Research Paper (Pre-University), 2002, 21 Pages
Author: Andree Große
Subject: Mathematics - Analysis
Details
Tags: Bogenlänge
Year: 2002
Pages: 21
Grade: 15 Punkte
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-05484-8
File size: 282 KB
Diese Facharbeit behandelt das Thema Bogenlänge von Funktionen in kartesischen Koordinaten, in Polarkoordinaten und in Parameterform. Zur Note muss man sagen, dass unser Lehrer in Bezug auf Facharbeiten wahrscheinlich nicht der strengste ist ;)
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Bogenlänge
Inhaltsverzeichnis
Seite
1.
Definition und Anwendung der Bogenlänge
2
2.
Berechnung der Bogenlänge in kartesischen Koordinaten
2
2.1
Herleitung einer Formel für die Bogenlänge
2
2.2
Überprüfung der Gleichung (f.1) am Beispiel des Einheitskreises
4
3.
Berechnung der Bogenlänge einer Kurve in Polarkoordinaten
5
3.1
Aufbau des Polarkoordinatensystems
5
3.2
Herleitung einer Formel für die Bogenlänge in Polarkoordinaten 6
3.3
Herleitung der Formel aus (f.1)
7
3.4
Überprüfung der Gleichung (f.2) am Beispiel des Einheitskreises
9
4.
Berechnung der Bogenlänge in Parameterdarstellung
9
4.1
Definition der Parameterdarstellung
9
4.2
Herleitung einer Formel für die Bogenlänge in Parameterdarstellung
10
4.3
Zusammenhang von (f.1) und (f.3)
11
4.4
Überprüfung der Gleichung (f.3) am Beispiel des Einheitskreises
12
5. Eine
Beispielanwendung
13
6. Resümee
19
Anhang
20
Literaturverzeichnis
20
Sonstige Hilfsmittel
20
Bogenlänge ebener Kurven -
1
-
Andree Große
1. Definition und Anwendung der Bogenlänge
Den Begriff ,,Bogenlänge" ist primär aus der Kreisgeometrie bekannt, wo er die Länge
eines Kreisbogens bezeichnete. Mit Bogenlänge meint man im Allgemeineren auch die
Länge einer Kurve, anschaulich gesehen also die Länge, die ein Faden hätte, wenn man ihn
in einem bestimmten Intervall exakt über die Kurve legen würde.
Die Bogenlänge lässt sich annährend bestimmen, indem man eine Kurve in mehrere
geradlinige Strecken unterteilt, d.h. man legt einen
Polygonzug
über die Kurve. Wird die
Unterteilung feiner, passt sich dieser Polygonzug immer genauer der Kurve an und seine
Länge nähert sich der des Graphen an. Durch die Integralrechnung kann man dann nicht
nur Nährungs-, sondern auch exakte Werte berechnen.
Die Berechnung der Bogenlänge ist besonders im technischen und handwerklichen Bereich
von Bedeutung. So findet sie beim Brückenbau oder im allgemeinen bei der Herstellung
,,krummer" Bauelemente Verwendung. Man kann sie aber auch zur Berechnung von
Entfernungen einsetzen, die sich auf einer Kurvenbahn bewegende Körper zurücklegen,
wie in Kapitel 4 erläutert wird.
2. Berechnung der Bogenlänge in kartesischen Koordinaten
2.1 Herleitung einer Formel für die Bogenlänge
Eine Formel für die Bogenlänge des Graphen einer Funktion
y
=
f
(
x
) in einem Intervall
[
a
;
b
] kann man sehr anschaulich durch eine äquidistante Unteilung dieses Intervalls, also
eine Zerlegung der Kurve in mehrere Teilstrecken, herleiten (Abb. 1). Dabei ist es
einfacher, gleich den allgemeinen Fall anstatt zuerst spezielle Funktionen zu betrachten.
