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SMS - Stille Post? SMS in unserer Kommunikationsgesellschaft!

Termpaper, 2003, 23 Pages
Author: Holm Hänsel
Subject: Design (Industry, Graphics, Fashion)

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 23
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V108940
ISBN (E-book): 978-3-640-07129-6

File size: 790 KB
Notes :
Arbeit über die Geschichte der SMS im Bezug auf deren sozialen Kommunikationswechsel. Kleiner Einstieg in die Geschichte des Handys und dessen Designveränderung aufgrund des Messagings.



Fulltext (computer-generated)

Stil e Post?!. . SMS in unserer

Kommunikationsgesel schaft!

Belegarbeit von Holm Hänsel, Mai 2004


Stille Post?! ­ in unser SMS-Gesellschaft

bile Telefone bewegen, dennoch sind gravierende Ver-

Design Horizont

änderungen in den letzten 5 Jahre zu verzeichnen. Sie

3

lassen erahnen, was die Zukunft des Mobilmessaging

bringen könnte. Momentan stehen Klapptelefone hoch

1991 erste Einfüh-

,,Piep piep ­ piep piep" ist der einzige auditive Hin-

im Kurs und markieren den Miniaturiersierungstrend

rung des D-Netzes in

Deutschland. Wegen des

weis, daß sie existiert, die SMS. Wie aus heiteren Him-

der Branche.

geringen Netzausbaus

mel fällt sie auf uns ein und verschweigt ihre mächti-

sind es halbe Basisstati-

ge Wirkung in der interpersonellen Verständigung. Sie

In dieser Arbeit werden die Entstehung und die Eigen-

onen. In der Gestaltung

hat seit ihrer Einführung vor rund 12 Jahren gezeigt,

schaften, insbesondere des rudimentären Textinter-

sind sie sehr auf ratio-

nale Aspekte ausgerich-

daß sie das Potential für gesellschaftliche Verände-

faces der SMS beleuchtet. Denn sie sind ein wichtiger

tet, fgl. groß, schwarz &

rungen hat. Es grenzt an ein Wunder, daß die Medi-

Ausgangspunkt, warum so und nicht anders bestimm-

schwer.

enwissenschaft ihr bisher kaum Beachtung schenkte.

te Folgeerscheinungen zutage traten. Hierbei wird die

1991

Nur Mobilfunkanbieter und technische Forschungsla-

SMS in der Jugendkultur betrachtet, mit ihrer Nutzung

bors zeigten sich an ihr interessiert, diese Dokumente

einer eigens entwickelten SMS-Sprache. Noch befin-

sind jedoch bis heute schwer zugänglich. Das Grosz

det sich die SMS-Kultur in einem Entwicklungsstadi-

der hier verwendeten Quellen ist demzufolge aus dem

um, der darin besteht, daß ihr voller Einfluß auf die

Internet entnommen, da sich, in einem solch tempo-

Gesellschaft nur partiell offenbar wird. Im Teil ,,SMS-

rären Medium neue Strömungen schnell verbreiten.

Wilderei" wird unter anderem das Liebesleben mit

Auch die Verwandtschaft mit der Email oder dem In-

den Aspekten der SMS zusammengebracht und deren

ternet-Chat gab wahrscheinlich den Ausschlag, daß

Auswirkungen angeführt. Zuletzt noch ein kurzer Aus-

neue Erkenntnisse vorrangig im Netz zu finden sind. In

blick auf die Veränderung unserer Kommunikation auf

der Sparte Email und Chat wurde schon viel geforscht.

Sprech- und Schreibgewohnheiten, wobei die Mobi-

Siemens Mobiltelefon

Interessant ist auch der Verlauf, in welchem Maße die

lität unserer Zeit mit dem Existentialismus von Sartre

SMS die mobile Kommunikation beeinflußte, da sie

eine Überschneidung aufzeigt.

eigentlich einen Übergang von der akustischen Kom-

Das Design veränderte

sich schnell zu kompak-

munikation unter Anwendung internettypischer Mittel

teren Geräten, als die

zum mobilen Instant-Messaging1 darstellt. Gemeint ist

Einstieg SMS ­ Short Message Service

Netzdichte im digitalen

das Mobil-Design über die Jahre hinweg. Noch hat sich

D-Netz stieg.

nicht entschieden in welche Richtungen sich die mo-

Uns Mobiltelefonierern nicht unbekannt, ist die faszi-


4

nierende Option, kleine Textnachrichten in der Länge

Zu Beginn des SMS-Versandes war die Eingabe der

von 160 Zeichen mit begrenztem Zeichensatz unter-

Buchstaben nur über die zeitraubende und umständ-

einander zu versenden. Die Kodierung mit nur 7-Bit ist

liche Selektion auf den Nummerntasten möglich. Da-

1992

von der Bandbreite des Servicefunkkanals2 abhängig

bei wurde jede der Zahlentasten mit 3-4 Buchstaben

und legt deshalb dessen Zeichenumfang fest. Die Aus-

in alphabetischer Reihenfolge belegt. Erst waren es

weitung des Standards auf 8 Bit für Binärdaten in

nur die Großbuchstaben, später folgte die Erweite-

Form von kleinen Logos, Bildern oder Klingel-

rung auf Kleinbuchstaben und Sondersymbole. Die

tönen ist ebenfalls vorhanden. Leider verkürzt

Zeichenvielfalt und Belegung der Tasten ist immer

sich dadurch die Nachrichtenlänge auf 140

an den Hersteller des Telefons gebunden. Eine sehr

International 3300

Zeichen. Nach Einführung des SMS-Services,

große Erleichterung brachte die Verwendung des

erweiterten die Handyhersteller ihre Telefone

T9-Standards (text on nine keys), der Firma Te-

Motorolas ,,Knochen"

um die Fähigkeit, gleich mehrere SMS als ,,Super-

gic. Diese wörterbuchbasierte Eingabetechnolo-

gab es auch für das

GSM-Netz. Er ist der

nachricht" zusammenhängend zu versenden. Ein

gie, kann ohne Selektion der einzelnen Buchstaben,

eigentliche Urtypus des

Beispiel wäre das NOKIA 3110.

durch einfaches Drücken der jeweiligen Buchstaben-

Handys und war schon

taste, die passenden Wörter während jeder Eingabe

1983 ein Erfolg. Gestal-

Lange Zeit war die SMS darauf begrenzt, Mitteilungen

selbst suchen. Die T9-Ergebnisse sind jedoch teilweise

tet wurde es von Rudy

Krolopp, der auch den

nur unter Mobiltelefonen auszutauschen. Inzwischen

korrekturbedürftig, da mehrere Resultate vorkommen

Klappmechanismus ent-

läßt sich der Dienst auch bei Festnetztelefonen mit

können. In der alten Eingabefolge ohne T9 wurden die

wickelte. Motorola hatte

Display anwenden. Der Versand einer SMS erfolgt nie

Tasten oft mehrmals gedrückt, um den gewünschten

dadurch die kleinsten

direkt an den Adressaten. Ein SMS-Center kümmert

Buchstaben zu erhalten. Für die Zeichenfolge ,,Hallo"

Handys und das schon

um 1994!

sich ähnlich einem Email-Verteiler im Netz, darum, daß

(5 Zeichen) sieht es auf meinem NOKIA wie folgt aus:

die Botschaft auch ankommt. Sobald sich das Empfän-

4 4 2 5 5 5 - Pause - 5 5 5 6 6 6 (12 Tastendrücke). Die

gerhandy in das Netz eingebucht hat, wird ihm die im

kurze Pause ist für das automatische Weiterrücken des

Center zwischengespeicherte Information zugesandt.

