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"When I use a word, it means just what I choose it to mean" - Political Correctness in den Vereinigten Staaten

Scholary Paper (Seminar), 2003, 31 Pages
Author: Patrick Theiner
Subject: Politics - Miscellaneous

Details

Event: Zwischenprüfungsarbeit (basierend auf Seminar "Politisches System der USA")
Institution/College: University of Tubingen
Tags: When, Political, Correctness, Vereinigten, Staaten, Zwischenprüfungsarbeit, Seminar, Politisches, System
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 31
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V108496
ISBN (E-book): 978-3-640-06693-3

File size: 218 KB


Fulltext (computer-generated)

Zwischenprüfungsarbeit im Fach Politikwissenschaften

,,When I use a word, it means just
what I choose it to mean..." -
Political Correctness in den Vereinigten Staaten

von

Patrick Theiner

Politikwissenschaft (HF, MA)
Soziologie
6. Fachsemester

Inhalt

1. Einführung 3

2. Begriffsklärung 3
2.1 Grundelemente der PC 4
2.1.1 Exkurs: Dekonstruktivismus 5
2.2 Geschichte 6
2.3 Bemerkungen 7

3. ,,Political Correctness? Yes, please." 8
3.1 Sprachregelungen 8
3.2 Universitäre Curricula und Eurozentrismus 11
3.3 Quotenprogramme 12
3.4 Fazit 14

4. ,,Political Correctness? No, thanks." 14
4.1 Sprachzensur? 15
4.2 Multikulti-Melange und Curriculums-Chaos? 19
4.3 Neue Diskriminierung durch Quote? 25
4.4 Fazit 27

5. Schlussbetrachtung 28

Literaturverzeichnis 30

 

1. Einführung
Political Correctness ist - wie jedes andere Thema der Politikwissenschaft - ein sehr vielschichtiges Gebiet. Doch damit nicht genug: obgleich sich jeder Sachverhalt von Individuen oder Interessengruppen zum eigenen Vorteil interpretieren und benutzen lässt, wird dies bei Political Correctness ganz besonders betrieben. In englischsprachiger Literatur zumindest halbwegs wertneutrale Betrachtungen zu finden, ist selten. Da wird von Links mit Wucht die Rassismus- und Sexismus-Keule geschwungen, da beklagt sich die Rechte über einen ,,neuen Totalitarismus" und sieht gar die ganze westliche Zivilisation in Gefahr.

Welches nüchtern betrachtet die besseren Argumente sind, scheint schon seit längerem keine Rolle mehr zu spielen - es überwiegen die schrillen Töne.

Daher möchte ich in dieser Hausarbeit vor allem versuchen, eine Systematik in das Gebiet der Political Correctness zu bringen, die in den Büchern zum Thema zu oft vernachlässigt wird. Zu diesem Zweck werde ich zunächst eine Begriffsklärung erarbeiten und kurz auf die geschichtlichen Hintergründe eingehen. Dann werde ich im Hauptteil die Argumente von Befürwortern und Gegnern herausarbeiten und als Abschluss versuchen, Fazit und Bewertung zu liefern.

2. Begriffsklärung

Der Begriff der Political Correctness - oder gemäß dem amerikanischen Hang zu Akronymen kurz ,,PC" - entzieht sich einer allgemein akzeptierten Definition.

Carsten Lenz und Nicole Ruchlak sehen die Ziele der PC darin, ,,benachteiligte Minderheiten zu stärken", unter anderem durch ,,Ersetzung bestimmter sprachlicher, häufig negativ besetzter Ausdrücke, Veränderung traditioneller Lehrpläne und spezieller Förderung von schwachen Minderheiten in Bildung und Beruf".1
Iain McLean sieht die Hauptstoßrichtung der PC in einer Veränderung der universitären Curricula ,,to emphasize the roles of women, non-white people and homosexuals in history and culture".2
Dagegen geht Bealey vor allem auf die sprachliche Komponente ein, die als Grundbedingung die Annahme ,,use of language reflects ideology"3 habe. Daher sei PC ,,not a concept fashioned by political scientists, but has come to be accepted in academic discussion".4
Sehr ähnlich definiert Nohlen PC als Bewegung mit dem Ziel, ,,die Benachteiligung von Minderheiten zu beseitigen", dabei konzentrierten sich die Bemühungen allerdings ,,auf sprachlich-kulturelle Phänomene".5
Erste wertende Elemente werden in der Definition von Taylor sichtbar, nach der PC "a pejorative term to describe a loose collection of feminists, Marxists, multiculturalists, and deconstructivists together with their assorted left-wing positions on race, sexual orientation, gender, class, the environment, and related issues"6 ist.
Und Michael Behrens und Robert von Rimscha erklären PC auf Sendung-mit-der-Maus-Niveau: ,,Political Correctness ist, wenn man sich wünscht, dass die Welt gut ist. Die Welt ist gut, wenn alle nett zueinander sind. Das Nettsein misst sich an einer politischen Etikette, eben den Reglements der PC"7.

2.1 Grundelemente der PC
Allen Definitionen gemein ist, dass sie die Verregelung von Sprache als erstes der Kernelemente von PC ausmachen. Diese impliziten oder expliziten speech codes sollen rassistische, sexistische oder diskriminierende Ausdrücke zunächst als solche benennen und sie dann durch eine Vielzahl von Neologismen ersetzen.
So ist man nicht mehr an den Rollstuhl ,,gefesselt", sondern ,,benutzt" ihn, man ist nicht mehr ,,disabled", sondern ,,differently abled", der ,,Übergewichtige" wird zum ,,horizontal Herausgeforderten", der ,,Blinde" zum ,,Anderssichtigen" und der ,,Arme" zum ,,unfreiwillig Bescheidenen".
Obgleich viele dieser Wortschöpfungen eher amüsant denn aufrüttelnd wirken, darf nicht vergessen werden, dass zum Beispiel der Weg von ,,nigger" über ,,negro" und ,,black" hin zu ,,African-American" sicher richtig ist, und auf eine ähnliche Art viele früher gebräuchliche, beleidigende Begriffe erst durch die PC-Bewegung die Ächtung erfahren haben, die sie verdienten.
Auf der anderen Seite der Medaille findet man Ausdrücke wie ,,herstory" (im Kontrast zur ,,history" als ,,his story") oder die Schreibweise ,,womyn", mit der die Suffixe ,,-man" und ,,-men" vermieden werden sollen. Diese doch recht offensichtlich abstrusen Wortschöpfungen sind jedoch vermutlich mehr als Provokation denn als ernsthafter Beitrag gedacht.

2.1.1 Exkurs: Dekonstruktivismus
Seine Wurzeln hat dieser Wunsch zur Sprachbeeinflussung in der literaturwissenschaftlichen Schule des Dekonstruktivismus, dessen durchaus interessante Thesen ich hier kurz ausführen möchte. Die dekonstruktivistischen Vordenker Michel Foucault, Jacques Lacan, Francois Lyotard und - vor allem - Jacques Derrida postulierten zunächst eine deutliche Differenz zwischen Äußerem (Signifikant) und Inhalt (Signifikat) eines Ausdrucks oder Textes8. Einfach ausgedrückt hat die Lautfolge eines Wortes rein gar nichts mit seiner Bedeutung zu tun - die Lautfolge ,,Schwein" an sich drückt also noch nichts rosafarbenes, grunzendes, tierisches aus. Schwanitz erklärt weiter: ,,In der phonetischen Schrift schiebt sich nicht mehr, wie zum Beispiel in China oder Ägypten, ein eigenes Zeichen zwischen den Sprecher und das gesprochene Wort. Stattdessen wird das Zeichen auf das Lautbild hin transparent. Das weckt die akustische Täuschung, dass der Sinn eines Wortes ,,unmittelbar" anwesend ist."9 Derrida nennt diese Selbsttäuschung Logozentrismus.
Diese Asymmetrie führt zu Gegenbegriffen, bei denen immer eine Seite höher bewertet wird als die andere: Mann/Frau, Geist/Materie, Idee/Gegenstand, Original/Kopie usw. Die Folgerung: obgleich die Signifikanten bei der Herstellung von Bedeutung gleichberechtigt sind, werden sie im Sinngehalt (Signifikat) über- oder untergeordnet. Sinn ist Herrschaft. Sprache ist ein subtiles, aber allgegenwärtiges Repressionsinstrument.
Das Gegenrezept des Dekonstruktivismus will somit in einer Art ,,Ausgrabung" in den Texten den verschütteten Sinngehalt der bisher unterdrückten Gegenbegriffe hervorzerren. Am Ende sollen Zeichen und Bezeichnetes, Körper und Geist, Mann und Frau gleichberechtigt stehen.
Die These der Sprache als Unterdrückungsmittel, das überwunden werden muss, lässt sich in der PC-Bewegung in den Wortneuschöpfungen oder Zensurkatalogen leicht wiederfinden. Und auch beim Thema der universitären Curricula wird der Dekonstruktivismus herangezogen: da Sinn und Ausdruck voneinander abgekoppelt betrachtet werden, kann zum Beispiel in der Leseliste Shakespeare ohne weiteres durch einen eher unbekannten Autor ersetzt werden, solange man nur richtig dekonstruktiviert.

