Wie verstehen Kinder Märchen? Eine Untersuchung bei 6-8jährigen Kindern

Flash Player und JavaScript werden für eine verbesserte Ansicht des Dokuments benötigt. Bitte installieren Sie den Flash Player und aktivieren Sie Javascript.
Install Flash Player
Details
Autor: Monika Kustrich
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.
Institution/Hochschule: Pädagogische Hochschule Karlsruhe (Deutsch)
Jahr: 1997
Seiten: 80
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 27 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 2914 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-10074-8
Zusammenfassung / Abstract
Die Untersuchung will Licht in die kindliche Verarbeitungsform von Märchen bringen: Wie verstehen Kinder Märchen auf der inhaltlichen Ebene? Da bei der Untersuchung Kinder unmittelbar beteiligt sind und tiefenpsychologische Deutungen außer acht gelassen werden, wird den Ergebnissen vor allem eine empirische Qualität gegeben. Ich verfolge das Ziel, die Leser dieser Arbeit und mich selbst für das kindliche Märchenerleben zu sensibilisieren und so Einblicke in die kindliche Gedankenwelt zu erhalten. Dies ist notwendig, um unterrichtlich angemessen mit dieser Textsorte umzugehen.
Textauszug (computergeneriert)
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Wissenschaftliche Hausarbeit
Deutsch
Wie verstehen Kinder Märchen?
- eine Untersuchung bei 6-8jährigen Kindern
eingereicht von:
Monika Kusztrich
17.12.1997
INHALT
DIE FRAGESTELLUNG 3
1. GRUNDLAGEN 6
1.1 Der Begriff Märchen 6
1.2 Märchentypen 6
1.3 Die Unterscheidung von Volksmärchen und Kunstmärchen 7
1.4 Philologische Gesichtspunkte 7
1.5 Die Bearbeitung der Märchen durch die Gebrüder Grimm 9
2. WAS BEDEUTEN MÄRCHEN FÜR KINDER? 11
2.1 Die Beliebtheit der Märchen bei Kindern 11
2.2 Die Inhalte der Märchen 12
2.3 Das magische Denken der Kinder 13
2.4 Das Ordnen der chaotischen Weltsicht 13
3. DAS ZEICHNEN ALS KINDLICHES AUSDRUCKSMITTEL 15
3.1 Die zeichnerischen Fähigkeiten von 6-8jährigen Kindern 15
3.2 Kinder zeichnen das, was sie denken 17
3.3 Kinder beachten nicht die naturalistischen Gegebenheiten 17
3.4 Kinder bemühen sich um Klarheit 19
3.5 Kinder stellen den Raum auf ihre eigene Weise dar 21
3.6 Kinder gliedern ihre Bilderzählung 22
4. INTERPRETATIONEN DER UNTERSUCHTEN MÄRCHEN 24
4.1 Die drei Federn 24
4.2 Die sieben Raben 27
4.3 Jorinde und Joringel 29
5. KINDER ZEICHNEN MÄRCHEN ENTSPRECHEND IHREM VERSTÄNDNIS 31
5.1 Organisatorischer Rahmen der Untersuchung 31
5.2 Analyse der Kinderzeichnungen 33
5.2.1 Das Untersuchungsraster 35
5.2.2 Die Kinderzeichnungen 36
Bild Nr.1 36
Bild Nr.2 40
Bild Nr.3 44
Bild Nr.4 46
Bild Nr.5 49
Bild Nr.6 51
Bild Nr.7 54
5.2.3 Zusammenfassung der Analysen 55
5.3 Tendenzen 57
6. ERGEBNISSE 58
6.1 Zusammenfassung 61
6.2 Ausblick 63
7. LITERATURVERZEICHNIS 64
8. ANHANG 66
Die Fragestellung
Die Literaturdidaktik befaßt sich auf geistiger Ebene mit allen möglichen pädagogischen und psychologischen Relevanzen, die Märchen für Kinder haben können. Unter anderem gehört die Literatur von Bruno Bettelheim, Wolfram Ellwanger oder Josephine Bilz zu den meist verbreiteten Deutungsversuchen bzw. Verarbeitungsformen von Märchen. Sicherlich ist vieles aus dieser Literatur zutreffend oder erscheint zumindest stichhaltig. Man darf dabei aber nicht vergessen, daß sich die meisten dieser namhaften Autoren ausschließlich auf Erfahrungswerte beziehen und ihre Ansichten somit nicht wissenschaftlich untermauert sind. Bruno Bettelheim ist beispielsweise der Ansicht, daß die Märchen Kindern helfen, ,,die chaotischen Spannungen ihres Unbewußten zu bewältigen" (Bettelheim zit. nach: Bausinger 1987, S.29). Diese Gedankengänge klingen durchaus überzeugend, aber woher weiß man, was Märchen wirklich für die kindliche Psyche bedeuten, wenn weder bei den Untersuchungen von Bettelheim noch bei denen der anderen Psychologen und Pädagogen Kinder beteiligt waren? Wahrscheinlich ist eine systematische Analyse auf psychologischer Ebene nicht möglich.
