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Baden in Baden-Baden - Von den römischen Anlagen zur modernen Caracallatherme

Autor: Dr. phil. Ulrich Coenen
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

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Details

Kategorie: Anderes
Jahr: 2001
Seiten: 33
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 238 KB
Archivnummer: V107345
ISBN (E-Book): 978-3-640-05618-7
Anmerkungen :
Dieser Aufsatz ist erschienen in: Ulrich Coenen, Baden in Baden-Baden - Von den römischen Anlagen zur modernen Caracallatherme. In: Die Ortenau - Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden 81 (2001), Seite 189 - 228.

Volltext (computergeneriert)

 

Dieser Aufsatz ist erschienen in:

Ulrich Coenen, Baden in Baden-Baden - Von den römischen Anlagen zur modernen Caracallatherme. In: Die Ortenau - Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden 81 (2001), Seite 189 - 228.

Baden in Baden-Baden

Von den römischen Anlagen zur modernen Caracallatherme

Ulrich Coenen

 

Die heißen Quellen
"Alle Warmwasserquellen sind aber deswegen heilkräftig, weil ihr Wasser, in zersetzenden Stoffen durch und durch erhitzt, eine andere Eigenschaft für die Verwendung annimmt." 1 Der römische Architekt und Architekturtheoretiker Vitruv, der im ersten vorchristlichen Jahrhundert in Diensten Caesars und Augustus´ stand und sich in seinen "Zehn Büchern über Architektur" auch mit dem Bau von Bädern beschäftigt, kannte die Bedeutung des Thermalwassers für die Gesundheit. Dass seine Landsleute um 75 n. Chr. im Bereich des heutigen Markt- und Römerplatzes in Baden-Baden in unmittelbarer Nachbarschaft der heißen Quellen, die hier aus der Erde treten, eine Siedlung gründeten, ist eine Konsequenz dieses in der antiken Welt allgemein verbreiteten Wissens. Die Heilquellen waren nicht nur Anlass für die Gründung der Stadt, sondern sind bis heute ihre Wirtschaftsbasis und ihr Hauptkapital.
Das Quellgebiet am Hang des Florentinerberges wird geologisch als Verwerfung bezeichnet. die in mehreren Erdzeitphasen zwischen Perm und Tertiär entstand. 2 Nach dem balneologischen System sind die Baden-Badener Quellen als Kochsalz-Thermalquellen mit einem Temperaturbereich von 52 bis 67 Grad Celsius definiert. 3 Baden-Baden liegt damit, was die Temperatur angeht, in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen natürlichen Thermalquellen an der Spitze. Insgesamt haben die zwölf Quellen, die in den Jahren 1868 bis 1897 in Stollensystemen zusammengefasst wurden, eine tägliche Schüttung von rund 800 000 Litern.
Die Quellen erhielten bereits früh eigene Namen. Der markgräfliche Medicus Johann Mattheus veröffentlichte 1605 ein erstes Verzeichnis, in dem er zwölf Quellen nennt: Ursprungs-, Brüh-, Juden-, Ungemach-, Höll-, Mur-, Fett-, Bütt- und Baldreitquelle sowie drei Quellen zum Kühlen Brunnen.4

Die Römer in Baden-Baden
In achtjährigen Kämpfen (58 - 50 v. Chr.) unterwarf Caesar Gallien bis zum Rhein, der damit Grenze des Imperiums gegen die Germanen wurde. Die Versuche ganz Germanien unter seine Kontrolle zu bringen, gab Kaiser Augustus nach der verheerenden Niederlage von drei Legionen unter dem Oberbefehl des Varus im Teutoburger Wald gegen Arminius auf (9 n. Chr.).5 Um die Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts war das rechtsrheinische Ober- und Hochrheingebiet römische Einflusszone; nördlich von Offenburg fungierten Sweben, ein verbündeter germanischer Stamm, als eine Art Miliz. 6 Nachdem Kaiser Vespasian einen Bataveraufstand niedergeschlagen hatte (70 n. Chr.) ließ er, um die in diesem Krieg offenbar gewordenen Defizite in der Infrastruktur Germaniens zu beseitigen, unter anderem eine Straße von Straßburg über Offenburg durch das Kinzigtal bis zur Donau bauen. Die rechtsrheinische Region am Oberrhein kam jetzt unter direkte römische Kontrolle. Die neuen Gebiete wurden durch Militärposten gesichert und systematisch erschlossen.
Baden-Baden gehört zu den wichtigsten spätantiken Siedlungsgründungen im Land, wird aber von den römischen Geschichtsschreibern nicht erwähnt. Die Bedeutung des Ortes in römischer Zeit lässt sich also ausschließlich an den nicht unbedeutenden Bauresten und archäologischen Fundstücken ablesen, die insbesondere seit dem frühen 19. Jahrhundert entdeckt wurden. 7 Der überlieferte Name "Aquae" deutet bereits auf die heißen Quellen hin, die den Charakter des Ortes von Anfang an prägten. Entsprechende Namensgebungen weisen auch auf andere ehemalige Römerbäder nördlich der Alpen hin: Aachen (Aquae Granni) oder Wiesbaden (Aquae Mathiacae). 8 Um das Jahr 75 n. Chr. weilten sicher römische Soldaten im heutigen Baden-Baden. 9 Der Ort entwickelte sich auf zwei benachbarten Hügeln: dem Kernbereich der heutigen Altstadt und dem Rettig, der erst um das Jahr 84 n. Chr. besiedelt wurde. 10 Baden-Baden war offensichtlich kein militärischer Stützpunkt, sondern ein Kurort für römische Soldaten, die hierher kamen, um sich von ihren Erkrankungen zu erholen. Die Siedlung wurde im zweiten Jahrhundert Hauptort einer Civitas, einer selbstverwalteten Gebietskörperschaft, wie sie Kaiser Trajan um das Jahr 100 schuf. Die Bezirksgemeinde erhielt den Namen "Civitas Aurelia Aquensis" und bestand bis zum Fall des Limes im Jahr 260. Franken und Alamannen stießen nach Westen und Süden vor, die Römer zogen sich hinter den Rhein zurück. Eine anschließende Besiedlung Baden-Badens läßt sich archäologisch nicht mehr nachweisen.

Römische Thermenarchitektur
Baden-Baden verdankt seine Entstehung ausschließlich den Heilquellen, mit denen die Römer ihre dort errichteten Thermen speisten. Vor einer Beschreibung der Badanlagen in Aquae muss deshalb ein Überblick über die Entwicklung dieser Baugattung in der Antike stehen.
Die Thermen sind, was ihre Abmessungen angeht, die größten Bauwerke, die im Römischen Reich errichtet wurden. Sie haben ihre Wurzeln in den Badebauten der Griechen, die die Badegewohnheiten der früheren Hochkulturen ihren Gebräuchen entsprechend umwandelten. In Olympia wurde bei Ausgrabungen eine noch recht primitive Anlage entdeckt, die aus dem frühen fünften vorchristlichen Jahrhundert stammt. Im zweiten Jahrhundert vor Christus entwickelte sich das griechische-hellenistische Reihenbad im gesamten hellenistischen Kulturbereich. Dabei zeichnen sich zwei Typen ab: Das beheizte Bad als Teil einer Kult- und Heilanlage oder als öffentliches Reinigungsbad sowie das beheizte Bad als Bestandteil von Sportanlagen. Beide Typen setzen sich in fast allen bisher bekannten Varianten aus zwei Anlagen zusammen, dem eigentlichen Bad mit Apodyterium (Umkleideraum), Tepidarium (Warmluftraum, teilweise mit lauwarmen Bädern), Caldarium (Baderaum mit heißem Wasser) und Frigidarium (Kaltbaderaum) sowie dem Schwitzbad (Laconicum bzw. Sudatorium). In den Kurbädern der Römer gab es neben dem trockenen Heißluftbad (Laconicum) auch feuchte Dampfbäder.
Der aus Ephesos stammende Arzt Rufus, der zur Zeit Kaiser Trajans praktizierte, verfasste eine Schrift über die Gicht und empfahl zur Linderung Dampfbäder. 11 Vitruv spricht ausdrücklich von beiden Typen ("laconicum sudationesque") 12, in der Forschung ist aber umstritten, ob das Sudatorium grundsätzlich mit einem Dampfbad identifiziert werden darf oder weitgehend mit dem Laconicum identisch ist. 13
Die in römischen Thermen übliche Fußbodenheizung (Hypokausten) war den Griechen bereits bekannt (z.B. in Gortys in Arkadien im dritten Jahrhundert v. Chr. ). Die Hypokaustenheizung besteht aus einem Heizraum am Rande des zu beheizenden Bades, dessen Boden auf 60 bis 90 Zentimeter hohen Ziegelpfeilern (Vitruv fordert als Idealmaß zwei Fuß) steht, zwischen denen die Warmluft zirkuliert. 14
Römische Architekten entwickelten die griechischen Bäder zu Großanlagen weiter, die streng symmetrisch angeordnet waren. Neben dem bereits in Griechenland üblichen Reihentyp wurden die Doppelreihenanlage, der Blocktyp und der Ringtyp gebräuchlich. Höhepunkt dieser Entwicklung sind die kleinen und großen Kaiserthermen 15, bei denen spiegelgleiche Gruppen von Nebenräumen und Spezialbädern die zentrale Gruppe der großen Schwimmhalle flankieren. Vitruv gibt im zehnten Kapitel seines fünften Buches präzise Anweisungen zum Bau von Thermen 16, die aber nicht für alle Badeanlagen der römischen Antike Geltung haben. Das Buch entstand im ersten vorchristlichen Jahrhundert, als diese Bauwerke noch relativ bescheidene Ausmaße hatten, und berücksichtigt die künstlerischen und bautechnischen Entwicklungen der Kaiserzeit nicht. Die Empfehlung Vitruvs, einen möglichst warmen Ort zu wählen und das Warmbad nach Südwesten auszurichten, folgen aber auch die Architekten späterer Jahrhunderte. Die einzelnen Räume (Caldarium, Tepidarium, Laconicum etc.) kennt Vitruv ebenso wie die bereits erwähnte Heizung mittels Hypokausten.
Das öffentliche Badewesen wurde seit Beginn der Kaiserzeit in die allgemeine Organisation des großstädtischen Lebens einbezogen. Raumprogramm, Technik und Dimensionen steigerten sich zum repräsentativen Maßstab offizieller Staatsarchitektur. Nach einer Zählung im Jahr 33 v. Chr. gab es allein in Rom 170 Bäder, zur Zeit Kaiser Konstantins des Großen (312-337) waren es 856. Die Kaiserthermen waren ein Mittelpunkt des sozialen Lebens in der Stadt.
Die Agrippa-Thermen, von denen lediglich geringe Reste des kreisrunden Caldariums erhalten blieben, wurden im Jahr 19 v. Chr. in Betrieb genommen. Sie zählten zu den ersten großen öffentlichen Bädern in Rom, allerdings fehlte ihnen die Symmetrie der späteren Kaiserthermen. 17 Die Räume waren, Rekonstruktionen zufolge, ohne strenges Ordnungsprinzip aneinandergereiht.
Als Prototyp der Kaiserthermen gilt die 62 n. Chr. von Kaiser Nero fertiggestellte 190 Meter breite und 120 Meter lange Badeanlage, die lediglich durch zahlreiche Erwähnungen antiker Schriftsteller und eine Zeichnung Palladios aus dem 16. Jahrhundert bekannt ist. Vorbildlich wird das Konzept der Kaiserthermen in der 109 eröffneten Therme Kaiser Trajans verwirklicht, die heute fast völlig zerstört ist. 18 Die Umfassungsmauern umschlossen ein Gelände von 330 x 315 Meter, das eigentliche Thermengebäude mit 212 x 190 Meter lehnte sich an die Nordwand an.
Die größten und repräsentativsten Badeanlagen Roms, die bis zu 3000 Gäste aufnehmen konnten, sind die Caracallathermen (216 von Kaiser Caracalla eröffnet) 19 und die Diokletiansthermen (306 nach der Abdankung Kaiser Diokletians fertiggestellt). 20 Alle Kaiserthermen waren mit Mosaiken, Marmorintarsien, Wandmalereien und Bauornamenten reich ausgestattet; zum künstlerischen Programm gehörten auch Skulpturen.
Das Areal der heute ruinösen Caracallathermen umfasste einschließlich Palästra (von Säulengängen begleiteter Hof) 337 x 328 Meter. Der Plan des zentralen Thermengebäudes mit 220 x 114 Meter langen Fassadenfronten ist axialsymmetrisch entwickelt und steht, was ein Novum ist, völlig frei. Die nach dem Hypokaustensystem mit tubulierten Wänden beheizten Räume waren zu beiden Seiten der Symmetrieachse zusammengefasst, was sich positiv auf die Wärmedämmung auswirkte. Der kreuzgewölbte Saal des Frigidariums liegt im Achsenkreuz der Badanlage und ist über Vestibüle an den Schmalseiten von den beiden seitlichen Höfen aus zugänglich. Gleichzeitig vermittelt das Frigidarium in der Hauptachse des Gebäudes zwischen der Natatio (Schwimmbecken) und dem Tepidarium, an das der Kuppelsaal des Caldariums anschließt. Der innere Durchmesser des kreisrunden Caldariums beträgt 35 Meter, nach Rekonstruktionen war die Kuppel 24 oder 35 Meter hoch. Innerhalb der Umfassungsmauern, die das zentrale Gebäude umschlossen, gab es umfangreiche Sportanlagen mit Zuschauertribünen, zwei Bibliotheken, Vortragssäle, Gaststätten, Läden und Verwaltungsräume.
Die Umfassungsmauern der Diokletiansthermen umschlossen ein Rechteck von 376 x 361 Meter. Das freistehende Zentralgebäude mit den Abmessungen 250 x 180 Meter, dessen Tepidarium und Frigidarium 1563-66 von Michelangelo in den Neubau der Kirche Santa Maria degli Angeli integriert wurden, entsprach dem klassischen Typus der Kaiserthemen. Unterschiede bestehen in der Gestaltung der einzelnen Säle. Das Caldarium hatte im Gegensatz zum Rundbau der Caracallathermen einen rechteckigen Grundriss.
Wie im Zusammenhang mit dem Vitruv-Zitat eingangs erwähnt, kannten die Römer die heilende Kraft der heißen Quellen. Bereits der griechische Arzt Hyppokrates (ca. 460-370 v. Chr.), der auf der Insel Kos die Medizin als Wissenschaft begründete 21, beschäftigte sich intensiv mit Badekuren. Die heißen Quellen und Dämpfe der Thermalquellen der Hügelkette von Bajae bei Neapel werden bereits für das Jahr 178 v. Chr. durch Livius bezeugt.22 In der Kaiserzeit entstanden hier zum Teil als Ruinen erhaltene repräsentative Thermen. Der sogenannte Merkurtempel ist ein großartiger Rundsaal mit Kuppelgewölbe, der als Therme diente. Er ist der älteste Typ dieser Art und entstand vor den ähnlichen Rundbauten des sogenannten Diana- bzw. Venustempels. Der "Merkurtempel" lässt sich auf Grund des Mauerwerks und der aus grob behauenen Tuffsteinen gegossenen Kuppel in die spätrepublikanische Zeit, also in die Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts, datieren.23 Die Bezeichnung Tempel für die Rundbauten, in denen sich große Schwimmbecken - umgeben von Einzelwannenräumen, Nischen, Umkleide- und Ruheräumen - befanden, hängt mit der humanistischen, neapolitanischen Überlieferung zusammen, die fälschlicherweise dazu neigte, die monumentalen Ruinen der Region mit Tempeln zu identifizieren.

