Autor: Andrej Tippner
Fach: Biographien
Details
Jahr: 2001
Seiten: 20
Note: 13 Punkte
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 84 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-99110-0
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Volltext (computergeneriert)
Andrej Tippner Dschingis Khan Leistungskurs:
Geschichte 12
Inhaltsangabe
Seite 1: Deckblatt
Seite 2: Inhaltsangabe
Seite 3: I. Einleitung
Seite 4: II. Vorgeschichte
Seite 5: III.I. Der Aufstieg Dschingis Khans/Geburt und Jugend
Seite 6: III.II. Der Aufstieg Dschingis Khans/Einigung der Stämme
Seite 11: IV.I. Die Begründung des mongolischen Weltreiches/Organisation
Seite 12: IV.II. Die Begründung des mongolischen Weltreiches/Die Eroberung Chinas
Seite 15: IV.III Die Begründung des mongolischen Weltreiches/Die Eroberung des choresmischen Reiches
Seite 17: V. Die letzten Jahre Dschingis Khans
Seite 19: Quellen
Seite 20: Dschingis Khan
Seite 21: Mongolische und türkische Stämme vor der Zeit Dschingis Khans
Seite 22: China am Anfang des 13. Jahrhunderts
Seite 23: Mongoleninvasion in Nordchina
Seite 24: Das choresmische Reich vor der mongolischen Invasion
Seite 25: Die Mongolenfeldzüge im Westen
Seite 26: Das mongolische Reich beim Tode Dschingis Khans
Seite 27: Asien im 13. Jahrhundert
I. Einleitung
Als Sohn eines Stammesfürsten eines kleinen mongolischen Stammes begann Dschingis Khan seine Laufbahn indem er alle mongolischen Stämme unterwarf um sich dann gegen China zu wenden und schließlich die Gebiete des heutigen Irans, Iraks und Teile Russlands zu erobern.
Bei seinen Feldzügen ging er mit äußerster Brutalität vor, in seinem Reich selbst aber herrschte religiöse Toleranz und es genoss den Ruf, daß Reisende es ohne Gefahren durchqueren könnten.
Okkupierte Gebiete wurden in ein Reich eingegliedert, welches über eine straffe Organisation und exzellente Verwaltung verfügte, aber auch in eines, in welchem Massenhinrichtungen an der Tagesordnung waren.
Dies waren die Werke eines herausragenden Staatsmannes, eines großen Eroberers aber auch eines bestialischen Schlächters.
Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts waren die Mongolen des Schreibens nicht mächtig, weshalb über die ersten 30 Jahre des Großkhans Ungewißheit herrscht.
Informationen aus dieser Zeit stammen aus ausländischen Quellen oder wurden erst später niedergeschrieben.
Da die Aufzeichnungen von ausländischen Besuchern zwangsweise extrem subjektiv sind, bildet die Chronik ,,Mongol-un Ni′uca Tobci′an" (,,Geheime Geschichte der Mongolen") die Grundlage für die meisten Bücher über das Leben von Dschingis Khan, da sie wahrscheinlich kurz nach dessen Tod vollendet wurde und damit recht authentisch ist.
II. Vorgeschichte
Jahrhunderte lang war das Gebiet nördlich der Großen Mauer eine unbeachtete Region - in Europa war dieses Territorium in der Antike vollkommen unbekannt, in China wurde es geflissentlich übersehen, da die Chinesen der Ansicht waren, daß dort nur Barbaren lebten.
Erst im 7./8. Jahrhundert erhielt man durch Berichte buddhistischer und moslemischer Pilger einige Informationen über diesen Teil der Erde.
Die Mongolei, im Norden von dem Fluß Schilka und den Gebirgszügen um den Baikalsee, im Süden von der Chinesischen Mauer, im Osten von dem Chingan - Gebirge und im Westen von den Gebirgszügen Altai und Tian Shan begrenzt, liegt im Durchschnitt etwa 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Das Klima ist extrem kontinental geprägt, d.h. es ist das ganze Jahr über sehr trocken. Im Winter sinken die Temperaturen bis unter -50°C, im Sommer steigen sie auf über 40°C.
Der Norden wird von der sibirischen Taiga beeinflusst und geht im Süden in die Gebirgssteppe über, an welche sich schließlich die Wüstensteppe anschließt.
Weite Teile des Landes sind Kies - und Steinwüste und von der Wüste Gobi geprägt.
Die mongolischen Stämme betrieben hauptsächlich Weidewirtschaft und Viehzucht, dabei waren Schafe, Pferde und Kamele die wichtigsten Tiere.
Um eine fünfköpfige Familie u ernähren waren etwa 50 - 100 Tiere nötig, im Durchschnitt verfügte ein solcher Familienverband über 15 Pferde, 80 Schafe oder Ziegen und 3 Kamele.
Die Pferde nahmen eine besondere Stellung für die Mongolen ein, sie waren für sie ein Symbol für Beweglichkeit, Schnelligkeit und Freiheit. Kleinkinder wurden auf Pferde gesetzt bevor sie Laufen konnten, Pferde waren Prestigeobjekte für die Reichen, wichtiger als Frauen und der Diebstahl von Pferden wurde wohl als schrecklicher angesehen als ein Mord.
Die Mongolen zogen im Stammesverband nomadenartig durch das Land, Kriege zwischen den Stämmen blieben regional begrenzt.
Gegenseitige Verpflichtungen zu Schutz und Loyalität - vom Stammesführer bis zum einfachen Krieger - sicherten den Zusammenhalt des Stammes und den Bestand der Hierarchie.
Die Mongolen waren exogam, Ehepartner wurden aus anderen Sippen gewählt, wodurch Inzest vermieden wurde.
Frauen wurden, bevor sie heirateten, an ihren zukünftigen Ehemann verkauft. Dieser konnte eine beliebige Anzahl an Frauen heiraten (Polygamie), sofern er sie sich leisten bzw. sie unterhalten konnte.
Witwen konnten nicht noch einmal heiraten, da man glaubte, daß alle diejenigen, die in diesem Leben jemandem dienten, diesem auch nach dem Tod dienen werden.
Die Mongolen wurden von ihren Gefühlen beherrscht. Selbstkontrolle und Disziplin waren selten, häufig kam es aus belanglosen Gründen zu Schlägereien und Tötungen, bei Siegen über andere Stämme kam es oft zu Vergewaltigungen.
