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Autor: Jacqueline Konrad
Fach: Statistik
Details
Tags: Grundlagen, Statistik
Jahr: 2000
Seiten: 23
Note: 1
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 96 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-99150-6
Volltext (computergeneriert)
Hausarbeit
im Seminar (WS′99/2000)
Wahrnehmung II
Dozent
Dr. Gisela Böhm
Die mathematischen Grundlagen der Statistik:
Mengen Relationen - Funktionen
von Jacqueline Konrad
5. Fachsemester
Diplom Erziehungswissenschaften / Erwachsenenbildung
2
Inhalt
1. EINLEITUNG 3
2. MENGEN 5
2.1. DER MENGENBEGRIFF 5
2.2. OPERATIONEN MIT MENGEN 7
2.2.1. Durchschnitt 7
2.2.2. Vereinigung 7
2.2.3. Differenz 8
2.2.4. Komplement 8
2.3. MENGENALGEBRA 11
3. RELATIONEN 12
3.1. KARTESISCHES PRODUKT 12
3.2. RELATIONEN 13
4. FUNKTIONEN 16
5. RELATIVE 20
6. LITERATURVERZEICHNIS 22
3
1. Einleitung
Die Mathematik und die Statistik sind beides Wissenschaften. Ihr
Zusammenhang ergibt sich aus deren Gegenständen. Die
Mathematik
ist
die Wissenschaft von den quantitativen Verhältnissen und den räumlichen
Beziehungen der Wirklichkeit. Weil die Mathematik die quantitativen
Bestimmtheiten der materiellen Dinge und Erscheinungen untersucht, ist ihre
Anwendbarkeit nicht auf einzelne Bereiche beschränkt. Der
Anwendungsbereich der Mathematik als Grundwissenschaft erstreckt sich
auf die Naturwissenschaften, die technischen Wissenschaften, die
Wirtschaftswissenschaften und nicht zuletzt auf die Statistik.
In welcher Weise durch Anwendung mathematischer Hilfsmittel das Wesen
der Erscheinung erfaßt wird, muß die betreffende Einzelwissenschaft
entscheiden, in deren Gegenstandsbereich die Erscheinung fällt. Erst durch
die Analyse der Erscheinungen wird die Möglichkeit der Anwendbarkeit
bestimmter mathematischer Methoden oder gar die Notwendigkeit der
Entwicklung neuer mathematischer Begriffsbildungen herausgearbeitet.
Wichtige selbständige Teilgebiete der Mathematik sind neben Analysis,
Arithmetik, Ausgleichs- und Fehlerrechnung auch die
Wahrscheinlichkeitsrechnung, Zahlentheorie und Mengenlehre.
Die
Statistik
erforscht die erfahrungsgemäßen Gesetze, die bei
Massenerscheinungen auftreten. Sie findet im gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Leben, aber auch in den Naturwissenschaften, wie zum
Beispiel in der Biologie und Physik, ihre vielfache Anwendung. Aber auch bei
wissenschaftlichen Untersuchungen in der Psychologie, Soziologie und
Pädagogik haben die statistischen Methoden im zunehmenden Maße ihren
festen Platz. Die Grundaufgabe der Statistik ist die Sammlung und
Auswertung statistischer Daten. Statistische Daten sind zahlenmäßige
Angaben über die zu untersuchende Menge gleichartiger Einzeldinge, der
statistischen Massen. Die Frage nach der zweckmäßigsten Methode zur
Gewinnung des statistischen Zahlenmaterials führt bereits auf vielfältige
Probleme. Eindeutig jedoch ist, daß die statistischen Daten mit den
Teilgebieten der Mathematik erfaßt, aufbereitet, dargestellt und ausgewertet
werden. Die Gesamtheit der Methoden zum Verarbeiten und Auswerten der
4
statistischen Daten ist die mathematische Statistik, ein Zweig der
angewandten Mathematik.
Diese Arbeit behandelt ausgewählte mathematische Grundlagen der
Statistik:
Mengen Relationen Funktionen
, welche durch eine
Erläuterung der mathematischen Begriffe, deren statistische Verwertung und
Anreicherungen durch Bespiele lehrhaft in der Folge dargestellt werden.
Die mathematischen Inhalte sind so umfassend, daß sie nur eingegrenzt
wiedergegeben werden können. Die Ausführungen setzen Grundkenntnisse
der Mathematik voraus und erfordern ein hohes Abstraktionsvermögen.
