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Autor: Diplom-Staatswissenschaftler (univ.) Sascha Hissler
Fach: Politik - Int. Politik - Region: USA
Details
Tags: Truman-Doktrin, Wandel, Politik
Jahr: 1999
Seiten: 27
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 211 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-17026-0
ISBN (Buch): 978-3-638-81580-2
Die Arbeit wurde mit dem Bayerischen Staatspreis für die beste Seminararbeit an der Offizierschule von Ministerpräsident Edmund Stoiber ausgezeichnet.
Zusammenfassung / Abstract
Mit dieser Seminararbeit - die in chronologischer Reihenfolge der Ereignisse aufgebaut ist – wird die Entstehungsgeschichte der Truman-Doktrin erläutert und die Leistung Trumans herausgestellt, der im April 1945 in die Fußstapfen des langjährigen US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelts (1933-1945) trat, jedoch dessen Politik der Kooperation mit Stalin nicht mehr lange fortsetzen konnte. Als erstes werden die relativ guten amerikanisch-sowjetischen Beziehungen während des zweiten Weltkrieges beschrieben, die besonders auf der Atlantik-Konferenz sowie bei den darauf folgenden Kriegskonferenzen erkennbar sind. Höhepunkte dieser interalliierten Kriegskonferenzen waren zweifelsohne die beiden einzigen Konferenzen aller drei Regierungsspitzen in Teheran und Jalta, wo sich Roosevelts Konzept über den Umgang mit der Sowjetunion verdeutlichen läßt. Sehr hilfreich bei dieser Analyse sind die umfangreichen Memoiren des britischen Premierministers Churchill, die Studie von Günter Moltmann über „Amerikas Deutschlandpolitik im zweiten Weltkrieg“ sowie der Wegweiser durch die alliierten Kriegskonferenzen von Gerd Ressing mit dem provokativen Titel „Versagte der Westen in Jalta und Potsdam?“. Nach dem Tode F.D. Roosevelts kam Harry Spencer Truman an die Macht, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen verschlechterten sich und in den USA war eine Abkehr von der Kooperationspolitik erkennbar. Doch was waren die Ursachen für diesen Wandel in der amerikanischen Politik? Zur Beantwortung dieser Fragen sind die Memoiren von Harry Truman und die seines stellvertretenden Botschafters in Moskau, George F. Kennan, lesenswert und auch die beiden Studien des habilitierten deutschen Politikwissenschaftlers Ernst-Otto Czempiel „Weltpolitik der USA nach 1945, Einführung und Dokumente“ sowie „Das amerikanische Sicherheitssystem 1945-1949, Studie zur Außenpolitik der bürgerlichen Gesellschaft“ sind ebenfalls sehr hilfreich. Nachdem die Berichte der ideologischen Vorreiter (George Kennan und James Byrnes) erläutert worden sind, wird der Anlaß und der Inhalt der Truman-Doktrin skizziert und die Frage beantwortet, was denn so besonderes an der Doktrin war, daß die USA durch sie einen neuen Kurs eingeschlagen haben. Der Schwerpunkt dieser Seminararbeit liegt in der Herausstellung des Unterschiedes zwischen der Politik Roosevelts und Trumans in Bezug auf die Sowjetunion sowie in der Beschreibung der Vorgeschichte und der Erläuterung des Inhaltes der Doktrin.