China befand sich in einer ähnlichen Situation wie 800 Jahre zuvor das Weströmische Reich:
an der nördlichen Grenze gab es mächtige Barbarenstämme, gegen die das Reich nicht bestehen konnte. Die chinesische Mauer garantierte nicht den Schutz, den man brauchte, weshalb die chinesischen Kaiser die Stämme gegeneinander ausspielten. Sie gingen kurzfristige Bündnisse ein und verliehen ihren Bündnispartnern hochtrabende Titel, die aber absolut wertlos waren. Da China für die Nomadenvölker voller Faszination und Reichtum war, mußten sich die Chinesen so vor Plünderungen schützen.
III. Der Aufstieg Dschingis Khans
III.I Geburt und Jugend
Über das Geburtsjahr Dschingis Khans herrscht in der Historikerszene noch Uneinigkeit.
Nach der Überlieferung wurde er im Jahr des Schweines in der Nähe des Flusses Onon geboren. Aber wann dieses Jahr war, ist noch unklar. Der mongolische Kalender ist ebenso wie der chinesische in Mondmonate aufgeteilt, die 12 Tierkreiszeichen unterstehen. Trotzdem bestehen Unterschiede zwischen den beiden Systemen. Dazu kommen noch Diskrepanzen zwischen den chinesischen und islamischen Chronisten, dadurch wird eine genaue Zeitbestimmung nahezu unmöglich.
Von verschiedenen Quellen werden als mögliches Geburtsjahr die Jahre 1155, 1162 und 1167 genannt. Die Historiker René Grousset, Walther Heissig und Munkujev geben das Jahr 1155 als das wahrscheinlichste an, während neuere Quellen(Encarta) dieses Jahr nicht mehr nennen.
Über das Todesdatum herrscht dagegen Einigkeit, es wurde auf den August 1227 festgelegt.
Dschingis Khan erhielt bei seiner Geburt den Namen Temujin. Dies war der Name eines Kriegers der Tataren, den der Vater Dschingis Khans, Yesugai, kurz zuvor besiegt hatte.
Temujin verweist aber auch auf temur, dem mongolischen Wort für Eisen, man kann Temujin also mit ,,Schmied" übersetzen.
Er besaß noch drei Brüder (Joci hasar, Haci`un und Temuge) und eine Schwester(Temulun), dazu noch zwei Halbbrüder (Bekter und Belgutai).
Yesugai war der Häuptling der Sippe der Borjigin und führte Kämpfe gegen verschiedene benachbarte Stämme, gegen Mongolen, Tataren* und Dschurdschen. Nach einer dieser Schlachten erhielt er wohl den Beinamen ba`atur, der Tapfere. Aber größere Gebiete eroberte er nicht für seinen relativ unbedeutenden mongolischen Stamm.
Er half einem gewissen To`oril (auch: Toghrul) König der Keraiten* zu werden, woraufhin dieser Yesugai zu seinem Blutsbruder machte.
Yesugais Sippe war nicht sehr wohlhabend und so mußten alle aus der Familie mithelfen, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Kinder hüteten die Tiere und ernteten Beeren und Gemüse schon in jungen Jahren, sie melkten die Stuten und butterten die Milch.
Als Temujin das neunte Lebensjahr erreichte, suchte sein Vater eine Frau für ihn, welche der Sippe einen möglichst großen Vorteil brachte.
Der Häuptling der Qonggirat*, Dei Secen, war bereit seine Tochter Borte mit Temujin zu verheiraten, allerdings erst nachdem er sich ein Bild von seinem zukünftigen Schwiegersohn gemacht habe.
Temujin sollte einer Weile bei ihm bleiben. Auf dem Rückweg machte Yegusai Rast bei einem Tatarenstamm, den er aber nicht als einen ehemaligen Gegner identifizierte.
In einen Trank, den der Stamm Yegusai anbot, war Gift, so daß er drei Tage später starb.
Seine Frau mit ihren Kindern wurde nach kurzer Zeit von ihrem Stamm verstoßen, da sie ohne ihren Mann über keinerlei Macht, Befehlsgewalt o. ä. verfügte (in den mongolischen Stämmen herrschte das Patriarchat).
Die folgenden Jahre schlug sie sich mit Verwandten, Verbündeten und ihrer Dienerschaft mehr schlecht als recht durch das harte Leben der Steppe.
Als sich Temujins und sein Halbbruder Bekter um einen geangelten Fisch stritten, erschoß Temujin ihn einfach. Man sieht, schon in jungen Jahren (er war zu diesem Zeitpunkt gerade 12 oder 13 Jahre alt) besaß er weder Skrupel noch Gewissen. Dies prägte sich später immer stärker aus.
III.II Einigung der Stämme
Im Laufe der Jahre verbesserte sich die wirtschaftliche Situation der Familie etwas und Temujin zog los, um seine Verlobte zu heiraten. Dei Secen bestätigte die vor sieben Jahren getroffene Vereinbarung und Temujin konnte Borte heiraten.
Temudjin begab sich nun zu To`oril um ihn einerseits an dessen Blutsschwur gegenüber seinem Vater zu erinnern und sich ihm zum anderen als Vasall zu unterwerfen..
Dieser versprach ihm zu helfen, Yesugais Stamm wieder unter Temujins Herrschaft zusammenzuführen.
To`oril war inzwischen ein mächtiger Khan geworden, der mehrere Tausend Mann unter seinem Befehl wußte.
Der Stammeshäuptling der Dschadschirat, Jamuha (auch: Dschamukha), war in Kindestagen ein Spielkamerad und anda (Blutsbruder) von Temujin, als Waise von einer aristokratischen Familie aufgezogen war er inzwischen zu einem ähnlich mächtigen Khan wie To`oril geworden.
Temujin bat ihn ebenso wie To`oril um Hilfe gegen die Merkit*, die Temujins Frau im Rahmen einer Vendetta (Blutrache) entführt hatten.
Sowohl To`oril als auch Jamuha stellten angeblich jeweils 20.000 Mann (was wahrscheinlich stark übertrieben ist) und vernichteten im Herzen des Merkit - Gebietes das Lager des Häuptlings Tohto`a beki.
Etwa anderthalb Jahre später trennten sich die beiden anda aus ungeklärten Gründen als Feinde. Eine Theorie besagt, daß Temujin ein konservativer Aristokrat gewesen sei, wogegen Jamuha ein von demokratischen Ideen beeinflußter Neuerer.