Cursors von Bedeutung, wenn der folgende Buchstabe

Ferner geht die SMS-Kommunikation ohne große Ver-

auch auf der gleichen Taste liegt. Mit Hilfe der Einga-

zögerung von statten. Der Vorteil des SMS-Verteilers

be-Erkennungssoftware kann ,,Hallo" mit allein fünf

ist, rund um den Globus Kurznachrichten senden zu

Tastenanschlägen und ohne Pausen erzeugt werden:

Motorola Designer

können und damit auch in fremden Netzen SMS zuzu-

4 2 5 5 6. Man führt jeden Buchstaben mit jeweils nur

Rudy Krolopp

stellen.

einem Anschlag aus, was die Schreibgeschwindigkeit


Das Design veränderte

enorm erhöht. Bei mehrfach möglichen Wörtern wird

ten normaler Ausführung, was bestimmt nur für geübte

sich anfänglich wenig.

das gewünschte Wort mit der [*]-Taste (bei NOKIA)

Nutzer zutrifft. Das erste mit T9 ausgelieferte Handy,

5

Der Urtypus schien ge-

ausgewählt. Zum Beispiel kann an Stelle des Wortes

war das schicke bunte 3210 von NOKIA um 1998.

funden und wur-

,,Hand" sowohl ,,Hanf" als auch ,,Game" stehen, da alle

de so immer

wieder

Wortbuchstaben die gemeinsamen Tasten 4 2 6 3 bele-

Aus dem Alltag sind SMS-Nachrichten eigentlich nicht

gen. SONY hatte zeitlang hierfür eine relativ intelligen-

mehr wegzudenken. Besonders unter jungen Mobil-

te Lösung für die Wortkorrektur parat. Denn mit dem

funkbenutzern ist die SMS ein bestimmendes Kommu-

patentierten Jog-Dial-Rädchen (z.B. beim SONY J70)

nikationsmittel und Realitätswerkzeug von Peer-Grup-

werden alle möglichen Lösungen angezeigt und ausge-

pen geworden. Das sind in sich geschlossene Cliquen

1994

wählt. Man kann erstaunlich schnell durch Menü- oder

mit eigenkodiertem Verständigung in ihrem Umfeld,

Ericsson PA388

Wortauswahl springen.

wie zum Beispiel zu anderen Jugendcliquen.

vervielfältigt. Ein er-

ster Schritt war die Ver-

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Texterkennung T9

Einige Mobil-Serviceanbieter, wie z.B. Jamba!, bau-

billigung der Handys,

schon, da bereits während des Schreibens permanent

en ihr Mobilfunkangebot über den Weg der SMS auf.

wodurch private Käufer-

Wortlösungen angeboten werden, die den Schreiber

Durch die Erweiterung der SMS auf eine Bill-Option,

schichten hinzukamen.

verwirren können. Die Akzeptanz ist auch deswegen

der Premium SMS5 (P-SMS) wird eine leicht zu mer-

Das hieß auch, daß mehr

Farbe ins Spiel kam.

eher gering. In einer Studie von Nicola Döring3 ge-

kende Kurznummer an besondere Telefontarifnum-

Bei Ericsson konnte die

brauchten lediglich 30 Prozent der Befragten

mern (z.B. 0190 in Deutschland) gesendet. Der

original schwarzen Ta-

T9.

gewünschte Inhalt (außer Logos, Sounds und

staturabdeckung erst-

Java-Anwendungen wie Spiele) wird dann di-

mals entfernt werden.

Im Falle eines fehlenden Wortes können die

rekt aufs Handy gesimst. Die Handy-Nummer

1996

vorinstallierten Wörterbücher ständig erwei-

ist in dieser SMS dabei, somit erreicht der ge-

tert werden und damit Wortschatz vergrö-

wünschte Inhalt auf jeden Fall den richtigen

ßern.

Absender.

Durch T9 stieg laut Umfragen bei Tegic, die Be-

nutzung der SMS im Laufe der Zeit um 60 Pro-

zent4. Auch sollen sich die Eingaben doppelt

so schnell möglich sein, verglichen mit Gerä-

Ericsson PA388 kostete

1996 1400DM


6

Über ungefähr 5 Jahre

Zur Entwicklung der SMS

6

sich für das System SMS zu erwärmen.

hinweg, seit Einführung

des D-Netzes, war die

Handygestaltung sehr

Den plötzlichen Durchbruch der SMS hätte niemand

Das Interessante dabei ist, daß die Benutzung der SMS

rational und robust. Der

in der Mobilbranche für möglich gehalten. 1992 wurde

unabhängig von den Mobiltarifen immer zugenommen

hohe Anschaffungspreis

in England erstmals eine SMS von einem PC an ein

hat. Der Preis für die SMS veränderte sich aber nie

machte es nur für besser

Handy verschickt. Dennoch brauchte es bis zum wirk-

merklich. Auch aus dem Grund, da das hohe Aufkom-

Verdienende erschwing-

lich und jene hatten einen

lichen SMS-Start zwei weitere Jahre, da der Service von

men von Botschaften die SMS-Verteiler stark überla-

geringen individuellen

den Betreibern bis dahin nicht unterstützt wurde. Erst

stete. Eine Verbilligung, die widerrum mehr Anwender

Anspruch ans Telefon.

mit seiner Einführung um 1994 wurde der Weg dafür

ins Spiel gebracht hätte, hätte zu einem unweigerlichen

Es war ein Werkzeug

geebnet. Als einziger Anbieter betrieb E-

Zusammenbruch des Netzes geführt.

und kein Imageprodukt!

plus diesen Versand in Deutschland ko-

In der Mobilfunkin-

stenlos.

Die Eingabe war ja zeitraubend.

dustrie herrschte Pio-

Auch die besondere Festlegung,

nierstimmung.

Viele

Anfänglich wußten nur Jugendliche

eine Nachricht auf nur 160 Zei-

Produzenten probierten

innovative Designs di-

das komplizierte Tasteninterface hin-

chen zu begrenzen, ergab schnell den

rekt am Markt aus.

reichend für sich zu nutzen. Die Wer-

Trend, in kurzen Tastenschlägen mög-

bung wechselte schnell von Anzügen

lichst viel Sinngehalt unterzubringen.

1996

tragenden Geschäftsleuten zu einer schrillen bunt

Eine wahre Sprach-Ökonomie brach los und ließ Bot-

pinken SMS-Reklame, was nichts anderes bedeutete,

schaften schnell zu einer Kürzelsprache wie: ,,C U L8er"

als daß die Jugend das Kommunikationssystem SMS

für ,, see you later" schrumpfen. Es gab den Nutzen

längst begriffen hatte und zu ihrer größten Benutzer-

einem das Gefühl, für eine ,,coole" und zeitsparende

gruppe aufgestiegen war.

Kommunikation einzustehen. Lediglich die schon von

der Email-Sprache und IRC7 her bekannten ,smiley′s

Die Herausforderung des umständliche Eingeben über

gaben dem abrupten Telegrammstil, eine emotionale-

Motorola StarTAC

Tasten auf dem Handy steigerte den Ansporn bei den

re Ausdrucksweise. Es war damit einfach, den eigenen

jungen Leuten und gab ihnen einige Zeit die Sicher-

Gemütszustand schnell mitzuteilen, was der Härte der

Motorola erinnert mit

seinem StarTac an alte

heit, in ihrem Austausch an Informationen unter sich

Akronyme gleichauf ein gutes Gegengewicht bot.

StarTrek-Zeiten.

