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Alchemie und Archetypus - Zu Carl Gustav Jungs Interpretation der Alchemie mit besonderem Augenmerk auf die archetypischen Bilder der Alchemie

Termpaper, 1995, 32 Pages
Author: Jens Helmig
Subject: Cultural Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 1995
Pages: 32
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V102410
ISBN (E-book): 978-3-640-00793-6

File size: 110 KB


Fulltext (computer-generated)

 

Alchemie und Archetypus

Zu Carl Gustav Jungs Interpretation der Alchemie mit besonderem Augenmerk auf die archetypischen Bilder der Alchemie

 

Hauptseminararbeit im Sommersemester 1995
zur Erlangung des Leistungsnachweises
im Fachbereich Pädagogik
basierend auf der Arbeit des Hauptseminares ,,Psychoanalyse und Erziehung"

im Sommersemester 1995

 

INHALTSVERZEICHNIS


A EINLEITUNG

B ALCHEMIE UND WISSENSCHAFT
B.1 Wissenschaftsgeschichtliche Einordnung der Alchemie
B.2 Grundannahmen der Alchemie
B.3 Das alchemistische Werk

C DIE ARCHETYPISCHEN BILDER IN DER ALCHEMIE

D DIE HERMETISCHE ÜBERLIEFERUNG UND DIE INDIVIDUATION
D.1 Calcinatio
D.2 Solutio
D.3 Coagulatio
D.4 Sublimatio
D.5 Mortificatio und Putrefactio
D.6 Separatio
D.7 Coniunctio

E DIE GRENZEN DER INTERPRETATION

F SCHLUßBEMERKUNG

G BENUTZTE LITERATUR

 

The tasks above are as the flasks below, saith the emerald canticle of Hermes

James Joyce, Finnegans Wake


A Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit unternimmt den Versuch Carl Gustav Jungs Analyse der spätmittelalterlichen Alchemie, Alchimie, Alchymie oder Goldmacherkunst zu umreißen. Nach einem kurzen historischen Exkurs auf die Geschichte dieser Philosophie sollen im Besonderen Jungs Interpretation der von den Alchemisten verwendeten archetypischen Bilder und Symbole innerhalb der alchemistischen Traktate vorgestellt werden. Des weiteren sollen die Probleme der alchemistischen Wandlung mit Jungs Individuationsbegriff verglichen werden. Eine Diskursanalyse, die sich hauptsächlich an die Semiotik Umberto Ecos und der Philosophie des jungen Ludwig Wittgensteins anlehnt soll die Arbeit abschließen.
Die für den modernen, rationalistisch-reduktionistisch denkenden Menschen äußerst befremdend anmutende Weltsicht der Alchemie ist in einem beschränkten Rahmen wie dem dieser Arbeit wohl nur oberflächlich skizzierbar; in die fremde Geisteswelt des ausklingenden Mittelalters bzw. der Renaissance einzutauchen, soll der vorangestellte historische Überblick behilflich sein, für den späteren Vergleich mit der analytischen Psychologie ist seine Lektüre weniger erforderlich.
Die Darstellung angesprochener Aspekte der Jungschen Psychologie kann in diesem Rahmen ebenfalls nur wage bleiben, doch bemühen sich die Verfasser ausschließlich um Darstellung der Archetypenproblematik, wodurch die Komplexität doch erheblich reduziert wird.
Der abschließende Teil zur Art der alchemistischen Diskursivität scheint den Verfassern sinnvoll, da die Geistesverwandtschaft Carl Gustav Jungs zu jener Philosophie auch hierin gezeigt werden kann.
Die Arbeit entstand im Rahmen bzw. in der Nachfolge des Seminars zu psychologischen bzw. psychoanalytischen Aspekten der Erziehung, das Erziehungs- und Bildungsmoment findet im Folgenden jedoch weniger Beachtung, wir bitten dieses zu entschuldigen.

B Alchemie und Wissenschaft
B.1 Wissenschaftsgeschichtliche Einordnung der Alchemie

Die Bezeichnung ,,Alchemie" leitet sich vermutlich von zwei Morphemen unterschiedlicher geographischer Herkunft ab, der arabische weibliche Artikel ,,Al.-" und das griechische Nomen ,,chyma" in der Bedeutung er(ge)klärter Metallguß. Die Alchemie findet ihre historische Herkunft vermutlich in der Metallurgie, diese hat historisch verifizierbar ihren Ursprung in Ägypten und Arabien.
Schrittweise lernte speziell die ägyptische Hochkultur die Läuterung oder Klärung von Metallen, also Reinigung und damit Verhärtung des ungeklärten Erzgusses. Auf den ersten Blick mußte die Klärung des Metalles als qualitative Verbesserung oder ,,Vervollkommnung" 1 wirken. Dieser Grundgedanke wird die folgende Entwicklung topologisch durchziehen. Des weiteren wurden die Metalle etwa zur Zeitenwende sieben an der Zahl, den bekannten Planeten (ebenfalls sieben) und den sie beherrschenden Gottheiten zugeordnet.



,,Die Planeten am Himmel entsprechen den Metallen in der Erde: Sonne=Gold, Mond=Silber, Merkur=Quecksilber, Venus=Kupfer, Mars=Eisen, Jupiter=Zinn und Saturn=Blei. Indem die Planeten die Erde umkreisen, treiben sie die ihnen entsprechenden Metalle allmählich in die Erde hinein, und die Menschen können sie dann durch chemische Operationen herausziehen."2

Es ergibt sich also eine Übereinstimmung zwischen dem Oben und dem Unten, zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos, zwischen Transzendenz und Materialität. Dieses Gedankengut wird wesentlich mitbestimmt durch den halbmythischen ,,Vater der Alchemie", den Hermes Trismegistos (Pseudonym), der durch Intervention des Götterboten Hermes in den Besitz des bruchstückhaften Schriftstückes ,,Tabula Smaragdina Hermetis"3 gelangte. Tatsächlich handelt es sich hierbei vermutlich um eine anonym verfaßte Schrift, die im achten und zehnten Jahrhundert von arabischen Alchemisten zum ersten Mal erwähnt, im zwölften Jahrhundert (datiert) ins Lateinische übersetzt wurde.
Die ,,Tabula Smaragdina" enthält in kryptischer Form die Basisgedanken der sich als eigenes Weltbetrachtungssystem abzeichnenden Wissenschaft von der ,,Alchemie". Sie beschreibt die schaffende Kraft des Alchemisten im Prozeß der Reinigung und Verbindung von Stoffen, sie betont eine Alleinheit hinter den Dingen der Erscheinungswelt, die im Einzelnen nur durch ,,Abwandlung geboren" werden und nimmt schließlich eine dreifach geteilte Weltweisheit an, die besonders in der Jungschen Interpretation von Belang sein wird.
Weiter zurück in das vierte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung reicht eine weitere Wurzel der Alchemie, die in der aristotelischen Elemententheorie begründet liegt. Aristoteles nahm vier Elemente an, die über ihre Qualitäten verbunden sind und darin ineinander überführbar sind. Bei den vier Elementen handelt es sich um Luft {M}, Feuer {N}, Wasser {P} und Erde {O}, die kreisförmig angeordnet jeweils zwei Eigenschaften mit dem jeweiligen Nachbarn zur Rechten und zur Linken gemeinsam haben, originär jedoch in der Eigenschaftskombination sind. Die Eigenschafsqualitäten warm, feucht, kalt und trocken, verteilen sich dann dergestalt, daß der Luft die Feuchtigkeit und die Wärme, dem benachbart angeordneten Wasser die Feuchtigkeit und die Kühle zugeordnet werden. Die Erde wird durch die Kühle und die Trockenheit, das Feuer schließlich durch Trockenheit und Wärme bestimmt.4Die in den geschweiften Klammern angegebenen alchemistischen symbole der Elemente ergeben in der Kombination das Symbol des Davidsterns {Y}, dem wir ohne vorgreifen zu wollen ebenfalls den Status eines Mandalas oder Selbst=Symbols zuordnen können. Die vier Grundstoffe dürfen nicht mit den innerweltlichen Materialien verwechselt werden, sondern sind als Elemente zu verstehen, die in der Natur niemals rein vorkommen, jede Art von lebendiger und toter Materie ist zusammengesetzt aus diesen vier Elementen in unterschiedlichen Abmischungen. Doch entsteht mittelbar eine Hierarchie der Stoffe in der Welt, die über die Reinheitsgrade der Stofflichkeit angenommen wird. Der Gedanke einer derartigen Hierarchisierung alles Stofflichen, verbunden mit dem metallurgischen Prinzip der Läuterung5, führte in der späteren Alchemie zu der Annahme, daß es einerseits prinzipiell möglich wäre jeden Stoff zu verbessern und andererseits es so etwas wie einen höchsten und einen niedrigsten Stoff geben müßte, der als das ,,philosophische Gold" und die ,,prima materia" identifiziert wurde.

B.2 Grundannahmen der Alchemie

Der Grundstoff, der Urstoff, genannt die ,,prima materia", ist der Ausgangspunkt der alchemistischen Arbeit. Aller Stoff muß prinzipiell auf diese zurückgeführt werden und jener Stoff selbst in eine andere Form gebracht werden können, wodurch er als solcher erhalten bleibt und nur die Form gemäß dem Heraklitschen Worte vom ,,panta rei" einem steten Wandel unterworfen ist. Somit ist eine ,,Transmutation" der Metalle ebenso möglich , wie es ein Werden oder Vergehen in der Natur gibt.
Vermutlich gnostischen Gedankengut entsprungen, ist die streng dualistische Weltsicht der Alchemie.


