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Candomblé in Bahia - Die bahianische Kultur als Schnittpunkt zwischen Europa und Afrika

Autor: Nicolas Forster
Fach: Ethnologie / Volkskunde

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Details

Veranstaltung: Ausgewählte Kapitel der Ethnologie Lateinamerikas. Gender, Mythos und Ritual in Lateinamerika
Institution/Hochschule: Universität Wien
Tags: Candomblé, Bahia, Kultur, Schnittpunkt, Europa, Afrika, Ausgewählte, Kapitel, Ethnologie, Lateinamerikas, Gender, Mythos, Ritual, Lateinamerika
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 28
Note: Gut (2)
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 287 KB
Archivnummer: V107095
ISBN (E-Book): 978-3-640-05370-4

Volltext (computergeneriert)

Nicolas Forster 
SS 2002 

CANDOMBLÉ IN BAHIA

 

 

DIE BAHIANISCHE KULTUR ALS SCHNITTPUNKT ZWISCHEN EUROPA UND AFRIKA

 

Abb. 1a oben links: Religiöses Opferritual in Salvador Abb. 1b oben rechts: Religiöses Fest in Salvador
Abb. 1c oben: Landkarte des Bundesstaates Bahia

INHALTSVERZEICHNIS

I. Vorwort und Einleitung  ... Seite 2
II. Die Geschichte Brasiliens unter besonderer Berücksichtigung der Situation der afrikanischen Sklaven  ... Seite 4
II. I. Die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal ... Seite 8
III. Der Bundesstaat Bahia - Basisdaten  ... Seite 10
IV. Der Candomblé  ... Seite 10
IV. I. Mythen, Rituale und Hierarchie innerhalb des Candomblé ... Seite 12
IV. II. Die Götter des Candomblé  ... Seite 15
IV. III. Die Einflußnahme des Candomblé auf das tägliche Leben der Anhänger ... Seite 20
IV. IV. Die Rolle der Frauen in Bahia und im Candomblé  ... Seite 23
IV. V. Die Umbanda-Religion  ... Seite 24
V. Quellen- und Literaturnachweis  ... Seite 26
V. I. Bibliographie  ... Seite 26
V. II. Bildnachweis/Elektronische Quellen  ... Seite 27

I. VORWORT UND EINLEITUNG

Ein anerkannter brasilianischer Soziologe sprach einmal in Hinblick auf die wirtschaftlichen Unterschiede in Brasilien von einem zweigeteilten Land, dem er den Namen ,,Belindia" gab; in Anspielung auf den reichen Süden und Südosten (Belgien) und an den unterentwickelten Norden und Nordosten (India).

Dieser Unterschied besteht jedoch nicht nur in ökonomischer Hinsicht, er existiert mindestens genauso stark in kultureller und historischer Perspektive.

Während der Süden mit aller Kraft den Anschluß an die erste Welt sucht, besinnt sich der Nordosten zunehmend seiner kulturellen Wurzeln, die in der Zeit des Kolonialismus, bzw. der Sklaverei liegen.

Markantester Ausdruck für diese Wechselbeziehung sind die unterschiedlichen Religionsansichten in den beiden Hälften.

Während im wohlhabenden Teil neben der katholischen Kirche auch sogenannte Pringstkirchen immer mehr Anhänger gewinnen, wenden sich in der Nordhälfte dieses Riesenstaates immer mehr Menschen dem Candomblé, einer Mischung zwischen Katholizismus und Naturreligionen, die ihren Ursprung im Afrika der ehemaligen Sklaven hatte, zu.

Candomblé ist die vorherrschende Religion im Bundesstaat Bahia, der gemeinhin als der ,,afrikanischte" aller Regionen Brasiliens gilt.

Dieser Bundesstaat steht in den Köpfen vieler Brasilianer aus anderen Landesteilen für Mythen, Legenden, Wunder und Barbarei.

Ich will in meiner Arbeit einen kleinen Einblick in die Religion, die Kultur und die Traditionen der bahianischen Kultur geben, wozu aber unbedingt die Geschichte dieses Bundesstaates Voraussetzung ist, um die Eigenarten verstehen zu können.

Deshalb habe ich vorliegende Thematik in nachstehende ,,Großkapitel" gegliedert:

- Die Geschichte Brasiliens,

- der Bundesstaat Bahia und

- der Candomblé.

Als weiteren wichtiger Punkt erachtete ich die Stellung des Candomblé im alltäglichen Leben der Anhänger; dieser Punkt fließt jedoch in das oben beschriebene Kapitel über den Candomblé ein.

Selbstverständlich ist mir bewußt, daß ich in meiner Arbeit, die laut verfügbarer deutschsprachiger Biographie ein Desiderat darstellt, nur einen kleinen Teil der Thematik bearbeiten kann; die vollständige Aufarbeitung würde aber wohl den Rahmen bei weitem sprengen.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Fr. Dr. Elke Mader für die Gewährung der Arbeit.

Einem glücken Umstand ist es zu verdanken, daß ich kurz vor Beginn der Arbeit in Brasilien war und mir diesbezügliche Literatur aneignen konnte.

