wo schlimme Zustände herrschen, nicht wohl fühlen und Anderson von Europa schwärmt, entschließt sich Hemingway dazu, als Korrespondent nach Europa zu gehen.
- ,,Pariser Zeit"; Hemingway lernt u.a. Gertrude Stein und Ezra Pound, seine späteren Mentoren, kennen. Hemingway reist in seiner Arbeit als Korrespondent durch Italien, Deutschland, den Nahen Osten und die Schweiz. Der erste literarischer Durchbruch gelingt ihm 1923 mit dem Sammelband ,,Three Stories and ten Poems". Hemingway bereist zum ersten Mal Spanien, wo seine Begeisterung für den Stierkampf beginnt. Geburt seines Sohnes John, genannt ,,Bumby".
- 1924 veröffentlicht Hemingway den Kurzgeschichtenband ,,In our time", der 1925 in einer noch erweiterten Fassung herausgegeben wird.
- Hemingway ,,entledigt sich" seiner Freunde Gertrude Stein und Sherwood Anderson, indem er sich in der Parodie ,,Sturmfluten des Frühlings" über sie lustig macht. Er gewinnt aber die Freundschaft F. Scott Fitzgeralds, durch den er die Veröffentlichungsrechte seines Romans ,,The Sun Also Rises" an einen angesehenen New Yorker Verlag verkaufen kann.
- In eben diesem Roman, der 1926 erscheint (dt.: ,,Fiesta"), beschreibt er kaum verhüllt die Erlebnisse mit Freunden in Pamplona 1925. Die Hauptpersonen in ,,Fiesta" sind Jake Barnes (entspricht Hemingway), Robert Cohn und die begehrte Lady Brett, die in Paris ein Leben in schnellem Vergnügen führen und aus Langeweile nach Pamplona fahren, wo aber ihr Hedonismus mit der Tradition (v.a. des Stierkampfes) konfrontiert wird. Dem Roman stellt Hemingway Gertrude Steins Überlegung von der ,,verlorenen Generation" als Motto voran. Die Personen von ,,Fiesta" sind alle irgendwie durch den Krieg gekennzeichnet: Jake Barnes ist durch eine Kriegsverletzung impotent geworden, Lady Bretts Geliebter umgekommen und Robert Cohn findet sich nicht mehr richtig in den Wirren dieser Zeit zurecht. Hemingway glückte es, mit ,,Fiesta" Millionen junger Menschen anzusprechen, die alle das selbe Problem hatten.
- Privat war Hemingway sehr labil. Er läßt sich in einer Zeit der Ehekrise von Pauline Pfeiffer verführen, was 1926 zur Scheidung von Hadley führt. Im Mai 1927 heiratet er dann Pauline.
- 1927 gibt Hemingway erneut einen Band mit Kurzgeschichten heraus. In der Sammlung ,,Männer ohne Frauen" bestechen vor allem ,,Die Killer" und ,,Zehn Indianer".
- Ernest und Pauline ziehen 1928 nach Key West in Florida um, wo Pauline Sohn Patrick zur Welt bringt.
- 1928 erscheint dann auch ,,A Farewell To Arms"
- Einschneidend für Hemingway war sicher auch der Selbstmord seines Vaters im Dezember 1928, der nach finanziellen Problemen und Krankheit keinen Ausweg mehr gesehen hatte.
- Hemingway arbeitetet an einem Buch über den Stierkampf, das er 1931 mit dem Titel ,,Tod am Nachmittag" herausbringen wird.
- Im November wird sein dritter Sohn Gregory geboren
- 1932 dann nach einem Kubaaufenthalt geht Hemingway auf Hochsee und entdeckt das Fischen als neue Leidenschaft für sich.