Die

zu sein. Den Erwachsenen, Eltern oder Lehrern war die

Größe schrumpfte durch

Erlernbarriere des Eingabesystems noch zu hoch, um

1997 wurde in Deutschland das Prepaid-Handy ein-

den Klappmechanismus


auf ein Minimum. Das

geführt, aber erst 1999 erlebte es auf Grund extremer

erholt hatte und darüber hinaus weiter anstieg. Die-

Design verbindet Uto-

Preisnachlässe einen Boom, was der SMS einen erneu-

se ,Schonzeit′ hatte die SMS unter den Jugendlichen

7

pie und Fortschritt als

ten Aufschwung gab. Es war aber auch der Beginn des

zum wichtigsten Kommunikationsmittel etabliert und

die Zukunft der mobilen

wildbunten Handydesigns. Die damalige technische Si-

sie bei weitem rasanter verbreitet, als es wohl jemals

Kommunikation. Das

Problem bei sehr kleinen

tuation der Anbieter konnte die Nutzung der SMS nicht

möglich gewesen wäre. Es vollzog sich ein Wandel in

Geräten ist, daß man die

mit der vorausbezahlten Gesprächszeit abrechnen.

der Art der Kommunikation. Indem man sich vorher

Antenne weiterhin ex-

Deshalb verschwiegen die Mobilfunkbetreiber bewußt

aufgrund der Eingabeschwierigkeiten eher rationell

tern installieren mußte,

die Benutzung der SMS. Was man nicht beachtete war,

unterhielt, gab es nun simple Person-zu-Person-Nach-

was immer eine Behin-

derung beim Gebrauch

das das Internet eine Achillesferse für solche Informa-

richten, in denen man sich verriet, wie man ,sich gera-

war.

tionen darstellt. Jugendliche teilten sich untereinander

de fühlte′ oder ,was man gerade machte. Das Loslö-

schnell mit, wie man anstelle der teuren Gesprächsmi-

sen vom formalen, rationalen Umgang mit Nachrichten

nuten kostenlos über den Äther kommunizierte. Dar-

zur Ad-hoc-Verständigung war damit vollzogen. Dabei

1998

aufhin versuchten die Mobilfunkfirmen zusammen mit

entstand der kommerzielle SMS-Markt, wenn er auch

ihren Plattformanbietern, die von Prepaid-Telefonen

noch sehr klein war. Es handelte sich hier überwiegend

geschickten Nachrichten auszusortieren. Endlich nach

um Nachrichtendienste wie Wetterabfrage etc. Dabei

Monaten gelang es ihnen, diese SMS-Nachrichten über

verpaßten bestimmte Dienstleister ihre Angebote wei-

das Guthaben abzurechnen.

ter zu entwickeln, um spezielle Benutzergruppen für

sich zu gewinnen.

Dies teilte man bald darauf mit einer Massen-SMS-

Kampagne den Handy-Benutzern mit. Ab einem be-

Im Jahre 2000 setzte die SMS ihr erstaunliches Wachs-

SL 10 von Siemens

stimmten Datum sollten alle SMS′ nun zuverlässig

tum fort. Trotzdem versuchten die Mobilfunkbetreiber

Design hatte nun einen

von dem Guthaben abgezogen werden. Selbst E-plus

alles, um einen neuen Standard zu begründen. Es ver-

hohen Stellenwert. Sie-

brach den mobilen Gratis-Kommunikation-Glauben

lief sehr zäh, obwohl alles in Bewegung gesetzt wurde,

mens verwendet als ers-

am 1.11.1996. Mittlerweile hatte sich auch dort die SMS

die Aufmerksamkeit der Handybenutzer, auf das mo-

tes 4farbige Displays und

den Schiebemechanis-

als zu lukrative Sparte erwiesen.

bile Internet namens WAP zu lenken. Diejenigen, die

mus. Die Farbdisplays,

das Debakel überlebten, erkannten schließlich, daß die

einst für bessere Menü-

Wie erwartet brach der SMS-Versand plötzlich bis auf

SMS dem GSM8-Publikum sehr ans Herz gewachsen

führung

eingeführt,

40 Prozent zusammen. Bizarrerweise dauerte es aber

war. Darum versuchten nun, Werbe- und Servicefirmen

wurden aber ziemlich

schnell wieder aus dem

nicht lange bis sich die Rate wieder auf ihr altes Niveau

den SMS-Weg für ausschließlich kommerzielle Ange-

Programm genommen.


8

Grund war ihre schlech-

bote einzunehmen.

Handyhardware durch Freischaltung von Funktionen

te Sichtbarkeit bei Son-

oder von Formularen für Transaktionen.

nenlicht.

Unter anderem wurde der Handel mit Klingeltöne und

Im Laufe der Zeit senk-

Logos ein großer kommerzieller Erfolg.

2001 wurde alternativ zur EMS der WAP11-Push einge-

ten sich die Preise in Re-

führt. Sein eigentlicher Vorteil ist, ohne aktive Verbin-

gionen, wo eine private

1997 startete NOKIA den Smart-Messaging-Service

dung mit dem SMS-Center zu funktionieren, das heißt,

Käuferschicht den Zu-

griff auf Handys bekam.

der neben Text auch Binärdaten unterbringt und außer

es entstehen keine Gebühren durch Verbindungsauf-

Es hatte zur Folge, daß

den Logos und Bildern auch Klingeltöne überträgt. Der

bau. Er erscheint als Ticker im Bildschirm und kann

der Arbeitstiercharakter

Vorteil daran ist, daß dieser Service die Eigenschaft

automatisch beim Auswählen vom Handy nachgeladen

verschwand und eine

hat, nicht weitergeleitet zu werden. Die Smart-SMS exi-

werden.

,,Freizeitbenutzung"

die Monotonie des De-

stieren wie eine Art ,,Geister-SMS" im Gerät und kön-

signs durchbrach. Da

nen dort ausgeführt werden. Logos von Mobilfunkope-

Mit der hohen Geschwindigkeit, in der sich neue Stan-

der Markt einen lang-

ratoren werden auf dem gleichen Weg übermittelt. Den

dards in die Mobilfunkbranche einbrachten, wurde die

sameren Zyklus hatte,

kommerziellen Mobiltelefon-Inhaltsanbietern kam die-

eigentlich grenzenlose Kommunikation inkompatibler,

gab es eine florierende

Zubehörgemeinde von

ser Kopierschutz sehr gelegen, für den Fall, daß man

so daß bis heute die normalen SMS als ,,der Standard"

kommerziellen und pri-

seinen Klingelton oder das Logo (gegen Bezahlung)

gilt.

vaten Anbietern, die die

per SMS ändern wollte. Die oben genannte P-SMS

Individualisierung des

baut auch auf diesen Service auf. Da sich aber NOKIA

Der SMS-Markt wurde inzwischen sehr lukrativ, so daß

Handys vorantrieben.

viel Zeit ließ, diesen Standard offenzulegen, entwik-

die SMS-Anbieter mit den Netzwerkbetreibern um eine

Es ging meistens um

kelte die 3PGG9 einen ebenbürtigen Standard namens

zufriedenstellende Gewinnbeteiligung stritten. Eine Ei-

äußerliche Veränderun-

EMS10, der erstmals 2001 von ALCATEL, ERICSSON,

nigung kam nicht schnell genug zustande, weswegen

gen, um z.B. Verwechs-

MOTOROLA und SIEMENS unterstützt wurde. EMS

die Anbieter neue Systeme, wie das interaktive Sprach-

lungen von Telefonen zu

vermeiden.

beinhaltet im großen und Ganzen die Möglichkeiten

portal (IVR)12, für ihre Telefontransaktionen entwickel-

des Smart-Messaging von NOKIA und wurde zudem

ten. So wurde der SMS-Umsatz an den Netzwerkbetrei-

Mit der Freizeitnutzung

noch um viele weitere Gimmicks bereichert. Solche

bern vorbeigeleitet. Der SMS-Million-Euro-Markt war

wurde das Handy zeit-

sind z.B. animierte Bilder in Graustufen oder Farbe.

damit erschlossen und Zeitungen und Magazine waren

gleich zum Statussym-

bol erhoben. Dennoch

Auch Klingeltöne konnten schon vordefiniert werden

voll mit Anzeigen für Logo- und Kingelton-Downloads.

war nicht jeder bereit,

und ohne gesendet zu werden auf dem Handy spielen.

Mittlerweile werden laut einigen Internetberichten ins-

so ein teures Gerät zu

Eine überaus wichtige Neuerung war die Steuerung der

gesamt 60 Prozent des Mobilfunkmarktes anhand von

besitzen, besonders die


Tarife zu bezahlen.