Textauszug (computergeneriert)
Die Truman-Doktrin
Ein Wandel in der amerikanischen Politik
Ausgezeichnet mit dem
Bayerischen Staatspreis
von Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber
Verliehen in Fürstenfeldbruck am 27. August 1999
von Reinhold Bocklet, Staatsminister für Bundes- und
Europaangelegenheiten in der Bayerischen Staatskanzlei
Offizierschule der Luftwaffe
Bearbeiter: Hissler Sascha OGefr OA
Name Vorname Dienstgrad
81. OL OATrDst 2. Delta
Lehrgang Inspektion Hörsaal
Fürstenfeldbruck, 20. Juli 1999
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 1
II. Die amerikanische Kooperationspolitik unter Roosevelt
1. Atlantik-Charta und ARCADIA-Konferenz 2
2. Kooperationspolitik in der Anti-Hitler Koalition am Beispiel der Kriegskonferenzen von Casablanca, Teheran und Jalta 3
3. Tod Roosevelts 6
III. Der neue Präsident und die Vorreiter der Truman-Doktrin
1. Trumans Amtsantritt und entschlossenes Auftreten gegenüber Molotow 7
2. Gründung der UN, Schlagwort „Eiserner Vorhang“ 8
3. Potsdamer Konferenz 8
4. Kennans „langes Telegramm“, Trumans Brief an Byrnes, Churchills „Fulton-Rede“ sowie Byrnes Rede als ideologische Vorreiter der Doktrin 9
IV. Die Truman-Doktrin
1. Erörterung der Probleme Griechenlands und der Türkei 12
2. Mehrere Hilfsforderungen an den amerikanischen Präsidenten 14
3. Verkündigung der Doktrin 16
4. Kennan durch „X-Artikel“ als Urheber der Eindämmungspolitik 18
V. Zusammenfassung 20
Literaturverzeichnis 22
I. Einleitung
Die Truman-Doktrin begründete die „außenpolit. Leitlinie der USA im kalten Krieg, wonach die USA bereit waren, anderen „freien“ Völkern auf deren Ersuchen hin militär. und wirtsch. Hilfe gegen eine Gefährdung ihrer Freiheit von innen oder außen zu leisten“1. In dieser kurzen Art und Weise wird heute in einem weitverbreiteten Lexikon die Botschaft Trumans vom 12. März 1947 abgehandelt, ohne dabei die Vorgeschichte zu berücksichtigen. Mit dieser Seminararbeit - die in chronologischer Reihenfolge der Ereignisse aufgebaut ist – wird die Entstehungsgeschichte der Doktrin erläutert und die Leistung Trumans herausgestellt, der im April 1945 in die Fußstapfen des langjährigen US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelts (1933-1945) trat, jedoch dessen Politik der Kooperation mit „Onkle Joe“ (so wurde Joseph Stalin von den Amerikanern bezeichnet) nicht mehr lange fortsetzen konnte.
Als erstes werden die relativ guten amerikanisch-sowjetischen Beziehungen während des zweiten Weltkrieges beschrieben, die besonders auf der Atlantik-Konferenz sowie bei den darauf folgenden Kriegskonferenzen erkennbar sind. Höhepunkte dieser interalliierten Kriegskonferenzen waren zweifelsohne die beiden einzigen Konferenzen aller drei Regierungsspitzen in Teheran und Jalta, wo sich Roosevelts Konzept über den Umgang mit der Sowjetunion verdeutlichen läßt. Sehr hilfreich bei dieser Analyse sind die umfangreichen Memoiren des britischen Premierministers Churchill, die Studie von Günter Moltmann über „Amerikas Deutschlandpolitik im zweiten Weltkrieg“ sowie der Wegweiser durch die alliierten Kriegskonferenzen von Gerd Ressing mit dem provokativen Titel „Versagte der Westen in Jalta und Potsdam?“.
Nach dem Tode F.D. Roosevelts kam Harry Spencer Truman an die Macht, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen verschlechterten sich und in den USA war eine Abkehr von der Kooperationspolitik erkennbar. Doch was waren die Ursachen für diesen Wandel in der amerikanischen Politik? Zur Beantwortung dieser Fragen sind die Memoiren von Harry Truman und die seines stellvertretenden Botschafters in Moskau, George F. Kennan, lesenswert und auch die beiden Studien des habilitierten deutschen Politikwissenschaftlers Ernst-Otto Czempiel „Weltpolitik der USA nach 1945, Einführung und Dokumente“ sowie „Das amerikanische Sicherheitssystem 1945-1949, Studie zur Außenpolitik der bürgerlichen Gesellschaft“ sind ebenfalls sehr hilfreich. Nachdem die Berichte der ideologischen Vorreiter (George Kennan und James Byrnes) erläutert worden sind, wird der Anlaß und der Inhalt der Truman-Doktrin skizziert und die Frage beantwortet, was denn so besonderes an der Doktrin war, daß die USA durch sie einen neuen Kurs eingeschlagen haben.
Der Schwerpunkt dieser Seminararbeit liegt in der Herausstellung des Unterschiedes zwischen der Politik Roosevelts und Trumans in Bezug auf die Sowjetunion sowie in der Beschreibung der Vorgeschichte und der Erläuterung des Inhaltes der Doktrin.
