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Die Metopen des Parthenon

Autor: Jenny Gutzmer
Fach: Archäologie

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Details

Kategorie: Anderes
Jahr: 2001
Seiten: 9
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 60 KB
Archivnummer: V100993
ISBN (E-Book): 978-3-638-99415-6
Anmerkungen :
An Hand von ausgewählten Beispielmetopen wird der Übergang von Strengen Stil zu den hochklassischen Darstellung erläutert.

Volltext (computergeneriert)

Autorin: Jenny Gutzmer

 

Die Parthenonmetopen nach Brommer und Berger

Referat

Der Parthenon wurde von Perikles erbaut.
Seitdem sind einige Ereignisse vonstatten gegangen, die die Rekonstruktion und den Erhalt der Metopen weitgehend erschweren.
Die Größen Eingriffe geschahen in christlicher Zeit, als die Nord-West und Ostmetopen planmäßig weitgehend abgemeißelt wurden.
Während des Krieges der Venezianer gegen die Türken 1687, gab es außerdem eine Explosion im Parthenon, der als Pulvermagazin genutzt wurde, wodurch vor allem die Längsseiten zerstört wurden.
Der letzte große Schaden durch Menschenhand richtete der britische Lord Elgin an, der Kunstraub in großem Stil betrieb, Metopen, Friesplatten und Giebelfiguren entfernte und nach England schaffen lies. Hierbei war er zwar nicht der erste, bereits 1788 ließen zwei Franzosen die Südmetope 10, als erste der Metopen, entfernen und in den Louvre bringen, aber sie besaßen nicht die Möglichkeiten wie der Engländer.
Den weitaus größten Schäden verursacht jedoch die Witterung.

Hilfsmittel zur Rekonstruktion sind deshalb sehr von Nöten, wie etwa die Abgüsse, die Lord Elgin bei der Demontage der Metopen anfertigen ließ, und die Zeichnungen eines gewissen Carrey, der 13 Jahre vor der Explosion sämtliche Metopen der Südseite zeichnete, leider aber die anderen Seiten nicht.

Zum Verständnis:
An jeder der vier Seiten wurden die Metopen von der linken Seite an nummeriert und gezählt.

Metopen sind viereckige Platten, die über den Säulen und dem auf ihnen liegenden Architrav, so zwischen den Triclyphen eingeschoben sind, dass sich eine Metope mit einer Triclyphe abwechselt. Teilweise waren bei den antiken Tempeln nicht alle Metopen reliefiert, sondern nur bemalt.
Beim Parthenon waren die Metopen außen angebracht und zwar ringsum und ohne Lücke, je 32 an den Längsseiten und je 14 an den Schmalseiten, es ergeben sich also nicht weniger als 92 Metopen.
Alle Metopen haben an ihrem oberen Ende eine vorstehende Leiste, an deren oberen Ende sich ein Astragalstab befindet, er setzt sich bei den Triclyphen fort, lief also ursprünglich rund um den Tempel.

Sicherlich waren zahlreiche Bronzeattribute angebracht, aber nur noch bei der Südmetope 1 ist ein dicker Bronzestift im Grund erhalten.
Alle Skulpturen waren bemalt und an einigen Teilen der Architektur, die geschützt lagen, finden sich noch winzige Spuren von rot oder blau bzw. ist die Ornamentik noch teilweise erkennbar.
Es gibt Hinweise, dass bei mindestens einem Teil der Metopen der Grund rot war.

ZUR DATIERUNG:

Es sind Bauurkunden erhalten, die die Datierung vereinfachen. Der Parthenon wurde von 447/6 -433/2 v.Chr. gebaut und war innerhalb von 15 Jahren fertig. Aus bautechnischen Gründen liegt nahe, dass zuerst die Metopen gefertigt wurden.
Das Kultbild der Athena Parthenos wurde 438 v. Chr. geweiht, sicher hatte der Tempel da schon ein Dach, um das kostbare Kultbild vor Wetter und Diebstahl zu schützen. Das bedeutet, dass die Metopen zu dieser Zeit schon fertig waren. Man kann demnach schätzen, dass sie zwischen 447+440 v. Chr. gefertigt wurden.
Welche Seite der Metopen jünger ist und welche älter lässt sich nicht belegen, man geht eher davon aus, dass auf mehreren Seiten gleichzeitig gearbeitet wurde.