5
2. Mengen
2.1. Der
Mengenbegriff
Als Begründer der Mengenlehre gilt Georg Cantor (1845-1918). Die
Bedeutung, der von ihm geprägten Begriffe wurde nicht sofort erkannt. Heute
ist die Mengenlehre zu einem weit ausgebauten Zweig der Mathematik und
deren Anwendungen geworden. Die Menge wurde damit zu einem
Grundbegriff der Mathematik.
Die
Menge
ist: ,,jede Zusammenfassung von bestimmten,
wohlunterschiedenen Objekten unserer Anschauung oder unseres Denkens
(welche die Elemente der Menge genannt werden) zu einem Ganzen"1.
,,Wohlunterschieden" heißt in diesem Fall, daß es im Prinzip möglich sein
muß, die einzelnen Objekte zweifelsfrei einer bestimmten Menge zu
zuordnen oder nicht. Beispiele für eine eindeutige Zuordnung sind: Menge
der Schüler einer Klasse oder Menge der gegenwärtig auf der Erde lebenden
Menschen. Beispiele einer kritischen Zuordnung, also unscharfe Mengen
(
Fuzzy-Mengen
), sind: Menge der Schüler einer Klasse, die klug sind oder
Menge aller Patienten, die unter starken Schmerzen leiden. In beiden
letztgenannten Beispielen ist die Zuordnung durch subjektives Empfinden
nicht zweifelsfrei.
Eine Menge ist endlich oder unendlich, je nach dem ob sie endlich viele oder
unendlich viele Elemente enthält. Auch hierfür lassen sich einige Beispiele
anführen. Die gegenwärtig auf der Erde lebenden Menschen oder die Anzahl
der Schüler einer Klasse sind endliche Menge. Dagegen sind die Mengen
der natürlichen Zahlen, der Primzahlen oder der Punkte eines Kreises
unendliche Mengen.
Die Objekte einer Menge heißen
Elemente
dieser Menge. Die
Bezeichnungen der Mengen erfolgen mit großen lateinischen oder
griechischen Buchstaben, bzw. werden im Ausnahmefall Indizes verwandt.
Die Menge der natürlichen Zahlen (ohne 0) werden standardmäßig mit N, die
der ganzen Zahlen mit Z, die der reellen Zahlen mit R und die der rationalen
Zahlen mit Q bezeichnet.
1 Meyers Neues Lexikon in acht Bänden. Band 5, VEB Bibliographisches Institut Leipzig,
1963, S. 733
6
Mengen können anschaulich mittels ebenen und konvexen Gebilden,
sogenannte
Venn-Diagramme
, dargestellt werden.
Elemente werden mit kleinen Buchstaben bezeichnet.
· a A bedeutet ,,a ist Element der Menge A"
· a A bedeutet ,,a ist kein Element der Menge A"
Eine Menge kann auf zwei Arten, unter Einschluß in geschweifte Klammern,
beschrieben werden.
· durch Auflisten ihrer Elemente (
Extension
)
Bsp.:
A = {1,2,3,4,5}; B = {Robert, Jürgen, Mirko, Joachim}
· durch Angabe einer Regel, nach der die Entscheidung der Zugehörigkeit
eines Elementes zu einer Menge möglich ist (
Intension
). Diese Regel
besteht aus einer festgelegten Eigenschaft, die auf alle Elemente der
Menge und auf keine anderen Objekte zutrifft.
Bsp.: A
=
{aa ist ganze Zahl und 1< a < 5}
B
=
{bb sind männliche Mitglieder der Familie K.}
Wenn zwei Mengen A und B die gleichen Elemente enthalten, sind sie die
Mengen A und B genau gleich. In diesem Fall spricht man vom
Extensionalitätsprinzip
für Mengen.
Bsp.(vgl. Bronstein et al., S. 288):
A = {3,1,3,7,2} und B {1,2,3,7}
Wenn jedes Element von A auch ein Element von B ist, so bezeichnet man
die Menge A als
Teilmenge
der Menge B, und kennzeichnet diese
symbolisch durch den Ausdruck A B.
Bsp.:
Es seien A = {2,4,6,8,10} eine Menge gerade Zahlen und
B = {1,2,3...10} eine Menge natürlicher Zahlen (N). A ist somit
eine echte Teilmenge von B (A B), da sie Menge A die
ungeraden Zahlen nicht enthält.
