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Autor: Carolin Werner
Fach: Kunst - Kunstpädagogik
Details
Jahr: 2001
Seiten: 33
Note: gut
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 130 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-98837-7
Volltext (computergeneriert)
1
TEILGEBIET 1: FREIARBEIT 4
1.) Problemstellungen zur Freiarbeit 4
1.) Was ist Freiarbeit? 4
2.) Was ist frei bei der Freiarbeit? 5
3.) Was ist Freiarbeit nicht? 6
4.) Warum Freiarbeit?
7
5.) Historische Entwicklung der Freiarbeit
8
2.) Praxis der Freiarbeit 10
1.) Voraussetzungen für die Freiarbeit 10
a.) Respekt 10
b.) Organisatorische Voraussetzung: Raum
11
c.) Organisatorische Voraussetzung: Material (-ansprüche)
12
2.) Die Umsetzung in die Praxis 16
TEILGEBIET 2: Die Fragestellung nach der Möglichkeit von Freiarbeit
17
im Kunstunterricht
1.) Die ästhetische und künstlerische Entwicklung
18
2.) Bildungsauftrag des Kunstunterrichtes 21
2
1.) Lehrplan 21
2.) Persönliche Ziele und Anliegen am Kunstunterricht
22
3.) Kunstunterricht aufgeschlüsselt
24
3.) Die 3Gebiete des Kunstunterrichtes in Bezug auf deren
28
Realisation in der Freiarbeit
1.) Künstlerische Praxis
28
2.) Wahrnehmungsübung 30
3.) Kunstwissenschaftlich: Beschreiben,
Vergleichen der Analyse und der Interpretation von Kunstwerken
31
4.) Analyse des Freiarbeitsmaterials ,,Karteikarten-Kunst"
34
1.) Allgemeine Information 34
2.) Ziele 35
3.) Anwendung des Kriterienkataloges nach C.G.Krieger
37
Fazit 40
Literatur 41
Anhang 42
3
Einleitung
Seit ungefähr zwei Jahren setze ich mich mit dem Thema Freiarbeit intensiver
auseinander. Dies geschah aufgrund meines Fernstudiums an der
Lehrerakademie von Obermarchtal. Die Lehrerakademie bietet Lehrern,
welche an Marchtaler Plan Schulen unterrichten die Möglichkeit, sich über die
Ziele, Intentionen und Möglichkeiten des Marchtaler Planes fortzubilden.
Durch meine Mutter, die am St. Konrad Gymnasium ehrenamtlich tätig war,
erhielt ich die Chance, auch als Studentin an diesem Seminar teilzunehmen.
Eines der drei ,,Standbeine" des Marchtaler Planes ist neben dem Morgenkreis
und dem Vernetzten Unterricht die Freie Stillarbeit, die allgemein als
,,Freiarbeit" bezeichnet wird. Ich hatte durch das Fernstudium die Möglichkeit,
sowohl Erfahrungen über den Einsatz, die Intention, die Herstellung und die
4
Ziele der Freiarbeit zu sammeln. Leider war mir die Umsetzung in die Praxis nur
im Blockpraktium möglich.
Generell hat aber diese Erfahrung mein Interesse für die Freiarbeit geweckt
und mich dazu angespornt, mich weiter mit diesem Thema auseinander zu
setzten. Da mein Hauptfach Kunst ist, kam für mich als Folge des Ganzen die
unweigerliche Frage auf, ob ein Einsatz von Freiarbeit auch im Fach Kunst
möglich ist.
Dies soll das Thema meiner Didaktischen Hausarbeit sein. Als Grundlage soll
das erste Kapitel dienen, in dem ich den Begriff der Freiarbeit an sich , sowie
deren Intention, die Praxis etc klären möchte. Zum anderen wird meine
persönliche Auseinandersetzung mit der Frage ,,aber wie ist es möglich, oder
ist es überhaupt möglich, Freiarbeit im Kunstunterricht einzusetzen?" folgen.
Teilgebiet 2: Die Fragestellung nach der Möglichkeit von
Freiarbeit im Kunstunterricht
Nachdem ich all diese Kriterien für Freiarbeit im Allgemeinen dargestellt hatte,
wurde mir klar, dass sie zwar eine Grundlage für die Möglichkeit von Freiarbeit
im Kunstunterricht bieten können, jedoch auch andere Aspekte in Hinblick auf
diese Möglichkeiten zu berücksichtigen sind und sogar die Grundlage für
Freiarbeit in Kunst bilden sollten. Folgende Aspekte könnten sein:
Entwicklungsstand der Kinder, persönliche Ambitionen seitens des Lehrers im
Kunstunterricht, Ziele des Kunstunterrichtes im allgemeinen, Scheitern der Ziele
etc..
dieser Aspekte möchte ich im zweiten Teil meiner Hausarbeit vorwegschicken,
um dann auf die Beantwortung der gestellten Frage zu kommen.
5
Das wichtigste ist, eine Vision zu haben.
Das nächste ist, sie zu ergreifen und festzuhalten.
Dabei besteht kein Unterschied, ob man ein Filmdrehbuch
schreibt, den Plan für die Gesamtproduktion überlegt oder
sich eine Lösung für irgendeine Einzelheit ausdenkt.
Man muss das, was man im Sinn hat, sehen und fühlen. Man
muss es sehen und begreifen. Man muss es halten und im
Gedächtnis und im Sinn behalten. Und man muss es
zugleich tun.
Sergej Eisenstein1
1.) Die ästhetisch und künstlerische Entwicklung
Die
erste grundlegende Frage
jeden Konzeptes und ob es einsetzbar ist, ist
die Frage nach den Grundvoraussetzungen. Wovon kann ich als Lehrkörper
ausgehen, wenn ich den Kunstunterricht in der Grundschule praktizieren
möchte, bzw. wenn ich dort eine neue Arbeitsmethode im allgemeinen und
im speziellen in Kunst anwenden möchte. Oder würde dies die Kinder
grundsätzlich überfordern? ,,Eine unzureichende Kenntnis in dieser Beziehung
kann zu unangemessenen Einschätzungen und Interventionen führen, auch
zu unzutreffenden Aufgabenstellungen und Leistungserwartungen."2
1 Arche Literaturkalender, Arche Verlach 1999, Zürich, 7.-13. Februar 2000
2 sh. Aissen -Crewett, Kunstunterricht in der Grundschule, Westermann Schulbuchverlag
GmbH, Braunschweig, 1992, S.40
6
Betrachtet man die bildnerische Entwicklung von Kindern, so kristallisieren sich
drei Stufen
heraus, wobei die manipulative Stufe (2-5 Jahre) nicht in den
Bereich der Grundschule einzuordnen ist und somit aber als
Grundvoraussetzung dienen kann. Aus diesem Grund werde ich diese Stufe
ebenfalls kurz umreißen.
(1)
Manipulative Stufe (2-5 Jahre):
Hierbei handelt es sich um
die Phase, in der Kinder Materialien manipulieren. Sie widmen
sich dem Material zuerst untersuchend in einer fast schon
hingebungsvollen Weise. Diese Vorgehensweise wird
zunehmend organisierter, d.h. das Kind kann die Bildzeichen,
die es erstellt auch benennen.