SMS-Diensten erwirtschaftet und das zu einem nicht

Streaming16 vorgesehen. Das heißt auch, daß die Nach-

geringen Teil aus dem jüngeren Benutzerpool.

richt nicht mehr auf dem Handy gespeichert wird. Die

9

Der Ruf nach einem

Adressierung an den Empfänger kann sowohl über

Handy ohne Tarifbin-

Dessen ungeachtet ist man immer vorsichtig am Auf-

die Email-Adresse als auch über die Telefonnummer

dung wurde immer lau-

ter. 1997 war es soweit.

weichen der Limitierung des SMS-Mehrwerthandels ge-

erfolgen, was dem schon im Internet belastenden

Der Prepaidgedanke er-

wesen. Man wollte weitere Mehrwertdienste schaffen.

Spaming17 mit Emails eine Ausbreitung garantiert.

reichte Marktreife.

iMode13 aus Japan ist einer davon und entstand parallel

zum WAP-Internetstandard in Europa. Das ist ein Da-

Typische Anwendungen der MMS werden ,,echte"

1994

tendienst, der sich wenig mit dem SMS-Versand be-

Emails sein, Picture-Postkarten (z.B. aus dem Urlaub)

faßt. Neben eigenen Seiten kann dieser speziell Inhalte

und hochwertige Info-Services. Während heute die

aus dem Internet konvertieren und darstellen. WAP ist

Fußball-Ergebnisse einfach als Text kommen, kann

in dieser Hinsicht eingeschränkter und baut seine ei-

bei einer MMS das Tor des Tages als Video-Clip mit-

genen Seiten mit der speziellen Programmiersprache

geliefert werden. Beim Wetter wäre es eine animier-

WML auf. Interessant am iMode ist, daß dort die SMS

te Wetter-Karte und der Cartoon des Tages wäre für

durch die Email ersetzt wird. Allgemein hat die SMS in

verschiedene Auflösungen abrufbar. Um festzustel-

Japan kaum noch eine Existenz. iMode ist durch die

len was die Fähigkeiten des Zielgerätes sind, wird vor

gewaltige Marktdominanz von NTT DoCoMo14 in Japan

der Übertragung, eine Abfrage gestartet. Das Ergeb-

Nokia PT-11 von e-plus

zur bedeutendsten Kommunikationsplattform aufge-

nis hat Einfluß darauf, ob dementsprechend interpo-

stiegen, die mit eigenen iMode-Seiten 40 Millionen

liert oder reduziert wird. Zudem erhält die Nummer

Benutzer bedient. Seine starke Verbreitung ist auf den

eine Profil-Visitenkarte beim Operator für die näch-

E-plus ließ bei Eintritt

in den Markt spezielle

hohen Qualitätsstandard der Inhalte zurückzuführen.

sten MMS′. Bei einem Wechsel ins Fremdnetz, wird

Telefone mit einem blau-

dieses Profil mit übertragen, damit der Anwender un-

grünen Gehäuse ferti-

Die aktuelle Stufe der SMS dürfte nun die MMS15

abhängig von Netz und Terminal immer seine bevor-

gen, um für Aufmerk-

sein die erstmals 2001 öffentlich gezeigt wurde. Hier

zugte, personalisierte Umgebung vorfindet, angepaßt

samkeit zu werben.

können in einer Nachricht, wie aus dem Internet ge-

an die Fähigkeiten des gerade benutzten Handys.

wohnt, außer Text auch Grafiken, Sound und Videos

übertragen werden. Letztere erzeugen jedoch zu gro-

Video- und Bilddaten, die das Hauptargument für die

ße Datenmengen, die das empfangende Gerät nicht

MMS. Sie werden nicht als Dateianhang behandelt, son-

vollständig speichern kann. Für diesen Fall ist ein

dern in der Art eines Diavortrag eingebunden. Jedes Teil-


10

Interessanterweise wur-

bild kann optional einen Text, eine Grafik und einen Sound

anzutreffen, nur sind die Spezifikationen des SMS-

den schon lange vor den

enthalten. Je nach Handy kann der Nachrichtentext bis

Standards vom jeweiligen Funknetz individuell be-

ersten farbigen Handys

(ab 1993) in Schaufens-

zu 1.000 Zeichen umfassen. Dies sollte also eine preis-

einflußt. Beispielsweise ist der Versand in den unter-

tern bunte Dummys

lich günstigere Alternative für SMS-Dauertexter sein.

schiedlichen Funknetzen der USA sehr schwierig, da

(nichtfunktionierende

die existierenden Netze inkompatibel zueinander sind.

Muster) gezeigt. Findi-

Prinzipiell ist MMS unabhängig vom Trägermedium,

Dort werden Nachrichten unter Umständen versehrt

ge Benutzer wechselten

ihre Gehäuseschalen mit

sie kann durchaus auch per Bluetooth18 oder Wireless

oder gar nicht empfangen21. Durch die Festlegung des

denen der Muster oder

LAN19 transportiert werden.

SMS-Standards 1991 in den GSM-Netzen von Europa,

ließen sie gar in Air-

wurde in ein einheitlicher Standard geschaffen, der 160

brush-Werkstätten ge-

Nicht auszuschließen ist, daß sich die MMS erst mit

Zeichen umfaßt und weltweit verstanden wird, auch

stalten.

Einführung des neuen Funkstandards UMTS20 richtig

bei Transmissionen in Fremdnetze. Berichten zufolge

entfalten wird. Gegenwärtig ist für die Übertragung ei-

hat die SMS in Amerika mit dem 11. September 200122

ner MMS sehr viel Kapazität notwendig, denn die Sen-

einen wahren Aufschwung erlebt. Vielen der Betroffe-

dekapazität von Videodaten ist für das jetzige Funk-

nen half die SMS, ihren Verwandten und Bekannten ein

netz zu klein. Große Datenpakete würden lange zum

Lebenszeichen zu senden.

Übertragen brauchen und die Telefonrechnung deut-

lich erhöhen.

Daß die SMS eine große populäre Verbreitung genießt,

geht mit der Benutzung von Mobiltelefonen einher. In

MM war der ursprünglich festgelegte Name für diesen

Deutschland hatte im Jahre 2000 bereits jeder minde-

Nachrichtstandard. Etabliert hat sich als Bezeichnung,

stens zweite oder 49 Prozent der 12- bis 19-Jährigen

induviduelles Airbrush-Covers

jedoch MMS. Es darf sicher mit Spannung erwartet

ein Handy, wie eine Untersuchung des Medienpädago-

werden, wie sich der MMS-Begriff umgangssprach-

gischen Forschungsverbundes Südwest ergab. 1999

lich entwickeln wird. Vielleicht wird in naher Zukunft

hatten erst 14 Prozent der Befragten ein Mobiltelefon

,,gmmst" oder ,,geehmst".

besessen. Schon unter den 12- bis 13-Jährigen ist laut

Studie jeder Vierte mit einem Handy ausgestattet, bei

den 18- bis 19-Jährigen sind es bereits 65 Prozent. We-

Zur Verbreitung des Short-Message-Services

sentlich höher sind die Zahlen in Japan, wo schon 98

Prozent der Collegestudenten ein Mobiltelefon besit-

Die SMS ist durch die GSM-Festlegung fast weltweit

zen. Zur Zeit liegt die Handydichte in der deutschen


Bevölkerung23 bei über 70 Prozent. Immerhin werden

die allgemeine Kommunikation involviert sein, ja bis-

hier monatlich mehr als eine Milliarde SMS verschickt24,

weilen gar zu Außenseitern werden: ,,Verantwortungs-

1999

11

jährlich um die 20 Milliarden. In anderen europäischen

bewußte Eltern sollten eigentlich jedem ihrer Kinder

Ländern, wie Italien, Frankreich oder England sind es

ab zwölf Jahren ein Mobiltelefon geben, damit es unter

die Hälfte. Allein in England ist der Gebrauch der SMS

Gleichaltrigen nicht isoliert wird." In Norwegen gibt es

innerhalb weniger Monate von 50 auf 560 Millionen

derzeit soziale Untersuchungen, die das das Handy be-

SMS pro Monat explodiert. Analog dazu kann man

gleitende Mobbing unter Jugendlichen erforschen.

davon ausgehen, daß die Benut-

zung von Nachrichtendiensten wei-

Attraktiv an der SMS ist wohl, daß

ter steigen wird, die aber von der

sie jederzeit und an jedem Ort zu

Häufigkeit her der interpersonellen

senden und empfangen ist und

SMS hinterherhinken wird. Vor al-

das sie nicht so aufdringlich wirkt

lem in Schulen wird im Unterricht

wie ein Anruf, vielleicht aber auch,

Das Philips savvy war ein wahrer

Hit im Prepaidgeschäft

viel ,,gesimst". Sich über Lehrer,

weil man sich so kurz halten muß.

