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Bühlerhöhe und Stupinigi - Filippo Juvarras Jagdschloss als Vorbild für das neubarocke Denkmal von Wilhelm Kreis

Autor: Dr. phil. Ulrich Coenen
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

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Details

Kategorie: Anderes
Jahr: 2002
Seiten: 24
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 236 KB
Archivnummer: V107346
ISBN (E-Book): 978-3-640-05619-4
Anmerkungen :
Dieser Aufsatz ist erschienen in: Ulrich Coenen, Bühlerhöhe und Stupinigi - Filippo Juvarras Jagdschloss als Vorbild für das neubarocke Denkmal von Wilhelm Kreis. In: Die Ortenau - Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden 82 (2002), S. 243-276.

Volltext (computergeneriert)

Dieser Aufsatz ist erschienen in:

Ulrich Coenen, Bühlerhöhe und Stupinigi - Filippo Juvarras Jagdschloss als Vorbild für das neubarocke Denkmal von Wilhelm Kreis. In: Die Ortenau - Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden 82 (2002), S. 243-276.

 

Bühlerhöhe und Stupinigi

Filippo Juvarras Jagdschloss als Vorbild für das neubarocke Denkmal von Wilhelm Kreis

Ulrich Coenen

 

Zum Stand der Forschung
Langsam schreitet die grauhaarige Frau zum Rand der Terrasse. An der Brüstung angekommen, schaut sie zunächst in die Ferne, über die Stadt Bühl hinweg zu den Vogesen. Dann blickt sie nach unten. Steil fallen die Felsen des Schwarzwalds zu ihren Füßen ins Oberrheintal ab. Einmal noch dreht sich Herta Isenbart um und betrachtet ihr Lebenswerk, das Schloss im Bergwald, das sie zur Erinnerung an ihre große Liebe bauen ließ. Dann stürzt sie lautlos in die Tiefe.
Qualvolle Stunden später erwacht die Millionärstochter im Krankenhaus im nahen Baden-Baden. Wie durch ein Wunder überlebt sie ihre schweren Verletzungen, zieht ins Hotel Stephanie und wird erneut von schweren Depressionen heimgesucht. Am 5. Juli 1918 nimmt sie eine Überdosis Schlaftabletten. Ihre Asche wird auf dem Koblenzer Friedhof an der Seite ihres Mannes, Generalmajor Wilhelm Isenbart, beigesetzt.
Das Leben und das tragische Ende der Frau, die ab 1912 nach Plänen des Architekten Wilhelm Kreis das heutige Schlosshotel Bühlerhöhe als Offiziersgenesungsheim errichten ließ, wurden in der regionalgeschichtlichen Literatur bereits mehrfach beschrieben.1 Eine Analyse der Architektur, die sich am barocken Schlossbau, am neuzeitlichen Festungsbau und am mittelalterlichen Burgenbau orientiert, gibt es bislang nur in Ansätzen. 2 Das Vorbild für das Schloss im Schwarzwald befindet sich in Norditalien. Als Wilhelm Kreis 1912 mit dem Bau des Genesungsheimes für Offiziere begann, stand das barocke Jagdschloss Stupinigi bei Turin Pate. 3 Filippo Juvarra erbaute es ab 1729 im Auftrag von König Vittorio Amedeo II. von Piemont-Sardinien. 4 Seine Familie, das Haus Savoyen, stellte ab 1861 mit Vittorio Emanuelle II. den italienischen König; Stupinigi, das die Nachfolger Juvarras zum Wohn- und Residenzschloss ausbauten, wurde bis 1919 durch die königliche Familie genutzt, dann durch den Maurezianerorden übernommen und seit 1926 zum Museum für europäische Möbel des 18. Jahrhunderts ausgebaut.

Die Bauherrin Herta Isenbart
Herta Isenbart wurde am 30. Juni 1871 als Tochter des reichen jüdischen Kaufmanns Julius Schottländer in der ihm gehörenden Herrschaft Hartlieb in Schlesien geboren, zu der zwölf Güter mit einer Gesamtfläche von 1840 Hektar gehörten. 5 Außerdem besaß er etwa 30 Häuser in Breslau und eine Dampfziegelei in Friedewalde. Als Beruf gab er Häusermakler an, doch er nannte sich auch Rittergutsbesitzer und Fideucomisherr auf Alt Schliesa, wo er 1911 starb. Seinem Sohn und den vier Töchtern hinterließ er ein Vermögen von über 50 Millionen Reichsmark.
Herta Isenbart war in erster Ehe mit dem Bankier Pringsheim, der mit Katia Pringsheim, der Frau von Thomas Mann, verwandt war, verheiratet. Diese Beziehung ging nach der Geburt des Sohnes Hans (1891), der im Ersten Weltkrieg als Leutnant diente und später Botschaftsattaché in Berlin war, in die Brüche, weil sie Oberst Wilhelm Isenbart kennenlernte. Der Offizier war während eines Manövers auf einem der Güter von Julius Schottländer einquartiert und lernte bei dieser Gelegenheit dessen Tochter kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Zum Entsetzen ihrer Eltern ließ sich Herta scheiden, heiratete den Oberst und trat zum Protestantismus über. Der gesellschaftliche Skandal war perfekt, die Familie Schottländer wandte sich von Herta ab. Nur eine Schwester, Trude Sobernheim, und ihr Mann blieben ihr verbunden. Herta wurde enterbt, ihr Erbe auf den Pflichtteil gesetzt. Das waren aber immer noch weit über drei Millionen Reichsmark. Ihr Sohn Hans besaß ein selbständiges Vermögen von dreieinhalb bis vier Millionen Mark.
Auch Wilhelm Isenbart brachte die Ehe mit der geschiedenen Jüdin kein Glück. Gesellschaftlich wurde das Paar geschnitten, nach der Beförderung zum Generalmajor musste Isenbart den Militärdienst quittieren. Damit endete nicht nur eine offensichtlich Erfolg versprechende militärische Karriere, auch Hertas großer Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung in Adels- und Offizierskreisen wurde zerstört. 6 Das Paar zog nach Eisenach, dann nach Koblenz, fand aber keinen Zugang zur gesellschaftlichen Oberschicht. So war es fast immer auf Reisen.
Der tragische Wendepunkt in Herta Isenbarts Leben war der plötzliche Tod des Generalmajors am 30. November 1908 in Ägypten. Die Witwe war untröstlich und lebte von diesem Zeitpunkt an nur noch für ein Ziel: Sie wollte ihrem Mann in Form eines Offiziersgenesungsheims ein Denkmal setzen. Dieses sollte dem deutschen Kaiser Wilhelm II. als Schenkung übereignet werden. ,,Vielen zur Genesung, einem zu Gedächtnis" ließ sie später als Inschrift auf einer Gedenkplatte über dem Portal zum Schlosshof anbringen.
Im Juni 1909 reiste Herta Isenbart nach Baden-Baden, in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg im Sommer einer der wichtigsten europäischen Urlaubsorte für Adelige, Großbürger, Neureiche und Künstler. Sie wohnte während ihrer Aufenthalte in der Kurstadt üblicherweise im Hotel Stephanie oder in der Pension Luisenhöhe.
Am 8. Juni 1911 erschien Herta Isenbart, die Bühl bereits während ihres Aufenthalts in Baden-Baden im Sommer 1909 kennengelernt hatte, im Rathaus der badischen Kleinstadt und stellte ihre Pläne für den Bau eines Offizierserholungsheim auf dem Kohlbergfelsen vor. 7 Die Witwe erklärte, sie beabsichtige diese Einrichtung zur Erinnerung an ihren verstorbenen Mann zu bauen und dem deutschen Kaiser als Schenkung zu übereignen. Um die medizinische Versorgung zu gewährleisten, solle in der Nachbarschaft des Hauses ein Sanatorium entstehen.
Bürgermeister Dr. Karl Bender unterrichtete den Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung über dieses Projekt. Am 22. Juni 1911 sprach Herta Isenbart erneut im Rathaus vor und erklärte, sie wolle eine Fläche von rund 30 Hektar im Bereich des Kohlbergfelsens erwerben. Karl Häfele, der Leiter des Forstamtes, war skeptisch; die Pläne ließen sich nicht mit seinen forstlichen Vorstellungen in Einklang bringen. Auch der Gemeinderat weigerte sich, einen so großen Teil des Stadtwaldes zu verkaufen. Das Bühler Wochen- und Unterhaltungsblatt warnte gar davor, einen der schönsten Aussichtspunkte des Nordschwarzwaldes, den Kohlbergfelsen, in Privatbesitz zu verkaufen und damit der Allgemeinheit für immer zu verschließen. Gemeinderat Karl Kuen vermittelte. Daraufhin erklärte sich Herta Isenbart bereit, nur 15 Hektar Wald für 25 Pfennige pro Quadratmeter zu erwerben, soviel Gelände wie unmittelbar für den Bau benötigt wurde. Die übrige Fläche, auf dem ein Park entstehen sollte, konnte sie pachten. Sie verpflichtete sich, in Bühl mindestens 500 000 Reichsmark zu investieren, innerhalb von zwei Jahren mit dem Bau zu beginnen, diesen innerhalb von fünf Jahren zu vollenden und bei der Auftragsvergabe Bühler Firmen zu bevorzugen. Außerdem wurde gefordert, dass die Zugehörigkeit des Offiziersgenesungsheims zu Bühl in seinem Namen zum Ausdruck kommen muss.8 Die beiden Chefärzte des gleichzeitig erbauten Sanatoriums, Dr. Karl von Schiefer und Dr. Johannes Wiswe, schlugen dem Bühler Gemeinderat nach vorheriger Rücksprache mit Bürgermeister Dr. Bender am 4. Oktober 1912 vor, das Anwesen Bühlerhöhe zu nennen. Das Gremium stimmte zu. 9 Über das Sanatorium wird noch zu sprechen sein.
Am 19. August 1911 teilte Herta Isenbart der Stadtverwaltung mit, dass Kaiser Wilhelm II. den Bau des Offiziersgenesungsheims genehmigt habe. 10 Am 11. März 1912 stimmte der Gemeinderat dem Projekt zu, am 17. September 1912 erteilte das Großherzogliche Bezirksamt Bühl die Baugenehmigung. 11

