Die Außenpolitik Chiles - die chilenische Entwicklungsstrategie als Bedingungsfaktor

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Details

Titel: Die Außenpolitik Chiles - die chilenische Entwicklungsstrategie als Bedingungsfaktor
Autor: Daniel Brandtner
Fach: Politik - Int. Politik - Region: Mittel- und Südamerika
Institution/Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Politik)
Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 112
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1890 KB
Archivnummer: V10320
ISBN (E-Book): 978-3-638-16778-9
Anmerkungen :
Die Außenpolitik Chiles erlebte in denn zurückliegenden Jahrzehnten eine Kombination von Konstanz und Wandel. Diese Kontinuitätsbrüche eines Landes mit langer demokratischer Tradition vor 1973 wurden besonders mit dem sozialistischen Experiment Allendes 1970-73, dem Militärputsch 1973 und dem anschließenden autoritärem Regime Pinochets deutlich, und traten ins Licht des Interesses der außerchilenischen Öffentlichkeit und der politikwissenschaftlichen Forschung. Die bemerkenswerte Koexistenz von Konstanz und Wandel wirft die Frage nach den dafür verantwortlichen Variablen auf, also nach den Faktoren, die die chilenische Außenpolitik beeinflussten und bedingten, anders gesagt den Bedingungsfaktoren chilenischer Außenpolitik.

Textauszug (computergeneriert)

RUPRECHT-KARLS-UNIVERSITÄT HEIDELBERG

PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE FAKULTÄT

INSTITUT FÜR POLITISCHE WISSENSCHAFT

Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung
des akademischen Grades eines
Magister Artium

mit dem Thema

Die Außenpolitik Chiles -
die chilenische Entwicklungsstrategie als Bedingungsfaktor
chilenischer Außenpolitik

Vorgelegt von: Daniel Brandtner

Heidelberg, August 2002

 

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis 4

Abbildungsverzeichnis 5

Vorwort 6

1. Einleitung 7

2. Theoretischer Rahmen 10


2.1 Forschungszusammenhang 10
2.2 Methodologische Überlegungen 12
2.3 Begriffserklärungen 14


2.3.1 Außenpolitik 14
2.3.2 Redemokratisierung 16
2.3.3 Entwicklungsstrategie 17
2.3.4 Vergleichende Methode 19

3. Drei Bedingungsfaktoren chilenischer Außenpolitik: Geographische Lage, Regimetyp und Internationaler Kontext 21


3.1 Geographische Lage 21
3.2 Regimetyp und Außenpolitik 30


3.2.1 Konstanz und Wandel in der Außenpolitik Chiles 30
3.2.2 Die Außenpolitik der Regierung Allende 33

3.2.2.1 Die importsubstituierende Industrialisierung 35

3.2.3 Die Außenpolitik des Militärregimes 36

3.2.3.1 Der entwicklungsstrategische Paradigmenwechsel 39

3.2.4 Die Außenpolitik seit der Redemokratisierung 42

3.2.4.1 Der neostrukturalistische Ansatz der CEPAL 45
3.2.4.2 Aktive Weltmarktintegration 47
3.2.4.3 Sozialer Austausch 48
3.2.4.4 Die Rolle des Staates und der Staatsreform 49

3.3 Internationaler Kontext 50

3.3.1 Wandel des Internationalen Kontextes 50
3.3.2 Regionale Kooperation 52
3.3.3 Interregionale Kooperation 53

4. Entwicklungsstrategie als Bedingungsfaktor chilenischer Außenpolitik 57


4.1 Die marktwirtschaftliche Transformation in Chile - Die chilenische Entwicklungsstrategie 57
4.2 Zusammenhang zwischen marktwirtschaftlicher Transformation und Außenpolitik 68


4.2.1 Das Netz bilateraler Abkommen 69
4.2.2 Die Beziehungen zu den USA 73
4.2.3 Die Beziehungen zu Europa 76
4.2.4 Die Beziehungen zum asiatisch-pazifischen Raum 80
4.2.5 Die Beziehungen zu den lateinamerikanischen Staaten 83

4.3 Beurteilung der chilenischen Entwicklungsstrategie 84

5. Vergleich der Bedingungsfaktoren der aktuellen chilenischen Außenpolitik 89


5.1 Geographische Lage, Regimetyp, Internationaler Kontext und Entwicklungsstrategie 89

6. Schlussbetrachtung 96

7. Literaturverzeichnis 101

 