Nicolas Forster

II. DIE GESCHICHTE BRASILIENS UNTER BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG DER SITUATION DER AFRIKANISCHEN SKLAVEN

Es legt die Wahrscheinlichkeit nahe, daß die portugiesische Krone schon lange vor der offiziellen Entdeckung von der Existenz und der geographischen Lage Brasiliens geheime Kenntnis gehabt hat.1

Es lag aber keineswegs im Interesse Portugals, eine solche Entdeckung (wenn sie tatsächlich stattgefunden hat) vorzeitig zu melden.
Erst mußte rechtmäßig gesichert sein, daß dieses neue Land nicht Spanien, sondern der portugiesischen Krone gehöre, und dies hatte sich mit auffälliger Voraussicht Portugal durch den Vertrag von Tordesillas gesichert, der am 7. Juni 1494, also kurz nach der Entdeckung Amerikas, die portugiesische Zone von den ursprünglich hundert Léguas auf 370 westlich von Kap Verde hinausschob - gerade soviel also, um die angeblich noch nicht entdeckte Küste Brasiliens okkupieren zu können.2
Anders als für die übrigen portugiesischen Kolonien interessierte sich das portugiesische Königshaus zunächst aber wenig für die neugewonnene Kolonie.
Das mag dadurch begründet sein, daß man keine Rohstoffe fand, die wertvoll gewesen wären.

Es war zunächst auch schwer, Siedler für Brasilien zu finden.

So waren die ersten europäischen Kolonisten Geistliche, die sich der Erziehung der Indianer annahmen.
Nach und nach fand man dann immer mehr Rohstoffe, welche die rasche Besiedelung des ,,Riesenlandes" ermöglichte.

Schon um 1650 waren über 250.000 Portugiesen ins Land gekommen um auf der Suche nach Reichtum ihr Glück zu versuchen.
Die neugewonnene Kolonie weckte immer mehr das Interesse der portugiesischen Krone, was durch die vermehrten Rohstoffe bedingt gewesen sein mag.

Alsbald florierte der Handel so sehr, daß auch Frankreich Interesse an einer (illegalen) Besitzergreifung zeigte und eine kleine Flotte zur Eroberung sandte.

Dieser Angriff wurde abgewehrt, die Siedler gewannen dadurch aber soviel an Selbstvertrauen, daß sie dem portugiesischen Königshaus mitteilten sich gegen die hohen Steuerzahlungen wehren zu wollen.

Durch das durch Spanien erzwungene Exil des portugiesischen Könisghauses im 18. Jahrhundert nach Brasilien und der angenommenen Regentschaft des Sohnes
Dom Pedro II. über Brasilien wendete sich das Blatt zugunsten des südamerikanischen Landes, welches Dom Pedro II. 1822 unblutig in die Unabhängigkeit führte.
Sklaven für Brasilien
Vor allem, als die portugiesischen Kolonialherren entdeckten, daß Brasilien reich an Rohstoffen ist, ergab sich das Problem fehlender Arbeitskräfte.3

Vier bis fünf Millionen Afrikaner wurden in den vier Jahrhunderten während der Kolonialzeit nach Brasilien verschleppt - etwa siebenmal mehr als in die USA.

Im 16. und 17. Jahrhundert kamen die Sklaven hauptsächlich aus dem Süden des Kontinents, aus dem Kongo und aus Angola - im 18. und 19. Jahrhundert von der Westküste Afrikas, aus der Region des Golfes von Benin, dem damaligen Dahomey.
Es wird geschätzt, daß etwa eine Million der Afrikaner bereits auf dem Weg nach Brasilien starben.
Wie viele schon zuvor bei den Sklavenjagden in Afrika ums Leben kamen, ist nicht bekannt.

Der Sklavenhandel bildete über vier Jahrhunderte das Rückgrad der brasilianischen Kolonialwirtschaft.
Die Portugiesen organisierten einen Dreieckshandel, an dem sie ausgezeichnet verdienten:
Sie kauften im Tausch gegen billige Waren (wie z. B. Tabak minderer Qualität) Sklaven in Afrika , verschleppten diese nach Brasilien, um sich dort für ihren Menschenhandel mit Zucker und gutem! Tabak in hohen Mengen entlohnen zu lassen.
Diese Produkte aus den Kolonien waren in Europa sehr begehrt und die Portugiesen konnten sie mit gewaltigen Gewinnspannen verkaufen.

Ich möchte im Folgenden kurz einen in portugiesisch verfaßten und von mir übersetzten (und dadurch auch leicht modifizierten) Artikel aus einem brasilianischen Magazin wiedergeben, welcher die Lebensumstände der Sklaven wiedergibt.

Als der Sklavenhandel begann, war es üblich, daß man die Sklaven aus Gebieten nahe der Küste holte, wo die Sklavenhändler mit ihren Schiffen geankert hatten.
Nach einiger Zeit mußte man immer weiter ins Land eindringen, um die benötigten Gefangenen, für den Handel, zu holen.
Ihren Weg zu den Sklavenschiffen mußten die Eingeboren im Gänsemarsch zurücklegen ; sie waren dabei durch eine Art hölzerne Gabeln miteinander verbunden.
Bei diesem qualvollen Gänsemarsch litten die Männer und Frauen furchtbar unter der sengenden Hitze ohne jegliche Verpflegung.
So ist es nicht verwunderlich, daß nur jeder zweite Gefangene die lange Strecke von 1000 km, meist unterernährt, erreichten.
Dadurch, daß die Sklaven an Bord einiger Schiffe nicht ausreichend versorgt wurden, es kaum ärztliche Versorgung oder sanitäre Anlagen und verfaultes Trinkwasser gab, erreichte die Sterblichkeitsrate bisweilen bis zu 50%.
Wegen der Bedrückenden Enge im Schiff, konnten sich die Sklaven meist 6 bis 8 Wochen lang nicht rühren oder ihre Lage verändern.