Der Architekt Wilhelm Kreis
Wilhelm Kreis gehört zu den bedeutendsten deutschen Architekten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Schaffen reicht von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik und das so genannte "Dritte Reich" bis in die Gründungsjahre der Bundesrepublik. Kreis war in allen vier politischen Systemen beruflich erfolgreich und so spiegeln sich in seinem Werk wie bei keinem anderen Architekten Höhen und Tiefen aus Abschnitten deutscher Kunst und Geschichte. Im Zusammenhang mit dieser Untersuchung ist lediglich das Wirken Kreis´ in wilhelminischer Zeit, also bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918, von Bedeutung, jener Zeit also, in der Bühlerhöhe entstand. Der weitere Lebenslauf des Architekten soll der Vollständigkeit halber nur kurz skizziert werden.
Wilhelm Kreis wurde am 17. März 1873 in Eltville im Rheingau als sechstes von neun Kindern geboren. 12 Der Vater war Landvermesser, die Vorfahren Winzer. Der Junge wurde streng katholisch erzogen. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Wiesbaden studierte er von 1892 bis 1897 an den Technischen Hochschulen in München, Karlsruhe, Berlin-Charlottenburg und Braunschweig Architektur. Als 23jähriger Student siegte er 1896 vor der gesamten deutschen Architektenprominenz beim Wettbewerb um das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, den Auftrag zur Ausführung erhielt aber Bruno Schmitz.13 Anschließend wurde Kreis Mitarbeiter von Hugo Licht beim Wettbewerb für das neue Rathaus in Leipzig. Nach dem Staatsexamen 1897 in Braunschweig war er ab 1898 Assistent von Paul Wallot an der Kunstakademie in Dresden und unterstützte ihn beim Bau des Ständehauses in Dresden, dessen Sitzungssaal er entwarf. 1899 gewann er beim Wettbewerb für die Bismarcktürme, den die Deutsche Studentenschaft ausgeschrieben hatte, unter 320 eingereichten Entwürfe die drei ersten Preise und führte in der Folge rund 50 dieser Denkmäler aus.
Der Erfolg von Kreis beruht darauf, dass er eine neue Form von monumentaler, auf Grundformen reduzierter Architektur adäquat präsentieren konnte. Indem er keine stilistische, sondern eine tektonische Wirkung suchte, kam er zum Prinzip der Reduktion. Während sich gleichzeitig die Jugendstilkünstler durch Regression zur Natur gegen die Übermacht des Historismus wandten, ging Kreis, der am Jugendstil nicht teilnahm, mit seinen Denkmalentwürfen zu den Grundformen zurück, die er mit germanisch-mythischen, zeitlos urwüchsigen Assoziationen auflud. 14 Dabei lässt sich der Rückgriff auf zwei Archetypen "germanischer Architektur" feststellen, das Grabmal des Gotenkönigs Theoderich in Ravenna (520-526) und Castel del Monte, das Jagdschloss der Stauferkaisers Friedrichs II. in Apulien (ca. 1240-1250). Auch Bühlerhöhe hat Denkmalfunktion, weil es von Herta Isenbart zur Erinnerung an ihren Mann General Wilhelm Isenbart errichtet wurde. Beim ebenfalls von Kreis geplanten, in unmittelbarer Nachbarschaft entstandenen Wilhelmsturm tritt diese Denkmaleigenschaft noch stärker in den Vordergrund. Dieser Aspekt wird noch näher zu untersuchen sein.
Als Schüler von Paul Wallot stand Kreis in Dresden zunächst unter dem Einfluss der lokalen Barocktradition. Sein erstes Großwerk in Dresden war die Augustusbrücke (1908-10). Der Vorgängerbau war ein Werk des Dresdener Baumeisters Daniel Pöppelmann (1728-30) und musste einer neuen Konstruktion weichen, weil er den wachsenden Verkehrsansprüchen nicht mehr genügte. Kreis entwickelte in enger Anlehnung an das historische Vorbild einen Neubau in moderner Technik. Der Baustoff Eisenbeton, der mit Naturstein verkleidet wurde, ermöglichte anstelle der 18 engen Bögen nun lediglich neun weitgespannte. Weitere bedeutende Bauten Kreis´ in der Kaiserzeit sind die Warenhäuser Leonhard Tietz in Köln (1912-14) und Geschwister Knopf in Karlsruhe (1912-14).
Bereits 1902 wurde Kreis zum Professor für Raumkunst an der Kunstgewerbeschule in Dresden ernannt, 1908 wechselte er als Nachfolger von Peter Behrens als Direktor an die Kunstgewerbeschule Düsseldorf, die 1920 mit Einverständnis von Kreis und trotz heftigen Widerspruchs zahlreicher anderer Experten in der Kunstakademie aufging. 15 In Kreis´ Düsseldorfer Zeit trat die neobarocke Zierform zugunsten einer mehr zweckbestimmten Nutzform zurück, dennoch wirkten barocke Reminiszenzen nach, beispielsweise im Verwaltungsgebäude für die Emscher Genossenschaft in Essen (1908/09) und im Wohn- und Atelierhaus Reusing in Düsseldorf (1909). In seinen Entwürfen für das Offiziersgenesungsheim Bühlerhöhe kehrte Kreis 1911/12 letztmalig zu seinen neubarocken Dresdener Wurzeln zurück.
1926 wechselte Kreis als Nachfolger von Heinrich Tessenow an die Technische Hochschule Dresden. Während die Avantgarde in der Weimarer Republik die Formen- und Ausdruckssprache des Neuen Bauens entwickelte, ging auf Seiten der konservativen Architekten, zu denen Wilhelm Kreis zählte, die Bemühung aus der Vorkriegszeit um monumentalen, repräsentativen und "deutschen" Ausdruck in der Architektur weiter. Die in der Kunstwissenschaft immer noch gängige Konzentration der Weimarer Baukunst auf das Bauhaus verengt den Blick für die tatsächlichen Entwicklungen. Kreis, 1929 mit der Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Dresden ausgezeichnet, ist neben Paul Bonatz der wohl renommierteste Architekt dieser Zeit. Zu den wichtigsten Werken Kreis´ zählen das Wilhelm-Marx-Hochhaus (1922-24) und das Rheinufer in Düsseldorf (1924-26) sowie das Hygiene-Museum in Dresden (1930). Bereits 1927 erschien eine erste Biografie über Wilhelm Kreis 16, 1953 folgte eine zweite. 17 Beide Publikationen unterstreichen die Bedeutung des Architekten in der Weimarer Republik und in der Bundesrepublik.
Als 1933 die Nazis die Macht übernahmen, verlor Kreis seine Ämter als Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und als Rektor der Technischen Hochschule Dresden, er arrangierte sich aber später mit dem faschistischen System. Seine Rolle im Dritten Reich ist umstritten. Eine umfassende Aufarbeitung dieser Zeit liegt bislang nicht vor. Nach Kriegsende zog Kreis 1949 nach Bad Honnef, erhielt trotz seines fortgeschrittenen Alters weitere Aufträge und starb anerkannt und hochgeehrt am 13. August 1955. 18

Zur Baugeschichte des Offiziersgenesungsheims Bühlerhöhe
Der Architekt Curt Rüschhoff, der seit 1910 als Mitarbeiter von Wilhelm Kreis in dessen Düsseldorfer Architekturatelier tätig war und im Herbst 1912 die örtliche Bauleitung des Offiziersgenesungsheims Bühlerhöhe übernahm, beschreibt die Baugeschichte des Hauses in seinen 1964 erschienen Erinnerungen.19 Nach seinen Informationen entschied sich Herta Isenbart nach der Lektüre der Monatszeitschrift "Moderne Bauformen" (Jahrgang 1910), die im Verlag Julius Hoffmann in Stuttgart erschien, Wilhelm Kreis mit dem Entwurf des Offiziersgenesungsheims zu beauftragen. 20 Rüschhoff traf die Generalswitwe erstmals im Rahmen einer Vorbesprechung mit seinem Chef in dessen Düsseldorfer Wohnung im Frühjahr 1911. Kreis erhielt den Auftrag, ein Offiziersgenesungsheim für zwölf Gäste zu planen, das neben Gesellschafts-, Schlaf- und Wohnräumen auch Personalwohnungen sowie ärztliche Behandlungsräume aufnehmen sollte. Das Gebäude sollte inmitten eines Parks mit Pavillons liegen und für die Versorgung mit Elektrizität ein eigenes Maschinenhaus für Dieselmotoren erhalten. Nach der Besichtigung des Geländes durch Kreis entstanden zwei Entwürfe. 21 Der erste stellte eine fast rechteckige, einen Innenhof umschließende Schlossanlage dar, an deren Südseite der Architekt einen Turm vorsah. Der zweite Entwurf, den nicht nur Herta Isenbart, sondern auch Rüschhoff favorisierte und der schließlich zur Ausführung kam, sah einen zentralen Rundturm mit zwei Schlossflügeln vor, an dessen Ostseite ein großer Ehrenhof anschloss. Der bautechnische Referent des Großherzoglichen Innenministeriums in Karlsruhe wunderte sich in seiner Stellungnahme am 13. Juni 1912 über das aufwendige Projekt: ,,Auf den ersten Blick will es eigentümlich erscheinen, dass zur Unterkunft von etwa 12 Genesung Suchenden ... eine Anlage in diesem Umfang und mit einem solchen Aufwand, ich schätze diesen auf über 1 Million, erstellt werden soll und zwar an einem landschaftlich bevorzugten Teile der Badener Berge." 22
Ende des Jahres 1911 stellte Herta Isenbart - trotz der ausdrücklichen Warnung Kreis´ - den Architekten Nellissen als örtlichen Bauleiter für Bühlerhöhe ein. In einem Brief vom 25. August 1952 an den damaligen Chefarzt des Kurhauses Bühlerhöhe, Dr. Gerhard Stroomann, berichtet Kreis über den schlechten Leumund Nellissens. "Ich hatte sehr üble Nachrichten durch Erkundigungen bei Behörden gegen diesen Nellissen vorzubringen, aber Frau Isenbart wollte dies damals von diesem Mann nicht glauben und beachtete nicht meine Befürchtungen für sie und die Bauaufgabe. Ich habe umsonst die ernsthaftesten Warnungen vorgebracht und wissen lassen, dass es mir bei Fortsetzung dieser unglückseligen Fehlleistung der Arbeitsvergebungen und Bauleitung unmöglich sein würde, selbst die Oberleitung noch bei zu behalten. Es war mit Gewissheit anzunehmen, dass ihre eigene Bauleitung sie selbst ruinierte." 23
Die Bauarbeiten für das 1913 fertiggestellte, benachbarte Sanatorium, das Regierungsbaumeister von Teuffel aus Karlsruhe für rund 70 Patienten in einer wesentlichen schlichteren Formensprache plante, wurden bereits 1911 begonnen. 24 Die Leitung der Klinik übernahmen der Stabsarzt der Reserve, Dr. Karl von Schieffer, und der frühere Marinestabsarzt Dr. Johannes Wiswe. Die beiden Ärzte, die zuvor in St. Blasien praktizierten, übernahmen das Baugelände für das Sanatorium von Herta Isenbart in Erbpacht. Schieffer, der von Isenbart für den Bau ein zinsloses Darlehen von 750 000 Mark erhielt, sollte auch die im Genesungsheim untergebrachten Offiziere medizinisch betreuen. 25
Im Juli 1912 empfing Kaiser Wilhelm II. Isenbart zu einer Audienz auf Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel. 26 Kreis´ Assistent Curt Rüschhoff bereitete alle Pläne zum Neubau des Offiziersgenesungsheim vor, die dem Monarchen präsentiert werden sollten. Er ließ auch ein in einer Düsseldorfer Bildhauerwerkstatt gefertigtes Modell Bühlerhöhes nach Kassel bringen. Wilhelm II. begnügte sich jedoch nicht mit der großzügigen Schenkung des Offiziersgenesungsheims, obwohl das Deutsche Reich mit den Häusern Falkenstein im Taunus und Arco in Südtirol nur zwei Einrichtungen dieser Art besaß. Auf Druck des Kriegsministeriums soll der Kaiser zusätzlich eine Schenkung in Höhe von drei Millionen Mark verlangt haben, aus deren Zinsen der Unterhalt finanziert werden konnte. 27
Im Herbst 1912 entließ Herta Isenbart Bauleiter Nellissen, der allzu verschwenderisch mit dem Kapital der Bauherrin umgegangen war. 28 Seine Aufgabe übernahmen nun Curt Rüschhoff aus Neuwied, der bisher bereits in Kreis´ Düsseldorfer Atelier mit Detailplanungen für Bühlerhöhe befasst war, und auf Rüschhoffs besonderen Wunsch sein ehemaliger Kommilitone Hans Woltmann aus Elberfeld. Mit der offiziellen, geschäftsführenden Bauleitung beauftragte Isenbart am 1. Juni 1913 das Baden-Badener Architekturbüro Scherzinger und Härke, das für die Kontakte mit Behörden und die Abrechnungen der Handwerker zuständig war.29 Die umfangreiche Korrespondenz von Scherzinger und Härke mit dem Großherzoglichen Bezirksamt Bühl ist erhalten. Im Acher- und Bühler Boten vom 24. Juni 1913 weisen die Architekten in einer Anzeige darauf hin, dass geschäftliche Abmachungen in Zusammenhang mit dem Neubau nur dann Gültigkeit haben, wenn sie durch ihr Büro bestätigt wurden. 30
Weil Nellissens Misswirtschaft wesentlich mehr Kosten als beabsichtigt verursacht hatte, legte Rüschhoff den Bau nach der Fertigstellung der Eisenbetondecke über dem Untergeschoss zu Beginn des Winters 1912 bis zum Juni des Jahres 1913 still. Im Frühjahr 1913 stellte Kreis der Bauherrin einen reduzierten Entwurf vor, den diese nicht akzeptierte, sie wollte - obwohl ihr Vermögen durch Nellissens Misswirtschaft geschrumpft war - das ursprüngliche Konzept möglichst unverändert umsetzen. Das Verhältnis zwischen der Bauherrin und ihrem Architekten war inzwischen deutlich abgekühlt. 31 Kreis beauftragte Rüschhoff und Woltmann, den Wünschen Isenbarts Rechnung zu tragen und das Projekt in seinem Sinne zu vollenden. 32 In seinem bereits erwähnten Brief an Dr. Stroomann von 1952 nimmt er das Werk in seiner Gesamtheit aber für sich in Anspruch: "Meine beiden Nachfolger haben durch Einsparungen versucht, wenigstens den Bau fertigzustellen. Auch ist ja im Inneren nicht mehr alles nach meinen Absichten und Plänen ausgefallen. Das Äußere blieb streng nach meinem Entwurf und auch Wesentliches im Inneren. Nach 1920 aber sind einige Beeinträchtigungen durch nachträgliche Zutaten, die weder nach Vorschlägen meiner jungen Kollegen, noch nach meiner eigenen Billigung zustanden kamen, angefügt worden. Trotzdem ist dieses Kurhaus, wie es umgenannt wurde, im Wesentlichen mein eigenes Werk, was auch die jungen Kollegen, die ja von sich aus das Werk vortrefflich ergänzten, mir selbst zugeben."33
Seine ursprüngliche Aufgabe als Genesungsheim für knapp zwei Dutzend Offiziere erfüllte Bühlerhöhe nie. Im September 1914 wollte Herta Isenbart das Haus Kaiser Wilhelm II. übergeben. Doch einen Monat zuvor, am 1. August, brach der Erste Weltkrieg aus, die Regierung hatte jetzt andere Probleme. "Hier stehe ich vor den Trümmern meiner Habe", sagte die Generalswitwe unmittelbar nach Kriegsausbruch zu Curt Rüschhoff. Die Handwerker mussten ihre Werkzeuge an den Nagel hängen und Gewehre in die Hand nehmen. Das Schloss im Schwarzwald lag verlassen, die letzten Arbeiten konnten nur noch schleppend vollendet werden. Auf Nachfrage der Großherzogin Luise von Baden nach dem Eröffnungstermin für das Genesungsheim teilt Herta Isenbart am 2. Juli 1915 mit, dass der kriegsbedingte Mangel an Arbeitskräften und Transportmitteln die Bauarbeiten verzögere. 34 ,,Von der Eröffnung während des Krieges glaube ich absehen zu müssen", schreibt sie. ,,Unter den größten Schwierigkeiten stelle ich das Haus jetzt so weit fertig, dass es beim Eintritt günstigerer Verhältnisse sofort in Betrieb genommen werden kann."
Herta Isenbart wurde immer häufiger von schweren Depressionen heimgesucht. Ihr Millionenvermögen war dahingeschmolzen, der sinnlose Krieg dauerte bereits über drei Jahre. Als sie schließlich die Nachricht von der Verlobung des jungen Arztes erhielt, der ihren Mann auf dem Krankenlager in Ägypten medizinisch betreut hatte und der seit 1914 als Sanitätsoffizier im Reservelazarett im Sanatorium Bühlerhöhe tätig war, verließ sie jeder Lebensmut. 35 Ihr bereits beschriebener tragischer Selbstmord am 5. Juli 1918 war die Konsequenz dieser Depressionen. Wenige Monate später, am 9. November 1918, dankte Wilhelm II. ab. Es gab kein Reich und keinen Kaiser mehr.