Nach Temujins Bruch mit Jamuha folgten Temujin viele von Jamuhas Getreuen und schlugen Temujin vor, ihn zum neuen Khan zu machen. Sie erklärten Temujin zum quan und nannten ihn cinggis-qahan.
Von den Historikern wird dieser Titel mit ,,Ozean Khan" im Sinne von ,,Herrscher so weit wie der Ozean" bzw. ,,Universaler Herrscher" übersetzt.
Ursprünglich war der Khan ein Mann, der von seinen Untertanen gewählt wurde um einen Kriegszug oder eine Jagd zu führen. Er ist im allgemeinen der Anführer einer Sippe (oboq) oder eines Stammes (irgen). Aber mit diesem Titel wurde auch die Legitimität hergestellt, über andere Stämme zu herrschen.
Die Tatsache, daß Dschingis Khan anderen, weitaus mächtigeren und besser gestellten Mongolen bei der Wahl zum Khan vorgezogen wurde (angefangen bei Jamuha), stellt einen Beweis für sein außergewöhnliches Charisma dar.
Nun hatte Dschingis Khan bereits einige Stämme unter seiner Herrschaft vereinigt und er schickte Boten, die überall seine Wahl verkündeten.
Kurze Zeit später versuchte ein Verwandter von Jamuha Dschingis Khan Pferde zu stehlen, wurde aber von dessen Leuten getötet. Jamuha nahm dies zum Anlaß, angeblich 30.000 Reiter zu mobilisieren und gegen Dschingis Khan zu ziehen.
Dieser ist in der Schlacht bei den siebzig Sümpfen klar unterlegen und zieht sich zurück. Trotz dieser Niederlage schließen sich ihm die Sippen Urat, Manggut, Qonggotadai und andere an, die von Jamuhas Heer desertierten.
Der Grund für diese Entscheidungen waren im folgenden Vorfall begründet:
Jamuha konnte Dschingis Khan und seinem Heer nicht habhaft werden und überfällt einen neutralen Stamm von dem er siebzig Männer gefangen nimmt und sie in einen Wasserkessel kochen läßt. Diese Grausamkeit schreckt viele seiner Verbündeten ab, die sich nun seinem Feind Dschingis Khan anschließen.
Dschingis Khan fand nun endlich die Zeit sein Heer zu disziplinieren und zu organisieren:
Er stellte Tausendschaften (guran) zusammen, die aus zehn Kompanien zu je zehn Zügen bestanden. Als sein Heer später immer größer wurde, vereinigte er noch zehn guran zu einer Zehntausendschaft (touman), dessen Führer der orlok war. Die Reiterei wurde in schwere und leichte unterteilt. Die schwere Reiterei trug Lanzen, war mit einer vollständigen Lederrüstung ausgestattet und jeder Kämpfer verfügte über ein großes Schwert oder eine Streitaxt. Die leichten Reiter waren vermutlich doppelt so zahlreich wie ihre schweren Kollegen, besaßen zum Schutz Schild und Helm, als Waffe einen Bogen und ein Bündel Spieße sowie ein Lasso.
Die Jin* (Chinesen) pflegten bisher eine Allianz mit einem mächtigen Tatarenstamm unter dem Häuptling Megudschin (auch: Megudjin-Seultu). Nun allerdings wurde dem chinesischen Kaiser dieser Stamm zu stark und er suchte nach Verbündeten um sich Megudschin zu entledigen.
Dschingis Khan hatte großes Interesse an dem Tod von Megudschin, da jener es war, der Yesugai ermordet hatte. To`oril, Dschingis Khan und ein chinesisches Heer konnten Megudschin tatsächlich im Jahre 1198 vernichtend schlagen und Dschingis Khan wurde durch die hier gemachte Beute reich.
Jamuha wurde inzwischen auf einer Ratsversammlung von Häuptlingen verschiedener Stämme zum Gur Khan, zum Alleinherrscher, erwählt. Dieser Titel stellte eine Herausforderung für Dschingis Khan dar und er führte erneut gegen Jamuha Krieg.
Bei der Entscheidungsschlacht regnete es stark und beide Heere zogen sich zurück. Doch während es bei den disziplinierten Mongolen von Dschingis Khan keinerlei Probleme gab, sank die Moral der zusammengewürfelten Truppe Jamuhas beträchtlich. Die Situation verschärfte sich noch, als einige Anführer Jamuhas ihre Zelte abbrachen und es daraufhin zu Streitigkeiten zwischen ihnen und Jamuha kam.
Letztendlich siegte Dschingis Khan und er zog wieder gegen die Tartaren um sie diesmal ganz zu vernichten.
Im Verlauf dieses Krieges verlor er viele seiner Anhänger - nicht nur durch Kriegstote sondern auch deshalb, weil drei seiner Verbündeten Stämme von ihm abfielen und sich auf die Suche nach ihren Herden machten.
Dschingis Khan war darüber sehr erzürnt und ließ ihnen ihre Tiere wieder wegnehmen, einer der Stämme fügte sich, die anderen beiden zogen endgültig fort.
Nach dem (nicht sehr erfolgreichen) Abschluß des Feldzugs gegen die Tartaren schlossen sich To`oril und Dschingis Khan wieder zusammen um sich gemeinsam gegen die mächtigen Naimanen*, auch einer der Stämme die Jamuha gewählt hatten, zu wenden.
Nach einem Sieg über die südlichen Naimanen sahen sich die beiden Verbündeten einem Heer der südlichen Naimanen gegenüber.
Der folgende Kampf begann in den Abendstunden und flaute während der Nacht ab.
Aber am nächsten Morgen war Dschingis Khan allein mit dem Feind konfrontiert. To`oril hatte des Nachts das Schlachfeld heimlich verlassen, da der nunmehr schon greise Mann überall Verrat witterte und sich auch nicht scheute, seinen Freund im Stich zu lassen (er hatte Gerüchte gehört, daß sich Dschingis Khan mit den Naimanen in Verhandlungen befand).
Dschingis Khan beschloß nun auch sein Heer zurückzuziehen. Die Naimanen mußten sich nun entscheiden, wen sie verfolgen wollten. Sie entschlossen sich die Keraiten zu jagen.
To`oril rief nun Dschingis Khan zu Hilfe, der die Keraiten auch rettete.