Bevorzugt werden von den Kindern in diesem Lebensabschnitt
vor allem Flächen, die sie im ganzen Haus vorfinden; Tische,
Wände, Bettlaken etc.. Diese Kritzelphase ist ein unverzichtbares
Stadium der Entwicklung des Kindes wobei es die Zeichen der
Welt ,,erfasst".3
Sie wird als ,,manipulative Stufe" von Aissen Crewett
bezeichnet4 da in ihr das Kind die Fähigkeit erlangt durch
grafische Zeichen und deren zunehmende Symbolhaftigkeit
seine umgebende Welt zu erfahren und vor allem diese zu
erschaffen. Hierzu zählt auch das Erfahren von Materialien wie
Oberflächenstrukturen, Farbe, Geruch, Geschmack, Gewicht
(2)
Die symbolschaffende Stufe (6-8 Jahre) :
In ihr entwickeln
die Kinder eine Vielfalt an ausgeprägten Symbolen, welche für
Erfahrungen und Objekte stehen. Die symbolschaffende
Fähigkeit übernimmt Züge der manipulativen Stufe, in der
Zeichen für das, was das Kind bestimmt, stehen. Diese Zeichen
sind zum Teil einem Symbol mit anderer Bedeutung sehr
3 vgl. ebd., S. 40
4 sh. ebd., S. 41
7
ähnlich. Zu Beginn steht das Symbol für alles, was das Kind
bestimmt.
In der symbolschaffenden Stufe entwickeln die Kinder
zunehmend differenzierte Darstellungen. Am Beispiel der
menschlichen Figur lässt sich erkennen, dass die vor kurzem
noch entstandene Figur des Kopffüsslers durch Augen, Nase,
Fingern erweitert wird. Die Kinder bilden dabei nicht die
Wirklichkeit ab, sondern bilden strukturelle Äquivalente. Durch
ihre Fähigkeit, zueinander in Beziehung stehende Symbole zu
erschaffen verdeutlichen sie, dass sie fähig sind, visuell zu
kommunizieren.5 Auch sehen sie sich mit dem Problem von
Raum konfrontiert. Wie stelle ich ihn dar? Personen werden
größer als andere gezeichnet (wobei auch die
Bedeutungsgröße eine nicht unwesentliche Rolle spielt) auch
schichten die Schüler Papier um Tiefe darzustellen.
Zunehmend gewinnen die Bilder an Komplexität, mehrere
Perspektiven (Vogel- und Seitenansicht) werden in einem
Werk dargestellt.
(3)
Die Präadoleszenestufe (9-13 Jahre):
In ihr werden die Kinder
kritischer mit sich selbst und ihrer Arbeit. Aissen-Crewett
bezeichnet sie sogar als die ,,...die Unbefangenheit und
Spontaneität verloren haben..."6. Die Kinder achten mehr
auf das Urteil ihrer peer-group. Die Angst vor dem Misslingen
scheint zu steigen und ihre Fähigkeiten, sich in der Kunst
auszudrücken, empfinden sie als unzulänglich und
deprimierend. Aissen-Crewett schlägt hierbei vor den
Kunstunterricht mehr mit dem Erstellen von Plastiken,
Collagen und Drucken zu gestalten, Arbeitsweisen, die auch
von dem handwerklichen Tun geprägt sind.
5 vgl. ebd., S. 48
6 sh. ebd., S. 52
8
Vielleicht könnte man vor allem in dieser Phase den
Schwerpunkt auf die Motivation legen. Wäre gerade in
dieser Phase, d.h. vor allem ab der 4. Klasse , vom
entwicklungspsychologischen Aspekt gesehen, der Einsatz
von weiteren Lehr- und Lernkonzepten wie dem der
Freiarbeit im Kunstunterricht nicht angebracht? Eine weitere
Aussage von Aissen-Crewett stützt meine These: .."die
Schülerinnen und Schüler interessieren sich dafür, ihre
kognitiven Fähigkeiten zu testen... Es kommt nur darauf an,
die nunmehr gewandelte Kreativität aufzuspüren und durch
entsprechende veränderte didaktische Annäherungsweisen
und künstlerisch-ästhetische Angebote zu fördern..."7
Diese Gliederung warf bei mir folglich die Frage auf, ob vom
entwicklungspsychologischen Standpunkt aus betrachtet der Einsatz von
Freiarbeit zumindest ab der 4. Klasse gerechtfertigt und als Folge dessen vor
allem im kognitiven Bereich einzusetzen ist.
Wäre ersteres der Fall, so bedeutet das allerdings nicht unweigerlich, dass
Freiarbeit erst ab der 4. Klasse eingesetzt wird. Denn um erfolgreich vonstatten
zugehen, wie ich bereits im ersten Teil dieser Arbeit dargestellt habe, braucht
die Freiarbeit eine gewisse ,,Vorlaufphase" in der die Schüler das Arbeiten mit
dem Freiarbeitsmaterial erlernen können. Meiner Meinung nach wäre
Freiarbeit zumindest was die Entwicklung der Schüler betrifft auch im
Kunstunterricht gerechtfertigt.
Die Überlegung wo Freiarbeit eingesetzt werden kann möchte ich in
folgendem Kapitel klären und ob dies auch von Seiten des Bildungsauftrages
möglich ist. Kann man sie wirklich einsetzen - wird sie dem Fach, der Kunst und
dem Schüler gerecht? Oder würde es mehr einer ,,Beschäftigungstherapie"
gleichen, Freiarbeit und Kunst zu vereinen?
7 sh. ebd., S.53
9
2.) Bildungsauftrag des Kunstunterrichtes
Die
zweite unweigerlich folgende Frage
jeder Methode oder jeden Konzeptes
ist für mich die Aufgabe, die sie/es erfüllen sollen. Wenn man sich dessen
bewusst ist, kann man die für den Lehrer, die Klasse und das Thema adäquate
Form des Unterrichtes auswählen.
Hinzu kommen natürlich die Möglichkeiten des Faches im Speziellen.
Sicherlich bietet ein Fach wie Kunst andere Chancen und andere
Problemstellungen wie z.B. das Fach HuS oder Theologie. Dieses Kapitel soll
somit die Frage nach dem Bildungsauftrag von mehreren Standpunkten aus
betrachtet klären.
2.1.) Lehrplan
,,Grundlegendes Bildungsprinzip des Faches Bildende Kunst ist die Erziehung zu
bildnerischem Denken, bei dem das Kind seine ihm eigenen Wahrnehmungs-,
Ausdruckes-, und Wirkungsmöglichkeiten entdecken kann... durch Kunst- und
Werkbetrachtung...Wahrnehmungsübungen vertieft..."8 Geht man von
diesem Zitat aus, so steht das praktische Arbeiten im Kunstunterricht der
Grundschule im Vordergrund. Werkbetrachtungen sollen diese Form des
Unterrichtes vor allem begleiten und unterstützend wirken.
Genauer betrachtet bedeutet dies für den Unterricht, dass:
- Grundfertigkeiten des Kindes weiter vertieft werden sollen
- kreative Fähigkeiten entwickelt werden sollen, deren ,,Meilensteine"
Bildbetrachtung, Grunderfahrungen
mit bildnerischen Mitteln sind
- die Schüler sich mit der Wechselwirkung von praktischem Handeln und
reflektierender Auseinandersetzung von bildnerischen Formen
erste
fachliche Grundbegriffe und Kenntnisse
aneignen.