Baubeschreibung des Offiziersgenesungsheimes Bühlerhöhe
Das Offiziersgenesungsheim, das seit 1920 als Kurhaus bzw. Hotel dient, liegt eingebettet in einen Schwarzwaldhang in 800 Meter Höhe unterhalb der erst 1930 gebauten Schwarzwaldhochstraße und bietet eine großartige Aussicht ins Rheintal. Ein Bergsporn, der aus dem Hang hervorragt, war für Wilhelm Kreis der Anlass, das Bauwerk der Topografie anzupassen und mit einem frei stehenden Aussichtsturm auf seiner Spitze ausklingen zu lassen. Das Hauptgebäude ist ein dreigeschossiger Massivbau mit Mansardwalmdach, der sich an der Talseite über einem hohen Sockelgeschoss erhebt. Seine beiden Flügel, die einander im stumpfen Winkel zugeordnet sind, werden durch einen mit einem Kegeldach bekrönten, viergeschossigen Rundbau verbunden. Jeder dieser Trakte hat fünf Achsen an der Talseite, die durch Lisenen gerahmt werden. Vor dem Rundbau befindet sich eine halbkreisförmige Terrasse.
Die Talseite ist die eigentliche Hauptansichtsseite des Schlosses. Das erste und zweite Geschoss sind durch eine die Fensterachsen rahmende Werksteingliederung aus Lisenen mit abschließendem Stockwerkgesims in Kolossalordnung zusammengefasst. Zwischen den Lisenen bestimmen Putzgliederungen das Bild, die rechteckigen Holzsprossenfenster des Erdgeschosses haben rahmende Blendbögen, das zweite Geschoss besitzt niedrigere Holzsprossenfenster mit Rahmungen, das dritte Geschoss ist durch eine reliefartige, geometrische Putzgliederung mit ovalen Fenstern gestaltet. Der umlaufende Balkon wurde erst beim Umbau zum Kurhaus 1921 geschaffen, damals wurde auch jedes zweite Fenster in eine Tür umgewandelt. 36 Der Rundturm tritt an der Talseite risilatartig vor die Fassade, in seinem Untergeschoss befinden sich drei Türen, ansonsten entspricht die Gliederung den Seitenflügeln. Das vierte Geschoss des Turmes, dessen Höhe von Rüschhoff und Wortmann aus Kostengründen reduziert werden musste, hat über einem mehrfach profiliertem Stockgesims kleine Rundfenster und trägt ein schlichtes Kegeldach.
Die ganze Architektur der Talseite ist auf einen Bruchsteinsockel gesetzt, in den auch die Terrasse vor dem Rundturm einbezogen ist. Von dort führen an beiden Seiten lange, einläufige Treppen hinab zum Hang. Ein Viadukt aus Bruchsteinen führt über vier Bogenstellungen von der Nordwestecke des Schlosses zu einem zweieinhalbgeschossigen Rundturm mit Glockendach auf dem höchsten Punkt des Bergsporns. Der Turm besitzt zwei Hauptgeschosse und ein dieses trennendes schmales Zwischengeschoss. Das Untergeschoss besteht aus Bruchstein und wird an der Bergseite durch Pilaster gegliedert; zur Talseite öffnet es sich mit vier Kolonnaden. Dahinter befindet sich eine kleine Aussichtsplattform, von der aus eine Wendeltreppe ins überkuppelte Turmzimmer des Obergeschosses führt. Das verputzte Obergeschoss besitzt abwechselnd Rechteck- und Rundbogenfenster. Dieser sogenannte Wilhelmsturm (nach Wilhelm Isenbart) hat eine doppelte Funktion. Einerseits ist er wie das gesamte Schloss ein Denkmal für den General, andererseits ein Aussichtsturm.
Gerade dieser Aspekt ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung, entstanden doch in Europa vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg zahlreiche Aussichtstürme, die - wie Joachim Kleinmanns in seiner Aachener Dissertation feststellt - der Befriedigung einer neuen "Seh-Sucht" dienten.37 Die Erfahrung des Horizonts wurde zum Schlüsselerlebnis für eine ganze Epoche. Daneben spielte auch ein neues Naturgefühl für die Entstehung des Aussichtsturms eine wichtige Rolle. Auch dieses entwickelte sich im späten 18. Jahrhundert und führte unter anderem zur Entwicklung der Landschaftsgärten. Der wachsende Tourismus war ebenfalls ein wichtiger Faktor. Vorläufer und Vorbilder der Aussichtstürme waren die Türme und Turmruinen der englischen Landschaftsgärten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
An den südlichen Schlossflügel schließt der mehrfach umgebaute eingeschossige Bäderflügel an, der hinter die Flucht des Hauptgebäudes zurücktritt. Ihm ist eine große Terrasse über rechteckigem Grundriss vorgelagert. Im Inneren ist der Warteraum mit japanischen Motiven erhalten, die beidseitig eines Mittelgangs angeordneten Wannenbäder bestehen nicht mehr.
Im Gegensatz zur neubarocken Schlossarchitektur der Talseite steht der Innenhofbereich, den Kreis nach Motiven des Festungs- und Burgenbaus gestaltete. Die Hofseite des Hauptgebäudes ist asymmetrisch gegliedert. Die Symmetrieachse der Schlossfassade an der Talseite setzt sich hier nicht fort, sondern knickt aus topografischen Gründen nach rechts, also in südöstliche Richtung, ab. Daraus ergibt sich ein zweigeteilter Ehrenhof an der Bergseite. Dieser Ehrenhof, der von niedrigeren Flügeln gerahmt wird, besteht aus zwei annähernd quadratischen Höfen auf unterschiedlichen Ebenen. Jedem Trakt des Hauptgebäudes ist auf diese Weise ein Hof zugeordnet. Der größere Hof unmittelbar vor dem Hauptportal wurde, um eine ebene Fläche zu erhalten, aufgeschüttet, er ist mit dem westlich gelegenen, niedrigeren Hof durch eine Treppe verbunden. Die den aufgeschütteten, oberen Burghof umgebenden Gebäude sind an der Hofseite eingeschossig und außen zweigeschossig, die Gebäude des tiefer gelegenen Hofes sind alle zweigeschossig.
Vor den zentralen Rundbau im Zentrum des zweiflügeligen Hauptgebäudes tritt in der Achse der Zufahrt ein mächtiges neoklassizstisches Hauptportal, das typisch für Festungen ist. Dieses bis zum Mansardgeschoss hinaufreichende Portal wird durch horizontale Werksteinbänder gegliedert und von einem kräftigen Gesims bekrönt. In die Mitte des obersten Bandes ist ein Rundfenster gesetzt, darunter befindet sich ein flacher Giebelrisalit, in den ein die Tür des Haupteingangs und ein Oberlicht umfassender Blendbogen geschnitten ist.
Die Gestalt eines Festungstores hat auch das übergiebelte Tor, durch das der Besucher in die beiden Innenhöfe mit ihrer zangenförmigen Grundrissgestalt gelangt. Es ist ebenfalls durch horizontale Werksteinbänder gegliedert. Die Gebäude um den Innenhof bestehen aus hammerrechten Bruchsteinen, wie sie beispielsweise beim Bau von Burgen zum Einsatz kamen. So erinnert der Innenhof mehr an eine mittelalterliche Burg als an ein Schloss. Dazu tragen auch Bauteile wie der kleine Treppenturm, der vor den Südflügel tritt, und der Erker im westlichen Bereich des Hauptgebäudes bei.
Der Bergseite Bühlerhöhes wird also durch Elemente aus dem mittelalterlichen Burgenbau und dem neuzeitlichen Festungsbau (wie er seit dem 16. Jahrhundert als Reaktion auf die Pulvergeschütze üblich wurde) charakterisiert. Die Lage des Hotels auf einem Berg erinnert ebenfalls mehr an eine Höhenburg als an ein Schloss. Die Bergseite steht in jedem Fall im deutlichen Gegensatz zur barocken Schlossarchitektur, Bühlerhöhe hat also zwei grundverschiedene Ansichten.
Der heute noch 18 Hektar große Park Bühlerhöhes wurde von dem Düsseldorfer Landschaftsarchitekten Harald Jensen gestaltet. Die ursprünglichen Entwürfe für den Garten sind verschollen, im Stadtarchiv Bühl blieben aber die Pläne für den Tennisplatz und das Luftbad vom 20. September 1913 erhalten, die auch die Gesamtkonzeption des Parks zeigen.38
Der Typus des Landschaftsgartens entstand um 1720 in England. 39 Er ist die übergreifende Stilform der Gartenbaukunst des Klassizismus und der Romantik und stellte bis ins späte 19. Jahrhundert eine der größten künstlerischen Herausforderungen dieser Epoche dar. Im Landschaftsgarten spiegelt sich die Sehnsucht des Menschen nach dem verlorenen Paradies und dem Wunschbild einer humanen und liberalen Gesellschaft. In der Renaissance und im Barock war die Gartenarchitektur strenger Symmetrie unterworfen, die Natur wurde nach gestalterischen Prinzipien geordnet. Höhepunkt dieser Gärten ist die Anlage von Schloss Versailles unter Ludwig XIV., die André le Notre zwischen 1662 und 1700 schuf. Spiegelte der französische Barockgarten als Symbol mathematisch-kosmische Gesetzmäßigkeiten und hierarchische Staats- und Weltordnung, so war der Naturbegriff der englischen Aufklärung untrennbar mit dem neuen Freiheitsgedanken verbunden. Wo Freiheit aus dem Naturrecht begründet wurde, konnte Natur selbst zum Freiheitssymbol werden. Dies erklärt den Siegeszug des ,,englischen Gartens" durch Europa seit der Zeit der Aufklärung.
Von der heutigen Schwarzwaldhochstraße aus führt der Zufahrtsweg zum Schloss Bühlerhöhe in einem halbkreisförmigen Bogen zum Hauptportal. Während dieser Weg für den automobilen Verkehr bestimmt ist, nimmt die eigentliche Hauptachse Bezug auf den zentralen Rundturm und führt als Fußweg vom Schlosstor in südöstliche Richtung in den Park. Die Achse führte ursprünglich zu einem Rondell, um schließlich in einem achtseitigen Platz zu enden. Von beiden Plätzen zweigten weitere Wege ab.
Wie im Historismus üblich, besitzt der Landschaftsgarten Architekturstaffagen, wie das erwähnte Luftbad und den Tennisplatz, die sich unmittelbar südlich des Zufahrtsweges befinden. Die stadionartig angelegte, ovale Tennisanlage ist nicht erhalten, hingegen besteht das Luftbad bis heute. Die fast quadratische Anlage (ca. 29 x 29 m) besitzt ein eingeschossiges, rechteckiges Eingangsgebäude mit den Sanitäranlagen und daran anschließend eine Umfassungsmauer, die kleeblattförmig zwei Liegewiesen und den Turnplatz umschließt. Im Zentrum befindet sich ein Brunnen. Bereits 1964 berichtet Rüschhoff, das Teile des umfangreichen Wegesystems und der Anlagen, wie beispielsweise ein Irrgarten aus Hainbuchen, durch Natureinflüsse und mangelnde Pflege zerstört wurden. 40
Der Düsseldorfer Landschaftsarchitekt Jensen schuf mit dem Bühlerhöhepark eine Anlage, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für großbürgerliche Parks im Rheinland typisch war. Zu den wenigen rheinischen Parks aus dieser Zeit, die erhalten sind, gehört der Kammerbuschpark im Wehetal bei Langerwehe, der wie der Bühlerhöhepark in die Landschaft integriert und mit zahlreichen Architekturstaffagen versehen war. 41