Das Jahr 1200 war erreicht. Jamuha begann abermals eine Allianz gegen Dschingis Khan zu bilden, welche letztendlich aus den Stämmen Merkit von der unteren Selenge, Tartaren vom oberen Kerülen, oiratische Waldleute, Taiji`ut vom Onon und sogar Sippen der Qonggirat bestand, wobei letztere ja eigentlich zu der Anhängerschaft von Dschingis Khan gehörten. Schließlich schließen sich dieser eher lockeren Koalition noch die naimanischen Sippen an, die nicht zerstreut sind.
Dschingis Khan war allerdings in den vergangenen Jahren zu genug Macht gelangt, um ein hochwertigen Nachrichtendienst zu unterhalten, so daß er über die Mobilisierungen seines ehemaligen anda schnell unterrichtet wird.
Die erste Begegnung endete in eine grausamen Schlacht die den ganzen Tag wütete, ohne daß eine Partei einen entscheidenden Vorteil erreichte.
Dschingis Khan wurde schwer verwundet, blieb die halbe Nacht bewußtlos und litt unter hohem Fieber. Am nächsten Morgen erreichte ihn die Nachricht, daß sich die Naimanen zurückgezogen hatten und er damit einen weiteren Sieg verbuchen konnte.
Alle Taiji`ut wurden daraufhin dahingemetzelt - Männer, Frauen, sogar kleine Kinder.
Im Jahre 1202 fühlte sich Dschingis Khan mächtig genug, die Tartaren in die Knie zu zwingen.
Diese hatten zwar schon schwere Niederlagen einstecken müssen, verfügten jedoch noch über ausreichend Streitkräfte, um Rachepläne zu schmieden.
Aber bevor sie überhaupt an einen eigenen Angriff denken konnten, vernichtete Dschingis Khan bereits vier verbündete Tartarenstämme.
Durch diesen Sieg erhöhte sich das Ansehen Dschingis Khans gewaltig, schon bald erkannte ein anderer Tartarenstamm, die Solonen, seine Oberhoheit an und unterwarf sich ihm.
Dschingis Khan wollte 1203 sein Bündnis mit den Karaiten vertiefen und eine mongolische Prinzessin mit dem Sohn von To`oril, Nilha, und eine keraitische Prinzessin mit seinem Sohn Joci verheiraten. Nilha hatte allerdings nicht das geringste Interesse an einer solchen Verbindung und stellte seinen Vater vor die Wahl: er (sein Sohn) oder dessen Freund (Dschingis Khan).
In den letzten Jahren war Dschingis Khan zu immer größerer Macht gelangt und zog nun neidvolle Blicke auf sich. Immerhin begann der Vasall Dschingis Khan seinen Lehnsherrn To`oril zu überflügeln und so entschloß sich To`oril gegen die Heirat und schloss sich den Feinden Dschingis Khans an.
Bei der folgenden Schlacht verschwindet ein Sohn Dschingis Khans, Ogodai, und der Khan soll tiefe Verzweiflung empfunden haben und nachdem sein Sohn wieder aufgetaucht war, seien ihm Freudentränen über das Gesicht gelaufen.
Dschingis Khan verlor zwar die Schlacht, aber das Heer To`orils war in einem desolaten Zustand.
Dschingis Khan schickte Botschaften an seinen Lehnsherren in denen er ihn darauf aufmerksam machte, daß sie sich die Treue geschworen und nichts und niemanden zwischen sich kommen lassen wollten.
To`oril erklärte dann seinen Getreuen, daß er lieber seinen Körper ausbluten lassen wollte, als Dschingis Khan noch einmal zu verraten.
Die meisten seiner Anhänger waren allerdings nicht seiner Meinung (allen voran sein Sohn Nilha, der jede Einigung sabotierte) und einige seiner Stämme verließen ihn aus diesem Grund.
Es kam wieder zu einer Schlacht die angeblich drei Tage und drei Nächte andauerte, bis die Keraiten endlich kapitulierten.
To`oril und sein Sohn konnten zwar fliehen, aber die Beute die Dschingis Khan in die Hände fiel, war groß.
Dieser Sieg festigte die Macht Dschingis Khans weiter, aus allen Himmelsrichtungen kamen nun Häuptlinge um mit ihm Bündnisse zu suchen und seine Vasallen zu werden.
To`oril glaubte bei den Naimanen Zuflucht finden zu können, wurde aber versehentlich als Viehdieb angesehen und ermordet.
Sein Sohn führte in einem wüstenartigen Gebiet das Leben eines Verbannten, bis er eines Tages bei einer Schlägerei getötet wurde.
Dschingis Khan verlor keine Zeit und unterwarf die Stämme, die bisher mit To`oril verbündet waren, im Jahre 1204 hatte er mehrere zehntausend Nomaden der Zentral - und Ostmongolei unter seiner Herrschaft vereinigt.
Es fehlten nur noch jene der Westmongolei, dort lebten im nördlichen Teil die Naimanen die gleichzeitig den letzten Stamm darstellten, die es wagten, gegen Dschingis Khan Krieg zu führen.
Deren Häuptling Tayang Khan erkannte die Ambitionen Dschingis Khans klar und suchte für einen Präventivkrieg in den weiter südlich lebenden Önggüten Verbündete, die allerdings ablehnten und Dschingis Khan über die Kriegspläne Tayang Khans unterrichteten.
Im Verlauf des folgenden Krieges gründete Dschingis Khan eine Spezialeinheit: ,,Diese Leibwache stand ihm fast so nahe wie seine eigenen Brüder; sie umgab ihn wie eine Mauer und gab ihm Sicherheit und Stärke." (Das Weltreich der Mongolen, S.37).
Zunächst bestand sie tagsüber aus siebzig Mann und nachts aus achtzig, in späteren Jahren wuchs sie auf mehrere tausend Bewacher an.
Nachdem Dschingis Khan von den Kriegsplänen der Naimanen erfahren hatte, begann er sofort alle verbündeten Stämme zu mobilisieren.
Die erste Schlacht verursachte ein grausames Blutbad unter den Naimanen.
Auch wenn die Önggüten es abgelehnt hatten, die Oiraten, Keraiten, Merkit, Tartaren, Taiji`ut und die Dschadschirat unter ihrem Häuptling Jamuha nahmen das Bündnisangebot von Tayang Khan an.
Diese Stämme waren alle ehemalige Feinde Dschingis Khans und trachteten nach Rache, auch wenn sie längst nicht mehr über ihre alte Macht verfügten.