Das zweite Hauptanliegen der PC ist die Beendigung des sogennanten ,,Eurozentrismus" und damit einhergehend die Veränderung universitärer Curricula. Der bisherige Bildungskanon wird als zum Großteil aus den Werken der ,,Dead White European Males" (manchmal auch leicht scherzhaft als ,,4P", ,,Pale Patriarcal Penis People", bezeichnet) bestehend aufgefasst. Werke von Shakespeare, Goethe, Freud, Aristoteles, Hobbes oder Macchiavelli sollen nicht mehr den alleinigen Inhalt der Lehre darstellen, sondern gezielt um multikulturelle Elemente erweitert werden. Ob dies nun verstärkt weibliche, schwarze oder andere Autoren beinhalten soll, differiert mit der Gruppe, die die Veränderungen einfordert.

Dritte Stoßrichtung der PC ist die gezielte Förderung von Minoritäten beim Zugang zu College oder Universität. Gefordert wird eine Abkehr von rein auf Leistung beruhenden Zugangsbedingungen, bis bei der Zulassung die proportionalen Verhältnisse in der Gesamtbevölkerung oder der Region berücksichtigt sind. Leben im Einzugsgebiet einer Universität also 35% Afroamerikaner, sollten auch 35% der zugelassenen Studenten schwarz sein. Dass damit Chancengleichheit durch Ergebnisgleichheit ersetzt wird, sei hier nur kurz angedeutet - auf die mit den diversen Spielarten der affirmative action einhergehenden Probleme werden wir später noch zurückkommen.

2.2 Geschichte

Die historische Entwicklung der PC ist in der Literatur nicht unumstritten. Einigkeit besteht allerdings darüber, dass PC als späte Spielart der Bürgerrechts- und 68er-Bewegung aufkam und sich zunächst auch deren Inhalte zu eigen machte.

Laut Berman wandten sich die (von ihm so genannten) ,,Ultra-Radikalen" nach der großen Ernüchterung durch den Vietnamkrieg und die stockende Gleichberechtigung der Schwarzen von liberalen Ideologien und Gruppen - wie zum Beispiel der Bürgerrechtsbewegung - ab und schufen eigene Organisationen.10 Diese in sich sehr heterogene Linke habe dann die Studien von Derrida und Foucault wiederentdeckt und mit einem Schuss Marx und Freud ausgebaut, so dass am Schluss ,,the great new melange, ′68 philosophy in its American mutation" entstanden sei. Diese Mischung solle allerdings besser den Namen ,,race/class/gender-ism [tragen], since race, class and gender is the phrase that dominates its analysis".11 Diese Gruppen wollten innerhalb der Gesellschaft ihre eigene Kultur schaffen oder stärken, wodurch eine Art ,,Kampf der Kulturen" entstehe. Schwarze versuchen sich von Weißen abzusetzen, Frauen von Männern, Homo- von Heterosexuellen. Durch die geregelte Sprache würde dann jede ,,Kultur" als gleichwertig gesetzt und so die Vorherrschaft der weißen Männer beendet. So zumindest Berman über die Gedankenkonstrukte der PC.
Der Aspekt der puritanischen Tradition Amerikas ist für die meisten Chronisten nur eine Nebensache, soll der Vollständigkeit halber hier dennoch erwähnt werden. Schon immer legte der Puritanismus großen Wert auf Eigenschaften wie moralisch-geistige Reinheit oder Korrektheit in allen Lebenslagen. Die heutige Spielart des Puritanimus sei allerdings, wie es der Economist zugegebenermaßen etwas spitz ausdrückt, ,,an odd combination of ducking responsibility and telling everyone else what to do"12 - zumindest in den Augen der Kritiker eine notwendige Voraussetzung für PC.

2.3 Bemerkungen

In den Vereinigten Staaten ist so gut wie jede Debatte geprägt von dem Neben- und Gegeneinander von conservative viewpoint und liberal viewpoint, wobei beide nicht unbedingt ihre Entsprechung in den Äußerungen westeuropäischer Konservativer und Liberaler finden. Die PC-Kontroverse macht da keinen Unterschied.
Die eher linken liberals arbeiten im Kontext von PC auf equality of result hin, für sie ist also Gleichheit erreicht, wenn Studenten unterschiedlichen Geschlechts, Rasse oder Herkunft gleiche Ergebnisse erzielen. Ein Beispiel sind die bereits erwähnten quotierten Zugangsregelungen an den Hochschulen. Dies erfordert zum Teil eine Anpassung der Maßstäbe nach unten, um die Anteile gleich zu halten.
Die eher rechten conservatives pochen dagagen seit eh und je auf equality of opportunities, also Chancengleichheit. Es soll also zum Beispiel nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmen Bevölkerungsschicht als ,,Bonus" bei der Hochschulbewerbung zählen, sondern die persönliche Qualifikation, also Notenschnitte oder Aufnahmetests. Gleichheit ist erreicht, wenn jeder ohne Ansehen seiner persönlichen Daten nur aufgrund der Leistung bewertet wird. Kritik lässt sich hier insofern üben, als dass diese Chancengleichheit nicht tatsächliche Gleichheit darstellt - schwarze Schulkinder aus schlechten Gegenden, die von zu wenig Lehrern mit altem Material in baufälligen Gebäuden unterrichtet werden, haben sicher nicht die selben Startbedingungen vorzuweisen wie ein weißer Teenager aus einer vergleichsweise gut ausgestattenen Vorstadt-Schule. Talent braucht immer auch die richtige Umgebung zur Entfaltung.

Hervorzuheben ist hier nochmals, dass PC zum Großteil ein Streit über Sprache ist, ein Kampf um die ,,Lufthoheit über den Wörterbüchern" gewissermaßen. Dieser Tatsache trägt der Umstand Rechnung, dass oftmals PC-Befürworter und Gegner dieselben Schlagworte benutzen, die im jeweiligen Kontext aber gegenteilige Inhalte und Wertungen verköpern. Spricht ein Konservativer von ,,multiculturalism", meint er erzwungene Abgrenzung und obskure Lehrplaninhalte, während der Liberale auf harmonische Gleichberechtigung und notwendige Erweiterung der Curricula aus ist. Selbst die Organisationen, die sich mit PC befassen, wählen ihre Namen scheinbar so vorsichtig, dass oftmals nicht ersichtlich ist, zu welchem ,,Lager" sie denn nun eigentlich gehören.13
Als letztes Paradoxon dieser Debatte soll gelten, dass bei genauerem Hinsehen die conservatives hier das vertreten, was gemeinhin als ,,Liberalismus" bezeichnet wird - also zum Beispiel Meinungsfreiheit - , während die liberals die traditionell rechten Werte wie Kontrolle und Schutz des Einzelnen hochhalten14. PC ist ein wahrhaft verzwicktes Thema, doch davon später mehr...

3. ,,Political Correctness? Yes, please."

In den folgenden beiden großen Abschnitten soll das Für und Wieder von PC dargestellt werden. Zunächst möchte ich auf unterstützende Argumente eingehen. Eine der größten Gefahren in einer Diskussion um PC ist es, mehrere verschiedene Facetten zu vermischen. Quotenregelungen, Sprachzensur, Veränderungen universitärer Curricula und andere Aspekte von PC sind - entgegen dem, was manche Kritiker behaupten - mitnichten alle nur verschiedene Seiten einer Medaille, sondern getrennt zu betrachten. Der stereotype PC-Befürworter ist schwer zu finden. Nicht jeder Verfechter von affirmative action ist gleichzeitig auch für ein Verbot von hate speech oder für sonstige Forderungen, die im Rahmen von PC erhoben werden.
Anhand wiederkehrender Argumentationsmuster lassen sich allerdings drei große Richtungen feststellen, die unter PC subsummiert werden können, und die ich bereits im Abschnitt ,,Grundelemente der PC" genannt habe: Sprachregelungen, Änderung universitärer Curricula und Quotenprogramme. Zu jedem dieser Punkte gibt es weitere Unteraspekte, auf die ich im Folgenden weiter eingehe.

3.1 Sprachregelungen
,,Sprachliche Korrektheit" gegen beleidigende oder ausgrenzende Ausdrücke - worauf fußt dieses Rezept für ein friedlicheres Miteinander? Dazu muss zunächst betrachtet werden, woher das gegenteilige, nicht weniger bekannte Konzept, nämlich das der absoluten Meinungsfreiheit, kommt: aus dem ersten Amendment zur amerikanischen Constitution: ,,Congress shall make no law [...] abridging the freedom of speech, or of the press."15 Und in der Tat ist (war?) Amerika eines der Länder, in denen man am freiesten seine Meinung kundtun und sich ausleben kann. Wo in Deutschland schon das Abdrucken von nationalsozialistischen Symbolen eventuell ein Gerichtsverfahren nach sich zieht, kann man in den USA ungeniert als blau angemalter ,,Nazi Smurf" (Nazi-Schlumpf) mit Mütze, braunem Hemd und Hakenkreuz-Armbinde zu universitären Faschingspartys gehen.16
Das simple Gegenargument der PC-Vertreter lautet: das Recht auf Freedom of Speech muss da aufhören, wo die Persönlichkeitsrechte Anderer verletzt werden. Oder, etwas robuster ausgedrückt: ,,dein Recht zu schlagen hört da auf, wo meine Nase anfängt". Das meint auch Stanley Fish, wenn er postuliert, dass ,,nowadays the First Amendment [...] the first refuge of scoundrels" darstelle.17 Und damit nicht genug - Fish meint sogar, wirklich freie Meinungsäußerung existiere gar nicht, und dürfe auch nicht existieren.18
Robert Hughes berichtet vom schwarzen Vorsitzenden des Studentenparlaments an der Universität Stanford, der der Ansicht war, dass ,,wir der Redefreiheit nicht so viele Beschränkungen auferlegen, wie wir sollten"19, und vom rebublikanischen Kongressabgeordneten Jim Inhofe, der befand, dass ,,die Zeit [komme], da die Redefreiheit nicht mehr den besten Interessen des Landes dient, und diesen Punkt [habe man] erreicht."20 Kurz zu bemerken ist die Tatsache, dass diese deckungsgleichen Aussagen von völlig unterschiedlichen Enden des politischen Spektrums kommen. Raymond Hunthausen - Erzbischof von Seattle - sieht in der Redefreiheit das Potenzial, Unruhen und Gewalt auszulösen, die dem Allgemeinwohl abträglich seien, und fügt hinzu: ,,Freedom of expression does not mean that all speech is protected, and drawing the lines is admittedly hard."21