Das Vorbild: Schloss Stupinigi
Stupinigi liegt knapp zehn Kilometer südwestlich vom Turiner Palazzo Reale (königliches Stadtschloss) auf Germarkung Nichelino und steht in einem annähernd axialem Bezug zu diesem. Herzog Emanuele Filiberto von Savoyen schenkte die dortigen Ländereien und die bis heute erhaltene spätgotische Burg 1573 dem durch ihn erneuerten Maurezianerorden, einem auf Piemont beschränkten karitativen Ritterorden in der Tradition der Johanniter. 42 Auf dessen Kosten wurde 1729 im Auftrag König Vittorio Amedeos II. mit dem Bau eines Jagdschlosses nach Entwürfen Filippo Juvarras unter der Leitung seines Mitarbeiters Giovanni Tommaso Prunottos als Ersatz für das als Residenz aufgewertete, ehemals bevorzugte Jagdschloss Venaria Reale begonnen.
Juvarra wurde 1678 in Messina geboren und starb 1736 in Madrid. 43 In seiner Frühzeit arbeitete er als Silberschmied bei seinem Vater, 1703/04 bis 1714 hielt er sich in Rom auf, zunächst im Atelier Carlo Fontanas, wo er sich schnell die akademischen Kenntnisse eines Architekten aneignete. Seit 1708 im Dienst des Kardinals Ottobonis für dessen Theater in der Cancelleria tätig, zeichnete sich Juvarra durch fantasiereiche, kühne Theaterdekorationen aus und war bald mit vielen Gelegenheitsarbeiten für einen weiten Kreis von Auftraggebern beschäftigt. 1711 entwarf er in Wien Theaterdekorationen im Auftrag von Kaiser Joseph I., 1714 folgte er einer Einladung Vittorio Amedeos II. und wurde Hofarchitekt des Königs in Turin. Dort errichtete er fünf Kirchen und vier königliche Palastbauten sowie vier weitere Paläste für private Auftraggeber. Als Städtebauer entwarf Juvarra zwei ausgedehnte Turiner Stadtteile völlig neu, darüber hinaus wandte er sich 1719/20 in Portugal Plänen für den Palast König Johanns V. in Mafra und anderen Projekten in Lissabon zu. 1720 reiste er nach London und Paris, 1735 zur Planung des königlichen Palastes für Philip V. nach Madrid. Außerdem führte Juvarra Aufträge in Como, Mantua, Bellumo, Bergamo, Lucca, Chambéry, Vercelli, Oropa und Chieri aus, sein großes Projekt für die Sakristei von St. Peter in Rom wurde nicht realisiert.
Als Juvarra 1736 in Madrid starb, war das ursprüngliche Konzept für Schloss Stupinigi vollendet. Der nachfolgende König Carlo Emanuele III. forderte bereits 1737 den Ausbau der Anlage zum Wohn- und Residenzschloss, daher kam es ab 1739 nach Skizzen Juvarras zur Erweiterung unter Einflussnahme des neuen Hofarchitekten Benedetto Alfieri. Der Ausbau wurde erst 1789 angeschlossen.
Stupinigi verdankt wie die unvollendeten Anlagen von Rivoli oder Venaria Reale seine Errichtung der Erhöhung der Dynastie Savoyen zu Königen von Sizilien im Jahr 1720. Das Jagdschloss markiert den Höhepunkt piemontesischer Profanbaukunst des Settecenco, weniger durch Monumentalität wie jene Schlösser als durch die Originalität seiner Grundrisskomposition. Es ist eine Synthese aus internationalen künstlerischen Anregungen innerhalb einer kreativen Phase, die während weniger Jahrzehnte an allen europäischen Höfen vorherrschte. Das ursprüngliche Jagdschloss entstand über X-förmigem Grundriss und besitzt einen überhöhten Zentralsaal. 44 Aus den erhaltenen Skizzen Juvarras ist ersichtlich, dass er beim Entwurf zunächst zwischen französischen und italienischen Bautraditionen schwankte. 45 Dann entschied er sich für die italienische Sternform mit niedrigen Flügeln um einen hohen Kernbau. Auch andernorts fand dieser Typus fast gleichzeitig Anhänger, doch Stupinigi ist mit seinen ausgewogenen Verhältnissen der architektonischen Massen und der reichen Innenausstattung der bedeutendste Vertreter. Anregungen für seinen Plan boten Juvarra die geometrischen Grundrissfiguren der Renaissance-Villen Andrea Palladios oder Sebastiano Serlios. Unmittelbare Vorbilder sind die Entwürfe Johann Bernhard Fischer von Erlachs für das Lustschloss des Grafen Althan in der Rossau bei Wien (um 1685) bzw. Germain Boffrands für Schloss Malgrange bei Nancy (vor 1771, verändert ausgeführt). 46 Beide Anlagen besitzen einen X-förmigen Grundriss um einen zentralen Festsaal; Juvarra erhielt vermutlich durch Kontakte des Turiner Hofes zu Wien bzw. durch seine Reise nach Paris Kenntnis von diesen Projekten.
21 Jahre als Hofarchitekt des Hauses Savoyen reichten Juvarra, um die barocke Kulturlandschaft Piemonts entscheidend zu verwandeln. 47 Es ist erstaunlich, was er in diesen zwei Jahrzehnten alles geschaffen hat. Mit seinem Wechsel von Rom nach Turin gab die "Ewige Stadt" zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Führung der architektonischen Entwicklung an Piemont ab. War Juvarras Lehrer Fontana Initiator einer Entwicklung, die als puristische Gegenbewegung zur Pathetik des Hochbarock nach dem Tode Giovanni Lorenzo Berninis (1680) aufkam, so repräsentiert Juvarra eine Strömung, die als italienische Parallele zum französischen Rokoko verstanden werden darf. Juvarra ist zwar ein kühner Neuerer, höchst komplizierte Raumgebilde, wie in Piemont sein Vorgänger Guarini und sein Nachfolger Vittone, hat er jedoch nicht geschaffen. Seine zahlreichen erhaltenen Skizzen zeigen, dass Juvarras Konzeptionen zunächst von leicht überschaubaren Raumvorstellungen des 16. Jahrhunderts ausgehen, ehe sie zu Gebilden umgeschaffen werden, deren Verständnis sich erst dem eingehenden Studium erschließt. Alle seine Gebäude zeichnen sich durch eine große Leichtigkeit aus, die Schwerkraft des Steins scheint überwunden. Bei aller Originalität übernimmt Juvarra aber auch die geläufigen Baugedanken seiner Zeit, um ihnen dann doch seine unverwechselbare Prägung zu geben.
Schloss Stupinigi wurde durch den früheren Theaterarchitekten Juvarra bewusst auf eine szenografische Wirkung als effektvoller Point de vue angelegt. Auf diese Weise bildet das Schloss den Abschluss einer breiten Allee (die ursprünglichen Ulmen wurden in den vergangenen Jahrzehnten bedauerlicherweise durch Pappeln ersetzt), die von Turin hierher führt. Beiderseits der Straße wurden auf einer Länge von rund 400 Metern ab 1733 früher der Versorgung dienende schlichte Bauernhöfe in Backsteinmauerwerk errichtet, die anschließenden, ab 1755 erbauten Viehställe umschließen halbkreisförmig einen dem Schloss vorgelagerten Platz mit einem Durchmesser von über 200 Metern. Unmittelbar südwestlich schließt entlang der Hauptachse der durch einen hellen Verputz betonte noblere Teil, zunächst mit niedrigen Stallungen und Zwingern zu Seiten eines Platzoktogons an. Es führt in den achtseitigen Ehrenhof, der an sechs Seiten zangenförmig von Werkstattgebäuden, Marställen und Galerien umschlossen wird (Die siebte Seite nimmt das Jagdschloss ein). Diese Hofanlage hatte Juvarra, wie erhaltene Skizzen beweisen 48, von Anfang an geplant, sie wurde aber, wie oben erwähnt, erst nach seinem Tod ab 1739 von seinem Nachfolger Benedetto Alfieri modifiziert ausgeführt. Im Zentrum des Ehrenhofes steht das ursprüngliche Jagdschloss mit den beiden vorderen seiner wie Windmühlenflügel um den ovalen Zentralbau gruppierten Trakten. Die beiden rückwärtigen dem kreisförmigen Garten (Durchmesser ca. 350 Meter) zugewandten Flügel weisen in die Straßenachsen nach Orbassano und Vinovo.
Eine einheitliche Gliederung aus Lisenen und Gesimsen kennzeichnet die Gebäude, die den Ehrenhof umgeben. Die vier Diagonalflügel mit den Galerien und Werkstätten sind eineinhalbgeschossig, die beiden dazwischen liegenden Marställe werden durch ihre Dimensionen und Kolossalordnung hervorgehoben. Das Jagdschloss mit seiner X-förmigen Grundrissgestalt beherrscht den Ehrenhof. Die beiden Fassaden gegen Stadt und Garten sind analog gestaltet. Der dreigeschossige Mittelbau, der durch jonische Pilaster und profilierte Stockgesimse gegliedert wird, erhebt sich über einem leicht elliptischen Grundriss und nimmt den an einen Sakralraum erinnernden Festssaal (25 x 24 m) auf, dessen vier Pfeiler eine 20 Meter hohe Kuppel tragen. Der Zentralbau besitzt an der Stadt- und Gartenseite jeweils drei Achsen mit rundbogigen Fenstern im Erd- und Obergeschoss und hochrechteckigen Fenstern im niedrigeren Zwischengeschoss. Er trägt ein pagodenartig gestuftes Kupferdach mit Marmorbalustrade von 1765/66, das damals als Ersatz für ein flacheres Kegeldach entstand. Es wird von einem überlebensgroßen Bronzehirsch, den Francesco Ladatte nach Skizzen Juvarras geschaffen hat, bekrönt. Die vier ebenfalls dreigeschossigen Seitenflügel des Jagdschlosses sind deutlich niedriger als der Mittelbau, so dass das Stockgesims des Obergeschosses an den Seitentrakten als Traufgesims fortgeführt werden kann. Die Flügel mit jeweils sechs Achsen werden durch jonische Pilaster und zwei Lisenen im rhythmischen Wechsel in jeweils zwei Felder gegliedert, die beiden Untergeschosse werden in Kolossalordnung zusammengefasst. Den hochrechteckigen Sprossenfenstern des Untergeschosses entsprechen im niedrigen Zwischengeschoss quadratische Fenster, während das von einer Balustrade bekrönte Obergeschoss erneut hochrechteckige Fenster besitzt.
Die aufwendige Ausmalung und Ausstattung des Jagdschlosses im Stil des Rokoko wurde auf Betreiben Juvarras durch eigens für diese Aufgabe berufene Freskomaler und zahlreiche Turiner Künstler, die auch an anderen Projekten des Hauses Savoyen beteiligt waren, ausgeführt. Das heute als Museum dienende Bauwerk, das nach den umfangreichen Erweiterungen unter Juvarras Nachfolgern den Maßstab einer Staatsarchitektur erreichte, blieb als spätbarockes Gesamtkunstwerk von europäischem Rang nahezu unverändert erhalten.
Stupinigi bildet einen Zentralpunkt in der Turiner Landschaft. Juvarra und seine Nachfolger schufen ein System landschaftsbeherrschender Achsen. Den Architekten der Könige aus dem Haus Savoyen gelang die größtmögliche Verflechtung von Bauwerk, Garten und Landschaft. Es ist eine alle Bereiche umspannende Interpretation des Doppelthemas von Konzentration und Ausdehnung, das die Architekten des Barock beschäftigte. Die gestaffelt ausgreifenden Flügel des Schlosses sind auf den elliptischen Kuppelbau zentriert. Von ihm als Brenn- und Schnittpunkt strahlen Quer- und Diagonalachsen in die Gebäudeflügel, den Garten und die Straßenachsen aus. 49