Angekommen in Brasilien gab es 2 Möglichkeiten:

Entweder man verkaufte die Sklaven an Bewohner einer Stadt, oder sie kamen auf die Plantagen.
In der Stadt arbeiteten sie als Schmiede, Schreiner, Frisöre und Handwerker, während die schwarzen Frauen zu Haus-, Küchen-, und Näharbeiten gezwungen wurden oder als Leihmutter für die weißen Kinder zuständig waren, da die Herrschaft das Stillen der Kinder als gefährlich empfanden und viele Weiße glaubten, die Frauen würden dadurch geschwächt.
Mehr als 90 Prozent der Sklaven lebten auf Baumwoll-, Reis-, und Tabakplantagen.
Dort mußten sie meist 20 Stunden täglich schwerste Arbeit und waren ihren ,,Besitzern" hilflos ausgeliefert.4

II. I. Die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal

Als die Truppen Napoleons 1807 in Portugal einmarschierten, flüchtete die Königsfamilie nach Rio de Janeiro.

Nachdem König Joao VI. 1820 wieder nach Portugal zurückgekehrte, erklärte sein Sohn, der Prinzregent Pedro, die Unabhängigkeit Brasiliens.
1831 dankte er ab und sein Sohn Pedro II. übernahm von 1840 bis 1889 die Nachfolge.
Kurz bevor Pedro II. 1889 gestürzt und die Republik ausgerufen wurde, schaffte er (nach Zureden seiner Gattin Isabel, die letztendlich das Dekret in Abwesenheit ihres Mannes unterschrieb) die Sklaverei ab. (Auch auf Druck Englands hin)5
Trotz dieses Dekretes entstanden nun für die freigelassenen Sklaven harte Zeiten, denn sie waren völlig mittellos.

Die Ausgangsposition für die ehemaligen Leibeigenen waren also schlecht; weder besaßen sie Grund und Boden, noch verfügten sie über Barmittel, so daß vielen von ihnen nichts anderes übrigblieb, als sich als (schlecht bezahlte) Tagelöhner von ihrem ehemaligen ,,Besitzer" wieder anstellen zu lassen.

III. DER BUNDESSTAAT BAHIA - BASISDATEN

Abb. 2 oben: Flagge des Bundesstaates Bahia

Fläche: 561. 00 km2
Hauptstadt: Salvador da Bahia de Todos os Santos
Bevölkerung: 16.3 Millionen
Bevölkerungsdichte: 21.1/km2
Städtische Bevölkerung: 59%
Analphabetenquote: 28%
Lebenserwartung: 58.2 Jahre
Kindersterblichkeit: 35 pro Tausend
Rohstoffe: Erdöl, Erdgas, Blei, Chrom, Silber, Kupfer, Marmor
Amtssprache: Portugiesisch

IV. DER CANDOMBLÉ

Die Religionen, die mit den afrikanischen Sklaven ins Land kamen, und der katholische Glaube bilden bis heute die Quelle, aus der die bahianische Kultur gespeist wird.6

Dabei werden katholische Traditionen, Feste und Symbole mit afrikanischen Göttern (Orixás), Riten und Kulten kombiniert:

So finden während des bahianischen Sommers zahlreiche Feiern zu Ehren der katholischen Schutzheiligen statt, bei denen gleichzeitig die afrikanischen Götter gehuldigt werden.
Ob es sich dabei um eine Verschmelzung oder vielmehr um ein Nebeneinander afrikanischer und katholischer Heiliger handelt, ist nicht genau festzustellen.
Sowohl in der katholischen Kirche als auch im Candomblé gibt es Bemühungen (vermutlich aus Angst, sie könnten an Einfluß verlieren), die Religionen streng auseinanderzuhalten.
A palavra candomblé, que serve para designar, na Bahia, as religiões africanas em geral, parece ser de origem Bantu.
ÜS: ,,Das Wort Candomblé, welches in Bahia die afrikanischen Religionen im Allgemeinen bezeichnet, scheint ursprünglich aus dem Bantu zu stammen."7

Auch der bahianische Alltag wird durch die Vermischung verschiedener Konfessionen (Synkretismus) geprägt.

Brasilien gilt als die größte katholische Nation der Welt: 88% der Bevölkerung gaben beim letzten Zensus 2001 ihre Religion mit katholisch an.8
Doch die Realität ist wesentlich vielschichtiger als diese Angabe vermuten läßt.
Ein großer Teil der Brasilianer ist in Glaubensfragen nicht auf eine Religion festgelegt.

Der Begriff Candomblé umfaßt mehrere religiöse Gruppen afrikanischen Ursprungs, die mit den Sklaven nach Brasilien kamen und deren Religionen sich hier - wie der Voodoo in Haiti oder die synkretistischen Religionen in Kuba - mehr oder weniger stark mit katholischen, aber auch indianischen und spiritistischen Traditionen vermischt haben.
So unterschiedlich wie die Herkunft der Sklaven, waren auch ihre religiösen Vorstellungswelten, die den Candomblé prägten.
Charakteristisch für alle Gruppen ist die Verehrung mehrerer Gottheiten
(z. B. die Orixás der Yorubá-Kultur) und der Glaube daran, daß die Götter kurzzeitig in die körperliche Hülle ausgewählter Anhänger schlüpfen, um sich auf diese Weise zu offenbaren.

Denn die afrikanischen Götter sind unsichtbar.

Sie materialisieren sich in den Medien wie dem Wind auf der Wasseroberfläche eines Sees oder im Laub der Bäume.

Die Götter des Candomblé, die Orixás, haben menschliche Züge mit Schwächen und Fehlern.
Im Candomblé gibt es keinen Sündenfall und keine Vergebung; die Anhänger erwartet nach dem Tod weder Himmel noch Hölle. Es gibt Kräfte, die Gutes bewirken, und andere, die Schlechtes bewirken.

