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Autor: Sven Nagel
Fach: Jura - Strafprozessrecht, Kriminologie, Strafvollzug
Details
Institut: FHVT Berlin (Kriminologie)
Tags: Kriminologie
Jahr: 2003
Seiten: 33
Note: 10
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 477 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-17088-8
Arbeit beinhaltet u.a. ausführliche Darstellung der Episodenhaftigkeit von Jugendkriminalität-(delinquenz etc.), alterstypischer Konfliktsituationen, Spezialprävention, Jugendkriminalität, Phänomen des Handtaschenraubes-(diebstahls) und eine Fallanalyse. Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand. 673 KB
Textauszug (computergeneriert)
Fachhochschule für WS 02/03
Verwaltung und Rechtspflege Berlin
Studienfach: Kriminologie
Kriminologische Fallanalyse
Sven Nagel
Berlin, 13.01.2003
Inhaltsverzeichnis
1. Aufgabenstellung -1-
1.1 Episodenhaftigkeit -1-
1.2 Entwicklungsbedingtes Verhalten -2-
1.2.1 Familie -2-
1.2.2 Bezugsgruppen -3-
1.2.3 Medien -4-
1.2.4 Schule/ Ausbildung -4-
1.2.5 Lernen und Horizonterweiterung -4-
1.2.6 Kritische Auseinandersetzung mit dem Vorgefundenen und Innovationen -6-
1.3 alterstypische Konfliktsituationen -7-
1.3.1 Familie -7-
1.3.2 Schule -7-
1.3.3 Ausbildung/ Beruf/ Arbeitslosig- und Perspektivlosigkeit -8-
1.3.4 Freizeitgestaltung -9-
2. Aufgabenstellung -11-
2.1 spezialpräventive Wirkung (auch Spezialprävention) -11-
2.2 Jugendkriminalität -13-
3. Die kriminologische Fallanalyse -15-
3.1 Allgemeines -15-
3.1.1 strafrechtliche Einordnung -15-
3.1.2 kriminologische Einordnung -15-
3.1.3 Deliktgruppe und Charakterisierung des Delikts -16-
3.1.4 historische Entwicklung -17-
3.1.5 Entwicklungstendenzen -17-
3.1.6 Täterpotential und kriminologische Erklärungsansätze -18-
3.1.7 Opferpotential -18-
3.1.8 zeitlich-örtliche Situation -18-
3.2 Die Tat -19-
3.2.1 Vortatphase -19-
3.2.2 Tatphase (Intensität) -19-
3.2.3 Nachtatphase -19-
3.3 Der Täter -20-
3.3.1 Das Tatmotiv -20-
3.3.2 Täteranalyse nach PDV 382 Nr.3.1.2 -20-
3.3.3 Täterschaft -21-
3.3.4 Opfertyp -21-
3.3.5 Täter-Opfer-Beziehung -21-
3.3.6 Täter-Opfer-Interaktion -21-
3.4 Ursachenerklärung -22-
3.4.1 Anomietheorie nach Merton -22-
3.4.2 Lerntheorie nach Sutherland (Theorie der differentiellen Assoziation) -22-
3.4.3 Kontrolltheorie nach Reiss (innerer Halt) -23-
3.4.4 Kontrolltheorie nach Reckless (äußere Halt) -24-
3.4.5 Kontrolltheorie nach Hirschi (Einflussfaktoren des inneren und äußeren Halts) -24-
3.5 Prognose -25-
3.6 Schlussbericht -25-
4. Aufgabenstellung -27-
4.1 Deliktbeschreibung -27-
4.2 Deliktentwicklung -27-
4.3 Täter/-innen/Tatverdächtige u. täterbezogene Erklärungsansätze -27-
Literaturverzeichnis -29-
Beglaubigung -30-
1. Erläutern Sie, unter Verwendung einschlägiger Literatur, was unter „entwicklungsbedingtem“ und „aus alterstypischen Konfliktsituationen entstandenem episodenhaften Verhalten, mit entsprechenden kurzen Beispielen, zu verstehen ist.
1.1 Episodenhaftigkeit
Episodenhaftigkeit bedeutet, dass Straftaten von Jugendlichen nur eine zeitlich begrenzte Erscheinung sind, die sich mit den Jahren auswachse1. Hiervon zu unterscheiden sind individuelle Verläufe, die abweichend – je nach Delikt, Täter und konkreter Situation – eine länger anhaltende Auffälligkeit (Frequenz) beinhalten können, wenngleich auch sie mit dem Lebensalter zurückgehen1.
Die Kriminologie stellt zwei Idealtypen gegenüber: die episodenhafte Kriminalität und die über eine gewisse Zeit fortdauernde kriminelle Karriere1. Die überwiegende Zahl junger Menschen wird demnach nur einmal auffällig. Nach heutiger Auffassung wird hier insoweit kein Erziehungsbedarf mehr angenommen, sondern die Notwendigkeit einer gewissen Normverdeutlichung2. Dies kann in den meisten Fällen informell geschehen. Nur etwa 2-14 %1 der jungen Menschen wurden mehr als fünfmal von der Polizei registriert. Die Jugendlichen, die drei oder mehr Registrierungen im Jugendalter aufwiesen, waren zu ca. 50%3 und mehr auch als Erwachsene verurteilt worden. Die Quote, derer, die nur ein bis zweimal aufgefallen waren lag lediglich bei nur 19%3. Aus diesen Zahlen kann man schlussfolgern, dass die Mehrzahl der (Jugend-)Kriminalität von nur einigen wenigen Jugendlichen begangen wird, wogegen der größere Teil nur ein- bis zweimal in Erscheinung tritt.