Wilhelm Kreis´ Entwurf für Bühlerhöhe
Kreis´ Beziehungen zu Turin und damit zu Schloss Stupinigi sind unübersehbar. Gemeinsam mit Peter Behrens, Hermann Billing und Bruno Möhring vertrat er die deutsche Architektur auf der Internationalen Ausstellung in Turin 1902. 50 Im selben Jahr wurde er dort mit einem Ehrendiplom ausgezeichnet. 51 1911 - also während der Arbeiten am Entwurf für Bühlerhöhe - unternahm Kreis eine Italienreise 52, ob er Stupinigi damals noch einmal besuchte, ist nicht bekannt, aber zu vermuten.
Von den 20 Plänen für Bühlerhöhe (datiert Düsseldorf, 27. Februar 1912), die laut Stempel am 17. September 1912 durch das Großherzogliche Bezirksamt Bühl genehmigt wurden, blieben elf im Wilhelm-Kreis-Archiv in Bad Honnef erhalten. 53 Es handelt sich ausschließlich um Aufrisse und Schnitte, die Grundrisse gingen nach Auskunft von Professor Dr. Helmut Arntz, der als Neffe Kreis´ dessen Nachlass verwaltet, in den Wirren der ersten Nachkriegsjahre in dessen Wohnhaus in Dresden verloren. 54 In seinem Buch über den Bau Bühlerhöhes berichtet Curt Rüschhoff, dass die über 450 Ausführungspläne der Jahre 1912 bis 1914 bei der Bombardierung des Elternhauses von Hans Woltmann in Elberfeld im Zweiten Weltkrieg bis auf wenige Ausnahmen, die sich in seinem Besitz befanden, vernichtet wurden.55 Vier dieser Pläne sind in seinem Buch abgebildet. 56
Die erhaltenen Pläne zeigen, dass Bühlerhöhe ursprünglich ein etwas anderes Erscheinungsbild erhalten sollte.57 Erst die bereits erwähnten finanziellen Engpässe während der Bauzeit führten zu einer Reduktion des ursprünglichen Konzepts. Die bedeutendste Änderung betrifft den zentralen Rundturm, der erheblich höher werden sollte. 58 Dieser Baukörper sollte mit einer Aussichtsplattform mit figurenbestandener Balustrade und aufgesetzter Laterne abschließen. Entscheidende Auswirkungen hat die Reduzierung der Turmhöhe auf das Hauptportal an der Hofseite. Neben dem erwähnten Einfluss klassizistischer Vorbilder verhalten sich die hochrechteckige Portalwand und der diese überragende Rundturm wie Kubus und Zylinder, sind also eine Komposition geometrischer Grundformen. Von dieser Konzeption Kreis´ ist in der Ausführung nichts mehr zu erahnen. Weil die Turmhöhe deutlich reduziert wurde, steht der Kubus der Portalwand völlig isoliert, von der beabsichtigten Spannung, die der Eingangsbereich durch die beiden gegensätzlichen geometrischen Figuren erhalten sollte, ist nichts zu spüren.
Die Bertel Thorwaldsens "Ganymed, den Adler tränkend" (1817) nachempfundene Skulpturengruppe, die das Hauptgesims bekrönen sollte, fiel den Sparmaßnahmen gänzlich zum Opfer, an ihrer Stelle erhebt sich heute ein bronzener Reichsadler, den der Bildhauer Professor Hermann Geibel aus Darmstadt geschaffen hat. Im Offiziersgenesungsheim Bühlerhöhe sollte Ganymed, der Mundschenk des Göttervaters, zwischen den beiden grundverschiedenen Ansichten, dem heiteren Schloss der Talseite und der strengen Festung der Bergseite, vermitteln. Über die weitere Ausstattung des Hauses, die nur teilweise erhalten ist, wird noch zu sprechen sein.
Verzichtet wurde auf Grund der Sparmaßnahmen außerdem auf die Zwingeranlage vor dem Hoftor. 59 Die niedrigen Flankierungstürme wurden lediglich bis zum Sockelgeschoss ausgeführt und dienen als rondellartige Terrassen. Der repräsentative Charakter des Eingangsbereichs zum Burghof wird durch das Fehlen der beiden Türme in nicht unerheblichem Umfang beeinträchtigt.
Kreis´ Gesamtkonzept für Bühlerhöhe wird durch diese Sparmaßnahmen insgesamt nur wenig berührt. Vorbild für das Schlosshotel Bühlerhöhe ist - wie bereits erwähnt - Schloss Stupinigi. Der Grundriss des Turiner Jagdschlosses ist X-förmig, im Zentrum befindet sich ein höherer Rundbau. Wilhelm Kreis halbiert diese Grundrissform für Bühlerhöhe, doch darin erschöpft sich die Vorbildfunktion Stupinigis nicht. Auch die Aufrissgestaltung der dem Tal zugewandten Schlossfassade Bühlerhöhes ist ähnlich. Charakteristisch sind die Geschosseinteilung und die Wandgliederung. Die beiden unteren Geschosse der Schlösser Stupinigi und Bühlerhöhe werden durch Lisenen bzw. Pilaster in Kolossalordnung zusammengefasst. Für die Balustrade der nicht ausgeführten Turmplattform Bühlerhöhes sah Kreis Skulpturen vor, wie sie Juvarra in Stupinigi realisierte. Die Vorbildfunktion des königlichen Jagdschlosses geht bis ins Detail. Die sogenannte Hirschterrasse an der Talseite Bühlerhöhes wird von zwei großen Skulpturen eines liegendes Rothirschs und einer liegenden Hirschkuh flankiert, die Hermann Geibel geschaffen hat. 60 In den erhaltenen Entwürfen Kreis´ von 1912 sind an dieser Stelle noch mythologische Wesen, unter anderem ein Zentaur, vorgesehen. Später entschieden sich Kreis und seine Assistenten Rüschhof und Woltmann für Skulpturen, die sich unmittelbar am Vorbild Stupinigi orientieren. Auf dem Turmdach des Jagdschlosses erhebt sich die überlebensgroße Skulptur eines stehenden Rothirsches, die Francesco Ladatte 1766 schuf.
An Juvarras Schlossanlage erinnert ebenfalls die Anlage eines Ehrenhofes durch niedrigere zangenartige Wirtschaftsgebäude an der Eingangsseite Bühlerhöhes. Anders als Stupinigi, wo Juvarra einen regelmäßigen, siebenseitigen Ehrenhof schuf, erhielt Bühlerhöhe aus topografischen Gründen zwei miteinander verbundene quadratische Innenhöfe. Gravierend ist ein weiterer Unterschied. In Turin wurden die Hofseite des Schlosses und die Nebengebäude nicht in der Formensprache des Festungs- und Burgenbaus ausgeführt, sondern entsprechen formal der Gartenseite.
Auch der große Landschaftspark, der Bühlerhöhe umgibt, ist in gewisser Weise eine Reminiszenz an Stupinigi. Wie das Turiner Jagdschloss bildet das Offiziersgenesungsheim einen Zentralpunkt in der Landschaft. Wie Juvarra und seine Nachfolger schuf der Landschaftsarchitekt Harald Jensen ein System landschaftsbeherrschender Achsen. Die Flügel des Schlosses sind auf den Turm zentriert, von ihm strahlen Quer- und Diagonalachsen in die Gebäudeflügel, den Garten und das Rheintal aus. Allerdings ist der Park Bühlerhöhes ein Garten der Romantik und deshalb nicht nach denselben strengen geometrischen Prinzipien geordnet wie die barocke Anlage in Turin.
Auffällig ist, dass Kreis´ Assistent Curt Rüschhoff in seinen Erinnerungen keinen Hinweis auf Stupinigi gibt; er nennt vielmehr das von Balthasar Neumann entworfene Treppenhaus von Schloss Brühl als Vorbild für die Rotunde Bühlerhöhes. 61 Obwohl es keinerlei Verwandschaft zwischen diesen beiden Bauten gibt, wurde Rüschhoffs irreführender Vergleich, der zeigt, wie wenig Einblick er in die konzeptionelle Arbeit seines Chefs hatte, in der regionalgeschichtlichen Literatur immer wieder dankbar aufgegriffen.

