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Debatten um die Erklärung des nationalsozialistischen Judenmords: Strukturalistische und intentionalistische Interpretationsmeinungen zur Entschlussbildung

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 20 Pages
Author: Heiko Witt
Subject: History - National Socialism, World War II

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 20
Grade: 1,6
Language: German
Archive No.: V10530
ISBN (E-book): 978-3-638-16925-7

File size: 275 KB
Notes :
Hier der Kommentar der Dozentin: Gute Arbeit! Sie zeichnet sich durch einen sinnvollen Aufbau, eine gute Einleitung und stringente Darstellung der Ergebnisse aus. Hervorzuheben ist, dass Sie, von der Literatur ausgehend, zu einem eigenen Urteil kommen und selbst Quellen herangezogen haben. Auch Ihre einleitenden Bemerkungen zur Begrifflichkeit sind wichtig, wenn Sie damit auch etwas ins Haus fallen. Vorschlag: Nach einem einleitenden Satz Kap. 1 + 2 zu einer Einführung zusammenfassen. Sprachlich insgesamt gut, aber einige Ausrutscher.



Excerpt (computer-generated)

Debatten um die Erklärung des nationalsozialistischen Judenmords: 
Strukturalistische und intentionalistische Interpretationsmeinungen 
zur Entschlussbildung

von Heiko Witt


Inhalt:

Begriffsbestimmung 

Gegenstand

Quellenlage

Der Antisemitismus Hitlers und der NSDAP: 
Vernichtungspropaganda 

Debatte

Zusammenfassung und Bewertung

Verwendete Literatur 




Begriffsbestimmung

Wenn in der vorliegenden Arbeit Begriffe wie Jude oder jüdisch verwendet werden, so geschieht dies gemäß der seinerzeit offiziellen Sprachregelungen der Nationalsozialisten. Diese ergab sich vor allem aus den so genannten Nürnberger Gesetzen, genauer: der 1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz von 1935, der zufolge als Jude galt, wer "[...] von drei jüdischen Großelternteilen abstammte, wer zwei jüdische Großeltern hatte und bei Erlaß des Gesetzes der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörte bzw. ihr später beitrat oder zu diesem Zeitpunkt mit einem Volljuden verheiratet war bzw. danach ehelichte." (1)

Diese Regelung hatte für die Betroffenen bekanntlich existentielle Folgen, sie bedeutete Ausgrenzung, staatlichen Terror und schließlich die Verweigerung des Lebensrechts. Durch Übernahme dieser Sprachregelung soll sie keinesfalls sanktioniert oder positiv bewertet werden. Es geht hierbei lediglich um eine methodische Vereinfachung, um Konstruktionen zu vermeiden wie Juden im Sinne der Nationalsozialisten o.ä.

Gegenstand

Seit Beginn der 80er Jahre des 20. Jh. entwickelte sich in der Erforschung des Nationalsozialismus die Frage nach der Genesis der Endlösung zu einem handfesten Historikerstreit. Die sogenannten Intentionalisten (auch: Hitleristen) bemühten sich um die Rekonstruktion eines geradlinigen, im wesentlichen von politisch-ideologischen Triebkräften bestimmten Weges in den organisierten Massenmord an den Juden. Eine Kontinuitätslinie wurde gezogen, die von Mein Kampf über Hitlers Reden und Tischgespräche bis nach Auschwitz führt. Die Strukturalisten verwiesen hingegen auf Brüche, Abweichungen und Alternativen. Der Prozesscharakter der von den Nationalsozialisten so genannten Endlösung wurde herausgestellt, der sich im Zusammenspiel rivalisierender NS-Behörden, in der Improvisation und schrittweisen Radikalisierung nachweisen ließ.

Dabei wurde etwa diskutiert, inwieweit der während der nationalsozialistischen Herrschaft exekutierte Genozid an den europäischen Juden von der NS-Führung gemäß eines wie auch immer gearteten Plans durchgeführt wurde und auf eine direkte Initiative Hitlers zurückging, bzw. sich vielmehr in seiner schließlich konkreten Form aus den antijüdischen Maßnahmen der Nationalsozialisten in einer Akkumulation ergab und vielleicht als das Ergebnis struktureller und äußerer Umstände bewertet werden muss. Solche Fragestellungen berührten die Frage nach der Verantwortung Hitlers, was der Debatte besondere Brisanz verlieh.

Dieser Forscherstreit zwischen den Intentionalisten auf der einen, und den Strukturalisten auf der anderen Seite, die vereinzelt auch als Revisionisten hingestellt wurden, soll in der vorliegenden Arbeit beispielhaft anhand er Wiedergabe von Argumentationen wichtiger Vertreter beider Positionen beschrieben werden. Die Diskussion selbst verlor sich zuletzt immer mehr in Details, und inzwischen löst sich die Frontstellung zwischen Intentionalisten und Strukturalisten zu Gunsten einer Tendenz, die beiden Ansätze miteinander zu verbinden, immer mehr auf. Dem folgend sei hier vor dem Rückblick auf den eigentlichen Diskurs zunächst in gleichem Maße die Problematik, mit der Historiker bei einer Bearbeitung des Themas konfrontiert sind, sowie die antijüdische Ideologie und Agitation der Nationalsozialisten und Hitlers, skizziert. Abschließend folgt eine zusammenfassende Bewertung.

Quellenlage

 

[...]


1. Zitiert nach Wetzel, Juliane: Nürnberger Gesetze, in: Benz, Wolfgang / Graml, Hermann / Weiß, Hermann (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus, München 1997 (im folgenden: Benz / Graml / Weiß, Enzyklopädie), S.620


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