Dieses Referat beurteilt einen modernen Teil des menschlichen Lebens unter ökologischen Gesichtspunkten, einer Technologie sich anzunehmen, die man zwar konsumiert, aber wohl nie richtig begreifen wird.
High Tech galt bisher als die sauberste Technologie überhaupt. Aber es gibt keine umweltfreundliche Technik, es gibt keine umweltfreundliche Produktion und es gibt auch keinen umweltfreundlichen Umgang mit dem Computer. Wer sich weigert, einen Anteil zur Verbesserung der schon heutigen beängstigenden Umweltsituation beizutragen und realistische Möglichkeiten zu einem umweltfreundlicheren Umgang mit dem Computer nicht konsequent nutzt, der trägt direkt wissentlich zur weiteren Umweltzerstörung bei.
Die Ökobilanz eines PC's dient dazu, den vollständigen Lebensweg eines Computers von seiner Herstellung bis hin zu seiner Beseitigung nachzuzeichnen und unter ökologischen Gesichtspunkten zu beurteilen. Dies schließt auch die Gewinnung der benötigten Rohstoffe, das Produktionsverfahren und die Verpackung miteinander ein.
Durch die Herstellung einer Ökobilanz wird zudem sehr deutlich, daß ein Computer nicht erst beim Kunden ,,Abfall" erzeugt, sondern bereits bei der Herstellung, was sich darin äußert, daß bis zu 75 % des eingesetzten Materials erst gar nicht den Verbraucher erreicht.
Der Konsument wird nur mit dem fertigen Produkt bedient und macht sich so über dessen Herstellung und die dabei anfallenden Umweltbelastungen weiter keine Gedanken. Doch gerade bei der Herstellung können erhebliche Umweltprobleme auftreten, die selbst durch eine umweltgerechte Beseitigung nicht mehr wettzumachen sind.
Beim Computerbau ist die Herstellung der entscheidende Schritt, denn hier fallen etwa 95 % der umweltbelastenden Stoffe an.
Eine Untersuchung in den USA hat ergeben, daß in einem Computerunternehmen in Kalifornien 6,4 % Arbeitnehmer in der Chip-Produktion aufgrund des Umgangs mit diversen, giftigen Chemikalien krank geworden sind, dazu kommen noch Fehlgeburten von beschäftigten schwangeren Frauen, die wesentlich häufiger auftraten. Hinzu kommt noch, daß durch undichte Tanks mit den hochgiftigen Chemikalien nahezu 50 öffentliche und private Brunnen in der Umgebung für immer geschlossen werden mußten. Die Konzentration der eingeleiteten Chemikalien und Schwermetalle überforderte sogar die Kläranlagen, indem sie versagten.
Aus einem Report von 1998 kam heraus, daß sich in einem Chip 359 Einzelstoffe befinden, ein Ökoinstitut in Freiburg kommt sogar auf 3.500 Stoffe, Zahlen die die Schwierigkeiten bei der Herstellung und bei der Entsorgung schier unbeherrschter erscheinen lassen.