y
f
(
x
+
x
)
i
yi
s
i
f
(
x
)
i
(Abb. 1)
x
x
x
x
i
i
1
+
Bogenlänge ebener Kurven -
2
-
Andree Große
Der Graph wird im gegebenen Intervall [
a
;
b
] in
n
gleichlange Teilstücke mit der Länge
b
-
a
=
x
mit
a
=
x
und
b
=
x
unterteilt. Wie sich aus Abbildung 1 erkennen lässt, gilt
n
1
n
1
+
nach dem Satz von Pythagoras für die Länge jeder Strecke
s
:
i
2
2
2
2
2
s
=
+
= 1+
= 1+
i
(
x
) (
yi
)
(
yi
)
yi
(
x
)
x
x
2
x
Für die Summe aller Teilstrecken
s
bis
s
ergibt sich:
1
n
n
n
2
y
s
i
= 1+
x
i
=1
=1
i
i
x
Für den Grenzübergang
n
,
x
0 werden die Teilstrecken so klein, dass sie sich
der Kurvenform beliebig genau anpassen. Der Grenzwert dieser Summenfolge lässt sich als
Integral schreiben. Dabei wird der Differenzenquotient
y
i
zum Differentialquotienten
x
f
′(
x
) . Es folgt für die Bogenlänge
B
:
i
n
2
y
xn
1
B
i
= lim
+
1+
x
=
1+ (
f
′(
x
))2
dx
n
=1
i
x
x
1
Die Bogenlänge
B
des Graphen einer Funktion
y
=
f
(
x
) im Intervall [
a
;
b
] ist also das
bestimmte Integral:
b
(f.1)
B
=
1 (
f
′(
x
)2
)
dx
+
a
Diese Verfahrensweise setzt voraus, dass die Funktion
f
(
x
) in dem gegebenen Intervall
differenzierbar ist. Die Ableitung
f
′(
x
) muss zudem integrierbar sein. Die Funktion
f
(
x
) selber wird dann als
stetig differenzierbar
bezeichnet.
Bogenlänge ebener Kurven -
3
-
Andree Große
2.2 Überprüfung der Gleichung (f.1) am Beispiel des Einheitskreises
Die Funktionsgleichung des Einheitskreises ist
2
f
(
x
) = ± 1-
x
. Der obere Halbbogen
hat die Länge . Dies soll nun über die Formel für die Bogenlänge eines
Funktionsgraphen berechnet werden (Abb. 2).
y
2
f
(
x
) = 1-
x
=
(Abb. 2)
(1-
x
)1
2 2
1
1
-
x
f
′(
x
) = (
2
1-
x
) 2 -2
x
= -
2
2
1-
x
-1
0
1
x
Für die Bogenlänge gilt:
1
B
=
1+ (
f
′(
x
)
2
)
dx
-1
1
2
=
x
1+
dx
1- 2
x
-1
1
=
1
(1-
x
2
2
)+
x
2)
dx
1-
x
-1
1
= 1
dx
2
-1 1 -
x
1
In der Formelsammlung findet man die Stammfunktion von
f
(
x
) =
:
2
1-
x
F
(
x
1
) sin -
=
(
x
)
B
= [
-1
sin (
x
)] 1 =
-
1
Die über die Formel berechnete Bogenlänge ist in diesem Fall also korrekt.
Bogenlänge ebener Kurven -
4
-
Andree Große
3. Berechnung der Bogenlänge einer Kurve in Polarkoordinaten
Gerade bei der Berechnung der Bogenlänge eines Kreises bietet es sich an, die Funktion
nicht in kartesischen Koordinaten darzustellen, sondern in
Polarkoordinaten
. Die Funktion
des Einheitskreises hat in Polarkoordinaten zum Beispiel die Form
f
() = 1 . Auch ohne
die Darstellung in Polarkoordinaten zu kennen, kann man erahnen, dass Berechnungen
über diese Funktion nicht sonderlich kompliziert sein werden.
3.1 Aufbau des Polarkoordinatensystems
Ein Punkt wird in Polarkoordinaten durch zwei Variablen definiert:
1. Der Radialkoordinate
r
, die den Abstand des Punktes vom Koordinatenursprung
(Pol) angibt. Negative
r-
Werte werden in Gegenrichtung aufgetragen.
2. Dem Polarwinkel , der den Winkel zwischen der Strecke
OP
und der
Polarachse im Bogenmaß angibt. Die Polarachse ist ein vom Pol ausgehender
Strahl. Der Polarwinkel ist positiv, wenn er im Gegenuhrzeigersinn von der
Polarachse aus gemessen wird. Wird er im Uhrzeigersinn gemessen, ist er negativ.
Wird nun jeder durch den Winkel festgelegten Richtung innerhalb eines vorgegebenen
Definitionsbereichs eindeutig ein Wert
r
zugeordnet, liegt also eine Gleichung der Gestalt
r
=
f
() vor, erhält man eine Kurve. Zur Verdeutlichung eine Abbildung:
P
(
r
, )
P
(
r
, )
1
1
1
2
2
2
r
1
r
2
2
1
0 Polarachse
(Abb. 3)
Bogenlänge ebener Kurven -
5
-
Andree Große
3.2 Herleitung einer Formel für die Bogenlänge in Polarkoordinaten
Analog zur Darstellung in kartesischen Koordinaten, wo ein Streckenintervall in mehrere
gleichgroße Teilstrecken zerlegt wurde, kann man eine Formel für die Bogenlänge des
Graphen einer Funktion
f
() =
r
durch die Zerlegung eines Winkelintervalls in mehrere
gleichgroße Teilwinkel herleiten (Abb. 4).