Letztendlich verfügte Tayang Khan für die Endschlacht über die riesige Streitmacht von 50.000 Reitern.
Dschingis Khan hatte etwas weniger Kämpfer, konnte dafür aber auf die höhere Moral und größere Treue seiner Waffenbrüder zählen.
Er ließ Lagerfeuer anzünden um seine Feinde zu täuschen, Tayang Khan erkannte zwar die Falle und erwog einen Rückzug, aber sein Sohn warf ihm Feigheit vor und er hat keine Wahl: er mußte angreifen.
Er ritt geradewegs in die erwartete Falle: seine Armee wurde von der Dschingis Khans umzingelt. Die ganze Nacht hindurch versuchten einzelne Gruppen der Eingeschlossenen auszubrechen und töteten sich dabei auch gegenseitig.
Am nächsten Morgen griff Dschingis Khan an, alle eingeschlossenen Krieger wurden getötet, nur Jamuha und der Sohn Tayangs, Küclük (auch: Guchuluk), konnten entkommen.
Das Lager der Besiegten wurde geplündert, die Frauen vergewaltigt.
Die einzige Bedrohung, die für Dschingis Khan noch existierte, waren drei Stammesgruppen der Merkit die Guerillaartig in Birken - und Nadelbaumwälder lebten. Der Schwiegersohn Dschingis Khans erhält 1217 den Auftrag die letzten Merkit auszurotten.
Der letzte Feind Dschingis Khans, Jamuha, vegetierte in den Randgebieten des Tannu -Gebirges vor sich hin. Durch sein treuloses Verhalten hatte er sehr an Ansehen verloren und war nun ein Geächteter, von allen gejagt, nur noch fünf Getreue waren ihm geblieben.
Er wird gefaßt und vor den Khan gebracht, er fordert für sich und seine verbliebenen Leute die Todesstrafe.
Diese wird auch sofort vollstreckt, aber Dschingis Khan will Jamuha will retten. Er macht ihm den Vorschlag, alles Vergangene zu vergessen und wieder Seite an Seite zu kämpfen.
Aber dieser lehnt ab und fordert abermals den Tod, der nun auch vollstreckt wird, vielleicht weil Dschingis Khan in Jamuha immer noch einen Konkurrenten sieht, auch wenn er sich reumütig zeigt.
IV. Die Begründung des mongolischen Weltreiches
IV.I Organisation
Als Dschingis Khan sein viertes Lebensjahrzehnt vollendet hatte, gab er den Auftrag zu einer Niederschrift eines Gesetzestextes, der Yassa (auch: jasah). Dieses Gesetzbuch sollte den Mongolen ab sofort als Leitfaden dienen, darin hieß es unter anderen: ,,Gleichheit für jedermann" und ,,jeder Mann arbeitet soviel wie der andere".
Darin wurden ebenso Vorschriften zur Hygiene (Waschen im Bach verboten, Tränken von Pferden in einer Quelle verboten) wie auch moralische Grundsätze (Männer sollten sich nicht öfter als dreimal im Monat betrinken) festgelegt.
Aber es wurde auch die Macht des Herrschers eingeschränkt, indem dieser keine stolzen Titel tragen sondern sich nur Khan nennen sollte, er sollte das Habe eines Verstorbenen unter dessen Angehörigen verteilen und es sich nicht selbst unter den Nagel reißen, und schließlich sollten seine Krieger nicht unter zwanzig Jahren alt sein.
Jeder Stamm wurde verpflichtet, Pferde, Schafe, Milch und Wolle zu liefern.
Alle Religionen erhielten mit der Yassa die gleichen Rechte.
Jeder Krieger, der seine Einheit verließ, wurde ebenso hingerichtet wie jeder Fürst, der Verbindungen zu einem feindlichen Herrscher unterhielt.
Diebstähle wurden mit dem Tod bestraft, dafür sorgte eine neu eingerichtete Polizeitruppe, die auch Verbindungswege sicherte und verlorenes Vieh an seine Besitzer zurückführte.
Kleinkriege zwischen einzelnen Stämmen gab es nicht mehr, Streitigkeiten wurden nicht mehr mit der Waffe ausgetragen, sondern mit Verhandlungen oder dem Gesetz gelöst.
Der Großkhan, als Oberherr über riesige Weidegebiete, verteilte diese gerecht.
Dschingis Khan wußte, wie wichtig ausführliche Informationen waren und er baute ein Spionagenetz auf, daß Informanten im Land Kara-Kitai, im Tangutenstaat Hsi-Hsia (auch: Xixia, Minyak) und in China besaß.
Die Sippen, Stammfamilien, die Stämme, die das Bevölkerungsgut (ulus) verkörperten, mußten jeweils eine genau festgelegte Anzahl an bewaffneten Männern (cerigüt) mit ihrer Ausrüstung stellen.
Diese wurden in arban (zehn Mann), ja`un (hundert Mann), minghan (tausend Mann), tümen (zehntausend Mann, Mehrzahl von touman) und tuq (hunderttausend Mann) unterteilt. Die noyan bildeten das hohe Befehlskorps und waren, sofern es der Khan verlangte, zum Dauerdienst verpflichtet wogegen sich die gewöhnlichen Soldaten den größten Teil des Jahres mit ihren Herden beschäftigten.
Zehn Reiter erhielten als Kommandeur einen Zehnerschaftsführer, hundert Reiter gehorchten einem Hundertschaftsführer, tausend Reitern wurde ein Tausendschaftsführer vorangestellt und ein Hauptmann kommandierte eine Zehntausendschaft.
Das gesamte Heer schließlich befehligten drei Generäle, die dem Großkhan zur Seite standen.
Im gesamten Reich wurden die so genannten ,,Pfeilreiter" eingerichtet. Diese konnten innerhalb kürzester Zeit große Entfernungen überwinden, wodurch der Khan schnell über Ereignisse informiert wurde. Sie schliefen und aßen auf den Rücken der Pferde, die sie regelmäßig wechselten.
IV.II Die Eroberung Chinas
Dschingis Khan war der Ansicht, daß seine Anhänger ihm nur so lange folgen würden, so lange er ihnen große Beute und reiche Geschenke garantieren konnte.
Und diese konnte er bei den seßhaften Völkern reichlich finden.