Auf beiden Schmalseiten sieht man ein in sich geschlossenes Thema für jeweils eine ganze Seite.
Auf der Ostseite ist es der Kampf der Götter gegen die Giganten. Dies kann man an den erhaltenen Resten erkennen, auch wenn nicht jede einzelne Gottheit mit Sicherheit benannt werden kann.
Auf der Westseite handelt es sich klar um den Kampf zwischen Griechen und orientalisch gekleideten Personen.
Es liegt nahe anzunehmen, dass auch die Längsseiten nach ein einheitliches Thema gestalltet waren. Bei der Nordseite ist jedoch nur wenig erhalten um dies beweisen zu können, bei der Südseite trifft dies aber offenbar zu, wenn auch die Deutung der stark zerstörten Mittelmetopen Schwierigkeiten macht.

Die Metopen sind alle für sich gearbeitet und aus einem anderen Stück als ihre Nachbartriclyphen. Die metopen sind alle 1,20 hoch, aber in ihrer Breite merkwürdig verschieden. Sie schwanken um ein Mittelmaß von etwa 1,25 herum, um bis zu 15 cm, also einem beträchtlichen Prozentsatz. Die Unterschiede sind unregelmäßig und gehen ohne Abstufungen vor.

WESTMETOPEN

Bei den Westmetopen handelt es sich um die am schlichtesten gearbeitete Metopenseite des Parthenons. Die Metopen stellen entweder den Reiterkampf oder den Kampf zu Fuß dar. Die hauptsächliche Bewegungsrichtung geht nach rechts. Es sind immer zwei Personen dargestellt außer bei der ersten Metope, sie zeigt nur eine reitende Figur. Die Komposition hat weder einen deutlichen Anfang noch ein Ende. Dargestellt ist eindeutig ein Kampf zwischen Griechen und Gegnern in orientalischer Tracht. Für die Deutung kommt nur die Möglichkeit des Amazonen- oder des Perserkampfes in Frage. Da man eher ein mythologisches als historisches Thema vermutet geht man im allgemeinen davon aus, dass es sich um eine Darstellung des Amazonenkampfes handelt. Die Deutung ist jedoch keineswegs so sicher, da bei der Untersuchung der schlecht erhaltenen Originale der Westmetopen nirgendwo eine Frau erkannt werden konnte.

OSTMETOPEN

Bei den griechischen Tempeln war die Ostseite hervorgehoben, das Kultbild blickte dort hin, bei ihr war der Eingang, bei ihr lag der Altar. So war es auch bei den Metopen. Die Unterschiede zur Westseite waren beträchtlich. In jeder Ostmetope tritt mindestens eine Gottheit auf . Auf die Komposition der einzelnen Metopen wurde außerdem mehr Wert gelegt, und es gab im Gegensatz zum Westen auch einen kompositorischen Anfang und Schluss. Die Bewegung der ersten Metope geht nach rechts, die Bewegung der letzen nach links. Außerdem war in der fünften Metopen von rechts und von links ein zur Mitte hin bewegtes Gespann zu sehen.
Die Götterdarstellungen lassen sich fast alle benennen, es waren wahrscheinlich die selben 12 wie auf dem Ostfries und außerdem noch Herakles, Nike, Eros und eine weitere unbenennbare Gottheit.