Die Überarbeitung der Pläne durch Rüschhoff und Woltmann
Kreis bezeichnete Bühlerhöhe in der Rückschau 1952 als "eines seiner besten Werke" und nahm diese vollständig für sich in Anspruch, obwohl die Beteiligung von Rüschhoff und Wortmann an der Ausführungsplanung unstrittig ist. 62 Auseinandersetzungen mit Herta Isenbart, über die sich Kreis noch in seinen letzten Lebensjahren wenig positiv äußerte 63, führten dazu, dass er - wie bereits festgestellt - die Verantwortung für notwendige Umplanungen seinen beiden Mitarbeitern übertrug. Wie Rüschhoff einräumt, wurde das Projekt aber ganz im Sinne "meines von mir sehr verehrten Meisters Professor Kreis" 64 zu Ende geführt. 65
Dennoch ist die Beteiligung Rüschhoffs und Woltmanns an der Ausführungsplanung offensichtlich. Wolfgang Brönner schreibt den beiden Assistenten die gesamte Innenausstattung zu, wobei Rüschhoff eine führende Rolle übernommen haben soll. 66 Auch für die Umplanungen am Außenbau, die wegen der erwähnten Einsparmaßnahmen notwendig wurden, waren Rüschhoff und Woltmann alleine verantwortlich. Von einer Einflussnahme Kreis´ auf den Bau nach einer Besprechung mit der Bauherrin und seinen beiden Assistenten in Wiesbaden im Frühjahr 1913 ist jedenfalls in Rüschhoffs Erinnerungen nichts zu lesen. 67 Herta Isenbart lehnte bei diesem Treffen den heute verschollenen, überarbeiteten Entwurf von Kreis ab, mit dem dieser den schwindenden Finanzmitteln der Bauherrin Rechnung trug. Die beiden Assistenten erarbeiteten daraufhin im Baubüro auf der Bühlerhöhe selbstständig ein eigenes reduziertes Konzept.
Die Raumaufteilung geht mit großer Wahrscheinlichkeit auf Kreis zurück. In seiner dem Bauantrag beigelegten Baubeschreibung skizziert er seine Vorstellungen von der Innenausstattung: ,,Die Ausstattung der Wohn- und Gesellschaftsräume soll eine vornehme sein mit teilweiser Vertäfelung, Stoffbespannung und Holzdecken etc." 68
Im Zentrum des Schlosses steht der zweigeschossige Saal, dessen Entwurf aus dem Jahr 1913 bei Rüschhoff abgebildet ist. 69 Er besitzt einen kreisförmigen Grundriss und wird von 16 Nischen, die teilweise zu Fenstern und Türen erweitert sind, umgeben. Die Nischen werden von statisch bedeutungslosen Dreiviertelsäulen aus Lindenholz gerahmt. Die kannelierten toskanischen Säulen tragen einen Architrav, über dem sich eine umlaufende Empore erhebt. Analog zum Untergeschoss ist die Wand des Obergeschosses durch Pilaster gegliedert. Die Zwickel oberhalb der Bögen, die diese Pilaster tragen, sind reich mit Stuck verziert.
Beim Wandaufriss der Rotunde stand Stupinigi nur bedingt Pate. Zwar ist auch die Empfangshalle des Turiner Jagdschlosses zweigeschossig mit Empore, sie besitzt aber eine Kuppel, die von vier freistehenden Pfeilern getragen wird. Der zentrale Saal Bühlerhöhes hat aus rein praktischen Gründen eine Spiegeldecke, ansonsten wäre der Raum über der Rotunde im dritten Geschoss nicht nutzbar. Unübersehbar sind die Parallelen zwischen Bühlerhöhe und dem Pantheon in Rom, dem 118 bis 128 n. Chr. errichteten Vorbild aller abendländischen Kuppelbauten. Wie der Zentralraum des Offiziersgenesungsheims ist das Pantheon eine von Nischen umgebene Rotunde mit zweigeschossigem Wandaufriss und Säulen im Erdgeschoss, die einen Architrav tragen. 70 Kuppelbauten nach dem Vorbild des Pantheon haben übrigens in der Region um Baden-Baden seit der Errichtung des Friedrichsbades durch Karl Dernfeld (1869-1877) eine gewisse Tradition. 71 Dass Kreis den Kuppelsaal des Friedrichsbades gekannt hat, darf vorausgesetzt werden.
Von der Rotunde gelangt der Besucher auf die Terrasse mit Blick in die Rheinebene und in die beiden Flügel des Schlosses, in denen die Räume wie in Stupinigi aneinandergereiht sind. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied. Beiden Trakten Bühlerhöhes ist an der Bergseite jeweils ein Korridor vorgelagert, der Teil eines Gangs ist, der um den gesamten Ehrenhof führt. Außerdem ist der nordwestliche Flügel des Offiziergenesungsheims, der zusätzlich Aufzug und Treppenhaus aufnimmt, um ein Drittel breiter als der andere Flügel.
Im nordwestlichen Flügel schließt an die Rotunde zunächst ein großer Saal an, der Wohnzwecken diente (heute sogenannter Van-Dyk-Saal, früher Rote Diele genannt) und dessen Ausstattung Rüschhoff entworfen hat. 72 Der rechteckige Raum besitzt eine stuckverzierte Kölner Decke, eine Wandvertäfelung aus Eichenholz und dem Eingang gegenüberliegend einen Kamin aus belgischem St. Anne-Marmor. Die westliche Langseite öffnet sich mit drei Fenstern in Richtung Rheinebene, die gegenüberliegende Wand mit ebenfalls drei Bögen zur Bibliothek. Diese besitzt eine gewölbte Stuckdecke und ist mit eingebauten Bücherschränken ausgestattet.
An Saal und Bibliothek schließen Speisezimmer (heute Bar) und das kleinere Spielzimmer (heute Nebenraum der Bar) an. Rüschhoff und Woltmann gestalteten gemeinsam das Spielzimmer, das sich mit zwei Fensterachsen zum Rheintal öffnet. Dieses besaß ursprünglich eine Wandbespannung aus giftgrünem Baumwoll-Damast. 73 Das von Rüschhoff entworfene Speisezimmer erhielt eine Wandvertäfelung aus Zitronenholz, die Decke Stuckverzierungen. Die nordwestlich an Speisezimmer und Spielzimmer anschließende Terrasse, deren gewölbter Bogengang zum Viadukt des Wilhelmsturms führte, wurde 1921 mit einem wenig geglückten eingeschossigen Gebäude mit Flachdach, das einen Speisesaal für den Kurhausbetrieb aufnahm, überbaut. Die vier Fensterachsen zur ehemaligen Terrasse wurden geschlossen bzw. durch Türen ersetzt.
Im Bereich zwischen Rotunde, Bibliothek und großem Saal befindet sich das repräsentative quadratische Treppenhaus mit einer Wendeltreppe aus Holz. Auf der anderen Seite der Rotunde entspricht dem großen Saal das Billardzimmer (heute Café), an das ursprünglich die Kasse und der eingeschossige Badeflügel anschlossen. In den beiden oberen Geschossen des Schlosses befanden sich die Gästezimmer für die Offiziere, im zweiten Obergeschoss über der Rotunde außerdem ein weiterer Gesellschaftsraum. Arzträume, Küche, Büros und weitere Funktionsräume waren in den niedrigeren Trakten, die den Ehrenhof umgeben, untergebracht.

Bühlerhöhe als Schloss
Als Offiziersgenesungsheim ist Bühlerhöhe prinzipiell ein Militärbau. Die Architektur des Hauses verdeutlicht aber die Sonderstellung dieses Bauwerks, das mit den typischen Militärbauten des Historismus nur wenig Gemeinsamkeiten hat 74, sondern dem Typus des Schlosses entspricht.
Das Schloss als Denkmal für eine Person oder eine Familie ist eine typische Bauaufgabe des Historismus. Diese Gattung bezeichnet Heinz Biehn als "Denkmalschlösser der pathetischen Romantik". 75 Zeitlich und wesensmäßig stehen diese Anlagen am Ende des Schlossbaus. Diesen Denkmalschlössern wird der Memorialcharakter als ursächliches Entstehungsmotiv zugestanden.
Vier Beispiele dieser Gattung seien stellvertretend genannt. Burg Hohenzollern, Stammsitz des preußischen Königshauses, ist von Anfang an, seit Friedrich Wilhelm IV. als Kronprinz 1819 die Burg besuchte, als Denkmal des Geschlechts angesehen und in diesem Sinne zwischen 1850 und 1867 durch August Stüler ausgebaut worden. 76 Dabei wurde die Burgruine des Mittelalters zum Ausgangspunkt genommen, aber weitgehend frei ausgebaut, da sie nun dem höheren Rang der Familie Rechnung tragen musste. Die bayrischen Königsschlösser Neuschwanstein (1868-1886 durch Eduard Riedel), Herrenchiemsee (1878-1885 durch Georg von Dollmann) und Linderhof (1869-1878 durch Georg von Dollmann) bezeichnet Biehn als "Denkmäler eines höchst persönlichen Majestätsbewußtseins". 77 Darüber hinaus wurden in diese Bauten Reminiszenzen der verschiedensten Art integriert, die denkmalhaft die staufische Epoche und wagnerische Gedankenbilder (Neuschwanstein) und das vom Bauherrn Ludwig II. bewunderte Vorbild Ludwig XIV. (Herrenchiemsee und Linderhof) vor Augen führen.
Die Vorbildfunktion dieser denkmalhaften Schlösser für Bühlerhöhe ist unübersehbar. Die bürgerliche Herta Isenbart setzte ihrem verstorbenen Mann mit diesem in den Formen eines Schlosses errichteten Offiziersgenesungsheims ein Denkmal, wie es sonst nur von adeligen Bauherren geschaffen wurde. Herta Isenbart, die durch ihre jüdische Herkunft und die Scheidung die militärische Karriere ihres zweiten Ehemannes ruiniert hatte, blieb der Zutritt zu adeligen Kreisen trotz ihres beachtlichen Vermögens verwehrt. Mit Bühlerhöhe, das sich formal an Stupinigi - bis 1919 eines der Residenzsschlösser der italienischen Könige - orientiert, formuliert die Bauherrin ihre hohen Ansprüche.
Auch Wilhelm Kreis, seit 1908 Professor im rheinischen Düsseldorf, war der Denkmalgedanke des Schlosses nicht fremd. Natürlich kannte er die bereits genannten denkmalhaften Schlösser der regierenden Fürstenhäuser in Deutschland, im Rheinland begegneten ihm aber auch die Schlösser des dort seit Jahrhunderten ansässigen Landadels, die im Laufe des Historismus auf eine ganz spezielle Weise ausgebaut wurden. Harald Herzog hat in seiner Kölner Dissertation den Begriff des "introvierten Bauens" in die Kunstwissenschaft eingeführt. 78 Damit beschreibt er die umfangreichen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen an rheinischen Wasserburgen während des 19. Jahrhunderts, bei denen Anregung und Vorbild vom Altbau ausgehen; auf diese Weise wurden die Schlösser zum Denkmal ihrer selbst. Neben den Umbauten mittelalterlicher Anlagen gibt es im Rheinland auch einige komplette Neuschöpfungen des 19. Jahrhunderts wie Schloss Ottenfeld bei Alsdorf, das 1878 von Karl Freiherr von Blanckart als Nachfolger eines Gutshofes erbaut wurde. 79
Dem in Düsseldorf tätigen Wilhelm Kreis konnten die ungeheuer zahlreichen rheinischen Schlösser, die ihr heutiges Erscheinungsbild dem 19. Jahrhundert verdanken, nicht verborgen bleiben. Für den in seinem gesamten künstlerischen Schaffen einmaligen Auftrag, ein Schloss als Denkmal zu entwerfen, erhielt er von dieser Gattung wertvolle Anregungen.
Bühlerhöhe ist das einzige Schloss, das Wilhelm Kreis gebaut hat. Wolfgang Brönner zählt das Offiziersgenesungsheim zu den Wohnhäusern, die in seinem Gesamtwerk von untergeordneter Bedeutung sind 80, weist aber darauf hin, dass der Architekt bis 1914 weitere schlossartige Gebäude errichtete. Unmittelbarer Vorläufer Bühlerhöhes ist das wesentlich kleinere Landhaus Siersdorpff auf der Königsklinger Aue, einer Rheininsel bei Eltville. Das 1904 bis 1909 entstandene Gebäude erinnert an einen bei Paul Schultze-Naumburg abgebildeten Grundtypus für Schlösser 81, dieser verwirklichte fast gleichzeitig mit Kreis 1907 in Solingen mit Schloss Hackhausen eine ähnliche Architektur. Beide Häuser orientieren sich am ,,maison de plaisance" des 18. Jahrhunderts. Wie Bühlerhöhe hat Siersdorpff zwei repräsentative, geometrisch angeordnete Fassaden unterschiedlichen Charakters, nämlich den Eingangsflügel mit einem risalitartigen Mittelturm und die Rheinfront, der eine Terrasse vorgelagert ist.

