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Die Rolle der Frau in der Sportberichterstattung am Beispiel einer Untersuchung der BILD-Zeitung

Autor: Sören Baumgärtner
Fach: Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse

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Details

Veranstaltung: Seminar: Zum Verhältnis von Bildung und Arbeit im historischen und internationalen Kontext
Institution/Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tags: Rolle, Frau, Sportberichterstattung, Beispiel, Untersuchung, BILD-Zeitung, Seminar, Verhältnis, Bildung, Arbeit, Kontext
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 24
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 155 KB
Archivnummer: V101154
ISBN (E-Book): 978-3-638-99575-7

Volltext (computergeneriert)

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main



Seminar:

Zum Verhältnis von Bildung und Arbeit im historischen

und internationalen Kontext



Die Rolle der Frau in der Sportberichterstattung

am Beispiel einer Untersuchung der BILD-Zeitung

Tag der Abgabe:

18. November 1999


Inhalt

1. Einführung in die Problematik 3

2. Theoretischer Hintergrund 4

2.1 Die Rolle der Frau in den Medien 4

2.2 Lage des Frauensports 5

2.3 Die Sportberichterstattung in den Medien 6

3. Die BILD-Zeitung als Analyseobjekt 8

3.1 Selbstverständnis und Leserkreis 8

3.2 Das Bild der Frauen in der BILD-Zeitung 9

3.3 Der Sportteil der BILD-Zeitung 9

4. Hypothesen 10

5. Zusammenfassung der Untersuchungsbefunde zur Frauensportbericht-

erstattung 12

5.1 Flächenanalyse 12

5.1.1 Umfang der Sportberichte 12

5.1.2 Verteilung der Sportberichterstattung 14

5.2 Text- und Bildanalyse 15

5.2.1 Aktualität 15

5.2.2 Leistungsebene 16

5.2.3 Erfolg/Mißerfolg 16

5.2.4 Sportarten 17

5.2.5 Alter 18

5.2.6 Aussehen 19

5.2.7 Sexualität 20

6. Funktion und Wirkung des Frauenbildes in der Sportberichterstattung 21

7. Literatur 23

8. Abbildungen 23





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1. Einführung in die Problematik

Ausgangspunkt unserer Hausarbeit ist die Annahme einer sozialisierenden Wirkung von Mas-

senmedien (vgl. Ronneberger 1971, Hüther 1975, Schorb et al. 1980). Wir gehen davon aus,

daß Medieninhalte in einem komplexen Ursachen-Wirkungs-Gefüge auf Einstellungen der

Rezipienten Einfluß nehmen, sei es, daß sie vorhandene Bewertungsmuster bestätigen, evtl.

sogar verstärken, oder daß sie durch neue Informationen zur Meinungsbildung beitragen.

Gleichzeitig lassen Inhalte von Presse, Funk und Fernsehen zentrale Grundhaltung der Gesell-

schaft bzw. gesellschaftlicher Gruppen erkennen. Je nach politisch-weltanschaulicher Aus-

richtung des betrachtenden Mediums fließen Wertorientierungen des Kommunikators mehr

oder weniger stark in die Präsentation der Inhalte mit ein.

Über die Sportberichterstattung werden der Öffentlichkeit Informationen, Vorstellungen und

Bewertungen vom Sport und von den sporttreibenden Personen vermittelt. Am Beispiel der

BILD-Zeitung wollen wir untersuchen, in welchem Umfang sporttreibende Frauen bzw. Er-

eignisse im Frauensport Berücksichtigung finden und inwieweit Sportberichte Geschlechter-

rollenklischees aufweisen. Die Darstellung des Frauensports ist dabei in Zusammenhang mit

dem allgemeinen Bild von Frauen in den Medien und dem Frauenideal der BILD-Zeitung zu

diskutieren.

Obgleich die BILD-Zeitung als Boulevardblatt nicht repräsentativ für die Sportberichterstat-

tung in der Tagespresse ist, bietet sie sich aus folgenden Gründen als Untersuchungsgegens-

tand an. Nicht zuletzt wegen des umfangreichen Sportteils wird die BILD-Zeitung von großen

Teilen der Bevölkerung täglich gekauft bzw. gelesen. Nicht wenige Sportredakteure in der

Bundesrepublik sprechen ihr im Bereich der Sportpresse sogar Leitfunktionen zu. Darüber

hinaus läßt die klischeehafte Darstellung von Frauen im allgemeinen Teil der BILD-Zeitung

es als sehr interessant erscheinen, den zunächst neutral anmutenden Sportteil auf Geschlech-

terunterschiede hin zu untersuchen.

Es ist uns bewußt, daß die Untersuchungsergebnisse sowie die daraus abgeleiteten Schlußfol-

gerungen zunächst nur für einen kleinen Teil der BILD-Zeitung gelten, die mit ihrer politisch-

weltanschaulich konservativen Ausrichtung nur eine von vielen Tageszeitungen ist. Dennoch

ist ihr Einfluß bei der Vermittlung geschlechtsspezifischer Vorurteile schon aufgrund der ho-

hen Leserzahl nicht zu unterschätzen.

Die BILD-Zeitung war schon mehrfach Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Unter den

zahlreichen Analysen zur inhaltlichen Gestaltung, zu polit-ökonomischen Aussagen und zur

Wortwahl der BILD fanden wir allerdings keine Veröffentlichung, die Formen, Vermittlungs-

strategien und Funktionen des Frauenbildes zum Gegenstand hat. Lediglich Weber (1980)

arbeitete über die Sprache der Sexualität in der BILD-Zeitung und berücksichtigte in diesem

Zusammenhang geschlechtsspezifische Aspekte. Auch der Sportteil wurde unter verschiede-

nen Fragestellungen schon von mehreren Autoren untersucht, so von Schneider (1974) im

Rahmen einer Analyse der Sportsprache und von Quanz (1974), der die BILD-

Sportberichterstattung einer ideologiekritischen Analyse unterzog. Eilers (1978) stellte Struk-

turmerkmale und Methoden der Sportberichterstattung in Boulevardzeitungen heraus. Laaser

(1980) interessierte sich vor allem für den politischen Gehalt von Sportartikeln über die Fuß-

ballweltmeisterschaft in Argentinien.

Bei unserer Hausarbeit handelt es sich um die Darstellung von Frauen und Männern in der

Sportberichterstattung. Durch die Einbeziehung des Ausschnitts eines Jahrgangs können Ver-

zerrungen, die sich z.B. durch saisonal unterschiedliche Schwerpunkte der Sportereignisse

ergeben, allerdings nicht ausgeschlossen werden. Es wurden Berichte und Abbildungen zum

Frauensport und eine Stichprobe von Männersportartikeln gegenübergestellt.

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2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Die Rolle der Frau in den Medien

Massenmedien spielen in unserer Gesellschaft neben anderen Sozialisationsinstanzen wie

Familie, Schule und Beruf eine wichtige Rolle bei der Einstellungsbildung und der Entwick-

lung von Verhaltensdispositionen. Bezogen auf geschlechtspezifische Rollenvorstellungen ist

zu vermuten, daß geschlechtsstereotype Darstellungen einen bestätigenden bzw. verstärken-

den Einfluß ausüben. Medienaussagen über Frauen und Männer haben zudem Symbolcharak-

ter für den öffentlichen Diskurs über Weiblichkeit bzw. Männlichkeit.

Ausgehend von diesen Annahmen wurden in den letzten Jahren Medien als wichtige Erzie-

hungs-Beeinflussungsquellen auf das Vorhandensein von Geschlechterrollenstereotypen bzw.

frauendiskriminierenden Inhalten hin untersuchte. Alle Arbeiten stimmen darüber überein,

daß die Darstellungen von Frauen nicht ihrer wirklichen Lebenssituation entspricht. In schuli-

schen Übungs- und Lesestücken ebenso wie in der informativen Berichterstattung oder in

Unterhaltungssendungen im Fernsehen, in Illustrierten und Tageszeitungen werden Frauen

und Mädchen entweder völlig unterschlagen oder als passiv, inkompetent und als Anhängsel

von Männern dargestellt. Sie erscheinen als das schwache Geschlecht, daß man entweder gar

nicht wahrnimmt oder das es zu beschützen gilt.

Frauen wird primär der Bereich der Reproduktion zugewiesen. Von daher tauchen sie über-

wiegend in der Hausfrauen- und Mutterrolle auf. Weibliche Berufstätige finden sich nur selten

und wenn, dann in klassischen Frauenberufen oder in wenig angesehenen, untergeordneten

Positionen. Meist üben sie helfende, dienende, den Mann unterstützende Funktion aus. Eine

eher abschreckende Ausnahme ist das Karriereweib, auch wenn sich diese Situation besonders

im letzten Jahrzehnt merklich gebessert hat.

Die dargestellten Frauenbilder sind jedoch meist sehr begrenzt, gleichgerichtet und oft negativ

besetzt, sie orientieren sich an bürgerliche-patriarchalischen Vorstellungen. Frauen werden

primär danach beurteilt, ob Sie den herrschenden Idealtypen einer Sexbombe, liebenden Mut-

ter, treusorgenden Ehefrau oder braven Tochter gerecht werden.

Besonders klischeebehaftet und diskriminierend ist die Darstellungen von Frauen in Werbe-

anzeigen, die eindeutig ein Frauenbild proklamieren, das sich gegen die Emanzipation der

Frauen richtet: das Lustobjekt Weib, den sexy Teenager, die tüchtige Hausfrau. Schönheit und

Jugendlichkeit, der Mythos vom schönen Geschlecht, werden hier Zwangsjacken der Weib-

lichkeit. Es dominieren Bilder von hilflosen, modisch überdrehten, ungebildeten oder Ihrem

Wesen entsprechen verständnisvollen und fürsorglichen Frauen. Individualität, Selbstbe-

stimmtheit und Selbstbewußtsein werden an äußeren Maßstäben, wie Schönheit, Figur und

jugendlicher Frische gemessen und können sich somit auf die Wahl bestimmter Kleidung und

Kosmetika reduzieren.

Nur wenige Firmen, z.B. Audi, stellen die gebildete Frau von Welt, die Managerin und Al-

leinverdienerin in ihren Kampagnen dar.

Das in den genannten Maßenkommunikationsmitteln verbreiterte Frauenbild ist unter ande-

rem deshalb frauenfeindlich, weil es ein einseitiges, unzutreffendes Bild weiblicher Lebens-

zusammenhänge wiedergibt und die Vorstellungen von der idealen Frau auf einige Rollenzu-

weisungen festgelegt, die insbesondere die Minderwertigkeit, Ausbeutbarkeit und Benutzbar-

keit der Frau betonen. Zwar sind die dargestellten Geschlechterrollen in gewissem Sinne auch

männerfeindlich, da sie Männern auch nur bestimmter Lebensbereiche mit entsprechenden

Eigenschaften zubilligen. Diese umfassen aber ein weitaus größeres, mit mehr individuellen

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Möglichkeiten versehendes Feld. Von daher ist es gerecht fertigt, von frauenfeindlichen patri-

archalischen Vorstellungen und Strukturen in den Medien zu sprechen.