Die römischen Thermen in Baden-Baden
Das Interesse am römischen Ursprung Baden-Badens regte sich bereits in der frühen Neuzeit, es blieb aber dem 19. Jahrhundert im Rahmen einer allgemeinen Antikenrezeption vorbehalten, die Reste der römischen Siedlung unter der Altstadt intensiver zu erforschen. Systematische Grabungen gab es allerdings nicht, in der Regel wurden die zahlreichen Funde im Rahmen von Bauarbeiten gemacht. Beim Bau des Dampfbades nach dem Plan von Heinrich Hübsch auf dem Marktplatz nordöstlich der Stiftskirche wurden die ersten Reste eines römischen Bades entdeckt, das der Konservator August von Bayer mit Unterstützung des Badischen Altertumsvereins 1847 ausgrub. Bayer dokumentierte seine Funde 1848 in den Publikationen des Vereins, nach Abschluss der Untersuchungen wurde die Badruine zugeschüttet und teilweise durch das Dampfbad überbaut. 24 Ebenfalls 1848 grub der Wirt des Gasthauses "Zur Rose", das sich auf dem Marktplatz nördlich der Stiftskirche befand, im Keller seines Hauses nach Thermalwasser, das durch das Bodenpflaster drang. Dies war Anlass für eine erneute Grabung durch von Bayer, der zwei weitere römische Becken entdeckte. 25 1846 stieß man bei Bauarbeiten unmittelbar westlich des Frauenklosters zum heiligen Grab unterhalb der Stiftskirche auf weitere Reste einer Therme, die von Bayer ebenfalls ausgrub. Erst beim Bau des Friedrichsbades (1869-77), des Augustabades (1890-93) und bei Kanalisationsarbeiten auf dem Römerplatz (1900) wurden größere Teile dieses Gebäudes freigelegt und der Öffentlichkeit teilweise in einem Keller zwischen Friedrichs- und Augustabad zugänglich gemacht.26 Heute ist diese Ruine in der Tiefgarage am Römerplatz zu besichtigen. Weitere Erkenntnisse über die römische Siedlung wurden vor allem seit den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts im Rahmen von Notgrabungen gewonnen.
Die römischen Bäder lagen auf zwei verschiedenen Ebenen. Die Bezeichnung "Kaiserbäder" für die Anlage auf dem Marktplatz, deren Grundriss heute zum Teil im Pflaster markiert ist, und "Soldatenbäder" für die Ruine, die heute in die Tiefgarage des Friedrichsbades integriert ist, hat ausschließlich forschungsgeschichtliche Gründe. Anlass für diese Namensgebung war die luxuriösere Ausstattung der sogenannten "Kaiserbäder". Auf der oberen Terrasse, dem heutigen Marktplatz, fanden sich, leicht versetzt zur Längsachse der Stiftskirche, unter dem früher hier befindlichen Gasthaus "Zur Rose" und unter das Dampfbad hinunterreichend, Mauerzüge, die je zwei runde und viereckige Becken umschlossen, die Werner Heinz in das späte erste bis frühe zweite Jahrhundert datiert. 27 Die beiden Becken im Osten, ein rundes (Durchmesser ca. 7,5 Meter) und ein rechteckiges (8 x 9 Meter), waren wegen ihrer höheren Lage und der einfacheren Ausstattung vermutlich Sammelbehälter zur Abkühlung des heißen Thermalwassers. Die beiden Becken im Westen, das viereckige (14,5 x 9 Meter) und das runde (Durchmesser 9 Meter), bildeten mit ihren doppelten Sitzstufen offensichtlich die eigentlichen Badebecken. Böden und Wände waren zum Teil mit weißem Marmor verkleidet, der wahrscheinlich aus Auerbach im Odenwald stammt. An das nur unvollständig bekannte Badehaus schloss im Süden, also in Richtung Stiftskirche, ein runder Raum mit Hypokaustenanlage an, bei dem es sich offensichtlich um ein Laconicum handelt. Im Rahmen der Ausgrabungen der "Kaiserbäder" wurden zwei Plattenbruchstücke aus weißem Marmor gefunden. Die Inschrift, die sich in die Jahre 213 bis 217 n. Chr. datieren lässt, weist darauf hin, dass Kaiser Marcus Aurelius Antonius (genannt Caracalla) das Bad renoviert und ausgebaut hat. 28 Ob der Imperator, wie in der regionalgeschichtlichen Literatur vermutet, wirklich Baden-Baden besuchte, ist zweifelhaft. Die literarische Überlieferung berichtet lediglich von einer Kur in einem Badeort nördlich der Alpen im Jahr 213 im Anschluss an den Feldzug gegen die Alamannen. 29
Auf der tieferen Terrasse am Römerplatz wurden bei den bereits erwähnten Bauarbeiten zwischen 1869 und 1900 weitere Bäder entdeckt, die aber nur zufällige Ausschnitte einer wesentlich größeren Thermenanlage sind. Der heutige Zugang des Bades, das neben der bereits erwähnten Tiefgarage am Römerplatz konserviert wurde, liegt etwa einen Meter tiefer als das römische Gehniveau und erlaubt einen hervorragenden Einblick in die Konstruktion der Unterboden- und Wandheizung. Ein alter Eingang führte vermutlich aus tieferliegenden Räumen über eine Treppe von Osten in die als Ruine erhaltene Anlage. Diese besteht aus einem tonnengewölbten Heizraum (Praefurnium) an der Nordseite, von hier aus wurden die drei erhaltenen Räume beheizt. Über die Treppe erreichte der Besucher einen rechteckigen Raum (ca. 13,1 x ca. 4,6 Meter), an den im Westen zwei ebenfalls rechteckige Räume (ca. 6 x 10 m) mit Apsiden anschließen. Nach Süden folgten weitere Räume, die nach der Ausgrabung wieder zugeschüttet wurden. Die Aufgabe der Anlage ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Heinz vermutet, dass es sich bei den beiden Apsidenräumen um Caldarien handelt, an die südlich das Sudatorium anschliesst; die beiden Räume im Westen deutet er als Tepidarien. 30 Apodyterium und Frigidarium müssten östlich davon gelegen haben und sind nicht erhalten.
Wie die römischen Thermen auf dem Florentinerberg ausgesehen haben, lässt sich aufgrund der Ausgrabungen, die wegen der mittelalterlichen Überbauung nur ein unvollständiges Bild ergeben, nicht mit Sicherheit sagen. Weil im nur 145 Kilometer entfernten Badenweiler ab 75 n. Chr. trotz des mit 26,2 Grad Celsius verhältnismäßig kalten Thermalwassers eine aufwendige, 93 Meter lange Doppelreihenanlage entstand 31, muss man in Baden-Baden angesichts der für mediterrane Menschen in einer rauhen Umgebung sehr angenehmen Wassertemperaturen von einem eher größeren Bad ausgehen. In der Tat erinnern die Ruinen auf den Terrassen des Florentinerberges an den bedeutendsten Kurort im römischen Imperium, Bajae. Dort entstand an einem Berghang innerhalb mehrerer Jahrhunderte ein Thermenbereich mit zahlreichen Einzelbauwerken, deren Zusammenhang heute nur noch schwer nachvollziehbar ist. Natürlich darf man in der germanischen Provinz keinen Kurort von ähnlichen Dimensionen und mit Bauwerken von ähnlicher künstlerischer Bedeutung erwarten, die Parallelen sind aber unübersehbar.

Badekultur vom Mittelalter bis zum Barock
Prachtvolle Badebauten wie in der römischen Antike gab es im deutschen Mittelalter nicht. Wie lange die römischen Thermen nach dem Zusammenbruch des Imperiums nördlich der Alpen in Betrieb blieben, ist nur in Ausnahmefällen bekannt. Wie Einhard, der Biograf Karls des Großen, im Jahr 814, also kurz nach dem Tod des Monarchen, berichtet, wählte der fränkische Kaiser Aachen wegen der dortigen heißen Quellen als Standort für seine Residenz.32 Um 790 ließ er die römischen Thermen aus dem zweiten Jahrhundert im heutigen Büchelbezirk instand setzen. Ob auch die Baden-Badener Thermen nach dem Abzug der Römer 260 weiter benutzt wurden, bleibt der Spekulation überlassen.
Nach seiner Blütezeit im römischen Reich wurde es in Europa zunächst ruhig um das Badewesen. 33 Erst die Kreuzritter brachten aus dem Morgenland, wo das islamische Bad römische Traditionen fortsetzte, wieder feinere Badesitten mit. Es galt als Zeichen hohen Lebensstandards, in seiner Burg eine Badestube zu besitzen. Mit dem gesellschaftlichen Umbruch, das heißt mit dem Aufstieg des Bürgertums in den Städten im 12. Jahrhundert, entstanden neue hygienische Traditionen. Es entwickelten sich öffentliche Bäder. Spätgotische Anlagen blieben beispielsweise in Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) und in Dieburg (Kreis Darmstadt) erhalten. Beide sind ähnlich konzipiert. 34 Die kreuzgratgewölbten Haupträume werden durch Pfeiler in mehrere Joche eingeteilt. Im Vergleich mit den römischen Thermen sind Ausstattung, Abmessungen und künstlerischer Anspruch dieser Bauwerke bescheiden, sie sind aber wichtige Denkmäler einer ausgeprägten mittelalterlichen Badekultur in Deutschland.
Auch Baden-Baden, seit dem 12. Jahrhundert Residenz der Markgrafen von Baden, spielte im Spätmittelalter als Kurbad wieder eine bedeutende Rolle. Der Nürnberger Meistersinger Hans Foltz erwähnt die Stadt in seiner um 1480 erschienen Beschreibung der Heilquellen: "Zu paden in der marckgroschafft sind pad hant von alaun ir krafft, funf oder sechs wochen muß man do paden, will man hilfe han." 35 Das älteste erhaltene Badehaus in der Stadt ist das Bad- und Gasthaus zum Baldreit, das 1460 erstmals urkundlich erwähnt wird. 36 Vom mittelalterlichen Baubestand blieb nichts erhalten, in seiner heutigen Gestalt gehört das Gebäude, in dem jetzt das Stadtmuseum untergebracht ist, dem 19. Jahrhundert an. Um 1500 besaß die Stadt zwölf Badehäuser mit insgesamt 389 Badekästen und beherbergte in jedem Jahr rund 3000 Kurgäste. 37
Neben den öffentlichen Bädern gab es in den Schlössern entsprechende private Einrichtungen des Adels. Eine Variante des Zuberbades stellt das Wildbad dar, wie es im 19. Jahrhundert auch im Friedrichsbad und Augustabad Verwendung fand; hierbei wurde ein mehrere Personen fassendes Becken im Baderaum eingebaut und mit Kalt- und Warmwasserzufuhr versehen. Ein solches Bassin, das aus der Tradition des Kurbades herzuleiten ist, wird in Frankreich bereits im 15. Jahrhundert im Herzogspalast von Brügge erwähnt.
Ein besonders luxuriöses Wildbad ließ sich Markgraf Philipp II. von Baden (1575-88) im Neuen Schloss einrichten. Das großzügige Apartment, das im Rahmen des Palas-Neubaus durch den Münchener Baumeister Caspar Weinhart entstand, liegt im Untergeschoss im südöstlichen Abschnitt des im Renaissancestil errichteten Gebäudes und ist dem Schlossgarten und der Terrasse zugewandt. Man erreicht die Anlage nur über einen Wendeltreppenturm, der in einen Wohnraum über dem Bad führt. Der erste kreuzgewölbte Raum über quadratischem Grundriss diente als Ankleide, von hier führt ein Mauerdurchbruch zum tonnengewölbten Baderaum, der fast völlig von einem vertieft eingelassenen, quadratischen Becken mit einer Seitenlänge von vier Metern eingenommen wird. Unterhalb des Zugangspodestes befindet sich eine Halbrundnische, durch die Thermalwasser in das Becken geleitet werden konnte. Gleich neben der Beckentreppe führt eine Tür in einem Dreiecksraum, von dem die südöstliche Tür zu weiteren Seitengemächern, die nordöstliche zum Dampfbad führte. Dieses ist ebenfalls tonnengewölbt, wird von einer Pfeilerstellung unterteilt und hat einen unregelmäßigen Grundriss.
Im 30-jährigen Krieg (1618-48) lag die Badekultur in Deutschland völlig danieder. Bald nach dem Westfälischen Frieden entstanden in den Schlössern die ersten bedeutenden Barockbäder. Zunächst arrivierte das Bad von seiner bisher gebräuchlichen Lage im Untergeschoss oder abseits der Herrschaftswohnung zu einem Raum, der dem Schlafzimmer direkt angegliedert wurde. Das Prunkbad im Neuen Schloss ist das erste, das nach den Wirren des 30-jährigen Krieges in Deutschland entstand. 38 Markgraf Ferdinand Maximilian soll dessen Bau befohlen haben, um seine französische Geliebte, Louise Christine von Savoyen-Carignon, nach Baden-Baden zu locken. Obwohl das Bad nach französischem Vorbild gestaltet wurde, zog die Dame das Leben am dortigen Hof vor. Das 1652-69 datierte Prunkbad, dessen Vorgängerbau im Kellergeschoss dem neuen Luxusbedürfnis nicht mehr genügte, liegt im Erdgeschoss des im 16. Jahrhundert errichteten Palas, gleich neben dem Ausgang zum Schlossgarten. Zur anderen Seite folgen die Wohnräume der Markgräfin. Das rechteckige Bad hat an der südlichen Seitenwand eine Nische mit einem integrierten ovalen Marmorbecken, in der Nische gegenüber befindet sich ein halbrunder Marmortisch mit Spiegel. Ursprünglich befand sich ein versenktes Badebecken im Zentrum. Kreuzrippengewölbe und Wände sind überreich mit Stuck verziert.