Im Jahre 1207 führte Dschingis Khan seine Armee nach Süden, schlug an der Grenze des Tanguten - Staates Minyak* eine gegnerisches Heer und nahm einige kleinere Ortschaften ein.
Nun stand er mir seinen Streitkräften vor der befestigten Stadt Wolohai (auch: Wulahai). Es war das erste mal, daß sich die Mongolen mit den Problemen einer Belagerung konfrontiert sahen.
Bei einer Belagerung mußte man in der Lage sein, längere Zeit untätig zu warten; das war den Mongolen vollkommen unbekannt. Bisher führten sie nur kurze Kriege, bei denen sie Schlachten mit Hilfe schneller Überraschungsangriffe auf offenen Steppen austrugen.
Diese Erfahrung des langwierigen Stellungskrieges ließ die Stimmung gegen den Khan umschwenken. Dschingis Khan mußte sich also beeilen und ersann eine List:
Er machte der Stadt das Angebot, er würde abziehen, sofern sie ihm 1000 Katzen und 10.000 Schwalben überlassen würden. Die Belagerten erfüllten die Forderung sofort.
Die Mongolen aber befestigten Wattebäusche an den Schwänzen der Tiere und zündeten diese an, die Katzen und Schwalben rasten gequält durch die Stadt und es entstanden überall Feuer.
Die Mongolen konnten die Stadt nun erobern und einen Tribut vom König von Hsi-Hsia fordern.
Trotz dieses Sieges war sich Dschingis Khan bewußt, daß seine Mongolen schleunigst das Belagerungshandwerk erlernen mußten, wollten sie auch in Zukunft erfolgreich sein.
Jeder Stamm erhielt den Auftrag, einen Belagerungszug zusammenzustellen, der über Rammböcke, Leitern und große Weidenschilde verfügte und diese auch verwenden können mußte.
Zwei Jahre lang zahlten die Tanguten ihre Tribute, im dritten fürchteten sie Dschingis Khan nicht mehr und stellten ihre Abgaben ein.
Dieser zog sofort los und Wolohai fiel binnen weniger Tage woraufhin das tangutische Heer in die Hauptstadt Hoang-hsing-fu floh.
Dschingis Khan bediente sich einer Taktik, die er sich bei den Chinesen abschaut hatte und wollte die Stadt von ihrer Wasserzufuhr abschneiden und ließ am Gelben Fluß, an dem sich die Stadt befand, einen Damm errichten.
Aber die mongolischen Steppenbewohner waren nicht sehr geübt in derlei Arbeiten und der Damm brach und das Lager der Mongolen wurde überflutet.
Das entstandene Unentschieden wurde zu einem Friedensschluss genutzt, in dem sich die Tanguten zu Vasallen Dschingis Khans erklärten und Dschingis Khan heiratete eine Tochter des tangutischen Königs.
Auf der Heimreise erreichte Dschingis Khan eine Delegation aus Peking*, die ihm die Nachricht überbrachte, daß es einen neuen Kaiser in China gab, Wei-Shao.
Aber der Khan vollzog, im Gegensatz zum üblichen Protokoll, nicht die üblichen Ehrenbezeugungen und spie sogar aus. Als der Kaiser dies erfuhr, schickte er wutentbrannt ein Heer aus. Diese wurde allerdings von den Mongolen geschlagen und Dschingis Khan rüstete seinerseits auf.
Wei-Shao verlor nun die Lust am Krieg und ignorierte alle Informationen, die er über die Maßnahmen des Khans erhielt.
So war die Überraschung groß, als Dschingis Khan im Jahre 1211 mit einem Heer von 200.000 Mann in der Nähe von Peking stand.
Der Großkhan hatte den Feldzug exzellent vorbereitet und jeden kampffähigen Mann, jedes verfügbare Pferd und jeden einsatzbereiten Wagen mobilisiert.
China bestand in jener Zeit aus drei Reichen, dem bereits erwähnten Minyak - Reich*, dem Jin - Reich (auch: Chin-Reich)* und dem Song - Reich*. Wie-Shao war der Herrscher des Jin-Reiches.
Die langsamen Heere der Chinesen setzten sich allmählich in Bewegung, um den Vorstoß der Mongolen, der direkt auf die Hauptstadt zu zielen schien, aufzuhalten.
Urplötzlich war das mongolische Heer verschwunden, es tauchte kurze Zeit später plündernd und brandschatzend in der Provinz Shansi wieder auf. Sofort setzte sich das chinesische Heer in Bewegung, es wird von einer halben Million Mann auf chinesischer Seite gesprochen.
Die Mongolen griffen die langen Marschkolonnen von mehreren Seiten gleichzeitig an, zig-tausende von Pfeilen prasselten auf die chinesische Armee ein, die beweglichen Reitertruppen des Khans erledigten den Rest und erlangten einen vollständigen, vernichtenden Sieg.
China war nun ohne Schutz und Dschingis Khan konnte seine Armee gefahrlos aufteilen und mehrere Städte auf einmal belagern.
Trotz aller Bemühungen und wochenlanger Belagerung konnten die starken Verteidigungsanlagen Pekings nicht durchbrochen werden.
Die Mauer war 30 Kilometer lang, 12 Meter hoch, 15 - 12 Meter breit (unten-oben) und besaß 900 Türme.
Dschingis Khan wollte schon abziehen und ein Winterquartier beziehen, als ihn die Nachricht erreicht, daß sich im Norden des Jin - Reiches ein Aufstand unter Führern der alten chinesischen Kaiserdynastie, den Kitan, entwickelt. Die Rebellen hatten schon bald mehr als 100.000 Mann unter Waffen und schwören Dschingis Khan die Treue. Ein chinesisches Heer zur Niederschlagung des Aufstandes wurde von Mongolen und Rebellen besiegt.
Im Frühjahr 1213 begann ein neuerlicher Sturm auf alle befestigten Städte des Jin - Reiches und nun fiel tatsächlich eine Stadt nach der anderen an die Mongolen. Dschingis Khan ließ nun nämlich eine neue Taktik ausprobieren: Sobald seine Krieger auf eine befestigte Stadt trafen, trieben sie Frauen und Kinder der benachbarten Dörfer zusammen und vor sich her.