,,(...) aus dem Urstoff entspringen die dualen Gegensätze: oben - unten, gut - böse etc. bzw. die zwei Prinzipien der Alchemie: Sulphur und Mercur, die auch mit männlich und weiblich gleichgesetzt werden. Diese Gegensätze wieder zu vereinen ist das Ziel der alchemistischen Arbeit. Das Resultat dieser Vereinigung ist der Hermaphrodit. Er enthält beide Prinzipien und ist daher das Symbol der wiedergewonnenen Einheit der Materie, das göttliche Kind." 6

Sulphur und Mercur wurden nicht nur als abstrakte gegensätzliche Prinzipien verstanden, sondern schienen in der Natur empirisch verifizierbar als fixes und flüchtiges Prinzip.


,,Sulphur und Mercur als gegensätzliche Prinzipien ziehen sich an, sie
verbinden sich und formen die Mineralien und die Metalle." 7

Doch nicht nur in der Welt, sondern auch in der Person des Alchemisten wurde ein drittes, ein verbindendes Prinzip gesehen, das ,,Sal", manchmal auch ,,Sal Salis" genannt. Analog zur göttlichen Trinität des Christentums und der Triade der oberen Sephirot in der Kabbalah entstand bereits früh die Vorstellung eines dritten Prinzipiums, welches empirisch dem Verbrennungsrest, dem Erdigen, auch durch Feuerbehandlung unveränderlichen Salz, ,,Caput Mortuum" genannt, beigeordnet wurde. Das Prinzip ,,Sal" erscheint bei manchen Autoren als das Produkt der Vereinigung der Gegensätze, dann oft ,,Rebis" oder ,,Hermaphrodit" genannt. Andererseits wird Salz, gemäß dem biblischen Vergleich von den Anhängern Christi als dem ,,Salz der Erde" in der Person des Alchemisten gesehen, der die Vereinigung der Gegensätze in und durch sein Werk, das ,,Opus" vornimmt. Umberto Eco faßt die Eigenarten und Bestrebungen der Alchemie treffend zusammen.


,,Auf dem Höhepunkt ihres mystischen Traumes hat die symbolische Alchemie eine Sehnsucht nach Einheit zum Ausdruck gebracht, die man als materialistisch bezeichnen könnte, eine Vorstellung von Geburt, Tod und Wiedergeburt im spirituellen Sinne, die in engem Zusammenhang stehen sollen mit Geburt, Tod und Wiedergeburt der Natur."8

Wie muß man sich diesen Materialismus pragmatisch umgesetzt vorstellen, den Umberto Eco, auf dessen Interpretation der Alchemie an späterer Stelle noch eingegangen werden soll, etwas süffisant umreißt?

B.3 Das alchemistische Werk

Der Ablauf des Werkes mit dem Ziel der Herstellung des philosophischen Goldes, verläuft in sieben Arbeitsschritten9. Die Herkunft der Siebenzahl ist umstritten. Die Arbeitsschritte stehen einerseits unter der Regierung der sieben Planeten, andererseits entsprechen sie in der Anzahl den innerweltlich erkennbaren sieben ,,unteren" Sephira des Kabbalistischen Baumes, die addiert mit den drei Grundprinzipien die heilige Zehnzahligkeit erfüllen.10 Die erste Operation Calcinatio treibt dem Ausgangsmaterial durch starke Erhitzung Wasser aus und läßt chemisch gesehen ein Oxid, meist in pulvriger Form zurück. Die Operation wird mit dem Element Feuer assoziiert, aus naheliegenden Gründen. Die Solutio als Operation des Elementes Wasser löst das gewonnene Pulver in Wasser oder einem anderen Lösungsmittel und schafft so eine Flüssigkeit und damit einen neuen Aggregatzustand. In der mit der Erde assoziierten dritten Stufe Coagulatio wir die gewonnene Flüssigkeit durch Kühlung in ,,Erde", einen festen Stoff verwandelt bzw. durch Erhitzen und Verdampfen der Feuchtigkeit erneut verfestigt. Die Sublimatio als vierte Stufe ist mit dem Element Luft assoziiert und verflüchtigt den festen Stoff durch starkes Erhitzen. Die Sublimation ist als chemische Operation heute noch bekannt und dient unter anderem zur Reinigung von kristallinen Stoffen. Durch Kühlung des oberen Bereiches des Reaktionsgefäßes schlägt sich der gereinigte Stoff nieder und kann verwendet werden. Die Mortificatio (Tötung) oder Putrefactio (Faulung) bildet die fünfte Stufe des Werkes. Vermutlich unternahmen die Alchemisten den Versuch den gewonnenen Stoff einer Art Gärung zu unterwerfen, die bei Verwendung von organischen Materialien tatsächlich eine neue alkoholische Stoffqualität erzeugt. Die fünfte Stufe wird gemeinhin als Schwarzes Werk in Assoziation zu seinem Wesen von Faulung, Gärung und Verwesung bezeichnet. Bei der Separatio als sechste Stufe handelt es sich chemisch um eine erneute Destillation, d.h. die Abtrennung des Festem vom Flüssigen. Es wird teilweise als Weißes, als auch Goldenes Werk bezeichnet. Die letzte Stufe ist ,,die Kulmination des Opus"11, das rote (oder goldene) Werk, genannt Coniunctio, Coagulatio, Fixatio oder Lapidificatio, die Schaffung der Tinktur oder des Lapis Philosophorum12.
Für die Alchemie war das Werk hierin beendet, das Ziel ihrer Naturphilosophie erreicht. Ob ein derartiger Stein der Weisen tatsächlich jemals hergestellt worden ist, bleibt zumindest zweifelhaft. Es existieren heute jedoch noch Verfahrensweisen in der Arzneimittelherstellung und der Homöopathie, die alchemistische Züge tragen, der letzte Alchimist, Fulcanelli (Pseud.), starb in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts.
Für den Schweizer Psychologen C.G. Jung besteht der Wert der Alchemie in der Mobilisierung von inhärenten Selbstheilungskräften der menschlichen Psyche. Die Alchemie bildet das Fundament und den historischen Rahmen seiner analytischen Psychologie.


,,Die Alchemisten projizierten ihre inneren Vorgänge auf das, was sie taten, und machten bei der Ausführung ihrer verschiedenen Werke tiefe und leidenschaftliche emotionale und geistige Erfahrungen. (...) Soweit hatten die Alchemisten (...) zwei aufeinanderbezogene Ziele:
- Veränderung oder Wandlung gewöhnlicher Materie in etwas Wertvolleres- je nachdem etwa als Gold, universelles Lebenselixier oder Stein der weisen bezeichnet.
- Verwandlung gewöhnlicher Materie in Geist; kurz, die Befreiung der Seele.
Aber andererseits bemühten sich die Alchemisten auch um eine Überführung seelischer Inhalte in materielle Gestalt; dieses Bedürfnis fand in unbewußten Projektionen seinen Ausdruck."13

Die Projektion wird von Jung als Hinausverlegung eines subjektiven Vorgangs in ein Objekt definiert. Es handelt sich dabei also um eine Dissimilation subjektiver (Un)Bewußtseinsinhalte, zum Zweck der Bewußtmachung in der Betrachtung und Erfassung eines äußeren Objektes. Möglich wird dies, da Jung eine ehedem archaische Identität von Subjekt und Objekt annimmt. Die Projektion scheint demnach eine Möglichkeit diese Trennung momentan aufzuheben und eine archaisch-mystische Einheit zu konstituieren. Hierin liegt die Nähe der Alchemie zum christlichen Mystizismus begründet. Jung weist jedoch vehement auf die negative Seite der Projektion hin. In der Abtrennung von Subjekt und Objekt kann es zu Paranoien und totaler Isolation des Individuums von Welt und Mitmensch kommen. Dieser oftmals geäußerte vorurteilige Kritikpunkt an der Alchemie, als einer Tätigkeit, die zu solipsistischer Isolation führen kann, wird von Jung hier psychologisch unterstützt und bestätigt.

C Die archetypischen Bilder in der Alchemie

Jung nimmt in der von ihm begründeten analytischen Psychologie eine archetypische Bilderwelt an, die das persönliche Unbewußte ebenso bevölkert wie das Unbewußte von Gruppen oder Kulturen. Diese Bilder paraphrasieren die Archetypen, die das kollektive, d.h. allgemein menschliche Unbewußte fundieren. Der Archetyp selbst kann nicht vorgestellt oder gezeigt werden, sondern nur in Bildern, die jeweils kultur- und sogar familienspezifische Ausprägungen tragen, ungenügend ausgedrückt werden. Aus dieser Betrachtung des psychisch-menschlichen Seinsgrundes ergibt sich nicht nur eine universale Ethik, sondern auch eine praktisch-therapeutische Zeichenstrukturierung und vergleichende Interpretationsweise jeder Art von kultureller und individueller Äußerung. Das Bild oder die Ikone ermöglicht des weiteren eine Zugang zum Unbewußten in beide Richtungen. So können Traumbilder oder Symbole zu einem Äußeren interpretativ in Beziehung gesetzt werden und umgekehrt äußere Bilder prägend oder wirksam das Unbewußte beeinflussen. Jung hielt seine Patienten an, die jeweiligen Gefühls- und/oder Bewußtseinszustände während der Therapie graphisch festzuhalten. Es handelte sich dabei nicht um einen Prozeß der dem automatischen vergleichbar wäre, sondern eher um eine Art von rohgelenkter aktiver Imagination und Reflexion über das Selbst des Patienten durch sich selbst. Die sich im Verlaufe des Heilungs- oder Wandlungsprozesses ergebende, fortwährend stärker währende Zentrierung der graphischen Elemente der produzierten Bilder hin zur Bildmitte wurde von Jung als anordnende Zentrierung der Persönlichkeit hin zum Selbst verstanden. Die dahinterstehende Projektionsleistung des Patienten, entspricht in Jungs Interpretation dem Wesenscharakter des Selbst , das in gewissem Sinne zu einem Selbstausdruck drängt. Die ,,prima materia" der Alchemisten entspricht dem Ausgang der Projektion, sie hat ,,den Charakter der Ubiquität; sie ist stets und überall zu haben; das heißt, die Projektion kann stets und überall stattfinden."14
Jung sieht eine Reihe von unterschiedlichen Archetypen und speziell die sie begleitenden Bildern in der Alchemie wirken. Im Folgenden sollen beispielhaft einige dieser Bezüge vorgestellt werden, wobei die Basisarchetypen Animus und Anima naturgemäß besondere Aufmerksamkeit erfahren.
Jung nimmt einen ursprünglichen Dualismus des persönlichen Unbewußten an, die in der jeweiligen Vorherrschaft des Archetypus Animus oder Anima bestehen, der Animus stellt die innere Männergestalt einer Frau, die Anima die innere Frauengestalt eines Mannes dar.