II. Die amerikanische Kooperationspolitik unter Roosevelt
1. Atlanik-Charta und ARCADIA-Konferenz
Vom 9. bis zum 12. August 1941 fand in der Placentia-Bay bei Argentinien auf Neufundland eine geheime britisch-amerikanische Atlantikkonferenz statt, in welcher der amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt und der britische Premierminister Winston Spencer Churchill eine acht Punkte umfassende Erklärung erarbeiteten, die am 14. August 1941 veröffentlicht wurde. In dieser sogenannten Atlantik-Charta formulierten die beiden Staatsmänner gemeinsame Grundsätze, nach denen „ihre Länder gemeinsam für kollektive Sicherheit, Abrüstung, Selbstbestimmung, internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Freiheit der Meere eintreten“2 wollten. Punkt eins und zwei der Charta bestätigen den antiimperialistischen Aspekt ihrer Politik, denn es wird weder eine territoriale Bereicherung angestrebt noch möchten sie territoriale Veränderungen ohne die Zustimmung der entsprechenden Länder akzeptieren. In Bezug auf die Kriegspolitik der Alliierten gegen die Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan gibt der sechste Punkt der Charta die Vernichtung der Nazityrannei als privilegiertes Ziel vor („Germany first-Strategie“3). Diesen Prinzipien schlossen sich am 24. September 1941 neun weitere Staaten an, darunter auch die Sowjetunion unter Marshall Joseph Stalin. Bis zum Kriegsende waren es insgesamt 24 Staaten, die ihre Politik nach dieser Charta ausrichteten4.
Bestätigt wurde die Atlantik-Charta durch die ARCADIA-Konferenz, die - kurz nach dem Eingreifen der USA in den Zweiten Weltkrieg - vom 22. Dezember 1941 bis zum 14. Januar 1942 stattfand. Das Ergebnis dieser britisch-amerikanisch-sowjetischen Besprechungen war die „United Nations Declaration“, in der sich die Großmächte Amerika, Großbritannien, Sowjetrußland und China plus zweiundzwanzig weitere Staaten zur Zusammenarbeit gegen die Achsenmächte verpflichteten und auf einen separaten Waffenstillstand mit diesen verzichteten5.
2. Kooperationspolitik in der Anti-Hitler Koalition am Beispiel der Kriegskonferenzen von Casablanca, Teheran und Jalta
Nachdem die Amerikaner im November 1942 unter dem Oberbefehl von General Dwight D. Eisenhower erfolgreich in Nordafrika gelandet waren, trafen sich Roosevelt und Churchill vom 14. bis 24. Januar 1943 zur Kriegskonferenz in Casablanca. Auch Stalin war zu dieser Konferenz geladen, doch wegen seiner Arbeit in Moskau war er zu dieser Zeit unabkömmlich6. In einer anderen Quelle heißt es jedoch, daß Stalin „aus Verärgerung über das Ausbleiben der alliierten Invasion in Frankreich nicht erschienen war“7. Auf dieser Konferenz stellte Roosevelt die bedingungslose Kapitulation („Unconditional Surrender“) der Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan zum ersten Mal öffentlich als Kriegsziel vor.
[...]
1 Meyers Lexikonredaktion (Hg.): Meyers grosses Taschenlexikon in 24 Bänden, Bd. 22, Mannheim/Wien/Zürich 19872, S. 238.
2 Heideking, Jürgen: Geschichte der USA, Tübingen/Basel 1996, S. 322.
3 Heideking, USA, S. 332.
4 Moltmann, Günter: Amerikas Deutschlandpolitik im zweiten Weltkrieg, Kriegs- und Friedensziele 1941-1945, Heidelberg 1958 (Beihefte zum Jahrbuch für Amerikastudien, 3. Heft, Hg.: Fischer, Walther), S. 23-31.
5 Moltmann, Amerikas Deutschlandpolitik, S. 40.
6 Moltmann, Amerikas Deutschlandpolitik, S. 63.
7 Grabert, Wigbert (Hg.): Jalta - Potsdam und die Dokumente zur Zerstörung Europas, Tübingen/Buenos Aires/Montevideo 1985 (Beihefte zu Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Bd. 13), S. 25.
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