8 sh. Bildungsplan für die Grundschule, 1/1994, Ministerium für Kultus und Sport Baden-
Württemberg, Neckar-Verlag, Villingen-Schwenningen, S.24
10
- die Schüler das Differenzieren von Zeichen und Formen (das beinhaltet
auch deren Finden), das Artikulieren des Gesehenen und v.a. das
Verstehen des Gesehenen erlernen.
- auch das Verstehen und Anwenden von Formen einen zentralen Punkt
im Kunstunterricht darstellen soll.
- experimentieren mit dem Material, dessen Veränderung und
Umgestaltungen ebenfalls eine zu erlernende Eigenschaft darstellen,
- sowie deren Beziehung von Form und Grund
- und daraus die Zusammenhänge von Formen, Farben, Gegenständen
als Bausteine von Kunst zu erkennen.
Bei dieser genaueren Betrachtung wird deutlich, dass ein rein
fachwissenschaftlicher Unterricht ohne die Verbindung zur Praxis von Seiten
des Lehrplanes nicht vorgesehen ist. Betrachtet man dazu noch die
stufenspezifischen Einteilungen für das Fach Kunst ( siehe Kapitel 2.3.), wird
deutlich - dass die für die Klassen vorgesehenen gestalterischen Aufgaben
diese Beobachtungen stützen.9
2.2.) Persönliche Ziele und Anliegen am Kunstunterricht
Das Kompaktseminar vom SS 2000 bezüglich Bildbetrachtung im Kunst- und
Religionsunterricht hat mich zum ersten Mal
bewusst
vor die Frage gestellt,
was ich als Lehrkörper im Kunstunterricht vor allem den
fachwissenschaftlichen und den die Wahrnehmung betreffenden Teil
erreichen möchte. Bewusst insofern, da es
einfacher erscheint, sich an Lehrpläne zu halten, und auch die Frage nach
den eigenen Vorstellung zu oft und zu leicht ins Abseits gedrängt wird.
Ich möchte zur Veranschaulichung meiner folgenden Argumentation mein
Schaubild, welches ich im Kompaktseminar erstellt habe , einfügen.
9 vgl. ebd., S. 25
11
ICH
-Ebene
Freude an
Kunstwerke an-
Bildern
Gedanken und
haben
schauen können
Ge-fühle,
entwickeln
und mitteilen
Sich selbständig
unabhängig von
Außen-
Zugänge zu
Seine eigene
anregungen
Bildern
Wahrnehmung
selbständig
schaffen
reflektieren
mit Kunst be-
können
schäftigen können
Mehrdeutigkeit
Kunst=
Sein eigenes
Eigene
Die
aushalten
Ausdruck
Deutungsverha
Geschmacks-
Wahnehmungs-
allgem.Geistes-
lten
vorlieben
weisen wechseln
können
gesch.Verhal-
reflektieren
begründen
können
tnisse
können
Bilder
Bildabsicht durch-
interpretieren
schauen und
können
hinter-
fragen können
SACH-Ebene
Viele Bilder
Akzeptieren: es
Sich lange mit
Bildwirkungen
kennen
gibt
einem Bild
erkennen und
auch andere
befassen
formulieren
Meinungen über
können
Bilder
Sich in den
Wie werden
Wie wird ein
Etwas über den
Historische
Künstler
Bild-
Bild
Künstler
Hintergründe
hineinversetzen
wirkungen er-
hergestellt
wissen
?
können
zeugt
Qualität von
unbe-
Bildern
deutend???
beurteilen
können
12
Durch dieses Schaubild wurde mir klar, dass ich vor allem an der, wie ich es
nannte, ,,Ich-Ebene" 10 des Schülers interessiert bin. Zu dieser zählt vor allem:
die Freude an Bildern. Viele Kinder scheinen zur Kunst wenig Bezug zu haben,
sei es familiär oder gesellschaftlich bedingt. Die eine Möglichkeit, mit Kunst in
Kontakt zu treten und gefallen daran zu finden, ist die Schule bzw. der
Kunstunterricht. Auch die Fähigkeit, Gedanken und Gefühle zu äußern sowie
die Fähigkeit, Kunstwerke überhaupt betrachten zu können, sind ein Teil der
für mich gestellten ,,Ziele". Bereits die dritte Reihe meines Schaubildes geht
mehr in die Richtung der ,,Sach-Ebene". Das Persönliche tritt für mich hierbei
immer mehr zurück und das Fachwissen nimmt weiter zu.
Als Zusammenfassung möchte ich sagen, dass für mich Kunst und
Kunstauffassung sehr emotional geprägt sind und somit diese Seite als
Ausgangsbasis für den Kunstunterricht auch in Hinsicht auf die Praxis gelten
kann. Ohne den Fachwissenschaftlichen Aspekt aber kann das Verständnis
von Kunst sich nicht weiterentwickeln.
2.3) Kunstunterricht aufgeschlüsselt
Wie schon zu anfangs festgestellt, teilt sich der Kunstunterricht in zwei große
Teilgebiete: Praxis und Theorie. Genauer betrachtet kann man aber sagen,
dass sich letzteres abermals in Wahrnehmungs- und Kunstwissenschaftliche
Ebene gliedert. Daraus ergeben sich drei Komplexe. Diese sind unabhängig
von der Schulart. Ihr Schwerpunkt hingegen wird unterschiedlich gewichtet.
10 Der Begriff ,,Ich Ebene" soll die Ziele zusammenfassen, die sich mit der betreffenden
Person, in diesem Fall, der des Schülers, befassen. Hierbei lege ich vor allem Wert auf die
emotionale Seite des Betrachters, welche für mich die Grundlage für Kunst und deren
Verständnis allgemein bildet.
13
Ich möchte nun die mir persönlich als auch die vom Lehrplan gestellten Ziele
den drei Schwerpunkten zuordnen und als Folge dessen genauer bewerten,
in welchem Bereich Freiarbeit grundsätzlich einzusetzen ist . Der
Übersichtlichkeit halber werde ich es in Form einer Tabelle darstellen.
Methode 1:
Methode 2:
Methode 3 :
Künstlerische Praxis
Wahrnehmungsebene
Kunstwissenschaftlich
-Material und -sein eigenes Deutungs- Vorraussetzung:
Gegenstände
verhalten reflektieren Mehrdeutigkeit
gestalterisch zu können.
aushalten können.
verändern und - zwischen -Kunst als Ausdruck
umzudeuten11
verschiedenen
geisteswissenschaftlicher
-Bewegung (als Wahrnehmungsweisen
Verhältnisse begreifen
Veränderung von Form, wechseln können
-Bilder interpretieren
Gegenstand und -Geschmacksvorlieben
können
Figuren), Raum und Zeit begründen können
- Viele Bilder kennen (um
darstellen12
Vergleiche anzustellen)
- andere Auffassungen
und Interpretationen
- andere Auffassungen eines Bildes
und Interpretationen nachvollziehen (und
eines Bildes akzeptieren) lernen
(nachvollziehen und) - sich lange und
akzeptieren lernen
ausdauernd mit einem
- sich lange und Bild befassen können (als
ausdauernd mit einem Grundlage einer
Bild befassen können
intensiven Analyse)
-Bildwirkungen erkennen
und formulieren können
-Bildwirkungen erkennen -Bildabsicht
und formulieren können druchschauen und
kritisch hinterfragen
-erkennen können, wie
bestimmte Bildwirkungen
erzeugt werden
-etwas über das
Herstellen von Bildern
11 vgl. ebd., S. 25
12 vgl. ebd., S. 25
13 vgl. ebd., S. 25
14 vgl./sh. ebd. S. 93ff.
