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Details

Veranstaltung: Zur Ästhetik der Moderne. Von Wittgenstein zu Warhol und wieder zurück
Institution/Hochschule: Universität Lüneburg (Sprache und Kommunikation)
Tags: Baudelaire, Sprachtheorie, Dandy
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2001
Seiten: 29
Note: 1,2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 111 KB
Archivnummer: V10047
ISBN (E-Book): 978-3-638-16602-7

Textauszug (computergeneriert)

Hausarbeit

Der Dandy bei d’Aurevilly und Baudelaire

im Rahmen des Seminars
Zur Ästhetik der Moderne. Von Wittgenstein zu Warhol und wieder zurück
Sprache und Kommunikation
· Universität Lüneburg · WS 00/01

Karen Hoffmann

 


„Aber für den Dandy heißt sich gewählt zu haben, sich perfektionieren. Er ist derjenige, der sich tatsächlichan seiner Person, in seinem leben, wie ein Kunstwerk zu behandeln sucht. Seine Bewußtheit, die alles in denGriff bekommen möchte, mündet in der Annäherung seiner selbst und seines Lebens an die Situation desAutors, der, wie Sartre in ‘Qu’est-ce que la litérature?’ schreibt, von seinem Stoff, seien Gestalten und derenGefühlen nicht überrascht werden kann, weil er sie selbst konzipiert hat. Im Kunstwerk ist für den Autortatsächlich alles so kalkulierbar, so vorhersehbar, wie der Dandy es in seinem Leben möchte; und um dem nahezukommen, konzipiert er sich selbst, als wäre er sein Werk.“1

 

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung.. 3

2. Einige Begriffserklärungen.. 5
2.1 Dandy und Dandysmus.. 5
2.2 Bohème.. 8
2.3 Der Ästhetizismus.. 9

3. d’Aurevilly, Brummel und Baudelaire.. 10
3.1 Jules Amédée Barbey d’Aurevilly.. 10
3.2 George Bryan Brummel.. 11
3.3 Charles Baudelaire.. 11

4. George Bryan Brummel und der Dandysmus bei d’Aurevilly.. 13
4.1 Entstehung.. 14
4.2 Der Dandysmus bei Brummel.. 16

5. Das Schöne und der Dandy bei Baudelaire.. 18
5.1 Das Schöne.. 19
5.2 Der Dandy.. 20
5.3 Die Frauen.. 23

6. Versuch eines Abschlusses.. 25

Literaturverzeichnis.. 28

 

1. Einleitung

Der Dandy ist ein bis heute vieluntersuchter und verschiedentlich interpretierter Sozialtypus des 19. Jahrhunderts. Balzac schreibt in seinem "Traktat über das elegante Leben", es gäbe drei Arten von Menschen: der Mensch, der arbeitet, der Mensch, der denkt, der Mensch, der nichts tut.2 Zur letzteren Sorte gehört der Dandy, der in einer Zeit des Umbruchs zuerst in England bezeugt ist, später in Frankreich und Deutschland. Das Dandytum war ein Ausdruck des Protestes einer überkommenen adligen Schicht, die mehr und mehr ihre tragende gesellschaftliche Rolle an das Bürgertum und an die industrielle Massengesellschaft verlor. Äußerlich zeigte sich dies in einer distinguierten Kleidung und in betont vornehmen Umgangsformen, zum Teil auch in Marotten: so ist von Dandys bezeugt, daß sie Schildkröten an der Leine spazieren führten, um so dem Bürgertum ihr Übermaß an Zeit höhnisch zu demonstrieren.

Doch neben diesen anekdotischen Einzelheiten beschäftigten sich einige große Geister des 19. Jahrhunderts, etwa Barbey d′Aurevilly oder Charles Baudelaire, theoretisch mit dem Phänomen des Dandys, der im Innersten von narzißtischer und frauenfeindlicher Kälte geprägt war. Den Gipfel an Provokation erlaubte sich als einer der letzten Dandys der irische Dichter Oscar Wilde, von dem die bewußt absurde Sentenz überliefert ist:

"Ich bin enttäuscht über den Atlantischen Ozean."