Die Götter aber geben keine moralischen Richtlinien vor.9

Da es keine geschriebenen Texte gibt, werden die Grundregeln mündlich überliefert und die religiösen Prinzipien in zahlreichen Legenden über die Orixás von Generation zu Generation weitervermittelt.

IV. I. Mythen, Rituale und Hierarchie innerhalb des Candomblé

Vor allem durch die Zeremonien und Feste in den Kultstätten (Terreiros) bleiben die Riten, Mythen und Praktiken lebendiges Kulturgut.
In Bahia dominieren heute die Candomblé-Richtungen (Keto, Nagô, Ijexá) der Yorubá-sprachigen Kultur, welche aus dem Gebiet Nigerias und Dahomeys stammen.

O ritual dos cultos de origem Bantu era inicialmente diferente das cerimônias.
ÜS: ,,Die ursprünglichen Kultrituale in Bantu waren [allerdings] zu Beginn andere Zeremonien."10

Oft sieht man in diesem Landesteil Brasiliens weißgekleidete Baianas - die in Speisen anbieten.
Sowohl ihre Kleidung als auch ihre Tätigkeit, denn das Essen, das sie zubereiten, ist die Lieblingsspeise der Göttin des Windes Iansã, weisen auf ihre Zugehörigkeit zum Candomblé hin.
Und natürlich bestimmen diese Vorlieben der Orixás insbesondere die Speisekarte der einfachen Restaurants: beispielsweise Huhn in dunkler Sauce (Galinha ao molho pardo) am Montag, dem Tag Exús, oder das Okraschotengericht Caruru am Freitag, das Lieblingsgericht Oxalás.
An diesem Tag tragen viele Bahianer traditionell weiße Kleidung zu Ehren dieses erhabensten aller afrikanischen Götter.
In Bahia gibt es rund 8000 religiöse Stätten des Candomblé, in denen noch heute die afrikanischen Götter verehrt werden.

Diese Orte gelten als besonders energiegeladen.

Früher lagen sie außerhalb der großen Zentren, heute befinden sich viele alte sogenannte Terreiros mitten im Stadtgebiet Salvadors.11

In den Terreiros lebt die Gemeinschaft der Geistlichen des Candomblé.

In der Mehrzahl steht eine Frau an der Spitze, die Ialorixá, auch Mãe de Santo (Heilige Mutter) genannt, seltener ein Babalorixá, auch Pai de Santo (Heiliger Vater) genannt.
Diese Priesterinnen und Priester sind nicht nur oberste Vorsteher eines Terreiros in geistiger und administrativer Hinsicht, sondern auch anerkannte Autoritäten in allen Lebenslagen.


Sie kennen die Geheimnisse und Wege, um das Axé, die positive
Energie, aller Pflanzen, Lebewesen, Steine oder Naturgewalten zu
entfalten.

Abb. 3 oben: Candomblé-Altar

In Bahia ist es üblich, bei Krankheit, zu Beginn einer Reise oder vor einer wichtigen Entscheidung ein Terreiro aufzusuchen und den Schutz der Orixás zu erbitten.
Die Ialorixás werfen die Kauri-Muscheln (jogar os búzios), um den Willen der Götter zu erfahren und geben dann den Menschen Ratschläge, wie die Orixás wohl zu stimmen sind.
Ihre Kenntnis der Kräuter und Pflanzen hat die Heilkunst in den Terreiros längst zum Gegenstand medizinisch-wissenschaftlicher Untersuchungen werden lassen.

An nächster Stelle in der Hierarchie kommen die Ogãs, Männer, die oft auch außerhalb der Terreiros leben und meistens herausragende Positionen im gesellschaftlichen Leben der Stadt einnehmen.
Sie bilden eine Art Rat und übernehmen bestimmte Pflichten während und außerhalb der religiösen Zeremonien.

Sie werden von der Orixás und der Ilorixá ausgewählt.

Wie die Ogãs gibt es auch eine bestimmte Anzahl von Frauen, die Ekedes, die spezielle Dienste im Terreiro leisten.
Sie sind es beispielsweise, die bei den öffentlichen Festen den Heiligentöchtern beistehen.
Diese Heiligentöchter (Filhas de Santo) erfüllen eine der wichtigsten Aufgaben, denn sie können im Trancezustand zu Medien und Dienerinnen der Orixás werden.
Bei den Festen steigen die Orixás von den Trommeln gerufen herab, um die Körper der Laôs, wie sie auch heißen, in Besitz zu nehmen.
Ausgelöst wird die Trance vermutlich durch die Tänze und die rhythmischen Trommelschläge, vielleicht aber auch durch bestimmte Gerüche, Farben und Klänge.
Die Trance wird oft beschrieben als ein Zustand des totalen Vergessens, des Außer-sich-seins; von Unterwerfung einerseits und Besessenheit andererseits, ist da die Rede.

Die Einweihungszeit einer Filha de Santo in den traditionellen Candomblés dauert Monate.

,,Ihnen wir der Kopf gemacht", sagt man in Brasilien.

In der Abgeschiedenheit des Terreiros lernen sie die Riten und Regeln des Candomblé kennen.
Unter Aufsicht der Mãe de Santo fasten sie, bekommen Absude aus Pflanzen und Kräutern zu trinken und nehmen reinigende Kräuterbäder.

Nach und nach legen sie ihre profane Existenz ab.

Am Tag der Einweihung einer Heiligentochter findet ein großes Fest statt, bei dem ihr unter Ausschluß der Öffentlichkeit der Kopf rasiert und ein Tier darüber geopfert wird.

Der Orixá ergreift Besitz von seinem neuen Medium.

Mit zunehmendem Alter und Zeit der Einweihung steigt eine Heiligentochter in der Rangordnung des Terreiros auf.