Die vom Volumen und von der Toxidität her bedeutenden Stoffe:
I. Metalle:
Aluminium _ Extrem hoher Energiebedarf bei der Herstellung
(Für 1 kg Aluminium entsteht ein lebenszyklusweiter primärer Ressourcenverbrauch von 73 kg) Antimon _ Verwendung in den Chips und Kleinbauteilen Arsen _ Halbmetall, Verwendung in den Chips und Kleinbauteilen Barium _ Schwermetall, Teil der Beschichtung, zur Erhöhung der Leuchtkraft im Monitor
Blei _ Schwermetall, bei gelöteten Verbindungen und als Bestandteil der Beschichtung zur Erhöhung der Leuchtkraft im Monitor; wird in der Festplatte verwendet und findet sich zwischen 1 % und 5 % auch auf Leiterplatinen Buntmetalle _ z. B. Kupferkabel
Cadmium _ Schwermetall, steht im Verdacht krebserregend zu sein, bei gelöteten Verbindungen und als Bestandteil der Beschichtung zur Erhöhung der Leuchtkraft im Monitor und wird in den Festplatten verwendet Kupfer _ Schwermetall, bei der Gewinnung aus Erzen werden erhebliche Schadstoffe freigesetzt, Kupfer findet sich zwischen 12 % und 25 % auch auf Leiterplatinen
Nickel _ Schwermetall, größtenteils giftig, findet sich zwischen 1 % und 3 % auf Leiterplatinen
Thallium _ Schwermetall, hochgiftig, Verwendung in den Chips und Kleinbauteilen Zinn _ Schwermetall, je nach Verbindung sehr giftig, Verwendung bei gelöteten Verbindungen
Außerdem noch: Chrom, Edelstahl, Eisen, Gallium, Germanium, Gold, Indium, Kobalt, Mangan, Palladium, Quecksilber, Selen, Silber, Silizium, Strontium, Tellur, Wismut, Zink, Zinnbronze, ........ II. Gase:
Stickstoff, Wasserstoff, Phosphorwasserstoff, Siliziumwasserstoff III. Laugen: Natronlauge, ammoniakalische Lösungen IV. Salze: Anorganische Salze, Komplexbildner V. Kunststoffe:
Ein PC enthält bis zu 40 verschiedene Kunststoffe, ¬ vor allem Polyester-, Polyamid-, Phenol- und Epoxidharze · jeweils mit verschiedenen Flammschutzmitteln gegen Selbstentzündung geschützt. Da Kunststoff aus Erdöl gefertigt wird, ist dieser brennbar. Damit sich der Kunststoff bei extremer Hitze im inneren des Rechners, des Monitors oder des Druckers nicht entzündet, werden ihm flammhemmende Mittel zugesetzt. Diese Flammschutzmittel sind in den meisten Fällen krebserzeugend.
Um Kunststoff herzustellen, müssen riesige Förder- und Bohrtürme im Meer verankert werden, z. B. in der Nord- und Ostsee führen diese durch die Nähe zum schutzbedürftigen Ökosystem ,,Watt" zu erheblichen ökologischen Problemen. Auch wird für Pipelines nicht nur viel Material benötigt, sondern über Tausende von Kilometern wird die Vegetation durch den benötigten Platz und die Servicestraßen zerstört und verinselt.
VI. Verschieden Stoffe:
Acryllack Chlorierte Lösemittel
Chlorierte Kohlenwasserstoffe Fette Formaldehyd Gummi Halogen. Kohlenwasserstoffe Harze Holz Karton
Keramik (Verw. auf Platine) Metalloxide Öle Thermoplast Wasser
Oxidationsmittel, wie Kaliumpermanganat, Wasserstoffperoxid und Natriumchlorit zur Oberflächenbehandlung der Leiterplatten und zum Ätzen
Weitere Stoffe werden für diverse Legierungen, zur Isolierung und für die Halbleiter eingesetzt.
Außerdem kommt noch die Verpackung hinzu, wie z. B.
schlichte Pappe, Kunststofffolie und Styropor.
Steuerungsgeräte wie Maus oder Joystick bestehen größtenteils aus dem beständigen ABS-Kunststoff.
Eine Forschung hat ergeben, daß ein 486er PC zwischen 16 und 19 Tonnen an Rohstoffen verbraucht, das liegt daran, daß die Gewinnung der hochreinen und seltenen Elemente so aufwendig ist, weil bei der Fertigung schon viel Material, sowie sämtliche Energie verbraucht wird.
Beispiel:
1 kg Kupfer verbraucht bei der Herstellung 1.176 kg an Material und Energie, wie z. B. Treibstoff für den Bagger oder Kohle für den Schmelzofen. Kupfer ist ein Bestandteil von Platinen.
Das heißt, daß bei der Herstellung von Platinen, mit einem Gewichtsanteil von 2,2 kg in einem PC, 1,65 Tonnen an Material und Energie bei der Herstellung verbraucht wird.