Bühlerhöhe als Denkmal
Zu den charakteristischen Aufgaben der Architektur und Plastik im 19. Jahrhundert zählten Monumentalbau und Denkmal. 82 Wilhelm Kreis beherrschte wie kein anderer zwei Jahrzehnte kaiserzeitlicher Praxis des monumentalen Denkmalbaus. Mit ihm sind untrennnbar die Bismarcktürme und Burschenschaftsdenkmäler verbunden, ebenso Grab- und Ehrenmäler, Gefallenen- und Kriegerdenkmäler und Walhallen.
Bühlerhöhe ist - wie bereits festgestellt - in seiner Gesamtheit ein Denkmalschloss für General Wilhelm Isenbart. Zwei Bauteile der Anlage, nämlich die Hoffassade des zentralen Rundturms und der Wilhelmsturm, sind formal und inhaltlich mit den Bismarcktürmen verwandt, die durch geometrische Einfachheit und ursprüngliche Formen bestimmt werden. Die Vorbildfunktion des Theoderichgrabmals und Castel del Montes wurde bereits erwähnt. Kreis´ Bismarckdenkmäler in Hamburg (1902) und an der Odermündung bei Stettin (1912-1914) sind Beispiele für diesen Stil.
Der Wilhelmsturm des Offiziersgenesungsheims Bühlerhöhe ist ein eher schlichter Rundturm und steht damit für das Grundprinzip des Kreis´schen Denkmals. ,,Wilhelm Kreis - das ist der Turm", schrieb ein zeitgenössischer Kritiker. ,,Die Masse des Volkes ist stets für den Turm. Das liegt ihr von altersher im Blut." 83 Dass der Wilhelmsturm dem persönlichen Gedenken Wilhelm Isenbarts gewidmet ist, zeigte eine Inschrifttafel, die bereits um 1920 herausgebrochen wurde. 84 ,,Erbaut zum Gedächtnis von Wilhelm Isenbart, Generalmajor, im Jahre 1914", lautete der Text.
Als ein komplexes Gebilde geometrischer Formen präsentiert sich die aus Kostengründen abgewandelt ausgeführte Hofseite des zentralen Schlossrundturms. Im ursprünglichen Plan verhalten sich das Portal und der darüber erwachsende Turm wie Kubus und Zylinder und erinnern damit an Kreis´ preisgekrönten Entwurf für das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig von 1895.

Ausblick
Der Historismus ist die Stilepoche, die die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und das 20. Jahrhundert bis 1918 bestimmte. Das Repräsentationsbedürfnis einer ganzen Epoche endete jäh mit dem Ersten Weltkrieg, der die gesellschaftlichen Bedingungen in Europa zutiefst erschütterte. Nach 1918 konnten die Architekten nicht dort weitermachen, wo sie vor dem Krieg aufgehört hatten. Die Moderne hatte begonnen.
Bühlerhöhe wurde während des Ersten Weltkriegs vollendet und ist ein Spätwerk des Historismus. Bauwerke dieser Art sind nach 1918 undenkbar. In seiner künstlerischen Aussagekraft und in seinen Dimensionen ist das Schloss ein bemerkenswerter Vertreter seiner Zeit, der die gesellschaftlichen Ansprüche wie kaum ein anders Gebäude in Baden versinnbildlicht. In der dem Bauantrag beigefügten Baubeschreibung nennt Wilhelm Kreis seinen mit diesem Werk verbundenen Anspruch: ,,Besonderer Wert ist bei der ganzen Anlage darauf gelegt, nicht allein für die Zwecke der Erholung der Offiziere ein geeignetes Heim zu schaffen, sondern auch für die Umgebung und Landschaft des Schwarzwaldes bei Bühl eine Sehenswürdigkeit und Zierde zu schaffen." 85
Nach dem Tod der Bauherrin Herta Isenbart wurde das Offiziersgenesungsheim 1920 an private Investoren verkauft und ab 1921 zu einem Kurhaus umgebaut. 86 Der Architekt Wilhelm Rutsch aus Freiburg plante einen durchlaufenden Balkon vor dem Obergeschoss der Talseite, jedes zweite Fenster wurde für diesen Zweck in eine Tür verwandelt. Die Gesamtwirkung der Schlossfassade wird dadurch anders akzentuiert. Über der Terrasse an der Nordseite, die den Zugang zum Wilhelmsturm ermöglichte, errichtete Rutsch den bereits erwähnten Speisesaal.
Die Geschäfte im Kurhaus entwickelten sich offensichtlich gut, denn bereits am 29. Mai 1925 stellten die Betreiber erneut einen Antrag auf Erweiterung. 87 Dieses Mal sollten die Bäderterrasse und der eingeschossige Bäderflügel an der Südseite mit einem dreigeschossigen Trakt überbaut werden. Der Entwurf, den erneut Wilhelm Rutsch lieferte, sah eine dreigeschossige Loggia an der Talseite vor. Dieses Vorhaben wurde durch eine Intervention des badischen Innenministerium in Karlruhe am 27. November 1925 gestoppt. 88 Der Anbau werde der hohen architektonischen Bedeutung des Altbaus nicht gerecht, heißt es in der Begründung. Auch Wilhelm Kreis, inzwischen einer der bedeutendsten Architekten der Weimarer Republik, protestierte gegen das Projekt. In einem Brief an Landrat Billmeier kritisierte die Leitung des Kurhauses am 17. Mai 1926 das Verhalten von Kreis. ,,Über das Verhalten des Herrn Prof. Kreis als Architekt der Generalin Isenbart brauchen wir uns ja nicht zu äußern, es war ja ein öffentlicher Skandal", heißt es in dem Schreiben. 89 ,,Künstlerische Begabung wollen wir Herrn Prof. Kreis nicht absprechen, im übrigen sind wir aber auch neuerdings wieder dringend davor gewarnt worden, seine Mitwirkung in Anspruch zu nehmen." Am 18. September legte das Kurhaus offiziell Beschwerde gegen die Ablehnung des Baugesuchs ein. Bühlerhöhe sei kein Kunstdenkmal, wie dies von staatlichen Stellen behauptet werde, heißt es in der Begründung. Am 17. Januar sah die Hotelleitung die Aussichtslosigkeit des Unternehmens ein und zog den Bauantrag zurück. Der entstellende Anbau wurde nicht ausgeführt. Am 10. August 1927 reichte Wilhelm Rutsch neue Baupläne ein, die - um die nutzbare Fläche Bühlerhöhes zu erweitern - dieses Mal den Ausbau des Dachgeschosses vorsahen. Bereits am 7. September 1927 wurde das Projekt genehmigt.
Die Reaktion der Behörden auf das entstellende Konzept der Kurhausbetreiber von 1925 zeigt, dass Bühlerhöhe bereits ein Jahrzehnt nach seiner Vollendung als Kunstdenkmal galt. Dieser Vorgang ist höchst ungewöhnlich und verdeutlicht, wie schnell das historisierende Schloss als Spätwerk einer Epoche den Menschen bewusst wurde.
Auch als Denkmal für Personen diente Bühlerhöhe seitdem immer wieder. An der Innenseite des Schlosstores sollte ursprünglich das kaiserliche Wappen eingelassen werden 90, nach 1918 bestand hierfür kein Bedarf mehr. Stattdessen wurde anlässlich der 30jährigen Tätigkeit von Professor Dr. Gerhard Stroomann als Chefarzt des Kurhauses an dieser Stelle eine Bronzetafel angebracht. 91 Schließlich erwarb der Industrielle Max Grundig 1986 das in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Kurhaus und ließ es bis 1988 nach Plänen des Architekten Henner Hoos und des Innenarchitekten Jan Wichers zum Luxushotel ausbauen. Die Gedenktafel für Stroomann verschwand und wurde durch die Initialen und das Wappen des Bauherrn ersetzt.

Anmerkungen

1 Klaus W. Jonas: Besuch auf der Bühlerhöhe. In: Badische Heimat, 63 Jahrgang., Heft 1 (1983), S. 257-263.
Erika Schappeler-Honnef: Das Schloß im Bergwald: Bühlerhöhe. In: Bühler Heimatgeschichte 2 (1988), S. 41-56.
Die Geschichte der Bühlerhöhe 1913 - 1993, hrsg. vom Schlosshotel Bühlerhöhe, Bühl 1993.
Werner Philipps: Schloß Bühlerhöhe. Die Schöpfung Herta Schottländers. In: Heimatbuch Landkreis Rastatt 1997, S. 177-184.

2 Ulrich Coenen: Die Baukunst der nördlichen Ortenau, Karlsruhe und Bühl 1993, S. 61-65.

Ulrich Coenen, Bühl, Gudensberg-Gleichen 1998, S. 70.

3 Coenen, Baukunst, S. 65.

4 Alberto Cottino: Stupinigi. The "Delight" of the Savoys, Turin 1996.

5 Schappeler-Honneff, S. 43.

6 Philipps, S. 177.

7 Schappeler-Honnef, S. 44.

8 ebd., S. 45.

9 ebd. S. 50.

10 ebd., S. 47.