Die sich ständig wiederholenden Frauenstereotypen in den Medien sind mitentscheidend für

die Verbreitung und Stabilisierung überholter, diskriminierender Bilder weiblicher Zusam-

menhänge. Diese sind aber keinesfalls nur als Ausdruck frauenfeindlicher gesellschaftlicher

Zustände zu verstehen: sie setzten diese als Basis voraus, verstärken und verzerren sie aber

zugleich. Somit stehen antiquierte, einseitige Frauenbilder in den Medien den Emanzipations-

bestrebungen von Frauen diametral gegenüber (vgl. auch Schmerl 1980).

2.2 Lage des Frauensports

Im sozialen Handlungsfeld Sport scheinen auf den ersten Blick keine offenen Diskriminierung

von Frauen zu bestehen. Sportlerinnen unterliegen den gleichen (sportlichen) Leistungsgeset-

zen wie männliche Athleten, zeigen Härte, Durchhaltevermögen, Mut, und stehen im Falle

spektakulär Sieger bei bedeutenden nationalen und internationalen Sportveranstaltung an-

scheinend ebenso im Vordergrund wie erfolgreiche Sportler. Doch dieses Bild trügt. Die

Möglichkeiten Sport zu treiben, sind sowohl von den objektiven gesellschaftlichen Bedingun-

gen als auch von den individuellen Sozialstationszusammenhängen her für Frauen einge-

schränkter als für Männer. Von da her unterscheiden sich Ihre Sportinteressen und Sportakti-

vitäten zum Teil erheblich von denen der Männern.

Obgleich in den letzten Jahren die Zahl sporttreibender Frauen stark angewachsen ist, sind

Männer immer noch der sportaktivere Teil der Bevölkerung. Frauen wenden auch durch-

schnittlich weniger Zeit für Sportaktivitäten auf. Während Sportler überwiegend Mann-

schaftsportarten und Disziplinen bestreiten die harten Körpereinsatz, aggressiven Körperkon-

takt, Kraftentfaltung oder Ausdauerleistungen verlangen, bevorzugen Sportlerinnen eher äs-

thetischen Bewegungsformen und Disziplinen ohne direkten Leistungsvergleich. Frauen trei-

ben mehr als Männer ausschließlich Sport mit der Familie, nutzen das offene, nicht verpflich-

tende Sport Angebote kommunaler Sporteinrichtungen oder kommerzieller Institute.

Dem entsprechend ist auch nur ein Drittel aller Mitglieder in Sportvereinen weiblich. In den

Sportfachverbänden Turnen, Rollsport, Reiten und Tanzsports liegt der Anteil über den der

männlichen Mitglieder, dagegen sind die typischen Männer Sportarten wie zum Beispiel Rin-

gen, Rugby, Boxen und Motorsport so gut wie gar nicht vertreten. Stark gestiegen ist aller-

dings das Interesse von Frauen an den Spielsportarten. Die Sportfachverbände Fußball, Vol-

leyball, Handball und Basketball konnten in den letzten Jahren zum Teil höhere Zuwachsraten

bei den weiblichen als bei den männlichen Mitgliedern verzeichnen.

Unterschiedlicher Orientierungen der Geschlechter zeigen sich außerdem im Interesse am

Wettkampfsport:

Nur 20 % aller weiblichen, aber 55 % der männlichen Vereinsmitglieder beteiligen sich an

Wettkämpfen.

Frauen sind im Sport heute noch vielfältigen Benachteiligungen und Konflikten ausgesetzt.

Zwar drängen Sie in letzter Zeit vermehrt in Disziplinen, die traditionell männliche Domänen

sind, wie Stabhochsprung, Kraftsportarten usw., ihr verhalten wird aber oft nicht ernst ge-

nommen oder als ,,unweiblich" sanktioniert. Häufig beschränken sich Frauen als Folge der

geschlechtsspezifischen sportlichen Sozialisation in Familie, Schule und Freizeit von vorn-

herein auf wenige Sportarten (oft ohne Wettkampfcharakter), die sich mit den an sie herange-

tragenen Rollenerwartungen als Frau und Sportlerin vereinbaren lassen. Etwas erleichtert

wurde die Situation durch das Aufkommen immer neuer Trendsportarten vor allem aus Über-

see. In neuen Bewegungskonzepten, wie Inline-Skaten, Walking usw., wird ihnen der Einstieg

erleichtert, da diese nicht traditionell vorbelastet sind.

Im Spitzensport erscheint die Rolle der Frau durchaus differenzierter. Hier haben sich Sportle-

rinnen, z.B. aus dem Bereich des Tennis, Basketball und Fußball etabliert, jedoch stehen sie

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immer noch in einer starken Abhängigkeit von Männlichen Trainern und Funktionären (vgl.

Klein 1982).

Das traditionell männlich geprägte System des Sports wird nicht zuletzt durch die starke Ü-

berpräsentation der Männer in Leistungsfunktionen der Sportorganisationen, der staatlichen

Sportverwaltung und der Sportwissenschaft aufrechterhalten. (Ein Beispiel hierfür ist auch die

,,Quotenfrau", eine Professorin, in der Domäne der Männer am Institut für Sportwissenschaf-

ten hier in Frankfurt. Während die Verwaltung zu 95 % aus Frauen besteht.) Frauen sind da-

her an den Entscheidungen führender Sportgremien kaum beteiligt und haben nur geringen

Einfluß auf die Situation des Frauensports, noch weniger auf den Sport insgesamt.

Hier besonders geht dem Sport ein bedeutendes Veränderungspotential verloren. Eine Modifi-

zierung des einseitigen Sportbildes würde für beide Geschlechter eine Bereicherung bedeuten.

2.3 Die Sportberichterstattung in den Medien

Sport und Massenmedien stehen in einem wechselseitig abhängigen Verhältnis zueinander:

Zum einen sind Veranstalter großer Sportereignisse und Sportevents, Sportfunktionäre, Sport-

ler und nicht zuletzt die Sportindustrie auf Presse, Hörfunk und Fernsehen angewiesen, um

sportliche Ereignisse einem möglichst großen Kreis von Interessierten zugänglich zu machen

und damit auch die Attraktivität der jeweiligen Sportveranstaltung oder der Sportart zu erhö-

hen. Zum anderen werden Sportsendungen und ­berichte in die Sendezeiten der Rundfunk-

und Fernsehanstalten sowie in die Pressekonzeptionen eingeplant und gezielt zur Erhöhung

bzw. Stabilisierung der Rezipienten- und Käuferzahlen eingesetzt.

Beim Mediensport handelt es sich nicht um einen unmittelbaren Erfahrungsbereich, sondern

um eine ,,Vermittlung" der Sportwelt. Es ist einsichtig, daß Sportmedien aufgrund der Vielfalt

an Informationen und Ereignissen die Sportrealität nicht vollständig wiedergeben können. Es

handelt sich bei Sportberichten also immer nur um einen Ausschnitt der Realität, was auch

bedeutet, daß die Thematisierung bestimmter Bereiche immer auch eine Ausgrenzung vieler

anderer Themen zur Folge hat. Sportjournalisten stehen denn auch bei der Vielzahl von Er-

eignissen ständig vor einem Selektionszwang: Welches Sportereignis soll in welcher Form

aufgegriffen werden ? Eine Vorselektion geschieht schon durch die Nachrichtenagenturen. So

unterstützen der Sportinformationsdienst und das Sportressort der Deutschen Presse Agentur

einerseits die Sportredaktionen der Tageszeitungen durch umfangreiche Informationsleistun-

gen, andererseits führt aber die Monopolstellung der Agenturen zu einer relativ homogenen

Sportberichterstattung (vgl. Digel 1983, S.22 f.).

Welche Sportinformationen letztendlich gedruckt werden, ist von mehreren Faktoren abhän-

gig. Primär wird nach nationaler Beteiligung selektiert. Hierbei werden zuerst die Erfolge,

dann die Mißerfolge berücksichtigt. Diese Informationen laufen nun durch den ,,Filter" der

,,Quotensportarten", wie Fußball, Formel 1, Tennis usw. (, die an sich ja schon männerdom-

miniert sind) und werden anschließend noch einmal geschlechterspezifisch getrennt (s. Loo-

sen/Ravenstein 1998). Nicht zu vergessen die persönlichen Präferenzen und Sportinteressen

der Journalisten. Weiter muß der dem Sportteil zugewiesene Raum berücksichtigt werden.

Boulevardzeitungen mit bis zu sieben Seiten Sportteil ermöglichen eine Ausführliche und

vielfältigere - was nicht gleichgesetzt werden kann mit qualitativ besserer ­ Sportberichter-

stattung als mehr politisch ausgerichtete Zeitungen, die dem Sport häufig nur eine Seite zuge-

stehen.

Medien greifen herrschende Orientierungsmuster auf und tragen gleichzeitig dazu bei, sie im

Bewußtsein der Rezipienten aufrechtzuerhalten und zu bestärken. Diese Zusammenhänge

zwischen verbreiteten Werthaltungen, Alltagswissen und Medieninhalten bieten auch Erklä-

rungsmöglichkeiten für eine unterschiedliche Darstellung der Geschlechter in der Sportbe-

richterstattung.

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Für unsere Fragestellung bleibt uns den vorliegenden Untersuchungen zur Sportberichterstat-

tung in den Medien festzuhalten, daß der Medienbereich von Männern dominiert ist und daß

infolgedessen auch die in den Medien vermittelte Sportrealität die Realität von Männern ist.

1986 arbeiteten neben 1539 Sportjournalisten lediglich 69 Sportjournalistinnen in den Sport-

redaktionen, das waren 4,3 Prozent. Auch wenn sich dieses Bild besonders in den letzten Jah-

ren zugunsten der Frauen verschoben hat, besteht kein Zweifel an der großen Mehrheit der

Männer gegenüber den Frauen. Nicht zu leugnen ist die Orientierung der Sportjournalisten an

den vermeintlichen Bedürfnissen der wiederum überwiegend männlichen Leser, Zuschauer

und Zuhörer.