Eine
leere Menge
enthält keine Elemente. Sie
9
ist Teilmenge jeder Menge M ( M). Sind
10
8
5
A
die Teilmengen zweier Mengen A und B
1
6
4
7
2
genau gleich, sind auch die Mengen gleich.
3
B
Das heißt A B und B A.
7
Zusammenfassend gelten folgende Regeln:
· A A für jede Menge A
· A B B A A = B
· A B B C A C
2.2.
Operationen mit Mengen
Aus gegeben Mengen A und B können durch bestimmte
Bildungsvorschriften, sogenannte
Mengenoperationen
, neue Mengen
konstruiert werden.
Für die nachfolgend verwandten Beispiele (vgl. Böhm) werden folgende
Mengen festgelegt: C = {1,2,3,4,5}, D = {3,4,6,7,8}, E = {9,10}
2.2.1. Durchschnitt
Die
Schnittmenge
, oder der Durchschnitt (Bezeichnung A B) ist definiert
durch: A B = { xx A x B}, wobei ,," logische ,,und". Man liest ,,A
geschnitten mit B". Die Schnittmenge zweier Mengen A und B ist die Menge
aller Elemente, die sowohl zu A als auch zu B gehören, und ist immer eine
Teilmenge einer Vereinigungsmenge.
Bsp.: C
D = {3,4}
Des weiteren gilt für Schnittmengen:
· A A = A
· Wenn A B = B, dann A B = A
Zwei beliebige Mengen A und B, die kein gemeinsames Element besitzen,
nennt man elementfremd oder
disjunkt
(A B = ) . Die Mengen schließen
sich somit einander aus, d. h. ihr Durchschnitt ist eine
leere Menge
.
Bsp.: C
E = , D E = , C D E =
Der Durchschnitt der Menge der ungeraden und der Menge der geraden
Zahlen leer. Das heißt: {ungerade Zahl} {gerade Zahl}=
2.2.2. Vereinigung
Bei den Mengen A und B ist die
Vereinigungsmenge
(A B), oder die
Vereinigung definiert durch: A B = { xx A x B}, wobei ,," logisches
,,oder" . Man liest ,,A vereinigt mit B". Die Vereinigungsmenge zweier
8
Mengen A und B ist die Menge aller Elemente, die Element von A oder von B
oder von beiden Mengen sind.
Bsp.: C
D = {1,2,3,4,5,6,7,8}
C
D E = {1,2,3,4,5,6,7,8,9,10}
Ebenso ist für Vereinigungsmengen zu beachten:
· Wenn B A, dann ist A B = B A = A
· A = A
2.2.3. Differenz
Die Menge der Elemente von A, die nicht zu B gehören, nennt man
Differenzmenge
(A \ B) oder Differenz von A und B. Diese wird wie folgt
definiert: A \ B = {x x A x B}. Man liest ,,A minus B". Die Differenz der
Mengen A und B, ist die Menge aller Elemente von A, die nicht in B enthalten
sind. Allgemein gilt: A \ B B \ A
Bsp.:
C - D = {1,2,5}, D C {6,7,8}
Die
symmetrische Differenz
(Diskrepanz) zweier Mengen A und B (A B),
ist die Menge aller Elemente, die zu genau einer der beiden Mengen A und B
gehören. Die symmetrische Differenz wird folgendermaßen definiert: A B =
{x | (x A x B) (x B x A)}. Man liest ,,A Diskrepanz B". Aus der
Definition folgt, daß gilt: A B = (A \ B) (B \ A), das heißt, daß alle
Elemente, entweder in A oder B liegen, aber nicht in beiden zugleich.
Bsp.: C
D = {1,2,5,6,7,8}
2.2.4. Komplement
Speziell für die Belange der Wahrscheinlichkeitsrechnung wird der Begriff der
Negation (¬A = M\ A) einer Menge (
Komplementärmenge
) benötigt. Man
geht davon aus, daß sämtliche betrachtete Mengen von einer Grundmenge
G Teilmengen sind. Demnach wird die Negation bezüglich G einer jeden
Menge A wie folgt definiert: ¬A = {x | x A }G. Man liest: ,,die Negation von A
ist die Grundmenge minus A".
Bsp.:
¬E = C D
Die Schnittmenge einer Menge mit ihrer Komplementärmenge ist immer leer:
A ¬A = .
9
Ein abschließendes Beispiel (vgl. Clauß et al., S. 351) soll die Verknüpfung
von Mengen nochmals verdeutlichen.