IV. II. Die Götter des Candomblé

Gemeinhin wird der Candomblé zu den polytheistischen Religionen gezählt.
Im Grunde ist das auch richtig, vorausgesetzt man übersetzt Santos mit Götter. Korrekt übersetzt heißt Santos aber eigentlich Heilige.
Deidades, also die Mehrzahl von Deus (Gott) taucht im Sprachgebrauch der Candomblé jedoch niemals auf.

Interessanter Weise gibt es im Candomblé auch so etwas wie einen Gott.
Dieser thront aber so weit über allen anderen, daß er in der Regel nicht in den Ritualen angesprochen wird.
Dieser Gott (der übrigens auch korrekt mit Deus benannt wird) ist so mächtig, daß der Kontakt zu ihm für Menschen nach Angaben der Anhänger des Candomblé gefährlich ist.

Es drängt sich der Vergleich zu der ,,Götterstruktur" Griechenlands auf, also Zeus als Gottvater, und ihm untergeordnet alle anderen Götter.
Dieses verwundert aber nicht sonderlich, da der Candomblé in direkter Linie aus dem Yoruba und anderen afrikanischen Naturreligionen entstanden ist, also der Urreligion schlechthin, aus der letztendlich auch alle anderen Religionen hervorgegangen sind.

Anzumerken ist hier aber unbedingt, daß es keine verbindlichen Beschreibungen der Götter gibt, wenngleich meistens eine allgemeine ,,Vorsteherin" für sämtliche Terreiros gewählt wird.

Auch hat nahezu jeder Terreiro hat eine eigene Sichtweise der Götter.
Existem numerosos outros terreiros que seguem o ritual Kétu, como o do Illé Mariolajê no Matatu, mais conhecido sob o nome de Alaketu, cuja Mãe de santo atual, Olga de Alaketu, já foi várias vezes à África.
ÜS: ,,Es existieren eine Unzahl von Terreiros, die dem Kétu-Ritual folgen, wie der von Illé Mariolajê in Matatu, besser bekannt unter dem Namen Alaketu, deren Mutter, Olga von Alaketu, die aktuelle Heilige ist, welche schon öfters in Afrika war."12



Der Candomblé kennt 16 allgemeine Orixá, Götter, die sich in mehrere Manifestationen aufteilen und Botschafter des höchsten Gottes Olórun sind.

Viele Orixás werden mit katholischen Heiligen assoziiert.
Dies ist dahingehend zu erklären, daß die Sklaven nach ihrer Ankunft in Brasilien gezwungen wurden, zum katholischen Glauben zu konvertieren.
Angesichts der Zwangschristianisierung begannen sie, ihren Göttern katholische Heilige zuzuordnen, um so ungestraft weiter ihren Glauben praktizieren zu können.

So werden z. B. der Eisengott Ogun mit dem Heiligen Antonius, der Schöpfungsgott Oxalá mit Jesus Chistus, der Feuergott Xangô mit dem Heiligen Hieronymus, der Pestgott Omolu mit dem Heiligen Lazarus, und die Meeresgöttin Iemanjá mit der Jungfrau Maria gleichgesetzt.
Die Orixá verkörpern jeweils einen Bereich der Natur, eine Wirklichkeitsebene und einen Aspekt des Seins.

Sie werden mit den Symbolen des Kosmos und seinen Naturkräften,
z. B. den Blitzen, Winden, Wassern, dem Feuer und der Erde assoziiert.

Sie sind Wesen aus der jenseitigen Welt, die während der Trance in den initiierten Menschen, präziser in seinen Kopf einfahren und in dieser Form Gestalt annehmen.
Der Candomblé gehört in religionswissenschaftlicher Terminologie zu den Besessenheitsreligionen.
In den mythischen Erzählungen verhalten sich die Orixá wie Menschen. Leidenschaften, Intrigen, Liebe und Verrat bestimmen ihr Verhältnis zueinander sowie die Eigenschaften, die ihnen zugeschrieben werden.
Als vergöttlichte Ahnen nehmen sie außerdem eine Vermittlerrolle zwischen Diesseits und Jenseits ein.
Jeder Orixá repräsentiert einen Teilaspekt der Natur und bestimmte Aspekte menschlicher Charaktereigenschaften.
Ihm werden bestimmte Mineralien, Farben, Rhythmen, Wochentage, Tiere, Pflanzen, Zahlen, Speisen und Getränke zugeordnet.

Nachfolgend die wichtigsten Orixás:
Exu - der Götterbote
Als Sohn des höchsten Gottes Olórun und der Meeresgöttin Iemanjá ist er das Prinzip der Dynamik, symbolisiert die heilige Kraft Axé und öffnet die Wege für die Menschen.

Ihm gehören die Wegkreuzungen, und er ist Botschafter zwischen Menschen und Göttern.
Exu também está representado com objetos à sua boca; dedo, cachimbo e principalmente flauta, que vem representar a atividade sexual.
ÜS: ,,Exu wird auch mit Objekten in seinem Mund gezeigt, Finger, Pfeife und hauptsächlich mit einer Flöte, die die sexuelle Aktivität repräsentiert."13

Die Gläubigen im Candomblé sind verpflichtet, Exu vor jedem Ritual zu begrüßen und zu besänftigen.
Da er weder moralisch noch unmoralisch, sondern amoralisch ist (d.h. demjenigen dient, der ihn am besten bezahlt), wird er von Außenstehenden mit dem christlichen Teufel gleichgesetzt.