15 vgl./sh. ebd. S.150ff.
16 vgl./sh. ebd., S.206ff.
14
wissen
-etwas über den Künstler
wissen
-etwas über den
historischen Hintergrund
der Bilder wissen
- aus der
gegenständlichen Welt
Formen, Farben, Figuren
wahrnehmen
...und sie verstehen17
-Formen, Farben, Farben,
Körper aufeinander
beziehen lernen
-Form in ihrer Umgebung
als Bildzeichen her-
wahrnehmen, und deren
stellen...
Wechselbeziehung zum
Untergrund erkennen
-Erkennen: Farbe,
Gegenständliches,
diese sollen geordnet
Figuren und Formen sind
und gruppiert werden13
Bausteine
KLASSE 1/2:
der Kunst
- mit versch. Graf.
Gestaltungsmitteln
spieler-isch umgehen
-Pflanze, Mensch, Tier
graf. Darstellen
-Beziehung zwischen
Form und Figur grafisch
darstellen
-Druck: graf. Elemente
ordnen
-reine gemischte Farben
ausprobieren
-Objekte durch Farbe
verändern
-Farbdynamische
Bewegungsspuren
erzeugen
-Farbelemente ordnen
-plastische Figur
herstellen
-Materialerfahrung
-dreidimensionale
17 vgl. ebd., S. 25
15
Elemente bauen
-Räume wahrnehmen
und beschreiben14
KLASSE3:
-Erproben grafischer
Mittel
-Mensch, Pflanze, Tier
graf. differenziert
darstellen.
-Beziehung von Figur und
Form differenziert
darstellen
-Natur in Bewegung
darstellen
-umdeuten (farblich) von
vorgegebenen Objekten
-farbliche Elemente
regelmäßig gruppieren
-Neue Verwendung von
Formteilen (aus Alltag)
-Räume erfahren15
KLASSE 4:
-Einzelfigur erfassen und
differenziert graf.
darstellen.
-wahrnehmen von
Beziehungsgefüge von
form und Figur und graf.
differenziert wahrnehmen
-Erproben und Ausdeuten
graf. Strukturen.
.graf. Formen wahrnehmen
und umdeuten
-Beziehung von Figur und
Umgebung darstellen.
-feines Farbspektrum
erkennen
-Farbe =Raumwirkung
-Bewegung durch Farbe
darstellen
-Figur herstellen, die sich
auf den Raum bezieht
-Raumgefüge herstellen
-3-dimensionale Elemente
oder verformbares Material
erzeugen eine
Wechselwirkung von Innen-
und Außenraum16
16
Betrachtet man nun die sehr ausführliche Aufschlüsselung der Aufgaben, die
der Kunstunterricht in der Grundschule erfüllen soll, so wird deutlich, dass wie
schon zuvor behauptet, sehr viel Wert auf den praktischen Teil gelegt wird.
Nochmals möchte ich aber hervorheben, dass es im Kunstunterricht nicht
möglich ist, ein Themengebiet isoliert zu betrachten und zu behandeln, wenn
man es vollständig erfassen möchte. Auch aus diesem Grund fiel es mir
zuweilen schwer, bestimmte Ziele einer Methode zuzuordnen.
Auch ist mir klar geworden, dass die vorne angestellten Ziele meiner ,,Ich-
Ebene" nicht in diese Tabelle zu ordnen sind. Ich sehe sie als Grundzeile/-
voraussetzungen für die gesamte Tabelle und somit den gesamten
Kunstunterricht.
3. Die 3 Gebiete des Kunstunterrichtes in Bezug auf deren
Realisation in der Freiarbeit
Als nächstes möchte ich nun Überlegungen starten, in welchem dieser 3
Gebiete die Freiarbeit einzusetzen ist, bzw. welche Gebiete ich von
vornherein ausklammern kann. Eine nochmalige Gliederung der 3 Gebiete
soll meine Argumentation erleichtern und verdeutlichen.
3.1.Künstlerische Praxis: Verbindung von Rezeption und Produktion,
Nachbeurteilen des Erstellten
Die Künstlerische Praxis lässt sich wiederum drei große und ein kleines
Teilgebiet gliedern:
1) Grafik: die zentralen Aufgaben dieses Teilgebietes sind:
- Zuordnen einzelner Bildzeichen
- Einordnen der Bildzeichen in das Blattformat
(Formatbewältigung)
- Dann: Erfassen von Größenunterschieden sowie den
Begrifflichkeiten von ,,Oben" und ,,unten" und deren
Gebrauch
17
Bei entsprechender Anleitung sind Kinder bereit Bildzeichen
groß und klein zu setzen (geordneter Bildbau)18
2) Malerei: bedeutet in der Grundschule vor allem: Malen mit
deckenden Farben
mit Hilfe des Lehrers kann die lasierend und aquarellierende
Technik erlernt werden
- Umgang mit farbigen Materialien
- Zuordnen von Farbflecken
- Ziel: differenzierte Farbigkeit
Lehrer muss seine Ansichten von Farbigkeit des Motivs her
formulieren.19
3) Plastik:
- Materialerfahrung (Eigenschaften,...)
- Geordnete Formen, Formenklarheit, Formbeziehung
- Einbeziehen von Reliefs als Steigerung
Erfahrungshorizont durch Reflexion und Kunstbetrachtung
erweitern. Vor allem aber durch:20
4) Bauen: hilf die Strukturqualität, Größen und Proportionen sowie
statische Möglichkeiten zu erfahren
Ist also was den praktischen Teil des Kunstunterrichtes betrifft, eine Form von
Freiarbeit möglich? Ich als angehende Lehrerin würde mich davor scheuen,
Freiarbeit in diesem Teilgebiet einzusetzen. Es ist für mich nur schwer
vorstellbar, dem Kind die eigene künstlerische Entwicklung selbst
anzuvertrauen bzw. es dabei nicht zu begleiten. Wie sollte eine solche
Form
der Freiarbeit aussehen.? Sind Aufgabenkataloge, aus denen sich der Schüler
eine Karte aussucht, und auf der eine praktische Aufgabe formuliert ist, eine
Möglichkeit? Es wäre für mich die einzig vorstellbare Lösung, die aber
keineswegs zufriedenstellend ist. Ich bezweifle, dass eine schriftlich formulierte
18 vgl. Wilhelm, Gerold/ Wloka, Joachim, Handbuch Kunstunterricht, Unterrichtsmodelle
Primarstufe, Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf, Schwann, 1979, S.17f.
19 vgl. ebd., S. 20f.
20 vgl. ebd., S. 23
18
Aufgabe die Inspiration geben kann, die eine Werkanalyse im Klassenplenum
in den Kindern hervorruft. Zudem sehe ich das Problem, wie ich es bereits im
Praktikum erlebt habe: eine Aufgabe 20 verschiedene
Realisations- und
Verständnisprobleme
. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Aufgabe so
formuliert ist, dass sie das gesamte Spektrum an Problemstellungen abdeckt
und jedes Individuum berücksichtigt und zudem verständlich für einen
Grundschüler formuliert ist. Ist es überhaupt möglich, jeden Schüler anzuregen
und auf eine Realisation hinzuführen. Der Lehrer wäre weiterhin intensiv
gefordert, um dem Kind und der Kunst gerecht zu werden. Dieser persönliche
Betreuungsaufwand liegt allerdings nicht im Sinne der Freiarbeit und im Sinne
der restlichen Schüler.