Bsp.:
Betrachtet man die Bälle in einer Kiste eines
Spielwarengeschäftes, so bilden alle Bälle dieser Kiste die
Grundmenge G. Es seien A und B Bälle auf denen die Farbe
Grün bzw. Blau vorhanden ist.
A B
alle Bälle, die sowohl Grün als auch Blau
enthalten
A B
alle Bälle, die Grün oder Blau enthalten
A \ B
alle Bälle, die Grün aber nicht Blau enthalten
A B
alle Bälle, die entweder Grün oder Blau enthalten
¬A
alle Bälle, au denen keine grüne Farbe ist
Wie oben schon ausgeführt, benutzt man zur Veranschaulichung von
Mengen und Mengenoperationen Venn-Diagramme. Die nachfolgende
Tabelle (vgl. Clauß) enthält einen Überblick über mögliche
Mengenoperationen, die entsprechende Definition, die Bezeichnung und
Sprechweise und die Darstellung durch VENN-Diagramme. Im Diagramm
(vgl. Clauß et al., S. 350) wird die jeweilige Ergebnismenge schraffiert
wiedergegeben.
10
Mengenoperation Definition
Bezeichnung
VENN-Diagramm
1. Durchschnitt
alle Elemente, die A B
sowohl in A als
,,A Durchschnitt B"
A
auch in B
B
enthalten sind
2. Vereinigung
alle Elemente, die A B
in einer der
,,A vereinigt B"
A
Mengen A oder B
oder in beiden
B
enthalten sind
3. Differenz
Alle Elemente, die A \ B
zu A gehören,
,,A minus B"
A
aber nicht
B
gleichzeitig in B
liegen
4. symmetrische
Alle Elemente, die A B
Differenz
entweder in A
,,A Diskrepanz B"
A
oder in B liegen,
B
aber nicht in
beiden zugleich
5. Komplement
Alle Elemente, die ¬A = G \ A
nicht in A (aber
immer noch in der
A
Grundmenge G)
enthalten sind
11
2.3. Mengenalgebra
Die Algebra ist ein Teilgebiet der Mathematik und eine der ältesten
mathematischen Disziplinen. Die Anfänger ihrer Entwicklung reichen bis ins
Altertum zurück. Das Rechnen mit Mengenoperationen, zum Beispiel mit
Vereinigung und Durchschnitt, erfolgt nach den Grundgesetzen der
Mengenalgebra
. Diese sind von den Regeln der Aussagelogik unmittelbar
abgeleitet. Auf diesen Zusammenhang wird hier nicht näher eingegangen. Im
Folgenden werden die für uns drei wichtigsten Grundgesetze der
Mengenalgebra tabellarisch dargestellt. Das Absorptionsgesetz,
Idempotenzgesetz, die DE MORGANsche Regeln und weitere Gesetze der
Mengenalgebra werden hierbei vernachlässigt.
A = {1,2,3,4,5}, B = {3,4,6,7,8}, C = {9,10}
Assiozativgesetz
(a+b)+c = a+(b+c)
(A B) C = A (B C)
(A B) C = A (B C)
Bsp.: =
Bsp.: {1,2,3,4,5,6,7,8,9,10} =
{1,2,3,4,5,6,7,8,9,10}
Kommutativgesetz
a+b = b +a
A B = B A
A B = B A
Bsp.: {3,4} = {3,4}
Bsp.: {1,2,3,4,5,6,7,8} = {1,2,3,4,5,6,7,8}
Distributivgesetz
c.a+ c.b = c(a+b)
(A B) C = (A B) (B C)
(A B) C = (A B) (B C)
Bsp.: =
Bsp.: =
12
3. Relationen
3.1.
Kartesisches Produkt
Im vorangegangenen Kapitel wurden mittels der verschiedenen
Mengenoperationen neue, logisch verknüpfte Mengen gebildet. Im
Gegensatz dazu wird beim
kartesischen Produkt
aus zwei Mengen A und B
eine neue Menge gebildet, welche die Bindung der Elemente der Menge A
zu den Elementen der Menge B beschreibt. Die Elemente der beiden
Mengen werden dabei gleichzeitig, also simultan betrachtet. Beim
kartesischen Produkt bestehen die Mengen aus Paaren von Objekten (a,b),
wobei a A und b B sei. Das Paar wird geordnet dargestellt, was bedeutet,
daß die Reihenfolge in der die beiden Objekte maßgebend ist: (a,b) (b,a).