Rezipientenurteile über die Sportberichterstattung fanden wir nur in einer Untersuchung über

Sportsendungen im Rundfunk und Fernsehen. Darkow (1983) befragte 5500 weibliche und

männliche Bundesbürger über ihre Einstellung zum Sport und ihr Mediennutzungsverhalten

insbesondere bei Fußballübertragungen. Die Befragten weisen im Fernsehsport eher unterhal-

tende, Sportsendungen im Rundfunk eher informative Funktionen zu. Jeweils zwei Drittel der

Erwachsenen bescheinigen den Nachrichtenredaktionen des Fernsehens und Hörfunks, den

Sport angemessen zu berücksichtigen. Die beliebteste Fernsehsportart ist für Männer Fußball,

für Frauen Eiskunstlaufen. An zweiter Stelle stehen allerdings auch bei Frauen Fußballüber-

tragungen.

Hintergrundberichte sollen nach Meinung der Befragten vor allem Portraits von bekannten

Sportlern, Mannschaften und Trainern enthalten; zweitrangig erscheinen Berichte über Aus-

wüchse im Sport, über Sportmedizin, Sport und Politik, Breitensport und Schulsport. Rund-

funkhörer erwarten von den Samstagssendungen vor allem eine ausführliche und umfassende

Berichterstattung vom Bundesligageschehen.

Sicherlich erscheinen auch diese Untersuchungsertgebnisse nicht mehr valide, betrachtet man

jedoch allein das Angebot der ,,reinen Sportsender" DSF und EUROSPORT in ihren täglichen

Sportnachrichtensendungen Newscenter und Newsweek, so stellt man mit Erschrecken fest,

daß sich die Situation kaum verändert hat. Das Angebot, wie in Abb.1 gezeigt, ist fast aus-

schließlich männerorientiert.

Uhrzeit

Uhrzeit

Eurogoals

8:30

Motorsport

8:45

Motorrad

10:00

Sport Kurios

9:15

Extremsport

12:00

Motorvision

9:45

Herrentennis

12:30

Oldtimer

10:45

Fußball

15:00

Werbesendung

12:00

Herrentennis

17:00

Funsport

13:15

Motorsport

14:00

*Aerobic

19:00

Funsport

15:15

Motorsport

20:00

Newscenter

18:00

Fußball

21:00

Fußball

19:00

Billard

23:00

Handball

20:00

Motorsport

00:00

Tennis

22:30

Motorsport

01:00

Basketball

23:00

*

Frauenorientiertes Sendeangebot

Abb. 1: Aufstellung des Programmangebots der beiden Sportsender DSF und EUROSPORT

vom 10.11.1999 (zufällig ausgewählt)

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3. Die BILD-Zeitung als Analyseobjekt

3.1 Selbstverständnis und Leserkreis

Die im Axel-Springer-Verlag erschienene BILD-Zeitung ist die größte Boulevardzeitung in

Deutschland. Mit einer Auflage ca. 8,9 Millionen betrug ihr Anteil am gesamten Tageszei-

tungsmarkt im Untersuchungszeitraum 1996 einen prozentualen Anteil von etwa 28,4% er-

gibt. Im Gegensatz zu anderen Straßenverkaufszeitungen ist die BILD-Zeitung nicht nur auf

das Publikum von mittleren und größeren Städten beschränkt. Dazu trug nicht zuletzt die Ein-

führung von Regionalausgaben bei.

Obwohl man bei der BILD-Zeitung von einem relativ festen Leserstamm ausgehen kann, der

die Zeitung gewohnheitsmäßig konsumiert, ist die BILD als Kaufzeitung gezwungen täglich

neue Kunden zu werben. Eine ,,reißerische Aufmachung" der Titelseite mit fettgedruckten

Überschriften und Reizwörtern wie Skandal, Unglück, Ehebruch oder auch Namen von Pro-

minenten sollen die Aufmerksamkeit wecken und gezielt zum Kauf anregen.

Laut Eigendarstellung will BILD ,,Stereotype des Gesprächs und der Diskussion für Millionen

von Menschen liefern" (Qualitative Analyse 1966). Bezogen auf die Berichterstattung über

Frauen bzw. über den Frauensport würden dies bedeuten, daß die BILD-Zeitung ganz offen

zu den von ihr vermittelten Weiblichkeitsklichees steht und damit bewußt dazu beiträgt, ge-

schlechtsspezifische Vorurteile zu verbreiten.

Die Leserzahl der BILD-Zeitung beträgt mit 25.87 Millionen (1996) nahezu das Dreifache der

verkauften Auflage. Insgesamt lesen 26 % der deutschen Bevölkerung zwischen 14 und 75

Jahren regelmäßig bis häufig die BILD-Zeitung. Eine Aufschlüsselung nach Geschlechtszu-

gehörigkeit zeigt, das BILD ca. 30 % der Männer aber nur 22 % der Frauen erreicht ( vgl.

Media ­ Analyse 1979).

BILD-Leser kommen überwiegend aus Unterschicht und unteren Mittelschicht. Facharbeiter

und sonstige Arbeiter sind, bezogen auf den Anteil dieser Berufsgruppen an der Gesamtbe-

völkerung, überrepräsentiert. Volksschulabgänger sind in der Leserschaft überdurchschnitt-

lich, Personen mit höherem Schulabschluß unterdurchschnittlich vertreten (vgl. Media ­ Ana-

lyse 1979) .

Hinsichtlich möglicher Wirkungen ist aufschlußreich, daß etwa ein Drittel der Leserschaft

neben der BILD-Zeitung keine weitere Tageszeitung liest.

Mit kurzen Bildreportagen, die einige Bilder mit knappen, einfachen Text verbinden, kommt

die BILD-Zeitung weitgehend den Rezeptionsbedingungen der unteren Statusgruppen (ihrer

dominierenden Leserschicht) entgegen. Deren Sozialisations- und Arbeitsbedingungen, wie

z.B. kurze Schulverweildauer oder häufige monotone und stark verschleißende Arbeit, die

Freizeit zu einer reinen Reproduktion ohne kreative Momente werden läßt, ermöglichen kaum

eine längere Beschäftigung bzw. intensive Auseinandersetzung mit Presseartikeln bzw. Me-

dienerzeugnisse (vgl. Kasper 1979, S. 75 f. und Weber 1980, S. 251 ff.). Viele Millionen Le-

ser, für die Bild als Tageszeitung fungiert, finden ihr Bedürfnis nach aktuellen, leicht ver-

ständlichen, die wichtigsten Tagesgeschehnisse zusammenfassenden Informationen in der

BILD-Zeitung befriedigt. Das Tagesgeschehen kann so, anknüpfend an Emotionen, Vorurtei-

len, Ängsten und vorgegebenen Denkstrukturen, ohne besonderen Zeitaufwand aufgenommen

werden.

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3.2 Das Bild der Frauen in der BILD-Zeitung

Bei der Lektüre der BILD-Zeitung fällt unmittelbar die sexualisierte Darstellung von Frauen

auf. Nach WEBER (1980, S.20) nehmen Artikel und Bilder mit sexuellen Bezug ca. 10 % des

redaktionellen Teils ein; bezogen auf die Gesamtfläche der Zeitung sind es etwa 5,4 %. In

kaum einer Ausgabe der BILD-Zeitung fehlen den auch Abbildungen spärlich bekleideter

Frauen; Busen und Po werden dabei gezielt als Blickfang eingesetzt. Gleichzeitig vermitteln

die Artikel stereotype Vorstellungen von ,,richtiger" Weiblichkeit.

Sexuell attraktiven Frauen kommen in diesen Text-Bild-Einheiten in mehrfacher Weise ware-

nästehtische Funktionen zu. Die meisten in den redaktionellen Teil der BILD-Zeitung einge-

gliederten Werbeanzeigen präsentieren Waren fast ausschließlich durch Frauen. ,,Warenäste-

tisch präparierte" Fotomodelle dienen als direkter Kaufanreiz für Kleidung, Kosmetikproduk-

te, Schmuck oder werben indirekt für andere Produkte. Der Wunsch, die abgebildeten oder

beschriebenen Konsumartikel zu erwerben, wird bei Frauen durch das Bestreben stimuliert,

,,in" zu bleiben, den Männern zu gefallen bzw. dem aktuellen Schönheitsideal zu entsprechen.

Männer sollen assoziieren, mit dem Produkt gleichzeitig die Frau zu erwerben.

Frauenkörper werden so im Rahmen der klassischen Produktwerbung als Kaufanreiz für be-

stimmte Waren eingesetzt. Außerdem weist WEBER (1980, S.62) auf die Tendenz hin, weib-

liche Sexualität als generalisierte Kaufanregung zu vereinnahmen und damit einen ,,moderni-

sierte" warenästehtische Strategie zu verfolgen. So dienen in der BILD-Zeitung sexuell attrak-

tive Frauen losgelöst von Ereignissen oder praktischer Erfahrungszusammenhänge als Auf-

hänger für ein Titelblatt oder eine Seite, als aufmerksamkeitsbindender Reiz, ähnlich einer

reißerischen Schlagzeile.

3.3 Der Sportteil der BILD-Zeitung

Zur Sportberichterstattung in der BILD-Zeitung liegen bereits verschiedene Untersuchungen

vor, die zum Teil im Rahmen weitergehender Sportpresseanalysen durchgeführt wurden

(QUANZ 1974, BECKER 1983, EILERS 1978, BECHMANN 1979; LAASER 1980).Im fol-

genden soll kurz auf die wichtigsten Ergebnisse eingegangen werden.

Fußball dominiert eindeutig in der gesamten Sportberichterstattung. Meldungen über andere

Sportarten sind abhängig von der Jahreszeit (Leichtathletik, Ski), der Bedeutung der Veran-

staltung, den Erfolgen deutscher Teilnehmer und der Attraktivität der Sportler/innen.

EILERS formulierte folgende ,,Faustregel" für die Sportberichterstattung in Boulevardzeitun-

gen: ,, Eine Sportart ist so groß in einer Massenzeitung repräsentiert, wie sie Erfolge produ-

ziert. Mit den Erfolgen werden Sportler zu Stars, für die sich auch das nicht fachkundige Pub-

likum interessiert. Mit der Berichterstattung über diese Stars bleibt die Sportart im Gespräch"

(1978, S.219). Das Sportgeschehen ist ausschließlich aus dem Bereich des Spitzen- und Hoch-

leistungssports wiedergegeben. Dies gilt allerdings für den gesamten Mediensport.

In ihrer Orientierungs- und Wertmustern unterscheidet sich die von der BILD-Zeitung kon-

struierte Sportwelt ebenfalls nicht von anderen Sportmedien: Leistung, Erfolg, Konkurrenz,

Härte, Kameradschaft, Fairneß u.a.m. sind Ideale die der Leser mit dem Sport assoziiert (vgl.

BECKER 1983, S. 33) und die in der Sportberichterstattung aufgegriffen werden.