Die Verteidiger der Stadt waren mit diesen mehr oder weniger verwandt und so gab es keine Gegenwehr. Innerhalb der nächsten sechs Monate eroberten die mongolischen Heerscharen 90 Städte, nur 11 konnten ihnen widerstehen. Städte, die sofort aufgaben, blieben verschont, alle anderen sollten zerstört werden
Inzwischen erhob sich in Peking ein General gegen seinen Herrn und Kaiser, ermordete ihn und bemächtigte sich der Hauptstadt.
Er setzte einen neuen Herrscher, Hsuan-tsung, ein und befahl seinem Befehlshaber Kao-chi den Gegenangriff auf die Mongolen. Dieser war aber relativ inkompetent und verlor die nächste Schlacht. Aus Angst vor seinem Herrn wendete er sich gegen diesen und tötete ihn.
Dschingis Khan zog abermals vor die Tore Pekings, versuchte auf Drängen seiner Berater noch einen zwecklosen, verlustreichen Angriff und bat den Jin-Kaiser um Frieden.
Hsuan-tsung willigte sofort ein, da er ohnehin keine militärischen Mittel besaß, um die Mongolen vertreiben zu können.
Dschingis Khan zog sich gegen Zahlung eines Tributes aus dem Norden des Jin-Reiches zurück, tausende Gefangene im Gepäck. Alle Gefangenen, die ihm nicht von Nutzen sein konnten (z.B. Lehrer u. Architekten waren nützlich), wurden sofort hingerichtet.
Gegen Ende des Jahres begann der Kaiser einen Rachefeldzug gegen die Kitan.
Dschingis Khan entsandte sofort mehrere Armeen zur Unterstützung seiner Verbündeten.
Im Verlauf dieses zweiten Feldzuges brach Nordchina auseinander: Dörfer, Städte, ganze Provinzen erklärten ihre Unabhängigkeit von der Zentralregierung in Peking.
Die Mauern der Hauptstadt selbst waren zwar immer noch unüberwindbar für die Steppenkrieger, aber hinter den Mauern griffen Krankheiten und Hungersnöte um sich. Man hatte in der kurzen Zeit seit dem letzten Mongolenangriff seine Vorräte nicht wieder auffüllen können und jedes Entsatzheer wurde von den Mongolen abgefangen und vernichtet. Die Moral sank ständig. Die Garnison von Peking erhob sich und plünderte die Stadt, die sie eigentlich vor solchen Ereignissen bewahren sollte.
Letztendlich marschierten im Jahr 1215 5000 mongolische Krieger in Peking ein.
Einen Friedensvorschlag Dschingis` lehnte der Jin - Herrscher ab und so kam es zu weiteren Scharmützeln. Der Khan ließ 40.000 Mann als Besatzungstruppen in China und kehrte dem Land dann den Rücken.
Angeblich starben bei den Dschingiskhanischen Feldzügen in China 30.000.000 Chinesen.
IV.III Eroberung des choresmischen Reiches
Wie oben erwähnt konnte Küclük, der Sohn des naimanischen Häuptlings, wie oben bereits erwähnt, entkommen.
Er suchte bei den Kara-Kitai* Zuflucht und heiratete die Tochter des Häuptlings dieses Stammes. Im Jahre 1211 vertrieb er seinen Wohltäter vom Thron. Er errichtete eine Schreckensherrschaft in der die Moslems verfolgt wurden, die deshalb Dschingis Khan um Hilfe riefen.
Küclük beantwortete diese Aktion mit Folterungen und Hinrichtungen.
Bei den Mongolen herrschte Religionsfreiheit, die Dschingis Khan - notfalls auch mit Gewalt - überall durchzusetzen gedachte.
Er schickte sofort 100.000 Mann aus, die dort die Moscheen wiedereröffneten und religiöse Toleranz für alle durchsetzten. Küclük verlor diesen Krieg und flüchtete, im Pamir wurde er schließlich gestellt und geköpft. Die einzige Beute für die Mongolen bestand aus 1000 Pferden, dies zeigt, daß ihnen die Religionsfreiheit ernst war.
Bei diesem Feldzug trafen die Mongolen auf das choresmische Reich (auch: chwaresmisches Reich)*.
Das Reich des Schahs Mohammed II. erstreckte sich vom Aral-See im Norden bis zum Persischen Golf im Süden, vom Hindukusch im Osten bis zum Sagrosgebirge im Westen.
Es war das mächtigste islamische Reich zu seiner Zeit.
Dschingis Khan war sich der Macht und des Reichtums seines neuen Nachbarn durchaus bewußt und nahm deshalb auch keine kriegerische Haltung ein.
Er schickte eine Delegation, die dem Schah ein Freundschaftsabkommen unterbreitete und viele Geschenke überreichte.
Was mit der zweiten Abordnung, die von dem Großkhan geschickt wurde, geschah, ist umstritten. Entweder wurde sie direkt von der Armee des Provinzgouverneurs Inalschiks, der den Mongolen mißtraute, oder von Wegelagerern überfallen und umgebracht.
Wenn Wegelagerer die Täter waren, so handelten sie jedoch wahrscheinlich auf Befehl des Schahs oder Inalschiks. Zumindest deckte der Schah seinen Gouverneur, als Dschingis dessen Auslieferung forderte, und tötete den Führer der Bittsteller und ließ seinen beiden Begleitern die Haare abschneiden.
Daraufhin ließ Dschingis Khan 15 tümen (150.000) und zwangrekrutierte chinesische Pioniere im Herbst 1219 nach Westen marschieren.
In den letzten Jahren nach dem Sieg über zwei der chinesischen Staaten, hatten sich die Mongolen die überlegene Belagerungstechnik der Chinesen angeeignet:
Katapulte, Unterminierungen, Turmbauten, Flammenwerfer und Sprengstoffe wendeten sie nun überall an, wo sie auf Festungsanlagen trafen.
Die Mongolen griffen an mehreren, weit auseinander liegenden Stellen das Reich des Schahs gleichzeitig an.
1220 fielen die bedeutenden Handelsstädte Buchara und Samarkand trotz massiven Verteidigungsanlagen an die Mongolen, die die Städte nieder brannten.
Ein gutes Beispiel für die Vorgehensweise des Khans stellt Buchara dar.
Buchara lag an der Seidenstraße und wurde von ca. 20.000 Mann verteidigt.
Diese Garnison wollte fliehen, wurde jedoch vor den Stadttoren von den Mongolen niedergemacht. Die Bevölkerung der Stadt, nun ohne Schutz, wurde vor der Stadt zusammengetrieben und Dschingis Khan behauptete, die Bewohner hätten große Sünden auf sich geladen und er wäre die Strafe Gottes. Dann ließ er die Steuereintreiber mit ihrer Arbeit beginnen: ,,Geld oder Leben".