Auf dem Weg zum Modebad
Im Laufe des 18. Jahrhunderts erreichte das Badewesen im alten Baden-Badener Thermenviertel in baulicher, gastronomischer und hygienischer Hinsicht einen kaum noch zu unterbietenden Tiefstand. Den wenigen Kurgästen wurde der Aufenthalt durch überalterte und ungepflegte Bäder und Gasthäuser verleidet. Beachtung fand die Stadt nach der Verlegung des Residenz nach Rastatt 1706 erst wieder während des Rastatter Kongresses, der 1797 bis 1799 abgehalten wurde, um die zwischen Frankreich und seinen Feinden im ersten Koalitionskrieg entstandenen Streitigkeiten beizulegen. Zahlreiche in- und ausländische Diplomaten entdeckten damals die Heilquellen, ihnen folgten Vertreter der deutschen Romantik. 39 Nicht nur die medizinische Wirkung des Thermalwassers, auch das neue Naturgefühl einer ganzen Epoche spielte für die günstige Entwicklung des im Oostal landschaftlich reizvoll gelegenen Ortes eine entscheidende Rolle. Tourismus und Ausflugsverkehr wurden im 19. Jahrhundert zu bedeutenden Wirtschaftsfaktoren für den gesamten Schwarzwald.
Karl Friedrich, seit 1806 badischer Großherzog von Napoleons Gnaden, richtete seine Sommerresidenz im Neuen Schloss ein und beauftragte seinen Hofarchitekten Friedrich Weinbrenner (1766-1826), einen der führenden deutschen Klassizisten, mit der Neugestaltung der Stadt. Dass der erste Architekt des Staates für diese Aufgabe herangezogen wurde, verdeutlicht den Stellenwert, den der Kurort nun wieder erlangt hatte. Weinbrenner errichtete ab 1802 Bauwerke, die als Beginn einer neuen Zeit in Baden-Baden angesehen werden müssen. Diese Entwicklung machte die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Sommerresidenz Europas, in der sich Adel, Großbürgertum und Künstler trafen. Neben großen Badanlagen bestimmen Kurhaus, Trinkhalle, Theater und Kunsthalle das Bild Baden-Badens. Diese Einrichtungen, die - wie allgemein üblich - untrennbar mit dem Kurbetrieb verbunden sind, können im Rahmen dieser Untersuchung aber keine Berücksichtigung finden.
Nach dem Abriss des seit dem 15. Jahrhundert nachweisbaren Armenbades und seiner Verlegung an den Stadtrand 1809, bestand die Möglichkeit, den Bereich um die Stiftskirche als repräsentatives Kurzentrum zu gestalten. Dort hatte Weinbrenner bereits 1803 eine Antiquitätenhalle für die römischen Funde errichtet 40, 1818/19 baute er ein dreigeschossiges Dampfbad an die Ostseite dieser Anlage an.41 Es wurde nach Angaben des renommierten Badearztes Dr. L. W. Kölreuter, der 1816 von Großherzog Karl zum medizinisch-technischen Berater für die Projekte in Baden-Baden berufen wurde, mit Badekabinetten und Ruheräumen ausgestattet. Mit der Fertigstellung der Trinkhalle 1823 war das neue klassizistische Ensemble vollendet, doch erwiesen sich alle drei Gebäude angesichts der rasanten Entwicklung der Stadt bald als zu klein und sollten nur wenige Jahrzehnte Bestand haben.

Das Dampfbad von Heinrich Hübsch
Weinbrenners Dampfbad wurde bereits 1845 bis 1849 durch einen Neubau von Heinrich Hübsch, seinem Nachfolger als Großherzoglicher Baudirektor, ersetzt. Das Gebäude ist erhalten, dient aber seit der Eröffnung des Friedrichsbades 1877 keinen therapeutischen Zwecken mehr. Hübschs Dampfbad war ähnlich konzipiert wie sein Vorgängerbau, besaß also Badekabinette und ein Inhalatorium. Dies entsprach in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht mehr dem Zeitgeist, der große, luxuriöse Gesellschaftsbäder nach antikem römischem Vorbild verlangte.
1839 bis 1842 hatte Hübsch bereits in unmittelbarer Nachbarschaft des von Weinbrenner 1821 bis 1824 errichteten Kurhauses eine Trinkhalle erbaut. Beide Gebäude entstanden außerhalb der früheren Stadtmauer am südlichen Ufer der Oos, wo sich jetzt neben dem seit der Antike bestehenden Thermalviertel in der Altstadt ein zweites Kurviertel entwickelte, das mehr der Unterhaltung als medizinischen Zwecken diente. Doch auch das alte Bäderquartier verlangte nach einer Modernisierung. Dies übernahm zunächst Heinrich Hübsch mit dem bereits erwähnten Neubau des Dampfbades. Mit seinem Engagement endete der Klassizismus in Baden-Baden, zu dessen Überwindung der Karlsruher Hofarchitekt als Baumeister und Architekturtheoretiker wesentlich beigetragen hat. 42
In seiner bahnbrechenden Schrift "In welchem Style sollen wir bauen", rechnet Hübsch 1828 mit der klassizistischen Baukunst ab. Eine erstaunliche Entwicklung, schließlich ist Hübsch ein Schüler Friedrich Weinbrenners. ,,Meine erste Überzeugung, daß die antike Architektur auch bei der freiesten Behandlung für unsere heutigen Gebäude unzulänglich sei, und denselben als Kunstwerken den organischen Zusammenhang ihrer Teile benehme, fällt schon in das Jahr 1815, wo ich mich auf dem Atelier Weinbrenners befand", schreibt er 1838 in der Einleitung zu seinen ,,Bauwerken". ,,Aber ich war natürlich damals noch zu unreif, um etwas anderes an die Stelle des Bisherigen setzen zu können." Als Hübsch die Frage ,,In welchem Style sollen wir bauen?" stellte, war er sich seiner Antwort sicher. Der moderne Rundbogenstil, der sein Programm darstellte, ließ kaum eine freie Wahl zwischen gleichwertigen Alternativen. Trotzdem fasst seine Frage das Problem eindeutig in Worte, das mit dem 19. Jahrhundert erstmals in der Kunstgeschichte auftrat. In dem Augenblick, da die Frage gestellt wurde, erhielt sie einen immer weiteren Inhalt, und es wurde immer schwieriger, sie eindeutig zu beantworten. Der Historismus, der den Klassizismus des frühen 19. Jahrhunderts als kalt und dürftig erachtete, machte Anleihen bei allen Epochen der abendländischen Kunst und bediente sich, um so älter das Jahrhundert wurde, einer immer üppigeren Formensprache.
Heinrich Hübsch, 1795 in Weinheim an der Bergstraße als Sohn des fürstlich Thurn- und Taxischen Postverwalters Karl Samuel Hübsch geboren, studierte ab 1815 an der Bauschule Weinbrenners in Karlsruhe Architektur. 1817 unternahm er eine Reise nach Italien, wo er während seines dreijährigen Aufenthalts vorzugsweise in Rom, dem Zentrum des deutschen Kunstlebens, wohnte. Hübsch lernte dort die frühchristlichen Basiliken kennen, in denen er Vorbilder für sein eigenes Schaffen erkannte. Auch die Gotik Ober- und Mittelitaliens, die ihm auf der Hinreise im Vergleich mit der deutschen Gotik, unvollkommen erschienen war, gewann für ihn bei der Heimkehr entscheidende Bedeutung.
1820 legte Hübsch bei Weinbrenner die Staatsprüfung ab und verließ, weil sich in Karlsruhe keine geeignetes Tätigkeitsfeld für ihn fand, zunächst das Land Baden. 1832 wurde ihm die Leitung der Karlsruher Bauschule übertragen, wo er bis 1854 lehrte. Als Weinbrenners Nachfolger entwickelte er sich zum führenden Architekten Badens. Für eine Würdigung seines künstlerischen und kunsttheoretischen Schaffens fehlt hier der Raum, allerdings sollen seine bedeutendsten Bauwerke zumindest genannt werden: Kunsthalle (1837-46) und Theater (1851-53) in Karlsruhe und Westbau des Speyrer Domes (1848-53). Hübsch starb 1863.
Das dreigeschossige, freistehende Dampfbad in Baden-Baden, das nach Hübschs Plan von Johann Belzer ausgeführt wurde, entstand über der Ursprungsquelle und hat eine querrechteckige Grundrissgestalt. Das Gebäude im Stil der Spätromantik trägt ein flaches Walmdach und wird durch Pilaster und umlaufend verkröpfte Sohlbankgesimse vertikal und horizontal sehr flächig gegliedert. Die durch Pilaster gerahmten äußeren Achsen der wohnhausmäßigen Hauptfassade enthalten in jedem Geschoss eine Fensterachse, während der Mittelteil im zweiten und dritten Geschoss eine fünfachsige Fensterreihe besitzt. Diese Fenster sind durch toskanische Säulen getrennt und von echten Segmentbögen ohne Gebälk überfangen, ähnlich den Arkaden der Trinkhalle. Die seitlichen Fenster hingegen bilden den Segmentbogen nur in der Rahmung aus, sind selbst aber nur einfache hochrechteckige Sprossenfenster. Das vorgezogene Portal der Mittelachse wiederholt ebenfalls den Bogen, der sich auf zwei freistehende toskanische Säulen stützt. Die dreiachsige Seitenfront ist wie die Seitenachsen der Hauptfassade gegliedert, die schmucklose Rückseite hat sechs Fensterachsen.
Wie bei der Trinkhalle hat auch das Baumaterial des Dampfbades dekorative Wirkung. Pilaster und Segmentbögen bestehen aus rotem Backstein, die Gesimsbänder aus Tonfliesen, die Säulen aus weißem Sandstein; die übrigen Wandflächen sind verputzt. Die Prinzipien von Konstruktion und Dekoration sind denen der Trinkhalle direkt verwandt, wenn auch das Dampfbad nicht so reich ausgestattet ist.
Der ursprüngliche Innenausbau des Gebäudes ist bedauerlicherweise nicht überliefert. Bekannt ist nur, dass diese Kureinrichtung, die nur 26116 fl gekostet hatte, niemals richtig funktionierte. 43 Der Besuch war entsprechend schlecht, nur fünf Prozent der Badegäste nahmen das Dampfbad in Anspruch. 1864/65 wurde, vermutlich nach Plänen von Lukas Engesser oder Johann Belzer, eine zweigeschossige Apsis an die Ostseite des Dampfbades angefügt. Der Baukörper, der sich in Stil und Materialauswahl gut anpasst, wird durch von Pilastern gerahmte Fensterachsen gegliedert, die den Fenstern der Mittelachse des Altbaus entsprechen.