Q
s
i
P
r
b
i
i
r
i
R
ri
(Abb. 4)
0
Polarachse
Der Graph wird im Intervall [; ] in
n
gleichgroße Teilwinkel mit der Größe
-
=
n
unterteilt. Da die Winkelangaben im Bogenmaß erfolgen, hätte ein Kreisausschnitt mit dem
Radius
r
und dem Zentriwinkel
die Bogenlänge
b
=
r
. Nun ist die Strecke
b
i
i
i
nur unwesentlich kürzer als ein solches Bogenstück. Daher folgt für sehr kleine Werte von
also
b
r
. Dabei wird das auch Dreieck PQR annährend rechtwinklig.
i
i
Für
n
, 0 gilt folglich:
2
s
=
r
b
r
r
r
r
i
(
i
)
2 + (
i
)2 = (
i
)2 + (
i
)2
2
i
2
=
+
i
2
r
2
=
r
+
i
i
Bogenlänge ebener Kurven -
6
-
Andree Große
Für die Summe aller Teilstrecken von
s
bis
s
ergibt sich:
1
n
n
n
2
2
r
i
s
=
r
i
+
i
i
=1
i
=1
y
r
Genau wie
für
x
0 gegen
y
′ strebt, strebt
für 0 gegen
r
′ .
x
Hinweis: Die Ableitung einer Funktion in Polarkoordinaten hat allerdings eine
andere geometrische Bedeutung als die Ableitung einer Funktion in kartesischen
Koordinaten, aber darauf soll an dieser Stelle nicht genauer eingegangen werden.
Es folgt für die Bogenlänge
B
:
2
n
2
r
B
= lim
r
i
+
=
r
2 +
2
′
i
(
r
)
d
n
=1
i
Die Bogenlänge
B
des Graphen einer in Polarkoordinaten gegebenen Funktion
r
=
f
()
im Intervall [; ] ist also das bestimmte Integral:
(f.2)
B
=
r
2 (
r
′)2
d
+
3.3 Herleitung der Formel aus (f.1)
In der eben angewandten Methode wurden allerdings einige nicht weiter bewiesenen
Ungleichungen verwendet, nämlich dass man für den Grenzwert von 0 das Dreieck
PQR als rechtwinklig betrachten kann und das dann auch
b
=
r
gilt. Man kann
i
i
(f.2) aber auch aus (f.1) herleiten, was mathematisch gesehen etwas exakter ist.
Hierzu muss man einige Verhältnisse zwischen Polarkoordinaten und kartesischen
Koordinaten kennen. Diese lassen sich direkt aus (Abb.5) ablesen.
y
x
(Abb.5)
r
y
x / Polarachse
Bogenlänge ebener Kurven -
7
-
Andree Große
Fallen Polarachse und x-Achse sowie beide Koordinatenursprünge zusammen, gilt:
x
=
r
cos() ,
y
=
r
sin()
Setzt man
x
=
r
cos() =
g
() , gilt
g
′() =
r
′cos() -
r
sin() .