Das kartesische Produkt oder Kreuzprodukt von A und B wird A x B
geschrieben und wie folgt definiert: A x B = {(a,b) | a A, b B}
Das Kreuzprodukt findet seine Anwendung oft in psychologischen
Untersuchungen, wo mehrere Parameter oder Meßwerte von einem
Probanden gleichzeitig zu erfassen oder wenn mögliche
Antwortkombinationen einer schriftlichen Erhebung auszuwerten sind.
Bsp.(vgl. Clauß et al., S. 354):
Es seien A = {ja, nein} die Menge der Antworten auf Frage 1
eines Fragebogens B = {a,b,c} die Menge der Antworten auf
Frage 2 eines Fragebogens. Dann ist A x B = {(ja,a), (ja,b),
(ja,c), (nein,a), (nein,b), (nein,c)} die Menge der
Antwortmöglichkeiten der Fragen 1 und 2. Bei diesem Beispiel
wird besonders der simultane Charakter der Elemente des
kartesischen Produktes sichtbar. Da die Paare geordnet sind,
ist zum Beispiel (b,ja) kein Element von A x B.
Das kartesische Produkt einer Menge kann man auch mit sich selbst bilden
(A x A). Wichtigstes Beispiel dafür ist die Menge aller Paare reeller Zahlen
(R x R), die das kartesische Koordinatensystem erklärt.
Bsp.(vgl. Clauß et al., S. 354):
Es seien A = {1,4,5} und B = {1,2,3}
wir erhalten A x B = {(1,1), (1,2), (1,3), (4,1), (4,2), (4,3), (5,1),
(5,2), (5,3)}
13
Y
Das Kreuzprodukt wird in Koordinatensystem
folgendermaßen veranschaulicht. Jedes Paar (a,b) wird
mit dem Punkt der Zahlenebene mit den Koordinaten a
und b identifiziert. Dabei wird die Bedeutung der
X
Reihenfolge nochmals verdeutlicht.
3.2. Relationen
Die Beziehungen zwischen den Elementen einer
oder verschiedener Mengen
beschreibt man als
Relationen
. Somit ist eine Relation die Teilmenge ihres
kartesischen Produktes A x B. Will man eine ganz bestimmte Relation
beschreiben, so ist dies allgemein und einfach dadurch zu erfüllen, daß man
alle Paare angibt die in der zu beschreibenden Beziehung stehen. Man
formuliert eine Eigenschaft, in dem man alle Elemente aufzählt, die diese
Eigenschaft haben. Relationen sind Mengen, welche nicht nur durch
Auflistung sondern auch durch Angabe einer Regel definiert werden, wie zum
Beispiel: L = {(a,b) A x B a spielt gern mit b},
F
=
{(x,y)
R x R x + y = 6},
G = {(x,y) x R R 3 x 5, -2 y -1}.
Bsp.(vgl. Clauß et al., S. 354):
X = {1,4,5} und Y = {1,2,3}
X x Y = {(1,1), (1,2), (1,3), (4,1), (4,2), (4,3), (5,1), (5,2), 5,3)}
X
x
Y
F
=
{(x,y)
R x R x + y = 6}
F = {(4,2), (5,1)}
Y
Für X die Menge aller reellen Zahlen x gilt:
1
3
x 4, für Y die Menge aller reellen
2
Zahlen y gilt: 2 y 3.
Dann ist X x Y = {(x,y) : 1 x 4, 2 y 3}
1
4 X
X x Y = {(1,2), (1,3), (4,2), (4,3)}
Für eine gegebene Relation U A x B gilt: Die Menge aller a A, die als
erste Komponenten in den zur Relation U gehörenden Paaren auftreten, ist
14
der sogenannte Definitionsbereich der Relation U und wird mit Du
bezeichnet. Entsprechend bilden alle auftretenden b den Wertebereich WU.
Nach dem vorangegangenen Relationsbeispiel F = {(4,2), (5,1)} ist der
Definitionsbereich DF {4,5} und der Wertebereich WF {1,2}. Für die Begriffe
Definitions- und Wertebereich sind auch die Begriffe Vor- und Nachbereich
üblich.
Eine Relation U zwischen A und B (U A x B)
heißt linksvollständig
oder
linkstotal,
wenn ihr Definitionsbereich gleich A ist; sie heißt rechtsvollständig
oder rechtstotal, wenn ihr Wertebereich gleich B ist. Weiterhin wird
unterschieden zwischen einer linkseindeutigen und einer rechtseindeutigen
Relation U zwischen A und B.