Karl Dernfeld baut das Friedrichsbad
1867 entschied der Norddeutsche Bund, das Glücksspiel ab 1872 in ganz Deutschland zu verbieten. Bereits während der seit 1861 dauernden öffentlichen Diskussion über die Spielbanken wurden in der Stadt Baden-Baden Alternativen gesucht, um für die Kurgäste weiterhin attraktiv zu bleiben. Der Amtsarzt Dr. Julius Füsslin publizierte 1864 eine programmatische Schrift, die zum Teil auf den Vorschlägen der Badeanstalten-Commission von 1862 fußte. In dieser wies er darauf hin, dass Wiesbaden und Bad Homburg viel besser auf ein Glücksspielverbot vorbereitet seien und forderte eine Modernisierung der Bade- und Heilanstalten. 44 An den vorbildlichen Einrichtungen im württembergischen Wildbad, einem wichtigen Konkurrenten der Kurstadt Baden-Baden, orientiert und im Hinblick auf die Besonderheiten der extrem heißen Quellen am Florentinerberg nimmt er in dieser Veröffentlichung in groben Zügen vorweg, was schließlich 1869 bis 1877 beim Bau des Friedrichsbades verwirklicht wurde.
Der zu diesem Zeitpunkt relativ unbekannte Baden-Badener Bezirksbauinspektor Karl Dernfeld wurde 1868 gemeinsam mit dem Großherzoglichen Badearzt und Medizinalrat Dr. Carl Frech 45 beauftragt, bekannte Stadt- und Heilbadeanstalten zu besichtigen, um die dabei gewonnen Erkenntnisse beim Bau des Friedrichsbades umzusetzen. Der am 21. April 1831 in Gerlachsheim als Sohn eines Domänenrates geborene Architekt erhielt seine Ausbildung nach der Gymnasialzeit in Heidelberg am Polytechnikum in Karlsruhe bei Heinrich Hübsch und Friedrich Eisenlohr. (Die bisher in der Fachliteratur verwendete Schreibweise des Vornamens Carl ist nach meinen Recherchen nicht korrekt. In den standesamtlichen Urkunden im Stadtarchiv Baden-Baden heißt es: Karl Dernfeld.) Nach Studienreisen, die Dernfeld ab 1851 unter anderem nach Berlin, München und Italien führten, trat er in den badischen Staatsdienst und kam nach Stationen in Heidelberg und Konstanz 1863 als Bezirksbaumeister nach Baden-Baden. Dernfeld, der seit 1876 verheiratet war, starb dort am 16. Oktober 1879. 46 Zu seinen Werken in Baden-Baden zählt die 1866/67 entstandene Kastanienallee vor dem Südflügel des Kurhauses, die nach dem Vorbild der Pariser Passagen von Boutiquen gesäumt wird. Dernfeld lieferte auch den Entwurf für die neuromanische Pfarrkirche St. Bonifatius im Stadtteil Lichtental (1865-69), im benachbarten Bühl errichtete er die neugotische Pfarrkirche St. Peter und Paul (1872-77) und baute das Gotteshaus des 16. bis 18. Jahrhunderts in der Formensprache der Neurenaissance zum Rathaus um (1879-82). 47 Die ebenfalls neugotische Pfarrkirche Unserer Lieben Frau in Waibstadt (Rhein-Neckar-Kreis) entstand 1865-68 nach Plänen Dernfelds. Außerdem war er am Bau des Marmorbades und des zugehörigen Freibades in Badenweiler 1874/75 beteiligt, das verantwortlich von Heinrich Leonhard geplant wurde. Unter den Entwurfsskizzen Leonhards für dieses Projekt finden sich auch vier von Dernfeld signierte Pläne.48
Mit Sicherheit hat Dernfeld weitere Gebäude errichtet, die bisher nicht in der kunstwissenschaftlichen Literatur behandelt wurden. Die Erforschung von Leben und Werk des Bezirksbaumeisters, der nur 48 Jahre alt wurde, wäre eine ebenso wichtige wie lohnende Aufgabe, denn dieser Architekt beantwortete die Frage seines Lehrers Heinrich Hübsch "In welchem Style sollen wir bauen?" auf eine sehr persönliche Weise. Neben seinem unbestrittenen Hauptwerk, dem Friedrichsbad in den Formen der italienischen Hochrenaissance, ragt die neugotische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Bühl hervor, die fast gleichzeitig entstand. Vorbild für den Turm der dreischiffigen Basilika aus rotem Sandstein ist das Freiburger Münster. Wie das bisher bekannte Werk Dernfelds zeigt, beherrschte der Bezirksbaumeister zwei historisierende Stile meisterhaft und schuf in deren jeweiliger Formensprache vollendete Kunstwerke.
Direkte Vorbilder für das Friedrichsbad sind das Raitzenbad in Budapest und das Graf-Eberhardsbad (heute Palais Thermal) in Wildbad (Kreis Calw), die Dernfeld während seiner Reise mit Dr. Frech zu den bedeutendsten Kurorten Deutschlands und Österreich-Ungarns kennenlernte.49 Das Eberhardsbad in Wildbad, das 1840 bis 1847 nach Plänen Nikolaus Friedrich von Thourets (1767-1845) entstand, ist das erste repräsentative Gesellschaftsbad der nachantiken Zeit in Deutschland. Der Klassizist Thouret entwarf den streng geschlossenen, zweigeschossigen Bau über rechteckigem Grundriss mit Fürsten-, Herren- und Frauenbad sowie Einzel- und Dampfbädern, die um einen Innenhof gruppiert sind, mit Anleihen an den modernen Rundbogenstil des Heinrich Hübsch. Im Inneren finden sich Reminiszenzen an byzantinische und maurische Formen, die beim Umbau des Badehauses und der Überdachung des Innenhofs durch die Architekten Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle 1896 bis 1901 extrem verstärkt wurden. 50 Im Königreich Württemberg wurde mit dem Bau des Eberhardsbades eine Entwicklung eingeleitet, die für die Bäderarchitektur in ganz Deutschland maßgeblich wurde und auch auf Dernfelds Konzept für das Friedrichsbad großen Einfluss hatte.
Das Raitzenbad in Budapest entstand 1866 bis 1873 im Auftrag des Arztes Dr. J. N. von Heinrich nach Plänen von Nikolaus Ybl (1814-91), dem angesehensten Architekten der Stadt. Heinrich hatte das heruntergekommene Bad, das auf das bereits im Mittelalter bekannte "Königliche Bad" zurückgeht, 1860 erworben und ließ es durch Ybl ausbauen. Ybl war gehalten, sich an den historischen Baubestand zu halten und so bildet die langgestreckte, unregelmäßige zwei- bis viergeschossige Anlage in Grund- und Aufriss ein kompliziertes Gebilde verschiedener Baukörper. Die Fassaden sind betont schlicht und konnten der Baden-Badener Kommission, die das Raitzenbad während der Umbauarbeiten besichtigte, keine Anregungen geben. Im Gegensatz dazu stehen die großen, aufwendigen Gemeinschaftsbäder im Inneren, die sich an antiken römischen Vorbildern orientieren und Dernfeld stark beeinflusst haben.
Von seiner bereits erwähnten Studienreise nach Italien kannte der Bezirksbaumeister auch die antiken Thermen, deren archäologische Erforschung im 19. Jahrhundert immer stärker in den Mittelpunkt des Interesses rückte. Er konnte deshalb nicht nur auf die persönliche Anschauung der Ruinen der Kaiserthermen, sondern auch auf Fachliteratur zurückgreifen. Bereits 1807 erschien Engelbert Wichelhausens Buch über die antiken Bäder 51, 1828 folgte der Prachtband von G. A. Blouet. 52 Natürlich waren Dernfeld ebenfalls die Ausgrabungsberichte August von Bayers über die römischen Bäder in Baden-Baden bekannt. Die Therme in Badenweiler wurde 1784 entdeckt und vom badischen Hofarchitekten Friedrich Weinbrenner untersucht. Auch dessen Rekonstruktionsversuch war Dernfeld sicherlich geläufig. Für das Friedrichsbad sollten aber nicht die beiden wenige Jahrzehnte zuvor entdeckten antiken Bäder im Großherzogtum Baden vorbildlich werden, Dernfeld orientierte sich an den Caracallathermen und den Diokletiansthermen in Rom.
Neben diesen Bauwerken gab es weitere Einflüsse aus Großbritannien. Die Einführung des römischen oder türkischen Bades in Europa ist dem durch seine Auslandsaufenthalte mit orientalischen Badesitten vertrauten britischen Diplomaten David Urquart (1805-77) zu verdanken. Seit 1850 plante er den Bau von 1000 türkischen Bädern für alle Bevölkerungsschichten in London. Der schließlich 1862 unter Urquarts Regie in der britischen Hauptstadt verwirklichte Hamman wurde zum Vorbild für exklusive, internationale Bäder, die sich in Architektur und Bädergebrauch eng an die Vorbilder des islamischen Kulturkreises und des römischen Reiches anlehnten. 53 Auch Kriege haben zur Verbreitung der orientalischen Badesitten beigetragen. Nach dem Krimkrieg (1853-56) gründete der irische Arzt Dr. Richard Barter (1802-70), beeinflusst von den Ideen Urquarts, im Jahr 1856 in St. Anne´s Hill bei Cork in Irland das erste Türkische Bad in Westeuropa. 54 Bis zu seinem Tod richtete Barter, der das von Urquart beschriebene Dampfbad weiterentwickelte, zehn weitere Bäder ein. Der Arzt schuf ein trockenes Heißluftbad mit deutlich höherer Temperatur, das nun Türkisch-Römisches oder Römisch-Irisches Bad genannt wurden. Diese Therapieform verbreitete sich ab 1862 über ganz Europa und gelangte auch nach Amerika und Australien.
Das Friedrichsbad entstand 1869 bis 1877 nach dem Abriss eines Altstadtquartiers auf dem historischen Baugrund des Florentinerberges, auf dem bereits die Römer ihre Thermen errichtet hatten. Die Pläne Dernfelds sind verschollen. Im Vergleich zu den Wohngebäuden in der unmittelbaren Nachbarschaft hat das Gebäude aus rotem und weißem Sandstein (die Innenwände sind aus Backstein) mit den Abmessungen 62,5 x 50 Meter gewaltige Dimensionen. Durch seine Gliederung in drei bergwärts gestaffelte Baukörper passt sich das Friedrichsbad dem steilen Hang hervorragend an. Dernfeld errichtete es im Stil der Neurenaissance, die in Deutschland im Rahmen der Neugestaltung der bayrischen Residenzstadt München ab 1816 durch Leo von Klenze (1784-1864) als repräsentative Hofkunst ihren Anfang nahm. 55 Mit dem Leuchtenbergpalais, erschaffen nach dem Vorbild des Palazzo Farnese in Rom, nahm Klenze als erster deutscher Architekt die Formen der italienischen Renaissance auf. Ihren Höhepunkt erlebte die Neurenaissance in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sie für wenige Jahrzehnte die staatlichen und gesellschaftlichen Bauprojekte beherrschte und auch für Wohnbauten des Großbürgertums verwendet wurde. 56 Die Tendenz zum Barock setzte sich bald durch, an dem 1882 durchgeführten Wettbewerb für das Reichstagsgebäude in Berlin und der anschließenden Realisierung durch Paul Wallot 1884-94 läßt sich der Übergang zum Neubarock gut verfolgen. Diese Entwicklung ist auch bei den Badehäusern zu beobachten. Das Friedrichsbad, als erster Vertreter der Badepaläste in Deutschland, orientiert sich an den Formen der italienischen Hochrenaissance, Josef Durm errichtete das Augustabad eineinhalb Jahrzehnte später in einem Übergangsstil zwischen Neurenaissance und Neubarock.
Der Grundriss des Friedrichsbades ist streng achsialsymmetrisch aufgebaut. Er lehnt sich an die Vorbilder Caracallathermen und Diokletiansthermen in Rom an, verzichtet aber auf die Palästra. Die Parallelen zwischen den Hauptgebäuden der beiden Großen Kaiserthermen und dem Friedrichsbad sind aber, abgesehen von der Anpassung an die Hanglage, verblüffend. Beide Kaiserthermen besitzen eine Symmetrieachse mit Natatio, Tepidarium und Caldarium, um die sich spiegelbildlich die Nebenräume gruppieren. Eine solche Symmetrieachse hat auch das Friedrichsbad mit Vestibül, Treppenhaus, Thermal-Bewegungsbad und Wildbad des Gesellschaftsbades. Außerdem sind den Breitseiten der Kaiserthermen ebenso wie denen des Friedrichsbades Apsiden vorgelagert, in denen in Baden-Baden die Ruheräume des Gesellschaftsbades untergebracht sind. Der quadratische Baukörper mit dem kreisrunden Bewegungsbad steht sowohl ideell als auch geometrisch im Zentrum der Anlage. Nach dem Vorbild des Caldariums der Caracallathermen trägt der durch acht Blendbögen auf korinthischen Säulen gegliederte Raum eine 17,5 Meter hohe Kuppel. Das Bewegungsbad hat eine quadratischen Grundrissform mit einer Seitenlänge von zehn Metern mit einer Nische in jeder Ecke, so dass ein kreisförmiger Raumeindruck entsteht.
Die Kuppel ist eine Gewölbeform, die ursprünglich aus dem römischen Thermenbau stammt. Frühe erhaltene Denkmäler sind die Kuppel der Stabianer Thermen in Pompeji (ca. 100 v. Chr.) und die bereits erwähnte Kuppel des sogenannten Merkurtempels in Bajae (ca. 50 v. Chr.). In der Kaiserzeit fand die Kuppel Eingang in die Sakralarchitektur. Das bedeutendste Beispiel ist das Pantheon in Rom, ein kreisrunder Tempel mit Säulenportikus, der zwischen 118 und 128 n. Chr. entstand. 57 Die Ähnlichkeit mit den monumentalen Kuppeln der großen Thermen legte im 19. und im frühen 20. Jahrhundert die Vermutung nahe, das Pantheon habe ursprünglich ebenfalls als Thermensaal gedient. 58 Auch Dernfeld hat diesen größten Zentralbau der Antike für einen erhaltenen Raum der bereits erwähnten Agrippa-Thermen gehalten. So schuf er in Baden-Baden ein überkuppeltes Bewegungsbad nach dem Vorbild des Pantheon. Dabei übernahm der Architekt die Kassettendecke der Kuppel, das kreisrunde Oberlicht in deren Zentrum und den zweigeschossigen Wandaufriss des Innenraums. Abgesehen von diesen Gemeinsamkeiten sind auch Unterschiede erkennbar, die verdeutlichten, dass es neben dem Pantheon andere Einflüsse gab. Die Grundrissform dieses römischen Tempels ist ein Kreis mit einer lichten Weite von 43,3 Metern, die exakt der Höhe entspricht. Das Bewegungsbad in Baden-Baden hat hingegen eine quadratische Grundrissgestalt und sehr viel steilere Proportionen; es ist mehr als eineinhalb Mal so hoch wie breit. Außerdem wird das Untergeschoss im Inneren des Kuppelraums nicht durch Säulen, die einen Architrav tragen, sondern durch rundbogige Arkaden gegliedert.
Während in römischen und byzantinischen Kulturkreis großartige Kuppeln entstanden, war diese Gewölbeform im Mittelalter wenig bedeutend. Erst in der Renaissance wurden, angeregt durch das Pantheon, wieder große Kuppelbauten errichtet, wobei Filippo Brunnelleschi mit der 1419 begonnenen achtseitige Polygonkuppel des Florentiner Doms den Anfang machte. 59 Höhepunkt dieser Entwicklung ist die ab 1547 von Michelangelo geschaffene Kuppel des Petersdoms in Rom. 60 Nach dem Vorbild von Florenz beschreibt das Gewölbe nicht wie im Pantheon eine Halbkugel, sondern ist parabolisch überhöht. Grundriss ist in St. Peter nicht der Kreis, sondern das Quadrat, auch erhebt sich die Kuppel nicht über einem Architrav, sondern über mächtigen Rundbögen.
Die Parallelen zwischen der Peterskirche und dem Friedrichsbad sind unübersehbar, was keineswegs verwundert, weil das Bauwerk in Baden-Baden im Stil der italienischen Hochrenaissance errichtet wurde. Dernfeld lernte die Denkmäler in Rom und Florenz im Rahmen seiner Italienreise kennen und schuf mit der Kuppel des Friedrichsbades ein Gewölbe, das eine Synthese der Kuppeln des Pantheons und des Petersdoms darstellt. Die innere Gewölbeschale in Baden-Baden wird von einem fensterlosen Tambour ummantelt, darüber erhebt sich ein Kuppeldach. Der Architekt hat dieses stark überhöht, um die Silhouette der Kuppel auch im Außenbau sichtbar werden zu lassen; dies ist seit dem Barock gebräuchlich. Bedeutende Vorbilder sind die St. Pauls-Kathedrale in London (1675-1710) und der Invalidendom (1680-91) sowie das Pantheon (1757-90) in Paris. 61 Die ursprüngliche, auf historischen Ansichten 62 überlieferte Gestaltung des heute glatten Kupferdachs in Baden-Baden orientierte sich am römischen Beispiel; wie bei St. Peter gliederten Rippen die Dachfläche. Die Felder dazwischen waren mit jeweils einer Raute gefüllt, eine Reminiszenz an die kleinen Fensteröffnungen in der Kuppel des Petersdoms.
Das Friedrichsbad mit seinen drei bergwärts gestaffelten Baukörpern hat ein ausgesprochen belebte Dachzone mit einer Flachkuppel über dem Mittelrisalit der Hauptfassade und zwei Ecktürmen mit vierseitigen Zeltdächern an der dem Marktplatz zugewandten Nordseite. Die querrechteckigen Dachaufbauten mit Satteldach über dem mittleren Baukörper besitzen auf die Hauptfassade bezogene halbrunde Fenster, die nach dem Vorbild der römischen Kaiserthermen als Oberlichter für das Gesellschaftsbad dienen.
In Anlehnung an die Paläste der italienischen Hochrenaissance hat die Hauptfassade (Südseite) des Friedrichsbades am Römerplatz ein einfaches Untergeschoss und ein aufwendiges Obergeschoss. Sie ist durch einen triumphbogenartigen, dreigeschossigen Mittelrisalit und Eckrisalite gegliedert; das Untergeschoss über rustiziertem Sockel wird durch Rundbogenfenster zwischen Pilastern, die im Bereich der Seitenrisalite gekuppelt sind, in fünf Achsen je Seite geteilt. Alternierend bossiert und glatt behandelte Werksteinbänder bestimmen das Erscheinungsbild dieses Stockwerks. Darüber erhebt sich das Hauptgeschoss, das die Formensprache der Trinkhallen aufgreift. Es besitzt eine übergreifende, verglaste Arkatur mit vorgelegten korinthischen Säulen. In den Bogenzwickeln der reich gegliederten Fassade befinden sich zwölf Portätmedaillons (zwei weitere an der Ostseite) und zwei Figurennischen, die Raum für ein umfangreiches ikonografisches Programm geben, das durch Inschriften ergänzt wird. Die Reliefs der Porträtmedaillons wurden von Kern und Kaffenberg in Baden-Baden ausgeführt 63 und zeigen mehr oder weniger willkürlich ausgewählte Herrscher und Gelehrte, die für die Entwicklung des Bäderwesens allgemein bzw. für die Geschichte der Stadt von Bedeutung waren: die römischen Kaiser Hadrian und Marcus Aurelius Antonius (genannt Caracalla), Frankenkönig Dagobert, Ratfried, Abt von Weißenburg, Christof I., Markgraf von Baden, Karl Friedrich, Großherzog von Baden, den Arzt Hyppokrates, den Arzt und Naturwissenschaftler Philippus Theophrastus Paracelus, den Humanisten, Arzt und Mineralogen Georgius Agricola, den markgräflichen Kanzler Vehus, den Humanisten Reuchlin, den Geologen Bischof, den Chemiker Robert Wilhelm Bunsen und Dr. Carl Frech, Dernfelds medizinischen Berater bei der Planung des Friedrichsbades. In den Figurennischen des Mittelrisalits befinden sich die von Hans Baur aus Konstanz geschaffenen Skulpturen des Äskulap (griechischer Gott der Heilkunst) und der Hygieia (griechische Göttin der Gesundheit), darüber auf zwei Tafeln ein sehr frei wiedergegebenes, angeblich vom Karlsruher Dichter Josef Victor von Scheffel umformuliertes Zitat aus dem Schlusschor der Klassischen Walpurgisnacht in Faust II, in der Johann Wolfgang von Goethe den vier Elementen huldigt: "Wunderwirkend schäumt die Welle, Strömt der heiße Dampf der Quelle, Muth wird freier, Blut wird neuer, Heil dem Wasser, Heil dem Feuer!". Ebenfalls von Baur stammen die dem Bade entsteigende Nymphe über dem Hauptportal und der von zwei liegenden Quellnymphen gerahmte badische Greif auf dem Giebel des Mittelrisalits, der von sechs Karyatiden, die reliefartig vor Pilaster treten, getragen wird. In dem monumentalen Bogen über dem Portal, also im Zentrum des umfangreichen Bildprogramms, steht die von Professor Friedrich Moest aus Karlsruhe geschaffene Büste Großherzog Friedrichs von Baden, dem das Bad seinen Namen verdankt, vor einer aus gemalten Greifen kunstvoll gebildeten Aureole.
Die seitlichen Fassaden sind unterschiedlich behandelt, repräsentativer ist die dem Kloster zugewandte östliche Front, während die Westseite wegen der dort vorbei führenden Kirchenstaffeln nicht in voller Gebäudehöhe einsehbar ist. Die drei bergwärts gestaffelten Baukörper sind an beiden Seiten gut ablesbar. West- und Ostfront des unteren Traktes am Römerplatz werden durch Pilaster in drei Achsen gegliedert. Das rustizierte Erdgeschoss besitzt kleine rundbogige Fenster, die Mittelachse des zweiten Geschosses nach dem Vorbild des "Palladio-Motivs" ein dreigeteiltes Fenster, wie es Andrea Palladio ab 1549 erstmals beim Umbau der Basilika in Vicenza verwendete. Die Fassaden des dreigeschossigen, mittleren Baukörpers, hinter denen sich das Gesellschaftsbad, die zentrale Anlage der Therme, befindet, werden durch jeweils eine zweigeschossige Apsis mit rundbogigen Fenstern beherrscht. Die Apsiden werden von Giebeln mit seitlichen Galerien überragt, hinter denen sich der langgestreckte zweigeschossige Baukörper mit dem Gesellschaftsbad und dem Kuppelbau im Zentrum erstreckt. Dieser Trakt trägt ein Satteldach, sein basilikal überhöhtes Obergeschoss, an das sich Pult- und Flachdächer als Verbindung zu den anderen Baukörpern anlehnen, ermöglicht wie in den antiken Kaiserthermen eine eigenständige Belichtung der Baderäume. Der Trakt am Markt (Nordseite) überragt die beiden unteren Baukörper; analog zur Hauptfassade am Römerplatz ist seine zweigeschossige Front durch einen übergiebelten Mittelrisalit und zwei dreigeschossige Ecktürmen gegliedert. Die Fassade mit sieben Achsen an jeder Seite besitzt pro Achse ein großes Rundbogenfenster im Erdgeschoss und jeweils zwei kleine Rechteckfenster im Obergeschoss. Das Palladio-Motiv des Mittelrisalits und die rundbogigen, von Hermen flankierten Nischen der Ecktürme fassen zwei Geschosse in Kolossalordnung zusammen. Ursprünglich waren im Erdgeschoss des Nordflügels repräsentative Wannen-, Wild-, Dampf- und Kastendampfbäder für wohlhabende Badegäste untergebracht, im Erdgeschoss der Türme jeweils ein Salon mit separatem Eingang für die anschließenden Salonbäder. Von der originalen Ausstattung ist so gut wie nichts erhalten.
Erwähnenswert ist die zweischiffige Halle mit zwei toskanischen Säulen im Erdgeschoss der dem Kloster zugewandten Apsis, also unter dem Ruheraum der Damenabteilung des Gesellschaftsbades. Der 16 Meter lange und 9,6 Meter breite, kreuzrippengewölbte Raum diente ursprünglich als Inhalatorium und wird heute für Hydrotherapie genutzt.
Wie oben festgestellt, orientiert sich das Friedrichsbad mit seiner völlig symmetrischen Grundrissgestalt an den antiken Kaiserthermen. Die Querachse teilt die Anlage in die rechte Frauen- und die linke Männerseite, die Organisation des Bades erfolgt über die Mittelachse. Der Besucher gelangt vom Römerplatz zunächst in das dreischiffige Vestibül, dessen Gewölbe auf schlanken toskanischen Säulen aus rotem Sandstein (die Basen sind nicht erhalten) ruhen. Die originale Ausmalung der Gewölbe ging verloren, die heutige Gestaltung mit Blattornamenten stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Bei einer Bauuntersuchung entdeckte der Restaurator Herbert Kurz aus Rastatt-Ottersdorf 1980 die übermalte ältere Fassung. 64 Vom Vestibül schreitet der Besucher über die große Treppenanlage zunächst zu einem Podest, von dem aus zwei Treppenarme rechtwinklig zu zwei weiteren Podesten und dann gegenläufig ins Obergeschoss führen. Dort befinden sich die 60 Meter lange und 9,30 Meter breite Wandelhalle und das Gesellschaftsbad, in Anlehnung an Dr. Barter später Römisch-Irisches Bad genannt. Die Wandflächen des quadratischen Treppenhauses werden durch jeweils vier bräunlich-marmorierte (ursprünglich graue) Pilaster mit Kompositkapitellen gegliedert, die durch ein Gesims abgesetzte Rundbögen tragen. Im mittleren Bogen über dem zentralen Podest befand sich bis zur weißen Übertünchung des ursprünglich farbig gefassten Treppenhauses im Jahr 1950 eine Inschrift, die in den antiken Caracallathermen in Rom gefunden wurde: "Curae vacuus hunc adeas locum, Ut morborum vacuus abire queas. Hic enim nunc curatur qui curat." (Betritt diesen Ort frei von Sorgen, damit du ihn frei von Krankheiten verlassen kannst. Hier nämlich wird jetzt geheilt, wer sich darum bemüht.) Diese Inschrift ist direkter Hinweis auf die Vorbildfunktion des römischen Denkmals, das von einem Kaiser errichtet wurde, der sich, wie erwähnt, um den Ausbau der antiken Thermen in Baden-Baden Verdienste erworben hat.
Im Untergeschoss sind entlang der Vorderfront tonnengewölbte Räume mit teilweise erhaltenen Wannen- und Wildbädern untergebracht. Die darüberliegende Wandelhalle mit Spiegeldecke und Stichkappen, die eine ins Gebäude integrierte Palästra darstellt (eine externe nach dem Vorbild der Kaiserthermen macht angesichts der nördlich der Alpen üblichen Witterung keinen Sinn), besitzt entsprechend der Risalite der Hauptfassade zwei Seiten- und einen Mittelpavillon. Der aufwendig gestaltete Mittelpavillon über quadratischem Grundriss (10 x 10 m) trägt eine Kuppel, die auf eingestellten, nach dem "Palladio-Motiv" gestaltet Bögen ruht. Entsprechende Bogenstellungen haben die Seitenpavillons, die heute durch Türen von der Wandelhalle abgetrennt sind und die Solarien des Gesellschaftsbades beherbergen. Der Brunnen mit einem muschelblasenden Knaben im mittleren Pavillon ist ebenso wenig erhalten wie die originale Ausmalung des Raums, in den Pendentivs der Kuppel wurden bei der Restaurierung 1980/81 vier Medaillons mit den vier Elementen des griechischen Mathematikers Euklid (Feuer, Luft, Wasser, Erde) in Gestalt von Nymphen, in grau auf rotem Grund gemalt, wiederhergestellt. Sie stammen von Th. Kemmer, einem Schüler der Karlsruher Kunstschule.
In die Männer- und Frauenabteilung des Gesellschaftsbades führt vom Treppenhaus aus jeweils eine kurze einläufige Treppe. Das Fußbodeniveau dieser zentralen Einrichtung liegt höher als das der Wandelhalle, weil die Thermalbecken bis zu 1,3 Meter tief sind. Eine Kuppel, die auf acht Rundbögen mit korinthischen Säulen ruht, überspannt das bereits vorgestellte zentrale Bewegungsbad. Die mit Rosetten dekorierten Pendentivs leiten in das kreisförmige zweite Geschoss über, in dem 16 Pilaster mit jugendlichen Atlanten, die Kuppel tragen. Diese wird von 16 Rundstäben und ebenso vielen Vertikalstreifen mit abwechselnd zwei großen und einer kleinen Kassette gegliedert. Die farbige Gestaltung des Raums mit Blattwerk, Ranken, Muscheln und Perlschnüren hat der Maler Gleichauf entworfen. An diesen zentralen Raum schließen, ursprünglich für Männer und Frauen getrennt und heute zu bestimmten Zeiten für beide Geschlechter zugänglich, spiegelsymmetrisch angelegt weitere Bäder an. Rechts und links des Kuppelraums mit seinem runden Becken (Durchmesser 8,5 m, Tiefe 1,29 m, Wassertemperatur 28 Grad Celsius) gibt es jeweils ein 36 Grad Celsius warmes, 1,3 Meter tiefes, überkuppeltes Vollbad in einem langgestrecktem Raum (10 x 5,7 m) mit kleeblattartigen Nischen an den Schmalseiten. An die Nordseite des Kuppelraums schließt - durch einen Rundbogen abgetrennt - ein großes Wildbad an, das ausschließlich von der Herrenabteilung aus zugänglich ist. Zwei Dampfbäder sind spiegelsymmetrisch nördlich des Vollbades angeordnet. Im vollen Umfang erhalten ist nur das Dampfbad der Herrenabteilung, das aus zwei Räumen mit unterschiedlichen Temperaturen, die durch eine Glaswand getrennt sind, besteht. Der größere ist 5,8 Meter lang, 5,6 Meter breit und 3,6 Meter hoch und besitzt ein Klostergewölbe. An den Nordwänden befinden sich kaskadenartig angeordnete Sintersteine, die beim Bau des Friedrichsbades aus einer bis zu sechs Meter dicken Sinterschicht gewonnen wurden. Über diese plätschert das Thermalwasser und verdampft. Der kleinere der beiden Dampfbadräume auf der Damenseite wurde vermutlich nach dem Abriss des Augustabades 1962 als Wildbad hergerichtet. Nachdem das Friedrichsbad sieben Jahrzehnte nur für Männer geöffnet war, stand es nach der Aufgabe des Frauenbades wieder für beide Geschlechter zur Verfügung. Aus diesem Grund wurde offensichtlich das therapeutische Angebot der Damenabteilung erweitert.
An die Dampfbäder schließt je ein rechteckiger Frottierraum an, der heute für Seifenbürstenmassagen genutzt wird, es folgen jeweils zwei Heißluftbäder (erneut mit unterschiedlichen Temperaturen), die bei der Eröffnung des Hauses im Hinblick auf Dr. Barter als Römisch-Irische Bäder bezeichnet wurden und dem antiken Laconicum entsprechen. In den größeren Räumen tragen breite Gurtbögen mit Laubkonsolen die Gewölbe; zwei Tonnengewölbe schließen hierbei jeweils die mittleren Ringgewölbe mit Oberlicht ein. In den kleineren Räumen erhebt sich über acht Stichkappen eine von Konsolen getragene Flachkuppel mit Oberlicht. Die originale Ausstattung ist erhalten.
Die beiden rechteckigen Duschsäle sind fünf Meter hoch. Ihre Tonnengewölbe durchschneiden sich und sind zu einer Kuppel erhöht. Beide Säle sind an der Nordseite durch Apsiden mit einem Bassin erweitert, das größere Becken auf der Damenseite dient als Thermalbewegungsbad, weil den Frauen der Kuppelsaal nicht zugänglich war, das kleinere auf der Herrenseite ist ein Kaltbad. Die beiden langgestreckten, rechteckigen Umkleideräume mit quadratischen Oberlichtern schließen das Gesellschaftsbad nach Süden ab, in den vor die Ost- und Westfront tretenden großen Apsiden befinden sich die Ruhesäle, die beiden kleinen rechteckigen Räume daneben dienen bis heute als Abtrockenzimmer. Alle Becken des Gesellschaftsbades besitzen eine aufwendige Ausstattung mit Marmor. Die antikisierende Ausmalung, für die der Karlsruher Dekorationsmaler Schwarzmann - nach Vorlagen von Gleichauf und Dernfeld - verantwortlich war, ist nur im Kuppelsaal erhalten.
Dem puristischen Zeitgeschmack der Mitte des 20. Jahrhunderts entsprechend wurde die originale Ausmalung des Friedrichsbades 1950 weiß getüncht. 65 Diesem Bildersturm fielen damals die Ausstattungen der meisten historisierenden Denkmäler, die als wertlos galten, zum Opfer. Glücklicherweise wurden die Wandgemälde in Baden-Baden nicht völlig vernichtet, im Rahmen der umfangreichen Restaurierung des Gebäudes 1980/81 leider aber nur zum geringen Teil wiederhergestellt.66
Gleichzeitig mit dem Bau des Friedrichsbades, der sich wegen des Deutsch-französischen Krieges 1870/71, unerwarteter technischer Schwierigkeiten und der Ausgrabungen der römischen Badruinen verzögerte, wurden zwischen 1868 und 1871 die Thermalquellen neu reguliert. 67 Der Großherzogliche Baudirektor Robert Gerwig fasste die wichtigsten Quellen in zwei Stollensysteme. Im Friedrichsstollen wurden neben der Friedrichsquelle, die Höllquelle, die Brühquelle und die Judenquelle vereinigt. Bei diesen Arbeiten versiegte die Ungemachquelle. Ein Seitenstollen nimmt die Römerquelle auf. Um das Thermalwasser aus dem Bereich des Marktplatzes zu fassen, legte man den Kirchen- und Rosenstollen an. Die Erschließungsarbeiten waren ein voller Erfolg, neben einer Steigerung der Schüttung um 20 Prozent stieg auch die mittlere Quelltemperatur. Die Büttenquelle südwestlich des alten Thermalgebiets wurde 1894 durch einen fast 20 Meter langen Stollen neugefasst, wegen der niedrigen Temperaturen zwischen 13 und 35 Grad Celsius und des offensichtlichen Anteils an Niederschlagswasser aber bis heute nicht genutzt. 19 Meter östlich des Mundlochs des Hauptthermalstollens wurde 1894 bis 1897 über einen Hilfsstollen der Neue Stollen in nordöstlicher Richtung angelegt. Das dort angetroffene Thermalwasser mittlerer Temperatur, Mineralisation und Schüttung stellte eine weitere Bereicherung dar. 1901 bis 1902 wurde die Höllgassquelle, nicht zu verwechseln mit der Höllquelle im Höllstollen, neu gefasst. Die Gesamtlänge der Stollenanlagen, die seit der Wende zum 20. Jahrhundert unverändert bestehen, beträgt rund 200 Meter.
Zwei moderne Tanks mit heißem und bereits abgekühltem Thermalwasser befinden sich heute im Obergeschoss des Friedrichsbad-Nordflügels am Marktplatz. Dorthin wird es aus den ebenfalls modernen Sammelbehältern der sogenannten Unterstation unter dem früheren Augustabad (210 und 410 Kubikmeter) gepumpt. Das Wasser gelangt von hier auch in die Caracallatherme und zum Hochbehälter auf dem Hungerberg (200 Kubikmeter) rund 500 Meter nördlich des Quellgebietes, der als Speicher dient. Der Süßwasserbehälter für das Friedrichsbad befindet sich in einem weiteren Tank oberhalb des Markplatzes, der mit Quellwasser aus dem Geroldsauer Tal unterhalb des Wasserfalls gespeist wird. Er liefert das Trinkwasser für das Bad, in dem kein Leitungswasser verwendet wird. Die zwölf ursprünglichen, gemauerten und überwölbten Thermalwasserreservoirs, die auf verschiedenen Ebenen im Keller und außerhalb des Gebäudes lagen, werden heute nicht mehr benutzt, sind aber zum Teil erhalten. Das Wasser ergoss sich ursprünglich aus einem vollen Behälter in den nächst tieferen, floss durch die ebenfalls stillgelegten Bodenheizungskanäle und, nachdem es hier einen Teil seiner Wärme abgeben hatte, in die Becken. Entfernt wurden auch die zehn eisernen Tanks in den beiden Türmen und auf dem Dachboden. Die beiden Speicher in den Türmen versorgten ursprünglich die Duschen, die übrigen, die mit heißem und abgekühltem Wasser gefüllt wurden, waren durch ein kompliziertes Rohrsystem miteinander verbunden. Wie zur Erbauungszeit kommt auch heute noch das Thermalwasser für die beiden Dampfbäder im Gesellschaftsbad direkt aus dem Friedrichsstollen. Das übrige System aus dem 19. Jahrhundert war wegen neuer Vorschriften, die ein Füllen der Becken mit ständig nachfliessendem Thermalwasser nicht gestatten und zusätzlich eine Wasserumwälzung und -chlorung verlangen, nicht aufrechtzuerhalten. Deshalb gibt es heute im Keller des Friedrichsbades technische Einrichtungen wie in jedem modernen Hallenbad.
Das Friedrichsbad und die moderne Caracallatherme befinden sich nach wie vor im Besitz des Landes Baden-Württemberg, werden aber seit dem 1. Juli 1994 von der Carasana Bäderbetriebe GmbH mit Sitz in Baden-Baden als Pächterin betrieben.