g
′() ist dann
aber die Ableitung von
x
nach dem Parameter , man kann also schreiben:
′
dx
g
( ) =
d
dx
=
g
′
( )
d
= (
r
′
cos( ) -
r
sin( ))
d
Auf dem gleichen Weg erhält man
dy
= (
r
′
sin( ) +
r
cos( ))
d
. Gleichung (f.1)
enthält zusätzlich noch
f
′(
x
) , was sich auch als
dy
ausdrücken lässt. Setzt man die eben
dx
hergeleiteten Gleichungen ein, erhält man schließlich:
dy
r
′sin() +
r
cos()
f
′(
x
) =
=
dx
r
′cos() -
r
sin()
Dies wird in Gleichung (f.1) eingesetzt und statt der Intervallgrenzen [
a
;
b
] die Grenzen
[;] verwendet:
b
B
=
1 (
f
′(
x
)2
)
dx
+
a
2
r
′
sin( ) +
r
cos( )
=
1+
(
r
′
cos( ) -
r
sin( ))
d
r
′
cos( ) -
r
sin( )
2
=
(
2
′sin( ) + cos( )
r
′
cos( ) -
r
sin( ))
r
r
1+
d
r
′
cos( ) -
r
sin( )
=
(
r
′
cos( ) -
r
sin( ))2 + (
r
′
sin( ) +
r
cos( ))
d
2
=
(
r
′)2 cos2
( ) +
r
2 sin 2
( ) + (
r
′)2 sin 2
( ) +
r
2 cos2
(
d
)
=
r
2
(sin2 () + cos2 ())+ (
r
′)2 (sin2 () + cos2 ())
d
Da sin 2 () + cos2 () = 1 ist, kommt man also auch auf diesem Wege auf die Gleichung:
(f.2)
B
=
r
2 (
r
′)2
d
+
Bogenlänge ebener Kurven -
8
-
Andree Große
3.4 Überprüfung der Gleichung (f.2) am Beispiel des Einheitskreises
Wie zu Anfang dieses Kapitels erwähnt, hat der Einheitskreis in Polarkoordinaten die
Funktion
f
() = 1 : für jeden Winkel ist der Radius
r
= 1. Zeichnet man die Funktion
im Intervall [- ; ], ergibt sich als Graph ein vollständiger Kreis. Die Bogenlänge lässt
sich daher recht einfach ausrechnen:
B
=
r
2 + (
r
′)2
d
=
12 + 02
d
= 1
d
= [] =
-
-
-
-
Auch hier arbeitet die Formel korrekt.
4. Berechnung der Bogenlänge in Parameterdarstellung
4.1 Definition der Parameterdarstellung
Oft werden Funktionen auch in Parameterdarstellung angegeben. Die Parameterdarstellung
werden zwar ebenfalls in kartesischen Koordinaten dargestellt, allerdings besteht dabei
keine direkte Beziehung zwischen der
x
- und der
y
-Koordinate. Stattdessen sind beide
Werte von einem dritten Parameter (in der Regel mit
t
bezeichnet) abhängig. Die
Koordinaten eines Punktes werden also durch zwei Funktionen definiert:
f t
( ) =
x
und
g t
( ) =
y
, oder vereinfacht:
x
(
t
) und
y
(
t
) . Zwar lässt sich daraus manchmal eine direkte
Beziehung von
x
und
y
ableiten, dies ist aber nicht zwingend gegeben.
Eine Kurve in Parameterdarstellung denkt man sich oft als die Bahn, die ein sich
bewegender Punkt
P
(
x
|
y
) beschreibt, wenn der Parameter
t
ein gegebenes Intervall
durchläuft (wobei
t
in diesem Zusammenhang meist die Zeit darstellt). So lässt sich zum
Beispiel recht einfach die Bewegungskurve eines horizontal abgeschossenen Balles
darstellen. Nehmen wir an, dass er sich in x-Richtung mit einer konstanten
Geschwindigkeit
v
bewegt und in y-Richtung durch die Erdgravitation die konstante
Beschleunigung
a
nach unten erfährt. Dann ist
x t
( ) =
v
t
und
1
2
y
(
t
) = -
a
t
. Wenn für
2
v
und
a
Werte eingesetzt und der Graphen gezeichnet wird, ergibt sich eine Wurfparabel
(Abb. 6).
Bogenlänge ebener Kurven -
9
-
Andree Große
y
5 10 15 20
x
-5
-10
(Abb. 6)
-15
x t
( ) = 10
t
,
1
2
y
(
t
) = - 10
t
(
t
)
0
2
-20
Die Bogenlänge des Graphen lässt sich daher in der Parameterdarstellung auch als die
Strecke verstehen, die ein sich auf dieser Kurve bewegender Punkt zurücklegt.
4.2 Herleitung einer Formel für die Bogenlänge in Parameterdarstellung
Da die Parameterdarstellung in kartesischen Koordinaten aufgetragen wird, kann man
genauso vorgehen wie beim Graph einer Funktion
f
(
x
) .