Freunde und Schule auszulassen,

Die Schreibkultur, die mit der des

1999 fielen die Preise für

bringt Freude in den Schulalltag.

Internet-Chats verwandt ist, wird

Prepaid-Handys drama-

Der Unterrichtsstoff ist nicht mehr

vermutlich durch SMS weiter ver-

tisch. Hersteller reagier-

ten mit poppig bunten

von Interesse. In Österreich werden bisweilen die Mo-

stärkt. Es besteht also der Zwang und die Erwartung,

Gerätedesigns auf die

biltelefone für 24 Stunden eingezogen, falls der Schüler

sich kurz auszudrücken, jeden unnötigen Schnörkel

aufkommende jugendli-

im Unterricht dadurch negativ auffällt. Die Folgen sind

wegzulassen und alles auf das Notwendigste zu ver-

che Käuferschicht.

bizarre Verhaltensweisen der Schüler, die alles tun, um

kürzen. Im Grunde greift damit der ,,aufmerksamkeits-

Die

Prepaidtelefonie

wieder an ihr geliebtes Telefon zu gelangen25.

ökonomisch" gesteuerte Trend in den Medien (schnel-

war auch ein Auslöser

le Schnitte oder kurze Sätze: der Werbespot, die Poin-

der SMS-Vielschreibe-

Ein dänischer Pädagoge26 vertrat die Ansicht, es be-

te im Witz, das Statement), also die Beschleunigung,

rei. Dabei galt es, mit

dürfe zwar nicht eines Grundrechts auf ein Handy für

noch stärker als bislang auf die Kommunikation über.

dem kryptischen Num-

merntasteninterface alle

Jugendliche, wohl aber der Verpflichtung von Eltern ge-

Gefordert wird eine hohe Geistesgegenwart, schnel-

Nachrichten zu schrei-

genüber ihren Kindern, diese ab einem gewissen Alter

le Reaktion, präziser Ausdruck und sensomotorische

ben, daß von den Han-

damit auszustatten. Ohne Handy würden Kinder an

Kompetenz beim eigentlich ziemlich umständlichen

dyproduzenten auf ver-

Ansehen bei ihren Mitschülern verlieren, nicht mehr in

Eintippen. Grammatik und Rechtschreibung werden

schiedene Art und Wei-

sen gelöst wurde.


12

Nokia entwarf eine wah-

ebenso wie traditionelle Kommunikationsforme(l)n

SMS - nur eine Jugendkulturkomponente?

re Businessmaschine,

durch den individuellen Schreibstil als wenig wichtig

den Communicator, der

sowohl Handy als auch

erachtet.

Die SMS ist sehr facettenreich in die Jugendkultur ein-

Mikrocomputer ist. Die

gedrungen. Insbesondere Bevölkerungsgruppen, die

Symbiose von Telefon

Die SMS ist ein gutes Beispiel dafür, wie in unserer Ge-

im Zusammenhang mit geringerer formaler Bildung

und Schreibmaschine

sellschaft kleine Kommunikationsrevolutionen durch

von der Online-Kommunikation tendenziell ausge-

läßt darauf schließen,

daß die Handy-Mobilität

einfachen Kunden und Durchschnittspersonen losge-

schlossen sind (z.B. Haupt- und Berufsschüler) nutzen

in Zukunft nicht mehr

treten werden.

verstärkt die Mobil-Kommunikation. Das Handy ist

nur Telefonieren bieten

nicht nur ein portables Telefon, sondern durch seine

wird.

Die Betreiber werden natürlich immer wieder versuchen

verschiedenen Dienste und Applikationsmöglichkeiten

ihre Autorität mit neuen Kommunikationsstandards zu

ein persönliches Mehrzweck-Medium, das sich unter-

beleben. Dabei könnte die SMS aber zeigen, daß jede

schiedlichsten Nutzerinteressen anpaßt.

Generation ihr eigenes Kommunikationsmittel sucht

Mit einem vielfältigen Angebot von Jugendtelefonen

und nicht wahllos zu neuen Medien greift. Das ist ver-

war NOKIA Vorreiter. Diese Handys sind explizit mit

gleichbar mit dem ,iMode′ in Japan, der aber nicht frei

Spaßfunktionen und Messagetechnologien ausgestat-

ist wie die SMS, sondern dessen Inhalte immer noch

tet, die zu ihren heutigen Beliebtheitsgrad beigetragen

1996

von der Übermacht des japanischen Telefonriesen

haben

NTT kontrolliert werden. Es bleibt ein Katz-und-Maus-

Spiel, daß einerseits ein Kommunikationsmedium für

Warum das so ist? Zum einem gibt es die Vorgeschich-

seine Verbreitung immer nach kostenfreien Freiräumen

te der Prepaid-Handys, die erstmals für Jugendliche er-

sucht, andererseits aber die Infrastruktur so kostenin-

schwinglich waren und auch eine Kostenkontrolle der

tensiv ist, daß man aus Furcht gleich wieder eine Ge-

Telefonrechnung besser zuließen. Immerhin ist es in

Nokia Communicator 9000

winnmaximierung in kürzester Zeit anvisiert. Im Endef-

manchen Ländern wesentlich billiger, eine Textnach-

fekt wird der Nutzer über deren Zukunft entscheiden.

richt zu verfassen als jedesmal anzurufen. Insbeson-

Ericsson ging einen

Vielleicht wäre Mikro-Payment27 die Lösung für die

dere Eltern werden sich gefreut haben. Das löste aber

Schritt weiter und inte-

Entstehung eines langsamen und ausgewogenen tech-

auch den Handyboom aus, der einen mobilen Pionier-

grierte zusätzlich einen

Touchscreen; mit dem

nischen Kommunikationsmittels.

geist entfachte. Ähnlich dem Status eines Autos sind

erstmals handschrift-

Mobiltelefone als Katalysatoren einer neuen Freiheit

liche Notizen als SMS

zu verstehen und geben besonders jüngeren Gruppen

versendet werden konn-


ten. Ein Wunsch nach

das Gefühl, nicht mehr von ihren Eltern belauscht zu

sten Nutzern der Platz, um das Nötigste zu vermitteln.

völliger Unabhängigkeit

werden. Ich denke, besonders in der pubertären Pha-

13

vom Büro wurde wahr.

se spielt das Handy die Rolle des benötigten Mediums

In einem britischen Untersuchungsbericht29 von Xer-

Der Mensch, als ortsun-

zum Austauschen eigener Erfahrungen und Gefühle mit

ox gaben Jugendliche an, daß es wesentlich schneller

gebundener

Nomade

mit dem Anspruch bes-

Gleichaltrigen. Die SMS reduziert die Scheu des Ken-

geht, eine Nachricht zu senden, als die Person für ein:

ser zu kommunizieren

nenlernens anderer Personen weitgehend. Absprachen

,,where are you?", was letztendlich als ,,w r u?" über den

und freier arbeiten zu

werden ohne große Vorrede getroffen und es fällt nicht

Äther geht, anzurufen. Werden neben der Kosten als

können. Logischerweise

schwer, sich einer unbekannten Person zumindest

weitere Grund das zeitungebundene Kommunizieren

wäre der nächste Schritt

Multimedia. Dazu fehl-

virtuell zu nähern. Die Angst des Versagens, wie bei

genannt, da man hier selbst nachts noch schreiben

te aber noch eine Infra-

einer vis-à-vis Situation, wird völlig reduziert und die

kann, ohne den ganzen Haushalt durch Telefonklin-

struktur. Immerhin war

Kommunikation ungezwungener. Außerdem macht es

geln zu wecken. Enge Freunde und Verliebte nannten

im Jahre 1996 das Wort

Spaß, eine Person anzufunken, die man noch nie vor-

das als besonderen Vorzug. Interessanterweise wer-

,,Multimedia" schon in

aller Munde, obwohl da-

her gesehen hat. Auch im Liebesleben wird das Handy

den SMS nicht nur zum Schmieden von Plänen oder

von wenig verwirklicht

ein immer einflußreicheres Kommunikationsmittel.