Sprachzensur soll also dazu dienen, potenziell beleidigende Ausdrücke zu vermeiden. Gleichzeitig kann das Ziel auch sein, die jeweiligen historisch-kulturellen Umstände in die Wortbedeutung mit einzubringen und so korrigierend oder edukativ wirken zu können: Viola Schenz nennt hier als Beispiel die Benutzung des Ausdrucks ,,enslaved person" statt ,,slave", da so stärker betont werde, dass auch die Sklaven Personen, also Menschen, waren.22
Sprachzensur ist ihrzufolge eine ganz konkrete Reaktion auf die gestiegene Anzahl der ,,hate crimes", der Verbrechen also, die erwiesenermaßen ,,aus Feindseligkeit gegenüber Rasse, Religion, Hautfarbe, Behinderung, sexueller Orientierung, nationaler Herkunft oder Abstammung des Opfers" begangen werden.23 Die Antwort der PC darauf sei die Einführung von moralisch-ethischen Codes, die sich dann in den mehrfach erwähnten Sprachregeln ausdrückten. PC nicht als bloße Schikane, sondern als direkte Antwort auf Unterdrückung? John E. Van De Wetering meint jedenfalls genau dies, wenn er fordert: ,,An ethic, a code of decent social behaviour among peoples is sorely needed on our campuses and communities."24 Ob diese Regelungen tatsächlich eine Reduzierung der hate crimes bewirken, ist wissenschaftlich noch nicht untersucht.

3.2 Universitäre Curricula und Eurozentrismus

Universitäten sind seit jeher - als ein von der Gesamtheit abgegrenzter Gesellschaftsbereich - der Spielplatz kreativer Köpfe. Es verwundert also nicht, wenn neue Ideen zunächst an den Universitäten entwickelt, diskutiert und eventuell auch implementiert werden. In den USA wird dieser Effekt einer Art ,,Petrischale" besonders für soziale Bewegungen durch das Bild der Universität als ,,microcosm of American society" beschrieben.25 Das Phänomen PC macht da keine Ausnahme. Es reiht sich hierin wie zuvor schon kurz beschrieben in die Bewegungen ein, die, sofern nicht originär den Hochschulen entstammend, dann doch zumindest einen starken Rückhalt dort fanden: Bürgerrechte, Feminismus, Anti-Vietnam und andere.
Andererseits macht es doch zumindest einen Moment nachdenklich, dass sich PC inzwischen in einer ähnlich allgegenwärtigen Form an den Universitäten festsetzen konnte wie zuvor nur in den Grundzügen unumstrittene Veränderungen wie zum Beispiel die Gleichstellung von Mann und Frau. Und in der Tat lässt sich hier als These eine gewisse Besonderheit von PC formulieren: die Selbstbeschäftigung des universitären Bereichs mit dem von ihm selbst vorgegebenen Problemfeld ist hierbei wesentlich stärker als bei früheren Bewegungen. Während die Zeit der 68er Intellektuelle gegen eine autoritäre, kriegführende Regierung stellte, spaltet PC zunächst einmal das intellektuelle Lager recht sauber in zwei gleich starke Teile. So befasst sich dann auch die amerikanische Literatur zum Thema überwiegend mit den speziellen Auswirkungen von PC auf die Universität, weniger mit gesamtgesellschaftlichen Implikationen. Die universitären Curricula sind ein solches selbstreferenzielles Thema, auf sie soll nun eingegangen werden.

Das Grundpostulat der Verfechter einer Änderung der Lehrpläne lautet: in einer ethnisch und kulturell derart diversifizierten Gesellschaft wie der amerikanischen hätte eine Dominanz von westlichen, weißen, männlichen Autoren - von Aristoteles bis Hemingway - schlicht nichts zu suchen. Den einzelnen Kulturen müsse der gleiche Stellenwert zugeschrieben werden. So müssten in Politik zum Beispiel Kurse über Präsidenten, Kriege und Staatssysteme sogenannten ,,multikulturellen" Themen wie Ethnicity oder Women Studies entweder weichen oder höchstens gleichgestellt werden. Treffend illustiert diesen Effekt Viola Schenz mit einer kurzen Gegenüberstellung der Leselisten der gleichen Vorlesung in Politik (an der John Hopkins University, Baltimore): während 1990 von den Studenten noch offensichtliche Standardwerke mit Titeln wie ,,The Nature of American Politics" und ,,Politics, Parties and Pressure Groups" gelesen werden sollen, besteht die Liste für 1991 in kompletter Umkehrung praktisch ausschließlich aus Werken wie Martin Luther Kings ,,Why We Can′t Wait", Anti-Vietnam-Filmen wie ,,Platoon" und ,,No Vietnamese Ever Called Me Nigger" und Büchern zu Feminismus und AIDS26.
Diane Ravitch konstatiert hierzu, der herkömmliche Bildungskanon habe ausgedient, weil in ihm ,,race, religion, and ethnicity were presented as minor elements in the American saga; slavery was treated as an episode, immigration as a sidebar, and women were largely absent."27 Und Lawrence Levine fügt hinzu, ,,this curriculum did not merely teach Western ideas and culture, it taught the superiority of Western ideas and culture; it equated Western ways and thought with ,Civilization′ itself."28 Um den Studenten nicht weiter dieses verengte, althergebrachte Bild von Geschichte, Kunst und Kultur zu vermitteln, muss der Bildungskanon aufgebrochen oder ganz abgeschafft werden. Nur ein Ansatz des multiculturalism werde der Geschichte und dem Jetzt-Zustand der Gesellschaft gerecht und schärfe das Bewusstsein dafür, dass auch andere Kulturkreise jenseits des westlichen etwas Betrachtenswertes hervorgebracht haben.
Robert Hughes erklärt, Multikulturalismus stärke, richtig akzentuiert, die Fähigkeit von Menschen unterschiedlicher Herkunft, ,,koexistieren [zu] können, ohne Vorurteile oder Illusionen über die Grenzen von Rasse, Sprache, Geschlecht und Alter hinwegzublicken und [...] vor dem Hintergrund einer hybridisierten Gesellschaft zu denken."29

Es sei an dieser Stelle auch nochmals auf den Dekonstruktivismus als Fundament dieser Denkrichtung hingewiesen: da hinter dem eigentlichen Text in Freud′scher Tradition immer auch Weltanschauungen und Unbewusstes des Autors stecken, kann nämlich die westliche Literatur nicht gesondert betrachtet werden: sie ist ebenso patriarchalisch, elitistisch, männlich und weiß wie ihre Erzeuger. Die den jeweiligen Verfassern zugeschriebenen Attribute gehen also auf ihre Werke über, die somit als Teil eines multikulturellen Curriculums abgelehnt werden können.

3.3 Quotenprogramme
Wie zuvor schon angesprochen, wird in diesem Bereich von den PC-Befürwortern auf equality of result gepocht. Dass in den 60er Jahren über 90 Prozent der College-Studenten weiß waren, kann nur schwerlich als getreue Repräsentation der unterschiedlichen Befähigung der Gesellschaftsgruppen gewertet werden.30 Es ist ein Fakt, dass Afroamerikaner und Hispanics in weitaus geringerem Maße weiterführende Schulbildung genießen.
Das Gegenmittel: der Proporz. Genauer ist damit die institutionalisierte Gleichstellung von Minderheiten gemeint. Die Aufnahmebestimmungen der Universitäten müssten solange angepasst werden, bis alle Bevölkerungsschichten proportional in der Studierendenschaft abgebildet seien.
Durch gravierende Unterschiede in der Güte der Schulbildung, der finanziellen Ausstattung und des sozialen Umfelds eines Menschen sei es nämlich eben gerade kein ,,faires" System, die Aufnahme an einer Hochschule von einer Abschlussnote abhängig zu machen: Denn dass - wie schon erwähnt - ein Junge aus der Bronx schwerlich die gleichen Starthilfen ins Leben bekommt wie ein Mädchen aus einer Vorstand von Atlanta, ist relativ unstrittig. Die so wichtige Punktzahl des Scholastic Aptitude Tests (SAT), die das Ticket in die Universitäten darstellt, beruht nach Stanley Fish eben nicht nur auf ,,native ability or merit", sondern auf ,,accidents like birth, social position, access to libraries, the opportunity to take vacations or take tennis lessons."31