P
y
i
1
+
(Abb.7)
si
y
i
Pi
x
i
x
Ein Intervall [
a
;
b
] mit
a
=
t
und
b
=
t
wird in
n
Teilstücke zerlegt (Abb.7). Dabei ist
1
n
1
+
b a
t
-
=
. Wie man aus der Zeichnung ersehen kann gilt wieder:
n
2
2
2
2
s
=
+
=
+
i
(
xi
) (
yi
)
x
y
i
i
t
t
t
Bogenlänge ebener Kurven -
10
-
Andree Große
Für die Summe aller Teilstücke von
s
bis
s
ergibt sich:
1
n
n
n
2
2
s
=
x
y
t
i
i
i
+
i
=1
i
=1
t
t
Wir führen wieder den Grenzübergang
n
,
t
0 durch. Dabei ist in der
Parameterdarstellung
x
die Ableitung von
x
nach dem Parameter
t
, also
x
′(
t
) . Genauso
t
ist
y
=
y
′(
t
) . Es folgt:
t
n
2
2
x
y
xn
1
B
i
i
= lim
+
+
t
=
(
x
′
t
())2 + (
y
′
t
())2
dt
n
=1
i
t
t
x
1
Die Bogenlänge
B
des Graphen einer in Parameterdarstellung gegebenen Funktion
x
=
x
(
t
) ,
y
=
y
(
t
) im Intervall [
a
;
b
] ist also das bestimmte Integral:
(f.3)
b
B
=
(
x
′
t
())2 (
y
′
t
())2
dt
+
4.3 Zusammenhang
von
(f.1) und (f.3)
Wenn man sich (f.1) (die Formel der Bogenlänge einer Funktion
y
=
f
(
x
) ) anschaut,
lässt sich diese auch Mithilfe der obigen Formel erklären. Eine Funktion
y
=
f
(
x
) kann
man auch in Parameterdarstellung ausdrücken, indem man
x
=
t
als Parameter wählt. Es
gilt also
x
=
t
=
x
(
t
) und
y
=
f
(
x
) =
y
(
t
) sowie daraus resultierend
x
′(
t
) = 1. Dies setzt
man nun in die Formel für die Bogenlänge einer in Parameterdarstellung gegebenen
Funktion ein:
b
b
b
B
=
(
x
′
t
())2 + (
y
′
t
())2
dt
= 1+ (
y
′
t
())2
dt
= 1+ (
f
′(
x
))2
dx
a
a
a
(f.3)
Die vorher bestimmte Formel erhält man also auch aus der Formel für die Bogenlänge
einer in Parameterdarstellung gegebenen Funktion. Da man eine Funktion
y
=
f
(
x
) wie
oben beschrieben als eine spezialisierte Parameterdarstellung auffassen kann, ist dies auch
zwingend notwendig.
Bogenlänge ebener Kurven -
11
-
Andree Große
4.4 Überprüfung der Gleichung (f.3) am Beispiel des Einheitskreises
Wenn man sich noch mal die Verhältnisse im Kreis klarmacht, kommt man schnell auf eine
Parameterdarstellung für den Einheitskreis (Abb. 8).
y
cos(
t
)
r
= 1
(Abb. 8)
sin(
t
)
t
x
Wenn man
t
als Winkel eines Kreisausschnitts auffasst, ergibt sich die
Parameterdarstellung
x
(
t
) = cos(
t
) ,
y
(
t
) = sin(
t
) . Durchläuft der Parameter
t
das
Intervall [- ; ] bildet diese Funktion einen ganzen Kreis (wobei die Kreisfunktionen im
Bogenmaß berechnet werden müssen).
Für den Kreisumfang folgt mit Hilfe von Gleichung (f.3) also:
B
=
(
x
′
t
())2 + (
y
′
t
())2
dt
-
=
sin 2
t
( ) + cos2
t
( )
dt
-
= 1
dt
= [ ] =
t
-
2
-
Auch hier ist das Ergebnis der erwartete Wert.
Bogenlänge ebener Kurven -
12
-
Andree Große
5. Eine Beispielanwendung
Zum Abschluss soll das Vorgehen bei der Berechnung der Bogenlänge noch einmal an
einem etwas aufwendigeren Beispiel aufgezeigt werden. Gegeben sei eine Wurfparabel,
also die Bahn eines mit der Geschwindigkeit
v
schräg abgeworfenen Körpers, der einer
Gravitation
g
unterliegt (siehe Abb. 9). Es soll untersucht werden, bei welchem
Abwurfwinkel die vom Körper zurückgelegte Strecke, also die Bogenlänge der
Wurfparabel zwischen ihren zwei Nullstellen, maximal ist und ob dieser Winkel von
v
oder
g
abhängt.
