Autor: Philip Baum
Fach: Politik - Int. Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Details
Institution/Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Wissenschaftliche Politik)
Jahr: 2004
Seiten: 28
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 25 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 283 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-39767-4
Textauszug (computergeneriert)
Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg im Breisgau
Seminar für Wissenschaftliche Politik
Seminar: Politische Theorie und Ethik im 20. Jahrhundert
Hausarbeit
Das Chamäleon „Krieg“
Privatisierung und Kommerzialisierung von Gewalt im 20. und 21.
Jahrhundert und die Konsequenzen für Nationalstaat und Weltpolitik
eingereicht von:
Philip Baum
Sommersemester 2003
Inhalt
1 Einleitung ... 1
2 Neue Kriegsformen ... 2
2.1 Fazit ... 7
3 Die Demontage des Nationalstaats ... 8
3.1 Die Privatisierung der Gewalt von unten ... 8
3.2 Die Privatisierung der Gewalt von oben ... 10
3.3 Krieg und Ökonomie ... 11
4 Lösungsansätze ... 17
4.1 Weltinnenpolitik? ... 18
4.2 Rückfall in Anachronismen? ... 20
5 Schluss ... 21
6 Bibliographie ... 25
1 Einleitung
„Jede Gesellschaft verfügt über ihre eigene, für sie charakteristische Form des Kriegs. Was wir heute als Krieg zu bezeichnen pflegen, was Politiker und Militärs als solchen definieren, ist tatsächlich ein spezifisches historisches Phänomen, das sich in Europa zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert herausbildete, obgleich es auch seitdem verschiedene Entwicklungsphasen erlebt hat. Der Krieg war äußerst eng mit der Herausbildung des modernen Staates verbunden.1 […] Das dieser Staatstypus neuen Formen der politischen Ordnung zu weichen beginnt, wie sie aus den Globalisierungsprozessen hervorgehen, entwickelt sich auch der Krieg, wie wir in gegenwärtig verstehen, zum Anachronismus.2“
Mary Kaldor fasst anschaulich den Prozess und die daraus entstehenden Konsequenzen zusammen, deren Ausdifferenzierung hier erarbeitet wird. Im Fokus befindet sich die zunehmende Enthegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die zu einer zunehmenden (Re-) Kommerzialisierung und (Re-) Privatisierung der Gewalt führte. Weder über die genaue Definition des Gegenstandes, noch über die Konsequenzen herrscht dabei Einigkeit; dies zeigt sich besonders an dem Faktum, dass selbst um die genaue Bezeichnung des Gewaltzustandes gerungen wird:
„Der Begriff des nicht-staatlichen Krieges ist insofern unglücklich, als in der bloßen Negation des staatlichen Krieg immer noch dem staatlichen Krieg der Primat zuerkannt wird. Die Vielfalt nicht-staatlicher Kriege ist jedoch so groß, dass für sie keine allgemein anerkannte gemeinsame Bestimmung gibt. Begriffe wie »primitive Kriegsführung« (John Keegan), »low-intensity-conflicts« (Martin van Crefeld), »Stammeskriege «, »wilde Kriege« (Wolfgang Sofsky) oder auch »Gewaltmärkte« (Georg Elwert) betonen jeweils einen Aspekt, ohne dass der Vielfalt dieser Kriege ausreichend Rechnung getragen würde.“3
Dazu gesellen sich weitere Umschreibungen, z.B. der »asymmetrische Krieg« bei Herfried Münkler, der »neue Krieg« von Mary Kaldor und die »privatisierte Gewalt« bei Erhard Eppler.
Im Gegensatz zur politischen und militärischen Elite sind sich die Autoren darüber einig, dass der gehegte Krieg ein Rudiment vergangener Epochen ist. Denn der gehegte Krieg war das Produkt einer bestimmten Zeit und bestimmter Umstände: Die Form dieses Krieges entwickelte sich unter dem Schrecken des 30-jährigen Kriegs (Westfälischer Friede) und ist eng mit der Entstehung des Nationalstaates verbunden. Entscheidend ist die Entkopplung von marktwirtschaftlichen Prinzipien, denn die Kosten durch die stehenden Heere, die Umschulung der Fußtruppen vom primitiven Gevierthaufen zu gedrillten Infanteristen und die Entwicklung immer teurerer Kriegsgeräte, anfänglich z.B. Artillerie, ließ sich nicht mehr amortisieren4, sodass die Militärausgaben im 18. Jahrhundert ca. drei Viertel des Staatshaushaltes ausmachten5. Die enormen Kosten führten so auch zu einer Bürokratisierung, die notwendig wurde, um die enormen Geldmengen verwalten zu können. Trotz der Reglementierung des Kriegsgeschehens führte das System des gehegten Staatenkriegs in die Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Ab diesem Zeitpunkt setzte ein zuerst latenter und dann manifester Prozess der Entstaatlichung von Krieg ein, der sich in der Form des Ost-West-Konflikts, d.h. der Einordnung der Staaten in militärische Bündnisse oder der Entwicklung von Atomwaffen, die den Clausewitz’schen Krieg endgültig ad absurdum führten, äußerte. In der Erscheinung von Massakern, enthemmten Kriegsökonomien und des globalen Terrors hat diese Entwicklung vorläufig ihren Höhepunkt gefunden.
[...]
1 Mary Kaldor: Neue und alte Kriege. Organisierte Gewalt im Zeitalter der Globalisierung. Frankfurt a. M., 2000, S. 26.
2 Ebd., S. 27.
3 Andreas Herberg-Rothe: Der Krieg. Geschichte und Gegenwart. Frankfurt a. M., 2003, S. 24.
4 Vgl. Herfried Münkler: Die Privatisierung des Krieges. Warlords, Terrornetzwerke und die Reaktion des Westens, in: Zeitschrift für Politikwissenschaft 1 (2003), S. 12f.
5 Vgl. Kaldor, a. a. O., S. 32.
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