Abkürzungsverzeichnis

AGCI Agencia de Cooperación Nacional de Chile
ALALC Assocación Latinoamérica de Libre Comercio
ALCA Area de Libre Comercio de las Américas, engl. FTAA
APEC Asia Pacific Economic Cooperations
ASEAN Associstion of Southeast Asian Nations
BID Banco Interamericano de Desarrollo, engl. IDB
BIP Brutto-Inlands-Produkt
CASEN Caracterizatión National (Chile)
CEPAL Comisión Ecónimica para América Latina
CIEPLAN Centro de Investigación Económica para Lationamérica
DI Direktinvestitionen, engl. FDI
DINA Dirección Nacional de Inteligencia (Chile)
DIRECON Dirección de Relaciones Económicas (Chile)
EU Europäische Union
FTAA Free Trade Area of the Americas, span. ALCA
GATT General Agreement on Tarifs and Trade
IDB Inter-American Development Bank, span. BID
IRELA Instituto de Relaciones Europeo-Lationaméricanas
IWF Internationaler Währungsfond
JID Junta Interaméricana de Defensa
MERCOSUR Mercado Común del Sur
NAFTA North American Free Trade Agreement
NGO Non Govermental Organization
NIC Newly Industrialized Country
OAS Organization of American Statea, span. OEA
OECD Organization of Economic Cooperation and Development
SAFA South American Free Trade Area
SELS Sistema Económico de Lationamérica
UN United Nations
UNESCO United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization
WTO World Trade Organization

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die geographische Definition des Pazifischen Raumes nach Kolb 1984 27
Abbildung 2: Die drei großen Einheiten in Nachfolge der ,bipolaren Welt′ nach Brzezinski 1990 28
Abbildung 3: Die beiden Großräume und die drei Pole der Zukunft nach Wallerstein 1991 28
Abbildung 4: Wichtige Straßenverbindungen zwischen Chile und seinen Nachbarländern (1993) 29
Abbildung 5: Wirtschaftsindikatoren Chiles 1970-1989 42
Abbildung 6: Idealtypische Merkmale des wirtschaftspolitischen Paradigmenwechels in Lateinamerika 46
Abbildung 7: Entwicklungsstile und Wirtschaftsordnung 58
Abbildung 8: Anzahl staatlicher Unternehmen in Chile 63
Abbildung 9: Chilenischer Außenhandel nach Regionen 69
Abbildung 10: Bilaterale Investitionsabkommen 70
Abbildung 11: FDI Authorized and Materialized by Country of Origin. 1974-1999 (in nominal US$ millions) 74
Abbildung 12: Chilenische Exporte nach Hauptabsatzmärkten (Mio. US$) 77
Abbildung 13: Chilenische Importe nach Herkunft (Mio. US$) 77
Abbildung 14: Chilenische Ex- und Importe nach Hauptabsatzmärkten 78
Abbildung 15: Asiatische Direktinvestitionen in Chile in Mio. US-$ 81
Abbildung 16: Tabelle: Ökonomische Auswirkungen der Asienkrise auf ausgewählte Länder Lateinamerikas 81

 

Vorwort

Vorliegende Arbeit beschäftigt sich innerhalb des Bereiches Internationale Politik mit der spezifischen Außenpolitik Chiles, und damit der Außenpolitik eines Landes, dass bis vor kurzem noch der dritten Welt zugeordnet wurde, inzwischen aber den Sprung zum Schwellenland geschafft hat, und in Bezug auf seine politischen Institutionen und seine Entwicklungsstrategie als vorbildlich für Lateinamerika gilt.