Um eine Funktion, die diese Bewegung beschreibt, zu erhalten, wird die Geschwindigkeit
v
, mit der der Körper abgeworfen wurde, in die zwei Komponenten
v
=
v
cos( ) und
x
v
=
v
sin() zerlegt. Für die in x- bzw. y- Richtung zurückgelegte Strecke zum
y
Zeitpunkt
t
gilt dann:
x t
( ) =
v
cos()
t
1
2
y
(
t
) =
v
sin()
t
-
g
t
2
Der Winkel wird dabei im Bogenmaß gemessen und es gilt:
t
0
v
> 0
g
> 0 0
2
y
x t
( ) = 10 cos( )
t
,
2
1
2
y
(
t
) = 10 sin( )
t
- 81
,
9
t
2
vx
2
2
v
(Abb. 9)
y
x
3 4 5 6 7 8 9 10 11
Für die weiteren Berechnungen ist es allerdings vorteilhaft, diese Parameterdarstellung zu
einer Funktion umzuformen, die die direkte Beziehung von
x
und
y
angibt. Dazu löst man
x
(
t
) nach
t
auf und setzt dies in die Gleichung
y
(
t
) ein:
sin()
2
x
g
x
(f.4)
f
(
x
) =
-
cos()
2 2
v
cos2 ()
Bogenlänge ebener Kurven -
13
-
Andree Große
Um die Bogenlänge der Funktion mit Hilfe von (f.1) berechnen zu können, werden
zunächst die zu verwendenden Intervallgrenzen benötigt. Es müssen also die Nullstellen
der Funktion berechnet werden:
sin()
2
x
g
x
sin()
g
x
-
=
x
-
= 0
cos()
2 2
v
cos2 ()
cos() 2 2
v
cos2 ()
g
sin( )
x
x
= 0
-
= 0
cos()
2 2
v
cos2 ()
g
sin( )
x
=
cos()
2 2
v
cos2 ()
2 2 sin()
v
cos( )
=
x
g
2
2
v
sin( ) cos( )
x
= 0 ,
x
=
1
2
g
Als nächstes braucht man
f
′(
x
) :
sin()
g
x
g
x
f
′(
x
) =
-
= tan() -
cos()
2
v
cos2 ()
2
v
cos2 ()
Dies kann nun in die Formel für die Bogenlänge eingesetzt werden:
b
x
2
2
2
B
=
1+ (
f
′(
x
))
g x
dx
=
1+ tan() -
dx
2
2
cos ()
1
v
a
x
An dieser Stelle offenbart sich das größte Problem bei der Berechnung der Bogenlänge,
nämlich das Finden einer Stammfunktion zur algebraischen Berechnung des Integrals. Der
Ausdruck 1+ (
f
′(
x
)2
) führt dazu, dass diese nur selten sofort ersichtlich ist, sondern meist
durch aufwendige Umformungen hergeleitet werden muss. In unserem Fall ist es hier
sinnvoll, die gesuchte Stammfunktion vom Computer berechnen zu lassen. Dieser gibt an:
Bogenlänge ebener Kurven -
14
-
Andree Große
v
2 cos2 ( ) ln(
v
4 cos2 () - 2
g
x
v
2 sin() cos() +
g
2
x
2 -
v
2 sin() cos() +
g
x
)
F
(
x
) =
2
g
(
2
g
x
-
v
sin( ) cos( ))
4
v
cos2 () - 2
2
g
x
v
sin() cos()
2
2
+
g
x
+
2
2
g
v
cos2 ()
Kein besonders handlicher Ausdruck. Wenn man die Intervallgrenzen einsetzt, erhält man
einen einfacheren Ausdruck:
2
v
cos2 () ln[ 4
v
cos2 ()
2
-
v
sin()cos()] ( 2
-
v
sin() cos())
4
v
cos2 ()
F
(
x
) =
F
(0) =
+
1
2
g
2
2
g
v
cos2 ()
2
v
cos2 () ln[ 2
v
cos( )
2
-
v
sin() cos()] ( 2
v
sin( ) cos( )) 2
v
cos()
=
-
2
g
2
2
g
v
cos2 ()
v
2 cos2 () ln[
v
2 cos() (1 - sin())]
v
2
=
-
sin( )
2
g
2
g
2
v
2 sin() cos()
Beim Einsetzen der zweiten Grenze
x
=
in die Stammfunktion
2
g
löst sich die Wurzel ebenfalls auf. Aus Platzgründen wird dies vorweg gezeigt:
4
2
2
2
2
v
cos () - 2
g
x
v
sin() cos() +
g
x
2
2
4
=
v
cos2 () - 4 4
v
sin 2 () cos2 () + 4 4
v
sin2 () cos2 ()
2
=
v
cos()