,,Sie liegen als fundamentale Formen, den ,,weiblichen" Eigenschaften eines Mannes sowie den `,,männlichen" Eigenschaften einer Frau zugrunde und gelten daher als Gegensätze." 15

Die Alchemie verstand sich zwar als universale Naturphilosophie, in deren Wesen die Verbindung der Gegensätze teleologisch lag, doch handelte es sich bei den meisten praktizierenden Alchemisten um Männer - der Grund mag in der grundsätzlich patriarchalischen Struktur der damaligen abendländischen Gesellschaften liegen. Es kann somit nicht verwundern, wenn der Archetypus Anima ein vordringliche Besprechung und Deutung sowohl in der Alchemie, als auch in der analytischen Psychologie erfahren muß. Nichts desto weniger gelten die folgenden Ausführungen über die Anima vice versa auch für den Animus. Die Anima als vorbewußter Teil der männlichen Psyche wird im Lebensvollzug mit Widerstand, zum Teil Ablehnung begegnet.


,, Es ist normal für einen Mann, seiner Anima Widerstand zu leiste, weil sie, wie ich schon erwähnte, das Unbewußte mit all jenen Tendenzen und Inhalten darstellt, die bis dahin vom bewußten Leben ausgeschlossen waren. (...) Die Verdrängung ist eine Art von halbbewußtem und unentschiedenem Gehenlassen der Dinge, oder ein Verächtlichmachen von Trauben, die zu hoch hängen, oder ein In-die-andere-Richtung-Blicken, um der eigenen Wünsche nicht ansichtig zu werden."16

Der erste Aktus der Alchemie besteht damit in dem Wunsch aktiv in die Lebenswelt einzugreifen, die sich eben nicht unabhängig von der eigenen Person selbst vollziehen lassen. So muß zunächst die Rolle des eigenen Lebens, Intellektes, Geistes und Handelns thematisiert und auf Welt bezogen werden. Dies führt zu magischen Vorstellungen von Harmonie und den Möglichkeiten mit Fernwirkungen in die Natur einzugreifen. Jung nimmt nun eine Projektionsleistung des Unbewußten in die Außenwelt an. In der Interpretation der sich nun vorfindenden Bilder und des Rückverweises auf die Projektionsleistung wird die ,,verborgene" Wesenshälfte der eigenen Person bildhaft greifbar und die implizite Aufforderung der Integration oder Introjektion erkannt.17Die archetypischen Bilder der Anima finden vielfache Verwendung in den alchemistischen Schriften und Illustrationen.18 Die Herstellung des ,,Lapis" wurde stets auch als Zeugungsakt verstanden, wodurch der Stein zum Teil als ,,Kind" oder ,,Sohn" illustriert wird. Diese Haltung scheint den Versuch zu unternehmen, die grundsätzlichen Züge des Weiblichen, das Gebären neuen, unabhängigen Lebens, für die männliche Sphäre jenseits des reinen Intellekts in Anspruch zu nehmen. Signifikant hierfür scheint auch die auffällige Ähnlichkeit in der äußeren Gestaltung und illustrierenden Beschreibung des alchemistischen Reaktionsgefässes ,,athanor" mit der Gebärmutter zu sein. Oftmals wird die Alchemie als ,,Ars" illustrativ verweiblicht, so im Frontispitz der ,,Quinta Essentia" des Alchemisten Leonhard Thurneisser zum Thurn. Im Bild der Königin, die dem König dient findet sich die Anima oftmals als Führerin des Alchemisten, kommt es jedoch zu einer Besessenheit durch die Anima, die sich symptomatisch durch eine Verwicklung in Ideen und Prinzipien, eine prinzipielle Abgeschlossenheit in der Ich-Haftigkeit.


,,Der negative Aspekt der Bewußtseinsdominante ist nämlich nichts weniger als eine ,,gottgewollte" Idee, sondern die höchst ich-hafte Absicht, durch das Tragen einer bestimmten Maske eine gewisse Rolle zu spielen und als etwas Vorteilhaftes zu erscheinen. (...) Die dieser Einstellung entsprechende Anima ist eine intrigante Person, welche das Ich immer mehr zu seiner Rolle verführt und dabei im Hintergrund alle jene Gruben gräbt, in welche der in seine Rolle Verliebte hineinzufallen bestimmt ist."19


Die sinistere Seiten der Anima findet sich illustrativ in der Verwendung des archetypischen Mondmotives20, speziell des abnehmenden Mondes. Des weiteren finden sich innerhalb der Traktate Warnungen, mit der Alchemie als heiliger Kunst umzugehen, sie nur unter größter Vorsicht zu betreiben und sie beständig mit Gebeten um die Integrität der eigenen Persönlichkeit zu begleiten. Hierin wird die Furcht vor dem Archetypus Schatten deutlich, der oftmals in die Nähe der Anima gerückt wird. Der Schatten bildet das Bild dessen, was der Mensch nicht sein möchte, dasjenige, dem man sich nicht stellen will, was verdrängt wird und die Projektion begleitet. Der Schatten muß nach Jung jedoch gleichermaßen integriert bzw. zugelassen werden. Die Vereinigung in der letzten Stufe des ,,Opus" findet vielfach Umschreibung mit der so genannten ,,Königs-" oder ,,chymischen Hochzeit", der Vereinigung von König und Königin, nach Jung archetypische Bilder der Anima und der Persona; diese fügen sich zum Selbst, umschrieben mit dem Bild des Hermaphroditen oder Androgynen. Das Selbst ist jedoch nicht nur Ziel der Individuation, sondern im kollektiven Unbewußten bereits als Archetypus vorhanden. Die Individuation wird hierdurch zu einem Prozeß, indem der unbewußt vorhandene oder angelegte Wesenskern die Zentrierung seiner selbst mitbestimmt.


,,(..) Diese anordnende Mitte zeigt sich in Träumen oft im Bilde des Mandala,(...). Die Verbindung des Ichbewußtseins mit diesem Nicht-Ich wird als eine innere Vereinigung erfahren. Oder aber das Selbst nimmt im Traum personifizierte Gestalt an und wird auch konflikthaft als ein zwingendes, überlegenes Gegenüber erlebt, dessen Nichtbeachten mit Stagnation oder Neurose bezahlt wird. Jung nannte deshalb die Integration der Wirkungen des Archetypus ein zutiefst ethisches Problem und eine persönliche, dramatische Herausforderung."21

Ein weiteres oftmals verwendetes Symbol für das Selbst ist die Christusgestalt, in den kabbalistisch beeinflußten alchemistischen Texten gemäß des Johannesevangeliums 1,1 auch mit dem göttlichen ,,Logos" identifiziert. Die Individuation hin zum Selbst wird als die eigentliche Menschwerdung betrachtet, wobei Christus zum Teil als Sohn der Witwe, wie in der freimaurerischen Tradition üblich bezeichnet wird, und der biblische Urvater Adam als christliche Präfiguration Christi22 angenommen wird.


,,Das Ziel der Individuation im kerntherapeutischen Prozeß scheint immer mehr dies zu sein: daß es um die volle Menschwerdung in einem umfassenden Sinn geht, um das Mitaustragen einer Zeitenwende für jeden einzelnen, in dem sich wissend Gewordener unwillkürlich auch in einer Beauftragung für das fortschreitende Heil des großen und ganzen als Entwicklung am Werke findet. So gewonnene Maßstäbe menschlicher Existenz verändern Welt und leben im initiatischen Prozeß. Es geht um den inspirierten und auch auf Konkretisation bedachten erstarkten Menschen und dessen Möglichkeit zum Erkennen, Lieben und Gestalten weiter in die Zukunft hinein."23

Die erlösende Mission des ,,Heilsbringers"24 wird zur Hilfe zur Selbsthilfe, die durch den analytischen Psychotherapeuten angeboten wird. Der starke Missionsdrang innerhalb der analytischen Schule läßt sich empirisch aus der Tatsache belegen, daß ein großer Teil der von Jung und seinen Mitarbeitern behandelten Patienten selbst Analysierende geworden sind. Man könnte die These aufstellen, daß es sich bei der Jungschen Psychologie nicht nur um eine Säkularisierung des ursprünglichen alchemistischen Ansatzes handelt, sondern auch eine exoterische Variante derselben darstellt. Wo der Alchemist seine Arbeit ,,egoistisch" für sich allein im stillen Kämmerlein beging, tritt der Analytiker als Geheilter im doppelten Sinne an das Licht des Tages und bietet sich den Unwissenden selbst als Mittler zum ,,wahrhaften Weg" an.


D Die hermetische Überlieferung und die Individuation

Im Folgenden sollen die Alchemie und die analytische Psychologie der Deutlichkeit halber noch einmal im Hinblick auf die Similaritäten im Prozeß mit dem Ziel der Goldgewinnung oder der Selbsterlangung vorgestellt werden.
Jung übernimmt aus den Lehren der Alchemie sowohl die vierfache Aspektierung der Psyche als ,,prima materia", als auch einen stufig aufgeteilten Prozeß der Individuation oder des ,,Werkes". In seiner Lehre von den psychologischen Typen werden als Produkt des Entwicklungsprozesses zwei Bewußtseinsausrichtungen, der der Introversion und der der Extroversion beschrieben, welche auf der Modifikation der vier psychologischen Grundtypen, derer des Denkens, Fühlens, Empfindens und Intuierens, basieren. Ähnlich wie in der alchemistischen viergeteilten Stofflichkeit überwiegt auch im Bewußtsein jeweils ein Element, in Jungs Psychologie jedoch nicht durch eine prästabilisierte Vermischung, sondern eine ,,habituelle Einstellung, in der eine Mechanismus dauerhaft vorherrscht, ohne den anderen je völlig unterdrücken zu
können, denn er gehört unbedingt zur psychischen Lebenstätigkeit."25 Im Unterschied zu der erwähnten klassischen Einteilung der Temperamente betont Jung, daß sich seine Einteilung auf den so genannten Normalzustand, nicht den Affektzustand bezieht. Normal - und Affektzustand bestehen bei Jung nicht in einem antinomischen Verhältnis, was zwangsläufig zu einer Aufspaltung des Ichs in zwei Teile führen würde, sondern nur in einer jeweilig anderen Einstellung zu den eigenen psychologischen Gegebenheiten.


,,Im Affekt ist (...)", das Ich, ,, (...) unfrei, getrieben, in einer Zwangsläufigkeit. Demgegenüber ist der Normalzustand als ein Zustand der freien Wahl, der Dispositionsfähigkeit zu verstehen, mit anderen Worten, der Affektzustand ist unproblematisch, der Normalzustand ist problematisch, das heißt, es besteht das Problem und die Möglichkeit der Wahl."26

Die Individuation wird von Jung als Differenzierungsprozeß des Individuums aus der Kollektivpsyche interpretiert. Individuell gegeben ist physische und physiologische und damit auch sinnliche Differenz zum Kollektiv. Die Formung der Einzelpsyche hin zu einem psychologischen Typus ist wesentlich gesellschaftlich und familiär bestimmt. Die eigentliche Individuation ist jedoch mehr als die Entwicklung des Bewußtseins aus dem ursprünglichen Identitätszustand, sie ist darüber hinaus eine Erweiterung der Bewußtseinssphäre durch Assimilation archetypischer Bewußtseinsinhalte und der Integration des Schattens, die in der Auslotung und Erkenntnis der eigenen Grenzen zu einer Befreiung des Individuums führen soll.
Jung sah, wie bereits angesprochen, in den Überlieferungen der Alchemie diese Individuationsbestrebung einer bestimmten Gruppe von Individuen, der Alchemisten, ausgedrückt. Der Interpretation des Prozesses der alchemistischen Wandlung als Individuationsprozeß kann man sich verständig vielleicht nähern, wenn die einzelnen Abschnitte oder Stufen des Werkes hin zum ,,opus magnus" als archetypische Bilder im Jungschen Sinne verstanden werden. Die mystischen Implikationen der Siebenzahl, in der Anzahl der Wandlungsabschnitte, wurde bereits vordem erläutert. Letztendlich können in der Siebenzahl natürlich mehre Bilder zusammengefaßt worden sein, was jedoch für den Grundgedankengang keine allzu große Rolle spielen dürfte. Die folgende Darstellung orientiert sich der Übersicht halber an der Siebenzahl, ohne die Absicht der Vollständigkeit zu haben, sie dient nur illustratorischen Zwecken.

D.1 Calcinatio
Psychologisch entspricht der Kalzination, der ersten Läuterung des Ausgangsstoffes z.B. Quecksilber durch Feuer, also Veraschung, die erste Begegnung des zu Analysierenden mit den eigenen Frustrationen und möglicherweise negativen Verhaltensnormen. Die ,,verzehrenden" Begierden werden zum ersten Male geschaut und bewußt gemacht. So ist ein oft vorzufindendes archetypisches Bild der Calcinatio das Feuer, z.B. das Fegefeuer des christlichen Glaubens oder Dantes Feuerregen der Divina Comedia. Die Objekte der Begierde werden mit dem den Affekten selbst bewußt gemacht, wodurch der einseitigen Herrschaft von animus oder anima der äußere Bezugspunkt entzogen wird. In der Calcinatio liegt nach Jung eine gewisse Askese, derer sich die östlichen Religionen ebenso wie das Christentum im religiösen Vollzug symbolisch bedienen. In der Leugnung des Objektes des Affektes, kann der Affekt selbst unter Kontrolle gehalten werden, und bleibt gewissermaßen im Inneren gefangen.

D.2 Solutio
Wie die Calcinatio dem Element Feuer zugeordnet ist, gehört zur Operation der Solutio die Lösung, die Auflösung, das Element Wasser. Die durch die Calcinatio extrahierten Stoffe werden über die Lösung in Wasser in den Urzustand, zur prima materia zurückgeführt. Wasser ist das Urelement, eine Vorstellung, die die Alchemie von der vorsokratischen Philosophie übernommen hat. Ebenso wird mit Wasser der Mutterschoß, die Fruchtblase, der biologische Ursprung assoziiert. Ein Lösungsmittel war für die Alchemie das Scheidewasser, das gleichermaßen Gold und Silber chemisch lösen kann. Der symbolische Gehalt der Operation liegt nun klar, Gold wird als Element mit dem animus, Silber, über die Mond-Silber-Assoziation, mit dem inhärent weiblichen, der anima verbunden.


,,Mit anderen Worten, die dominante bewußte Einstellung des Ich wird vom Gold und die Anima auf ihrem gegenwärtigen Entwicklungsstand vom Silber vertreten. Diese zwei werden in befreundetem Wasser aufgelöst."27

Edlinger verweist an dieser Stelle auf eine Inzestsymbolik, die in den Bilddarstellungen dieser Operation häufig anzutreffen ist. Dem Bild vom relativen Abstieg des Ich in den Mutterschoß, die prima materia, durch Vereinigung mit einem beinahe schwesterlichen Teil seiner Selbst, stehen oftmals grausame Bilder von Ertrinkenden oder Untergetauchten gegenüber. Ein archetypisches Bild der Solutio, in der die dunkle, gefahrvolle Seite der anima betont wird, ist das der männermordenden Lorelei oder den Rheintöchtern, die den Schatz auf dem Grunde des Rheines bewachen. Ein auch im Christentum verwendetes Motiv ist das des Taus, in der anagogischen Symbolik steht er für die Gnade Gottes. In der Alchemie wird er mit dem Mond, der ihn hervorbringen soll und damit mit der weiblichen Sphäre, in Verbindung gebracht. Die Solutio wird z.T. auch als ,,liquefactio" (Schmelzung) bezeichnet. In der Volkskultur ist der Ausdruck ,,vor Trauer zerfließen" bekannt. Psychologisch löst die Solutio Probleme, indem diese in den Gefühlsbereich verschoben werden, Zweifel werden wortwörtlich gelöst, eine Verjüngung tritt ein, das der kindlichen Sphäre zugeordnete Gefühlsleben tritt stärker in den Vordergrund.

D.3 Coagulatio
Der Coagulatio gehört in den Symbolbereich des Elementes Erde. Die Attribute dieses Elementes sind Beständigkeit und Festigkeit. Ein archetypisches Bild dieser Operation ist das Schöpfungsbild, besonders der Vers aus Genesis 1.1, die Trennung von Erde und Wasser, der Aufbau der Coagulatio auf der Solutio. Ein weiteres Bild ist das Noahs, der nach seiner erzwungenen Reise auf dem Wasser, Land betritt, geleitet durch eine Taube, ebenfalls ein Bild der anima. Der Engelssturz, die Ankettung jener ätherischen Wesen an die Erde, superlativiert: ins innerste der Erde, ist eine weiteres Bild der Coagulatio. Die Erde entspricht dem Körper, der Physis, der aufbegehrende, sich befreien wollende Geist bleibt an den Körper, die Schwere und die Starre gebunden, andererseits garantiert dieser Bestand und Dauer. Therapeutisch könnte die Operation einer Bewußtmachung des Körpers und seiner Möglichkeiten und Beschränkungen entsprechen. Die Erde ist des weiteren ein Symbol der weiblichen Sphäre ,,Mutterschoß-Muttererde-Gaia". Die anima und die Bewußtmachung der inhärenten Weiblichkeit vermag den auffliegenden und selbstverleugnenden animus zu bändigen. Die Bilder der Coagulatio verweisen auf die Last des körperlichen (irdischen) Daseins, die ertragen und integriert werden muß, selbstredend ist die Passion Christi ein archetypisches Bild dieser Wandlungsoperation.

D.4 Sublimatio
Die Sublimatio schließlich ist die Operation, der das Element Luft zugeordnet ist. Chemisch handelt es sich um einen Vorgang, bei dem ein fester Körper direkt in den gasförmigen, dritten Aggregatzustand, überführt wird. Archetypische Bilder der alchemischen Operation sind Treppen, Leitern, im Besonderen die Himmelsleiter mit den auf und ab steigenden Engeln des Jakob, Türme und das Fliegen. Ein besonders schönes Bild ist das des Berges des Nordens, um den sich Sonne und Mond in elliptischen Bahnen bewegen, welche Kosmas der Indicopleutes im sechsten Jahrhundert beschreibt. Psychologisch interpretiert, erhebt man sich über etwas, über ein Problem, man stellt sich darüber, gewinnt einen vollkommenen Perspektivenwechsel, sieht das Problem möglicherweise in seiner vollständigen Nichtigkeit, obschon es einem bis dato als groß und unüberwindlich erschienen ist. Das Problem kann objektiv betrachtet werden, man ist nicht mehr an die subjektiv-affektive Sichtweise gebunden. Das Christentum verwendet wie der Islam das Bild der leiblichen Aufnahme in den Himmel, sowohl Mohammeds, als auch Mariä und Christi. Die Coagulatio kann auch als kleine Coniunctio verstanden werden, Gegensätze werden vereint, ohne jedoch vorher geläutert worden zu sein.
Die Coagulatio und die Sublimatio werden als Operationen z.T. in der Circulatio zusammengefaßt, d.h. das kreisförmig bzw. abwechselnd Coagulatio und Sublimatio durchlaufen werden. Das Individuum erlebt die Gegensätze wechselnd und kreisförmig beständig erneut, solange bis es im Laufe der Zeit zu einer Vereinigung oder Versöhnung der Gegensätze kommt. Wie in allen alchemischen Operationen liegt auch die Gefahr des Solipsismus verborgen, psychologisch konkretisiert bedeutet diese, daß der Adept in einem Prozeß steckenbleibt, nur noch Scheinbewegungen, Wiederholungen vollzieht und die Weiterentwicklung verstellt ist.

D.5 Mortificatio und Putrefactio
,,Tötung" und ,,Verwesung" bezeichnen die sinisterste und gefährlichste Operation des Alchemisten. Die der Operation zugeordnete Farbe Schwarz, verweist auf den Schatten. Häufig illustrieren Bilder wie von Drachen und anderem, in Höhlen oder unter der Erde lebendem dunklem Getier die Operation. Michael Maier zeigt in seiner Schrift ,,Atlanta fugiens" von 1618 einen Stich auf dem Sol und Luna, dargestellt durch einen Mann und eine Frau, einen Drachen erschlagen. Der Schatten ist psychologisch die Summe aller noch nicht integrierten Erfahrungen ebenso wie der Summe aller Verdrängungen. Ein anschauliches Bild der mortificatio ist der Totenschädel oder das Skelett. Die höchste Verdrängung zu der unsere Psyche fähig ist, scheint die des eigenen Todes, der individuellen Sterblichkeit zu sein.
In der Philosophie unseres Jahrhunderts machte Martin Heidegger in seiner phänomenologischen Untersuchung ,,Sein und Zeit" ebenfalls energisch auf diesen Aspekt der Innerweltlichkeit des menschlichen Daseins aufmerksam. Die Existenz sei als ,,ex-sistere", als Hinausstehen in das Sein, sprich in den Tod zu verstehen; ein geschlossener und in sich ruhender Mensch müsse diese Auseinandersetzung mit der ureigenen Sterblichkeit als Todeserfahrung simulieren und integrieren.
Die Ermordung und Verwesung des Königs zum Skelett ist ein weiteres in der Alchemie häufig verwendetes Bild. Das Wertvolle, Siegreiche und Starke muß sich von einem armseligen Gegner besiegen lassen. Die Alchemie nennt den rückständigen Verbrennungsrest nach den ersten vier Operationen den caput mortuus, den toten Kopf. Der Dialog mit dem Totenschädel Yorrick, den Hamlet führt, ist die extremste Form der Auseinandersetzung, die über den engen, erfahrbaren Kreis des eigenen Ichs hinausgeht, der Dialog mit der Sterblichkeit als solcher. Diese Auseinandersetzung mit dem Rest, dem Letzten, dem Übriggebliebenen führt gemäß des biblischen Satzes von den Letzten, die die Ersten sein werden, zur Auseinandersetzung mit dem Wesentlichen. ,,Das ist die Lektion, die wir alle immer wieder lernen müssen. Es ist die Psyche, die wir an dem wertlosen verachteten Ort finden."28 Wie für die meisten großen Religionen ist auch für die Alchemie der Kreislauf von Werden und Vergehen symbolisch bestimmend. Die Bildhaftigkeit führt bis hin zum Säen des gewonnen Goldes in den dunklen Schoß der Erde, indem es verfault, jedoch neues Gold sprießen läßt. Das sprießende neue Gold kündigt das Erwachen des Selbst, der geschlossenen Person, der Apotheose des Ichs an. Eine Integration des Unbewußten in das Ich, der einzige Weg der zum Selbst führen kann, bedeutet jedoch notwendigerweise einen Schock. ,,Auf alle Fälle bedeutet die Integration von Inhalten, die immer unbewußt und projiziert waren, eine ernsthafte Läsion des Ich."29
Im christlichen Symbolsystem drückt die Gestalt des Teufels, im besonderen Luzifers, des gefallenen Engels den Aspekt der mortificatio besonders schön aus. Luzifer verkörpert die Licht und Schattenseite der Psyche und des Ringens um das Selbst. Er ringt mit der Göttlichkeit, die ihn erschaffen hat, doch das im Namen angedeutete Attribut des Lichtbringers, des göttlichen Lichtbringers verkörpert Hoffnung und Sieg über das Ich zu gleichen Teilen, hierin ähnelt seine Funktion dem Bild der Venus, der stella matutina, die Abend- und Morgenstern ist, der die Nacht einläutet und den Morgen begrüßt.

D.6 Separatio
Die Separatio stellt weniger eine Operation im großen Werk als eine Reflexion über die bereits vollzogenen Operationen selbst dar. Die Prozesse der Alchemie bestehen im wesentlichen aus einer beständigen Zerteilung und Neuordnung im Prinzip bekannter Elemente. Die Separatio von lat. ,,Zerteilung" reflektiert die Welt als eine Zusammensetzung von Gegenteilen und der Möglichkeit scheinbare Antinomien zu überwinden. Psychologisch betrachtet sind diese Gegensätze im Verhältnis Bewußtsein - Unbewußtsein, und dem Dualismus von animus und anima zu suchen. Die ,,innere Frau" im Manne und vice versa wurden mit allen negativen Nebenwirkungen in der Phase der coagulatio ins Bewußtsein integriert, ihnen wurde erlaubt aus dem Schatten herauszutreten. Als für die Illustration der Separatio verwendetet Bilder begegnen häufig die Schöpfungsmythen. Die Auftrennung der ursprünglichen Leere oder Ganzheit in Gegensatzpaare wie hell - dunkel, Wasser - Erde, Oben - Unten und wesentlich das Gegensatzpaar Göttlichkeit - Menschlichkeit wird als Uraktus der Separatio als Vorbild für diesen alchemischen Prozeß genommen und im Kleine gemäß der Oben - Unten - Korrespondenz nachgeahmt. Entwicklungspsychologisch und psychotherapeutisch bedeutet separatio zunächst die Differenzierung von Subjekt und Objekt. Vom Kind und


,,vom unreifen Ich weiß man, daß es sich in einem Zustand der participation mystique mit der Innen - wie auch der Außenwelt befindet. Ein solches Ich muß einen langwierigen Prozeß der Differenzierung zwischen Subjekt und Objekt durchlaufen. Im Zuge dessen kommt es auch zur Auflösung der Identifizierung mit anderen Gegensatzpaaren."30

Die Separatio kann psychologisch als Tod erlebt werden. Die Alchemie kennt archetypische Bilder der Witwe oder des Waisen. Der freimaurerische Geheimgruß31 referiert auf diesen Aspekt: die Brüderschaft erlebt sich als Abgetrenntes, als Zurückgelassenes. Der Tod eines nahestehenden Menschen kann zu Individuationskrisen führen. Die Separatio wird als endgültige Trennung des Projektionsobjektes erlebt, die eine krisenbesetzte Leere zurückläßt. Die Separatio stellt für das Individuum nun die Möglichkeit da, über die Reflexion der Gegensätze des Einen und des Anderen, des Eigenen und Gegenüberstehenden, eine Individuierung durch bewußte Abtrennung zu vollziehen. Die Freimaurerei scheint in ihrem Gruß eine Individuierung hin in eine Gruppe zu fordern, die eine erneute Coagulatio und Gegensatzüberwindung bedeuten würde. Freilich sollten in diesem Beispiel die sexualpathologischen Aspekt der Männerbündelei, denn um Männer handelt(e) es sich bei den Freimaurern ausschließlich, nicht übersehen werden. Im Christentum begegnet für den Archetypus der Separatio das Bild des Jüngsten Gerichts. ,,Psychologisch kann diese Idee als Jenseitsprojektion einer vorausgeahnten Begegnung mit dem Selbst verstanden werden, das dann bestimmt, ob man den Zustand der Unteilbarkeit erreicht hat oder nicht."32
Die Gegensätze der Psyche, Bewußtsein und Unbewußtsein, animus und anima, werden in der Separatio gewissermaßen geläutert, um schließlich in der Coniunctio, dem Ziel des Opus versöhnt zu werden.