Die Möglichkeit der intensiven Beschäftigung mit dem Untersuchungsgegenstand verdanke ich verschiedenen wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Kontextvariablen und damit verbundener Personen und Institutionen die ich an dieser Stelle danken erwähnen möchte. Beim Deutschen Akademischen Austauschdienst bedanke ich mich für die Möglichkeit aufgrund eines Stipendiums zur Anfertigung einer Abschlussarbeit vor Ort zu recherchieren. In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei meinen Gutachtern und Professoren Dieter Nohlen und Werner Mikus bedanken, die mein Interesse an Lateinamerika geweckt haben und mich in die Probleme dieses Raumes eingeführt und dafür sensibilisiert haben. Auch dafür, dass ich von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung auf diesem Gebiet profitieren konnte und sie mir mit wissenschaftlichem Rat zur Seite standen, gebührt ihnen mein Dank. Für die Übernahme der Zweitkorrektur danke ich Prof. Dr. Axel Murswieck. Den Teilnehmern der von Dieter Nohlen in Politik und Werner Mikus in Geographie geleiteten Kolloquien danke ich für zahlreiche Anregungen für meine Arbeit und fruchtbare Diskussionen über das Themengebiet. Meinen Kommilitonen Thorsten Reuter, Christian Rainer und Veronika Ivanova danke ich für Verbesserungsvorschläge, Korrektur und Motivation auf dem Weg hin zur Vollendung dieser Arbeit. Allen Freunden, Gesprächspartnern und Institutionen hier und in Chile die mir den Einstieg in die Materie und deren Vertiefung erleichterten, besonders René Ayala Camacho, Thomas Barth, Peter Brosch, Simone Enzensberger, Thomas Kaltenbach, Briscila Vasquez Sobarzo, Claudia Zilla und allen anderen, die durch ihre Offenheit und ihr Interesse für das Thema und damit verbundenen Gesprächen zur Fortentwicklung der Arbeit beitrugen, sage ich hiermit ein herzliches Dankeschön. Und schließlich gebührt mein besonderer Dank meinen Eltern für wertvollen Rat, ihr Vertrauen und ihre Unterstützung während meines gesamten Studiums.

1 Einleitung

Die Außenpolitik Chiles erlebte in denn zurückliegenden Jahrzehnten eine Kombination von Konstanz und Wandel. Diese Kontinuitätsbrüche eines Landes mit langer demokratischer Tradition vor 1973 wurden besonders mit dem sozialistischen Experiment Allendes 1970-73, dem Militärputsch 1973 und dem anschließenden autoritärem Regime Pinochets deutlich, und traten ins Licht des Interesses der außerchilenischen Öffentlichkeit und der politikwissenschaftlichen Forschung1. Auch der Prozess der Redemokratisierung 1989 und die Verstimmungen Chiles mit Spanien und Großbritannien durch die Affäre um die Auslieferung Pinochets stieß auf breites öffentliches und politikwissenschaftliches Interesse2.

Die bemerkenswerte Koexistenz von Konstanz und Wandel wirft die Frage nach den dafür verantwortlichen Variablen auf, also nach den Faktoren, die die chilenische Außenpolitik beeinflussten und bedingten, anders gesagt den Bedingungsfaktoren chilenischer Außenpolitik. Die vorliegende Arbeit stellt eine Untersuchung der Bedingungsfaktoren chilenischer Außenpolitik dar. Dabei lassen sich in der Historie Chiles vier besonders bedeutende Bedingungsfaktoren erkennen, die in ihrem jeweiligen Einfluss stark variierten. Diese sind laut verschiedener wissenschaftlicher Publikationen die Geographische Lage, der Regimetyp, der Internationaler Kontext und der Prozess der marktwirtschaftlichen Transformation und die daraus entstandene Entwicklungsstrategie3. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei auf dem letztgenannten Bedingungsfaktor, der chilenischen Entwicklungsstrategie und ihren Einfluss auf die aktuelle chilenische Außenpolitik. Die Untersuchung dieser Variable erscheint vor dem Hintergrund der Diskussionen um Entwicklungsstrategien in Lateinamerika und ihre Auswirkungen auf die Innen- und Außenpolitik und, damit impliziert, auf die ökonomische, ökologische und sozio-politische Dimension von aktueller Bedeutung in der politikwissenschaftlichen Forschung4.

Nach aufzeigen der für die chilenische Außenpolitik signifikanten Bedingungsfaktoren geht es um die Generierung von Fragestellungen des Typs der Bedeutung der Bedingungsfaktoren, die im chilenischen Fall in ihrer Bedeutung als keineswegs konstant zu deuten sind. Mittels eines diachronen Vergleichs der Bedingungsfaktoren Geographische Lage, Regimetyp, Internationaler Kontext und Entwicklungsstrategie werden Fragestellungen nach der Größe des Einflusses der Geographischen Lage (des Regimetyp, des Internationalen Kontextes, der Entwicklungsstrategie) auf die Außenpolitik Chiles im Vergleich zu anderen Variablen erläutert (wobei zu beachten ist, dass man ,,hierbei auf das grundsätzliche Problem der Messbarkeit von ,,Einfluss" stößt. Der mangelnden Quantifizierbarkeit wegen muss auf qualitative Kriterien und Plausibilitätsergebnisse rekrutiert werden" (Barrios 1999: 19)) sowie ob es einen zentralen Bedingungsfaktor chilenischer Außenpolitik gibt bzw. gab. Da das zentrale Thema der Arbeit die chilenische Entwicklungsstrategie darstellt, werden anhand einer Beurteilung der Entwicklungsstrategie mögliche Vor- und Nachteile dieser Strategie und, damit impliziert, mögliche Auswirkungen auf das außenpolitische Handeln erläutert.