v
2 cos 2 ( ) ln[
v
2 cos() -
v
2 sin() cos() + 2
v
2 sin()cos()]
F
(
x
) =
2
2
g
(2 2
v
sin() cos()
2
-
v
sin() cos()) 2
v
cos()
+
2
2
g
v
cos2 ()
2
v
cos2 () ln[ 2
v
cos( )
2
+
v
sin() cos()] ( 2
v
sin() cos( )) 2
v
cos()
=
+
2
g
2
2
g
v
cos2 ()
v
2 cos2 () ln[
v
2 cos() (1 + sin())]
v
2
=
+
sin( )
2
g
2
g
Bogenlänge ebener Kurven -
15
-
Andree Große
Jetzt kann schließlich die Bogenlänge berechnet werden:
x
2
B
=
1+ (
f
′(
x
))2
dx
=
F
(
x
) -
F
(
x
)
2
1
1
x
v
2 cos2 () ln[
v
2 cos() (1 + sin())]
v
2
=
+
sin( )
2
g
2
g
v
2 cos2 () ln[
v
2 cos() (1 - sin())]
v
2 sin()
-
-
2
g
2
g
2
v
sin()
2
v
cos2 ()
=
+
( ln[ 2
v
cos() (1 + sin())]- ln[ 2
v
cos() (1 - sin())] )
g
2
g
2
v
sin()
2
v
cos2 ()
=
+
( ln[ 2
v
cos()]+ ln[1 + sin()]- (ln[ 2
v
cos()]+ ln[1 - sin()] ) )
g
2
g
2
v
sin()
2
v
cos2 ()
=
+
( ln[1+ sin()]- ln[1- sin()] )
g
2
g
2
2
2
v
sin()
v
cos () 1+ sin()
=
+
ln
g
2
g
1 - sin()
Die endgültige Formel für die Bogenlänge lautet also:
2
v
1
2
1- sin( )
B
=
sin() - cos ()ln
g
2
1+ sin()
Nun lässt sich untersuchen, wie sich die Bogenlänge der Wurfbahn in Abhängigkeit von
verändert. Definiert man eine Funktion
B
( ) =
B
, bemerkt man sofort, dass
v
und
g
für
diese Funktion nur als Streckungs- bzw. Stauchungsfaktoren auftreten und ihr Maximum
daher nicht verschieben. Jede Wurfparabel wird also bei dem einheitlichen Winkel
max
ihre maximale Bogenlänge haben. Diesen Winkel wollen wir nun versuchen zu berechnen.
Nach den obigen Überlegungen müssen wir dafür das Maximum der folgenden Funktion
suchen:
1
2
1- sin( )
f
() = sin() - cos () ln
2
1+ sin()
Bogenlänge ebener Kurven -
16
-
Andree Große
Dafür muss
f
′( ) = 0 gesetzt werden. Um
f
( ) abgeleiten zu können, benötigt man
folgende Ableitung:
d
1- sin()
2
ln
= -
d
1+ sin()
cos()
Unter Verwendung der Ketten- sowie der Produktregel folgt:
f
′() = cos( - 1
)
(- 2)
1- sin( ) 1
2
2
sin() cos() ln
- cos ()
2
1+ sin() 2
cos()
1- sin()
= sin() cos() ln
+ 2 cos()
1+ sin()
Dies setzen wir gleich Null, um einen Extrempunkt zu finden. Für cos( ) = 0 würde
f
′() Null werden. Dafür muss
= sein. In diesem Punkt, welcher gleichzeitig die
2
1- sin( )
rechte Intervallgrenze ist, ist die Funktion allerdings aufgrund von ln
2
= ln(0)
1+ sin( )
2
nicht definiert.
Für diesen Fall muss die Bogenlänge der Funktion daher gesondert berechnet werden.
Dazu erinnern wir uns daran zurück, dass die Funktion
f
( ) einen schrägen Wurf für den
speziellen Fall
v
= 1 und
g
= 1 beschreibt. Bei
= handelt es sich dabei um einen
2
senkrechten Wurf nach oben und die Länge der dabei zurückgelegten Strecke entspricht der
doppelten Steighöhe des Körpers. Diese berechnet sich durch
v
h
= 2 . In unserem Fall hat
2
g
die Bahn des Körpers also die Länge 1 und dies ist damit der Funktionswert von ′(
f
) .
2
Allerdings ist dies nicht das Maximum der Funktion im gegebenen Intervall, wie im
folgenden Absatz gezeigt wird.