Es hatte zu allen Zeiten dem Dandy verwandte Naturen gegeben: etwa den spätrömischen Kaiser Heliogabal, der in Stefan Georges Gedichtband "Algabal" als mythisches Vorbild wiederauferstand, oder im 17. Jahrhundert Kardinal Richelieu und Lord Buckingham. Letztere hatten unter anderem durch ihre auffällige Kleidung, ihr gepflegtes Aussehen und ihre ausgeklügelten, effektheischenden Marotten geglänzt. Von Richelieu etwa heißt es, er habe seine Pferde mit silbernen Hufen absichtlich locker beschlagen lassen, in der Hoffnung, sie lösten sich und er hätte das Vergnügen, den Pöbel sich darum schlagen zu sehen. Und Buckingham habe seine Anzüge mit locker angenähten Edelsteinen verzieren lassen, deren Verlust er großzügig mit einkalkulierte, so seinen Reichtum offen zur Schau tragend.

In der Literatur wird der Typus des Dandy so unterschiedlich und zeitbezogen interpretiert, daß ich hier keine genaue Aussage treffen möchte, ob es schon vor dem 19. Jahrhundert Dandys gegeben hat, und ob dies heute immer noch der Fall ist. Tatsache ist jedoch, daß der Begriff des Dandy aus dem 19. Jahrhundert stammt, hauptsächlich in Verbindung mit George Bryan Brummel, und das Zeitalter des Dandy kurz nach dem Tod eines weiteren Vertreters, Oscar Wilde mit dem Übergang zum Snob zu Ende ging. Auffallend ist jedoch, daß der Begriff des Dandy immer wieder, hauptsächlich im Zusammenhang mit Literaten, auftaucht. Verwiesen sein soll an dieser Stelle auf einen Artikel: „Der Imperativ des Dandy“ aus der Süddeutschen Zeitung vom 9. September 19973 und an einige Nachrufe zum Tod von Ernst Jünger.

Ursprünglich sollte es in dieser Arbeit um die Typus des Dandy bei Charles Baudelaire gehen, was sich jedoch schon nach kurzer zeit als relativ schwieriges Unterfangen herausstellte. Zum einen fehlen mir die französischen Sprachkenntnisse, die nicht nur zum Lesen der Primärliteratur von großem Nutzen hätten sein können, sondern hauptsächlich das Verständnis der Sekundärliteratur erschwerten und teilweise unmöglich machten. Dies schränkte die mir zur Verfügung stehende Literatur stark ein. Damit bin ich bei dem zweiten großen Hauptproblem: die Sekundärliteratur. Über den Dandy und den Dandysmus gibt es einiges an Literatur, was jedoch schon ein paar Jahre älter ist und nur noch in Bibliotheken erhältlich ist, wo es teilweise auf Monate im Voraus bestellt ist. Literatur über Charles Baudelaire gibt es sehr wenig, was ich sehr bemerkenswert finde, wird er doch spätestens seit Benjamin4 als „Schlüsselautor der Moderne“5 bezeichnet. So mußte ich mich auf wenig Sekundärliteratur und hauptsächlich auf die Werke von Baudelaire selbst: „Der Maler des modernen Lebens“6 und „Mein entblößtes Herz“7 verlassen.

 

[....]


1  Mettler, Dieter: Sartres Baudelaire. Zum Verhältnis von Kunst und existentialistischer Ethik, Tübingen, 1990,
2  vgl. http://www.br-online.de/bayern2/duwelt/manuskripte/27_9_massenkultur.html
3  vgl. http://www.newsign.de/tugend/presse/sued2.html
4  vgl. Grimminger, Rolf, Jurij Mura(?)ov, Jörn Stückrath (Hrsg.): Literarische Moderne. Europäische Literatur im 19. Und 20. Jahrhundert. Reinbek bei Hamburg 1995. S. 43
5  ebd. S. 43
6 Baudelaire, Charles: Der Maler des modernen Lebens in: Kemp Friedhelm, Claude Pichois (Hrsg.): Charles
Baudelaire. Sämtliche Werke / Briefe. Band 5: Aufsätze zur Literatur und Kunst. 1857-1860. München 1989
7 Baudelaire, Charles: Mein entblößtes Herz. Franffurt a.M. 1995

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