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Autor: Master of Arts Stephan Schröder
Fach: Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein
Details
Tags: Überwachung, CCTV, camera control, Netzpolitik, Enzensberger, Brecht, Gates, Microsoft, Baudrillard, Luhmann, Digitale Macht, echolon
Jahr: 2000
Seiten: 26
Note: 1
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 217 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-17071-0
ISBN (Buch): 978-3-638-64156-2
Zusammenfassung / Abstract
Dieses Werk beleuchtet die Chancen wie auch die Gefahren unserer Informationsgesellschaft.
Textauszug (computergeneriert)
Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
Fachbereich Medienkunst
Der gläserne Hund
Cyberdemokratie und Machtinstanz unserer Informationsgesellschaft
Theoretische Diplomarbeit
von
Stephan Schröder
Inhaltsverzeichnis
1. Die Geschichte des Internet ... 4
2. Der Computer als Medium ... 5
2.1. Digital Divide ... 5
2.2. Bidirektionalität ... 6
2.3. Omnipräsenz ... 8
3. Die Informationsgesellschaft ... 9
3.1. Die Wahrheit zwischen TRUE & FALSE ... 11
4. Der gläserne Hund - Orwells elektronische Praxis ... 12
4.1. Die Microsoft Methode ... 15
4.2. Echelon ... 16
4.3. CCTV ... 19
4.4. Die Welt von innen und außen ... 20
5. Ein Dorf namens Babylon ? - Abschließende Bemerkungen ... 22
5.1. Fazit - Der Mensch und sein Medium ... 23
Literaturverzeichnis / Glossar ... 24
Vorwort
Sämtliche Institutionen des Landes werden durch das neuartige Sicherheitssystem "Gatekeeper" von Gregg Computer Systems beschützt, welches sich als am resistentesten gegenüber ständigen Hackerangriffen am Markt behaupten kann. Als Angela Bennett, Programmsystemanalytikerin aus Santa Monica, eines Tages an eine Diskette gelangt, die ihr Zugang zur zentralen Datenbank des FBI gewährt, deckt sie Skandalöses auf.
Die "Gatekeeper" Software entpuppt sich als trojanisches Pferd - absichtlich hat man Hintertüren einprogrammiert, um Zugang zu sämtlichen privaten und staatlichen Systemen zu erlangen. Noch am Tag ihrer Erkenntnis versucht man Angela Bennetts wahre Identität systematisch auszulöschen um einen globalen Gau zu vermeiden. In unserer Informationsgesellschaft verdrängen digitale Daten zunehmend das analoge Papier. Die Krankenakte, KFZ- und Sozialversicherung, Kreditkarte, was wir essen, welche Bücher wir lieben, woher wir kommen und wohin wir gehen - alles wird protokolliert, kontrolliert und registriert.
Ein Szenario aus dem Film "The Net" von Irwin Winkler - das bereits vor Jahren der Utopie entwachsen ist. Das Netz ist längst nicht mehr das ideale Versteck. Der kleine elektronische Schatten liegt auf jedem von uns, wartet nur darauf, manipuliert zu werden und: "Deutschland geht T-Online" - gehen Sie mit ?
Brechts illusorische Radiotheorie mit der Einsicht des Autors, dass diese "undurchführbar in dieser Gesellschaftsordnung, durchführbar in einer anderen" sei, scheint seine Erfüllung im Internet gefunden zu haben. Das anonyme Medium, welches durch einen Comic illustriert wurde, in dem der beste Freund des Menschen nonchalant an der Tastatur verkündet "on the internet nobody knows you′re a dog" und konträr dazu der transparente User, fördert eine seltsame Legierung zu Tage.
Die vielleicht größte Erfindung seit dem Faustkeil hat sich der sinnlichen wie humanistischen Komponente entledigt und sich der Zahlentheorie verschrieben. Abgerechnet wird im Netz in einem Machwerk aus Hits, Clicks, PageImpressions und AdViews, in dem wir selbst eine Chimäre, also "ein gläserner Hund" sind.
1. Die Geschichte des Internet
Um die Position des Netzes gegenüber den anderen Medien besser verstehen zukönnen, wollen wir uns zunächst der jungen Historie zuwenden.
Im Herbst 1999 wurde in vielen Orten der Welt der Geburtstag des Internet gefeiert. Das genaue Alter des garantiert mutterlosen, aber von vielen Vätern erschaffenen Netzes ist angesichts der vielseitigen Interpretationen und vielfältiger Interessen an der Historie reine Spekulation. Auch wenn Anfang der 1970er Jahre parallel an Projekten gearbeitet wurde, die maßgeblich für das heutige Internet waren, empfand es damals keiner der Wissenschaftler als revolutionär, geschweige denn, dass jemand hätte erahnen können, dass diese "fixe Idee" Weltökonomie verändern wird.
Vint Cerf, der bei der MCI Worldcom die "PR-Vaterrolle" glänzend ausfüllt, definiert den 22.November 1977 als Geburtstag des Internet. An diesem Tag wurden erstmals drei unterschiedliche Netze zusammengeschaltet, denn "wenn ein Rechner mit einem Kommunikationsprozessor Daten austauscht sei das noch lange kein Internet" ,so Cerf.