Allerdings scheinen diese Erkenntnisse doch nicht unstrittig genug, denn die Quoten werden von Kritikern als reverse discrimination bezeichnet, es werde also nun dort gegen weiße Studenten diskriminiert, wo vorher schwarze benachteiligt waren. Befürworter dagegen machen geltend, dass der Anteil von nicht-weißen Studenten insgesamt noch immer nur knapp 20 Prozent ausmache - und dass die Chancen, im Laufe der nächsten Lebensjahre ins Gefängnis zu wandern, für einen schwarzen Jugendlichen mehrfach höher seien, als eine Zulassung für eine Universität zu bekommen. Der Trend gehe also genau in die andere Richtung.
Andrew Hacker sieht jedenfalls Quotenprogramme, also affirmative action, als einzige wirklich erfolgversprechende Möglichkeit, den so Benachteiligten zu helfen: ,,My ultimate argument for affirmative action reflects my desire to see greater black representation at each level of our society."32

Zumindest einen prominenten und für manche auch recht unerwarteten Befürworter hat PC an dieser Stelle: den Supreme Court. In einer vielbeachteten Entscheidung im Juni 2003 wurde den Universitäten weiterhin erlaubt, im Rahmen von Quotenprogrammen Studenten aus bestimmten ethnisch-rassischen Gruppen Vorteile zu gewähren und damit die Klage zweier weißer (nicht zugelassener) Studentinnen abgelehnt.33

3.4 Fazit
Eine interessante Mischung ist es, die hier durch den Überbegriff ,,PC" zusammengehalten wird. Und doch lässt sich ein inhärentes Muster erkennen. Sprachkodizes müssen den zu einfach möglichen Missbrauch der Redefreiheit verhindern und die Sensibilität gegenüber unterdrückten Gruppen erhöhen. Geschieht das, geht zum Beispiel auch die Anzahl der ethnisch motivierten Gewalttaten nach unten. Eine weitere Facette der Sensibilisierung ist die Veränderung der Curricula, denn wer sich neben Shakespeare und Montesquieu auch Seminare über die Stereotypisierung von Frauen und Bücher über die Unterdrückung der Afro-Amerikaner zu Gemüte führt, entwickelt ein anderes Geschichtsverständnis - und insofern auch einen anderen Umgang mit seinen Mitmenschen - als jemand, der dies nicht getan hat. Der zu überwindende kulturell-literarische Eurozentrismus bringt auch das damit diskreditierte Leistungsprinzip mit sich: nicht länger soll ohne Ansehen der Person nach blanken Noten entschieden werden, denn das wäre nur gerecht, wenn tatsächlich alle Bewerber die gleichen Ausgangschancen hätten - es resultiert also ein deutliches ,,Ja" zu affirmative action.
Wie sich nun herauskristallisiert, gibt es also doch logische Zusammenhänge zwischen verschiedenen Bereichen der PC, die zuvor noch nicht deutlich zu erkennen waren.

4. ,,Political Correctness? No, thanks."
Nun soll also die andere Seite betrachtet werden: die der Kritiker der PC. Hier stellen sich ähnliche Probleme wie auf der Seite der Befürworter. Ein stereotyper Kritiker, der genauso gegen Sprachregeln wettert wie er Quotenprogramme ablehnt, ist nicht so einfach zu finden. Daher möchte ich an einigen Punkten aufzeigen, wo genau die Kritikpunkte im Einzelnen liegen - und so auch die von amerikanischen liberals spöttisch ,,Weihnachtsbaummethode" genannte Vorgehensweise vermeiden: ,,The PC thing is a kind of Christmas tree the right has chosen to hang on all the things it doesn′t like about higher education today".34
In der Tat ist es einfach, im Fundus der PC-Kritik eine Vielzahl unzulässiger Argumentationsstränge zu finden - Übertreibungen, Verquickungen unterschiedlicher Themenbereiche und Versuche, den Sachverhalt ins Lächerliche zu ziehen. Allzu oft erschöpft sich die Kritik an PC in der Aufzählung einzelner skurriler Auswüchse: von einer Vergewaltigungsklage gegen einen Professor, der ein Bild seiner Ehefrau im Badeanzug im Sprechzimmer aufgehängt hatte bis zu den Schülern, die den Blick durchs Mikroskop verweigerten, um die Privatsphäre der Bakterien zu schützen.35 Weiteres sei dem Leser trotz des zugegebenermaßen recht hohen Unterhaltungswertes an dieser Stelle erspart, denn inhaltlich bringt das nicht weiter.

4.1 Sprachzensur?
Der häufigste und oft auch am lautesten vorgebrachte Einwand gegen PC richtet sich gegen die in ihrem Fahrwasser eingeführten Sprachregelungen. Wie schon zuvor erwähnt, wird dafür meist das First Amendment herangezogen: die Rede- und Pressefreiheit dürfe unter keinen Umständen eingeschränkt werden, ist dort zu lesen. Eine Demokratie muss es in Auslegung dieses Grundsatzes auch zulassen, dass die abwegigsten, ja widerwärtigsten Gedanken geäußert werden können. Lynne Cheney - Frau des amtierenden Vizepräsidenten - begründet dies damit, dass es weit sinnvoller sei, auf solche abweichenden oder auch beleidigenden Aussprüche mit Diskussion und Überzeugung einzugehen als sie schlicht per Gesetz verbieten zu lassen.36 Nur wenn man sich mit dem Sachverhalt tatsächlich befasse, könne die Einstellung der Betreffenden geändert werden.
Wie Jonathan Rauch erklärt, sind ,,falsche" Ansichten absolut nötiger Teil des Diskurses: ,,This, finally, is why the Constitution protects the speech of Nazis, Communists, racists, sexists and homophobes: they may be right. And if they turn out to be wrong, it does us good to hear what they have to say so that we can criticize their beliefs and know why they are wrong."37

Wird abweichende Sprache verboten, bedeutet dies nicht, dass sie einfach verschwindet. Es ist vielmehr eine Art Verschiebung zu erwarten. So berichtet Paul Berman, am amerikanischen Campus sei es durchaus üblich, sich zwei verschiedene Sprachkataloge zuzulegen: ,,[...] many people in the academic setting have adopted the new habit of using one language in private and a different and euphemistic one in public"38. Die Sprache geht in den Untergrund, an der eigentlichen Mentalität der Sprecher ändert sich jedoch nichts.
Genau dies macht Robert Hughes als Hauptfehler der Sprachregelungen aus: sie wirke nicht gegen die eigentlichen Probleme, sondern erschöpfe sich im Umbenennen, einem ,,sprachlichen Lourdes des Eintauchens in die Wasser des Euphemismus".39 ,,Nimmt der Krüppel sein Bett und wandelt oder fühlt sich jemand wohler in seinem Rollstuhl, weil jemand [...] beschlossen hat, dass er von Amts wegen als ,physically challenged′ zu gelten hat?"40, fragt Hughes rhetorisch. Er lehnt weiterhin auch die These, speech codes beeinflussten die Geisteshaltung oder änderten den Umgang miteinander, kategorisch ab. Zum Beispiel seien Schwarze trotz der Worttransformation von colored people über negroes, blacks und African-Americans ,,für Millionen weißer Amerikaner [...] Nigger geblieben, von George Wallaces Zeiten bis zu den Tagen von David Duke."41 Namensänderungen hätten ,,nichts an den Fakten des Rassismus geändert, ebensowenig wie die feierliche Ausrufung von Fünf-Jahres-Plänen und großen Sprüngen nach vorn die gesellschaftspolitischen Bauchlandungen des Stalinismus und Maoismus in Triumphe verwandeln konnten."42
Wie George Orwell beobachtet hat, stehen schon nach kurzer Zeit Symbole, Begrifflichkeiten und Metaphern im Vordergrund der Diskussion, während die eigentlichen Inhalte vernachlässigt werden. Wer dagegen seine Sprache vereinfache, Euphemismen und Schönfärberei herausstreiche, sei ,,von den schlimmsten Torheiten der Orthodoxie befreit. Er kann sich nicht mehr in die erforderlichen Jargons flüchten, und wenn er eine dumme Bemerkung macht, wird ihre Dummheit nicht zu verbergen sein. [...] Die Sprache der Politik [...] zielt darauf ab, Lügen aufrichtig und Mord ehrenhaft klingen zu lassen und blauem Dunst den Anschein von Solidarität zu verleihen."43
Stellen Sprachregelungen also Euphemismen und Realitätsflucht dar? Ein Sekundant dieser Ansicht ist Nat Hentoff, der in den Bemühungen der Universitätsleitungen nicht mehr als PR sieht: ,,Because there have been racist or sexist or homophobic taunts, anonymus notes or graffiti, the administration feels it must do something. The cheapest, quickest way to demonstrate that it cares is to appear to suppress racist, sexist, homophobic speech."44 Verständlicherweise legt Hentoff die Betonung hier auf "to appear", denn seiner Meinung nach erschöpft sich genau darin das Bedürfnis zum Einschreiten seitens der Universität auch schon. Man könne gewissermaßen etwas vorweisen und zumindest nicht mehr der Untätigkeit angeklagt werden. Speech Codes scheinen eine Art Mittelweg darzustellen: mehr als Nichtstun, aber weniger als wirkliche Problembewältigung.