Mit diesen ersten Kritikpunkten kommen wir direkt zu den Materialansprüchen,
die ich bereits in Teilgebiet 1, Kapitel 2c.) umrissen habe.
- Zwar würde es die Schüler in ihrer Eigengestaltung anregen, die
Frage ist nur: in welchem Maße? Für mich wäre es vielmehr ein
Abarbeiten von Aufgabenelementen oder könnte ohne Kontrolle
auch in einem ziellosen Durchwandern eines Aufgabengebietes
enden.
- Ist es dem Material möglich, die verschiedenen Lerntypen zu
berücksichtigen? Wie bereits angedeutet, bezweifle ich diesen
Punkt, wenn man den Begriff ,,Lerntypen" mit ,,Problemtypen"
gleichsetzt
- ,,Eigenaktives Lernen": Ich bin nicht der Ansicht, dass man bei dem
praktischen Teil des Kunstunterrichtes von ,,Lernen", sondern eher
von ,,Weiterentwicklung" sprechen kann. ,,Eigenaktiv" wäre dieses
aber durch einen Aufgabenkatalog noch lange nicht. Ich würde
es als eigenaktiv bezeichnen, wenn ein Kind aufgrund einer
Einstiegsmotivation (z.B. Bildbetrachtung oder Phantasiereise) sich
loslöst und mit Hilfe von Inspirationen durch den Lehrer und
Anregungen durch die Mitschüler sein eigenes ,,Bild" schafft.
- Auch wäre eine Offenheit in Bezug auf die Aufgabenstellung
ebenso schwierig zu realisieren. Wie bereits oben kritisiert, müsste
19
die Aufgabenstellung sehr ausführlich seinund wenig Spielraum
beinhalten, um ein annäherndes Ergebnis zu erlangen wie ein vom
Lehrer geleiteter Unterricht.
- Wie ist es mit der immanenten
Fehlerkontrolle?
Sie ist zentraler Kern
der Freiarbeit. Man kann aber in Kunst nicht aufgrund einer
unzureichenden Aufgabestellung ein mit Liebe und Aufwand
entstandenes Werk als ,,falsch" oder ,,richtig" - wie etwa 1 + 1=2 in
der Mathematik -bezeichnen. Ich bin der Meinung dass die
Kriterien der immanenten Fehlern niemals einer praktischen Arbeit
im Kunstunterricht gerecht werden können, ohne, ohne den Sinn
der Kunst zu hintergehen.
Aus diesen Gründen erachte ich ein Freiarbeitsmaterial für den praktischen
Teil der Freiarbeit nicht als sinnvoll.
3.2. Wahrnehmungsübung
Ich habe mich lange gefragt, was die genaue Aufgabe von
Wahrnehmungsübungen und Kontextunterricht im vergleich zum
kunstwissenschaftlichen Aspekt sein sollte. Meine Auslegung ist
folgendermaßen:
Wahrnehmungsübung
bedeutet für mich das ,,Betrachten" selbst. Ein
Kunstwerk wird betrachtet, aufgefasst, ohne dass eine direkte Beschreibung
und Auslegung erfolgt. Wichtig ist hierbei die Fähigkeit, Geduld zu haben,
sich Zeit zu lassen, und Frage: kann man hierfür ein Material erstellen, das
eben diese eine Aufgabe erfüllt oder dem gleich kommt? Ich könnte mir das
Material folgendermaßen vorstellen: Ein Bilderkatalog, aus dem sich die
Schüler ein Bild aussuchen und angehalten werden, es für einige Zeit zu
betrachten, dann können sie ihre Gedanken mit anderen Mitschülern
austauschen. Stichwörter und Fragen können ihnen bei der Betrachtung
helfen (Wie gefällt Dir das Bild? Weshalb? Was fällt Dir zuerst auf? ...). Der
Vorteil des Materials läge in der Gruppendiskussion: die Schüler können
hierbei lernen, sich auszutauschen, ihre Gedanken zu formulieren - sie
20
arbeiten eigenaktiv. Ich frage mich allerdings, ob Kinder im Grundschulalter
fähig sind, ohne dass sie ähnliches mit dem Lehrer im Klassenplenum bereits
erlernt haben, eine solche Aufgabe sinnvoll zu bewältigen. Vielleicht wäre ein
solches Material, wenn überhaupt, in der Sekundarstufe angebracht, wobei
ich auch hier bezweifle, dass die Schüler sich der Aufgabe intensiv widmen.
Eine solche Gruppendiskussion könnte eher zum nicht kunstbezogenen
Gespräch verleiten, zumal die Gruppe einen anderen Arbeitsplatz wählen
müsste um andere Mitschüler nicht bei ihrer Arbeit zu stören und somit der
Aufsicht des Lehrers entzogen wären.
Möglich wäre es in der Grundschule lediglich einen Kasten mit verschiedenen
Bildern aufzustellen. Die Schüler könnten sich die Bilder betrachten und
erfahren, wie vielfältig die Kunst ist. Wahrnehmungsübungen und
Bildbesprechungen wären somit weiterhin ausschließlich im Klassenverband
möglich. Und es wäre sicherlich ein Erfolg wenn die Kinder dabei Parallelen zu
den Bildern im ,,Bilderkasten" erkennen könnten.
3.3. Kunstwissenschaftlich: Beschreiben, Vergleichen der Analyse und
der Interpretation von Kunstwerken.
a) Bild-/Objektbeschreibung: Was ist zu sehen? Es handelt sich
hierbei um ein das Ganze überschauendes Arbeiten.
Motivbestandteile und Beziehungszusammenhänge werden
hierbei beschrieben. Wichtig ist hierbei, dass vor allem in der
Primarstufe Hilfestellungen gegeben werden. (Stützfragen,
Lagebeziehungen erstellt werden...).
Zusätzlich fließen hierbei schon erste Bedeutungen und
Interpretationen mit ein.
b) Werkanalyse: Wie ist es dargestellt? Dies ist der wesentliche Teil
der Kunstbetrachtung. Ziel ist es, ein Werk zu erfassen und zu
verstehen. Hierbei wird die Vorbereitung und Integration des
Lehrers gefordert, der Informationen über das Werk sich
angeeignet hat (äußere Daten, die Zusammenhänge in
historischer Sicht, Funktion, Zweck ). Ebenso ist sein Wissen über
21
die Bildelemente und Strukturprinzipien notwendig. Somit ist das
Ziel der Werkbetrachtung, zu zeigen mit welchen Mitteln der
Künstler ein Werk erstellt hat und womit er eine bestimmte
Wirkung erreicht.
c) Interpretation: Was soll gesagt werden? Hierbei erfolgt eine
Synthese des bereits gewonnenen, die sprachliche Darstellung
der Gehalte und Ausdrucksgehalte. Wie wirken die Mittel auf
den Betrachter. Dieser Schritt wird in der 1. und 2. Klasse nur
gelegentlich möglich sein. Auch hierbei spielt der Lehrer eine
zentrale Rolle. Ihm obliegt es, die Schülern auf ihrem Weg zum
Werkverständnis zu begleiten und zu kontrollieren, ob die
Analyse des Bildes ausreichend vollzogen wurde.