·
linkseindeutig:
zu verschiedenen ersten Elementen eines Paares
gehören auch verschiedene zweite Elemente, wenn aus (a1, b) U und
(a2,b) U stets a1 = a2 folgt
·
rechtseindeutig:
zu verschiedenen zweiten Elementen eines Paares
gehören auch verschiedene erste Elemente, wenn aus (a,b1) U und
(a,b2) U stets b1 = b2 folgt
Wie schon oben ausgeführt, können Relationen auch die Beziehung
zwischen den Elementen in einer Menge beschreiben, R A x A. Relationen
in einer Menge A können unter anderem folgende Eigenschaften haben:
·
reflexiv
, wenn (a,a) R für alle a A
·
symmetrisch
, wenn für alle (a,b) R gilt: (a,b) R (b, a) R
·
antisymmetrisch
, wenn (a,b) R (b,a) R a = b
·
asymmetrisch
, wenn für alle a, b A gilt: (a,b) R (b,a) R
·
transitiv
, wenn für alle a, b, c A gilt: (a,b) R (b,c) R (a,c) R
Besondere Bedeutung haben zweistellige (binäre) Relationen in einer
Menge. Das heißt, sie beziehen sich auf je zwei Elemente einer Menge. Zwei
wichtige Beispiele dafür sind die Äquivalenzrelation und die schwache
Ordnungsrelation.
Die
Äquivalenzrelation
(~:) kennzeichnet die Gleichheit von Objekten
bezüglich eines Merkmals. Sie ist reflexiv, symmetrisch und transitiv.
15
Bsp. (vgl. Böhm)
Schulklasse, ~: gleiches Geschlecht, die Schüler werden in
männlich und weiblich eingeteilt
Die
schwache Ordnungsrelation
(R) besagt, daß ein Merkmal bei einem
Objekt mindestens so stark ausgeprägt sein muß, wie bei einem anderen
Objekt. Sie ist reflexiv, antisymmetrisch und transitiv.
Bsp. (vgl. Böhm)
Schulklasse,
R: Mathematikkenntnisse, die Schüler werden
bezüglich ihrer Mathematikkenntnisse geordnet (Rangfolge)
16
4. Funktionen
Der Begriff der
Funktion
geht auf den Mathematiker Leonard Euler (1707-
1783) zurück. Er erklärte die Funktion als ,,eine veränderliche Größe, die von
einer anderen veränderlichen Größe abhängt"2. Heute wissen wir, daß nicht
nur die Abhängigkeit dieser Größen maßgebend für den Funktionsbegriff ist,
sondern die Zuordnung eines bestimmten Objektes zu einem anderen
bestimmten Objekt. Zum Beispiel gehört zu jedem Sitzplatz in einem Theater
bei jeder Vorstellung eine bestimmte Eintrittskarte. Aber nicht immer gehört
zu einem Sitzplatz ein bestimmter Besucher. Mengentheoretisch ausgedrückt
bedeutet das, daß eine Funktion jedem Element einer Menge ein bestimmtes
Element einer anderen Menge zuordnet. Eine Funktion ist in diesem Sinne
eine
Abbildung
zweier Mengen. Das heißt, daß eine Abbildung eine
bestimmte Menge von geordneten Paaren (x,y) ist, welche folgende
Eigenschaft besitzt: jedem x X ist eindeutig ein y Y zugeordnet. Die Art
der Zuordnung kann dabei verschiedene Formen haben: sie kann durch eine
Tabelle statistischer Werte, durch ein Diagramm oder durch einen
analytischen Ausdruck im Sinne einer Rechenvorschrift gegeben sein.
In den geordneten Paaren ist x die unabhängige Variable und y die
unveränderliche dazugehörige Beobachtung. Man kann zu keinem x mehr
als ein zugehöriges y finden. Somit ist es möglich dieses y als zu x
zugeordnet zu betrachten. Man schreibt y = (x) oder auch x (x) = y. Der
Definitionsbereich der Funktion wird mit D und der Wertebereich mit W
bezeichnet. Beim oben angeführten Theaterbeispiel besteht der
Definitionsbereich aus Sitzplätzen und der Wertebereich aus Besuchern.
Ein weiteres Beispiel verdeutlicht diese Aussage. Der Flächeninhalt I eines
Quadrates (I = a2) ist eine Funktion von einer unabhängigen Variablen,
nämlich von der Seitenlänge a des Quadrates, I = (a). Der Flächeninhalt
eines Rechtecks dagegen ist eine Funktion von zwei unabhängigen
Variablen, von der Länge a der Grundlinie und der Länge b der Höhe,
I = (a,b).