- Er unternimmt 1933 mit Pauline eine Großwildsafari in Afrika, über die er später in ,,Die grünen Hügel Afrikas" berichtet. So kristallisiert sich für die Medien der Lebemann Hemingway heraus: Abenteurer, Großwildjäger, Hochseefischer und Stierkämpfer. Hemingway fühlt sich geschmeichelt und hilft dann auch noch großspurig mit, das Bild des Machos Hemingway zu formen, obwohl seine eigentliche Verfassung ganz anderes zeigte.
- In ,,Der Sieger geht leer aus" (1933) sind wieder zahlreiche Kurzgeschichten enthalten.
- 1936 geht Hemingway für die ,,North American Newspaper Alliance" (NANA) als Kriegsberichterstatter nach Spanien und unterstützt dort auch die Loyalisten im Spanischen Bürgerkrieg. In dieser Zeit entsteht auch die berühmte Kurzgeschichte ,,Alter Mann an der Brücke". Dreharbeiten zu ,,Die spanische Erde".
- 1940 dann erscheint der Roman ,,Wem die Stunde schlägt", der auch vom Spanischen Bürgerkrieg handelt.
- 1938 kommt ,,The Fifth Column And The First Forty-Nine Stories" heraus. Bekannt sind vor allem ,,Schnee auf dem Kilimandscharo" und ,,Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber", die beide noch aus der Zeit in Afrika stammen.
- Ernest und Pauline bereisen noch einmal Kuba, aber auch die zweite Ehe scheitert. Die Scheidung von Pauline erfolgt im November 1940, doch Hemingway hatte bereits zuvor eine neue Partnerin ausgemacht. Noch Ende des Jahres 1940 heiratete er die 13 Jahre jüngere Martha Gellhorn selbst ambitionierte Journalistin.
- Hemingway erwirbt ein Anwesen auf Kuba, die sogenannte Finca Vigía, und macht sie zu seinem Hauptwohnsitz.
- 1941 brechen Hemingway und Martha als Reporter zu den asiatischen Kriegsschauplätzen auf.
- Als die USA dann am 7. Dezember 1941 in den 2. Weltkrieg eintritt, erreicht es Hemingway, sein Boot ,,Pilar" als eine Art U-Bootfalle benutzen zu dürfen und evtl. ein feindliches U-Boot vor der amerikanischen Küste zu bekämpfen. Knapp zwei Jahre fährt Hemingway so erfolglos herum.
- Martha beschafft sich und Hemingway 1944 eine Stelle als Kriegsberichterstatter für den ,,Collier′s" in England. Hemingway ist bei wichtigen Kriegsereignissen wie dem Tag der alliierten Invasion in der Normandie dabei.
- Hemingway und Martha trennen sich im Dezember 1945.
- Im März 1946 heiratet er Mary Welsh und kehrt mit ihr nach Kuba zurück.
- Hemingway arbeitet dann an dem nie fertig gestellten Roman ,,Der Garten Eden", der 1986 in einer gekürzten Fassung veröffentlicht wurde.
- 1949 bis 1950 schrieb er ,,Über den Fluß und in die Wälder", wo er u.a. seine Beziehung mit der 19jährigen Adriana Ivancich einfließen läßt.
- Hemingway beginnt die Arbeit an seinem großen Seeroman ,,Inseln im Strom", den er ebenfalls nie fertigstellen sollte.
- Sein wohl berühmtestes Werk ist die Novelle ,,Der alte Mann und das Meer", die 1952 erscheint. Der alte Fischer Santiago fährt nach 84 fischlosen Tagen allein aufs Meer hinaus, wo er nach tagelangem Ringen einen riesigen Marlin erlegt. Doch auf seinem weiten Heimweg fallen Haie über den toten Fisch her und lassen nur noch das Skelett übrig.