Verabredungen benutzt. Mit kurzen Updates, was man

werden konnte.

gerade tut oder wo man ist, werden Ad-hoc Koordi-

,,Nichts als Stille am anderen Ende der Leitung", so be-

nationen ausgeführt. Normalerweise fragt man nicht

schreiben britische Mädchen ihre Telefonate mit ihren

,,willst du mit einen Film ansehen gehen?" sondern

männlichen Kommunikationspartnern. Diesen nämlich

man schreibt, daß man bereits vorm Kino steht oder zu

scheint es schwer zu fallen, sich am Telefon auszudrük-

spät erscheint. Diese Art von ,,Hyperkommunikation"

ken. So verstecken sie sich bevorzugt hinter beinah

gibt der SMS den Vorzug, da sie unmittelbar ist und zu

monologisch anmutenden Kurznachrichten.

jedem Ort vordringt. Somit bleibt man im ständigen

Kontakt mit allen und gibt dauernde Überprüfungen,

Um alles in 160 Zeichen zu packen, werden alle ausfüh-

Korrekturen sowie Umstandsänderungen an. Ein re-

Ericsson PA380 ein Vorgänger

renden Formulierungen reduziert auf den prägnanten

gelrechtes ,,Kontaktpolling" mit Freunden ist Realität.

des heutigen P800

Sinninhalt. Folglich werden alle ausführenden Äuße-

Man befindet sich physisch allein, adressiert aber da-

rungen beschnitten oder gar weggelassen. Eine soge-

bei eine ganze Gemeinschaft im gleichen Moment mit

nannte Wort- und Sprachökonomie setzt ein, die die

dem jetzigen Tun.

Syntax einer Sprache stark komprimiert. Bei Vielschrei-

bern ist das zwar ein Mangel, dennoch reicht den mei-

Dabei sind Jugendliche so schnell im Schreiben von


14

Der V100 von Moto-

Abkürzungen, daß viele auch auf T9 verzichten, denn

wendung dieser Schreibweisen geht auf die anfängliche

rola hatte eine jüngere

er kann leider nur sehr eingeschränkt mit Akronymen

erschwerte Texteingabe der SMS zu Beginn zurück.

Zielgruppe im Visier

und wollte deren SMS-

umgehen. Das Annehmen der Herausforderung, sich

Das erleichternde T9 war erst gegen 1995 eingeführt

Kult mit einem kleinen

zum Beherrscher über ein schlechtes Textinterface

worden. NOKIA war mit seinen 3210 und 7110 einer der

Handy-Schreibcomputer

aufzuschwingen, ist ein wichtiger Bestandteil der ju-

ersten Hersteller, die Worterkennung nutzten.

unterstützen. Die 160

gendlichen SMS-Community! Manche Teenager texten

Zeichen konnten kom-

plett auf dem Bildschirm

ihre Nachrichten sogar in der Hosentasche, ohne nur

Akronyme vereinfachen Sätze und sparen Zeichen. Bei-

dargestellt werden. Lei-

einmal hinzusehen. Sie verzichten auf Telefongesprä-

spiel: ,,mak" für den ganzen Satz ,,Ich muß aufs Klo!".

der hatte das Gerät trotz

che, es sei denn, es ist etwas mit der Familie zu be-

Sie bestehen jeweils aus den ersten, zweiten bis dritten

des guten Gedankens

sprechen. Sie wollen schnell und kurz informiert sein

Anfangsbuchstaben und werden in Buchstabierweise

viele Designfehler. Es

war zu groß und mußte

und nicht lange mit Personen sprechen, da sie sogar

bzw. dem Silbenlaut ausgeschrieben. Zum Beispiel,

der Meinung sind; wenn sie jemanden anrufen, be-

wenn ,,Komme 20 Minuten später" zu ,,KO20MISPÄ" auf

deute das sofort, daß etwas Wichtiges zu bereden sei.

dem Display mutiert. Es gibt Zeichenfolgen, die aus der

Telefongespräche kosten mehr und man läuft Gefahr,

privaten Brief- und Zettel-Kommunikation (z.B. ILD =

2000

außerhalb des ,,aktuellen Themas" zu reden.

Ich liebe dich) oder aus der Geschäftskorrespondenz

(wie: MfG = Mit freundlichen Grüßen) oder aus der

Junge Menschen pflegen viele Bekanntschaften und

Online-Kommunikation ( FAQ = Frequently asked que-

haben nicht selten internationale Freundschaften. Der

stions; CU = see you) übernommen wurden. In die-

Preis der SMS bleibt gleich, egal wo sich der Empfänger

sen Sammlungen finden sich eine Reihe von genuinen

Motorola V100

gerade aufhält. Auch falls Familienmitglieder sich im

Akronymen (z.B. DUWIPA = Du wirst Papa), darunter

Ausland befinden, ist es meist die billigste Möglichkeit

gleichlautende Buchstabier- und Lautwert-Akronyme

zum Schreiben abge-

sich ,,hallo" zu sagen.

(SMS = Servus mein Schatz; WASA: Warte auf schnelle

setzt werden. Die Tasten

waren zu dicht gelegt.

Antwort), die der jugendlichen Wortkultur exakt ent-

Telefonieren konnte man

sprechen und durch regional gefärbte Ausdrücke ver-

nur mittels des Kopfhö-

Die SMS-Kommunikationssprache

stärkt werden.

rers, dabei mußte auch

das Schreiben unterbro-

chen werden.

Akronyme, Abkürzungen und das Weglassen von Wör-

Verwendete Emoticons (@-->-- = Blume) und Inflektive

tern, wie z.B. Anreden, sind wichtige Bestandteile die-

(*grmml*) sollen auf vereinfachende Weise die Stim-

ser Ausdrucksweise. Der eigentliche Grund für die Ver-

mung und den Tonfall eines Gesprächs nachbilden.


Nokia griff eine ande-

Manche Worte werden sogar nur auf den Anfangsbuch-

fühlsäußerung ,,LOL" sowohl für ,,laughing out loud" als

re Strategie für besse-

staben reduziert (i = ich). Beliebt sind auch Wortzu-

auch für ,,Lots of Love" stehen.

15

res Messaging auf und

sammenziehungen wie ,,funzen" (für ,,funktionieren")

formte einen pad-artigen

oder ,,wattmeinste" (für ,,Was meinst du?"). Zahlenzei-

Die Charakteristik der deutschen Sprache erschwert

Handykörper. Trotz des

etwas ungewöhnlichen

chen werden ebenfalls zur Sprachvereinfachung einge-

den Gebrauch von Akronymen und zwingt teilweise

Designs war die Eingabe

setzt. Ein Beispiel ist: N8 = night = Nacht.

zur Aneignung englischer Lautakronyme. Dazu kommt,

dass die Anglisierung unserer Sprache im allgemeinen

Akronyme, Inflektive und Emoticons als Kommunika-

als ,,cool" gilt. Ein schöner Zufall sind Wörter wie ,,N8"

tioncodes, werden vorrangig in der privaten Kommu-

(Nacht). Sie lassen sich durch ähnlichen Lautsinn auch

nikation oder der Peer-Gruppenkommunikation ver-

gut im Deutschen gebrauchen. Auch die Zahl 2, die für

wendet. Durch verstärkte Verwendung derartiger SMS-

,,zwei" oder ,,uns" steht, wird sinnübertragend verwen-

Kurzformen könnten erfahrene SMS-Nutzer Botschaf-

det. Amüsant ist dabei das kreative Spiel, da erstens

Nokia 5510

ten erzeugen, die nur von ihresgleichen verstanden

eine Anzahl als Zahl möglich ist, aber noch eine weite-

werden. Diese kollektive Identitätsfunktion von Ver-

re Metaebene entsteht, wo die Nummer als Pronomen-

von Text sehr effizient.

ständigungswissen ist abzugrenzen von sprachlichen

ersatz eintritt.