Leonard Kleinrock plädiert für den 2.September 1969, den Tag als an der University of California in Los Angeles (UCLA) der erste Computer an ein Interface Messaging Processor (IMP) angeschlossen wurde. Der Rechner musste mit einem Kran in das Labor Kleinrocks gehievt werden, wobei seine einzige Aufgabe darin bestand, Daten zu senden und zu empfangen. Der Bau des IMP-Rechners wurde, wen wundert es, von der amerikanischen Forschungsabteilung im Verteidigungsministerium ausgeschrieben. Nachdem zu dieser Zeit führende Unternehmen wie IBM den Bau des IMP-Rechners als nicht realisierbar ablehnten, wagte die Firma BBN den Bau von 4 IMPs unter der technischen Leitung von Bob Taylor von der Advanced Research Projects Agency (ARPA). Bob Taylor formulierte erstmals in "The Computer as Communication Device" die Idee der Vernetzung aller Computer.
1971 wurde das inzwischen mit 15 IMPs operierende Forschungsnetz ARPAnet der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Netz etwa die Dimension wie auf den ersten Skizzen des Informatikers Larry Roberts aus dem Jahre 1966 erreicht, der die Idee eines dezentral verknüpften Netzwerks entwickelte. Heute ist Roberts einer der Väter, die am stärksten gegen die Idee vom kriegerischen Internet polemisieren. Vordergründig sei ein effizientes Netz gewesen; das Argument eines Atomschlages sei erst später dazugekommen, um Forschungsgelder des Militärs locker zu machen.
Anfang der 1970er Jahre kam die Idee auf, die IMPs durch Computer abzulösen die keine Spezialrechner waren. Der Informatiker Bob Metcalfe beschäftigte sich 1972 damit, das hausinterne Netz der Firma XEROX an das ARPAnet anzubinden und erfand eine Übertragungstechnik, die er Ethernet nannte. Diese Erfindung weckte das Interesse von Vint Cerf und Bob Kahn, die 1974 den Vorschlag für ein einheitliches Übertragungsprotokoll machten. Dieses Protokoll wurde TCP/IP genannt und am 1. Januar 1983 zum offiziellen Standard erklärt. Im Jahre 1989 schließlich, als schon etwa 100.000 Hostrechner am Datennetz hingen, wurde das in die Tage gekommene ARPAnet abgeschaltet. Wohl aber nicht nur wegen der technologischen Unnotwendigkeit, sondern auch weil der Warschauer Pakt in diesem Jahr zu zerfallen begann.
Bis zur Entwicklung des World Wide Web (WWW) durch Tim Berners-Lee Anfang der 1990er Jahre wurden die bis dahin rein textuellen Internetdienste wie eMail, FTP, BBS oder das heute fast schon wieder vergessene Gopher überwiegend universitär genutzt. Von kommerziellem oder künstlerischem Interesse war das Netz zum damaligen Zeitpunkt kaum, zumal die graphische Nutzung in skurriler ASCII & ANSI-Art das Ende der Fahnenstange markierte. ASCII/ANSI-Art versuchte dabei eine Visualisierung mittels des normalen, auf der Tastatur verfügbaren, Zeichensatzes zu erreichen - vergleichbar mit den graphischen Möglichkeiten des damaligen BTX oder des heutigen Videotextes. Durch den zusätzlichen WWW-Dienst, der völlig neue mediale Möglichkeiten etablierte und heute fast schon zum Synonym für das Internet schlechthin geworden ist, wurde das Netz nicht zuletzt kommerziell interessant.
Ab etwa 1993 ist ein exponentielles Wachstum des Internet zu verzeichnen, welches zur Jahrtausendwende in 56 Mio. registrierten Servern gipfelte. Die Anzahl der Clients kann heute nur noch geschätzt werden. Die Verbreitungsgeschwindigkeit des Mediums Netz sucht seines gleichen, laut einer Studie des Pacific Research Institute konnte sich das Internet 9x mal schneller als das Radio, 4x mal schneller als der Computer und 3x mal schneller als das TV etablieren.
Diese Tatsache mag auf den ersten Blick faszinieren, der rasante Wachstum hat jedoch seine Tücken. Von allen Medien, den neuen und den klassischen, war dem Internet die wenigste Zeit für eine Positionierung gegeben. Konträr zu den Entwicklungsprozessen des Buchdrucks oder des TV ist das Internet gewissermaßen die wässrige Gentomate im "Mediengemüsegarten".
Wenn wir das Netz nicht nur als Technik, sondern tatsächlich mit den klassischen Medien vergleichen wollen, so hat man "nicht mehr als einen Schrotthaufen, in dem Gold und Perlen versteckt sind" , wie es der Computerkritiker Joseph Weizenbaum drastisch beschreibt. Dieser "Schrotthaufen" soll im folgenden untersucht werden.
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