Da es sich bei diesem Teilgebiet um einen theoretischen und
fachwissenschaftlichen Part des Kunstunterrichtes handelt könnte, man
vorschnell urteilen, dass hier der Einsatz von Freiarbeit rein theoretisch möglich
sein müsste.
Wie sollte also ein solches Material beschaffen sein? Es müsste sich um ein
Material handeln, dass den Schülern hilft, ein Kunstwerk zu analysieren und
dabei entweder alle Aspekte des Bildes abdeckt oder bewusst Teilaspekte
des Bildes herausnimmt und diese dann bearbeitet.
Zu ersterem
: Ist es möglich ein Material zu entwickeln, das alle Aspekte eines
Bildes abdeckt, zudem Informationen über die Entstehungszeit, die Art der
Entstehung, den Künstler etc. liefert? Ich habe oft bei mir selber bemerkt, dass
ich erst durch das Gespräch mit Kommilitonen oder durch Anregungen durch
den Professor/die Professorin auf bestimmte Aspekte eines Bildes aufmerksam
geworden bin (siehe auch Punkt a.)). Ich bezweifle, dass ein Material in der
Lage ist, mit der Form des Gesprächs konkurrieren zu können. Zudem müsste
das Material Skizzen enthalten, die auf bestimmte Formenbeziehungen
aufmerksam macht. Als Beispiel kommt mir hier Max Bills Werk ,,Zwei
Farbgruppen..." in den Sinn, welches wir im Kompaktseminar über Bilddidaktik
verwand haben. Das Schema des Bildaufbaus dem Schüler deutlich zu
22
machen wäre mit Hilfe einer Aufgabe fast ein Ding der Unmöglichkeit. Des
weiteren müsste das Material gezielte Fragen enthalten, die den Schüler auf
jeden einzelnen Aspekt aufmerksam macht. Und was ist mit der individuellen
Präferenz der Schüler? Oft zeigen sich erst im Klassenverband Schwerpunkte,
die die Kinder selbst festlegen und die sie besonders faszinieren. Wäre ein
Fragenkatalog fähig, auf all diese Aspekt einzugehen?
Als großes Problem sehe ich auch: der schriftliche Umfang dieser Aufgabe. Für
Kinder der Grundschule wäre sie mehr als nur eine Überforderung, vielmehr
eine Zumutung. Sie würde nicht motivieren, sondern die Kinder vor einen
demotivierenden Aufgabenberg stellen, der ihr Verhältnis zur Kunst über
lange Zeit hinweg negativ beeinflussen könnte.
Zu Zweiterem:
Würde es sich um einen Fragenkatalog handeln, der explizit
ein Teilgebiet (die Formgebung, Farbe o.a.) hervorheben würde, so wäre es
vermutlich vom Umfang der Fragen her betrachtet reduzierter als erstere
Variante, allerdings stellt sich wiederum die gleiche Problematik wie bereits
oben am Beispiel von Max Bill erläutert. Die Besonderheit des Werkes würde
niemals in dem Umfang sichtbar wie durch einen Unterricht im
herkömmlichen Sinn.
Ich selbst hatte einmal ein Material gesichtet, welches dem Prinzip eines
Ratespieles glich: es bestand aus einzelnen Hinweiskärtchen und einer
Ansammlung von Bildmaterial. Diese Hinweise wurden nacheinander von
dem Schüler abgehandelt, und führten ihn letztendlich zu einem Bild. Durch
die Hinweise hatte er bereits Informationen über das Bild erhalten (Farbe, Titel,
abgebildete Objekte). Er konnte sich dann am Schluss je nach Belieben
weitere Informationen anhand von Karteikarten über das Bild beschaffen (wie
etwa die Stilepoche, Lebenslauf des Künstlers etc.). In diesem Fall wird klar,
dass der Kasten vor allem für die Sekundarstufe entwickelt worden war, da
das Einteilen von Bildern in verschiedene Stilepochen für die Grundschule eine
Überforderung darstellen würde. Ich habe damals mit dem Entwickler dieses
Kastens, Herrn Baumann von der Bodenseeschule, gesprochen. Für seine
23
Schüler sollte es vor allem den Zweck des ,,Näherbringens der Kunst an die
Schüler" erfüllen und ihr Interesse dafür wecken.
Ich frage mich aber, ob diese Form des Arbeitskastens nicht ein Katalogisieren
von Kunstwerken ist und den emotionalen und entdeckenden Charakter
einer Analyse ausklammert.
4. Analyse des Freiarbeitsmaterials ,, Karteikarten Kunst"
Das Karteikartensystem (siehe Anhang), welches ich auf seine
Freiarbeitstauglichkeit prüfen werde, stammt aus der Zeitschrift ,,Kunst und
Unterricht"21.
4.1. Allgemeine Information
Das Arbeitsmaterial gliedert sich in drei Themengebiete,
1.) Klänge aus Formen und Farben
2.) Experimentieren, Bauen, Formen
3.) Träume, Visionen und Sehnsüchte
und korrespondiert somit mit den Lehrplaneinheiten
1.) Liedgestaltung, harmonische Stütztöne, Instrumente und andere
Klangerzeuger, Instrumentenkunde
2.) Geschichten erfinden und schreiben, im Lexikon nachschlagen,
sich auf Spurensuche begeben, die Natur erleben, systematisch
sammeln und Ordnen bestimmter Gegenstände (Deutsch und HuS)22
3.) Schreiben und Gestalten, Masken (Kunst)
Die Karteikarten wurden von Constanze Kirchner aus Oestrich-Winkel
entwickelt. Sie zeigen auf der Vorderseite farbige Abbildungen eines
Kunstwerkes und die dazugehörigen Angaben. Auf der Rückseite befinden
sich Arbeitsanregungen, Hinweise und Informationen zum Bild, sowie
21 Kunst und Unterricht, Heft 203 und 204/1996;212 1997, jeweils Seite 22
22 ebd., Heft 204/1996, S.22
24
Arbeitsanregungen. Um den Kindern diese verschiedenen Teile besser
identifizieren zu können hat die Constanze Kirchner verschiedene Symbole
zum besseren Verständnis entwickelt:
& kennzeichnet einen Lesetext (Information zum Künstler,
Form, Inhalt des Werkes, Entstehung..)
F fordert die Schüler auf, nachzudenken, zuzuhören, zu
zeigen
! deutet auf Aufgaben, die die Schüler schriftlich zu lösen
haben
· kennzeichnet Anregungen für die bildnerische Gestaltung.
Zusätzlich finden sich Abbildungen von Materialien, die einen
Aufforderungscharakter haben sollen.23
Das Karteikartensystem wurde für Schüler ab der 3. Klasse entworfen. Sie sind
aber auch in Klassen der Förderstufe (5./6. Klasse) denkbar.
Ich merke: Die Einordnung ab der 3. Klasse entspricht meiner ersten
Einschätzung (Entwicklungspsychologisch) wie bereits zu Anfang des 2.
Teilgebietes zu lesen war.
4.2. Ziele
Das Material besitzt mehrere Zielrichtungen die allerdings vor allem durch die
verschiedenen Themengebiete geprägt sind. Diese möchte ich im Anschluss
an die allgemeinen Ziele des Materials klären:
Grundsätzlich soll das Material:
- zu Handlungen anregen, die den kindlichen Bedürfnissen und
Interessen entsprechen.