Die nun folgende Untersuchung will Licht in die kindliche Verarbeitungsform von Märchen bringen: Wie verstehen Kinder Märchen auf der inhaltlichen Ebene? Da bei der Untersuchung Kinder unmittelbar beteiligt sind und tiefenpsychologische Deutungen außer acht gelassen werden, wird den Ergebnissen vor allem eine empirische Qualität gegeben. Ich verfolge das Ziel, die Leser dieser Arbeit und mich selbst für das kindliche Märchenerleben zu sensibilisieren und so Einblicke in die kindliche Gedankenwelt zu erhalten. Dies ist notwendig, um unterrichtlich angemessen mit dieser Textsorte umzugehen. Zunächst muß dazu die Frage beantwortet werden, inwieweit Kinder überhaupt noch diese `alte′ Textsorte angesichts der Konkurrenz moderner Kinderliteratur rezipieren.
Dahrendorf (1980, nach Sahr/Born 1990, S.26) stellt aus inhaltsbezogener Sicht einige mögliche Verarbeitungsweisen von Kinder- und Jugendliteratur vor, aus denen ich eine ,,produktive Form" (ebd.) der Auseinandersetzung für die Untersuchung ausgewählt habe, nämlich die der bildhaften Darstellung von Texten. Mit einer solchen produktiven Form auf die Textsorte Märchen zu reagieren, ist eine Alternative zu den üblichen Verarbeitungsweisen, die den Vorteil mit sich bringt, daß sich die Kinder mit dem Text auseinandersetzen und somit dessen ,,Autorität als etwas Starres und Unveränderbares" (Sahr/Born 1990, S.26) abgebaut wird. Aus diesem Grund erschien es sinnvoll, die kindliche Auseinandersetzung mit Märchen auf der inhaltlichen Ebene anhand von Kinderzeichnungen zu untersuchen.
Eine zentrale Frage der Untersuchung lautet: Was setzen Kinder von Märchen und vor allem wie setzen sie Märchen zeichnerisch um? Im Bildungsplan für die Grundschule ist dazu zu lesen, daß der ,,bildsprachlich[e] Unterricht [...] den mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch um eine nonverbale Ausdrucksform" (Ministerium für Kultus und Sport Baden-Württemberg 1994, S.25) erweitert. ,,In ihren selbstgefundenen Formzeichen verfügen die Kinder bereits über eine eigenständige Bildsprache, mit der sie ihre Vorstellung von der Welt aufzeigen" (ebd.). Hier nun setzt meine Untersuchung an: Kinder formulieren ihre Vorstellung von Märchen anders als über den verbalen Weg, mit dem Grundschüler aufgrund ihres noch relativ kleinen Wortschatzes häufig Schwierigkeiten haben. Ihre Anschauungen von Märchen finden in einer Zeichnung Niederschlag, deren erzählender Zusammenhang es in einer Interpretation zu erschließen gilt. Zu welchen Erkenntnissen dies führt, und welchen Nutzen Lehrende daraus für ihren Literaturunterricht eventuell ziehen können, wird im Verlauf der Untersuchung gezeigt werden.
Ein weiterer Grund, weshalb ich die kindliche Verstehensweise von Märchen anhand von Kinderzeichnungen untersuchen möchte, ist die Tatsache, daß so auch diejenigen Kinder miteinbezogen werden, die aufgrund einer ruhigen oder schüchternen Wesensart bei einer verbalen Form der Untersuchung Hemmungen gehabt hätten, sich überhaupt zu äußern.
Ich informierte mich bei zwei Experten auf dem Gebiet der Kinderzeichnung nach vorhandener Literatur: Professor Eberhard Brügel von der Pädagogischen Hochschule Freiburg und Professor Max Kläger von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Von beiden erfuhr ich jedoch, daß zu dem Thema meiner Arbeit weder in der Literaturdidaktik noch in der Kunstdidaktik bisher geforscht wurde und somit keinerlei Literatur besteht. Auch meine Recherche in Bibliotheken führte mich zu dem gleichen Ergebnis. Die vorliegende Arbeit befaßt sich also mit einem Gebiet, das von der Forschung bisher unbeachtet geblieben ist. Ein Grund hierfür könnte darin zu sehen sein, daß es schwierig ist, das hier angesprochene Thema mit den üblichen Methoden der Psychologie darzustellen.
Für die Untersuchung ergeben sich also in erster Linie die folgenden vier Fragen:
· Inwieweit rezipieren Kinder heute überhaupt noch Märchen?
· Was setzen Kinder von Märchen und vor allem wie setzen sie Märchen zeichnerisch um?
· Inwieweit lassen sich die kindlichen Anschauungen von Märchen in einer Interpretation der erzählenden Zusammenhänge von Kinderzeichnungen erschließen?
· Welchen Nutzen können Lehrende aus den gewonnenen Erkenntnissen für ihren Literaturunterricht ziehen?
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: