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Diploma Thesis, 1997, 177 Pages
Author: Daniela Rottländer, geb. Schmeing
Subject: Sport - Sport Sociology
Details
Tags: Moderne, Postmoderne
Year: 1997
Pages: 177
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-16745-1
File size: 759 KB
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Excerpt (computer-generated)
Postmoderne Verunsicherungen
Diplomarbeit
von
Daniela Schmeing
Deutsche Sporthochschule Köln
Köln 1997
INHALT
Einleitung 1
1. Die Moderne: Epoche oder Modus? 5
1.1..Die Moderne als Epoche - Annäherung an ihre historischen Koordinaten 8
1.2. Die Moderne als Modus - Annäherung an ihre Ideengeschichte 12
1.3. Die Moderne am Ende? 22
2. Zur Postmoderne: Versuch einer Begriffs-Konturierung 31
2.1. Moderne und Postmoderne - ein Beziehungsgeflecht 32
2.2. Dimensionen des Postmoderne-Verständnisses 34
2.3. Zum Modus der Postmoderne 42
2.4. Terminologischer Abgleich: Reflexive Modernisierung, Zweite Modernisierungsphase, Spätmoderne 52
3. Postmoderne Signaturen der Gesellschaft 64
3.1. Pluralisierung 65
3.2. Enttraditionalisierung 69
3.3. Ästhetisierung 79
3.4. Individualisierung 91
3.5. Exkurs: Inline-Skating 97
4. Postmoderne Verunsicherungen - Neue Zumutungen? 107
4.1. Unwiderrufliche Ambivalenzen: Unordnung und Unbehagen 107
4.2. Zum Ambivalenzcharakter gegenwärtiger gesellschaftlicher Veränderungsprozesse 112
4.3. Individualisierung in der Postmoderne: neue Zumutungen? 115
4.3.1. Perspektiven: Transversalität und Patchworkidentität 121
4.3.2. Bedenken: neue Ungleichheit und Desintegration 138
4.4. Zumutungen: zwischen Anforderung und Überforderung 146
4.5. Fazit und Ausblick 152
Literaturverzeichnis 159
Einleitung
15 Jahre nach der ersten deutschsprachigen Veröffentlichung von LYOTARDS >> La condition postmoderne<< (Das postmoderne Wissen) und 10 Jahre nach dem Plädoyer für eine ‘postmoderne Moderne’ von WELSCH ist das Thema ‘Postmoderne’ noch immer präsent und wie es scheint auch aktuell, was jedoch keineswegs besagt, dass1 sie sich heute klarer, eindeutiger oder gar konsensträchtiger darstellt. Kritische Stimmen und Missverständnisse sind immer noch an der Tagesordnung, wenn sie auch nicht vermochten, die Fundamente der Postmoderne nachhaltig ins Wanken zu bringen. Dies mag daran liegen, dass die Postmoderne in das Zentrum ihrer Betrachtungen eine Krisendiagnostik stellt, die - kann man sich auch nicht mit dem Terminus ‘Postmoderne’ anfreunden - gegenwärtig doch allgemein konsensfähig zu sein scheint. Was bedeutet das aber für die Situation des Einzelnen? Sind die Veränderungen tatsächlich so einschneidend, wie es die Postmoderne glauben machen will? Und wenn ja - ist dann eine Postmoderne überhaupt lebbar, praktikabel?
Oder gehören ‘postmoderne Bilder’ nicht schon hin und wieder zu unserem Alltag, z.B. wenn
- die Kölner Domplatte die Annahme, Inline-Skating sei den 6-16-jährigen vorbehalten, als veraltet entlarvt und dem grauhaarigen 60-jährigen in gleicher Weise eine Bühne und natürlich einen perfekten Untergrund für die Bewegung auf acht Rollen bietet, wie den jungen Eltern, die es ihren Kindern gleichtun?
- der Inline-Skater, der uns gestern noch auf der Domplatte auffiel, weil seine Kleidung weit und zerschlissen, seine Kunststücke halsbrecherisch und sein Oberkörper tätowiert und mit Ringen ‘gepierct’ war, uns heute am Bankschalter im grauen Anzug bedient?
- Millionen von Jugendlichen die Berliner ‘Love Parade’ - einem Woodstock der 90er gleich - dazu nutzen, das ultimative Spaßerleben für eine begrenzte Zeitdauer zum alleinigen Selbstzweck zu erheben?
Der Berliner Musikwissenschaftler WICKE betont in einem Interview, dass dieses Phänomen nicht zu fassen, dass es uneinheitlich ist und dass das einzige, was sich wirklich festmachen lässt, „der bewußte Versuch, sich allen gängigen Einordnungen zu entziehen - in einem radikalen Narzismus“ (Kölner Stadtanzeiger vom 14.07.1997) ist. Wohlgemerkt versammeln sich dort in der Regel „nicht Leute, die aus den normalen bürgerlichen Zusammenhängen ausgestiegen sind. Die Farbe ist gestern Abend wieder aus den Haaren herausgewaschen worden und heute steht man wieder hinter dem Bankschalter“ (ebd.). · die Kinderwelt ‘befallen’ ist vom ‘Tamagotchi-Fieber’? Dieses „erste virtuelle Haustier der Welt“ (ebd. vom 15.07.1997) - ein kleines Plastikei mit Mini-Bildschirm - will per Tastendruck gefüttert, unterhalten, umhegt und umpflegt werden und bekundet sein Wohlgefallen oder seinen Unmut mittels diverser Piep-Töne. Ein Blick ins Internet liefert Kontaktadressen zu ‘Tamagotchi-Ärzten’, gibt Auskunft über die verschiedenen Charaktere und Entwicklungsstadien und liefert ‘Weltranglisten’ über die bisher erreichte Höchstlebensdauer (30 Tage). Mittlerweile sind laut Focus (7/97) längst nicht mehr nur Kinder, sondern zunehmend auch junge Berufstätige in den Fürsorge- und Mitleidsbann gezogen worden und Pädagogen und Psychologen beziehen öffentlich Stellung zu diesem Phänomen. Zeichnen sich hier Brüche und Übergänge ab, die vor zwanzig oder mehr (oder weniger?) Jahren so noch nicht denkbar gewesen wären?
Es wird in dieser Arbeit nicht darum gehen, auf diese Fragen Antworten zu finden, sie dienten lediglich als Denkanstoß. Vielmehr sollen Nachfragen an die philosophische Konzeption der Postmoderne in Bezug auf die Lebbarkeit und Praktikabilität der im Wesentlichen recht abstrakt formulierten Thesen gestellt werden. Vor diesem Hintergrund ist die Vorgehensweise der Arbeit eine hermeneutische und die Ausrichtung eine normative. D. h. nicht etwa, dass normative Forderungen konkret formuliert werden sollen, aber es findet eine Reflektion über normative Grundfragen statt.