Die Funktion ist ein Sonderfall einer Relation, und ist linksvollständig und
rechtseindeutig. Man schreibt: : A B (das heißt: Abbildung [phi] aus
dem Raum A in den Raum B) oder (a) = b. A ist in dem Fall die
17
Ausgangsmenge
(Definitionsbereich) und B die
Zielmenge
. Die
Bildmenge
(a) (Wertebereich) enthält genau die Elemente der Zielmenge B, die den
Elementen aus A zugeordnet sind.
Man definiert: (a) = {b B | es gibt ein a A mit (a) = b}.
Wird a A bei einer Abbildung in das Element b B abgebildet ((a) = b),
so heißt b das
Bild
von a und a das
Urbild
von b.
Funktionale Relationen
(Funktion) treten beispielsweise stets bei
Bewertungen auf. Wobei Zahlen in eindeutiger Weise zugeordnet werden.
Nach bestimmten Regeln werden Punktsummen ermittelt und für die
Auswertung von Testleistungen zugrunde gelegt. Auch in der Statistik erfolgt
die funktionale Zuordnung bei der Bestimmung von Rangzahlen.
Bsp.:
Es gibt eine Serie von n verschiedenen Meßergebnissen. Man
ordnet jedem Meßwert seinen Rangplatz in der Größenordnung
zu (kleinster Wert Rangplatz 1, größter Wert Rangplatz n).
Werte
2,6
2
2,4
1,7
Rangplatz 4
2
3
1
Bei Abbildungen aus dem Raum A in den Raum B (: A B) treten folgende
Eigenschaften auf, für die gilt:
·
injektiv
(Injektion), wenn a
1, a2 A, dann a1 a2
(a1) (a2)
Das heißt, daß jedes Element der Menge B
y
höchstens einmal getroffen wird, also zwei
verschiedene x-Werte haben immer
verschiedene Funktionswerte.
x
Die Funktion R R ist injektiv, aber nicht
surjektiv. Ihr Wertebereich ist das (offene)
Intervall (-3,3).
2 Kleine Enzyklopädie Mathematik. Pfalz Verlag Basel, 1967, S. 125
18
·
surjektiv
(Surjektion), wenn für jedes b B ein a A existiert mit (a) = b
y
Das heißt, daß jedes Element von B wird
getroffen, also wenn der Wertebereich gleich der
ganzen Menge B ist.
Die Funktion R R ist surjektiv, aber nicht
2
x
x
3
x
1
x
injektiv. Es gibt drei x-Werte, deren
Funktionswert 1 ist.
·
bijektiv
(Bijektion), wenn die Abbildung injektiv und surjektiv ist, dann ist
jedes b B Bild von genau einem Element
y
von A.
Das heißt, die Funktion R R ist injektiv und
surjektiv. Es wird eine exakte Entsprechung
(,,Eins-zu-eins-Zuordnung") zwischen den
x
Elementen der Menge A und den Elementen
der Menge B definiert. Bijektive Funktionen
werden auch als
eineindeutig
bezeichnet.
Eine injektive Funktion : A B kann auch zu einer bijektiven Funktion
modifiziert werden. Dabei wird die Menge B durch den Wertebereich von
ersetzt. Zu beachten ist allerdings, daß die Wirkung von ansonsten nicht
verändert wird. Zusammenfassend kann man sagen, daß in jeder injektiven
Funktion auch eine bijektive Funktion steckt.
Funktionale Relationen können grafisch anschaulich mit Hilfe von ebenen
Koordinatensystemen dargestellt werden. Man ordnet jedem Zahlenpaar
(x,y) einen Punkt P der Ebene zu. Auf der horizontalen Achse eines
rechtwinkligen kartesischen Koordinatensystems werden die unabhängigen
(x) Variablen, auf der vertikalen Achse die abhängigen Variablen (y)
aufgetragen. Die Gesamtheit der so entstandenen Bildpunkte P bezeichnet
man als Bild der Funktion. Auf diese Weise, abhängig von der Beschaffenheit
des Definitionsbereiches und der Funktionsgleichung, erhält man eine Reihe
einzelner Punkte und Kurvenstücke oder ganze Funktionskurven.
19
Bsp.: Als Beispiel für die grafische Darstellung einer Funktion
dient oft die standardisierte Gaußsche Glockenkurve (x).
