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Joie de la court in Hartmanns Erec

Scholary Paper (Seminar), 2002, 18 Pages
Author: Magistra Artium Katharina Kirsch
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 18
Grade: 1,5
Language: German
Archive No.: V10352
ISBN (E-book): 978-3-638-16801-4

File size: 451 KB


Excerpt (computer-generated)

Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Proseminar Mediävistik II:
Hartmann von Aues „Erec“
Sommersemester 2002

Die Bedeutung der „Joie de la Court“-Episode
in Hartmanns „Erec“

Katharina Kirsch
Dipl.-Germanistik/Journalistik/BWL
 Studiensemester 04

Inhalt

1. Eine thematische Einführung
1.1 Interpretationen von „Joie de la court“ – Mögliche Problemstellungen und Annäherungen an den Text ... 01
1.2 Bedeutung der Namen  ... 02

2. „Joie de la court“ in Hartmanns „Erec“ – mehr als die letzte Aventiure?
2.1 Die Akzente Hartmanns
2.1.1 Ein Vergleich von Hartmanns Ausführung von „Joie de la court“ mit der Vorlage Chrétiens  ... 03  
2.1.2 Die formale Stellung der Episode in Hartmanns Gesamtkonzeption ...  08
2.2 Interpretatorische Ansätze
2.2.1 „Joie de la court“ – eine Allegorie? ...  10
2.2.2 „Joie de la court“ – Hinweis auf eine heilsgeschichtlich angelegte Romanstruktur? ...  11

3. Eine abschließende Betrachtung  ... 13

Literaturverzeichnis ...  15

 

 

1. Eine thematische Einführung

1.1 Interpretationen von „Joie de la court“ – Mögliche Problemstellungen und Annäherungen an den Text

Warum überhaupt sollte man „Joie de la court“, diese letzte Episode in Hartmanns erstem Artus-Roman, einer gesonderten Untersuchung unterziehen? Welche formalen und inhaltlichen Besonderheiten sprechen dafür?

Êrecs reflektierte Aussage „wan bî den liuten ist sô guot“1, als er sein besiegtes Gegenüber Mâbonagrîn auf dessen bisheriges zurückgezogenes Dasein anspricht, weist auf eine Entwicklung der Titelfigur Êrec hin, die am Ende einer Erkenntniskette als Ergebnis verschiedener Aventiuren steht. Welche Rolle spielt also diese Aventiure insgesamt und der Kampf gegen den roten Ritter im Speziellen in der Folge des Romans?

Da unter anderem auch der Prolog zu Hartmanns „Êrec“ nicht überliefert wurde2, haben wir keinen direkten Zugang zu Hartmanns Intentionen zu seinem Roman und dieser Episode im Besonderen, außer durch seine laufenden Kommentare, die er in die Erzählung einfließen lässt. An einem anderen Werk Hartmanns, dem „Armen Heinrich“, erkennt man jedoch, wie aufschlussreich gerade der Prolog für das Verständnis von einem Text sein kann3. Im Verlauf des Romans tritt Hartmann auch immer wieder mit dem Leser in eine Art Zwiegespräch und gibt erläuternde Hinweise.4 Wenn sein wahrscheinlich im Prolog formuliertes Anliegen im Nachhinein so also nicht mehr ermittelt werden kann, könnte es dann möglich sein, anhand Hartmanns Akzentuierungen gegenüber der Vorlage Chrétiens durch Zufügung, Weglassung oder Veränderung etwas über seinen erzählerischen Hintergrund herauszufinden, sich vielleicht einer Erzählabsicht anzunähern? Daher werde ich auch vergleichend die Vorlage der Episode aus Chrétiens „Êrec et Enide“ untersuchen, in Anlehnung an Hrubýs Meinung, dass jede Abweichung Hartmanns „als bewusste Umformung verstanden werden“5 darf.

Hugo Kuhn hat in den 1940er Jahren mit seiner Deutung der Episode als „Allegorie der höfischen Freude“6 viele Literaturwissenschaftler nach ihm dazu gebracht, diese Interpretation zu übernehmen und zu vertiefen. Kuhn selbst fragt sich jedoch 1978 im Rückblick, ob diese zweite allegorische Dimension, die man dem Text semantisch unterstellt, nicht schon dadurch als gegeben angesehen werden kann, da man eine Symbolstruktur –also syntaktisch - als zweite Dimension bereits als solche wahrnimmt7. Kann man also dieses letzte Abenteuer als eine Allegorie auf das bis dato Geschehene ansehen? In jedem Fall sollte eine Untersuchung der Episode die Frage nach ihrer allegorischen Struktur zumindest aufgreifen.

Eine weitere Herangehensweise an den Text ist das Untersuchen der Aventiure nach Symbolen für eine heilsgeschichtliche Deutung, wie etwa Ohly sie vorgenommen hat. Im Text selbst finden sich meiner Ansicht nach genügend Anhaltspunkte, die eine solche Deutung zumindest überlegenswert machen. Betrachtet man die übrigen Epen Hartmanns – wieder als Beispiel die legendenhafte Erzählung vom „Armen Heinrich“ – werden parallele inhaltliche Strukturen deutlich, die die Sicht auch auf diesen Artus-Roman als einen Text nach dem Muster der Heilsgeschichte zulassen könnten. Auch dies möchte ich im folgenden untersuchen.

Mit diesen Annäherungen an verschiedene Deutungsweisen mit unterschiedlichen Schwerpunkten scheint es mir am ehesten möglich zu sein, zum einen den tatsächlichen Inhalt der „Joie de la court“-Episode herauszuarbeiten, zum anderen dem übergeordneten Ziel der Arbeit, in der Darstellung dieser Episode eine Art Wertesystem Hartmanns sichtbar zu machen, zumindest nahe zu kommen. 

1.2 Namen und ihre Bedeutung

„Joie de la court“ nennt sich die Aventiure, der Êrec entgegengeht, und sie hat ihren Namen von dem Baumgarten, der zu Stadt und Burg Brandigân gehört. Den Begriff „Joie de la court“ hemmungslos mit „Freudenhof“8 zu übersetzen, würde der Bedeutung dieses geheimnisvollen Gartens nicht gerecht, zumal Chrétien dann wohl die Wortstellung „Court de la Joie“ gewählt hätte. Zum zweiten wird der Ort, der als „Joie de la court“ bezeichnet wird, als paradiesähnlicher Garten beschrieben9, nicht als Hof. 

[...]


1  H 9438
2  Mertens 1998: S. 51
3  In Hartmanns Einführung zum „Armen Heinrich“ heißt es: „an im wart erzeiget, als ouch an Absalône, daz diu üppige krône werltlîcher süeze vellet under die füeze ab ir besten werdekeit, als uns diu schrift hât geseit.“ (V. 84-90) Hier greift Hartmann der Handlung vor und liefert durch den deutlichen Verweis auf die Bibel Anlass zur heilsgeschichtlichen Deutung seiner legendenhaften Erzählung.
4  Ein Beispiel in „Joie de la court“ ist die Kommentierung der Schönheit der Witwen durch ihn als Erzähler: H 8221 ff.
5  Hrubý 1964: S. 343
6  Kuhn1984: Êrec, S. 35
7  Kuhn 1979: S. 206/207 „Die Grenzen zwischen Erzählstruktur und erzählter Allegorie sind weiterhin ganz unklar (...).“
8  Förster nach Kuhn 1973: S. 35
9  H 8896 ff.


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