Gerade an der Universität sehen viele Kritiker besondere Gefahren von Sprachzensur. In einem Umfeld, das eigentlich durch akademische Meinungsfreiheit geprägt sein sollte und somit ein Feld für Diskussionen jeder Art abgeben müsste, werden die Studenten zur Übervorsichtigkeit erzogen. Man benehme sich, als sei ,,alles zwischenmenschliche Miteinander eine einzige entzündete Stelle, schwärend von Möglichkeiten, den anderen unwissentlich zu verletzen und von ihm verheerende Wunden zu empfangen."45 Das intellektuelle Klima freier zu machen, indem man jedem die Möglichkeit gebe, sich gut und sicher zu fühlen, hält Jonathan Rauch für einen Wunschtraum: Viele Wissenschaftler und Theoretiker könnten sich gegenseitig nicht leiden, was erbitterte Kritik und Schlagabtausche herbeiführe - und das schon seit Anbeginn der Wissenschaften. Bevorzuge man eine friedfertige und nicht-offensive Umgebung, gehöre man ins Kloster, nicht an eine Universität.46 Und Robert Hughes verweist auf die schwarze, weibliche Vertreterin eines Community College bei einer Podiumsdiskussion in Stanford, die zur Verblüffung des Publikums erklärte: ,,Eine harmonische, unaggressive Lehrumgebung ist gut und schön, aber unsere jungen Leute müssen auch die Möglichkeit erhalten, auf dem Campus erwachsen zu werden. Wir müssen ihnen beibringen, mit Situationen der Konfrontation fertig zu werden. Sie müssen lernen, mit sprachlicher Aggression, die sie beleidigt und verletzt, umzugehen."47

Paradoxerweise treffen die Regelungen in vielen Fällen auch nicht ihr eigentliches Ziel. Nat Hentoff berichtet, dass ,,at almost every college I′ve been, conservative students have their own newspaper, usually quite lively and fired by a muckraking glee at exposing ,politically correct′ follies on campus". Dagegen seien "liberal students and those who can be called politically moderate" am ehesten eingschüchtert von Sprachkodizes.48 Die weitergehende Sensibilisierung mache also gerade die Studenten übervorsichtig, denen schon zuvor ein vernünftiger Umgang mit dem Thema zuzutrauen gewesen wäre. Man trage also gewissermaßen Eulen nach Athen. Ein Student, der aber PC ablehnend gegenüber stehe, werde durch weitergehende Kodifizierung eher angespornt, die Regeln zu umgehen und sie durch öffentliche Kritik zu diskreditieren, statt sensibilisiert zu werden, so Hentoff.

Und in ähnlicher Umkehrung der erwarteten Reaktion lassen sich auch die ,,Opfergruppen" nicht immer so schützen, wie PC-Vertreter dies geplant haben. So bezeichnen sich Homosexuelle verstärkt selbst als ,,queer" und distanzieren sich so bewusst von einigen ihrer selbst ernannten Wortführer. Gleichermaßen ist die Verwendung des Begriffs ,,nigger" unter amerikanischen Schwarzen mehr als eine Mode - allein eine oberflächliche Suche im Internet fördert beispielsweise mehrere hundert Songs zu Tage, die ,,nigger" im Titel führen und beinahe ausnahmslos von schwarzen Interpreten stammen: ,,How To Rob A Nigga" (50 Cent), ,,Shame On A Nigger" (Wu Tang Clan), ,,Nigga What, Nigga Who" (Jay-Z) oder ,,Still A Nigga" (Eazy-E), von den unzähligen Verwendungen des Wortes in den Texten selbst ganz zu schweigen.49
Nat Hentoff berichtet in diesem Zusammenhang, ein schwarzer Student habe in einer Diskussion über die Einführung von Sprachregelungen dargelegt, es beleidige ihn, wenn man ihn als besonders schutzbedürftig einordne. Er sei schon zuvor mit Rassismus konfrontiert worden und habe nie das Bedürfnis gehabt, davonzulaufen oder jemandes Schutz zu suchen. Er könne mit Anfeindungen umgehen. Zu behaupten, alle Schwarzen müssten institutionalisiert vor rassistischer Sprache geschützt werden, da sie sonst keine Chance dagegen hätten, sei ,,more racist and insulting than to call me a nigger."50

Angesichts solcher Aussagen wird es verständlich, dass PC oftmals Verunsicherung hervorruft. Was gesagt werden darf und was nicht, scheint eben nicht so dem common sense zu folgen und kann trotz aller Bemühungen auch nicht in starre, einmal festgelegte Kodizes gefasst werden. Es wird klar, dass es auch von der betreffenden Person abhängt, was als unangebracht zu gelten hat - was beleidigt, kann das Opfer unter Umständen selbst definieren: kein wirklich zufriedenstellender Zustand, denn wie soll zwischen berechtigter Verletzung und vorgeschobener Ausrede unterschieden werden? Ist der Vorwurf des Rassismus an einen Diskussionsgegner eine scharfe Beobachtung oder ein rhetorischer smoke screen? Robert Hughes schreibt dazu mit spitzer Feder: ,,Verwundbarkeit bedeutet Unbesiegbarkeit. Leiden ist Macht."51

Missbrauch kommt wohl vor - allerdings mit Sicherheit nicht so oft, wie uns mancher konservative PC-Kritiker glauben lassen mag. Die Wahrheit liegt dazwischen.

4.2 Multikulti-Melange und Curriculums-Chaos?

Der Trend hin zu multiculturalism als Teil der PC ruft seitens der Kritiker ähnlich starke Emotionen hervor wie die Sprachregelungen: man ist mit Wortschöpfungen wie in der obigen Überschrift schnell zur Hand. Manch einer sieht gar - einmal mehr - den endgültigen Untergang des Abendlandes heraufziehen. Dass multikulturelle, erweiterte Curricula nötig sind und eine Bereicherung des universitären Lehrangebots darstellen, ist ein Fakt. Dass sie allerdings - wie die meisten guten Absichten - in Sackgassen führen können, ist ebenso Fakt.
Wie schon auf der Seite der PC-Befürworter dargestellt, bezieht sich multiculturalism zunächst einmal grundsätzlich auf eine Erweiterung der bisher üblichen - westlichen und ,,eurozentristischen" - Sichtweise um Elemente aller Kulturen und ethnischer Gruppen. Für unseren Kontext spezifischer formuliert stellt Multikulturalismus eine Reformierung universitärer Curricula und bis zu einem gewissen Grad auch studentischen Umgangs dar.

Zweifel können bereits an dem Basiskonzept des Multikulturalismus geäußert werden. Wie einige Kritiker zu bedenken geben, ist der Schritt von multiculturalism zu seperatism nicht weit: an die Stelle des traditionellen Bildes der Vereinigten Staaten als melting pot, in dem aus Menschen verschiedenster Herkunft, Religion, Ethnitizität und Ansicht im wahren Sinne des Wortes ,,Amerikaner" gemacht werden, trete ein Ethnizitätskult. Wo man zuvor also auf Integration und das Aufgehen in der Masse setzte, werde nun eine Nation von Minderheiten geschaffen, würden nun willkürlich festgelegte Splittergruppen konserviert.52
Der Historiker Arthur Schlesinger fragt sich zunächst, an welcher Stelle sich der Multikulturalismus - der ja ursprünglich den Eurozentrismus beseitigen sollte - in einen Ethnozentrismus eigener Spielart verwandelt. Statt tatsächlich alle Kulturen einzuschließen, werde mittlerweile ,,Anti-Eurozentrismus" betrieben, um westliche Stoffe aus dem universitären Kanon auszuschließen.53 Wo vorher Nicht-Westliches unter den Tisch gefallen war, passiere nun das Gleiche in der anderen Richtung. Damit werde nicht zuletzt auch die Idee der Bürgerrechtsbewegung - des Ursprungs der PC - ad absurdum geführt, die doch gerade die Integration der Schwarzen in die von Weißen geprägte Gesellschaft zum Ziel hatte, und nicht deren Absonderung, wie sie ja vorher schon bestanden hatte.
Am Beispiel schwarzer Studenten lässt sich dieses Paradoxon der Seperation aufzeigen: besonders in den letzten zehn Jahren seien beispielsweise Wohnheime, Verbindungen und Jahrbücher für afroamerikanische Studierende verstärkt aufgetreten. Dinesh D′Souza führt mehr als ein Dutzend Zusammenschlüsse Studierender auf, die sich ausschließlich für Schwarze allein an der Cornell University gebildet haben, darunter die ,,Black Biomedical and Technical Association", das ,,Cornell Black Women Support Network" und die ,,Minority Undergraduate Law Society".54 Würden weiße Studenten in dieser Hinsicht eine Gleichbehandlung fordern, also Wohnheime und Verbindungen ,,nur für Weiße", wäre ihnen ein Aufschrei der Entrüstung und des Rassismus sicher, so D′Souza.
Integration, so die Befürworter der Absetzung, würde zu sozialen Reibungen und Minderwertigkeitsgefühlen führen, während spezielle Programme für Minoritäten-Studierende deren Selbstbewusstsein stärkten. Dass dies jedoch zu ,,ethnischen Enklaven" und einer ,,Balkanisierung des Campus" führt, führt der Soziologe Troy Duster aus: Jeder der ethnischen Gruppen werfe der anderen vor, verschlossen zu sein und beklage sich gleichzeitig, selbst stereotypisiert zu werden. Der Trend zur schwarzen ,,Selbst-Ghettoisierung" reiche fürderhin über den Hochschulbereich hinaus, hin zum black nationalism.55

