Farben als Warnsignale bei Tieren close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Farben als Warnsignale bei Tieren

Autor: Anka Möricke
Fach: Biologie - Zoologie

Lesen Sie im E-Book



Details

Kategorie: Referat / Schulaufsatz
Jahr: 2001
Seiten: 4
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 84 KB
Archivnummer: V100229
ISBN (E-Book): 978-3-638-98658-8
Anmerkungen :
Kurzreferat, 2 Seiten.

Volltext (computergeneriert)

 

Anka Möricke

Farben als Warnsignal bei Tieren

 

Um wirksam sein zu können, müssen Warnungen von allen Individuen gleichermaßen verstanden werden. Deshalb bedienen sich fast alle Tiere der gleichen Signalcodes. Amphibien warnen Säugetiere, Insekten warnen Vögel, Säugetiere wiederum warnen Reptilien. Einer der verbreitetsten Codes ist eine klar gegliederte schwarzgelbe Färbung. Dieses Muster ziert nicht nur eine Art des Pfeilgiftfrosches, sondern auch Feuersalamander, Nachtfalterraupen mit stechenden Haaren, einen kleinen Kofferfisch, der Gift ausstößt, wenn er angegriffen wird, einen Käfer, der eine ätzende Flüssigkeit absondert, die Bläschen auf der Haut erzeugt, sowie Bienen, Wespen und Hornissen, die von allen Insekten am wirkungsvollsten ihren Stachel einsetzen.

Auch die in unseren Gärten schwirrenden Schwebfliegen und die Glasflügler, eine zu den Nachtfaltern gehörende Gattung, sind gelbschwarz gemustert. Diese Insekten haben allerdings keinen Stachel, und ihre Färbung ist ein Schwindel. Mit der Giftmaskerade verhindern sie Angriffe von Vögeln, die sie sonst vielleicht fressen würden. Die Ähnlichkeit der Schwebfliegen mit Wespen ist verblüffend. Sie verraten ihre wahre Identität nur dadurch, dass sie in der für ihre Familie so typischen ruckartigen Weise durch die Luft fliegen. Die Glasflügler unterscheiden sich auch von der Form her stark von den Wespen, aber sie gleichen sich den stachelbewehrten Insekten durch ein brummendes Geräusch beim Fliegen an. Diese Taktik Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ohne sich dann einer ernsthaften Bedrohung auch erfolgreich widersetzen zu können, erscheint sehr leichtsinnig und gefährlich. Und in der Tat ist sie auch nicht immer zuverlässig.

Einige Vogelarten haben sich darauf spezialisiert, zwischen Sein und Schein zu unterscheiden, und ernähren sich von den Betrügern. Dennoch ist die Strategie als solche erfolgreich, denn es gibt unzählige Nachahmer im Tierreich. Die rotschwarz gestreiften Sandlaufkäfer, die gewaltige Kieferzangen haben und sie auch bereitwillig einsetzen, werden von Grashüpfern imitiert.

Eine Schabenart, die viele Vögel als eine gute Mahlzeit ansehen würden, imitiert die Siebenpunkt-Marienkäfer, die schwarze Flecken auf ihrer roten Flügeldecke und giftiges Blut haben. Eine südamerikanische Grille ist nicht nur wie eine Wespe gemustert, sie verhält sich auch, als verfüge sie über schlagkräftige Waffen. Sie läuft nur auf fünf Beinen und streckt das sechste trickreich steif nach hinten, so dass es wie ein Stachel aussieht, der aus ihrem Unterleib herausragt. Die Raupe des Costa-Rica-Nachtfalters hat ein Muster auf ihrem Körperende, das sie wie eine winzige Viper aussehen lässt.

Die meisten Tiere jedoch tarnen sich ganz anders und verhalten sich viel vorsichtiger, um Angriffe von Raubtieren zu verhindern. Neben den leuchtend gefärbten Pfeilgiftfröschen hocken andere Frösche, die kaum zu erkennen sind. Ihre braungemusterte Färbung trifft exakt das Muster der verrotteten Blätter um sie herum. An den Stränden im Norden kauern die hilflosen Regenpfeiferküken flach und bewegungslos auf dem Kies. Die Farbe ihrer Daunen entspricht so sehr der der Kieselsteine, dass die Hauptgefahr für sie nicht darin besteht, entdeckt und gefressen, sondern nicht entdeckt und versehentlich totgetreten zu werden. Noch weiter im Norden, wo die Landschaft im Winter weiß vom Schnee ist, müssen Säugetiere und Vögel ein weißes Tarnkleid anlegen und, sobald das Frühjahr kommt, wieder ihre ursprüngliche Färbung annehmen.

Die Insekten sind die wahren Meister der Tarnung. Käfer sehen aus wie Dornen, Tagfalter mit zusammengelegten Flügeln sind kaum von einem Blatt zu unterscheiden, Nachtfalter gleichen Flechten. Alle diese Verkleidungen können in ihrer Wirkung bei Bedarf durch eine besondere Körperhaltung noch verstärkt werden. Die Raupen der Spanner ähneln nicht nur von ihrer Farbe und der Beschaffenheit ihrer Oberfläche her kleinen Zweigen, sondern strecken auch ihren Körper so von dem Ast weg, auf dem sie sitzen, dass sie aussehen wie Zweige.

Ein brasilianischer Käfer faltet bei Gefahr seine Beine zusammen und wirft sich auf die Seite, so dass seine weiße Unterseite sichtbar wird. Er sieht dann wie ein Häufchen Vogelkot aus. Und damit seine Käferform untypischer wird, streckt er nach einer Seite auch noch ein weißes Vorderbein weg. Damit soll deutlich werden, dass das angebliche Vogelhäufchen ziemlich flüssig war und beim Aufprallen am Boden aufeinandergespritzt ist.

Aber wie zu jedem Spiel gehören auch zu diesem immer zwei. Genauso wie der Gejagte seinen Jägern mit geschickter Tarnung entkommt, kann auch der Jäger seinen Opfern Fallen stellen. Die Art des Atlantischen Seeteufels, die in der Sargassosee lebt, ist gefleckt und so mit Hautfetzen betakelt, dass sie im schwingenden Seegras für ein menschliches Auge fast nicht auszumachen ist.

Auch kleine Frösche, Krabben oder andere Meerlebewesen, die an der Oberfläche des ruhigen Meeres treiben, können den Fisch kaum wahrnehmen. Doch selbst diese perfekte Tarnung wäre wenig erfolgversprechend, wenn der Fisch die Flosse bewegen müsste, um seine Stellung zu halten, oder wenn er sich unabhängig vom Seegras bewegte. Aber das passiert nicht. Die Brustflossen des Seeteufels sind mit Muskeln versehen, die es ihm ermöglichen, sich an den Wedeln des Seegrases festzuhalten. Er bewegt sich genau in dessen Rhythmus.

Wenn Insekten im Urwald von Malaysia die eleganten weißen Blüten einer Orchidee aufsuchen, laufen sie oft geradewegs in ihr Verderben. Eines der fleischigen Blumenblätter bewegt sich plötzlich, und zwei hakenbewehrte Arme schießen heraus. Die Tarnung der Gottesanbeterin, die die Farbe und die Oberflächenstruktur der Orchideenblätter exakt trifft, ist perfekt. Weder das Auge eines Insekts noch ein menschliches Auge kann diese vollkommene Täuschung erkennen, es sei denn, die Gottesanbeterin bewegt sich. Doch dann ist es für das Opfer zu spät.

 

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/100229/