Berichte über Wettkämpfe sind meist darauf angelegt, dem Leser Spannung, Dramatik und

Ästhetik des Geschehens noch im Nachhinein zu vermitteln. Hintergrundberichte, ein weitere

gewichtiger Bereich des Sportteils, geben überwiegend Einblicke in das Privatleben der

Sportler/innen.

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4. Hypothesen

Es ist anzunehmen, daß sich die Berichterstattung über den Frauensport an den Charakteristi-

ka der Sportberichterstattung orientiert. Außerdem ist zu fragen, wie der allgemeine Medien-

diskurs über Weiblichkeit den Sportteil beeinflußt und das Bild der Sportlerin bestimmt.

Aus der vorhergehenden Ausführung läßt sich die zentrale Hypothese ableiten, daß sich die

Berichterstattung über sporttreibende Frauen und Männer sowohl quantitativ als auch qualita-

tiv unterscheidet. Diese zentrale Annahmen läßt sich in folgende Thesen aufgliedern:

Wie bereits eingangs erwähnt, haben Analyse von Fernseh- und Rundfunksendungen, Tages-

zeitungen, Schulbüchern usw. gezeigt, daß Frauen nicht entsprechend ihres Bevölkerungsan-

teils vorkommen, nur selten als aktiv handelnde Personen beschrieben und Fraueninteressen

nur am Rande berücksichtigt werden. Auch für den Sportteil der BILD-Zeitung nehmen wir

an, daß Frauen nicht dem Umfang ihrer Sportbeteiligung entsprechend erscheinen.

Hypothese 1:

Berichte über sporttreibende Frauen bzw. über Ereignisse im Frauensport sind

in der BILD-Zeitung unterrepräsentiert.

Des weiteren interessiert die Frage, welcher Stellenwert dem Frauensport in der Presse zuge-

messen wird. Gilt er als eigenständiger Sportbereich oder erscheinen Berichte über sporttrei-

bende Frauen eher sporadisch?

Für die BILD formulieren wir folgende These

Hypothese 2:

Berichte über Sportereignisse im Frauensport haben eine ,,Lückenfüller"-

Funktion.

Von dieser Annahme gehen wir, aufgrund eines Vergleichs der wöchentlichen und jahreszeit-

lichen Schwerpunkte in der Berichterstattung über Sportlerinnen und Sportler, aus.

Ein Charakteristikum der Sportberichterstattung ist die Orientierung an Leistung und Erfolg.

Wir nehmen an, daß sich sowohl die Berichte über den Frauensport als auch die über den

Männersport auf die Hochleistungsebene konzentrieren. Da aber in unserer patriarchalisch

strukturierten Medienlandschaft ,,normale" Frauen kaum in das Blickfeld der Öffentlichkeit

geraten, wird vermutet, daß Frauen nur mit außergewöhnlichen Erfolgen und Leistungen, bei

sensationellen Rekorden und bei internationalen Wettkämpfen Beachtung finden.

Wir stellen von daher die These auf:

Hypothese 3:

Berichte über Frauensportereignisse beziehen sich auf einen höhere Leistungs-

ebene als die über Männersport.

Erfolge und Mißerfolge im Sport stellen eine Bewertung sportlicher Leistung dar. Die er-

brachte Leistung kommt in einer Rangordnung zum Ausdruck. Da Erfolgsgrößen wie Gewinn

einer Meisterschaft, Erzielen eines Rekords usw. zentrale Kategorien für die Sportberichter-

stattung sind, wird angenommen, daß die Erfolge von Sportlerinnen und Sportlern in gleicher

Weise hervorgehoben werden. Unterschiede zwischen den Geschlechtern dürften sich jedoch

in der Begründung der Erfolge bzw. Mißerfolge ergeben. Sozialpsychologische Untersuchun-

gen zeigen, daß sowohl im Fremdbild als auch im Selbstbild Leistungen von Männer eher auf

Talent, eigenes Können, Durchsetzungsfähigkeit etc. zurückgeführt werden, während man die

der Frauen eher mit äußeren Einflüssen (Unterstützung durch Bezugspersonen) oder mit Zu-

fallsgrößen in (Glück/Pech) in Verbindung bringt. Für die Sportberichterstattung der BILD-

Zeitung stellen wir die These auf:

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Hypothese 4:

Erfolge und Mißerfolge werden bei Sportlerinnen und Sportlern unterschied-

lich bewertet. Sportliche Leistungen der Männer werden eher auf individuelle

Faktoren, die der Frauen mehr auf das soziale Umfeld zurückgeführt.

Aus den Ausführungen zum Frauensport ist deutlich geworden, das Frauen und Männer zu

einem großen Teil geschlechtstypische Sportformen wählen. In den letzten Jahren ist zwar ein

zunehmendes Engagement von Frauen in traditionelle eher Männer zugeschriebenen Sportar-

ten (vor allem in Mannschaftssportarten) zu verzeichnen. Entsprechend der Tendenz der

BILD, Frauen eher in ihrer traditionellen ,,weiblichen" Rolle als Freundin, Ehefrau und Mut-

ter mit spezifisch weiblichen und ästhetischen Interessen zu beschreiben, wird aber vermutet,

daß Sportlerinnen vorrangig in ,,typisch weiblichen" Sportarten mit hohem ästhetischen Wert

beschrieben und abgebildet werden. Demgegenüber wird angenommen, daß in der Männer-

sportberichterstattung bevorzugt solche Sportarten ausgewählt werden, die ,,Männlichkeit",

d.h. Aggressivität, kämpferisches Handeln, Mut etc., widerspiegeln. Da Frauen erst im Ver-

lauf der historischen Entwicklung zu vielen Disziplinen zugelassen wurden und auch heute

noch nicht in allen Bereichen des Sports integriert sind, ist zu vermuten, daß der Kanon der

erwähnten Sportarten im Frauensport kleiner ist als im Männersport.

Hypothese 5:

Die im Sport vorfindbare Geschlechterrollendifferenzierung wird in der BILD-

Zeitung noch verstärkt, d.h. Sportlerinnen werden überwiegend in ,,typisch

weibliche", Sportler in ,,typisch männliche" Sportdisziplinen beschrieben. Das

Spektrum der Sportarten ist in der Frauensportberichterstattung begrenzter als

in Berichten über den Männersport.

Stellt sich nun die Frage, ob die Beschreibung und Darstellung von Sportlerinnen und Sport-

lern ebenfalls herrschender Attraktivitätsmustern folgt. Das von den Medien vermittelte weib-

liche Schönheitsideal beinhaltet u.a. Jugendlichkeit, gute Figur, sexuelle Attraktivität. Frauen,

die diesem Ideal nicht entsprechen, werden weitgehend ausgegrenzt oder negativ beurteilt. Da

Frauen in unserer Gesellschaft stärker als Männer über ihr Äußeres bewertet werden, ist an-

zunehmen, daß Altersangaben, Aussehensbeschreibungen und sexuelle Anspielungen bei

Sportlerinnen weit häufiger vorkommen als bei Sportlern.

Hypothese 6:

Die in der Sportberichterstattung abgebildeten und beschriebenen Frauen ent-

sprechen weitgehend den herrschenden Vorstellungen von weiblicher Attrakti-

vität.

In der Sportberichterstattung dürfte ein eher traditionelles oder doch ambivalentes Rollenbild

von Sportlerinnen und Sportlern gezeichnet werden. Obgleich die Teilnahme an Wettkämpfen

bzw. am Sport allgemein Eigeninitiative, Durchhaltevermögen, Selbständigkeit, d.h. ein ge-

wisses Maß an Außenorientierung voraussetzt, nehmen wir an, daß Sportlerinnen häufiger als

Sportler in Zusammenhang mit ihrem privaten als mit ihrem sportlichen Umfeld beschrieben

und dargestellt werden. Die enge Partner- und Familienorientierung bzw. die Abhängigkeit

von Bezugspersonen, die Frauen häufiger zugeschrieben wird, und die auch im

Selbstbild vieler Frauen existent ist, werden - so vermuten wir - auch in der BILD-

Sportberichterstattung unreflektiert vorausgesetzt.

Hypothese 7:

In den Berichten über sporttreibende Frauen stehen das private und soziale

Umfeld stärker im Vordergrund als in der Männersportberichterstattung.

Des weiteren stellen wir die Frage, welche Eigenschaften und Verhaltensmuster Sportlerinnen

und Sportlern zugeschrieben werden. Wir nehmen aufgrund des Weiblichkeitklischees der

BILD-Zeitung an, daß auch in der Sportberichterstattung Frauen sich ,,typisch weiblich", d.h.

11


z.B. emotional, expressiv, verhalten und dem BILD-Ideal der freundlich - naiven Frau weit-

gehend entsprechen. Männer dagegen - so vermuten wir - werden eher ernst, konzentriert oder

auch kämpferisch beschrieben und dargestellt.

Hypothese 8:

Sportlerinnen werden vorwiegend ,,typisch weibliche" Verhaltensmuster zuge-

schrieben, Sportlern eher ,,typisch männliche" Eigenschaften und Verhaltens-

weisen.

Wie der Name schon andeutet, und auch der Typus der Boulevardzeitung es nahelegt, sind

Fotos ein wesentliches Element der BILD-Zeitung. Gerade Bilder sind dazu prädestiniert,

Emotionen der Leser anzusprechen und sie zu unterhalten. Die Rezipienten und Produzenten

der Sportberichterstattung sind nun in der Regel Männer, nach deren Vorstellungen und Be-

dürfnissen Medieninhalte ausgewählt werden. Deshalb können Frauen - vor allem in der Wer-

bung - als Blickfang dienen.

Unsere Hypothese zur Funktion von fotografischen Abbildungen im Sportteil der BILD lau-

tet daher:

Hypothese 9:

Abbildungen von Frauen im Sportteil der BILD-Zeitung dienen der optischen

Auflockerung der Berichterstattung und der Unterhaltung der Leser.

Bildgrößen und Bildplazierung, dargestellter Handlungen, physische Attraktivität der abge-

bildeten Personen u.a. sollen diese These untermauern.

5. Zusammenfassung der Untersuchungsbefunde zur Frauensportbe richt-
erstattung

5.1 Flächenanalyse

5.1.1 Umfang der Sportberichte

Im Jahr 1996 erschienen 303 Ausgaben der BILD ­ Zeitung mit einem Gesamtumfang von

3.151 Seiten.

Durch Ausmessen wurde die Fläche der Sportberichterstattung im Zeitraum März 1996 sowie

die Raumanteile für den Frauensport und den Männersport errechnet. Sportberichte nahmen

insgesamt ca. 20 % der Gesamtzeitungsfläche ein.