Allein die Gewinnung der für die Herstellung benötigten Stoffe und Chemikalien verschlingt riesige Mengen an Energie und verursacht bereits erhebliche Sonderabfälle.
Ein weiteres Beispiel ist die Erzförderung, die einen extremen Flächenverbrauch, bedingt und zu schädlichen Schwermetallanreicherungen in den Flüssen führt.
Für die Herstellung von Aluminium wird als Rohstoff das Mineralgestein Bauxit benötigt, das in der Dritten Welt und in Australien abgebaut wird. Beim Abbau wird die Landschaft verwüstet, Tropen- und Regenwälder werden abgeholzt, ganze Volksgruppen zwangsumsiedelt und in die wirtschaftliche Abhängigkeit getrieben.
Allein bei der Fertigung von Leiterplatten fielen in einem Jahr in Deutschland folgende Sonderabfälle an:
_ 70.000 Tonnen saure und alkalische Ätzlösungen, Lösungsmittelrückstände und komplexbildnerhaltige Lösungen _
_ 15 Millionen m³ schwermetall- und komplexbildnerhaltige Abwässer _
_ 10.000 Tonnen lösungsmittelhaltige Schlämme und Basismaterialien _
_ Weniger als 0,1 % des Materialbedarfs natürlicher Ressourcen erreichen letztendlich
1) 48,0 % Eisenschrott _ voll recyclefähig 2) 26,1 % Buntmetalle _ voll recyclefähig
3) 13,4 % Kunststoffe und Glasgemische _ nur begrenzter Wiedereinsatz 4) 5,0 % Teile für die direkte Wiederverwendung (Chips, Speicherbausteine,....) 5) 3,4 % Aluminium und Edelstahl
6) 3,0 % edelmetallhaltiges Material, wie z. B. die Leiterplatten 7) 0,8 % sortierfähige Kunststoffe
8) 0,3 % Sonderstoffe wie Öle, Fette werden recycelt, Resttinte oder das Gewebe der Farbbänder werden verbrannt, Batterien und Kondensatoren werden endgelagert.
Theoretisch könnten heutzutage bis zu 97 % aller in einem PC eingesetzten Materialien direkt wiederverwendet und recycelt werden. Tastaturen sind sogar bis zu 99,8 % recyclelbar.
Allerdings gibt es noch keine Anlagen oder Unternehmen, die diese hohen Recyclingquoten erreichen, sieht man einmal von den gewerblichen Großanbietern wie IMB oder ICL ab, die heute schon 90 % und mehr erreichen.
Dem Recycling stehen jedoch sowohl finanzielle Gründe als auch ökologische Bedenken gegenüber. Nicht immer ist Recycling um jeden Preis die sinnvollste Lösung für die Umwelt, denn auch hier fallen erhebliche Schadstoffe an.
Eine amerikanische Umweltbehörde hat eine Idee entwickelt, wie der Computermüll wieder auf die wirklichen Straßen im Lande kommen kann.
Aus den Plastikbestandteilen von Computern, Druckern, oder Scannern könnte man eine Asphaltmischung herstellen, mit dem sich dann die zahlreichen Schlaglöcher auf den Straßen füllen lassen. Computer und Bildröhren dürfen dann nicht mehr auf Müllplätzen deponiert werden, sondern sollen dem neuen Zweck dienen.
Die Umweltbehörde schätzt, daß in Massachussetts in den nächsten Jahren mehr als eine Million Computer im Müll landen werden. Bis zum Jahr 2006 geht man von jährlich 45.000 Tonnen aus. Es können also viele Löcher auf Straßen gefüllt werden - oder vielleicht werden irgendwann die Autos gleich auf Straßen rollen, deren Asphalt aus Computerteilen besteht.
Man muß also vor dem Recycling, ja schon vor der Fertigung eines Computers darüber nachdenken, welche gefahrlosen und sehr gut zu recycelnen Stoffe man bei der Produktion verwendet.