D.7 Coniunctio
Die Coniunctio bedeutete für den Alchemisten die endgültige Verschmelzung der Gegensätze, das Ziel des großen Werkes, die Herstellung des philosophischen Goldes. Der überlieferte Bilderschatz, der diese letzte und endgültige Operation auszudrücken trachtet, ist reichhaltig. Das Ziel des Opus wird beispielsweise in das Bild des Rebis, des androgynen Knaben oder des Homunculus gefaßt. Die Androgynität steht hier für die Vereinigung des Männlichen und des Weiblichen als den Urgegensätzen der Menschheit. Die Kabbalah drückt diesen Aspekt durch die Vorstellung eines ursprünglich ungeteilten Menschen, das wahre Ebenbild der ebenfalls androgyn gedachten Gottheit des Alten Testamentes, des Adam Kadmos, aus. Eine oft verwendete sprachliche Beschreibung des Zieles ist das des ,,Steines der Weisen", eine Verbindung der Gegensätze von Geistigkeit und grob-stofflicher Materialität. Der Ausdruck ,,Lapis Philosophicus" drückt diese Verbindung ebenfalls aus. Gerhard Dorneus, ein Alchemist des sechzehnten Jahrhunderts drückt setzt das Ziel des Wandlungsprozesses als eine Verwandlung in einen lebendigen Stein aus.33 Die Alchemisten bedienen sich des weiteren Bildern wie dem des ,,Lapis excilis"34 oder der ,,Tinktur", einer universalen Arznei35, die in der Lage sei, das Leben zu verlängern und jede nur erdenkliche physische oder psychische Erkrankung zu heilen. Die sprichwörtlichen biblischen Lebenserwartungen der Patriarchen des Alten Testamentes wurden als Beleg dafür verstanden, daß die Kenntnisse der Alchemie Adam durch den Baum der Erkenntnis, als Abbild des Sephirotbaumes, übergeben worden waren und in den ersten Generationen nach der Weltschöpfung noch bekannt und verwandt wurden. Ein weiteres Bild der Coniunctio ist das der Hochzeit. Die Hochzeit vereinigt dauerhaft das Gegensatzpaar Mann und Frau zu einer neuen Ganzheit. Die christlichen Kabballisten wie Johannes Reuchlin verstanden die Zeugung Christi als Chymische Hochzeit, in der Maria, als mater mundi oder Sophia (Weltweisheit), mit dem männlich interpretierten nous (Weltgeist) vermählt wird. Christus als Produkt der Hochzeit füllt die unvollkommene Dreieinigkeit zur vollkommene Quaternität auf.
Die Coniunctio besaß für den Alchemisten einen weiteren, einen moralischen Aspekt. Wie anfangs beschrieben verstand sich die Alchemie ursprünglich als Läuterung des unvollkommenen, in der Welt vorgefundenen Stoffes: Die Läuterung wurde erreicht durch eine Vergeistigung bzw. Durchsetzung des Stoffes mit dem göttlichen Geist , was zu einer dauerhaften Stabilisierung führte. Der Stoff sollte in Gold verwandelt werden, das in seiner Unvergänglichkeit einen Ausbruch aus dem Kreislauf des Werdens und Vergehens darstellt. Der Alchemist macht auf diese Weise den adamitischen Sündenfall mikroskopisch ungeschehen, indem eine dauerhafte Harmonie des Innerweltlichen erzeugt werden sollte. Der moralische Zusammenhang zwischen Mensch und Umwelt wird in der Religion der so genannten ,,Zeugen Jehovas", die ebenfalls eine kabballistische Bibelexegese als Grundlage ihrer Religion kennen, deutlich. Die Läuterung des Jüngsten Gerichtes soll zu einer Harmonie von Mensch und Tier führen, in der sogar eine Umstellung von der carnivolen auf eine veganische Nahrungsaufnahme erfolgen soll. Das Selbst begegnet uns in Form von archetypischen Bildern in allen Kulturen und Überlieferungen und nicht zuletzt in unseren Träumen. Die Bilder des Archetypus variieren kultur - und lebensumweltlich bedingt, zeigen jedoch bemerkenswerteste Übereinstimmungen, welche Jung idealtypisch als ,,Mandala" bezeichnet. Im Allgemeinen präsentieren diese sich in stabilen Formen, hauptsächlich in Kreisen, Quadraten oder Rechtecken. Der Kreis als anfangs - und endlose Form repräsentiert Geschlossenheit. Das Quadrat scheint signifikant durch die Vierzahl der Ecken und Längen. In den Darstellungen erlebter Träume zu der Jung seine PatientInnen die Therapie begleitend anhielt, findet man im durchlaufen der Phasen hin zur Individuation eine Tendenz zu hellen, kräftigen Phasen, die vom Bildrand zum Bildmittelpunkt an Helligkeit und Brillianz zuzunehmen scheinen. Eine weitere archetypische Darstellung sind Formen, die die Vereinigung der Gegensätze symbolisieren, hier begegnet die Kombination hell-dunkel. Repräsentativ hierfür ist das Symbol Ying-Yang des Taoismus.
Jung interpretiert das alchemistische Opus als Abbild des psychotherapeutischen Prozesses, der ebenfalls ,,ein Wechsel um der Besserung willen" ist.


,,Man wird fast unaufhörlich zwischen den Gegensätzen hin und her geworfen. Aber ganz allmählich bildet sich ein neuer Standpunkt heraus, auf dem man die Gegensätze gleichzeitig erfahren kann. Dieser neue Standpunkt ist die Coniunctio, und sie ist gleichermaßen befreiend wie belastend."36

Die Belastung der Erfahrung der Selbstwerdung, liegt i.a. in der erschreckenden Einsicht der Lenkung der eigenen Person durch das individuelle als auch das kollektive Unbewußte begründet. Das Selbst als Gesamtumfang aller psychischen Phänomene im Menschen und der Akzeptanz der bis dahin verdrängten oder unbewußten ureigenen Prozesse führt zu einem ,,kleinen Tod" des Individuum. Der Kreuzestod Christ, der notwendig für dessen Erhöhung in die Sphäre des Göttlichen ist, symbolisiert dieses für unserer kollektives Gedächtnis als archetypisches Bild in seiner Drastigkeit besonders deutlich. Der Wesensausdruck des Selbst ist die Fähigkeit zu einer transpersonalen Liebe. Diese ist mehr als die ,,amor dei intellectualis" der mittelalterlichen Philosophie, es ist mehr als eine moralbelastete vernunftbestimmte Liebe zu einer äußeren ,,höheren" Entität, sondern viel mehr die Harmonie der Außen im Innen oder vice versa. Das Verhältnis zwischen Unbewußtem und Bewußtem erfährt eine Wandlung hin zu einer gegenseitigen Unterstützung, indem sich dieses gegebenenfalls durch das Unbewußte leiten läßt, ohne sich diesem in einem sinnlosen Kraft- oder Verdrängungsakt zu widersetzen. Umgekehrt, vermag das Unbewußte durch die Tätigkeit des Ich in die Wirklichkeit zu treten, sichtbar zu werden und bewußt zu werden. Die jungianische Interpretation des alchemistischen Opus tritt hier in die Fußstapfen der aufklärerischen Forderung nach der Mittätigkeit an der Versittlichung der Welt. Das Opus schafft Bewußtsein aus dem Unbewußten durch das Unbewußte in die Welt hinein.

E Die Grenzen der Interpretation


Jungs Schule der analytischen Psychologie ist aus den unterschiedlichsten Diskursen innerhalb der Wissenschaften angegriffen worden. Eine besondere Kritik erfuhr sie selbstredend durch die freudianische Schule innerhalb der Psychologie. Mit dem so genannten ,,linguistic turn" in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts breiteten sich neue Disziplinen innerhalb der Wissenschaftskritik und Epistemologie aus. Eine bestimmende Richtung bildet die Semiotik oder Semiologie, begründet durch den amerikanischen Philosophen C.S. Peirce. Eine neuerer Vertreter dieser Richtung ist der Mailänder Semiotiker Umberto Eco. Auch Eco hat sich, im Rahmen seiner Semiotik und besonders seiner Kritik an den überkommenden Formen der Interpretation von Texten, auch der Alchemie und mittelbar der Jungschen Interpretation derer gewidmet. Im zweiten Teil seiner semiotischen Reflexionen in Romanform, ,,Das Foucaultsche Pendel" unterzieht er die hermetische Philosophie, insbesondere die Alchemie einer semiotischen Untersuchung. Er beschreibt die Hermetik als einen Diskurs des hinausgeschobenen Geheimnisses. Er rechnet die hermetische Sprache der Alchemisten unter das allgemeine Phänomen der Fachsprache unterschiedlicher Berufs- und Handwerkssparten, die aus einem zutiefst mystischem Wunsch der nachfolgenden Generationen zu Geheimsprachen umgedeutet wurden, die ein Geheimnis versprach, dem man sich hermeneutisch nähern konnte. Über die Verwechslung des naturwissenschaftlichen und des alchemistischen Terminus ,,Gold", wurde die Alchemie zu einer Zauberei herabgewürdigt, die hauptsächlich Reichtum und damit Macht versprach. Aus naheliegenden Gründen wurde die Initiation in den alchemistischen Diskurs, der sich faktisch hauptsächlich hinter zugezogenen Vorhängen vollzog, zu einer Geheimbündelei, die Macht und letztlich politischen Umsturz zu beinhalten schien. Alchemistische Texte versprachen nun eine Geheimnis, welches von Gruppen zu bestimmten innerweltlichen Zwecken ausgeübt wurde, an denen teilnehmen zu wollen psychologisch verständlich ist, erfuhr doch die relative Sicherheit des christlichen Weltbildes gerade in der Renaissance eine tiefe Krise. So zeichnete sich innerhalb des Diskurses schon früh eine Spaltung deutlich ab.