NORDMETOPEN

Von den Nordmetopen sind 13 Stück erhalten. Die Christen verstümmelten gewaltsam 12 davon. Nur die Metope NORD 32 ist verhältnismäßig gut erhalten.
( NORD32) Standort: Parthenon Breite: 1,18 m
Die Metope zeigt zwei zueinandergewandte Frauen, eine stehend links, eine auf dem Felsen sitzend rechts. Die linke stehende Gestallt ist mit einem attischen Peplos bekleidet und im Begriff sich einen Mantel umzulegen. Die erhobene Linke ist vom hochgezogenen Teil des Mantels verdeckt, die rechte Hand fasst das im Rücken herabfallende Ende. Der Fuß des zurückgesetzten rechten Spielbeins war mit angehobener Ferse etwas nach außen gesetzt. Eine mögliche Geste des Aufbruchs.
Die rechte Figur sitzt auf einem Felsen und trägt einen gefältelten Chiton mit Ärmeln, darüber einen dicken Mantel, der den Unterkörper und die linke Schulter bedeckt. Nach einer Zeichnung, bei der der Künstler scheinbar noch einen Armstumpf gesehen hat, ist der Oberarm über die Horizontale hinaus angegeben. Der Unterarm war leicht angewinkelt. Man vermutet eher, rfa es sich hierbei um einen Redegestus handelte, als das ein Attribut ergänzt werden müsste. Die beiden Gestalten der Metope32 führen verschiedene stilistische Möglichkeiten vor. Bei der Rechten quellen die Falten unablässig wie aus der Tube gedrückt. Bei der Linken sind sie unmittelbar am Körper karg und erinnern noch an den strengen Stil. Aber der mit der erhobenen Linken und gesenkten Rechten gehaltene Mantel geht mit seinen tiefen Falten weit darüber hinaus. Es zeigt sich, dass der Meister verschiedene Möglichkeiten hatte.
Die linke Figur wurde auf Grund ihrer Tracht und ihrer jugendlichen Erscheinung, sowie ihrer Agilität als Athena gedeutet. Bei der rechten Figur schwankt man zwischen Hera, Aphrodite und Themis.
Man nimmt an, dass in dieser Komposition Mariae Verkündigung gesehen wurde, weil dieses Thema der christlichen Typologie dieser Szene außerordentlich entspricht, was erklären würde, warum sie als einzigste der Nordmetopen von den Christen verschont wurde.

Da es sich bei der West- und Ostseite und mit Sicherheit auch bei der Südseite um ein einheitliches Thema handelt ist davon auszugehen, rfa dies auch auf die Nordseite zutrifft. Trotz der schlechten Erhaltung ist es gelungen zu erkennen, dass auf den Metopen der Nordseite wahrscheinlich die Ilias dargestellt war. Schon vor über hundert Jahren sah Michaelis, dass auf den Nordmetopen 24 + 25 die Begegnung von Menelaos mit seiner treulosen Frau Helena, nach der Einnahme der Stadt Troja.

SÜDMETOPEN

Unter allen Seiten ist bei den Metopen die Südseite die bei weitem am besten erhaltene. Während bei den Schmalseiten im Osten und im Westen die Zerstörung der Christen verheerend war, die Explosion aber keine Auswirkung hatte, haben die Christen die Südseite auffallenderweise verschont. Die Gründe dafür sind unbekannt. Es mag sein, rfa die Südseite wegen nachantiker Bauten auf dem Berg nur schwer zugänglich war. Es kann aber auch sein, rfa das Thema christlich aufgefasst wurde. Kentauren waren in der mittelalterlichen Kunst nicht unbekannt. Jedenfalls sind die großen Abmeißelungen bei den Metopen nur auf der Südseite nicht zu finden. Die Schäden die den Tempel auseinander rissen, als er als Pulvermagazin genutzt wurde, sind jedoch sehr groß auf der Südseite. Die mittleren Südmetopen sind zerstört. Von den 32 Südmetopen sind aber noch mehr als die Hälfte erhalten. Die meisten von ihnen wurden von Lord Elgin in das britisch Museum gebracht.
Da Carrey alle Südmetopen gezeichnet hat, haben wir auch Kenntnisse von den verlorengegangenen Mittelmetopen.
Auf den meisten Metopen (1-12, 22-32) ist ein Kampf zwischen Menschen und Kentauren dargestellt. Bei den Menschen handelt es sich um bärtige Männer oder unbärtige Jünglinge, in einigen wenigen Fällen auch um Frauen ( SÜD 12, 22, 25, 29). Keiner der Menschen ist gerüstet. Zwei (SÜD 4, 11) haben ein Schild, sonst wurde aber alles benutzt was man gerade fand, wie etwa eine Hydria (SÜD 4,9,23) Der Streit scheint also beim Gelage ausgebrochen zu sein.
Brommer vertritt die These, dass es sich hier um eine attische Lokalsage handeln müsse, da auf den Mittelmetopen keine Kentauren dargestellt sind, ich schließe mich aber eher Bergers Meinung an, demnach handelt es sich bei den Südmetopen um das selbe Thema wie beim Westgiebel des Zeustempels von Olympia, nämlich dem Kampf der Lapiten gegen die Kentauren.
Die südmetopen sind in Hinblick auf Komposition und Ausarbeitung sehr unterschiedlich.
Hierzu einige Beispiele:

SÜD 2

Das Original befindet sich, wie auch alle anderen Metopen der Südseite die ich noch erwähnen werde, im britischen Museum und es hat eine Breite von 1, 27 m. Beide oberen Metopenecken fehlen. Eine Zeichnung von Carrey von 1674 gibt einen deutlich besseren Einblick als der heutige Erhaltungszustand.
Der Grieche kniet mit dem linken Bein auf dem Rücken des Kentauren ( ein Motiv, das häufig benutzt wird um das bezwingen eines wilden Tieres darzustellen) Er drückt den Gegner nieder und packt ihn gleichzeitig an der Gurgel. Der Kenauer versucht sich mit der linken Hand, von dem beklemmenden Griff zu befreien.
Auf der Zeichnung von Carrey 1674 sind der Kopf und der rechte Fuß des Jüngling noch vorhanden. Sie fehlen jedoch schon auf einer im Jahr 1765 entstandenen Zeichnung.
Der Pferdeschweif des Kentauren liegt flach angedrückt am Grund an ohne plastischen Übergang an den Seiten, eher scharfkantig Der linke Unterschenkel des Jünglings verschwindet unter dem Oberschenkel. Ebenso verdeckt sein rechtes Bein das rechte Hinterbein des Kentauren. Auch der Übergang vom menschlichen zum tierischen Körper vollzieht sich ungeschickt. Das Gesicht des Kentauren sticht besonders hervor. Es ist ausgesprochen maskenhaft und schmerzverzerrt.
Schefold glaubt, diese Metope trotz ihrer Unbeholfenheiten Phidias zuschreiben zu können, da sich das aber nirgends belegen lässt sind sich die Archäologen uneinig.

SÜD 4

Die vierte Südmetope rfas 1,26 m.
Dargestellt sind ein sich nah hinten aufstützender, sitzender Jüngling bewaffnet mit einem Schild, eine der wenigen Waffen, die auf den Südmetopen zu erkennen sind. Außerdem ein über den Jüngling gebeugter Kentauer, der eine Hydria schleudert, also irgendein Gefäß, das er beim Gelage ergreifen konnte.
Der Künstler wagte es das linke untere Viertel dicht zu füllen und das rechte obere Viertel frei zu lassen, um gerade durch diesen Gegensatz eine besondere Wirkung zu erzielen. Aber trotzdem fehlt dem Kampf die Heftigkeit. Auch den Köpfen mit den unbewegten Gesichtsausdrücken ist er nicht anzusehen. Dem Kentaurenkopf fehlt außerdem das tierische.
Die Blickverbindung der beiden Gegner ist wesentlich wichtiger als die äußere Kampfhandlung. So liegt das Schild des Jünglings beispielsweise dich am Metopengrund an und ist parallel zu ihm geführt. Im ganzen wirkt die Metope durch die Ruhe, diese ausstrahlt wesentlich klassischer als andere.