- im reflexiven Bezug auf das künstlerische Werk den Zugang zu
Kunst ermöglichen (ohne einen theoretische - reflektierenden
Zugang).
23 vgl. ebd
25
- die ästhetische Entwicklung der Kinder im Umgang mit
verschiedenen Materialien fördern.24
- dem Kind genügend Freiraum für die individuelle Entfaltung
bieten25
Da die Karten in verschiedene Themengebiete eingeteilt sind, ergeben sich
dem Themengebiet entsprechend individuelle Teilziele. Diese sind:
Klänge aus Formen und Farben:
- Schüler sollen selbst entdecken und Erproben, dass Formen und
Farben sprechen (Vorraussetzung: keine gegenständliche
Abbildung)
- Den Kindern den Zugang zur ungegenständlichen Kunst zu
erleichtern
Hierbei soll die Problematik der Abstraktion und Konkreten Kunst
nicht direkt angesprochen werden, sondern das synästhetische
Vermögen der Kinder fordern (ich höre etwas wenn ich das Bild
betrachte...).26
Experimentieren, Bauen, Forschen:
- ästhetische Erfahrung mit unterschiedlichem Material sammeln
- Gestaltungsaspekte nachvollziehen lernen
- Umwelt erkunden
Die Sammelliebe von Kindern soll aber vor allem durch den Einsatz
verschiedener Kunstwerke in unterschiedliche Richtungen gelenkt
werden
Tony Cragg
: Anregung zum Sammeln von Abfall wie geht die
Menschheit mit der Umwelt um?
Daniel Spoerris:
subjektive Sammelerfahrung
24 vgl. ebd., 204/1996
25 vgl. ebd., 203/1996
26 vgl. ebd., 203/1996
26
Asger Jorn und Yves Klein
: Experimentieren und Phantasie sollen
angeregt werden
Mo Edogas:
Kann ich auch ein solches Bauwerk konstruieren?
Picasso:
Finden symbolischer Formen aus Holz.
Jimmie Durham/Andy Goldsworth:
Die Natur als faszinierendes
Sammelsurium erkennen27
Träume, Visionen, Wünsche und Sehnsüchte:
Grünewald:
Thematisieren von Alpträumen
Bosch:
Mahnung an die Menschheit
Miró, Max Ernst:
Anregung zum Verfahren mit Techniken, bei denen
Bildgegenstände im Gestaltungsprozess assoziativ verändert werden
Rousseau:
konzentrieren auf die Ausdrucksmöglichkeiten von Träumen
Magritte:
Thematisieren von Träumen hierbei spielt das Mittel der
Verfremdung (Verändern von Proportionen) eine wichtige Rolle
Schultze:
Phantasievolle Objekte sollen durch die Inspiration dieses
Werkes entstehen.
Buthe:
Rauminstallationen kreieren28
4.3. Anwendung des Kriterienkataloges nach C.G. Krieger
(Teilgebiet 1,
Kapitel 2.1 c.))
Ich möchte nun das Material anhand des Kriterienkataloges von C.G. Krieger
analysieren
Punkt 1: methodische Fähigkeiten und Fertigkeiten
: Grundsätzlich sollte
der Schüler fähig sein, größere Texte zu lesen und diese sinngemäß
erfassen zu können ( 1. und 2. Klasse kommen dabei kaum in Frage).
Wörter wie z.B. ,,skurril" und ,,Seelenqualen" sind sicherlich vielen
Kindern nicht bekannt, und wenn ja, schwer zu lesen. Insofern setzt
auch die Wortwahl einen gewissen Grundwortschatz voraus. Ebenso
sollte der Schüler bereits Grunderfahrungen mit Bildbetrachtung und
27 vgl. ebd., 204/1996
28 vgl. ebd., 212/1997
27
Kunst im allgemeinen gesammelt haben, um ein gewisses
Grundverständnis entwickeln zu können. Bei den praktischen Aufgaben
sollten die Schüler eine bereits ausgeprägte Fingerfertigkeit besitzen, um
die verschiedenen Aufgabenkomplexe bewältigen zu können.
Punkt 2: rAbeitsziele:
siehe Kapitel 4.2.
Punkt 3:
Welche Fragen bleiben mir?
Ich frage mich, ob aufgrund der
z.T. von der Wortwahl und der Menge des Textes verfassten Aufgaben
die Intention nicht verloren geht, d.h. dass die Schüler die Aufgabe
richtig bearbeiten können, ohne sich zu lange mit deren Formulierung
aufhalten zu müssen.
Punkt 4:
Tätigkeiten:
Siehe 4.1.
Punkt 5:
Führung durch das Material?
Eine Führung durch die
Karteikarten besteht in deren gleicher Strukturierung. Die Schüler
können insofern sie eine Karte bereits bearbeitet haben, anhand der
Symbole und dem Aufbau eine Ordnung in den Karten erkennen. Eine
systematische Führung durch das Material selbst ist nur noch durch die
Verbindung von Bildauswahl und Themen (Klänge,...) erkennbar
Punkt 6: Selbstkontrolle:
Wie bereits erwähnt, ist das Thema
Selbstkontrolle im Fach Kunst meiner Meinung nach nicht sinnvoll
möglich. So sehe ich es auch bei diesem Arbeitsmaterial. Den Kindern
wird keine ,,richtig" oder ,,falsch" -Lösung offeriert. Die einzige Kontrolle
könnte durch den Lehrer geschehen, der aber nicht im Sinne eines
,,Richtig" oder ,,Falsch" das Geleistete prüfen kann, vielmehr im Sinne
des ,,Wie?".
Punkt 7:Materialkriterien:
ja
Ästhetisch
Ja
Motivierend
Ja
Das Interesse weckend
Ja
Selbsttätigkeit
Ja
Zum Handeln weitertreibend
Ja /Nein
Sachimmanent didaktisch führen
Ja
Mehrere Lösungswege bieten
28
Nein
In geordnete Bahnen lenken
Nein
Rückfragen und Hilfestellungen überflüssig machen
Nein
Vom konkreten zum abstrakten und problemlösenden
Denken führen
Nein
Selbstkontrolle und -korrektur ermöglichen
Ja
Kommunikation und Kooperation fördern
Ja
An Erfahrungen knüpfen
Ja
Sinne schulen
Ja
Kreativität fördern
Nein
In zeitlich überschaubarem Rahmen zu bearbeiten sein
(
Nein)
Wiederholungen erlauben
Ja
Sachbezogene Kreativität fordern
Punkt 8 und9: siehe Kapitel 4.2 und 4.1.