Dass Abschottung gegenüber Mitgliedern anderer ethnischer Gruppen fast zwangsläufig Ignoranz und Unverständnis nach sich ziehen muss, scheint in der Tat untergegangen zu sein. Nur wer wirklich miteinander lebt, kann Verständnis füreinander entwickeln.
Seperatismus sei, so Literaturkritiker Robert Hughes, im Grunde nichts anderes als ,,durch Wut und Verzweiflung zum Gären gebrachter Multikulturalismus", eine fehlgeleitete Denkweise also. Seperatismus leugne nicht nur den Wert eines kulturellen Dialoges, sondern sogar die Möglichkeit dazu - noch mehr: lehne einen Austausch egal welcher Art ganz ab.56 Schwarze und weiße Gedankenwelten werden als unvereinbar dargestellt, und als übergreifend gültig für alle Mitglieder der betreffenden Rasse. So mancher Autor spricht hier schon von ,,modernem Rassismus", der alte rassistische Argumente schlicht wiederhole und dabei paradoxerweise für die andere Seite nutzbar mache. Der Supreme-Court-Richter Clarence Thomas bringt es auf die griffige Formel: ,,Does it make sense to criticize somebody who says all blacks look alike, then praise those who say all blacks think alike?"57

Nur durch das Befassen mit schwarzen Autoren könne ein Student also mehr über seine Ursprünge erfahren und so auch Selbstbewusstsein entwickeln. Wie der Sozialkritiker Irving Howe meint, stellt erst dieser Versuch einer Sonderbehandlung eine tatsächliche Diskriminierung dar. Ein schwarzer Student könne mindestens ebenso viel Selbstbewusstsein entwickeln, wenn er sich mit Dostoyevsky und Malraux befasse, als wenn er auf schwarze Autoren beschränkt werde - und darüber hinaus sei ,,something grossly patronizing in the notion that while diverse literary studies are appropriate for middle-class white students, something else, racially determined, is required for the minorities."58 Die PC-Befürworter würden also das Messen mit zweierlei Maß auf genau die gleiche Art betreiben, wie sie es beim universitären Establishment kritisierten. Es ist ebenfalls fraglich, ob die Hauptaufgabe der Geisteswissenschaften der Aufbau von Selbstbewusstsein sein sollte. Dass es einen direkten linearen Zusammenhang zwischen universitärem Angebot und späterem Selbstbild gibt, kann vielleicht eher als ein Wunschtraum der Professoren bezeichnet werden.
Immer wieder stellen die PC-Kritiker in verschiedenen Zusammenhängen dieselben - in ihren Augen freilich rhetorischen - Fragen: Ist nicht die besondere Behandlung von Minoritäten nur eine Fortführung der Diskriminierung? Ist es für das Selbstbewusstsein eines Studenten nicht auch abträglich, wenn er tagtäglich sieht, dass speziell für ihn andere Maßstäbe angelegt werden, dass er offensichtlich als tatsächlich ,,anders" angesehen wird? Ist die Herkunft eines Autors aus der dritten Welt oder seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnisch-kulturellen Gruppe bereits ein Wert an sich, der rechtfertigt, dass sein Werk in einem Literaturseminar besprochen wird?

Die Frage, welche Bücher auf der universitären Leseliste bestimmter Seminare oder Sachbereiche stehen, wer also im canon vertreten ist und wer nicht, ist ein Lieblingsthema von PC-Kritikern und Multikulturalismus-Befürwortern. Der Standpunkt PC-kritischer Hardliner ist die schlichte Ablehnung einer Neuordnung der Curricula. Die USA seien schon immer abendländisch geprägt gewesen, daran solle sich nichts ändern. Abgesehen davon sei das Bildungsniveau vieler Studenten beklagendswert niedrig, weshalb man zunächst den eigenen Kulturkreis gut genug kennen müsse, bevor man sich anderen Themen zuwende.

Obgleich die obigen Argumente ihr Ziel nicht ganz verfehlen, bestreiten dennoch die meisten Kritiker nicht, dass die Bereicherung von Kanon und Curricula um multikulturelle Elemente zu begrüßen ist. Dinesh D′Souza möchte nicht-westliche Werke aufnehmen, solange sie sich in der Qualität mit den bisherigen messen können: ,,I′m in favor of a multicultural curriculum that emphasizes [...] the best that has been thought and said. Non-Westeners have produced great works that are worthy of study [...]"59 Nur dürfe nicht mit dem Dekonstruktivismus ein objektiver Maßstab für die Qualität der Werke negiert werden, damit man tatsächlich die herausragenden Punkte finde. Und Irving Howe gibt zu bedenken, dass zwar die ungleichen Lebenschancen von Mann und Frau im 16. Jahrhundert heute zu Recht kritisiert werden, dies aber Shakespeares Werke nicht weniger groß und wertvoll mache, und sie daher ihren Platz im Lehrplan nach wie vor verdient hätten.60
Robert Hughes dagegen hält die Aufregung um den Kanon für erstickend und unsinnig. Wer sich über ,,den Kanon" beschwere, gehe ,,von der Annahme aus, daß er Leser heranzieht, die nie mehr etwas anderes lesen werden. [...] Was die Kanonkritiker nicht zugeben wollen, ist, dass die meisten amerikanischen Studenten sowieso nicht viel lesen und die meisten von ihnen ohne Zwang nie ein Buch in die Hand nehmen würden."61 Die Schriftstellerin Katha Pollit sekundiert mit der Beobachtung, beide Seiten gingen scheinbar von der Annahme aus, dass ,,die Bücher auf der Liste die einzigen seien, die gelesen werden, und dass überhaupt nicht mehr gelesen würde, wenn man die Liste abschaffte. Lehrlektüre zu werden, ist die einzige Chance, die ein Buch hat; das betrachten alle Seiten als selbstverständlich."62

Es trifft also vielmehr zu, dass Bücher, die auf einer wie auch immer gearteten Liste stehen, mit einiger Wahrscheinlichkeit trotzdem nicht gelesen werden; und es trifft auch zu, dass Studenten sowieso die entsprechende Literatur lesen, wenn sie ein Themengebiet wirklich interessiert.

Besonders vehement werden mittlerweile einige Sonderformen des Multikulturalismus aufs Korn genommen, die mehr oder weniger offensichtlich die Grenze zwischen Wissenschaft und Geschichtsverfälschung übertreten und auch durch ihre teilweise grotesken Aussagen dem Ziel der PC mehr schaden denn nutzen. Das herausragende Beispiel ist hier der sogenannte ,,Afrozentrismus", dessen Titel in Parallele zum ,,Eurozentrismus" schon andeutet, dass hier versucht wird, praktisch die gesamte Menschheitsgeschichte auf afrikanische Wurzeln zu beziehen. Der plakative Grundgedanke: ,,We [die Afro-Amerikaner] have got to stop waiting for white folks to put us in their history books. [...] We′ve got to create Afrocentric academics and create our own history books."63 Die einstigen Sklaven, unterdrückt und ihrer Kultur beraubt, sollen nun Wiedergutmachung erfahren, indem besonderes Augenmerk auf ihre Vergangenheit gelegt wird - compensatory history nennen das einige Wissenschaftler. Wiederum setzt man darauf, dass der Stolz auf historische Leistungen zukünftige Generationen inspiriert und eventuelle Minderwertigkeitsgefühle überwinden hilft.
Bei genauerer Betrachtung allerdings ergeben sich erste Widersprüche. So ist zum Beispiel das traditionell gute universitäre Abschneiden chinesischer Studenten besonders in naturwissenschaftlichen Fächern nicht auf eine ,,sinozentristische" Einstellung gegenüber Zahlen zurückzuführen, sondern auf harte Arbeit. Und italo-amerikanische Schüler erzielen trotz Vorfahren wie Michelangelo, Da Vinci und Cicero keine herausragenden Ergebnisse, sondern haben im Gegenteil zum Beispiel im Staat New York die höchste Schulabbrecher-Rate.64