Welche Bedeutung den Frauensportberichten und ­bildern im Sportteil der BILD ­ Zeitung

zukommt, veranschaulicht die Abb. 2. Die Berichterstattung über den Sport der Männer do-

miniert in der BILD mit 95% eindeutig. Frauen sind in der Sportberichterstattung mit einem

Anteil von 5% an der gesamten Sportfläche erheblich unterrepräsentiert. Das Verhältnis von

Männersport zu Frauensport beträgt 19:1. Stellt man diesen Relationen die tatsächliche Sport-

beteiligung gegenüber - ein Drittel aller Sportvereinsmitglieder sind Frauen

( 5,5 Mio.); weit mehr treiben informell Sport-, so wird deutlich, daß die BILD-Zeitung rein

quantitativ gesehen keineswegs die Sportrealität der Frauen abbildet.

Während über Ereignisse im Männersport täglich berichtet wird, finden sich 16 Tage des Jah-

res keinen Berichte über Frauensport.

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Zeitung

Männersport

95 %

Frauensport

5,0 %

Abb. 2: Flächenanteile für den Frauen- und Männersport in der Bild-Zeitung

Ankündigungen von Sportberichten auf dem Titelblatt können einen Anreiz zum Kauf der

Zeitung oder zum Lesen des Sportteils bedeuten. Sie tragen dazu bei, daß Berichte im Inneren

der Zeitung überhaupt wahrgenommen bzw. gelesen werden. Unsere Untersuchung ergab, daß

der Frauensport auf der Titelseite der Bild-Zeitung prozentual häufiger vertreten ist als im

Sportteil. So sind etwa 10% aller Sportberichte auf der ersten Seite dem Frauensport zuzuord-

nen, aber nur 4% der Berichte im Sportteil. Etwa ein Drittel der Fläche, die dem Frauensport

auf der Titelseite zugestanden wird, sind Photographien. Allerdings erscheinen nur selten Be-

richte über sportliche Wettkämpfe von Frauen bzw. Abbildungen von Sportlerinnen auf der

ersten Seite. Dem stehen fast ausschließlich Tage gegenüber, an denen auf der Titelseite über

den Männersport berichtet wird. Die Möglichkeit, daß der Leser bzw. die Leserin über Titel-

berichte oder Ankündigungen auf den Frauensport aufmerksam wird, ist deshalb relativ ge-

ring.

13


Daß das Interesse der Bild-Zeitung am Sport der Frauen nicht überwältigend ist, zeigt ein wei-

terer quantitativer Vergleich. Aussagen über Sportlerinnen nehmen in Text und Bild einen

geringeren Raum ein als Artikel über die Partnerinnen männlicher Sportler. Insgesamt wurde

dem weiblichen Umfeld bekannter Sportler 6 % des Sportteils zugestanden, den sporttreiben-

den Frauen jedoch nur 4,0%. Ein Beispiel für einen sogenannten ,,Ehefrauenartikel" ist der

Artikel über Ariane Kappelmann, die sich wegen ihrer Attraktivität, aber auch wegen ihrer

Rollenkonflikte als Sängerin und Mutter besonders gut vermarkten läßt.

Ehefrauen von Sportlern (6%)

Frauensport (4 %)

Männersport

(90 %)

Abb. 3: Prozentualer Anteil der Fläche für Artikel über Sportler, Sportlerinnen und

,,Ehefrauen" (Sportteil)

5.1.2 Verteilung der Sportberichterstattung

Das die BILD-Zeitung dem Männer- und Frauensport eine unterschiedliche Rolle zumißt,

zeigt auch der Verlauf der Sportberichterstattung innerhalb einer Woche.

Auffallend ist, daß am Montag die durchschnittliche Sportberichterstattungsfläche bei weitem

überschritten wird. Der Sportumfang ist z.B. an diesem Tag doppelt so hoch wie der am

Samstag. Die Erklärung liegt in der Häufung von Sportveranstaltungen und Wettkämpfen am

Wochenende.

In der Männersportberichterstattung bildete sich folgende Rangfolge der Wochentage heraus:

Montag, Freitag, Donnerstag, Mittwoch, Dienstag, Samstag. Bei den Frauensportberichten

dagegen liegt der Schwerpunkt auf dem Dienstag. Es folgen Donnerstag, Freitag, Mittwoch,

Montag und Samstag.

Obwohl auch im Frauensport die meisten Wettkämpfe am Wochenende ausgetragen werden,

ist der Montag weitgehend dem Männersport ­ und hier besonders der Fußballberichterstat-

tung ­ vorbehalten. Berichte über Wochenendveranstaltungen im Frauensport verlagern sich

daher auf den Dienstag. Freitag ist der zweite Schwerpunkttag in der Männersportberichter-

stattung, was u.a. durch kommentierte Hinweise auf die Fußballbundesliga am Wochenende

zu erklären ist. Der Wochenverlauf der Frauenberichterstattung läuft mit Ausnahme der Mitt-

wochausgabe dem Schwerpunkt der Männersportberichte diametral entgegen. Damit bestätigt

sich die Hypothese, daß der Artikel über sporttreibende Frauen in der BILD-Zeitung eine

,,Lückenfüllerfunktion" besitzen. Priorität hat der Männersport.

Erst wen hierüber alles Berichtenswerte geschrieben ist, erscheinen die Sportlerinnen in den

Schlagzeilen. Aufschlußreich sind auch die monatlichen bzw. saisonalen Schwerpunkte in der

Berichterstattung. Da Fußball im Mittelpunkt der Sportberichterstattung steht, beeinflußt die

Spielsaison den Sportteil der BILD-Zeitung quantitativ und qualitativ erheblich. In der Män-

nersportberichterstattung liegen deshalb die Höhepunkte in den entscheidenden Phasen der

14


Bundesligasaison und zwar in den Monaten März und August bis Oktober. Schwerpunkte in

der Berichterstattung über Frauensportereignisse sind die Monate Dezember bis Februar (Ski-

lauf, Eiskunstlauf) sowie der September (Leichtathletik, Tennis).

Wie schon für die Verteilung der Berichterstattung auf die einzelnen Wochentage ist auch für

den Jahresverlauf die Tendenz festzuhalten, daß Veranstaltungen im Frauensport dann stärke-

re Berücksichtigung finden, wenn im Männersport keine attraktiven Sportarten und/oder her-

ausragende Leistungen zu verzeichnen sind. Auch hier bestätigt sich unsere These, daß der

Frauensport in der BILD-Zeitung als ,,Lückenfüller" eingesetzt wird.

5.2 Text- und Bildanalyse

5.2.1 Aktualität

Zur Überprüfung der These, daß der Frauensport in der BILD-Zeitung weniger Informations-

als Unterhaltungscharakter hat, untersuchten wir, inwieweit sich der Artikel über sporttrei-

bende Frauen auf aktuelle sportliche Ereignisse beziehen. Aktualität ist nach unserer Definiti-

on dann gegeben, wenn die Berichte und Bilder höchstens 2 Tage zurückliegende oder in der-

selben Zeitspanne bevorstehende Sportveranstaltungen betreffen.

60 % der untersuchten Frauensportartikel sind nicht aktuell; allerdings trifft dies auch auf

50 % der Männersportberichte zu. Demgegenüber zeigt die Bildanalyse deutliche Unterschie-

de zwischen den Geschlechtern. Nur 33 % der Frauensportbilder haben ein aktuelles Motiv;

doppelt so viele (66 %) beziehen sich nicht auf aktuelle sportliche Ereignisse. Im Männersport

ist das Verhältnis umgekehrt, dort stehen mehr als die Hälfte aller Bilder in Zusammenhang

mit aktuellem Sportgeschehen.

Für Frauen, aber nicht für Männer, läßt sich zudem ein Zusammenhang zwischen Bildgröße

und Aktualität nachweisen. Frauensportartikel ohne aktuellen Bezug werden häufiger durch

große Bilder illustriert als Berichte über Tagesereignisse. Es ist zu vermuten, daß in der Frau-

enberichterstattung fehlende Aktualität durch großflächige Fotos aufgewogen werden soll.

Wir hoffen hiermit zeigen zu können, daß die BILD-Zeitung einer wichtigen Prämisse der

Sportberichterstattung, nämlich aktuelle Sportinformation und Hintergrundberichte zu geben,

nur bedingt nachkommt. Sowohl im Frauensport als auch im Männersport besitzt noch nicht

einmal die Hälfte der Berichte aktuellen Charakter. Während Männersportbilder relativ häufig

aktuelle Sportereignisse wiedergeben, scheinen die Fotos der Sportlerinnen nach anderen Kri-

terien ausgewählt worden zu sein. Dies weist auf den Unterhaltungscharakter des Frauen-

sports in der BILD-Zeitung hin. Journalisten haben bei der Bebilderung nicht aktueller The-

men, die sie weitgehend nach eigenen Interessen aufgreifen können, einen großen Spielraum

für die Auswahl attraktiver Bildinhalte, d.h. schöner Frauen.

Auch die minimale Sportbezogenheit der Frauensportberichte bestätigt ein eingeschränktes

Scheininteresse an Gegenstand Frauensport. Während in 33 % der Männersportartikel direkte

Aussagen zu Wettkampfverlauf, Erfolgen, Ergebnissen usw. mehr als ¾ der gesamten Berich-

te ausmachen, sind Inhalte, wie Privatleben, Beschreibungen des Aussehens usw., in der

Frauenberichterstattung eine große Bedeutung. So weisen die Hälfte der untersuchten Frauen-

sportberichte weniger als ein Viertel direkt sportbezogene Inhalte auf. BILD berichtete über

Sportlerinnen also weniger sachbezogen und fachlich informativ als über männliche Athleten.

Für beide Geschlechter gilt, daß in aktuellen Artikeln der Umfang der sportbezogenen Be-

richterstattung zunimmt, und zwar bei Männern signifikant stärker als bei Frauen. Auch Frau-

ensportberichte mit aktuellem Anlaß enthalten nur zu 25 % sportspezifische Informationen,

z.B. über Training, Leistung und Wettkampf.

15


5.2.2 Leistungsebene

Alle uns vorliegenden Untersuchungen zur Pressesportberichterstattung weisen nach, daß

nahezu ausschließlich über Sportereignisse im Hochleistungsbereich berichtet wird. Breiten-

sportliche Aktivitäten, Schulsport, Behindertensport usw. finden so gut wie keine Berücksich-

tigung.

Diese Ergebnisse können auch für den von uns untersuchten Jahrgang der BILD-Zeitung bes-

tätigt werden. Sowohl im Frauensport als auch im Männersport wird vorrangig über internati-

onale und nationale Wettkämpfe bzw. Meisterschaften berichtet. Der Breitensport wird dage-

gen nur zweimal erwähnt.