Wobei beachtet werden sollte, daß (-x) = (x) ist.
y
0,5
x
-2
-1
-3
1
2
3
1
x2
y =
(x) =
e 2 ,
< x <
2
x
-3 -2 -1,5 -1 -0,5 0 0,5 1 1,5 2 3
(x) 0,004 0,054 0,130 0,242 0,352 0,399 0,352 0,242 0,130 0,054 0,004
20
5. Relative
Eine Menge von Elementen (A) und eine oder mehrere Relationen (R1 Rn),
mit denen die Art der Beziehung der Objekte untereinander charakterisiert
wird, nennt man
Relativ
A, R
1 Rn oder Relationensystem. Die
Relation(en) ist oder sind Teilmenge(n) aus A x A.
Besteht die Menge aus empirischen Objekten, wie zum Beispiel Kindern
einer Schulklasse oder Mitglieder eines Gesangvereins, so nennt man dieses
Relationensystem
empirisches Relativ
. Das empirische Relativ teilt in
diesem Fall die Mitglieder des Gesangvereins in männliche und weibliche
Sänger.
Wenn A (Objektmenge) die Menge aller reellen Zahlen R ist, wird ein
numerisches Relativ
definiert R, S
1... Sn . Das heißt S1... Sn stehen für
unterschiedliche Typen von Relationen, wie zum Beispiel die
Ordnungsrelationen.
Bsp.:
Die Plätze bei einem Weitsprungwettbewerb in einer
Schulklasse werden nach den erreichten Ergebnissen der
Schüler vergeben. Das numerische Relativ legt in diesem Fall
die Rangfolge des Weitsprungwettbewerbes fest.
Weite in m (R) 2,40
3,20
1,85
3,80
3,00
Platz
4. 2. 5. 1. 3.
Wird jedem Objekt aus der Menge A eine Zahl aus R zugeordnet
(Zuordnungsfunktion: : A R) und existiert für jedes Element aus A eine
Zahl (a) in R, so sprechen wir von einer
homomorphen
Abbildung.
Für zwei Objekte a und b aus A gilt: a b (a) (b), wenn das
empirische Relativ (A, ) in das numerische Relativ (R, ) homomorph
abgebildet wird.
Die Zuordnung einer homomorphen Abbildung eines empirischen Relativs in
ein numerisches Relativ finden wir als Bedingung in der Definition des
Messens (nach Orth, 1983) wieder. Diese Definition besagt: ,,das Messen ist
eine Zuordnung von Zahlen zu Objekten oder Ereignissen, sofern diese
Zuordnung eine homomorphe Abbildung eines empirischen Relativs in ein
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numerisches Relativ ist. Das Messen aus dem Alltagsverständnis ist die
Zuordnung von Zahlen und Beobachtungen durch den Vergleich mit einer
Maßeinheit. Zum Beispiel gibt es in der Psychologie, Soziologie und
Pädagogik für viele Untersuchungsgegenstände (Objekte) keine klar
festgelegten Bedingungen. Aus diesem Grund ist die Erweiterung des
Meßbegriffs erforderlich, da die Voraussetzung für den Einsatz statistischer
Methoden
quantifizierbare Merkmale
sind. Und dies zur gesicherten
Wissensgewinnung eine gegenstandsangemessene Quantifizierung
erfordert. Die Definition von Orth heißt vereinfacht, daß Messen der
Zuordnung von Zahlen zu Beobachtungen nach bestimmten Regeln
entspricht (,,der Zuordnung einer homomorphen Abbildung eines empirischen
Relativs in ein numerisches Relativ").
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6. Literaturverzeichnis
Böhm, G.: Skript: Einführung in die Statistik. WS 99/00
Bronstein, I.N. et al. (Hrsg.): Taschenbuch der Mathematik. 4. überarb. u.
erw. Aufl., Verlag Harri Deutsch, Thun u. Frankfurt (a. Main), 1995
Clauß, G. et al.: Statistik. Für Soziologen, Pädagogen, Psychologen und
Mediziner. Grundlagen.(Band 1), 2. überarb. u. erw. Aufl., Verlag Harri
Deutsch, Thun u. Frankfurt (a. Main), 1999
Gellert, W. et al. (Hrsg.): Kleine Enzyklopädie Mathematik. Pfalz Verlag
Basel, 1967
Meyers Neues Lexikon in acht Bänden. Band 5, VEB Bibliographisches
Institut Leipzig, 1963, S. 733
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