,,Einerseits verwendet ein Großteil der alchemistischen Texte viel Mühe darauf, die Scharlatane anzugreifen, die sich mit der Kunst befassen, um Reichtümer anzuhäufen (...)
andererseits haben sich, der Legende zufolge, dieselben Alchemisten, die die Scharlatane attackierten, nicht selten den Fürsten und Herrschern angeboten und ihnen versprochen Gold zu machen."37

Umberto Eco zieht Jungs Interpretation der Alchemie als bewußt symbolischen Operationsablauf zum Zwecke der Selbsterhöhung - bzw. Schaffung deutlich in Zweifel. Nur eine operationalistisch oder doch zumindest zum Teil operationalistisch orientierte Naturphilosophie wäre eine derartige Zusammenarbeit mit dem politisch und moralisch ohnehin zweifelhaften Adel zu dieser Zeit eingegangen, hätte sie doch zumindest nicht eine wenn auch nur kleine Chance gesehen, daß eine physische Transmutation der Metalle möglich gewesen wäre.
Umberto Eco geht davon aus, daß der alchemistische Diskurs im Wesentlichen auf zwei Prinzipien basiert: Zum Einen dem der universalen Ähnlichkeit oder Sympathie, das auf die visuelle und verbale Sprache übertragen wird, wodurch sich eine Polysemie jedes Ausdrucks ergibt, der stets von einer einfachen Bedeutung auf andere ad infinitum verweist. Zum Anderen wird die Suche nach einem versprochen Geheimnis beständig weiter geschoben, bis das Geheimnis selbst so verdunkelt wird, das jede gewonnene Erkenntnis als Teileinlösung des Geheimnisses interpretiert werden kann. ,,Die Macht dessen, der behauptet ein wirkliches Geheimnis zu besitzen, besteht darin, daß es sich um ein leeres Geheimnis handelt."38
Die semiotische Sichtweise kann in der Psychologie- bzw. Analyse sicherlich nicht außer Acht gelassen werden, zum Teil scheint sie sich sogar fruchtbar anwenden zu lassen, man besehe sich die Psychologie Lacans. Auf der anderen Seite sieht auch Jung im Prozeß der Individuation zum Selbst keine genaue sprachliche Beschreibung vor. Im Gegenteil wird ein Denken in Bildern und Symbolen betont und ein polysemer Diskurs implizit verlangt. Ebensowenig stellt das Selbst oder philosophische Gold in Jungs Konzeption einen Fixpunkt dar, der folglich nicht eindeutig semiotisch erfaßt werden kann, ganz gleich mit welchen Ausdrucksmitteln. Der Grund hierfür liegt offenbar im nicht erfaßbaren Anteil den das Unbewußte darstellt:


,,Das Selbst drückt die Einheit und Ganzheit der Gesamtpersönlichkeit aus. Insofern aber letztere infolge ihres unbewußten Anteils nur zum Teil bewußt sein kann, ist der Begriff des Selbst nur zum Teil potentiell empirisch39 und daher im selben Maße ein Postulat. Mit anderen Worten, er umfaßt Erfahrbares und Unerfahrbares bzw. noch nicht Erfahrenes. Diese Eigenschaft hat er mit sehr vielen naturwissenschaftlichen Begriffen, welche mehr Nomina als Ideen sind, gemein."40

Das Selbst scheint als nur auf der einer komplexen bildlich-imaginativen Ebene ausdrückbar. Eco zitiert in seinem Roman ,,Der Name der Rose" einen Satz des Österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein, der innerhalb der Philosophie nicht nur als einer Begründer des angesprochenen ,,linguistic turn" gehandelt wird, sondern auch als dessen schärfster Kritiker, als daß er die Grenzen des Sagbaren gerade in Bezug auf das Selbst, das er ,,Ich" nennt, auslotet und in seiner Jugendschrift ,,Tractatus Logico-Philosophicus" zu einer neuen Wortmystik zurückfindet, die in der Erkenntnis der Begrenztheit der Sprache besteht. Ins Mittelhochdeutsche rückübersetzt läßt Eco durch seine Romanfigur William von Baskerville Wittgenstein zu Wort kommen41 und verweist hierin auf die Stufigkeit des Initiationsprozesses, ausgedrückt durch das archetypische Bild der Leiter, hinein die Unausdrückbarkeit des Selbst durch Sprache. Wittgenstein beschreibt in seiner Schrift, aufgebaut in signifikant sieben Hauptsätzen nebst Unterpunkten, den Individuationsprozeß vom empirischen Vorfinden der Welt in Sachverhalten bis hin zur Erkenntnis der Unausdrückbarkeit des Selbst42, die Operation der Coniunctio mündet in der endgültigen Abtrennung der Welt von der Sprache und der Sprache vom Ich es vermag keine Aussage über sich zu treffen sondern bleibt als Grenze von Welt und Ich in Schweigen gehüllt, mit dem auch wir schließen wollen.

F Schlußbemerkung

Die vorliegende Arbeit entstand in Kooperation der Verfasser, angeregt durch den gemeinsamen Besuch des Hauptseminares zum Thema Psychologie und Erziehung.
Die Verfasser geben der Hoffnung Ausdruck, die gestellte Aufgabenstellung angemessen erfüllt zu haben. Während der Arbeit ergaben sich für die Verfasser Probleme, die hauptsächlich in der großen Masse der zu bewältigenden Texte bestand. Eine starke Beschränkung auf nur wenige, vor allem den komplexen Bereich der Darstellung die Alchemie betreffend, schien ratsam.
Jung selbst hat in seinem Buch über Friedrich Nietzsches Philosophie selbst auf seine Nähe zur philosophischen Disziplin hingewiesen, der Vergleich zu Wittgenstein und der Semiotik Umberto Eco schien den Verfassern auch aus diesem Grunde gerechtfertigt.

G Benutzte Literatur

· Agrippa von Nettesheim: De Occulta. Erste Auflage. Folgt dem Text der ersten vollständigen deutschen Übersetzung von Friedrich Barth, Heinrich Cornelius Agrippa´s von Nettesheim Magische Werke. 5.Bde. Stuttgart 1855. Angepaßte Schreibweise. - Nördlingen: Greno Verlag 1987.
· Eco, Umberto: Die Grenzen der Interpretation. Deutsche Übersetzung von Günter Memmert. - München und Wien: Carl Hanser Verlag 1992
· Eco, Umberto: Der Name der Rose. Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. 4.Auflage. - München : Carl Hanser Verlag 1982
· Edinger, Edward F.: Der Weg der Seele. Der psychotherapeutische Prozeß im Spiegel der Alchemie.- München : Kösel Verlag 1990
· Jung, Carl Gustav: Das Symbolische Leben. In: C.G.Jung: Gesammelte Werke, Achtzehnter Band, Zweiter Halbband.- Freiburg im Breisgau: Walter Verlag 1981
· Jung, Carl Gustav: Die Archetypen und das Kollektive Unbewußte. In: C.G.Jung: Gesammelte Werke, Neunter Band, Erster Halbband.- Freiburg im Breisgau: Walter Verlag 1976
· Jung, Carl Gustav: Mysterium Coniunctionis. Ursprünglich herausgegeben als Psychologische Abhandlungen XI von C.G. Jung. In: C.G.Jung: Gesammelte Werke, Vierzehnter Band, Zweiter Halbband.- Zürich und Stuttgart: Rascher Verlag 1968
· Jung, Carl Gustav: Psychologie und Religion. 3. Auflage.- München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1994
· Jung, Carl Gustav: Traumsymbole des Individuationsprozesses. Erschienen u.d.T. Psychologie und Alchemie 1. in: Grundwerk C.G. Jung. Hrsg. von Barz, Helmut et. al. 5. Auflage. - Olten und Freiburg im Breisgau: Walter Verlag 1991
· Jung, Carl Gustav: Typologie. C.G. Jung , Taschenbuchausgabe in elf Bänden. Band 3. Herausgegeben von Lorenz Jung auf der Grundlage der Ausgabe ,,Gesammelte Werke". 4. Auflage. - München : Deutscher Taschenbuch Verlag 1994
· Latz, Gottlieb: Alchemie - das ist die Lehre von den großen Geheim-Mitteln der Alchemisten und den Spekulationen welche man an sie knüpfte. Nachdruck der Originalausgabe Bonn, 1869. Lizensausgabe für Fourier Verlags GmbH - Wiesbaden
· Samuels, Andrew; Shorter, Bani und Plaut, Fred: Wörterbuch Jungscher Psychologie.- München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1991
· Schwedt, Georg: Chemie zwischen Magie und Wissenschaft: Ex Bibliotheca Chymica 1500-1800; [Ausstellung im Zeughaus der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel vom 16.2.-28.4.1991].- Weinheim: VCH, Acta Humanoria, 1991. (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek ; 63)
· Unus Mundus. Kosmos und Sympathie. Beiträge zum Gedanken der Einheit von Mensch und Kosmos. Hrsg. von Arzt, Thomas et.al.. - Frankfurt a.M.: Verlag Peter Lang 1992.
· Wehr, Gerhard: Esoterisches Christentum. Aspekte - Impulse - Konsequenzen. Edition Alpha. - Stuttgart : Ernst Klett Verlag 1975
· Wittgenstein, Ludwig: Tractatus Logico-Philosophicus. In: Werkausgabe in acht Bänden. Band 1. 7.Auflage. - Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag 1990


1 Chemie zwischen Magie und Wissenschaft: Ex Bibliotheca Chymica 1500-1800; [Ausstellung im Zeughaus der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel vom 16. 2. - 28.4. 1991]/ Georg Schwedt (Hrsg.) .- Weinheim: VCH, Acta Humaniora, 1991 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek; 63) , S. 9

2 Edlinger, Edward F. : Der Weg der Seele. - München: Kösel Verlag 1990. S. 14

3 Da die Interpretation gerade dieser alchemistischen Schrift für die spätere Darstellung der alchemistisch - archetypischen Bilder von Belang sein wird, zitieren wir im Folgenden die Übersetzung, die Helmut Gebelein in seiner Schrift "Alchemie" (bibliograph. Angaben s.u.) zitiert: ,,Auf der einen Seite befand sich ein Bild, auf der anderen Seite folgender Text, von dem es einige Varianten gibt:

(I.) In Wahrheit, gewiß und ohne Zweifel: Das Untere ist gleich dem Oberen und das Obere gleich dem Unteren , zu wirken die Wunder eines Dinges. (II.) So wie alle dinge aus einem und durch die Betrachtung eines einzigen hervorgegangen sind, so werden auch alle Dinge aus diesem Einen durch Abwandlung geboren. (III.) Sein Vater ist die Sonne und seine Mutter ist der Mond. Der Wind trug es in seinem Bauche, und die Amme ist die Erde. (IV.) Es ist der Vater aller Wunderwerke der ganzen Erde. (V.) Seine Kraft ist vollkommen wenn es in Erde verwandelt wird. (VI.) Scheide die Erde vom Feuer und das Feine vom Groben, sanft und mit großer Vorsicht. (VII.) Es steigt von der Erde zum Himmel empor und kehrt von dort zur Erde zurück, auf daß es die Kraft der Oberen und der Unteren empfange. So wirst Du das Licht der ganzen Welt besitzen , und alle Finsternis wird von dir weichen . (VIII.) Das ist die Kraft aller Kräfte, denn sie siegt über alles feine und durchdringt das Feste. (IX.) Also wurde die kleine Welt nach dem Vorbild der großen Welt erschaffen. (X.) Daher und auf diese weise werden wunderbare Anwendungen bewirkt. (XI.) Und darum werde ich Hermes Trismegistos genannt, denn ich besitze die drei Teile der Weisheit der ganzen Welt. (XII.) Vollendet ist, was ich vom Werk der Sonne gesagt habe."