Das Landesbad (heute Rheumazentrum) von Josef Durm
Der Erfolg des Friedrichsbades, das bis ins späte 19. Jahrhundert als das modernste Badehaus Deutschlands galt, war beachtlich. Als um 1885 trotz hoher Preise 68 seine Kapazitätsgrenze erreicht war, wurden die konkreten Planungen für einen weiteren Neubau beschleunigt und 1888 den Abgeordnetenkammern vorgelegt. 69 Wegen der Nähe zu den Quellen musste das neue Frauenbad in der Nachbarschaft des Friedrichsbades entstehen, der bereits vorhandene Grundbesitz des Bäderfonds bedingte außerdem einen extrem ungünstigen Bauplatz zwischen Friedrichsbad und dem Kloster zum heiligen Grab. Nicht nur einige Bürgerhäuser, sondern auch das Armenbad mussten wieder einmal abgerissen werden. 70 Um dessen Betrieb nicht zu unterbrechen, wurde 1888 bis 1890 - noch vor dem Bau eines repräsentativen Frauenbades - das Landesbad, wie das Armenbad nun genannt wurde, errichtet.
Architekt war Josef Durm (1837-1919). 71 Der Sohn eines Karlsruher Schneidermeisters studierte an der Technischen Hochschule seiner Heimatstadt und legte 1860 die Staatsprüfung ab. Nach Bildungsreisen, unter anderem nach Italien, Griechenland, Frankreich und Ägypten, war er seit 1862 als Architekt in Karlsruhe tätig und wurde 1868 als Professor an die dortige Hochschule berufen. Von 1883 bis zu ihrer Auflösung 1902 war Durm Leiter der Großherzoglichen Baudirektion im Land Baden und machte sich nicht nur als Architekt, sondern auch als Bauhistoriker und Architekturtheoretiker einen Namen. Von seiner beachtlichen wissenschaftlichen Arbeit zeugen zahlreiche Publikationen. Die Universität Heidelberg und die Technische Hochschule Berlin verliehen Durm die Ehrendoktorwürde (Dr. phil. und Dr.-Ing.). Der Architekt orientierte sich in seinen Werken vornehmlich an der Formensprache der Renaissance, später auch des Barock. Bereits vor den Bäderbauten in Baden-Baden errichtete Durm das Vierordtbad in Karlsruhe (1871-73), weitere wichtige Werke sind die ehemalige Kunstgewerbeschule, heute Kunstakademie (1887-89), und das ehemalige Erbgroßherzogliche Palais, heute Bundesgerichtshof (1892-97), in Karlsruhe sowie die Universitätsbibliothek Heidelberg (1901-05).
Das dreigeschossige, querrechteckige Landesbad mit den Maßen 60 x 25 Meter besitzt einen Mittelpavillon, der an der Hauptfassade von giebelbekrönten Mittel- und Seitenrisaliten gegliedert wird. Die leicht zurückgesetzten Seitentrakte mit jeweils sechs Achsen sind schlichter behandelt und ganz auf den aufwendigeren Pavillon abgestimmt. Über dem rustizierten Erdgeschoss mit rundbogigen Fenstern lagern die beiden oberen Geschosse mit Rechteckfenstern; das Gebäude trägt ein flaches Mansarddach. Stilistisch orientiert sich das Bauwerk an der italienischen Frührenaissance und der deutschen Renaissance, was typisch für die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert ist. Die italienischen Elemente der Neurenaissance wurden zunehmend durch Rückgriffe auf deutsche Denkmäler des 16. Jahrhunderts ersetzt. An der Wahl des Baumaterials lässt sich bereits ablesen, dass das Landesbad für einfachere Leute bestimmt war. Nur der Sockel, die Gesimse und die Rahmungen sind aus rotem Maulbronner Sandstein, die Wandflächen sind hingegen mit hellgelben Backsteinen verblendet.
Im Landesbad gibt es nur ein eingeschränktes Therapieprogramm, ohne repräsentatives Gesellschaftsbad wie im Friedrichsbad oder Augustabad. Im Erdgeschoss legte Durm in tonnengewölbten Räumen auf der rechten Seite Wannenbäder für Männer, auf der linken solche für Frauen an. Die letzteren werden, mit moderner Technik ausgestattet, auch heute noch benutzt. An der Rückseite des mittleren Pavillons richtete der Architekt, ebenfalls nach Geschlechtern getrennt, Umkleideräume und Duschen und im Zentrum ein Heißluft- und ein Dampfbad ein, die von Männern und Frauen zu unterschiedlichen Zeiten genutzt wurden. Im zweiten Geschoss waren Speisesaal, Verwaltung sowie Zimmer für medizinisches Personal untergebracht, im dritten Geschoss und im Dachgeschoss Patientenzimmer und Schlafsäle.
Das Gebäude entspricht völlig dem Typus des kleinen Kurbadehauses, das im Historismus weit verbreitet war und in seiner Grund- und Aufrissdisposition barocken Schlossanlagen folgte. 72 Es besteht aus einem zentralen Eingangsbereich und zwei nach Geschlechtern getrennten Flügeln. Frühe Beispiele dieses Typs sind die Badehäuser I bis IV in Bad Nauheim (1850-1888, 1906 abgebrochen) und das Solbad in Donaueschingen (1871).
Das Landesbad, heute Rheumazentrum genannt, wurde an seiner Westseite zum ersten Mal 1913 im historisierenden Stil erweitert, 1976 bis 1979 entstand nach Plänen der Architekten Karl und Christian Kohlbecker aus Gaggenau an der Ostseite ein sechsgeschossiges Bettenhaus 73, das sich in Gestaltung und Dimensionen dem Altbau in keiner Weise anpasst. Durms repräsentatives Bauwerk hat durch diesen und andere entstellende Anbauten viel seiner ursprünglichen Wirkung verloren. Besonders störend ist der moderne Flachbau mit dem Thermalschwimmbad vor dem Altbau. Der Haupteingang des Rheumazentrums wurde in den Neubau von 1976-79 verlegt.