Arthur Schlesinger warnt, die Suche nach Selbstbestätigung könne zu zynischer Ausnutzung und Manipulation der Afro-Amerikaner einladen, da zu beobachten sei, wie der Afrozentrismus ausgenutzt werde, um Mythen und historische Halbwahrheiten über Afrika zu verbreiten.65 Und Benjamin Barber fügt hinzu, dass hier historische Gemeinschaften erfunden würden, ,,nur um den Bedarf nach einer modernen politischen Basis von Gruppenidentität zu decken" - eine Tendez, die schon Max Weber als ,,Mythos der gemeinsamen Abstammung" bezeichnete.66
So wird dann in der Tat von einer ganzen Reihe Autoren behauptet, die Wiege der gesamten westlichen Zivilisation liege in Afrika - beziehungsweise im alten Ägypten -, von wo später beispielsweise die Griechen die Philosophie und die Araber das mathematische Konzept der Null gestohlen hätten. Eine der vollständigsten Sammlungen zweifelhafter afrozentristischer Theorien stellen die sogenannten Portland African-American Baseline Essays dar. Diese Aufsatz-Sammlung wurde 1987 von der Schulbehörde in Portland, Oregon, als Lesematerial für alle Lehrer empfohlen und auch national zum Nachdruck angeboten. Die Baseline Essays erlangten ihre traurige Berühmtheit daher, weil in ihnen wie nie zuvor pseudowissenschaftliche Erkenntnisse mit zum Teil schlicht erfundenen ,,Fakten" vermischt als tatsächliches Unterrichtsmaterial angeboten wurden, wohl auch nicht zuletzt aus taktischem Kalkül der Politiker des Staates, die schwarze Wähler auf ihre Seite ziehen wollten.
In den Essays wird in afrozentristischer Tradition der afrikanische Kontinent nicht nur als Ursprung des Homo Sapiens betrachtet (eine in paläohistorischer Hinsicht zutreffende Aussage), sondern auch vielmehr als Ursprung allen Denkens. Um dies zu untermauern, wird in den Essays eine wilde Mischung angeblicher technologischer Errungenschaften präsentiert, die zum Teil so grotesk sind, dass sie die Grenze zur Satire sprengen: die Ägypter hätten die Batterie erfunden, indem sie Zitteraale im Nil beobachteten; sie hätten gegen 1000 v.Chr. Segelflugzeuge zur Erforschung und Erholung benutzt; die Tansanier schmolzen vor 1500 Jahren mit Hilfe der Halbleitertechnologie Stahl; Südamerika sei lange vor unserer Geschichtsschreibung von Afrika aus besiedelt worden67. Und auch die Aussage, die Ägypter seien ,,famous as masters of psi, precognition, psychokinesis, remote viewing and other undeveloped human capabilities"68 gewesen, darf nicht fehlen - auf dass die Nilbewohner auch überlegen genug wirken mögen. Robert Hughes bemerkt zu dieser Aufzählung beißend: ,,There is nothing to prove these tales, but nothing to disprove them either - a common condition of things that didn′t happen".69
So abstrus die von selbsternannten Wissenschaftlern zusammengetragenen Thesen auch klingen, sie schienen nicht abstrus genug zu sein, um als valides Material von einer amerikanischen Schulbehörde abgelehnt zu werden - ein Zeichen zwar eventuell für die mangelnde Qualität der Behörde, aber auch vielmehr eines für die Angst, etwas offensichtlich politisch Korrektem im Wege zu stehen.
Der Vollständigkeit halber erwähnt werden soll auch die mit dem Afrozentrismus eng zusammenhängende sogenannte ,,Melanin-Theorie", die behauptet, nur Schwarze seien - bedingt durch das zusätzliche Melanin in ihrer Haut - ,,ganze" Menschen und mit diversen speziellen Fähigkeiten ausgestattet, während alle anderen Rasse als unvollständig und unterlegen betrachtet werden. De Montanello schreibt zu diesen Gedankenkonstrukten, dass ,,the idea that people to be discriminated against are not fully human has always been used by racists as a justification for their actions. It is sad to see it being used by people who have suffered so much from racism themselves."70

4.3 Neue Diskriminierung durch Quote?

Auch gegen die dritte Stoßrichtung der PC, die Quotenprogramme im Rahmen der affirmative action, feuern die Kritiker aus allen Rohren. Das Kernargument ist hier die aus speziellen Förderprogrammen resultierende reverse discrimination - wo also bisher eine ethnische Gruppe benachteiligt wurde, wird diese nun (zumindest nach Meinung einiger Kritiker) übervorteilt und alle anderen Gruppen daher benachteiligt. Diskriminierung sei also nicht abgeschafft, sondern nur verlagert worden. Doch ist nicht auch eine Sonderbehandlung eine Art der Diskriminierung - werden also gleichsam beide Seiten diskriminiert?

Genauer betrachtet, scheint einiges für diese These zu sprechen. Denn nach der aktuellen Spielart der affirmative action werden einer Minorität ohne Ansehen der Person gewisse Charakteristika zugewiesen, die dann als schutzbedürftig eingestuft werden. Es sei allerdings in hohem Maße rassistisch, schreibt beispielsweise Richard Cohen, anzunehmen, jeder schwarze Bewerber müsse einen Bonus erhalten - denn Rasse sei schließlich kein Merkmal von Armut. Wer trotzdem daran festhalte, schwarze Kinder aus der Mittelschicht gesondert zu unterstützen, impliziere damit viel mehr, dass sie genetisch, also durch ihre Rasse bedingt, einem Nachteil gegenüber ihren weißen oder asiatischen Mitbewerbern unterlägen. Das ende in der Überlegung, Schwarze seien nunmal dümmer als Weiße und bräuchten einen Sonderweg.71
An einer Quote festzuhalten, kann Minderheiten sogar schaden. Dazu sei hier nur ein kurzes Beispiel eingeschoben: sollte man beanstanden, dass im Profi-Basketball eine überwältigende Zahl der Athleten schwarz ist und daher Weißen, Asiaten und Latinos (letztere sind praktisch überhaupt nicht vertreten) einen festgelegten Anteil zusichern? Sollte nur einer von zehn Spielern schwarz sein, weil Afroamerikaner 12,9 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen? Die Antwort wäre vermutlich nein, doch eine Quote abzulehnen, um dann die andere euphorisch zu begrüßen, entbehrt eines gewissen Reizes.
Dinesh D′Souza stellt unterstützend dazu fest, dass die Absicht, Rasse als einen entscheidenden Faktor auf allen Gebieten auszuschalten, heute wieder dahinter zurücktreten müsse, Rasse als allein ausschlaggebend anzusehen - dass dies von der anderen Seite betrieben werde, mache die Beobachtung nicht weniger wahr.72 Statt also auf Bewerbungsbögen die Rasse einfach ganz wegzulassen, wird sie nicht nur vermerkt, sondern auch ganz besonderes Gewicht darauf gelegt, ja sogar eventuell die Zulassung zur Hochschule davon abhängig gemacht.

Dass Begünstigungen auch für die Nutznießer neue Hindernisse sein können, wird angesichts einiger Beispiele klar. Arthur Schlesinger versucht dies exemplarisch an afroamerikanischen Universitäts-Dozenten zu zeigen. Würden diese mit der Begründung ,,only blacks can teach black history" besonders gefördert, könne das unangenehme Folgen haben: ,,The doctrine that only blacks can teach and write black history leads inexorably to the doctrine that blacks can teach and write only black history as well as to inescapable corollaries: Chinese must be restricted to Chinese history, women to women′s history and so on."73 Eine vermeidbare Selbstbeschränkung.

Auch die Studenten selbst könnten natürlich unter affirmative action leiden, schreibt Gerd Behrens. Er sieht die Sonderbehandlungen als ,,Krücken", ohne die der Geförderte unter Umständen nicht mehr weiterkomme: ,,[Affirmative Action] lehrt keine Fertigkeiten und flößt kein Selbstvertrauen ein. Sie drückt dem Hungrigen sozusagen einen Fisch in die Hand anstatt ihm das Angeln beizubringen, so daß er sich fortan selber ernähren kann."74 Zudem hafte dem Begünstigten der Makel an, minderwertig zu sein, gerade weil er Unterstützung von außen nötig habe: im Grunde könne man jede Sonderbehandlung als Diskriminierung auffassen, da der Betroffene dadurch von der gesellschaftlichen Mehrheit und Norm ausgeschlossen wird.
Und Viola Schenz beobachtet, dass die meisten amerikanischen Universitäten mit affirmative action sogar gegen ihre eigenen Grundsätze verstoßen. Eine Bevorzugung bestimmter ethnischer Gruppen, wie sie beispielsweise die University of Illinois in Chicago betreibt, stellt in der Tat einen klaren Bruch folgender Satzung dar: ,,The University of Illinois will not discriminate in its programs and activities against any person because of race, color, national origin, ancestry, religion, age, sex [...]. This non-discrimination policy applies to admissions, access to, treatment, and employment in university programs and activities."75

4.4 Fazit

Die PC-Gegner entzünden ein wahres Feuerwerk an Gegenargumenten und Beispielen. Nicht alles trifft allerdings - auch in diesem Lager wird gern und laut übers Ziel hinaus geschossen. In ihrem Kern ist die Kritik allerdings durchaus valide. Zum einen richtet sie sich - im Schutz des First Amendment - gegen Zensur: das Recht auf Meinungsfreiheit ist ein zu hohes Gut, als dass es zum Schutz vor Beleidigungen eingeschränkt werden sollte. Und wo soll die Trennlinie gezogen werden? Wer hat die Definitionshoheit und wer garantiert, dass Regeln nicht doch zur Zensur werden, zum Totschlag-Argument? Umbenennung stellt auch keinen Automatismus dar: ändert sich der Begriff, ändert sich eben nicht gleichzeitig der Umstand, den er bezeichnet, vor allem wenn man den schon immer existenten amerikanischen Hang zum Euphemismus mit einbezieht.
Zu viele Regeln schaden, so die einfache Aussage der Kritiker. Besonders an Universitäten, den Horten der Freigeister, hätten Sonderbehandlungen nichts zu suchen - daher auch die Ablehnung der Quotenprogramme. In Umkehrung der normalen Verhältnisse fordert hier also die politische Rechte Gleichbehandlung, denn die ,,unverschuldete" Zugehörigkeit zu einer Rasse soll keinen Bonus bedingen. Darunter hätten nicht nur die Studierenden zu leiden, die den Bonus nicht erhielten, sondern auch die Begünstigten selbst.
Zumindest ein Grundeinverständnis herrscht bei den PC-Gegnern bezüglich der Neugestaltung universitärer Curricula. Die Einbeziehung nicht-anglo-westlicher Werke sehen die meisten Kritiker mittlerweile als Notwendigkeit, denn wer wollte sich zum Beispiel in Philosophie der Werke Konfuzius′ oder in Literatur der Novellen Gabriel García Márquez′ berauben? Sie fordern allerdings insofern eine Auswahl, als dass in den Kanon (dessen Berechtigung und Wirksamkeit vielerorten sowieso angezweifelt wird) tatsächlich nur das beste, was der jeweilige Kulturkreis hervorgebracht habe, hinein solle. Folklore und historische Mythen, wie sie zum Beispiel der Afrozentrismus oft propagiert, hätten im Lehrplan nichts zu suchen.
Gibt es also im Streit um Political Correctness einen ,,Sieger"? Ist die Kritik treffend genug oder hat PC doch Recht? Dies soll die Schlussbetrachtung klären.