Zur Zeit kann man etwa davon ausgehen, daß durchschnittlich etwa 83 % eines PC's recycelt, 7 % direkt wiederverwendet und immerhin noch 10 % deponiert werden müssen.
Das Bundesumweltamt vergibt zwar schon Blaue Umweltengel auf Computer, für Anforderungen, die von Seiten der Hersteller für die Erlangung des Blauen Engel erfüllt werden müssen, und dies könnte ein erster Schritt hin zu einem umweltverträglichen konstruierten PC sein, aber sie lösen das Problem ,,Elektronikschrott" nicht alleine.
Solange der PC in jedem Haushalt und in jedem Büro Einzug hält, wie vor 30 Jahren der Fernseher, kann es keine akzeptable und umweltverträgliche Lösung auf diesem Gebiet geben.
Anforderungen an eine recyclingsgerechte Konstruktion von PC's sind im allgemeinen: _ Funktionserweiterungen durch Steckplätze _ Flimmerfreier und strahlungsarmer Monitor _ Möglichst viele wiederverwendbare Teile und Baugruppen _ Reperaturfreundlichkeit und dadurch lange Lebensdauer _ Verwendung solcher Kunststoffsorten, die vorrangig, durch Umweltschmelztechnik wiederverwertbar sind
_ Verzicht auf halogenhaltige Stoffe (z. B. bei Flammschutzmitteln oder Farben) Ein weiterer Weg hin zu einer ökologisch vertretbaren Materialwirtschaft bei Computern muß über eine längere Lebensdauer der Geräte gehen, wodurch der umweltbelastende schnelle Stoffdurchsatz unserer Wegwerfgesellschaft eingedämmt würde. Würde man die Lebensdauer eines Computers verdoppeln, so ließen sich im Vergleich zu einem herkömmlichen Rechner die Umweltbelastungen bei Herstellung + Beseitigung bereits halbieren.
Die Notwendigkeit für den Kauf eines PC's läßt sich daher nur anhand folgender Fragestellung ermitteln:
Entlastet die Anschaffung eines Rechners die Umwelt mehr, als sie durch Herstellung und Entsorgung des Rechners belastet wird ???
Arbeit zitieren:
Jörg Alfert, 2000, Die Ökobilanz eines PCs, München, GRIN Verlag GmbH
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Dominik Müller hat den Text Die Ökobilanz eines PCs kommentiert
T.J. Lee and Lee Hudspeth's Absolute Beginner's Guide to PC Upgrades
Lee Hudspeth, Timothy-James Lee
Matthias Gubler
Keine Ökobilanz.
Der Artikel gibt vor, eine Ökobilanz zu sein, ist aber absolut keine. Das ist bei einem Produkt, das aus einer derart grossen Anzahl aus Einzelteilen besteht, deren einzelne Bilanzen grösstenteils noch nicht existieren, fast nicht möglich. Ausserdem mischt er Einzel-PCs und Gesamtproduktionen wild durcheinander.
Fazit: Nicht so toll.
am Tuesday, May 15, 2001-
Dominik Müller
Hierbei handelt es sich um keine Ökobilanz.
In folgender Norm sind die Bestandteile einer Ökobilanz genau festgeschrieben: DIN EN ISO 14040
Ich gebe zu, dass die Norm keine Angaben zur Methodik macht, aber der Rahmen einer Ökobilanz ist vorgeschrieben. Hierbei handelt es sich auch nicht um eine Sachbilanz im Sinne der obigen Norm.
Die Ökobilanz eines PCs ist ein sehr komplexes Thema mit vielen Input- und Output-Flüssen, wenn man den kompletten Lebensweg des Produkts betrachtet. Dies ist ohne genaue Prozessbilanzen, die oft nicht vorliegen, leider nicht möglich. Der Autor gibt einen Überblick über die Bestandteile eines PCs, aber für jemanden der eine "Ökobilanz" sucht wenig hilfreich.
am Wednesday, August 04, 2004-