Ogum - der Kriegergott
Er wird im Ritual direkt nach Exu begrüßt und ist der Herr der Kriege.
Ogum war in den Sklavenaufständen von großer Bedeutung.
Heute ist er auch Beschützer aller derjenigen, die beruflich mit Metall zu tun haben.
Als Archetyp steht er für streitbare, impulsive Menschen.

Oxóssi - der Jägergott

Er ist der Bruder Ogums und ebenfalls ungestüm und wild.

Als Jäger und Orixá der Jagd wird er gleichzeitig als Schützer des Waldes und der Tiere gesehen.
Als Archetyp steht er für aufgeweckte, schnelle Menschen, die gleichzeitig aufmerksam und immer in Bewegung sind.

Xangô - der Gott von Blitz und Donner

Als mythologischer Herrscher des afrikanischen Königreiches Oyo gebietet Xangô über die Gerechtigkeit.
Er ist ein sehr viriler Gott und sehr populär.
Seine Hauptfrau ist Iansã, er liegt jedoch um seine Lieblingsfrau Oxum in ständigem Streit mit Ogum.
Als Archetyp steht er für energische, hochmütige und willensstarke Menschen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn, die sich sehr vom entgegengesetzten Geschlecht angezogen fühlen und auch schon einmal die Kontrolle verlieren.

Iansã - die Göttin der Stürme
Sie gilt als einer der wichtigsten Orixás und steht aufgrund bestimmter Mythen dem Tod besonders nah.
Als Archetyp steht sie für kühne, mächtige und autoritäre Frauen, die einerseits polygam, andererseits eifersüchtig sind.

Oxum - die Göttin des Süßwassers

Sie ist die Göttin des gleichnamigen Flusses (Oshun) in Nigeria.
In Brasilien lebt sie in allen Flüssen und Quellen, vertritt Fruchtbarkeit, Liebe, Schönheit und Reichtum.
Als Archetyp steht sie für graziöse, elegante Frauen mit einer Leidenschaft für Schmuck, Parfum und teure Kleidung.


Iemanjá - die Meeresgöttin
Abb. 4 oben: Iemanjá, die Fruchtbarkeitsgöttin
Sie ist für die Fruchtbarkeit zuständig und als Gebärerin aller Orixás eine große Mutterfigur.
Sie gilt als vornehm, stolz und besonders schön.
Als Archetyp steht sie für gleichzeitig willensstarke, schützende und hochmütige Frauen.
Die Meeresgöttin Iemanjá wird unter Einfluß europäisch-antiker Bilderwelten häufig mit einem Fischschwanz dargestellt.

Obaluaé - der Gott der Pocken
Er steht sowohl für Krankheit als auch für Heilung und gilt als Arzt unter den Orixás.
Als Archetyp steht er für Menschen mit masochistischen Tendenzen, die immer unzufrieden sind und sich in manchen Fällen völlig dem Wohlergehen anderer widmen.

Oxalá - der höchste Gott

Oxalá wurde als erster von Olórun geschaffen und hat einen sturen, unabhängigen Charakter, der ihm viele Probleme einhandelt.
Als ,,Herr des guten Endes" mit Jesus Christus gleichgesetzt, wird er in Bahia auf großen Volksfesten verehrt.
Als Archetyp steht er für ruhige, vertrauenswürdige Menschen mit starkem Willen.

IV. III. Die Einflußnahme des Candomblé im täglichen Leben der Anhänger

Nach der Sklavenbefreiung kehrten viele ,,Libertos" (Freigelassene) nach Afrika zurück, um sich in die religiösen Riten ihrer Vorfahren tiefer einweihen zu lassen und die neuen Kenntnisse nach Bahia zurückzubringen, oder um sich in Afrika niederzulassen.
Der somit stetige Informationsfluß zwischen Bahia und Afrika verhinderte eine ,,Verweißung" der schwarzen Kultur in Brasilien und den Verlust ihrer Wurzeln.

Die Ideologie des Candomblé legitimierte die militärischen Aktionen zur Zeit der Sklavenaufstände seiner Anhänger, kulturell-religiöser und politischer Widerstand waren miteinander verstrickt.
Zum Beispiel waren die Totengeister Egun die Schutzherren der nichtislamisierten Nagô-Rebellen, und 1835 wurden mehrere Candomblé-Musikinstrumente und rituelle Gegenstände in den Häusern der Aufständischen gefunden.
Im Candomblé erhielten die Rebellen ihre spirituellen Kräfte, unterzogen sich Riten, um ,,ihre Körper vor den feindlichen Waffen zu schließen" und fanden Unterschlupf vor ihren Häschern.
Dies zeigt die enge Verwobenheit von Rassen-, Klassenkampf und religiöser Organisation.
Die Religion spielte eine bedeutende Rolle in der Bewahrung der Kultur der Unterdrückten.
Sie überlebte Krisen, Rebellionen, Verfolgungen und harte Repressalien. Nachdem die Sklavenaufstände grausam niedergeschlagen waren, erfolgte ein ,,militärischer Rückzug" der Schwarzen in die Religion, u.a. in dem Versuch, sich effektivere Widerstandsformen anzueignen.
Der religiöse Ort wurde das letzte Refugium, um die afro-brasilianische Identität zu erhalten.

Aber auch nach der Abschaffung der Sklaverei in Brasilien folgten Repressalien und Diskriminierungen.
In Bahia verbreitete ein berittenes Polizeischwadron in den 20er Jahren Angst und Schrecken in den Terreiros.
Noch unter dem Regierungspräsidenten Getúlio Vargas, im Jahr 1940, wurden die als ,,schwarze Zauberpriester" bezeichneten Würdenträger ins Gefängnis gesteckt.
Vielleicht haftet dem Candomblé durch diese Verbote und die im Verborgenen vollzogenen Kulte etwas Geheimnisvolles an.
Bis Ende der 70er Jahre mußte sogar für jede Kulthandlung bei der Polizei eine Erlaubnis eingeholt und eine Gebühr bezahlt werden.