5. Schlussbetrachtung
Der Orkan der PC hat sich - zumindest dem Augenschein nach - gelegt. Wo zu Beginn der neunziger Jahre noch von beiden Seiten zum letzten Ritt der Gerechten im kommenden Kulturkampf aufgerufen wurde, hat sich die Lage mittlerweile wieder entspannt. Zum einen liegt das am Faktor Zeit: einige Bestrebungen der PC entpuppten sich schon nach kurzer Dauer als Sackgassen oder Querläufer. Gleichermaßen hat sich das Verständnis, gewisse universitäre Bereiche mehr zu öffnen, schließlich doch durchgesetzt, auch wenn affirmative action nach wie vor im Rampenlicht steht: das letzte Supreme-Court-Urteil zum Thema stammt vom Juni diesen Jahres. Und der Dekonstruktivismus, einst Gral der politisch Korrekten, wurde mehr oder weniger zu den Akten gelegt.

Einige PC-Kritiker haben sich dagegen selbst geoutet: als selbsternannte Krieger für den rechten Weg, ausgezogen, um Intellektuelle, Liberale und Kommunisten auf einem weiteren Feld zu bekämpfen. Auch PC geriet zwischen die amerikanischen Fronten von conservatives und liberals. Wer da tatsächlich einen wohlüberlegten Diskussionsbeitrag liefern wollte und wer im Gegensatz PC als willkommenen Anlass zu liberal bashing benutzen wollte, war nicht immer zu erkennen.
PC hat mittlerweile viele ihrer Kanten verloren, ihr Profil ist verwischt worden. Dass die Diskussion in einer Umgebung, die Verhalten tatsächlich reglementieren kann, also beispielsweise der Universität, besonders entbrennen kann, liegt auf der Hand. Dass allerdings von Ideen nicht mehr viel Konfliktpotenzial übrig bleibt, wenn sich einmal der Alltag einstellt, ist ebenso Fakt. So wird denn mittlerweile mit PC kokettiert: wer im ,,Politically Correct Clothing"-Laden in Washington, D.C. einkauft, umgibt sich nicht mit einer poltischen Philosophie, sagt nicht ausdrucksstark seine Meinung - sondern erwirbt ein Stück Mode.

Wo gecastete Musikgruppen immer zu fünft sein müssen, um die beiden Frauen, den Schwarzen, den Niedlichen und den Macho unterzubringen, da wird PC zum Phänomen des Popzeitalters, zum bloßen Abdecken von Käuferschichten.

Mit Orthodoxie und Rigidität geriet PC in eine Sackgasse und machte sich selbst zum Gespött. Nie zuvor versorgte, um mit Robert Hughes zu sprechen, eine soziale Bewegung ihre Gegner mit derart einladenden Zielen für Tiefschläge. PC schoss über ihr Ziel hinaus und machte mit Dogmatismus den Fehler anderer sozialer Bewegungen eins zu eins nach: was als Kampf gegen Vorurteil und Diskriminierung gedacht war, geriet selbst zur Diskriminierung. Denn zwischenmenschliches Verhalten durch starre Kodizes regeln zu wollen, sich Steintafeln zu suchen, muss scheitern.
Sind diese Auswüchse überwunden und die Turbulenzen der Diskussion abgeklungen, lässt sich das Augenmerk auf das außerordentlich positive Ziel der PC richten: die friedliche und respektvolle Koexistenz der komplexen Gesellschaft der Vereinigten Staaten. Denn noch immer werden Homosexuelle ausgegrenzt, Frauen benachteiligt und Schwarze beleidigt. Dies zu beseitigen, hat sich PC aufgemacht - und geriet zwischen die Fronten der Eiferer.
Das in Diskussionen gefürchtete Fazit: irgendwie haben dann doch beide Seiten Recht. Die Wahrheit liegt in der Mitte.

Literaturverzeichnis

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· Bealey, Frank: "The Blackwell Dictionary of Political Science", Oxford 1999
· Behrens, Michael / Von Rimscha, Robert: "Politische Korrektheit in Deutschland", Bonn 1995
· Berman, Paul (Hrsg.): "Debating P.C.", New York 1992
· D′Souza, Dinesh: "Illiberal Education", New York 1991
· De Montellano, Bernardo Ortiz: "Spreading Scientific Illiteracy Among Minorities", in: "Skeptical Inquirer" Fall Edition, Amherst 1991
· Hacker, Andrew: "Two Nations - Black and White, Seperate, Hostile, Unequal", New York 1992
· Hughes, Robert: "Nachrichten aus dem Jammertal", München 1994
· Lenz, Carsten / Ruchlak, Nicole: "Kleines Politik-Lexikon", München 2001
· Luithardt, Sven: persönlicher Briefwechsel mit dem Autor, August 2002 - Juni 2003
· McLean, Iain (Hrsg.): "Oxford Concise Dictionary of Politics", Oxford/New York 1996
· Newland, Christopher / Strickland, Ronald (Hrsg.): "After Political Correctness", Oxford/Boulder 1995
· Nohlen, Dieter (Hrsg.): "Kleines Lexikon der Politik", München 2001
· Rauch, Jonathan: "Kindly Inquisitors - New Attacks on Free Thought", Chicago 1993
· Schenz, Viola: "Political Correctness", Frankfurt/M. 1994
· Schlesinger, Arthur: "The Disuniting of America", New York 1992
· Schwanitz, Dietrich: "Bildung - Alles, was man wissen muss", Frankfurt/M. 1999
· Suber, Peter: "Unsimplifying Political Correctness", in: "The Earlhamite" Spring Edition, Richmond 1992
· Taylor, John: "Political Correctness", in: Encyclopedia Britannica 2003 DVD Edition, Chicago 2003
· Wetering, John E. Van De: "Political Correctness: The Insult and the Injury", in: "Vital Speeches of the Day" No. 21, Chicago 1991
· Wierlemann, Sabine: "Political Correctness in den USA und in Deutschland", Berlin 2002


1 Lenz / Ruchlak 2001, S. 170f.

2 McLean 1996, S. 379

3 Bealey 1999, S. 249f.

4 Bealey 1999, S. 249f.

5 Nohlen 2002, S. 655

6 Taylor 2003

7 Behrens / von Rimscha 1995, S. 12

8 Schwanitz 1999, S. 356

9 ebd., S. 357

10 Berman 1992, S. 6

11 Berman 1992, S. 7

12 James Taylor, zit. nach Schenz 1994, S. 100

13 Schenz 1994, S. 39ff.

14 Suber 1992

15 nachzulesen z.B. unter www.house.gov/constitution/amend.html

16 persönlicher Briefwechsel mit S. Luithardt, Austauschstudent an der Universität Denver

17 Fish in Berman 1992, S. 231

18 ebd.

19 Hughes 1994, S. 30

20 Hughes 1994, S. 30

21 Raymond Hunthausen, zit. nach Schenz 1994, S. 39

22 Schenz 1994, S. 42

23 ebd.

24 Wetering 1991, S. 102

25 Wierlemann 2002, S. 81

26 Schenz 1994, S. 34

27 Ravitch in Berman 1992, S. 272

28 L.W. Levine, zit. nach Wierlemann 2002, S. 81

29 Hughes 1994, S. 117

30 Schenz 1994, S. 49

31 Fish in Berman 1992, S. 239

32 Hacker 1992, S. 182

33 spiegel online, 23.06.2003: ,,US-Unis dürfen Minderheiten weiter fördern"

34 Lee A. Daniels, zit. nach Schenz 1994, S. 51

35 Hughes 1994, S. 48

36 Lynne Cheney, zit. nach Schenz 1994, S. 55

37 Rauch 1993, S. 60

38 Berman 1992, S. 2

39 Hughes 1994, S. 32

40 ebd., S. 33

41 ebd., S. 35

42 ebd., S. 35

43 George Orwell, Politics and the English Language, zit. nach Hughes 1994, S. 31

44 Hentoff in Berman 1992, S. 216

45 Hughes 1994, S. 31

46 Rauch 1993, S. 140

47 Hughes 1994, S. 42

48 Hentoff in Berman 1992, S. 219

49 z.B. www.google.de mit der Suchphrase ,,nigga lyrics"

50 Hentoff in Berman 1992, S. 219

51 Hughes 1994, S. 20

52 nachzulesen beispielhaft bei D′Souza 1991

53 Schlesinger 1992, S. 74

54 D′Souza 1991, S. 12

55 Schenz 1994, S. 61

56 Hughes 1994, S. 118

57 Clarence Thomas, zit. nach Schenz 1994, S. 81

58 Howe in Berman 1992, S. 169

59 D′Souza in Berman 1992, S. 31

60 Howe in Berman 1992, S. 165

61 Hughes 1994, S. 141 f.

62 Katha Pollit, zit. nach Hughes 1994, S. 143

63 Jakob Gordon, zit. nach Schlesinger 1992, S. 62

64 Taylor 2003

65 Schlesinger 1992, S. 71

66 Barber 2001, S. 174

67 Hughes 1994, S. 177ff.

68 zit. nach De Montellano 1991

69 Hughes 1994, S. 181

70 De Montellano 1991

71 Richard Cohen, zit. nach Schenz 1994, S. 63

72 D′Souza 1991, S. 51

73 Schlesinger 1992, S. 105

74 Gerd Behrens, zit. nach Schenz 1994, S. 62

75 Schenz 1994, S. 65


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