- Wortbedeutungen erschließen,
- Beziehungen zwischen Wörtern und Wortfolgen erkennen,
- kommunikative Zusammenhänge und Intentionen erfassen,
- textsortenspezifische Merkmale gesprochener Sprache kennen und einordnen. Um das Gesprochene verstehen zu können, muß der Lautstrom in Sequenzen unterteilt werden, also Wörter oder auch zusammenhängende Wendungen identifiziert werden. Gleichzeitig muß der Bedeutungskern einer Aussage erfaßt werden. Weiterhin stellt der Hörende ständig Vermutungen darüber an, wie der Hörtext weitergeht, er denkt mit und kann daher zuweilen im Gespräch einen angefangenen Satz seines Gesprächspartners sinngemäß oder gar in wörtlicher Übereinstimmung vollenden. Die Hörabsichten können dabei ganz unterschiedlicher Art sein: Man möchte Informationen erhalten, man will die allgemeine Bedeutung eines Textes oder die eines Sprechers kennenlernen oder wegen des Vergnügens an unterhaltsamen Texten hören. Auf der Verstehensebene geht es um:
- wörtliches Verstehen, das für de Rezeption von sprachlichen Details und Fakten Voraussetzung ist,
- kontextuelles Verstehen, das Zusammenhänge in sprachlichen Aussagen erfaßt,
- situatives Verstehen, das sich auf Prosodie, Umweltgeräusche, Mimik, Gestik und Gegebenheiten der Situation stützt,
- folgerndes Verstehen, das das ,,Gemeinte" erschließt Vermutungen ermöglicht,
- kritisches Verstehen, das Bewertungen von Vorgängen Handlungen einschließt. Die Lernenden hören dabei entweder:
- spontan gesprochene Sprache, z. B. im Interview, in der Diskussion,
vorgelesene Sprache, z. B. in den Nachrichten, im Kommentar, in der Ansage in der Erzählung, im Gedicht,
- vorgespielte Sprache, z.B. im Hörspiel, im Theaterstück, im Film oder
- gesungene Sprache, z. B. m Lied, im Popsong.
Man unterscheidet zufälliges und zielgerichtetes Hören. Es kann dabei sprachliche und nicht- sprachliche Reaktionen auslösen.
Verstehenshilfen
Hörsituationen in der Lebenswirklichkeit sind reich an kontextuellen Verständnishilfen, die meist visueller Natur sind. In bestimmten Situationen, wie z.B. beim Betrachten eines Fernsehprogramms oder eines Theaterstücks in der Zielsprache, bieten Kontext, Gestik und Mimik der sprechenden Personen, ebenso wie Kenntnisse über wahrscheinliche syntaktische und semantische Verknüpfungen, Hilfen zum Verständnis. Dies ist auch im persönlichen Gespräch der Fall.
In der gegenwärtigen medienorientierten Welt ist die indirekte Kommunikation durch Rundfunk und Fernsehen häufiger anzutreffen als die direkte Kommunikation im Gespräch. Bei Film und Fernsehen verbessert die Bildkomponente in vielen Fällen das Hörverstehen. Sie veranschaulicht die Verhaltensweisen der Personen, die interkulturell relevanten Inhalte, die dramaturgischen Mittel und die Intentionen des Films. Sie beeinflußt außerdem positiv die Gedächtnisleistung der Schüler. Die Motivation, die von Film und Fernsehen ausgeht, kann außerdem helfen, die Lernenden zum aktiven Sehen/Hören/Verstehen anzuleiten. Sie sollen lernen, die vielfältigen nicht-sprachlichen Informationen für erfolgreiches Verstehen zu nutzen. Demgegenüber sind Tonaufnahmen ohne Vorwissen zum Kontext schwerer zu entschlüsseln.
Ziele
Im Englischunterricht sollen die Lernenden beim Hören Fertigkeiten und Fähigkeiten erwerben, die sie in die Lage versetzen, an Gesprächen in Alltagssituationen teilzunehmen sowie Mitteilungen, Berichte und Darstellungen zunehmend komplexer Tatbestände und Vorgänge zu verstehen.
Daher sollte das Hörverstehen im Unterrricht systematisch geübt werden. Dazu gehört zunächst, daß die Schüler das in normalem Tempo gesprochene Englisch ihrer Lehrer und Lehrerinnen verstehen lernen. Zusätzlich zur Lehrerstimme sollten die Schüler jedoch von Anfang an Gelegenheit erhalten, Aufnahmen mit anderen Sprechern zu hören, die sie zu Hördiskriminierung und Flexibilität führen. Auf einem fortgeschrittenen Lernniveau sollten Lernende auch mit Aufnahmen von authentischem Englisch konfrontiert werden. Neben die Einstellung auf unterschiedliche Sprecher und Hörsituationen tritt das Training des Zuhörens mit den Absichten des Detail- oder des Globalverständnisses.
Unterrichtspraxis
Die Fertigkeit des Hörverstehens ist kein Nebenprodukt anderer Fertigkeiten, sie stellt sich nicht von selbst ein, sondern bedarf gezielter Übung. Arbeits- und Übungsformen sind auf gelenktes (intensives) Hören und freies (extensives) Hören gerichtete Übungen zum Hören sind so anzulegen, daß sie den Hörabsichten und Hörprozessen in der Realität nahekommen und weitere Sprachhandlungen auslösen und ermöglichen.
Im Englischunterricht werden diese Verstehensfähigkeiten und -fertigkeiten der Lernenden zum einen durch unmittelbare Kommunikation mit Lehrenden und Mitschülern, zum anderen durch Medien, wie z. B. Rundfunk und Fernsehen, in zielgerichteter Auswahl ausgebildet.
Arbeit zitieren:
Sylvia Brand, 1999, Hörverstehen, München, GRIN Verlag GmbH
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