Josef Durms zweiter Entwurf: Das Augustabad
Das Kaiserin-Augusta-Bad - benannt nach der deutschen Kaiserin und Ehefrau Wilhelms I., Augusta (1811-1890) - entstand in den Jahren 1890 bis 1893 als Frauenbad in unmittelbarer Nachbarschaft des Friedrichsbades und nach dessen Vorbild, was bereits an der Verwendung des gleichen Baumaterials deutlich wird. Die größte Leistung des Architekten Josef Durm war die Verwirklichung eines umfassenden Bauprogramms auf dem zwar ebenen, aber sehr beengten Baugelände im Dreieck zwischen Friedrichsbad, Kloster zum heiligen Grab, Zähringerstraße und Gernsbacherstraße. Der zweigeschossige Badepalast, der sich an der Formensprache der italienischen und deutschen Renaissance orientierte und diese mit reichen barocken Schmuckformen vereinte, entwickelte sich über einer Grundfläche von 63 x 34 Metern. 74 Die Pläne Durms sind nicht erhalten. Sie wurden auf der internationalen Kunstausstellung in München 1892 und auf der Weltausstellung 1893 in Chicago gezeigt und sind heute verschollen. 75
Die Anpassung an einen unregelmäßigen, dreieckigen Bauplatz machte beim Augustabad die Ausbildung einer symmetrischen Hauptfassade nach dem Vorbild des Friedrichsbades unmöglich. Das Hauptaugenmerk Durms lag auf der repräsentativen Gestaltung der Ecklösung zum Friedrichsbad. 1897 beschrieb der Architekt die Besonderheit des Baugeländes: "Seine Eigenthümlichkeit ermöglichte eine symmetrisch langgestreckte Grundrissgestaltung wie beim Friedrichsbad nicht, die Aufgabe war hier weniger einfach zu lösen, gab aber Veranlassung zu einer größeren Mannigfaltigkeit in der äusseren architektonischen Gestaltung, sowohl in der Behandlung der Innenräume, die eine etwas glanzvollere ist als beim erstgenannten Bau." 76
Abgesehen von der schmucklosen Hofseite zum Kloster lassen sich fünf verschiedene Fassadenabschnitte feststellen. Im Zentrum stand die Eckfront und die daran gespiegelten Fassaden gegen Friedrichsbad und Gernsbacherstraße. Der an den Flügel zur Gernsbacherstraße anschließende Trakt mit dem heilgymnastischen Saal erhielt auch gegen die Zähringerstraße einen eigenständigen Abschluss. Die Fassade mit rundbogigen Fenstern im Erd- und rechteckigen Fenstern im Obergeschoss hat drei Achsen, die Mittelachse wird von Pilastern gerahmt und besitzt im Obergeschoss einen giebelbekrönten Erker.
Ausgehend vom heilgymnastischen Saal, übrigens eine Neuerung gegenüber den therapeutischen Einrichtungen des Friedrichsbades, steigerte sich die Ornamentik, um in der Ecklösung ihren Höhepunkt zu finden. Diese besaß drei Achsen mit dem rundbogigen, von kräftigen Pilastern gefassten Hauptportal in der Mitte. Es wurde von kleinen Rundfenstern gerahmt. Im Obergeschoss, das durch drei große rundbogige Fenster gegliedert wurde, setzten sich die Pilaster fort; die Pilaster der Mittelachse trugen einen Dreiecksgiebel, der im Bereich des Mansarddachs von einem Schweifgiebel bekrönt wurde. Durm zitierte auf diese Weise den Mittelrisalit des Friedrichsbades und entschied sich bei der Gestaltung der angrenzenden Seitenfassaden für Reminiszenzen an dessen Seitenrisalite. Nach dem Vorbild der Eingangsachse wurde bei den Seitenfassaden des Augustabades jeweils eine Fensterachse durch Pilaster, die einen Dreiecksgiebel tragen, besonders betont.
Nicht nur beim Aufriss der Fassaden, auch beim Grundriss ist Durms Streben nach Symmetrie und Annäherung an das Vorbild Friedrichsbad, dem problematischen Baugelände zum Trotz, spürbar. Der Besucher gelangte zunächst in ein Vestibül, über dem sich im Obergeschoss der Wartesaal befand. Die Treppenanlage führte vom Vestibül zu einem Podest und dann über zwei gegenläufige Treppenarme, die sich zu einem Halbkreis ergänzten, ins Obergeschoss. Eine Galerie mit korinthischen Säulen, die eine große verglaste Kuppelkonstruktion aus Eisen trugen, umgab das Treppenhaus. Die Einführung des Eisens, später Stahls als tragender Baustoff in den Hochbau um 1800 zählt zu den wichtigen technischen Innovationen des 19. Jahrhunderts. Sie ermöglichte nicht nur Tragwerke mit gewaltigen Spannweiten, sondern auch eine völlige Auflösung der Dachflächen in Glas, wie dies erstmals bei der Galerie d´ Orleans im Palais Royal in Paris 1829 gelang. 77 Durms Kuppel folgt diesen modernen Tendenzen und unterscheidet sich damit formal und konstruktiv von den beiden Kuppeln des Friedrichsbades.
Von der Galerie des Augustabades waren der Wartesaal über dem Vestibül (11,22 x 4,96 m) und der langgestreckte Umkleideraum des Gesellschaftsbades mit demselben Therapieprogramm wie im Friedrichsbad zugänglich. Während Heißluft- und Dampfbäder entlang der zum Kloster führenden Front untergebracht waren, erstreckten sich die Thermalbäder hinter dem Umkleideraum. Es gab ein Thermalvollbad, ein Wildbad und ein kaltes Tauchbad. Ideelles Zentrum des Gesellschaftsbades war die Rotunde des Thermal-Bewegungsbades (Durchmesser 7,2 m), das von den anderen Becken an zwei Seiten umgeben vor die dem Kloster zugewandte Hofseite trat. Der überkuppelte Bau, der ein Kegeldach trug, orientierte sich dabei am Caldarium der antiken Caracallathermen im Rom, das ebenfalls vor die Mauerflucht trat. Entlang der Fassade an der Gernsbacherstraße waren zwei Gesellschafts-Wildbäder mit separater Umkleide untergebracht. Im Erdgeschoss des Augustabades gab es Räume für Wannenbäder und Kaltwasseranwendungen.
Die Fassaden des Augustabades waren, wenn auch sparsamer, wie die des Friedrichsbades mit Bauplastiken geschmückt, allerdings handelte es sich hierbei ausschließlich um Dekor und nicht um ein ikonografisches Programm, das auf die Bedeutung des Gebäudes und der Baden-Badener Badetradition verweist. Die Marmorbüste der Kaiserin Augusta im Vestibül, die heute im Stadtmuseum im Baldreit aufbewahrt wird, schuf Professor Friedrich Moest, der ebenfalls die Büste Großherzog Friedrichs für das benachbarte Friedrichsbad anfertigte. Die Skulptur wurde von Büsten des großherzoglichen Paares gerahmt. Das Gebäude war im Inneren mit verschiedenfarbigem Marmor, Mosaiken, Fayencen und Glasmalereien für Fenster und Oberlichter kostbar ausgestattet. Die Haupträume schmückten Wandgemälde und Plastiken.
Bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde über den Abriss des Augustabades nachgedacht. Ein konkrete Planung datiert in das Jahr 1937, als in Baden-Baden ein städtebaulicher Wettbewerb zur umfassenden Neuordnung des historischen Stadtkerns veranstaltet wurde. Das Dritte Reich setzte jedoch andere Prioritäten, so dass dem Augustabad eine Gnadenfrist von 25 Jahren beschieden war. 78 Die Bemühungen von Baden-Badener Bürgern, den Abriss des Denkmals zu verhindern, blieben erfolglos. Dr. W. Braun wandte sich im Auftrag des Vereins Badische Heimat am 9. Dezember 1961 an das Landesamt für Denkmalpflege in Freiburg, im selben Monat schrieb er im Namen der Kreisstelle Baden-Baden für Denkmalschutz und Heimatpflege gemeinsam mit vier weiteren Unterzeichnern an den Leiter des Staatlichen Hochbauamtes Baden-Baden, Oberbaurat R. E. Weber, und forderte zumindest Teile des Augustabades zu erhalten. 79 Vergeblich, 1962 rückten die Abrissbagger an.