SÜD 27

Die Südmetope 27 ist 1,37 m breit.
Der verletze nach rechts galoppierende Kentaur greift mit beiden Händen nach der schmerzhaften Wunde in seinem Rücken und wird von dem zur anderen Seite ausschreitenden Lapithen zurückgerissen. Der Lapithe erscheint hier als triumphierender Sieger. Der Jüngling umfasst mit der Linken den Nacken des Kentauren und holt mit der Rechten zum Todesstoß aus. Über seinen Rücken hängt ein über die ausgestreckten Arme fallender Mantel. Der freiplastische Körper des Jünglings hebt sich durch den dahinterliegenden Mantel noch mehr hervor. Die Wirkung war wahrscheinlich im bemalten Zustand noch wesentlich stärker. Der Metopengrund ist durch die gegeneinanderlaufende Bewegung der beiden Personen komplett gefüllt.
Carrey sah außer den beiden fehlenden Köpfen noch den rechten Unterschenkel des Jünglings. Berger der der Metope SÜD 27 eine zentrale Rolle zuschreibt, wagt sich an die Frage ob man den Protagonisten dieser Gruppe auch eine zum inhaltlichen Kontext passende Rolle zuschreiben kann. Er vermutet deshalb, dass es sich bei dem Lapithen entweder um Perithoos oder Theseus handelt.
Buschor hält diese Metope für ,, wohl das Fortschrittlichste, was im bunten Rahmen der vielen Möglichkeiten der Metopenteile anzutreffen ist".

SÜD28

Diese Metope ist 1,33 m breit.
Triumphierend sprengt der Kentaur über den wohl schon toten Lapithen hinweg. Der Lapithe liegt mit seinem Körper auf der Seite dem Betrachter zugewendet. Die Fragmente seines Kopfes deuten an, dass dieser überstreckt war. Haare und eine Art Kappe waren ausgearbeitet. Er ist nackt bis auf einen Umhang der unter seinem Körper hervorkommt. Über den ausgestreckten linken Arm des Kentauren ist ein Pantherfell gebreitet, von dem das Schwanzende und eine Pranke nach Hinten flattern.
Der halbrunde Ansatz über der rechten Schulter gehörte möglicherweise zu einem großen Gefäß, das der Kentaur mit sich führte. Möglicherweise wieder eine Hydria die als Waffe diente. Auch der Schweif des Kentauren ist in Bewegung erfasst und steigt senkrecht nach oben. In keiner anderen Metope ist der Kentaur so deutlich der Sieger.
Carrey sah 1674 noch den Kopf, den rechten Arm und das erste Vorderbein des Kentauren.
Die Gestallten sind weitgehend vom Grund gelöst.
Es besteht eine starke Ähnlichkeit zur Metope SÜD 5 in Hinblick auf das Motiv des Kentauren. Aber auch die Ausarbeitung des Pferdeschweifes ist sehr ähnlich beziehungsweise die räumliche Ablösung des Pferdekörpers vom Grund.

SÜD 29

Die Metope ist 1,26 breit.
Dargestellt ist ein kahlköpfiger Kentauer mit spitzen Tierohren, der eine Lapithenfrau raubt, indem er sie mit seinem linken arm umklammert. Zu Carreys Zeit war die Metope noch vollständig, bis auf die rechte Hand der Frau und ein teil des Vorderbeins des Kentauren. Aus seiner Zeichnung ist deshalb ersichtlich, dass der rechte Arm des Kentauren nach oben angewinkelt war um den arm des Lapithenfrau festzuhalten.
Die Südmetope 29 ist in ihrer Komposition ängstlicher als andere herausragende Stücke der Südseite. Der Kentaurenkopf , der als einzigster auf der Südseite spitze Ohren besitzt wirkt ausdruckslos. Auffallend ist jedoch das faltenreiche Gewandt der Frau. Einige Archäologen vermuten, dass es später überarbeitet wurde, weil es in einem so auffallenden Kontrast zum Rest der Metope steht.
( Vorstufe des Meisters der Iris des Westgiebels???? Da Falten auch da wo sie nicht sichtbar sind für den Betrachter, ausgearbeitet wurden.)