Obwohl die afrobrasilianischen Religionen inzwischen erlaubt und selbstverständlich Teil des Alltags sind, findet man außerhalb von Salvador selten Menschen, die offen darüber sprechen.
Das zunehmende Bekenntnis zum Candomblé innerhalb Salvadors ist sicherlich Ausdruck des wachsenden Bewußtseins der schwarzen Bevölkerung, die den Wert ihrer eigenen Kultur wiederentdeckt.

Wie bereits in den oben beschriebenen Kapiteln angedeutet, bestimmt der Candomblé das Leben seiner Anhänger in einer Form, die uns als Mitteleuropäer nicht (mehr) geläufig ist.

So wird für jede wichtige Entscheidung im Leben eine Ialorixás befragt; auch werden sämtliche Feierlichkeiten in der Regel besucht.

Das traditionelle Familienleben läuft ebenfalls unter den ,,Regeln" des Candomblé ab.

Nicht zuletzt erfüllt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Anhänger dieser Religion auch einen guten Zweck.

Sollte ein Gemeindemitglied in Not geraten, darf er sich der Hilfe der anderen Mitglieder in ,,seinem Terreiro" sicher sein.

Auch die Einrichtung der Wohnungen und Häuser, in denen die Anhänger des Candomblé leben, werden nach bestimmten Mustern angeordnet, um ,,die Aura der Geister" jederzeit um sich zu haben.

In Bahia und speziell bei den Candomblé-Anhängern hat Musik und Tanz eine besondere Bedeutung, denn dies gehört zum Ausdruck der Zugehörigkeit zu dieser Religion.
Die Trommelrhythmen bilden die Grundlage der Zeremonie; für jeden Orixá gibt es einen eigenen Rhythmus, der Tempo und Akzentuierung vorgibt.
La música de afros como Olodum, Ara Ketu o Ilé Aiyê nace del candomblé, sincretismo de creencias africanas y fe cristiana.
ÜS: ,,Die Musik der Afrikaner, wie Olodum, Ara Ketu oder Ilé Aiyê, sind Ausdruck für die afrikanischen und christlichen Feste des Candomblé."14

IV. IV. Die Rolle der Frauen in Bahia und im Candomblé

Auch wenn sich das Leben in der Großstadt Salvador wesentlich von dem auf dem Lande in Bahia unterscheidet - moderner, schneller, freizügiger ist - so sind die Moralvorstellungen, Rollenverteilungen, Traditionen in ihren Grundzügen innerhalb der Familie und zwischen den Geschlechtern doch ähnlich konservativ.
In den letzten Jahren haben sich die Auffassungen der jungen Bahianer, insbesondere der Frauen, über Ehe und Familie allerdings stark verändert, so daß es zunehmend zu Konflikten kommt.15
Bisher manifestierte sich die rolle der Frau hauptsächlich auf die Kindererziehung und dem dienen des Mannes.
Ausdruck dessen ist z. b. die Möglichkeit des Mannes neben der Ehefrau gleichzeitig mehrere Freundinnen zu haben, währen der Frau solche Möglichkeiten verwehrt bleiben.
Soltte eine Frau ebenfalls einen Liebhaber haben, würde sie von der Gesellschaft gemieden werden, während das Ansehen des Mannes mit der Anzahl der Freundinnen steigt.
Auch ist es so, daß eine Frau möglichst als Jungfrau in die Ehe gehen sollte, während es durchaus akzeptiert wird, wenn bahianische Männer vor der Ehe sexuelle Kontakte hatten.

Aber auch in anderen Teilbereichen zeigt sich, daß in Bahia alte, festgesetzte Strukturen immer noch schwer zu beseitigen sind.
Frauen haben fast keine Möglichkeit zu einer fundierten Schulausbildung zu gelangen, da dies in den Augen vieler Familien keine Priorität hat, während die Männer die Ausbildungsangebote der Regierung vor allem in letzter Zeit intensiver nutzen.

Die ersten Kultstätten des Candomblé, die Terreiros, wurden allerdings von Frauen gegründet, vielleicht, weil diese in diesen Institutionen die Chance sahen, aus der Rolle der Unterdrückten herauszufinden und gleichzeitig das Wohlwollen der Männer zu bekommen.

IV. V. Die Umbanda-Religion

Die Umbanda-Religion ist erst in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts entstanden und vor allem im Südosten Brasiliens verbreitet.
Erst in letzter Zeit wächst auch in Bahia die Zahl der Anhänger.
Mit der ,,Einweißung" (d. h. der Übernahme katholischer und spiritistischer Elemente) werden zunehmend Mitglieder in der brasilianischen Mittelschicht gewonnen, denen der Candomblé zu stark von der Kultur der Schwarzen geprägt ist.
So werden die Feiern in der Umbanda beispielsweise in portugiesischer Sprache abgehalten.

Auch hier verehrt man einige der Orixás, aber es sind neue Figuren und Rituale hinzugekommen:
z. B. die Naturgeister indianischer Abstammung (Caboclos), oder verstorbene Sklaven, die über Zauberkräfte verfügen (Pretos-Velhos), und zu Exu gesellt sich ein weibliches Pendant, die Pomba-gira, eine Prostituierte.
Die Idee der Wiedergeburt, die Hoffnung Kontakt zu den Seelen der Toten herzustellen und vor allem die Sitzungen, in denen die Gläubigen Ratschläge für die Bewältigung ihrer Probleme im Alltag erhalten, spielen eine große Rolle in der Umbanda.
Die Entstehung dieser Religion wird daher von Soziologen auch als Ausdruck der Anpassung an die großstädtische Zivilisation und an eine soziale Realität erklärt, in der es schier unüberwindbare gesellschaftliche Mißstände gibt.