Das Kurmittelhaus von R. E. Weber
Das Kurmittelhaus entstand nach dem Abriss des Augustabades unter dem Namen "Neues Augustabad" in den Jahren 1963 bis 1966 unmittelbar nordöstlich des Vorgängerbaus nach Plänen von R. E. Weber, der als Oberbaurat das Staatliche Hochbauamt Baden-Baden leitete. Der siebengeschossige, verglaste Kubus, der das Rotenbachtal überragte, war Teil eines 1958 genehmigten Konzepts zur Neugestaltung des Bäderviertels. Das historisch gewachsene Quartier mit seiner denkmalwerten Bausubstanz - immerhin das wichtigste Kapital einer Stadt die bis heute vom Tourismus lebt - wurde grundlos vernichtet, abgerissen wurden unter anderem Spital, Inhalatorium, Fangohaus, ehemalige Friedhofskapelle und das westliche Joch der Spitalkirche. Der Rotenbach wurde verdolt, an der Stelle des Augustabades wurde eine städtebaulich völlig deplazierte Betonplattform mit Einfahrt in die neue Tiefgarage errichtet. Den Planern gelang es nicht, die durch den Abriss zahlreicher Häuser entstandene Grünfläche als Parkanlage in die Stadt zu integrieren.
Das fast 31 Meter hohe Kurmittelhaus entstand über rechteckigem Grundriss (28 x 35,7 m); vor die Südfront trat eine über 83 Meter lange, zweigeschossige Eingangshalle, die aufgrund der Topografie ein Stockwerk tiefer lag. 80 Im zweiten Geschoss des nur 6,7 Meter breiten Baukörpers befand sich eine Trinkhalle. Die von Weber gewählte Stahlbeton-Skelettbauweise ermöglichte eine vollständige Verglasung der Fassaden nach dem Vorbild der gläsernen Wolkenkratzer und des Büropalastes aus Eisenbeton, die Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) bereits 1921 bzw. 1922 als theoretische Entwürfe präsentierte und seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts zunächst in Chicago und später auch in anderen Städten der USA realisierte. 81 Webers eklektizistischer Beitrag zu klassischen Modernen, der keine schlechte Architektur im eigentlichen Sinne darstellt, wird der gestellten Aufgabe, das "Neue Augustabad" für eine Stadt mit fast zweitausendjähriger Badgeschichte zu bauen, in keiner Weise gerecht und wirkt im historischen Bäderviertel völlig deplaziert. Die formale Ausgestaltung des Kurmittelhauses ist willkürlich, das Gebäude ist von außen nicht als Therme zu identifizieren und könnte genauso gut ein Bürohaus sein.
Der Besucher gelangte über die erhaltene Treppenanlage von der Eingangshalle ins Untergeschoss des Neuen Augustabades, das neben allen üblichen therapeutischen Einrichtungen auch eine Sauna und im siebten Stockwerk ein Thermal-Hallenbad mit Sonnenterasse besaß. Trotz des schönen Blicks über Baden-Baden, der den Gästen von dort aus geboten wurde, akzeptierte das Publikum den Neubau nicht.

Hans-Dieter Heckers Caracallatherme
Nach zwei Architektenwettbewerben wurde die lange umstrittene Frage nach dem Standort für eine neue Therme zugunsten einer Erweiterung des Kurmittelhauses entschieden. 82 Der Freiburger Architekt Hans-Dieter Hecker erhielt 1981 den Planungsauftrag, bei der Bauleitung wurde er von dem Baden-Badener Architekten Peter Krätz unterstützt. Im März 1983 begannen die Bauarbeiten, am 19. August 1985 wurde die Caracallatherme, so genannt nach dem bereits mehrfach erwähnten römischen Kaiser Caracalla, offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Der Bund Deutscher Architekten (BDA) zeichnete das Bad 1987 im Rahmen der regionalen Vorentscheidung ("Gute Bauten") für den in Baden-Württemberg alle drei Jahre vergebenen Hugo-Häring-Preis aus.
Hecker wurde am 20. Januar 1934 in Dresden geboren und studierte nach dem Abitur 1953 am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Marl (Westfalen) bis 1957 an der Technischen Universität München Architektur.83 Zu seinen Lehrern zählten die Professoren Hans Döllgast, Franz Hart und Gerhard Weber. Nach dem Diplom wechselte er als Referendar zum Universitätsbauamt Freiburg, wo er nach der Großen Staatsprüfung 1961 Leiter der Planungsgruppe für Bauten der Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät wurde. Außerdem war Hecker Mitglied der Planungsgruppe für Institutsbau der Staatlichen Bauverwaltung Baden-Württemberg und der Planungsgruppe für Bibliotheksbau. 1970 eröffnete er als freier Architekt ein Büro in Freiburg.
Schwerpunkte von Hans-Dieter Heckers Arbeit sind Bäder- und Hochschulbau. Als Leiter der Planungsabteilung entwarf er in den Jahren von 1965 bis 1969 für die Universität Freiburg das Chemische Institut III, den Hörsaal des Zoologischen Instituts, das Biologische Institut sowie die Schaugewächshäuser und die Mensa II auf dem Institutsgelände. Als freier Architekt plante er unter anderem das Westbad (1975-77) und das Faulerbad (1981-84) in Freiburg, das 1984 vom Bund deutscher Architekten in Baden-Württemberg mit dem Hugo-Häring-Preis ausgezeichnet wurde, das Freibad in Bühl/Baden (1979-81) sowie Therme und Kurmittelhaus in Bad Waldsee (1991-94). Außerdem errichtete Hecker das Berufsschulzentrum (1978-82), die Staatliche Hochschule für Musik (1981-83) und das Max-Planck-Institut für Immunbiologie (1985-87) in Freiburg sowie das Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der Technischen Universität Berlin und der Fraunhofer-Gesellschaft (1984-87), das in Arbeitsgemeinschaft mit Gerd Fesel, Peter Bayerer (beide Darmstadt) und Roland Ostertag (Braunschweig) realisiert wurde und 1987 den Deutschen Architekturpreis erhielt. Den ersten Bauabschnitt des Direktionsgebäudes der Deutschen Telekom in Dresden verwirklichte Hecker 1991 bis 1994.
Das Kurmittelhaus in Baden-Baden konnte aufgrund der beengten Situation am Südhang des Florentinerberges zwischen Kloster und Spitalkirche nur nach Osten in Richtung Landesbad (Rheumazentrum) erweitert werden. Heckers Ziel war ein "Entwurf, der an die Baden-Badener Kur- und Bäderbauten anknüpft, indem er die alte Form eines von Säulen getragenen Rundbaues mit zeitgemäßen architektonischen und konstruktiven Mitteln neu interpretiert; ein Entwurf, der mit der formalen Durchbildung im Detail im Sinne einer Erinnerung an historische Vorbilder den besonderen Charakter einer Therme in Baden-Baden betont". 84 Die Dachaufbauten der Kurmittelhauses mit dem Thermalbewegungsbad wurden entfernt, das Gebäude auf eine Höhe von rund 22 Meter reduziert. Dadurch verlor der mächtige Kubus zugunsten einer Ausgewogenheit mit dem Neubau viel von seiner ursprünglichen Dominanz. Neben diesen Kubus stellte Hecker einen rund zwölf Meter hohen Rundbau mit Kuppel, der weit in das Rotenbachtal vorgeschoben ist und gegenüber dem Kurmittelhaus einen völlig eigenständigen Baukörper darstellt. Die neue Therme und der Altbau sind lediglich durch die Fortführung der bestehenden zweigeschossigen Eingangshalle an der Südwestseite des Kurmittelhauses verbunden. Hecker durchbrach die Rückwand der Eingangshalle und schuf einen flachen Erweiterungsbau, dessen Grundriss einen Kreisabschnitt beschreibt und der den Altbau an der Hangseite umschließt. Der Architekt überführte das Quadrat des Kurmittelhauses so in den Kreis der Schwimmhalle und ermöglichte durch diesen Übergang, die Infrastruktur des Altbaus für die Therme zu nutzen. 85
Die innere Spannung des Ensembles, die aus dem Gegensatz zwischen Kreis und Quadrat resultiert, betonte der Architekt, indem er vor die erwähnte Eingangshalle an der Südwestseite des Kurmittelhauses einen freistehenden, auf vier Säulen ruhenden Architrav stellte, der einen Segmentbogen beschreibt. Diesen Kreisbogenabschnitt nimmt das Rund des benachbarten Brunnenplatzes, den der Stuttgarter Landschaftsarchitekt Professor Hans Luz im Rahmen der Neugestaltung des Rotenbachtals anlegte, auf. Luz verlegte die Einfahrt zu der vom Karlsruher Ingenieurbüro Walter Anselment in östliche Richtung erweiterten Tiefgarage vom Friedrichsbad in die Vincentistraße. Der Römerplatz, der nach dem erwähnten Abriss zahlreicher Gebäude in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts keinen städtebaulichen Zusammenhang mehr bot, erhielt diesen zentralen mit Granit und Porphyr gepflasterte Treffpunkt, dessen Ausformung und Gliederung Luz aus den Maßen und Radien der neuen Therme entwickelte. Hier treffen sich die Fußwege aus der Altstadt, der Sophienallee und dem Rotenbachtal. Am Rand des kreisrunden Brunnenbeckens steht die Skulptur Große Knieende, die Ludwig Kaspar 1944 schuf. Die Verlegung der Tiefgarage gab Luz die Möglichkeit, die Grünflächen weit an die Stadt heranzuführen, sie reichen bis zum Friedrichsbad.
Der Besucher gelangt von der tiefer gelegenen Eingangshalle des Kurmittelhauses über eine Treppe in das Erdgeschoss des ursprünglichen Hauptgebäudes, wo sich die Umkleidekabinen befinden. Von hier fällt das Fußbodeniveau zur eigentlichen Therme ab, weil sich der Gebäudekomplex der Topografie des Rotenbachtals anpasst. Innen- und Außenbecken sind deshalb terassenförmig angelegt. Die Kuppel der Caracallatherme ruht auf zwölf weißen Stahlbetonsäulen, die ein rundes Thermalschwimmbecken (Radius 11,5 m) mit einem Brunnen im Zentrum umschließen. In dieses Becken schiebt sich von Norden ein kleineres, ebenfalls rundes Bassin für physiotherapeutische Übungen. Die zweischalige Kuppel wird durch 48 vertikale und sechs horizontale, weiß gefasste, rechteckige Stahlträger, die das Tragwerk bilden und konzentrisch das runde Oberlicht umschließen, gegliedert. Jede der 240 Kassetten ist mit zwei weiteren vom Karlsruher Künstler Hans-Martin Erhardt grau auf blauem Grund gemalten Kassetten gefüllt; diese illusionistische Deckenmalerei wird zum Mittelpunkt hin immer heller. Eine flachgedeckte, von zwei Kolonnaden gerahmte Galerie umgibt das Schwimmbecken; zwischen der äußeren und inneren Säulenreihe befindet sich eine die Rotunde begrenzende Glaswand. Der Marmorboden des Zentralbaus wird durch blaue Granitstreifen gegliedert.
Hecker zitiert mit der Kuppel der Caracallatherme die des benachbarten Friedrichsbades und knüpft damit bewusst an die Badetradition der Stadt an. Formal und konstruktiv gibt es dennoch Unterschiede. Die Flachkuppel der Caracallatherme hat im Verhältnis zu ihrem Durchmesser eine viel geringere Höhe, auch besitzt sie kein Dach im eigentlichen Sinne. Auf das Tragwerk aus Stahlrippen stützt sich eine Holzkonstruktion mit Schallschutz- und Wärmedämmung sowie einer Außenhaut aus Kupferblech. Während sich die Kuppel des Friedrichsbades über einem quadratischen Unterbau erhebt, erwächst die der Therme unmittelbar über der Rotunde und orientiert sich damit am Pantheon als Vorbild aller nachantiken Kuppelbauten. Als Nachbildung dieses römischen Tempels, der einen Rundbau mit zweigeschossigem Innenaufriss besitzt, lässt sich die Schwimmhalle dennoch nicht sehen. Bei Hecker bildet nicht der Kreis das Maß für Grund- und Aufriss, der Architekt richtete sich bei seinem Entwurf nach den Gegebenheiten des Baugrundes.
Trotz ihrer formalen Verwandtschaft funktioniert Heckers Kuppel aus Stahlträgern völlig anders als Dernfelds in konventioneller Mauerwerksbauweise errichtete Kuppel. Während die letztere nur Druckkräfte aufnehmen kann, ist Heckers Stahlkonstruktion auch zug- und biegefest. 86 Konstruktiv ist sie der Kuppel über dem Treppenhaus des 1963 abgerissenen Augustabades, in gewisser Weise der Vorgängerbau der Therme, verwandt. Formal gibt es aber keine Ähnlichkeiten.
Das moderne Tragwerk der Caracallatherme ermöglichte, die Südwand der Schwimmhalle komplett zu verglasen. An die Stelle der geschlossenen Thermenhalle - wie im Friedrichsbad - rückt ein Raum, der auf die Landschaft und vor allem auf die beiden kreisförmigen Außenbecken, die mit dem Hallenbad durch Schleusen verbunden sind, bezogen ist. Das größere Becken schiebt sich in die äußeren Kolonnaden, die den Zentralraum umgeben.
Insgesamt besitzt die Caracallatherme fünf Innenbecken mit einer Fläche von 449 Quadratmetern und drei Außenbecken mit einer Fläche von 451 Quadratmetern. 87 Die Größe der Bassins beträgt zwischen 9,8 Quadratmeter für das Warmsprudelbecken im Außenbereich und 292 Quadratmeter für das große Innenbecken. Außer dem Kaltbecken werden alle Bassins mit Thermalwasser gespeist; die Wassertiefe liegt zwischen einem und 1,35 Meter bei einer Temperatur zwischen 31 und 38 Grad Celsius in den Thermalbecken bzw. 20 Grad Celsius im Kaltbecken. Von den täglich 800 000 Litern Thermalwasser der Quellen stehen wegen der Versorgung von Trinkbrunnen, Hotels und Rheumazentrum nur 642 000 Liter für Therme und Friedrichsbad zur Verfügung. Mindestens 15 Prozent des Thermalwassers wird täglich erneuert, die Becken werden über Plattentauscher im Teilstromverfahren zusätzlich beheizt.
Das Kurmittelhaus wurde von Hecker umgestaltet. Im Inneren blieb im Wesentlichen die Treppe erhalten, die von der Eingangshalle ins erste Geschoss des Hauptgebäudes führt. Die Nordwand des Erdgeschosses ersetzte der Architekt durch eine Quadermauer aus Porphyr, die das Gebäude gegen den Berg abschließt. Im zweiten Geschoss des Kurmittelhauses entstand nach Heckers Plänen eine rund 750 Quadratmeter große Saunalandschaft mit mehreren finnischen Saunen, wie sie in Deutschland seit den Olympischen Spielen 1936 immer mehr Verbreitung finden. Im dritten und vierten Geschoss richtete der Freiburger Architekt 1996/97 ein Fitnesscenter ein. 88
Hans-Dieter Hecker schuf mit der Caracallatherme ein Thermal-Freizeitbad, das nicht, wie die meisten Erlebnisbäder, ausschließlich den Ansprüchen der "Wellness-Gesellschaft" genügt, sondern - der Bedeutung des Ortes angemessen - auch künstlerisch Akzente setzt. Der Freiburger Architekt markiert mit seinem Beitrag, der eine Übersetzung historischer Bauformen in eine moderne Gestalt darstellt, das vorläufige Ende der bedeutenden Baden-Baden Bädertradition. Nach dem wenig geglückten Kurmittelhaus aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gelang Hecker ein Thermalbad, das sich wegen seiner außerordentlichen Qualität zu Recht eines großen Publikumszuspruchs erfreut.