Erstaunlicher Weise konnte ich die meisten der Kriterien aus Punkt 7 mit einem
,,ja" beantworten. Dies bedeutet für das Material aber nicht unweigerlich,
dass es für die Freiarbeit geeignet ist. Eine Einschränkung erfährt das
Karteikartensystem durch die Entwicklerin Constanze Kirchner selbst: Die
Karten ersetzen nicht die Begegnung mit dem Original, noch ,,entheben sie
der Aufgabe, die Beschäftigung mit den Kunstwerken und die ästhetische
Praxis unterrichtlich zu begleiten. Reflexionsphasen (sind) notwendig, um
sich gemeinsam...auszutauschen."29 Hierdurch wird eines der wichtigsten
Kriterien der Freiarbeit ausgeschlossen - das selbständige und unabhängige
Arbeiten außer Kraft gesetzt. Die Karteikarten dienen somit als
unterrichtsbegleitendes Material und sind hierfür auch geeignet . Ein weiterer
Kritikpunkt am Material ist für mich die Einteilung in die Klassenstufe 3:
aufgrund der Wortwahl ist sie problematisch, da Erklärungen durch den Lehrer
unausweichlich folgen müssten. Auch findet sich das Problem der
immanenten Fehlerkontrolle, wie bereits oben erwähnt. Da auch sie einen
wichtigen Faktor der Freiarbeit bildet und man ihr in diesem Fall nicht gerecht
29 sh. ebd., Heft 212/1997
29
werden kann, ist das Karteimaterial aus einem weiteren Grund nicht zur
Freiarbeit zu empfehlen.
Zu den Kriterien, die für ein Freiarbeitsmaterial sprechen gehören z.B. der
Aufforderungscharakter, das ästhetische Äußere, die motivierende
Aufmachung. Sind dies aber nicht Punkte, die schöne Bilder, interessante
Formen und Farben generell mit sich bringen, und da das Fach Kunst sich
damit beschäftigt, nicht eher ein Charakteristikum der Kunst selbst und nicht
der Karteikarten sind? Insofern denke ich, kann man diese Punkte sekundär
behandeln.
Ich würde das Material aus ,,Kunst und Unterricht" nicht für die Freiarbeit
empfehlen, sondern es als solches anwenden (wenn überhaupt) für welchen
Zweck es entstanden ist: als unterrichtsbegleitendes Material.
Fazit
Freiarbeit und Kunst scheinen zwei für mich nicht zu vereinbarende
Arbeitsfelder zu sein. Dies habe ich zum einen durch die Vorraussetzungen
gezeigt, die Freiarbeit im Kunstunterricht erfüllen sollte, vor allem aber wurde
meine Ansicht an einem konkreten Beispiel nochmals verdeutlicht. Freiarbeit
empfinde ich als eine interessante Möglichkeit für den Unterricht im
Allgemeinen, doch erfährt sie ihre Grenzen, wenn man sie mit Fächern wie
Kunst in Einklang bringen will. Man sollte nicht ,,auf Teufel komm raus"
30
versuchen, Freiarbeit in allen nur möglichen Richtungen zu realisieren.
Kunstunterricht bietet viele Möglichkeiten, die Werke großer Künstler den
Schülern näher zu bringen aber Freiarbeit wäre dem nicht unbedingt
dienlich.
Während der Bearbeitung dieser Hausarbeit habe ich mir ohnehin die Frage
gestellt: Ist Kunst selbst nicht im weitesten Sinne Freiarbeit? Ich könnte mir
vorstellen, würde man den Kriterienkatalog anwenden- man wäre sicherlich
überrascht. Auch aus diesem Grund habe ich zu Beginn des zweiten
Teilgebietes ein Zitat beigefügt, das für mich sowohl die Idee der Freiarbeit als
auch die der Kunst, vor allem deren praktischen Aspekt definiert.
Literatur
Aissen-Crewett, Kunstunterricht in der Grundschule, Westermann
Schulbuchverlag GmbH, 1992
Arche Literaturkalender, Arche verlag 1999, Zürich
Berg, Klaus, Freiarbeit im Religionsunterricht, Konzepte, Modelle, Praxis, Calwer
verlag, München, Kösel, 1997
Bildungsplan für die Grundschule, 1/1994, Ministerium für Kultus und Sport
Baden Württemberg, Neckar-Verlag, Villingen-Schwenningen
31
Krieger, Claus Georg, Mut zur Freiarbeit, Band 9, Schneider Verlag,
Hohengehren, 1998
Kunst und Unterricht, heft 203,204,212, Jahrgang 1996/97
Rademacher, Bärbel/Schulze/Herrmann, Freiarbeit in der Sekundarstufe:"
...und morgen fangen wir an", Lichtenau, AOL-Verlag, 1998
Sehrbrock, Freiarbeit in der Sekundarstufe I, Cornelsen Verlag, Frankfurt a.M.,
1993
Studienbrief ,,Freiarbeit nach Montessori", Obermarchtal, D1
Werkstatthefte Grundschule 7, Grundschüler auf dem Weg zur freien Arbeit,
Helga Müller Bardorff, Belt Verlag, Weinheim, Basel, Beitz, 1986
Wilhelm, Gerold/Wloka, Joachim, Handbuch Kunstunterricht,
Unterrichtsmodelle Promarstufe, Pädagogischer verlag Schwann, Düsseldorf,
Schwann, 1979
32
ANHANG
Kommentare
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29.08.2002 18:26:14
Diese Hausarbeit ist mir eigentlich zu theoretisch (aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Hausarbeiten meist sehr wissenschaftlich sind. Die Praxis an den Schulen sieht da oft ganz anders aus). Als Montessori-Lehrerin einer jahrgangsübergreifenden Gruppe (1.- 3. Schuljahr)an einer Montessori-Grund- und Gesamtschule in Hessen kann ich Folgendes hinzufügen: Während der Freien Wahl der Arbeit (oft als Freiarbeit bezeichnet) haben die SchülerInnen die Möglichkeit, sich praktisch und theoretisch mit Kunst auseinander zu setzen. Im eigentlichen Fachunterricht Kunst findet die Einführung bestimmter künstlerischer Techniken statt und da betrachten wir auch gemeinsam Bilder und sprechen über diese. Während der Freien Wahl der Arbeit können die SchülerInnen dann die erlernten Techniken ausprobieren und gezielt für ihre Werke einsetzen. Als Montessori-Lehrerin bin ich Begleiterin und Beobachterin des Lernens. Kann mich also während der Freien Wahl der Arbeit gezielt mit einem Kind beschäftigen (während die anderen selbstständig arbeiten), ich kann diesem Kind weitere Impulse geben, neue Techniken zeigen. Dafür bracht man allerdings eine vorbereitete Umgebung (ein Regal mit den nötigsten Utensilien in kleinen Mengen) reicht meist aus. Desweiteren ist in der vorbereiteten Umgebung eine kleine Kunstkartei mit Bildern vorhanden, die meine SchülerInnen oft als Schreibanlass nutzen. Manche SchülerInnen aber reden auch miteinander darüber. Die Kartei von C. Kirchner ist ebenfalls Teil der vorbereiteten Umgebung, allerdings ist sie wirklich erst ab dem 3. Schuljahr zu empfehlen, aber SchülerInnen des 3. Schuljahres können die Texte durchaus lesen, man muss es ihnen nur zutrauen. Bei schwierigen Wörtern kann man ja als SchülerIn auch mal nachfragen (MitschülerInnen, LehrerInnen), das ist durchaus erlaubt und sogar erwünscht. Ausserdem schult es die Lesekompetenz (PISA!!!!). Mein Fazit lautet: Kunst ist Freiarbeit? Freiarbeit ist eine Kunst! Empfehlung für angehende KunstpädagogInnen, die Freiarbeit im Kunstunterricht der GS umsetzen wollen: Blockpraktikum an einer Montessori-Schule machen. Ich nehme gerne für vier bis sechs Wochen StudentInnen des Fachbereichs Kunst auf. Einfach eine e-mail schreiben!