Um die Bedeutung der Entwicklungsstrategie herauszuarbeiten und in Zusammenhang mit konkretem außenpolitischem Handeln zu bringen, werden anschließend anhand eines synchronen Vergleichs in Kapitel 5 folgende Fragestellungen erläutert: Wenn es einen zentralen Bedingungsfaktor aktueller chilenischer Außenpolitik gibt, welcher ist dies und in welchem Maße lässt sich die Außenpolitik Chiles durch ihn erklären? Gab es durch die Regimewechsel bzw. unter den Präsidenten Allende, Pinochet, Aylwin, Frei und Lagos eine Wandel in der Bedeutung der Bedingungsfaktoren? Führte ein Ereignis wie die Asienkrise Ende der 90er Jahre oder die Argentinienkrise Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem Paradigmenwechsel?

Die Fragestellungen des diachronen Vergleichs sollen dabei hinleitend für den Hauptteil der Arbeit fungieren, in dem die chilenischen Entwicklungsstrategie und Außenpolitik seit der Redemokratisierung erläutert werden, da mit den Wahlen 1989 die Demokratisierungsphase abgeschlossen wurde, was die Position Chiles im internationalen System grundlegend veränderte und die chilenische Entwicklungsstrategie anderen Einflüssen (Stichwörter: freier Wettbewerb und Globalisierungsdruck; soziale Umverteilung) aussetzte. Auch das ,,Ende des Ost-West-Konfliktes 1989 und die Gründung der APEC verlangte den außenpolitischen Entscheidungsträgern (...) eine strategische Antwort auf die Veränderungen des internationalen Systems ab" (Faust 2001: 21). Diese Veränderungen betrafen alle vier Bedingungsfaktoren, die Geographische Lage (z.B. signifikante Änderungen im Bezug auf die Beziehungen zu den Nachbarländern und damit Zusammenhängende Veränderungen z.B. der Verkehrsverbindungen zu diesen), die Regimevariable (Übergang von der Diktatur zur Demokratie) den Internationalen Kontextes (unter anderem das Ende des Ost-West-Konfliktes mit den angedeuteten Veränderungen des internationalen Umfeldes) sowie die angewandte Entwicklungsstrategie (Modifikation der Entwicklungsstrategie durch die demokratische Regierung). Folglich stellt sich die Frage nach der Größe des jeweilige Einflusses der Bedingungsfaktoren auf die aktuelle Außenpolitik.

[...]


1 Politikwissenschaftliche Untersuchungen zu Chile und seiner Politik in den sechziger und siebziger Jahren vgl. Mols/Nohlen/Waldmann 1977; Nohlen 1973; Nohlen/Nuscheler 1976; O`Donnell 1973; Schubert 1981.

2 Stellvertretend seien einige Publikationen genannt: Aninat Ureta 1993; Barrios 1991; Bodemer u.a. 2000; Bradford 1992; Hofmeister 1995; Junker/Nohlen/Sangmeister 1994; Nohlen/Fernández/Klaveren von 1991; Nolte 1991; Thiery 1993.

3 So z.B. Barrios 1999; Barrios 2001; Bodemer 2000; Faust 2001; Fazio Vengoa 1995; Hofmeister 1995; Nohlen/Fernández/Klaveren von 1991; Nohlen/Thibaut 1993; Sangmeister 1995; Thiery 2000; Vera Castillo 1999.

4 Diskussionen um Entwicklungsmodelle bzw. Entwicklungsstrategien in Lateinamerika finden sich unter anderem in Bradford 1992; CEPAL 1991; Esser 1999; Gruber 2001; INEF Report 1998; Junker/Nohlen/Sangmeister 1994; Messner 1998; Mols 1995; Nohlen,/Zilla 2000; Sangmeister 1995; Sangmeister/Fuentes 2002; Siedschlag 1996.

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