LITERATURNACHWEIS

Bibliographie

- Rita de Cássia Amaral, Povo-de-santo, povo de festa. O estilo de vida dos adeptos do candomblé paulista (Diss. an der Universität São Paulo 1992)

ÜS: ,,Das heilige Volk, das Volk des Festes. Der Lebensstil der Paulistaner Candomblé-Anhänger"

- Dieter Fohr, Trance und Magie. Die afrobrasilianischen Religionen
(Kösel/München 1997)

- Alejandro Frigerio, El futuro de las religiones mágicas en America Latina
(Buenos Aires 1998)

ÜS: ,,Die Zukunft der magischen Religionen in Lateinamerika"

- Reginaldo Prandi, Os candomblés de São Paulo (São Paulo 1992)

ÜS: ,,Die Candomblés aus São Paulo"

- Artur Ramos, As culturas negras no Novo Mundo (São Paulo 1998)

ÜS: ,,Die schwarzen Kulturen der neuen Welt"

- Jócelio Teles Santos, O Dono da Terra. O caboclo nos candomblés da Bahia (Salvador 1995)
ÜS: ,,Der Eigentümer der Erde. Der Caboclo in den bahianischen Candomblés"

- DuMont-Reiseführer - Petra Schaeber, Alexander Busch, Brasilien. Bahia (Köln 1993)

- ,,Veja" Nr. 9, März 2000, 8. Jhrg. (Sao Paulo 2000)

- Stefan Zweig, Brasilien. Ein Land der Zukunft (Frankfurt/Main 1997)

Bildnachweis/Elektronische Quellen

- Abb. 1a (Titelblatt) aus: Giorgio Paleari in: <http://www.pime.org.br/pimenet/missaojovem/mjregafrocandomble2.

htm> (o.O, o. D.)

- Abb. 1b (Titelblatt) aus: Giorgio Paleari in: <http://www.pime.org.br/pimenet/missaojovem/mjregafrocandomble2.
htm> (o.O, o. D.)

- Abb. 1c (Titelblatt) aus: o. N. in: <http://www.prdoforte.com.br/mapa_Bahia.htm> (o. O, o. D.)

- Abb. 2 aus: in: o. N. in:
<http://www.quatrocantos.com/clipart/bandeiras/bandeiras_brasil/bandeiras_01.htm> (o. O. 1999-2002)

- Abb. 3 aus: Völkerkundemuseum Hamburg in: <http://www.voelkerkundemuseum.com/web/amerika.htm>
(Hamburg o. D.)

- Abb. 4 aus: in: Marcelo Santos de Abracari in: <http://www.iemanja.com.br/imagens01.htm> (Maceió 2001)

1 Stefan Zweig, Brasilien. Ein Land der Zukunft (Frankfurt/Main 1997) S. 21

2 Zweig, Brasilien S. 21f.

3 Vor allem in den am dichtesten bewohnten Gebieten Nord (-ost)brasiliens, während die südliche und südöstliche Region nahezu unbewohnt war.

4 In: ,,Veja" Nr. 9, März 2000, 8. Jhrg. (Sao Paulo 2000) S. 35

5 Brasilien war zu diesem Zeitpunkt das letzte Land, welches die Sklaverei abschaffte; die übrigen lateinamerikanischen Staaten verboten die Sklaverei z. b. schon 80 Jahre zuvor.

6 DuMont-Reiseführer - Petra Schaeber, Alexander Busch, Brasilien. Bahia (Köln 1993) S. 54f.

7 Jócelio Teles Santos, O Dono da Terra. O caboclo nos candomblés da Bahia (Salvador 1995) S. 14
ÜS: ,,Der Eigentümer der Erde. Der Caboclo in den bahianischen Candomblés"

8 Stand 2001/lt. IBGE (Instituto Brasileiro Geografia e Estatístico)

9 Dieter Fohr, Trance und Magie. Die afrobrasilianischen Religionen (Kösel/München 1997) S. 41f.

10 Artur Ramos, As culturas negras no Novo Mundo (São Paulo 1998) S. 11

ÜS: ,,Die schwarzen Kulturen der neuen Welt"

11 Die ersten Terreiros entstanden am Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Gemeinschaft des ,,Casa Branca" (Weißes Haus), die sich organisierte und begann, eine Struktur von Müttern und Töchtern der Heiligen aufzubauen, eine Struktur von Initiation und all den anderen Riten innerhalb des Terreiros.

Dies gestaltete sich aufgrund der mangelnden Zeit als äußerst schwierig. Die Organisation der ersten Terreiros in Bahia geht auf die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts zurück.

12 Rita de Cássia Amaral, Povo-de-santo, povo de festa. O estilo de vida dos adeptos

do candomblé paulista (Diss. an der Universität São Paulo 1992) S. 271
ÜS: ,,Das heilige Volk, das Volk des Festes. Der Lebensstil der Paulistaner Candomblé-Anhänger"

13 Reginaldo Prandi, Os candomblés de São Paulo (São Paulo 1992) S. 145f.

ÜS: ,,Die Candomblés aus São Paulo"

14 Alejandro Frigerio, El futuro de las religiones mágicas en America Latina (Buenos Aires 1998) S. 165

ÜS: ,,Die Zukunft der magischen Religionen in Lateinamerika"

15 DuMont-Reiseführer, Bahia S. 50f.

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