SÜD 30

Die Metope ist 1,28 breit.
Der Kentaur springt gegen den ins Knie gesunkenen Lapithen und tritt ihn mit den Hufen nieder. Die Gesichter Beider sind in Anstrengung und schmerz verzerrt. Die Aktion der Arme der beiden Gegner gegeneinander wirkt merkwürdig kraftlos. Möglicherweise hielt der Jüngling auch eine Waffe in der Hand, seine Faust ist nämlich nicht geschlossen. Vielleicht hat der Künstler, nach Annahme Berger, auch die Pointe des Entwurfes missverstanden, und sich deshalb eher auf den emotionalen Ausdruck der Kämpfer konzentriert.
Der in die Defensive gedrückte Lapithe hält in der linken Hand einen Stein, ein mögliches Wurfgeschoss um sich gegen den Kentauren wehren, vielleicht aber auch nur eine Stütze um die Höhendifferenz bis zur Grundplatte zu überbrücken.
Der Pferdeschweif, der Bart des Kentauren sind wenig ausgearbeitet, sie traten wahrscheinlich durch ihre Bemalung hervor.
Rodenwaldt und Brommer vermuten, dass es sich hier bei um das Gegenstück zur Südmetope 4 handelt, da die Komposition so ausgesprochen ähnlich aufgebaut ist.

SÜD 31

Der Kentaur packt den Lapithen an der Gurgel und klemmt mit seinen Vorderläufen, das gegen seinen Körper gestemmte Bein ein. Der Lapithe greift etwas ungeschickt in das struppige Haar des Kentauren.
Der Erhaltungszustand ist, wie nur selten sonst seit Carrey unverändert.
Bei der linken Hand des Kentauren ist zwar der Daumen angegeben, aber nicht die restlichen Finger. Der Mähnenansatz ist klein und geht allmählich in den Körper über. Die Gesichtszüge des Kentauren sind auffallend maskenhaft. Der Pferdeschweif ist fein detailliert ausgearbeitet. Weder der linke Hinterhuf des Kentauren, noch der linke Fuß des Lapithen reichen bis zum unteren Rand der Metope. Die Zehen des linken Fußes des Jünglings sind auch nicht ausgearbeitet. Im rechten Armstumpf des Kentauren ist ein großes Dübelloch zu sehen, das innen sorgfältig geglättet ist. Außerdem befindet sich beim Armstumpf dicht am Metopengrund ein Bronzestift. Es handelt sich wahrscheinlich um eine antike Reparatur.
Unter den Tafeln der Südseite entspricht die Südmetope 31 am stärksten der Tradition des strengen Stiles. Die Experten vermuten, dass der altmodische Meister sich durch seine tadellose Ausarbeitung im Detail und seine detaillierte Schilderung der Kentaurenfratze und der Kampfhandlung bewusst von seinen jüngeren Zeitgenossen distanzieren wollte, die den inneren Konflikt der Kämpfer zu interpretieren versuchten.

Die Metopen der Südseite sind in Qualität und Stil sehr unterschiedlich. Einige, zum Beispiel 1,4,5,9,27 und 28 sind so hervorragend, dass man dafür Bildhauer wie Myron, Phidias und Kolotes zur Diskussion stellt. Wüsste man nicht, das die Metopen des Parthenons in wenigen Jahren gearbeitet wurden und spätestens 438 v. Chr. versetzt waren, würde man für die Entstehung der Südmetopen etwa die Spannweite einer Generation annehmen. Die fortschrittlichen Platten der Südseite (5, 27, 28,29) sind deutlich später, als die einheitlichen Serien der übrigen Seiten.
Die immer wieder festgestellten stilistischen Unterschiede der Südmetopen sind wohl allein nicht darauf zurückzuführen, dass gleichzeitig jüngere und ältere Bildhauer gearbeitet hätten. Auch die kühne Annahme einige Bildhauer hätten bewusst archaische Zitate beabsichtigt, wäre nur für einen Teil der altertümlichen Metopen möglich. Es muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass ein Teil der Platten ursprünglich für eine andere Kompositionszusammenhang geplant wurden und entweder zu einem früheren Zeitpunkt oder von einer anderen Werkstatt ausgeführt wurden.

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