Ebenfalls statistisch bewiesen ist, dass Frauen wesentlich seltener eine kriminelle Karriere aufweisen. In der Gruppe derer, die ebenfalls als Erwachsene aufgefallen (verurteilt) waren, befanden sich lediglich noch 4,9%3 Frauen, in der gesamten Untersuchungspopulation waren sie noch mit 13,7%3 vertreten.
Dieses Verhalten ist in vielen Fällen ein Austesten von Grenzen und Normen. Während dieser Phase kommt es darauf an, dass die Gesellschaft auf das straffällige Verhalten mit speziell auf den Jugendlichen und seine begangene Tat abgestimmten Sanktionen reagiert. Es ist wichtig, dass die Sanktionen ein Gleichgewicht bezüglich der Schwere der Tat, des sozialen Umfelds und den Folgen des Normverstoßes darstellen. Es kommt gerade darauf an, dem Jugendlichen zu zeigen, dass sein Verhalten falsch war. Er muss dies erkennen und selber Vorschläge machen, um die Tat wieder gut zu machen. Nur so kann eine optimale Normverdeutlichung stattfinden und sichergestellt werden, dass er nicht wieder straffällig in Erscheinung tritt.
Die Gründe für den Rückgang der Kriminalität sind noch nicht hinreichend erforscht. Man geht aber davon aus, dass nicht die Kriminalität schlechthin, sondern bestimmte Erscheinungsformen im Laufe der Zeit seltener auftreten4.
So stellt sich die Frage, ob es hier einen Austausch hin zu verdeckteren Kriminalitätsformen gibt4, welche dann auch4 kaum durch Dunkelfelderhebungen aufgeklärt werden könnte. Zu nennen wären hier Beispielsweise Steuerhinterziehung, Betrügereien gegenüber Versicherungen sowie diverse Formen der Wirtschafts- und Umweltkriminalität. Diese Formen der Kriminalität erfordern einen gewissen Macht- und/oder Wirkbereich, über den jüngere Menschen in den meisten Fällen nicht verfügen. So sind sie überwiegend nicht steuerpflichtig oder habe nicht die Möglichkeiten, als Wirtschaftskriminelle tätig zu werden.
1.2 Entwicklungsbedingtes Verhalten
Die Entwicklung (sekundär Sozialisation) eines Jugendlichen wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Während dieser Phase tritt bei einer Vielzahl von jungen Menschen delinquentes Verhalten auf, welches in den meisten Fällen aber nur episodenhaften Charakter hat. Während der Entwicklung spielt das experimentelle Lernen nach dem try-and-error-Verfahren5 eine große Rolle. „Manche Erkenntnis ist nur durch ein Austesten zu gewinnen. Dabei zeigt sich dann, wie die anderen reagieren und unter welchen Voraussetzungen bestimmte Erfolge erzielbar sind. In die Nähe strafrechtlicher Tatbestände rückt das Erkunden von Grenzen, insbesondere Toleranzgrenzen.“5 Man kann also sagen, dass delinquentes Verhalten nicht immer von äußeren Faktoren gefördert wird, aber in vielen Fällen wirken diese beiden Variablen aufeinander ein, so dass der Jugendliche einerseits den Drang des Ausprobieren verspürt, er aber nicht den Mut dazu hat, andererseits wird dieser Einzeldrang zum Gemeinschaftsdrang und kommt so, durch den gruppendynamische Prozess und der damit verbundenen niedrigeren Hemmschwelle – „Ich bin nicht alleine! Die Gruppe gibt mir Halt und Stärke“ – zur gemeinsamen Ausführung. Wie und welche Faktoren diesen Prozess zusätzlich beeinflusse und warum es dann zu delinquenten Verhalten kommen kann soll im Folgenden dargestellt werden.
1.2.1 Familie
Die Familie, als primärer Sozialisationsfaktor, vermittelt dem Jugendlichen von frühster Kindheit an die in der Familie vertretenen Normen und Werte. In dieser Phase lernt das Kind banale Dinge wie Gut und Böse, Recht und Unrecht, warm und kalt. Lernt das Kind diese Werte nicht, oder werden ihm gar die falschen Werte vermitteltet, sei es durch ein „asoziales Umfeld“ in dem der Vater die Mutter schlägt, beide oder ein Elternteil Alkoholiker sind/ ist oder sogar bereits verurteilte Straftäter bzw. generell eine abweichendes Verhalten aufweisen, hat der Jugendliche später keine ausgeprägte Rechts- bzw. Unrechtsbindung und ist so anfällig für Normverstöße, welche durch die weiter folgenden Faktoren beeinflusst werden.
[....]
1 Walter, 1995, S.151, Rn.246
2 Walter, 1995, S.199, Rn.330
3 Walter, 1995, S.165, Rn.272
4 Walter, 1995, S.151, Rn.247
5 Walter, 1995, S.54, Rn.72
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