- ,,Der alte Mann und das Meer" erhält 1953 den Pulitzerpreis und ist auch hauptsächlich Anlaß für die Verleihung des Nobelpreises 1954. Hierzu heißt es allerdings auf der Homepage der Fachhochschule Gießen: ,,Der Literaturnobelpreis 1954 für Ernest Hemingway galt nicht so sehr dem Schriftsteller, der damals als zu modern galt, als den Umständen. Das neunzigjährige Mitglied der Akademie, Per Hallstorm, wollte seinerzeit ausscheiden, und da ihm der Hemingway-Titel ,,Der alte Mann und das Meer" so gut gefiel, wollte man ihm auch entgegenkommen und in seinem Sinn entscheiden."
- Hemingway begibt sich 1954 noch einmal nach Afrika, wo er durch zwei Flugzeugabstürze schwer verletzt wird.
- 1956 findet er in Paris im Hotel ,,Ritz" Manuskripte aus den Zwanziger Jahren, die später die Grundlage zu ,,Paris ein Fest fürs Leben" bilden.
- 1959/60 Reisen nach Spanien und Kuba, dann Rückkehr in die USA.
- Seinen physisch und psychisch ohnehin schon schlechten Zustand fördert Hemingway, der mit dem großen öffentlichen Druck nicht mehr zurechtkam, noch durch seine Trinkerei. Nach plötzlichen Depressionen und mehreren erfolglosen Suizidversuchen erschießt sich Hemingway am 2. Juli 1961 in seinem Haus in Ketchum/Idaho.
2.) SPRACHE UND STIL
- Kurze, kompakte Sätze in schlichter Abfolge; prägnant
- Oft ohne Kommentar oder Bewertung
- Nüchtern, ohne trocken zu wirken (deutlich an Reportagen)
- ,,Über die schlammigen Niederungen hinweg ragten im Regen die Minaretts Adrianopels. Dreißig Meilen weit standen die Karren eingekeilt auf der Straße nach Karagatsch. Wasserbüffel und Rinder zogen Karren durch den Schlamm, kein Ende und kein Anfang. Nichts als Karren, mit allem, was sie besaßen. Durchnäßte alte Männer und Frauen gingen hin und her und trieben das Vieh an. Die Maritza floß gelb beinahe in Höhe der Brücke. Karren waren auf der Brücke festgefahren, und Kamele bewegten sich schlingernd zwischen ihnen hindurch. Griechische Kavallerie trieb den langen Zug vorwärts. Frauen und Kinder lagen zwischen Matratzen, Spiegeln, Nähmaschinen und Bündeln auf den Karren. Eine Frau bekam ein Kind, während ein junges Mädchen eine Decke über sie hielt und weinte."
- Es entsteht eine echte Atmosphäre durch Ansprechen der Sinnesorgane (indem er Gerüche, Bilder, Klänge beschreibt) z.B. in ,,Über den Fluß und in die Wälder":
- ,,Er beobachtete, wie sich der Himmel hinter der langen, morastigen Landzunge lichtete, wandte sich in der eingelassenen Tonne um, blickte hinaus über die gefrorene Lagune und die Marsch hinweg und sah in weiter Ferne die schneebedeckten Berge. Von dort unten, wo er war, sah man keine Vorgebirge, und die Berge schienen jäh aus der Ebene aufzusteigen. Als er zu den Bergen hinübersah, konnte er auf seinem Gesicht einen Windhauch spüren; er wußte nun, daß der Wind von dort kommen und mit der Sonne auffrischen würde und daß sicher einige Vögel, sobald der Wind sie aufstöberte, vom Meer einfliegen würden."
- Hemingway schreibt fast immer mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen im Hintergrund (z.B. ,,Fiesta", ,,In einem anderen Land", auch ,,Über den Fluß und in die Wälder")
LITERATURNACHWEIS
Hemingway, Ernest Die grünen Hügel Afrikas (Rowohlt Taschenbuch Verlag )
Hemingway, Ernest Der alte Mann und das Meer (Bertelsmann Lesering)
Rodenberg, Hans-Peter Ernest Hemingway (Rowohlt Taschenbuch Verlag)
Internet
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