Allerdings lassen sich Unterschiede in der Leistungsebene der Frauensport- und Männer-

sportberichterstattung feststellen. Während Artikel über internationale Sportereignisse bei

Frauen die Hälfte der gesamten Berichterstattung ausmachen, sind es bei den männlichen Ath-

leten nur ein Drittel. Über nationale Wettkämpfe wird bei Frauen nur zu einem Viertel berich-

tet, bei den Männern jedoch fast zur Hälfte. Die Leistungsebene liegt bei Sportlerinnen also

im allgemeinen höher als bei Sportlern.

Dieses Ergebnis läßt sich folgendermaßen interpretieren. Fußball dominiert als Nationalsport

in allen bundesrepublikanischen Medien, so auch in der BILD-Zeitung. Bundesligareportagen

oder Berichte von Pokalspielen haben Vorrang vor allen anderen nationalen Sportwettkämp-

fen. Da keine Frauensportart auf nationale Ebene so im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht

wie der Fußballsport, sind Frauen erst im internationalen Spitzensport für die BILD-Zeitung

interessant. Bei ihnen bestätigt sich noch stärker als bei den Männern das strukturelle Grund-

muster des Mediensports, nur außergewöhnliche Leistungen und Erfolgen hohe Aufmerk-

samkeit zu schenken. Leistungen können besonders dann als exzeptionell ausgegeben werden

- und sind es gemessen an dem bei uns vorherrschenden Leistungsbegriff auch -, wenn die

Leistungsebene sehr hoch ist, auf der sie erbracht wurde. Extreme Leistungen von Sportlern -

gleich ob Mann oder Frau - sind für Reporter in jedem Fall berichtenswert und dienen - ver-

mischt mit privaten Bezügen - zum Aufbau von Sportidolen bzw. Identifikationsobjekten.

Andererseits ist in der BILD-Zeitung der Anteil derjenigen Frauensportartikel relativ groß

(ein Drittel), die keine Angabe über eine Leistungsebene enthalten bzw. die nicht eindeutig

zuzuordnen sind. Dazu gehören Bilder und Artikel der BILD-Serie ,,Die Schöne im Sport",

Fotos von Pin-up-Girls, die für die Fußballvereine werben sollen, aber als Sportlerinnen vor-

gestellt werden, Privatfotos ehemaliger Leistungssportlerinnen etc.

BILD präsentiert die Realität sporttreibender Frauen in zwei Extremen: Entweder berichtet sie

über bekannte Sportlerinnen auf höchster Leistungsebene, die allerdings nur eine kleine

Gruppe aller sportlich aktiven und interessierten Frauen ausmachen, oder sie stellt unbekannte

,,Sport-Sternchen" vor, wobei letztere nahezu ausschließlich der Präsentation von Weiblich-

keit dienen.

5.2.3 Erfolg/Mißerfolg

Wie gezeigt werden konnte, steht in der BILD-Zeitung die Berichterstattung über den Hoch-

leistungs- bzw. Wettkampfsport im Vordergrund. Von daher kann angenommen werden, daß

Aussagen über sportliche Erfolge und Plazierungen einen hohen Stellenwert in den Artikeln

einnehmen.

In den meisten Frauensportberichten (drei Viertel) werden sportliche Erfolge ausdrücklich

erwähnt.

Am häufigsten kommen im Frauensport Rangzuordnungen (33%) wie 1.-3- Platz oder sonsti-

ge Plazierungen im Text vor. Desweiteren werden die erreichten Rekorde bzw. der Gewinn

von Meisterschaften (10%) herausgestellt. Relativ häufig ist auch ein Verweis auf frühere

16


gute Leistungen der Sportlerinnen (10%). Etwa ein Viertel der Artikel enthält keine Angabe

zu sportlichen Erfolgen.

In den untersuchten Männersportberichten werden sportliche Erfolge lediglich zu 50% er-

wähnt, was auf den hohen Anteil der Berichte über Mannschaftssportarten zurückzuführen ist.

Demzufolge werden bei Sportlern Erfolge im Mannschaftsspiel (5%) und die Mitgliedschaft

in der Nationalmannschaft (5%) häufiger hervorgehoben. Im Hinblick auf die erwähnten

sportlichen Erfolge unterscheiden sich Männer- und Frauensportberichte signifikant.

Gute Leistungen, die nicht zu Siegen oder Rekorden führen, sind für die BILD-Zeitung unin-

teressant. Schlechte Leistungen oder das Nicht-Erreichen gesteckter Ziele sind in der BILD-

Zeitung zweitrangig. Sie werden häufiger in Männersportberichten als in Frauensportartikeln

erwähnt. Diese Unterschiede, die allerdings nicht signifikant sind, spiegeln vermutlich die

Bedeutung männlicher Sportstars wieder, die auch bei Mißerfolgen im Mittelpunkt des öffent-

lichen Interesses stehen.

Eine weitere These, die wir für den Komplex ,,Leistung/Erfolg" formulierten, war, daß sich

die Begründung der BILD-Zeitung für sportliche Leistungen bei Sportlerinnen und Sportlern

unterscheiden. Grundlage war die Annahme, daß in der Gesamtgesellschaft Erfolge den Frau-

en weniger aufgrund ihrer individuellen Leistungsfähigkeit als vielmehr der positiven Einflüs-

se des sozialen Umfeldes zugeschrieben werden. Auch führen Frauen selbst häufig ihre Erfol-

ge in Schule, Studium und/oder Beruf auf Zufall oder Glück zurück.

Diese These kann durch die Ergebnisse der Inhaltsanalyse nicht bestätigt werden. Drei Viertel

der von der BILD-Zeitung angeführten Gründe für die Erfolge weiblicher Athleten beziehen

sich auf Faktoren, die in der Person der Sportlerin liegen, 10% auf den Einfluß des sportlichen

Umfeldes.

5.2.4 Sportarten

Durch die quantitative Analyse wurde nachgewiesen, daß der flächenmäßige Anteil an Be-

richten über Frauensportereignisse bzw. Sportlerinnen (5%) in keiner Weise dem Umfang der

Sportaktivitäten von Frauen entspricht.

Im folgenden gehen wir der Frage nach, welche Sportarten in der Frauensport- bzw. Männer-

sportberichterstattung dominieren und inwieweit diese mit den tatsächlichen Sportengagement

in Vereinen und Verbänden übereinstimmen.

Im Bereich des Frauensports berichtet die BILD-Zeitung vorrangig über Leichtathletinnen,

Skiläuferinnen, Tennisspielerinnen, Eiskunstläuferinnen und Turnerinnen, weiterhin über die

Sportarten Reiten, Schwimmen, Fußball, Hockey und Eisschnellauf. Bis auf Eiskunstlauf,

Eisschnellauf und Hockey sind diese Sportarten im DSB mit einer hohen Zahl von Frauen

vertreten. Damit orientiert sich die BILD-Zeitung generell an den von Frauen häufig betriebe-

nen Sportarten. Allerdings ergibt sich aus der Rangfolge der Disziplinen in Frauensportbe-

richten eine andere Gewichtung als bei der Hierarchie der Sportarten im DSB. Der Deutsche

Turnerbund hat z.B. mit Abstand die meisten weiblichen Mitglieder, Turnen steht in der Frau-

enberichterstattung der BILD-Zeitung aber erst an fünfter Stelle. Umgekehrt ist die Situation

im Skisport, den die BILD-Zeitung am zweithäufigsten kommentiert, während er, bezogen

auf die Zahl weiblicher Sporttreibender, Rang 8 einnimmt. Zwar hat der Eissportverband in

der Sparte Eiskunstlauf insgesamt nur wenig Mitglieder, diese sind aber in ihrer Mehrzahl

weiblich. Der Eiskunstlauf ist eine Domäne der Mädchen und Frauen.

Wir nahmen an, daß die BILD-Zeitung bei der Auswahl der Sportarten typisch weibliche

Disziplinen bevorzugt. Dies trifft auch zum Teil zu. Sportarten mit der Betonung der gymnas-

tisch-ästhetischen Elementen wie Eiskunstlauf oder Kunstturnen bilden mit etlichen Nennun-

gen durchaus einen Schwerpunkt der Berichterstattung. Die Mehrzahl der Frauensportartikel

17


und Bilder befassen sich aber mit geschlechtsneutralen Sportformen wie z.B. Leichtathletik,

Tennis, Skilauf, was u.a. mit den Erfolgen deutscher Sportlerinnen zusammenhängen kann.

Frauen sind in der BILD-Zeitung überwiegend in Individualsportarten aktiv. Nur selten wer-

den Mannschaftsspiele kommentiert, die wegen ihrer kämpferischen Ausrichtung in unserer

Gesellschaft eher als männlich gelten. Dabei versteht es BILD in nahezu allen Artikeln und

Fotos auf das Vorhandensein von Weiblichkeit mehr oder weniger eindeutig hinzuweisen.

Vor allem bei den Skiläuferinnen treffen für die BILD-Zeitung Erfolg und Demonstration von

Weiblichkeit zusammen.

Die Männersportberichterstattung bietet ein anderes Bild. Betrachtet man die Mitgliederzah-

len im DSB, so steht der Fußball zu Recht im Mittelpunkt des Sportteils der BILD-Zeitung.

Bei zwei weiteren Sportarten spiegeln sich die Mitgliederzahlen in der Berichterstattung wie-

der: bei Handball und Leichtathletik. Die übrigen Artikel beziehen sich, gemessen an den

Mitgliedern, eher auf Randsportarten im Männersport. Radsport, Boxen, Gewichtheben, Mo-

torsport und Bobrodeln sind wie die schon erwähnten Mannschaftssportarten Fußball und

Handball ausgesprochene Männersportarten. Der BILD-Zeitung geht es also nicht nur um

eine repräsentative Wiedergabe der männlichen Sportinteressen und -aktivitäten. In ihrem

Deutungsmuster von Sportrealität demonstriert sie auch, daß der Sport ein männliches Akti-

onsfeld ist, in dem Kraft, Mut, Durchsetzungsvermögen, Aggressivität, Konkurrenz usw. zäh-

len.

Darüber hinaus macht die Frauenberichterstattung eine andere Tendenz sichtbar: 90% der

Artikel beziehen sich auf sogenannte Exklusivsportarten wie Tennis, Reiten, Skilauf; diese

besitzen einen hohen Prestigewert für Sporttreibende und erwecken auch das Interesse vieler

Nichtsportler(innen). Obgleich sich in der sozialen Realität nur eine relativ kleine gesell-

schaftliche Gruppe die Ausübung dieser Sportart finanziell leisten kann - oder gerade deswe-

gen - erscheinen überproportional häufig Berichte aus dem Tennis-, Ski- oder Reitsport. Die

hohe soziale Lagerung der Frauensportarten schließt sich die Tendenz der BILD-Zeitung an,

über die Lebensumstände der Oberschichten, Adeligen usw. zu berichten. Sie kommt damit

dem Interesse vieler Leser an der ,,Großen Welt" entgegen. In der Männersprtberichterstat-

tung, die ihre Spannung aus den Ereignissen und Wettkämpfen selbst bezieht, dominieren

Sportarten wie Fußball, Handball, Boxen und Radsport, deren Mitglieder sich eher aus unte-

ren sozialen Schichten rekrutieren.