 

Anmerkungen

Vitruv, Zehn Bücher über Architektur, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Curt Fensterbusch, 3. Aufl., Darmstadt 1981, S. 371.

2 Walter Carlé, Die Mineral- und Thermalwässer in Mitteleuropa, Stuttgart 1975.

3 Der Stadtkreis Baden-Baden = Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg, Sigmaringen 1995, S. 26-37.

4 Hans Rott, Baden-Baden im 16. und 17. Jahrhundert und ein Aufbauprojekt nach dem großen Brand von 1689. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 41 NF (1928), S. 38.

5 Theodor Mommsen, Römische Geschichte, Bd. 2, Die Caesaren, o.O., o. J., S. 289-327.

6 Philipp Filtzinger, Dieter Planck, Bernhard Cämmerer (Hrsg.), Die Römer in Baden-Württemberg, 3. Aufl., Stuttgart und Aalen 1986, S. 44.

7 Ernst Wagner, Fundstätten und Funde aus vorgeschichtlicher, römischer, und alamannisch-fränkischer Zeit im Großherzogtum Baden, 2. Teil, Das badische Unterland, Tübingen 1911, S. 6-43.

8 Filtzinger u.a., Die Römer in Baden-Württemberg, Seite 227.

9 Egon Schallmayer, Aquae. Baden-Baden in römischer Zeit, Baden-Baden 1986, S. 13-14.

Egon Schallmayer, Aquae. Das römische Baden, Stuttgart 1989, S. 41-54.

10 Matthias Riedel, Das römische Baden-Baden. Ausgewählte Fundmaterialien zu seiner Geschichte und Chronologie. In: Fundberichte aus Baden-Würtemberg, Bd. 4, Stuttgart 1979, S. 260-315.

Matthias Riedel, Das römische Baden-Baden. Untersuchungen zur Siedlungsgeschichte. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg, Bd. 7, Stuttgart 1982, S. 273-300.

11 Erika Brödner, Die römischen Thermen und das antike Badewesen, 2. Aufl., Darmstadt 1992, S. 174.

12 Vitruv, S. 245-247.

13 Werner Heinz, Römische Bäder in Baden-Württemberg, Tübingen 1979, S. 19-26.

14 Brödner, Die römischen Thermen, S. 1-23.

15 Daniel Krencker u.a., Die Trierer Kaiserthermen, Augsburg 1929.

16 Vitruv, S. 243-247.

17 Werner Heinz, Römische Thermen. Badewesen und Badeluxus im römischen Reich, München 1983, S. 60-67.

18 Kjeld de Fine Licht, Untersuchungen an den Trajansthermen zu Rom, Kopenhagen 1974.

19 Erika Brödner, Untersuchungen an den Caracallathermen, Berlin 1951.

20 Marga Weber, Antike Badekultur, München 1996, S. 88-96.

21 Wolfgang Eckart, Geschichte der Medizin, Heidelberg 1990, S. 42-48.

22 Brödner, Die römischen Thermen, S. 163.

23 Heinz, Römische Thermen, S. 163.

24 August von Bayer, Schriften der Alterthums- und Geschichtsvereine zu Baden und Donaueschingen, Bd. 2., Heft 1., Karlsruhe 1848, S. 8 und S. 218.

25 August von Bayer, Generalbericht der Direktion des Badischen Altertumsvereins von 1844-1858, Karlsruhe 1858, S. 12.

26 Wagner, S. 11.

27 Heinz, Römische Bäder in Baden-Württemberg, S.76-77.

28 Schallmayer (1989), S. 46.

29 ebd., S. 55.

30 Heinz, Römische Bäder in Baden-Württemberg, S. 78-80.

31 ebd., S. 71-75.

32 Ulrika Kiby, Bäder und Badekultur in Orient und Okzident. Antike bis Spätbarock, Köln 1995, S. 22.

33 Vladimír Krízek, Kulturgeschichte des Heilbades, Stuttgart, Berlin und Köln 1990, S. 64-73.

34 Kiby, S. 26-28.

35 Hans Foltz, Dises puchlein saget uns von allen paden die von natur heiß sein, Nachdruck der um 1480 in Nürnberg erschienen Ausgabe, Straßburg 1896, S. 201.

36 Emil Lacroix, Peter Hirschfeld, Heinrich Niester, Die Kunstdenkmäler der Stadt Baden-Baden, Karlsruhe 1942, S. 353.

37 Rolf Gustav Haebler, Geschichte der Stadt und des Kurortes Baden-Baden, Bd. 1, Baden-Baden 1969, S. 96-98.

38 Kiby, S. 255.

39 Wolf Deiseroth, Stadt Baden-Baden (Ortskernatlas Baden-Württemberg), Stuttgart 1993, S.26.

40 Generallandesarchiv Karlsruhe, Pläne G/Baden-Baden, Nr. 68.

41 Generallandesarchiv Karlsruhe, Pläne G/Baden-Baden, Nr. 74.

42 Ulrich Coenen, Heinrich Hübsch und seine Kirchenbauten in Altschweier und Bühlertal. In: Bühler Heimatgeschichte 11 (1997), S. 47-53.

43 Michael Bollé, Thomas Föhl, Baden-Baden. In: Rolf Bothe (Hrsg.) Kurstädte in Deutschland - Zur Geschichte einer Baugattung, Berlin 1984, S. 208-209.

44 J(ulius) Füsslin, Die notwendigen Verbesserungen der Bade- und Heilanstalten in Baden-Baden zur Umwandlung dieser Stadt in einen Kurort, Baden-Baden 1864.

45 C. Frech, Der Kurort Baden-Baden. Ein Beitrag zur Geschichte und Statistik des heutigen Badewesens, Karlsruhe 1870.

46 Stadtarchiv Baden-Baden, Sterbeurkunde Nr. 233/1879.

47 Ulrich Coenen, Die Baukunst der nördlichen Ortenau, Karlsruhe/Bühl 1993, S. 19-28.

48 Plansammlung des Staatlichen Hochbauamtes Freiburg.

49 Thomas Föhl, Vom Klassizismus bis zum Neubarock. In: Rolf Bothe (Hrsg.), Kurstädte in Deutschland, S. 49-88.

50 Petra Simon, Margrit Behrends, Badekur und Kurbad. Bauten in deutschen Bädern 1780-1920, München 1988, S. 247-250.

51 Engelbert Wichelhausen, Über die Bäder des Althertums, insbesondere der alten Römer, ihren Verfall und die Nothwendigkeit, sie allgemein wieder einzuführen, Mannheim 1807.

52 G. A. Blouet, Restauration des Thermes d´Antonin Caracalla, Paris 1828.

53 Gottfried Pirhofer, Ramon Reichert, Martina Wurzacher, Bäder für die Öffentlichkeit. Hallen- und Freibäder als urbaner Raum. In: Herbert Lachmayer, Sylvia Mattl-Wurm, Christian Gargerle, (Hrsg.), Das Bad. Eine Geschichte der Badekultur im 19. und 20. Jahrhundert, Salzburg und Wien 1991, S. 151- 177.

54 Krízek, S. 221.

55 Jutta Zander-Seidel, Kunstrezeption und Selbstverständnis. Eine Untersuchung zur Architektur der Neurenaissance in Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Erlangen 1980, S. 45-98.

56 Kurt Milde. Neorenaissance in der deutschen Architektur des 19. Jahrhunderts. Grundlagen, Wesen und Gültigkeit, Dresden 1981, S. 259.

57 Heinz Kähler, Der römische Tempel. Raum und Landschaft, Frankfurt a. M. 1982, S. 31-53.

58 Heinrich Glück, Der Ursprung des römischen und abendländischen Wölbungsbaus, Wien 1933, S. 61.

59 Herbert Alexander Stützer, Die italienische Renaissance, Köln 1977, S. 136-142.

60 Georg Kauffmann, Die Kunst des 16. Jahrhunderts = Propyläen Kunstgeschichte, Bd. 8, Frankfurt a. M. 1984, S. 49 und 335.

61 Franz Hart, Kunst und Technik der Wölbung, München 1965, S. 82-86.

62 Stadtarchiv Baden-Baden, Inventar-Nr. 5501/579 und 5501/398.

63 Das Friedrichsbad in Baden-Baden, Baden-Baden 1878. Alle folgenden Angaben zur originalen Ausstattung sind diesem zeitgenössischen Buch entnommen.

64 Bauordnungsamt der Stadt Baden-Baden, Bauakten, Anwesen Römerplatz 1, Friedrichsbad.

65 Badisches Tagblatt vom 2. Juni 1950. Der Aufzug wurde 1957 eingebaut (Stadt Baden-Baden, Bauordnungsamt, Bauakten, Anwesen Römerplatz 1. Friedrichsbad).

66 Badische Neueste Nachrichten (Ausgabe Baden-Baden) vom 3. April 1981.

67 Der Stadtkreis Baden-Baden, S. 27-30.

68 Stadtarchiv Baden-Baden, Inv.-Nr. 26-12/341, Badeordnung des Friedrichsbades vom 1. 12. 1887.

69 Johann Loeser, Geschichte der Stadt Baden-Baden, Baden-Baden 1891, S. 360.

70 Bollé, Föhl, S. 220.

71 Ulrike Grammbitter, Josef Durm (1837-1919). Eine Einführung in das architektonische Werk, München 1984.

72 Föhl, S. 60 und 72.

73 G. Manz (Hrsg.), Staatliches Rheumakrankenhaus Baden-Baden. Festschrift zum 100jährigen Jubiläum, o. O. 1990, S. 37 und S. 41-43.

74 Stadtarchiv Baden-Baden, Grundrisse des Erd- und Obergeschosses, Inventar-Nr. A1/163 und A1/197 (Bauaufnahmen um 1900). Außerdem sind Aufrisse der Fassaden erhalten.

75 Grammbitter, S. 291.

76 Josef Durm, Die Heilbäder Badens. In Centralblatt der Bauverwaltung 17 (1897), S. 391.

77 Hart, S.89.

78 Bäder- und Kurverwaltung Baden-Baden, Spezial-Akten Augustabad 1934-1959.

79 Stadtarchiv Baden-Baden, Die Korrespondenz befindet sich in der Akte Augustabad.

80 Bauordnungsamt der Stadt Baden-Baden, Bauakten, Römerplatz 11, Kurmittelhaus.

81 Leonardo Benevolo: Geschichte der Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts, Bd. 2, 3. Aufl., München 1984, S. 70 und 335.

82 Caracallatherme, hrsg. von der Bäder- und Kurverwaltung, Baden-Baden 1985, S. 34.

83 Die biografischen Daten erhielt der Autor von Herrn Dipl.-Ing. Hans-Dieter Hecker.

84 Caracallatherme, Gedanken zum Entwurf der Caracallatherme von Hans-Dieter Hecker und Peter Krätz, S. 34.

85 Bauordnungsamt der Stadt Baden-Baden, Bauakten, Erweiterung Augustabad und Garage, Bd. 2, Aktenzeichen II/J/Kü.

86 Franz Krauss, Claus-Christian Willems, Grundlagen der Tragwerklehre, Bd. 2, Köln 1985, S. 142.

87 Caracallatherme Baden-Baden. In: Sport-, Bäder-, Freizeitbauten 6 (1995), S. 423-452.

88 Bauordnungsamt der Stadt Baden-Baden, Bauakten, Umbau und Sanierung der Caracallatherme, Aktenzeichen 99602902200BB.

 

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