Es sind im eigentlichen Sinn keine ‘Neuentdeckungen’, die hier dem Leser nahegebracht werden. Dies liegt im Gegenstand der Betrachtungen begründet: die Postmoderne ist kein Etikett für ruhmreiche Neuerfindungen, sie thematisiert vielmehr Bekanntes, Allzubekanntes. Jedoch, und das ist das Neuwertige, ihre Perspektive ist eine noch nicht dagewesene und daraus erwächst - so könnte man sagen - immerhin Neuwertiges. Diese spezifisch postmoderne Perspektive gilt es gewissenhaft und hinreichend nachzuvollziehen, bevor die zentralen Aussagen zu Gesellschaft und Individuum in den Blickwinkel gelangen sollen, denn nur innerhalb dieses gesteckten Bedingungsrahmens können die getroffenen Aussagen Gültigkeit beanspruchen. Entsprechend ergibt sich für die vorliegende Arbeit gewissermaßen eine Zweiteilung, wovon der erste Teil vorrangig philosophisch argumentiert und der zweite verstärkt soziologisch. Dies ergibt sich aus der Themenstellung der Abschnitte: Kapitel 1 und 2 sind auf das Anliegen ausgerichtet, den der Arbeit zugrundegelegten postmodernen Standpunkt klar zu umreißen; er wird am deutlichsten von den Philosophen WELSCH und LYOTARD expliziert, womit eine philosophische Argumentationslinie vorgezeichnet ist. Während im 1. Kapitel der Versuch unternommen wird, einen spezifisch modernen Modus begrifflich ‘dingfest’ zu machen, knüpft das 2. Kapitel an diesen Modusgedanken an, um den als postmodern klassifizierten Modus gegen den modernen abzugrenzen. Ziel ist es, mit diesen Überlegungen eine „Bedingungstranzparenz“ (WELSCH 1991c, 591) herzustellen, die die Gültigkeitsgrenzen für die nachfolgenden Aussagen festlegt, den quasi zweiten Teil der Arbeit, in welchem der Rückgriff auf soziologische Beschreibungsweisen überwiegen wird. Es handelt sich dabei zunächst um das Vorhaben, aktuelle gesellschaftliche Veränderungsprozesse hinsichtlich ihrer eventuellen Konvergenz bzw. Divergenz mit der philosophischen Zeitdiagnose ‘Postmoderne’ abzugleichen. Dies wird im 3. Kapitel beispielhaft anhand der Prozesse der Pluralisierung, Enttraditionalisierung, Ästhetisierung und Individualisierung geschehen. Das 4. Kapitel mündet dann abschließend in die im Titel dieser Arbeit angekündigte Nachfrage an die philosophische Theorie der Postmoderne. Unter dem ‘Aufhänger’ des elementaren Ambivalenzcharakters der Postmoderne werden bedenkliche ebenso wie zuversichtliche Gedanken zu postmodernen Verunsicherungen und Zumutungen, welche sich für den Einzelnen ergeben können, diskutiert.
1. Die Moderne: Epoche oder Modus? Moderne oder Postmoderne?
Dies ist zweifellos jenes Begriffspaar, welches im Zentrum der Diskussion umeinander kreist. Auch wenn die folgenden Darstellungen noch weitere Alternativen vorstellen werden, gelangen die Überlegungen doch letztlich immer wieder in den Sog dieser Termini. Wie ist es aber nun um diese Begriffe bestellt? Was bezeichnen sie und wofür treten sie ein? Wie stehen sie zueinander? Diese Fragen gilt es zu klären, um das Eintreten für ein postmodernes Gesellschaftsverständnis argumentativ nachvollziehbar zu gestalten. Es soll vermieden werden, was WELSCH einsichtig und klar am Beispiel HABERMAS kontra MARQUARD demonstriert, dass nämlich aufgrund einer unzureichenden Begriffsschärfe (hier: Moderne-Begriff) scheinbare Einigkeit zweier Kontrahenten produziert werden kann, die dann nur Verwirrungen nach sich zieht (WELSCH 1988a, 3-4).
[...]
1 Es steht zu erwarten, dass der Leser über dieses Wort („dass“) stolpert. Deshalb eine kurze Anmerkung: Es mag voreilig sein, die neue Rechtschreibreform bereits anzuwenden, ist doch noch nichts über den Ausgang des aktuellen Streits über dieses Thema zu sagen. Dennoch ist es , denke ich , nicht unpassend, dem Thema der Arbeit, das sich ja um gesellschaftliche Veränderungen und ‘neue’ Anforderungen an den Einzelnen rankt, auch praktische Achtung zu erweisen - stellt doch die Rechtschreibereform durchaus eine gesellschaftliche Veränderung dar und beinhaltet gleichermaßen neue Anforderungen.
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