Mit einem Radio und

Manifestationen anderer Gruppenidentitäten sowie

Musikplayer ausgestattet

gab er dem Benutzer ein

persönlicher Identitäten in der SMS-Kommunikation.

Jugendmagazine, wie BRAVO oder Girl! halten ihre

,,Unterwegs"-Gefühl.

Die Verwendung solcher Kommunikationscodes kann

Leserschaft, neben ganzseitigen SMS-Angeboten mit

dazu verwendet werden, sich selbst in ein Licht moder-

dem regelmäßigen Abdruck der neuesten SMS-Wort-

ner, jugendlicher Spontanität zu rücken und sich den

schöpfungen auf dem Laufenden. Sie sind mit ihren

Anschein von Innovativität und ,,coolness" zu geben.

populärem Einfluß auf die Jugend Förderer der Verbrei-

tung einer regelrechten Jugend-Insider-Sprache. Die

Nicht jeder beherrscht die Sprache der Kommunikati-

BRAVO gibt mit einem SMS-Voting30 den Lesern die

onscodes perfekt und so sind Rückfragen unvermeid-

Chance, ihre Meinung zu bekannten Personen, Filmse-

lich. Diese Rückfragen und die folgenden Begriffs- bzw.

rien aber auch Produktmarken zu äußern. Diese Infor-

Codeerklärungen stellen einen nicht unbedeutenden

mationen binden sie in ihre Marktforschung ein, was

Teil des SMS-Verkehr dar. Auf Grund der Mehrdeutig-

sowohl Einfluß auf die Auswahl der Themen als auch

keit einiger dieser Codes kommt es oft zu Verwirrun-

auf Werbeinhalte der kommenden Ausgaben hat.

gen und Mißverständnissen. So kann die abstrakte Ge-


16

Nokia Chefdesigner

Frank Nuovo

Frank Nuovo hat viele

der markanten Handyde-

signs bei Nokia geschaf-

fen und ist mit Modellen

wie dem legendären 2110

bekannt geworden.

Beispiel eines SMS-Textes in 93 Zeichen.

Nokia 2110 wurde

auch von Fremdfir-

men gefertigt.


Übrigens, Sony entwarf

Durch eine langsame Stabilisierung dieser Sprache er-

Eingabe solcher Kurzformen verzichteten. So wurde

mit seinen Telefonen der

scheinen nun nach und nach auch einige Bücher, die

ein Bruch in dem Kommunikationsausdruck der SMS

17

J-Reihe die ersten, die

die gängigsten Akronyme, Abkürzungen, Smileys und

sichtbar. Solche, die weiterhin das zeitraubende Ein-

polyphone Töne spiel-

Inflektive zum Nachschlagen bereithalten. Um brauch-

tippen der Kurzformeln bevorzugen, haben es mit den

bar zu bleiben, müßten diese jedoch ständig aktuali-

neueren Versionen von T9 leichter.

2000

siert werden.

Meiner Meinung nach wird sich über kurz oder lang

Auf der linken Seite ist ein Beispiel aus einen

dieser Kurzformkult verändern, allerdings, wenn

Lehrbuch für Deutsch vom IZMF3 zu sehen,

die Zeitersparnis von Belang ist. Durch die Auf-

indem Kommunikationsformeln aufgelistet

hebung der Begrenzung auf 160 Zeichen seit

werden, die für Außenstehende nicht entkodi-

der Einführung der MMS geht die Tendenz be-

fizierbar wären.

reits zu längeren Mitteilungen. Nach Ansicht

Sony J70

der Hersteller wird die Kommunikation über In-

ten und Geräusche auf-

Bei Arbeitsbeziehungen und Arbeitsteams,

stant Messaging die Zukunft bestimmen. Diese

nahmen. Ein überaus

im Rahmen der Organisationskommunikation

Zukunft wird aus der Massenverbreitung der

wichtiges Detail für das

oder der Öffentlichkeitsarbeit kommen SMS

bereits existierenden Handys bestehen, deren

kommende multimedi-

ale Messaging MMS.

und auch spezifische Kürzel seltener zum Ein-

Tastaturen nicht mehr kleine Zahlentasten tra-

satz. Beispiele sind die Pressearbeit per Kurz-

gen, sondern im Touchscreen mit Schrifterken-

Hier brachte Ericsson,

mitteilung oder das Ausweisen von Veranstal-

nung verschwinden. In diese Richtung weist das

als einer der Pioniere der

tungsorten per SMS-Verteiler. Auf der Ebene

Modell SONY-ERICSSON P800 und bald auch

Mobilfunkgeschichte,

das erste Farbildschirm-

der Massenkommunikation, bei der institutio-

NOKIA 7700.

Handy mit aktiven 256

nalisierte Kommunikatoren ein verstreutes Publikum

Farben heraus. Damit

ansprechen, werden Kurzmitteilungen in Form von

Durch die handschriftliche Eingabe der Nachrichten

war es möglich, kleine

SMS-Werbung, SMS-Spielen und SMS-Informations-

über den Bildschirm wird man sich in die vergange-

Fotos darzustellen. Eine

optionale Kamera wurde

diensten (z.B. Fußballergebnisse, Börsenkurse, Tages-

nen Zeiten der Briefkorrespondenz versetzt fühlen und

angesteckt und konnte

horoskope) eingesetzt.

man kann darauf hoffen, vielleicht eines Tages nach

Bilder zu einen anderen

einem piep-piep piep-piep an Stelle eines ,,TUS" ein

Handy senden.

Das T9 kannte zu Beginn kaum Akronyme, so daß die

,,

Mit Ihnen möchte ich tanzen unter Sternen die Nacht

" vor-

Schreiber diese entweder nicht benutzten oder auf die

zufinden.


18

SMS-Wilderei

Tränen, Wut und Trauer bleiben weit entfernt und man

2001

muß sich nicht mit solchen Gefühlen auseinanderset-

Es ist schon wahr, die Allerreichbarkeit mit einer SMS

zen. Psychologen beobachten, daß Jugendliche immer

wildert in unserem öffentlichen Leben und kontami-

weniger in der Lage sind, negative Emotionen auszu-

niert mittlerweile all unsere wichtigen und intimen Be-

halten und angemessen mit ihnen umzugehen. Wozu

reiche. Eine Vielzahl von Diensten, welche mit Liebe

auch, wenn man Probleme per Tastendruck erledigen

oder Partnerschaft zu tun haben, wird hier nun auf der

kann?

Basis der SMS entwickelt.

Dating wird auch öffentlich ausgetragen, wie man seit

Die angebliche oder tatsächliche Sprachverarmung ist

kuzem auf Musiksendern wie VIVA oder MTV sieht. Der

jedoch nur ein Aspekt der SMS-Kommunikation. Be-

SMS-Chat geht auf Laufbändern über den Bildschirm.

denklicher sind die Auswirkungen auf das Kontaktver-

Es werden Flirts, Grüße, Verabredungen, sogar Orakel-

Ericsson T68

halten. Betrachten wir kurz das Tastaturkürzel: LEIA

sprüche öffentlich gemacht, was den Sender gut ver-

Das Besondere bei die-

­ Liebling, es ist aus. Vier Buchstaben, in wenigen Se-

dienen läßt. Denn jede der eingesendeten Mitteilungen

sem Gerät ist die Ein-

kunden getippt und gesendet, in Sekundenbruchteilen

wird über die Premium-SMS abgerechnet. Solche ,,Lie-

führung eines Joysticks

gelesen. Vier Buchstaben, die eine vielleicht monate-

besdienste" zielen besonders auf Jugendliche.

der die Menüführung

wesentlich simpler ge-

lange Beziehung beenden ­ SMS macht′s möglich. Ein-

Das Magazin Bravo kuppelt sogar erfolgreich über

staltete.

fach so, ohne Streß und anstrengende Aussprachen.