Grundsätzlich kann festgehalten werden: Wie schon für andere Zeitungen aufgezeigt wurde,

entscheidet der Publicity-Wert einer Sportart im wesentlichen darüber, ob diese in der BILD-

Zeitung berücksichtigt wird, wobei der Publicity-Wert wiederum durch die Berichte in den

Medien produziert wird. Die Auswahl und Hervorhebung einiger weniger Sportarten bzw. die

Unterpräsentanz oder Ausgrenzung vieler anderer Sportformen und -disziplinen belegt sowohl

für den Frauensport als auch für den Männersport einen einseitige Wiedergabe der Sportreali-

tät. Insgesamt wird der Sport der Frauen für den Leser deutlich vom Männersport unterschie-

den, dessen Repräsentierung sehr stark durch die herausragende Stellung des Fußballs be-

stimmt wird. Im Sportteil wird der Leser deshalb überwiegend mit männlichen Sportformen

und männlichen Werten konfrontiert.

5.2.5 Alter

Mit der häufigen Nennung des Alters entspricht die BILD-Zeitung den Bedürfnissen der Le-

ser, sich ein möglichst umfassendes Bild über die Persönlichkeit der Sportlerinnen und Sport-

ler zu machen. Das Alter hat aber für die Einschätzung von Frauen und Männern nicht die

gleiche Bedeutung. BILD informiert die Leser weitaus häufiger über das Alter der Athletin-

nen als über das der Athleten. Sie steht damit im Einklang mit der verbreiteten gesellschaftli-

chen Vorstellung, daß Frauen vor allem nach ihrer Jugendlichkeit und damit verbundenen

18


körperlichen Attraktivität zu beurteilen sind. Eine zusätzliche Erklärung für die überraschend

seltene Altersangabe bei Männern liegt im Bekanntheitsgrad männlicher Sportstars, deren

persönliche Daten dem Leser vertraut sind. Demgegenüber sind Sportlerinnen in der BILD-

Zeitung häufig unbekannt, bzw. es wird so selten über sie berichtet, daß eine umfassende Be-

schreibung notwendig erscheint.

Die Hälfte der Frauen, bei denen das Alter genannt wurde, sind bis zu 19 Jahren alt, ein Drit-

tel 20 bis 24 Jahre und ein Viertel 25 Jahre und älter. Die jüngste erwähnte Sportlerin ist 12

Jahre, die älteste 67 Jahre.

Im Männersport lassen die geringen Nennungen kaum Aussagen über die einzelnen Alters-

gruppen zu. Meist sind die Sportler 25 Jahre und älter. Die unterste Altersgruppe liegt bei 16

Jahren, die oberste bei 70 Jahren. Aufgrund hohen Standartabweichungen war es weder bei

der Frauen- noch bei der Männergruppe sinnvoll, ein Durchschnittsalter zu errechnen.

Bei den Sportlerinnen in der BILD-Zeitung handelt es sich also vorwiegend um junge Frauen

und Mädchen. Dies hängt zum einen mit dem niedrigen Durchschnittsalter der Leistungs-

sportlerinnen zusammen. So sind in den typischen Frauensportarten Weltklasseleistungen von

Kindern weitaus häufiger anzutreffen als im Männersport. Zum anderen kann vermutet wer-

den, daß die BILD-Zeitung eine gezielte Auswahl jüngerer und besonders attraktiver Sportle-

rinnen vornimmt, wie dies auch für Frauendarstellungen im allgemeinen Teil der BILD-

Zeitung typisch ist.

Nicht nur in der Altersangabe, sondern auch in der Bewertung des Alters unterscheiden sich

Frauen- und Männersportberichte. 35 Berichte über Sportlerinnen, aber nur 10 über Sportler,

enthalten qualitative Beschreibungen des Alters. Am häufigsten wird bei den dargestellten

Sportlerinnen ihre Kindlichkeit bzw. Jugendlichkeit erwähnt. So kommen Aussagen vor wie

,,noch Kinder", ,,sehr jung", ,,Küken" oder ,,Mädchen". In 8 Artikeln wird auf die physische

Reife trotz des geringen Alters bzw. auf schon vorhandene Weiblichkeit hingewiesen, die

gerade in Verbindung mit Kindlichkeit einen besonderen Reiz zu besitzen scheint. Erotische

Assoziationen wecken Ausdrücke wie ,,süße 16 Jahre" oder ,,schnuckelige 16 Jahre". Eine

Sportlerin hat sich ­ so die BILD-Zeitung ­ von einem ,,staksigen Backfisch im Vorjahr zu

einem bildhübschen jungen Fräulein" entwickelt.

In der Männersportberichterstattung wird lediglich 5mal auf das jugendliche Alter des Athle-

ten hingewiesen, 3mal werden Sportler als ,,Sport-Senioren" bezeichnet.

5.2.6 Aussehen

Die Angaben der BILD-Zeitung zum Alter lassen tendenziell die Anlehnung an eher traditio-

nelle Frauen- bzw. Männerideale erkennen. Daher überrascht es auch nicht, daß Aussagen

über das Aussehen einer Sportlerin zentraler Bestandteil vieler Frauensportberichte ist und

überwiegend gutaussehende Frauen im Sportteil der BILD-Zeitung abgebildet werden.

Von den untersuchten Artikeln zum Frauensport enthalten die Hälfte eine Beschreibung des

Aussehens. In Männersportberichten wird nur in jedem 10 Artikel auf die äußere Erschei-

nung der Sportler Bezug genommen.

Bei den Frauen interessieren am meisten die Haare bzw. die Haarfarbe und Haarlänge. Wird

das Aussehen von Sportlern beschrieben, so werden vor allem Haare und Körpergroße ange-

sprochen. In einem Drittel der Artikel gibt die BILD-Zeitung ein positives Urteil über das

Aussehen der Sportlerin ab, nur sehr selten bewertet sie das Äußere der Frauen eindeutig ne-

gativ.

Auch die Bildanalyse zeigt, daß die Abbildungen weitgehend den gängigen Schönheitskrite-

rien entsprechen. Dem Leser werden überwiegend Sportlerinnen mit langen Haaren und einer

schlanken Figur ohne sichtbares Muskelprofil präsentiert, obwohl viele Sportarten auch bei

Frauen einen athletischen Körperbau bewirken. Während die meist in sportlicher Aktion ab-

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gebildeten Männer Assoziationen wie kräftig und leistungsstark wecken können, treffen auf

die dargestellten Sportlerinnen eher Attribute wie schlank, attraktiv und erst zweitrangig leis-

tungsfähig zu. Diese Tendenz läßt sich u.a. mit dem hohen Anteil nicht-aktueller bzw. nicht-

sportbezogener Bilder erklären.

5.2.7 Sexualität

Physische Attraktivität von Frauen bedeutet häufig Attraktivität als Sexualobjekt. Daher ist zu

untersuchen, inwieweit Aussehensbeschreibungen in der BILD-Zeitung mit sexuellen Anspie-

lungen verbunden werden.

In fünfmal so vielen Frauensportartikeln wie Männersportberichten wurde auf die Sexualität

angespielt. Beschreibungen des Körpers und die Erwähnung von aufreizender Kleidung ste-

hen neben Aussagen, die direkt die erotische Wirkung auf das andere Geschlecht ansprechen,

im Mittelpunkt des Interesses. Folgende Textbeispiele verdeutlichen dies:

BILD-Reporter schwärmen von der Sportlerin mit ,,langen Beinen, einem süßen Po und einem

kessen Blick", oder von Christa, weil ,,ihre Kurven... die schönsten sind". Sie interessieren

sich für die ,,Idealmaße einer Turnerin ­ lange Beine, weibliche Kurven, gertenschlank", e-

benso wie für die ,,knackige Figur" einer Tennisspielerin oder für großzügige Dekolletés, die

,,tiefe Einblicke" gewähren. ,,Knallige Rennanzüge" oder ,,schwarze Lackanzüge" wecken

Assoziationen bezüglich der Körperteile, vor allem der ,,Rundungen an den richtigen Stellen",

die durch eine solche Kleidung verdeckt bzw. hervorgehoben werden. Für findige Journalisten

bieten sich immer neue Aufhänger für sexuelle Anspielungen. Auch Sportgeräte regen ihre

Phantasie an. Als ,,ganz schön spitz" wird z.B. eine Fechterin beschrieben; bei einer Fußballe-

rin ist mit einem ,,runden Ding" sowohl der Fußball als auch ihr Po gemeint.

Die Betonung der sexuellen Merkmale zeigt den Objektcharakter, den Sportlerinnen, wie

Frauen allgemein, in der BILD-Zeitung haben. So ,,appetitlich" beschriebene Frauenkörper

reizen gerade zum ,,Vernaschen", zur ,,Inbesitznahme". ,,Linda ­ lecker oben-ohne ­ bei den

Männern hatte sie jedenfalls gewonnen" ist der Text zu einem eindeutigen Foto. Bei Frauen

zählen nicht die Siege auf dem Sportplatz, sondern die Erfolge bei den Männern.

Verstärkt wird die einseitige, frauendiskriminierende Sichtweise durch die Häufigkeit der

Fotos, die sexuell attraktive Körperformen besonders hervorheben. Ein Drittel der Frauen-

sportbilder, aber fast keine der Abbildungen männlicher Sporttreibender haben einen sexuel-

len Bezug.

So werden z.B. durch die Körperhaltung der photographierten Sportlerin die sekundären Ge-

schlechtsmerkmale besonders hervorgehoben. Gespreizte Beine mit Blick auf die Genitalregi-

on sowie die perspektivische Betonung von Gesäß und Busen sind eindeutig als sexuelle Aus-

lösereize einzuordnen. Desweiteren bietet BILD dem männlichen Leser Sekundärreize wie

freie Schultern, freie Oberkörper, Beine oder Oberschenkel.

Die BILD-Zeitung vermeidet jedoch weitgehend darauf, die Bildinformation ausschließlich

auf die Reizfunktion festzulegen. Dies zeigt sich auch im Sportteil zum einen darin, daß nur in

den seltensten Fällen völlig nackte Frauen abgebildet werden. Zum anderen findet kaum se-

xuelle Interaktion in den Bildern selbst statt; die Bildmotive sind eher stereotyp und es herr-

schen erstarrte Posen vor. Dies liegt an der für die BILD-Zeitung typische Tabubewußtsein in

Fragen der Sexualität sowie auf strategischen Momenten zurück.