11 Archiv des Schlosshotels Bühlerhöhe, Akte des Großherzoglichen Badischen Bezirksamtes Bühl, XVIII Medizinalwesen, 5 Krankenhäuser, Errichtung des Offiziersgenesungsheims durch Frau General Isenbart.

12 Winfrid Nerdinger: Wilhelm Kreis. Repräsentant der deutschen Architektur des 20. Jahrhunderts. In: Winfrid Nerdinger/Ekkehard Mai (Hrsg.): Wilhelm Kreis. Architekt zwischen Kaiserreich und Demokratie, München und Berlin 1994, S. 11.

13 Ulrich Thieme/ Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildender Künstler, hrsg. von Hans Vollmer, Bd. 21, Leipzig 1927, S. 485.

14 Nerdinger: In Nerdinger/Mai, S. 14.

15 Gisela Möller: Wilhelm Kreis und die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule. In: Nerdinger/Mai, S. 69.

16 Wilhelm Kreis, Nachdruck der Ausgabe Berlin, Leipzig, Wien 1927, Nachwort zur Neuausgabe von Achim Preiß, Berlin 1997.

17 Hans K. F. Mayer/ Gerhard Rehder: Wilhelm Kreis, Essen 1953.

18 Sabina Gierschner: Bauten und Planungen nach 1945. In: Nerdinger/Mai, S. 189-203.

19 Curt Rüschhoff: Wie Bühlerhöhe gebaut wurde. Ein Beitrag zur Geschichte des Kurhauses Bühlerhöhe, Neuwied 1964.

20 ebd, S. 12.

21 ebd, S. 15.

22 Archiv des Schlosshotels Bühlerhöhe, Akte des Großherzoglichen Badischen Bezirksamtes Bühl, XVIII Medizinalwesen, 5 Krankenhäuser, Errichtung des Offiziersgenesungsheims durch Frau General Isenbart.

23 Wilhelm-Kreis-Archiv in der Burg Arntz, Leitung: Prof. Dr. Helmut Arntz, Lohfelder Straße 122, Bad Honnef, Brief von Prof. Wilhelm Kreis an Dr. Gerhard Stroomann vom 25. 8. 1952.

24 Bühler Wochenblatt, Nr. 38, 12. März 1912.

25 Philipps, S. 181.

26 Rüschhoff, S. 23.

27 Philipps, S. 180.

28 Rüschhoff, S. 26-28.

29 Archiv des Schlosshotels Bühlerhöhe, Akte des Großherzoglichen Badischen Bezirksamtes Bühl, XVIII Medizinalwesen, 5 Krankenhäuser, Errichtung des Offiziersgenesungsheims durch Frau General Isenbart.

30 Acher- und Bühler Bote, Nr. 193, 24. Jnui 1913.

31 Freundliche Auskunft von Herrn Prof. Dr. Helmut Arntz, Bad Honnef.

32 Rüschhoff, S. 27.

33 Wilhelm-Kreis-Archiv, Brief von Prof. Wilhelm Kreis an Dr. Gerhard Stroomann vom 25. 8. 1952.

34 Archiv des Schlosshotels Bühlerhöhe, Akte des Großherzoglichen Badischen Bezirksamtes Bühl, XVIII Medizinalwesen, 5 Krankenhäuser, Errichtung des Offiziersgenesungsheims durch Frau General Isenbart.

35 Jonas, S. 261.

36 Stadtgeschichtliches Institut Bühl, Bau-Bühl 3867.

37 Joachim Kleinmanns: Rheinische Aussichtstürme im 19. und 20. Jahrhundert, Phil. Diss. TH Aachen, Aachen 1985.

38 Stadtgeschichtliches Institut Bühl, Bau-Bühl 201.

39 Adrian von Buttlar, Der Landschaftsgarten. Gartenkunst des Klassizismus und der Romantik, Köln 1989.

40 Rüschhoff, S. 43.

41 Ulrich Coenen, Architektonische Kostbarkeiten im Kreis Düren, 2. Aufl., Aachen 1989, S. 138.

42 Heinz Schomann: Piemont - Ligurien - Aostatal. Kunstdenkmäler und Museen = Reclams Kunstführer Italien Bd. 1,2, Stuttgart 1982, S. 296.

43 Harald Keller (Hrsg.): Die Kunst des 18. Jahrhunderts = Propyläen Kunstgeschichte Bd. 10, Frankfurt a. M., Berlin, Wien 1984, S. 146.

44 Die Ausnahmestellung dieser Grundrissgestalt erschließt sich beim Vergleich mit anderen bedeutenden barocken Schlossbauten. Vgl. hierzu: Wilfried Hansmann: Baukunst des Barock, 2. Aufl., Köln 1983, S. 88-214.

45 Keller, S. 148.

46 Schomann, S. 299.

47 Keller, S. 41.

48 Die Entwurfspläne für Stupinigi befinden sich im Museum der Stadt Turin. Abbildungen bei Cottino, S. 12 und Keller, S. 147.

49 Werner Müller/Gunther Vogel: DTV-Atlas zur Baukunst, Bd. 2, München 1982, S. 475.

50 Nerdinger. In: Nerdinger/Mai, S. 14.

51 Thieme/Becker, S. 485.

52 ebd.

53 Wilhelm-Kreis-Archiv, Pläne für das Offizier-Genesungsheim Kohlbergfelsen von 1912: Blatt 7 Längsschnitt durch Flügel am großen Wirtschaftshof, Blatt 9 Längsschnitt durch den großen Hof mit Ansicht des Haupteingangs, Blatt 10 Schnitt durch den kleinen Wirtschaftshof mit Blick gegen den Küchenbau, Blatt 11 Längsschnitt durch die beiden Höfe mit Blick gegen die nördlichen Hofbauten, Blatt 12 Hofansicht der Haupteinfahrt mit Schnitt durch die Portierwohnung und Arztflügel, Blatt 14 Hauptfront gegen Südwesten, Blatt 15 Ansicht des Arztflügels gegen Süden, Blatt 16 Ansicht der Haupteinfahrt, Blatt 17 Ansicht der nördlichen Hofbauten gegen den großen Wirtschaftshof, Blatt 18 Ansicht des Küchenflügels gegen Nordwesten, Blatt 20 Pförtnerhaus. (Die von mir angefertigten fotografischen Reproduktionen sämtlicher Pläne habe ich dem Stadtgeschichtlichen Institut in Bühl zur Verfügung gestellt.)

54 Die Akte des Großherzoglichen Bezirksamtes Bühl im Archiv des Schlosshotels Bühlerhöhe beinhaltet eine Auflistung aller 20 Pläne. Nicht erhalten sind zwei Lagepläne im Maßstab 1:1500 und 1:500 (Plan 1 und 2), Grundrisse der drei Hauptgeschosse und des Kellergeschosses (Plan 3-6), der Schnitt durch den großen Turm (Plan 8), der Schnitt durch die Haupteinfahrt (Plan 13) und der Entwurf für das Maschinenhaus (Plan 19).

55 Rüschhoff, S. 40.

56 ebd. , Pläne Offiziersgenesungsheim Bühlerhöhe: S. 6 Talseite (1912), S. 11 Hauptportal im Innenhof (1912), S. 21 Innenansicht der Rotunde (1913), S. 25 Treppenhaus (1912).

57 vgl. Wolfgang Brönner, Die Wohnhäuser bis 1914. In: Nerdinger/Mai, S. 97-100.

58 Wilhelm-Kreis-Archiv, Pläne für das Offizier-Genesungsheim Kohlbergfelsen von 1912, Blatt 9 und Blatt 14.

59 ebd., Blatt 12 und Blatt 16.

60 Rüschhoff, S. 42.

61 ebd, S. 18.

62 Wilhelm-Kreis-Archiv, Brief von Prof. Wilhelm Kreis an Curt Rüschhoff vom 24. 8. 1952.

63 Helmut Arntz: Der Patenonkel. In. Nerdinger/Mai, S. 220.

64 Rüschhoff, S. 12.

65 ebd. S. 27.

66 Brönner. In: Nerdinger/Mai, S. 97.

67 Rüschhoff, S. 27.

68 Archiv des Schlosshotels Bühlerhöhe, Akte des Großherzoglichen Badischen Bezirksamtes Bühl, XVIII Medizinalwesen, 5 Krankenhäuser, Errichtung des Offiziersgenesungsheims durch Frau General Isenbart.

69 Rüschhoff, S, 21.

70 Heinz Kähler, Der römische Tempel. Raum und Landschaft, Frankfurt a. M., Berlin, Wien 1982, S. 31-53.

71 Ulrich Coenen, Baden in Baden-Baden. Von den römischen Anlagen zur modernen Caracallatherme. In: Die Ortenau. Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden 81 (2001), Seite 189 - 228.

72 Rüschhoff, S. 32.

73 ebd.

74 vgl. Henriette Meynen, Militärbauten: In. Eduard Trier/Willy Weyres (Hrsg.), Kunst des 19. Jahrhunderts im Rheinland, Bd. 2, S. 107-117.

75 Heinz Biehn, Residenzen der Romantik, München 1970, S. 247 - 335.

76 ebd., S. 280 - 288.

77 ebd, S. 288.

78 Harald Herzog, Rheinische Schlossbauten im 19. Jahrhundert, Phil. Diss. Uni Köln, Köln 1981.

79 Ulrich Coenen, Architektonische Kostbarkeiten im Kreis Aachen, Aachen 1987, S. 12.

80 Brönner. In: Nerdinger/Mai, S. 89.

81 Paul Schultze-Naumburg, Das Schloss = Kulturarbeiten, Teil 6, München 1910, S. 84.

82 Eckehard Mai, Die Denkmäler im Kaiserreich. In: Nerdinger/Mai, S. 29-43.

83 Zitiert nach Brönner. In: Nerdinger/Mai, S. 33.

84 Rüschhoff, S. 36.

85 Archiv des Schlosshotels Bühlerhöhe, Akte des Großherzoglichen Badischen Bezirksamtes Bühl, XVIII Medizinalwesen, 5 Krankenhäuser, Errichtung des Offiziersgenesungsheims durch Frau General Isenbart.

86 Stadtgeschichtliches Institut Bühl, Bau-Bühl 3867.

87 ebd, Bau-Bühl 310.

88 ebd.

89 ebd.

90 Rüschhoff, S. 41.

91 Gerhard Stroomann war von 1920 bis 1957 Chefarzt des Kurhauses Bühlerhöhe. Er beschreibt seine Arbeit in seiner Veröffentlichung: Aus meinem roten Tagebuch. Ein Leben als Arzt auf Bühlerhöhe, Frankfurt 1960.

Kommentare

Christian Wrede
21.04.2005 22:13:37
Schloßhotel Bühlerhöhe-Schriftzug
Am Rande erlaube ich mir eine kleine Ergänzung zu dem sehr informativen Aufsatz: Ich selbst kenne die Bühlerhöhe nur von zahllosen Photos meiner Urgroßeltern und Großeltern noch aus den Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg und einem einzigen Besuch nach den großen Umbaumaßnahmen in das "jetzige" Hotel. Sehe ich mir jedoch heute das Emblem an, den Schriftzug "Bühlerhöhe", sehe ich stets die Handschrift meiner Urgroßmutter, die an der Seite Ihres Mannes, Dr. Gerhard Stroomann, in einer wunderbaren Wohnung mit einem trauhaften Blick im Obergeschoss des Gebäudes wohnte. Die vielen Photoalben und -Negative, die meine Eltern im Keller aufbewahren, spiegeln somit nicht nur unsere Familiengeschichte sondern - freilich im Kleinen - auch ein wenig die Geschichte der gesamten Anlage wider. C.W.

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