4 Korrespondierend zu den vier Elementen stehen in der klassischen Magie die vier ,,elementaren" Wahrsagekünste der Geomantie, Hydromantie, Aeromantie und Pyromantie. In der mit ihr verwandten klassischen Medizin entsprechen den vier Elementen in der Natur die vier Temperamente der menschlichen Seele, die beschrieben sind als sanguinisch, melancholisch, cholerisch und phlegmatisch.

5 "Obschon die Elemente als Gefängnis der göttlichen Psyche erwähnt werden, so ist damit doch nur die Natur, die physis im allgemeinen angedeutet, nämlich nicht nur Erde und Erz, sondern auch Wasser, Luft und Feuer und dazu kommt noch das ,,Fleisch" , ein Ausdruck, der im dritten Jahrhundert schon ganz allgemein die ,,Welt" (...) im Gegensatz zum Geist bedeutet und nicht etwa bloß den menschlichen Körper" aus: Jung, C.G.: Mysterium Coniunctionis.- Zürich: Rascher Verlag 1968, S.6

6 Gebelein, Helmut: Alchemie. - München : Eugen Diederichs Verlag 1991. S. 68

7 ibid. S. 71

8 Eco, Umberto: ,,Die Grenzen der Interpretation". - München: Carl Hanser Verlag 1992. S. 103

9 Tatsächlich variiert die Zahl der Stufen oder Arbeitsvorgänge von Autor zu Autor erheblich. Manche nehmen assoziierend zur Heiligen Zwölfzahl und der Zahl der Tierkreiszeichen ebenso viele an, andere fügen der Siebenzahl noch eine letzte ,,goldene" Stufe hinzu.

10 ,,Sie (die Zahl Sieben) umfaßt nämlich Leib und Seele, denn der Leib besteht aus vier Elementen und wird von vier Eigenschaften bestimmt; die Dreiheit aber bezieht sich auf die Seele wegen ihres dreifachen Vermögens, des Verstandes, des Verabscheuungs - und Begehrungsvermögens. Die Zahl Sieben also, weil sie aus Drei und Vier besteht, verbindet die Seele mit dem Körper." Aus: Agrippa von Nettesheim: De Occulta. Nördlingen: Greno 1987. S. 215.

11 Edlinger, S. 261

12 "Stein der Weisen", eine Substanz die Unedles in Edles, Heilunwirksames in Heilkräftiges verwandeln kann und eine ewige Lichtquelle darstellt. Vorgestellt wird es oft als rotes Pulver gemäß seiner Zugehörigkeit zum Roten Werk.

13 Samuels, A (et.al.): Wörterbuch Jungscher Psychologie. - München : Deutscher Taschenbuch

Verlag 1991. S. 21f.

14 Jung, C.G.: Erlösungsvorstellungen in der Alchemie.- Düsseldorf: Walter Verlag 1994, S.98

15 Ebenda, S.39

16 Jung, C.G. : Psychologie und Religion. - München : Deutscher Taschenbuch Verlag 1994. S. 78

17 "Um etwas Wertvolles zu erlangen, muß man aber das Projizierte reintegrieren und erinnern. Zum besseren Verständnis schlug Jung vor, den Vorgang in fünf Phasen zu unterteilen:

1. Der Mensch ist überzeugt, daß seine Wahrnehmung im oder am anderen zutreffend ist.
2. Langsam dämmert das Erkennen einer Unterscheidung zwischen dem Anderen, wie er / sie ,,wirklich" ist, und dem projizierten Bild herauf. Das Entstehen diese Wissens kann durch Träume oder andere Ereignisse erleichtert werden. 3. Die Diskrepanz wird bewertet oder beurteilt. 4. Es wird gefolgert, daß das Erlebte irrig oder illusorisch war. (Jung meinte, bis hier reiche die Psychoanalyse). 5. Bewußte Suche nach den Quellen und dem Ursprung der Projektion." Aus: Samuels, A . (et.al.), S. 166

18 An dieser Stelle muß angemerkt werden, daß sich ein großer Teil des alchemistischen Diskurses in Illustrationen der alchemistischen Traktate und Schriften und sonstigen unabhängigen Ikonen vollzogen zu haben scheint. Jung betont ebenfalls den Vorrang der Interpretation von Bildern vor der Interpretation sprachlicher Äußerungen. Der Grund hierfür ist vermutlich in der Vielschichtigkeit und ,,Tiefe" der ikonischen Ausdrucksmöglichkeit einerseits zu suchen, andererseits ist das alchemistische Denken ein esoterisches Wissen, daß im Geheimen und in der Geheimhaltung einen Ausdruck seiner Grundhaltung zur eigenen Person und anderen Individuen gesehen hat. Die Illustration des alchemistischen Geheimnisses und seiner Interpretation konnte derart bizarre Züge annehmen, daß der Alchemist Fulcanelli in der Architektur der gotischen Kathedralen eine komplexe Verweisstruktur auf die Alchemie annahm.

19 Jung, Mysterium Coniunctionis. S. 138

20 Der Mond wird in der traditionellen Magie und Alchemie stets der weiblichen Sphäre zugeordnet. Man sah in der etwas vagen Dreiteilung seiner Phasen in zunehmend, voll und abnehmend, das Abbild der Jungfräulichkeit, Mutterschaft und weisen Greisenschaft der Frau verkörpert und oftmals findet man dies aktiv symbolisiert. Der Neumond stellt die wahrhaft sinistere Seite dar, die Abwesenheit des Weiblichen, folglich den Tod, jedoch gedacht mit der Hoffnung auf Erneuerung oder Auferstehung.

21 Wertenschlag-Birkhäuser, Eva: ,,Die Beziehungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos in tiefenpsychologischer Sicht." In: Unus Mundus. Kosmos und Sympathie. Hrsg. Von Arzt, Thomas et. al. - Frankfurt: Verlag Peter Lang 1992.S.281

22 Eine Vorstellung, die seit der Schleiermacherschen Bibelhermeneutik auch innerhalb des Katholizismus verbreitet ist. Im Symbol der Pflanze der Unsterblichkeit ? faßten die Alchemisten den biblischen Baum der Erkenntnis als Präfiguration des Kreuzes Christi symbolisch zusammen.

23 Dürckheim, Maria Hippius-Gräfin: ,,Grenzüberschreitende Ganzheitserfahrung im Kontext der existentiellen Natur- und Geisteswissenschaft." Ibid. S. 254

24 hebr. ,,Messias", griech. ,,Christas"

25 Jung, C.G.: Typologie.- München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1995. S.11

26 ibid. S.109

27 Edlinger, S.68

28 ibid, S. 208

29 ibid, S.214

30 ibid. S.233

31 ,,Wir sind unterwegs um das Verlorene wiederzufinden(...)um des Sohnes der Witwe wegen"

32 Edinger, S. 254

33 ,,Transmutemini in vivos lapides philosophicos".(,,Wandelt euch in lebendige philosophische Steine um.") zitiert nach: Wehr, Gerhard: Esoterisches Christentum. Stuttgart: Ernst Klett Verlag 1975. S.197

34 ,,Lapis" , vermutlich eine Verballhornung oder ein Übertragungsfehler des lateinischen Wortes ,,Lapis" - der Stein. Interressanterweise wird in der hermetischen Tradition der Rosenkreuzer der so genannte Gral, die Schale die das Blut des sterbenden Christus aufnahm, mit dem Begriff ,,lapis excillis" umschrieben ,,excilis" von lat. ex coelis, ,,aus den Himmeln, vom Himmel"

35 Diese Vorstellung lebt in der heutigen Spagyrik oder ,,Pflanzenalchemie" noch , wenn auch leicht modifiziert, fort.. Hier besteht die Vorstellung einer Tinktur von wächserner Konsistenz, die in der Lage ist, durch Zugabe zu einer pflanzlichen Tinktur, die heilkräftigen Essenzen aus dieser Lösung zu extrahieren.

36 Edinger, S.267

37 Eco, S.101

38 Eco, S.118

39 ...und damit ohne metaphysische Spekulation, der gegenüber sich die Semiotik verweigert, nicht eindeutig zu bezeichnen.(Anm. der Verfasser)

40 Jung, C.G., Typologie, S. 181

41 ,,Er muoz gelichesame die leiter abewerfen, so er an ir ufgestigen". zitiert nach: Eco, U.: Der Name der Rose. - München: Carl Hanser Verlag 1982. S.645

42 paraphrasiert nach: Wittgenstein, L.: Tractatus Logico-Philosophicus. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1990. S. 83ff.


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