Samarkand war eine riesige Stadt, 500.000 Menschen lebten in ihr, 100.000 Soldaten sollten sie schützen.
Nach kurzer Zeit hatten die Mongolen die Verteidigungsanlagen durchbrochen, die Bewohner revoltierten und die letzten 30.000 Waffenträger gaben auf. Dschingis Khan sah diese Kapitulation als Verrat an ihrem Schah an und ließ sie alle hinrichten.
Einen offenen Seitenwechsel hätte der Khan nie kritisiert, aber hinterhältiger Verrat war für ihn, der Ehre und Pflichtgefühl höher als alles andere einschätzte, das schlimmste Verbrechen, das existierte.
Auch die Bevölkerung vieler weiterer Landesteile stand den neuen Herren nicht unbedingt feindlich gegenüber, schließlich war es Dschingis Khan, der den Kara-Kitai geholfen hatte.
Außerdem herrschte in seinem Reich Religionsfreiheit, die Bevölkerung brauchten also keine Repressalien zu befürchten (sofern sie sich sofort ergaben).
Der Schah jedenfalls wußte kein Mittel gegen die Mongolen, sie kamen praktisch von überall, alle ausgeschickten Verstärkungen wurden ausgelöscht, man wußte nicht wo sie als nächstes zuschlugen, und wenn sie zuschlugen, dann vernichtend.
Mohammed II. Befand sich bis Ende 1220 auf der Flucht. Als er starb, war sein Reich bis auf winzige Reste zusammengeschmolzen, weshalb man in Europa glaubte , die Kreuzfahrer würden durch den ,,Priesterkönig Johannes" Unterstützung gegen die Heiden erhalten.
V. Die letzten Jahre Dschingis Khans
Noch während des Feldzuges gegen das choresmische Reich schickte Dschingis Khan 30.000 Mann unter seinen beiden besten Generälen, Ssubutai (auch: Sübetai) und Dschebe, um die Länder auszukundschaften, die westwärts von Kaukasus und kaspischen Meer lagen.
Die russischen Fürsten hatten bereits von Dschingis Khan gehört und wollten verhindern, daß er in Europa Fuß fasste.
Sie stellten gemeinsam ein Heer auf, daß jedoch im Mai 1223 von Ssubutai und Dschebe vollständig vernichtet wurde.
Das mongolische Erkundungskommando drang noch bis an den Dnjepr* vor und kehrte dann trotz des Sieges um, da sie ihren Auftrag, diese Länder zu erkunden, erfüllt hatten.
In zwischen erhoben sich in den okkupierten islamischen Gebieten viele Moslems, die es zwar für selbstverständlich hielten, daß sie ihre Religion ausüben konnten, aber nicht einsahen, daß dieses Recht auch Andersgläubigen zustand.
Dschingis Khan schickte seinen Sohn Tuli auf einen Vernichtungsfeldzug, in dessen Verlauf viele Städte niedergebrannt, alle Frauen zu Sklavinnen gemacht und alle Männer zum Militärdienst gezwungen wurden. In Herat, einer großen Stadt mit mehreren hunderttausend Einwohnern, blieben nur 40 Menschen am Leben.
Als Dschingis Khan bei seinen Verbündeten und Vasallen Unterstützung gegen Schah Mohammed gefordert hatte, verweigerte der König von Hsi-Hsia ihm diese.
Nun, im März 1226, war der Zeitpunkt der Rache gekommen.
Bis zum Herbst dieses Jahres waren die Mongolen plündernd durch Estina, Kantschou, San-tschou und Liu-tschou gezogen.
Das Heer der Tanguten war von den 180.000 Mongolen vernichtet worden, der König von Hsi-Hsia floh in die Berge, von einem Berggipfel zum nächsten, immer höher, aber schließlich saß er in der Falle und wurde getötet. Sein Reich hatte aufgehört zu bestehen.
Dschingis Khan, der sich bei dem letzten Feldzug vom Pferd gefallen war und sich verletzt hatte, fühlte sein Ende kommen.
Er teilte nun sein riesiges Reich unter seinen drei überlebenden Söhnen und seinem Enkel auf, denen er einbläute, zusammenzuhalten.
Dschingis Khan hatte mit seinen beiden Frauen vier Söhne, Dschotschi (der noch vor seinem Vater starb), Tschaghatai, Ogedei und Tuli.
Tschaghatei erhielt den Westen (das Gebiet der Kara-Kitai, das choresmische Reich und das Gebiet der Uiguren), im Nordwesten lag das Gebiet seines Enkels Batus (Westsibirien, Nordkaukasien sowie riesige Gebiete an der Wolga), den Osten sollte Ogedei (auch: Ögädäi) regieren (alle unterworfenen Gebiete Ostasiens und alle noch nicht eroberten Gebiete der Jin).
Gemäß der Tradition erhielt sein jüngster Sohn Tuli (auch: Tolui) das Kernland und wurde auch Befehlshaber des Heeres. Der scheidende Großkhan erklärte ihm noch, wie er die Reste des Jin - Reichs vernichten und die rückwärtigen Verbindungen verbessern sollte.
Erst 1234 konnte das Jin - Reich von Kubilai Khan endgültig erobert werden
Am 18. August 1227 starb Dschingis Khan.
Seine Armee brach nun mit seinem Leichnam von Hsi-Hsia gen Heimat auf.
Alle Tiere, Menschen - alles was lebte wurde getötet. Nichts überlebte den Marsch der Armee, die damit einer alten und grausamen Tradition folgte.
Er wurde auf den Gipfel des Burkhan Khaldun gebracht, hier wurde er unter einem Baum mit reichen Grabbeigaben bestattet.
Nun folgten zwei Trauerjahre.
Im Jahre 1229 wurde Ogedei von einem kuriltai (Stammesversammlung) zum neuen Großkhan ernannt und trat damit das Erbe seines Vaters an.
Quellen:
Hoang, M.: Dschingis Khan (Econ Verlag)
Microsoft Encarta 98 (Microsoft)
Weltgeschichte in 12 Bänden (Bertelsmann Verlag)
Eroberer und Entdecker (Gondrom Verlag)
Das Weltreich der Mongolen (Gustav Lübbe Verlag)
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