Neben den sexuellen Dimensionen Kleidung und Körper spricht die BILD-Zeitung die Ver-

haltensebene der Sexualität an. Anspielungen auf den Geschlechtsverkehr ( z.B." das Haus als

Liebesnest") oder anderer Sexualkontakt ( z.B. Küssen, streicheln) kommen in den Frauen-

sportartikeln weit häufiger vor als in Berichten über den Männersport.

Den Mythos von der Frau als berechnendes, kühl kalkulierendes Wesen deutet z.B. der Arti-

kel ,,Die schöne Diane schlief mit dem Schiedsrichter und gewann" an. In der Regel wird den

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Frauen aber die passive Rolle in der Sexualität zugewiesen. Sie werden ,,vernascht" oder

,,aufs Kreuz gelegt". Auch die außergewöhnliche Stärke einer Frau ändert nichts an der sexu-

ellen Machtposition des Mannes, wie folgender Text zum Foto einer Judokämpferin deutlich

macht: ,,Mit den Waffen eines Mannes ...": Vorsicht, diese Frau weiß sich zu wehren! Christa

Joeres aus Baden-Baden, die hier ihren Mann aufs Kreuz legt, hat den höchsten Meistergrad

im Deutschen Judobund ... . Da konnte Paul Joeres nur noch mit den Waffen eines Mannes

kontern: Die tüchtige Judo-Kämpferin ist im vierten Monat schwanger..." (BILD-Zeitung,

17.1.1996, S.6)

Den BILD-typischen Humor enthüllen folgende Aussagen, in denen die sexuellen Phantasien

der Leser anregt, dann aber auf vordergründiger Ebene enttäuscht werden:

,,Sie schläft nicht mit ihm. Er steht auch nicht an ihrem Bett ... der runde Glaspokal".

,,Mit wem liegt eine schöne Frau nachts im Bett? Falsch geraten ­ mit einem Gips-Korsett".

Besitzen Sportlerinnen keinen Freund, so dienen häufig Tiere als Ersatzobjekte.

,,Küßchen gibt sie nur ihrem Sittich Susi, denn Sonja ist noch zu haben".

6. Funktion und Wirkung des Frauenbildes in der Sportberichterstattung

Durch unsere Untersuchung konnte nachgewiesen werden, daß dem Frauensport in der Sport-

berichterstattung der BILD-Zeitung nur eine marginale Rolle zukommt. Im Vergleich zur

tatsächlichen Sportbeteiligung von Frauen sind Berichte über Sportlerinnen bzw. Ereignisse

im Frauensport stark unterrepräsentiert. Sie finden sich vor allem dann, wenn im Männersport

ein saisonales Tief zu verzeichnen ist oder die Aktualität der Wochenendsportereignisse

schon wieder im Abklingen ist.

Sporttreibenden Frauen wird noch nicht einmal so viel Beachtung geschenkt wie Freundinnen

und Ehefrauen bekannter Sportler.

Darüber hinaus ist das Bild von Sportlerinnen klischeehaft und einseitig. Zwar werden Leis-

tungen und Erfolge von Frauen anerkannt bzw. als solche hervorgehoben, doch lassen vielfäl-

tige Angaben zum Aussehen und zum sozialen Bezugsfeld die Sportlerinnen sogleich wieder

als Frauen in ihren traditionellen Rollenbezügen erscheinen. Trotz hoher Leistungsfähigkeit,

die eher den Männern zugeschriebene Eigenschaften wie Mut, Ehrgeiz, Durchsetzungsvermö-

gen erfordert, bleibt die dargestellte Sportlerinn immer noch ,,ganz Frau", mit typisch weibli-

chen allgemeinen und sportlichen Interessen, Schwächen und Stärken. Frauen sind in BILD

allgemein sowie in der Sportberichterstattung in der Regel jung, hübsch, oft sexuell aufrei-

zend. Eine besondere Nähe zum weiblichen Sportidol wird durch die Art der Anrede (Vorna-

me, Kosename) hergestellt.

Insgesamt kann für die Frauenberichterstattung in der BILD festgehalten werden, daß ihr die

Funktion des ,,Lückenfüllers" und der Auflockerung des Sportteils zukommt. Berichte über

sporttreibende Frauen haben in geringerem Maße einen sportbezogenen Informationswert als

Männersportartikel und dienen vornehmlich der Unterhaltung des (männlichen) Lesers. Die in

der BILD-Zeitung übliche Personifizierung des Sports ist in den Artikeln über Sportlerinnen

oder Freundinnen bekannter Sportler besonders ausgeprägt.

Wie eingangs schon betont, gelten unsere Befunde nur für die BILD-Zeitung. Ähnliche Ten-

denzen sind jedoch in anderen Medien zu vermuten. Auch innerhalb der Medienlandschaft

bzw. der Presse ist BILD nur eines von mehreren, meist gleichzeitig benutzten Medien, über

das Sportinformationen und Sportunterhaltung konsumiert werden. Dennoch hat die BILD-

Zeitung aufgrund ihrer hohen Auflage allgemein und für untere Sozialgruppen im besonderen

einen hohen Stellenwert. Für viele Leser des Boulevardblattes erfüllt der Sportteil sogar eine

Alibifunktion. Er dient als Legitimation für den Kauf der Zeitung: ,,Ich kaufe die Zeitung nur

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wegen des ausführlichen Sportteils..."(Zit. Nach Eilers 1978, S.215). Obgleich laut Media

Analyse die Leserschaft fast zur Hälfte aus Frauen besteht, kann von einem wesentlich größe-

ren Interesse der Männer am Sportteil ausgegangen werden. Der Aufbau der Zeitung läßt

vermuten, daß sich die Sportredakteure überwiegend an männlichen Leserbedürfnissen orien-

tieren bzw. ihre eigene Sichtweise über Frauen und über den Sport präsentieren. Sie folgen

dabei einem Modell von Sportberichterstattung, das sich scheinbar bewährt hat, obgleich uns

bislang keine differenzierten Leser- bzw. Nutzungsanalysen vorliegen.

In der Sportberichterstattung der BILD-Zeitung wird nur ein kleiner Ausschnitt der Sportreali-

tät, nämlich die Welt des Hochleistungssports, beschrieben. Da Frauen weniger Wett-

kampfsport betreiben, hat dies zur Folge, daß ihre Sportaktivitäten kaum berücksichtigt wer-

den. Ihr geringes Sportengagement hängt aber vielleicht gerade damit zusammen, daß ihnen

die Medien nur selten positive Orientierungsmuster und Identifikationsmöglichkeiten anbie-

ten. Besonders ältere, leistungsschwache, nicht-attraktive Frauen finden sich mit ihren Sport-

interessen in den Medien und besonders in der BILD-Zeitung überhaupt nicht vertreten. Au-

ßerdem haben frauendiskriminierende Darstellungen sicherlich einen Einfluß auf die aktiven

Leistungssportlerinnen. Befragungen von Spitzensportlerinnen belegen z.B. deren vielfältigen

Identifikationskonflikte, wenn sie nicht den herrschenden ­ zum großen Teil über die Medien

vermittelten ­ Schönheitsidealen entsprechen. Sie werden mit einem bestimmten Bild von

Weiblichkeit im Sport konfrontiert, dem sie oft nicht genügen können.

Für Frauen wäre es wichtig, sich intensiver als bisher mit den derzeitigen Sportformen und ­

strukturen auseinanderzusetzen und eigene Bedürfnisse zu artikulieren, um so vielleicht zu

einer auch für sie interessanten Sportpraxis und Sportberichterstattung zu kommen. Letzteres

wird sicher nur möglich sein, wenn mehr Frauen in den Sportredaktionen der Medien arbei-

ten, wenn sie selbst die Berichterstattung über ,,ihren" Sport übernehmen, wie beispielsweise

die ehemalige weltklasse Schwimmerin Christin Otto jetzt im ZDF-Sportjournal.

Nicht beseitigt sind damit allerdings die Anpassungszwänge durch das Medium selbst, denen

sich auch Frauen wohl kaum entziehen können. Diese Zwänge sind besonders bei de Boule-

vardzeitung BILD nicht zu unterschätzen, die sich gerade wegen ihrer auf Sensation und Ü-

bertreibung angelegten Darstellungsweise strukturelle Änderungen ihres Konzepts nicht leis-

ten kann und will.

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7. Literatur

Bechmann, R. / J. Bischoff/ K. Maldaner/ L. Loop: Bild Ideologie als Ware. Inhaltsanalyse

der BILD-Zeitung. Hamburg 1979.

Becker, P.: Sport in den Massenmedien. In Sportwissenschaften. Schorndorf 13, 1983, 1.

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Digel, H.: Sport und Berichterstattung. Reinbeck 1983.

Eilers, J. Sport in 12 Cicero: Gesetze der Boulevardpresse. In: H. Hackforth /S. Weichenberg

(Hg.): Sport und Massenmedien. Bad Homburg 1978.

Hüther, J.: Sozialisation durch Massenmedien. Köln/Oppladen 1975.

Kasper, J.: Belichtung und Wahrheit. Bildreportage von der Gartenlaube bis zum Stern.

Frankfurt/New York 1979.

Loosen, W./M. Ravenstein: Die Medienrealität des Sports ­ Nachrichtenfaktoren in der Sport-

berichterstattung. Analyse der Printberichterstattung. In DGMF-Tagungsband. Okto-

ber 1998, Frankfurt/Main.

Quanz, L.: Der Sportler als Idol. Sportberichterstattung, Inhaltsanalyse und Ideologiekritik am

Beispiel der BILD-Zeitung. Gießen 1974.

Ronneberger, F.(Hg.): Sozialisation durch Massenkommunikation. Stuttgart 1971.

Schmerl, Ch: Frauenfeindliche Werbung. Sexismus als heimlicher Lehrplan. Berlin 1980.

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statistisch vergleichende Analyse. Düsseldorf 1974.

Schorb, B./ E.Mohn / H. Theunert: Sozialisation und Massenmedien. In K. Hurrelmann/D.

Ulrich (Hg.): Handbuch der Sozialisationsforschung. Weinheim /Basel 1980.

S. 603-627.

Weber, K.: Zur Sexualität in der BILD-Zeitung. Hamburg 1980.

8. Abbildungen

Seite

Abb. 1 Aufstellung des Programmangebots der beiden Sportsender DSF und

7

EUROSPORT vom 10.11.1999.

Abb. 2 Flächenanteile für den Frauen- und Männersport in der Bild-Zeitung.

13

Abb. 3 Prozentualer Anteil der Fläche für Artikel über Sportler, Sportlerinnen

14

und ,,Ehefrauen" (Sportteil).

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