Der zweite Extrempunkt liegt vor wenn gilt:
1- sin()
sin() ln
+ 2 = 0
1+ sin()
Der Wert
, der diese Bedingung erfüllt, kann allerdings nicht algebraisch, sondern nur
max
numerisch bestimmt werden. Daher kann man auch nicht durch die hinreichende
Bedingung
f
′′( ) > 0 beweisen, dass es ein Maximum ist. Man kann es sich aber
anschaulich machen, indem man die Funktionswerte an den Intervallgrenzen der Funktion
sowie an einem Punkt dazwischen betrachtet.
Bogenlänge ebener Kurven -
17
-
Andree Große
Die Funktionswerte an den Grenzen sind
f
( )
0 = 0 und (
f
) = 1. Bei = 1 ist
2
f
() ,
1 2 . Der Verlauf der Kurve ist damit schon festgelegt, da im gegebenen Intervall
kein weiterer Extrempunkt existiert und die Funktion stetig ist: Die Kurve beginnt im
Ursprung, steigt dann bis zu einem Maximum, welches bei
liegt, und fällt
max
anschließend wieder bis zum Punkt (
P
)
1
, . Die Kurve ist in Abbildung 10 skizziert.
2
y
f
′()
(Abb. 10)
6
,
0
,
0
4
f
()
,
0
2
x
0
0
1
,
0
,
0
2
3
,
0
,
0
4
5
,
0
Jede Wurfparabel hat ihre maximale Bogenlänge folglich bei dem Abwurfwinkel , der
die Bedingung erfüllt:
1- sin()
sin() ln
+ 2 = 0
1+ sin()
Auf vier Nachkommastellen gerundet ist dies bei etwa = 9855
.
0
der Fall, wie man auch
in Abbildung 10 ungefähr erkennen kann. Interessanterweise unterscheidet sich dieser Wert
von dem Winkel, bei dem die Wurfweite, d.h. der Abstand auf der x-Achse zwischen den
beiden Nullstellen, maximal ist (hierfür muss der Abwurfwinkel nämlich betragen).
4
Bogenlänge ebener Kurven -
18
-
Andree Große
6. Resümee
Im nachhinein betrachtet ist die Herleitung der Formeln für die Bogenlänge nicht
sonderlich kompliziert, wenn man mit der Integral- und Differentialrechnung einigermaßen
vertraut ist. Schließlich funktioniert sie in den verschiedenen Darstellungssystemen jeweils
nach dem gleichen Prinzip (Zerlegung der Kurve, Berechung der Teilstrecken über
Pythagoras und anschließende Grenzwertbildung). Wie sich am letzten Beispiel und auch
schon an der Berechnung der Bogenlänge des Einheitskreises in Abschnitt 2.2 gezeigt hat,
ist vielmehr die tatsächliche Berechnung der entstehenden Integrale in der Regel ein
aufwendiger Vorgang. Oft treten auch Fälle auf, in denen keine elementare Stammfunktion
zur Auflösung der Integrale existiert. Dies bedeutet natürlich nicht, dass die Bogenlänge
nicht berechnet werden kann. Jedoch muss man dann auf geeignete numerische
Integrationsverfahren zurückgreifen.
Für mich war es durchaus interessant, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Zum
Einen, weil ich mir gut vorstellen kann, die erlangten Kenntnisse auch praktisch anwenden
zu werden, zum anderen, weil ich bei der Bearbeitung dieses Themas gelernt habe, mit der
Polarkoordinaten- und der Parameterdarstellung zu arbeiten.
Bogenlänge ebener Kurven -
19
-
Andree Große
Anhang
Literaturverzeichnis
-
Helmut Sieber, Leopold Huber,
Mathematische Begriffe und Formel
, Ernst Klett
Schulbuchverlag Stuttgart · Düsseldorf · Berlin · Leipzig, 1/2001
-
K. Winfried,
Einführung in die Analysis I
, Spektrum Akademischer Verlag
Heidelberg · Berlin, 1/2000
-
W. Kroll, J. Vaopel,
Grund- und Leistungskurs Analysis Lehr- und
Arbeitsbuch
, Dümmlerbuch Bonn, 1986
Sonstige Hilfsmittel
Es wurden Quellen von folgenden Internetadressen verwendet:
-
http://www.mathematik-online.de/F55.htm
-
http://www.cti.ac.at/~pester/Stoecker/daten/part_6/node154.htm
-
http://007-001-908-d.de/hausaufgaben/mathe/mk0004.zip
Für das Zeichnen der Funktionsgraphen und zur Hilfe bei den Berechnungen wurde Derive
5.5 verwendet.
Bogenlänge ebener Kurven -
20
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Andree Große
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