SMS32. Es werden Hinweise gegeben, welches Verhal-

Noch vor ein paar Jahren galt es in solchen Fällen schon

ten wohl das beste, ist einen anderen Menschen übers

Große Aufladung der

als rücksichtslos und feige, seinen (Ex)partner am Tele-

Telefon kennenzulernen. Ein vorgeschalteter Mailer

Mobiltelefone mit Funk-

tionen und Zusatz-

fon abzufertigen und sich vor einem persönlichen Ge-

übernimmt die Arbeit als Kuppler, dem man seine Te-

software, wie Email-,

spräch zu drücken. Heute hat SMS diese Feigheit ge-

lefonummer und die des geliebten Menschen anver-

Foto-, Agendaprogram-

sellschaftsfähig gemacht. Unangenehmen Empfindun-

trauen muß. Wenn dann dieser auf Anfrage des Mailers

men etc., machten eine

gen auszuweichen, liegt in der Natur des Menschen.

zurücksimst, gibt es den ersten Kontakt. Es stellt sich

schnellere

Auswahl-

schnittstelle nötig. Stan-

Besonders Jugendliche neigen dazu, nach bequemen

die Frage, ob Jugendliche bereits nur noch mit Hilfe

dardbildformate

aus

Auswegen zu suchen, und SMS ist eine sehr indirekte,

des Handys miteinander Kontakt aufnehmen. Die SMS,

dem Internet konnten

ja geradezu anonym wirkende Art der Kommunikati-

so unverbindlich wie sie ist, reiht sich leicht zwischen

hier erstmals geladen

on. Die 160 Zeichen auf einem Handy-Display machen

Anruf und Email und gewährleistet die gleiche zügige

und angezeigt werden.

Leider ist das Display

es leicht, sich von seinem Gegenüber zu distanzieren.

Kommunikation. Der Provider O2 bitet mittlerweile ei-


noch viel zu klein, um es

nen Handyfinder33 an, mit dem man ein Handy über-

die Verkehrsicherheit in ein solches Spiel integrieren.

wirklich zur Mediastati-

all orten kann. Dies ermöglicht z.B. Ehepartnern eine

19

on auszubauen. Es war

dedektivartige Aufspürung des anderen, egal wo dieser

Noch kurz eine Geschichte aus China35, wo der Film

nur eine logische Folge,

sich befindet.

,,Cell Phone" für Furore sorgte. Ein Fernsehmoderator

daß bald Telefone mit

wesentlich größeren und

mit 4 Handys betrügt seine Ehefrau mit 2 Geliebten,

feinauflösenderen Bild-

Dieser Service wird auch zum SMS-Gaming genutzt.

für die er jeweils ein Handy hat. Das Letzte benutzt

schirmen erschienen.

Die schwedische Firma Its Alive fand, daß man mit ei-

er für den Beruf. Der Film war ein Erfolg, entfessel-

ner einfachen Idee eine Stadt in den Ausnahmezustand

te aber auch eine Lawine von Mißtrauen dem eignen

Mit dem Zusammen-

schluß von Sony und

versetzen kann, und brachte letztes Jahr mit einem

Partner gegenüber. Das ging soweit, daß eine Frau be-

Ericsson zu SonyErics-

breiten Grinsen ein Spiel für alle Handy-User auf den

wußtlos ins Krankenhaus eingeliefert wurde, nachdem

son um 2002 bildeten

Markt. Counter-Strike für SMSler möchte man meinen.

ihr Freund sie bei dem Versuch, eine SMS auf seinem

die beiden eine wahre

Doch Botfighter ist mehr und verspricht, anders als der

Handy zu lesen, mit seinem Mobiltelefon schlug.

Multimediaallianz.

Lovegety34, auch außerhalb des Herstellerlan-

Es entstand eine Sym-

des Verbreitung zu finden. Im Internet stellt

Nennenswert ist ein Wettbewerb des Uzzi-

biose aus Handcomputer

man sich einen Kampf-Roboter zusammen

Verlages, der jährlich auf die besten SMS-

und Telefon, der Filme,

und schlüpft dann in seine Haut. Nach Zu-

Gedichte36 oder Geschichten ausgeschrie-

Musik, Präsentations-

formate und Schrifter-

fallsprinzip scannt das Handy die Umgebung

ben wird. Dies könnte man als Gegenargu-

kennung beherrscht.

nach anderen Mitspielern. Jederzeit könnte

ment zum ständigen Vorwurf der Sprach-

man folgende SMS erhalten: ,,Achtung! Spieler Cyber-

verarmung durch SMS sehen. Es gilt, eine besonders

2002

Bot ist 500 Meter nördlich des De Haen Platzes." Also

sinnreiche 160-Zeichen-Poetik zu den unterschiedlich-

schnell nach Norden rennen.

sten Kategorien wie Liebe, Krimi etc. zu tippen. Den

Erst wenn der gegnerische Cyber-Bot innerhalb von

2. Platz mit 84 Zeichen gewann 2002 ein Haiku37 zum

500 Metern Reichweite ist, kann man endlich Patro-

Thema Lust:

nen-SMS losfeuern. Das Duell dauert solange, bis der

Schwächere aufgibt. Der Sieger erhält einen Bonus

Telefonsex

und kann seinem Roboter bessere Waffen mit größerer

Reichweite kaufen. Es soll schon vorgekommen sein,

Nullhundertneunzig

das Auto wild an den Rand der Stadt rasten, um auf

von Null auf Nullachtfünfzehn

Der P800 läutet die Zukunft

das Ziel die SMS abzuschießen. Vielleicht sollte man

in Nullkommanix

der Goßdisplayhandys ein.


20 Was mit dem Commu-

Genug gesimst!

che nämlich würde Zeit verschwendet, die wir sonst

nicator von Nokia als

für mehrere Nachrichtenwechsel hätten nutzen kön-

ungebundenes Büro be-

gonnen hatte, brachte

Die SMS-Kultur der ,,Mini-Botschaften" ist ein relativ

nen. Der Mensch lebt schneller, das heißt auch, daß er

der P800 erstmals zum

junges Phänomen. Es bleibt zu hoffen, daß sie sich

schneller kommunizieren muß. Das Mobiltelefon wird

Höhepunkt. Neben Ar-

nicht in der falschen Richtung verselbständigt ­ denn

ihm dabei helfen!

beitsaufgaben wie der

wie wird eine SMS den persönlichen Kontakt zu ande-

Verwaltung,

Planung

und

Nachrichtenver-

ren Menschen ersetzen können?

Was wird aber dann aus der Sprache? Sie wird nicht

sand, der auch ein zen-

aufhören zu existieren und auch wir, soviel ist klar,

traler Teil des Designs

Abgesehen davon ist die Auswirkung der SMS-Kom-

werden nicht zu kleinen stummen Wesen mutieren, die

ist, kann nun auch pri-

munikation kaum erforscht. Es gibt zwar eine Menge

nur noch wild Eingaben ins Telefon hacken. Nein, un-

vate Unterhaltung für

unterwegs geboten wer-

Analysen zur Verbreitung und technologischer Nut-

sere eigentliche Sprachkompetenz wird sich erst in der

den.

zung, aber im Hinblick auf die sozialen Veränderungen

Perfektionierung der Spracherkennung von Geräten

läßt sich bisher wenig sagen. Der Untergang der deut-

zeigen, die wir geschaffen haben um uns endlich auf

Er ist vollkommen auf

schen Sprache durch das Handy, der in den Medien

unseren geernteten Früchten auszuruhen. Wir werden

den mobilen Informa-

tionsalltag ausgebaut,

immer wieder prophezeit wird, scheint oft übertrieben.

zwar lautlos (hauptsächliche Kommunikationsweise)

das heißt, wir werden

Kommunikationscodes werden nur von wenigen, ho-

aber nicht sprachlos in unsere Zukunft leben und soll-

mehr lesend durch die

mogenen Gruppen verwendet und nicht von bis zu 60

ten wir uns doch einmal unterhalten wollen, dann die-

Welt schreiten und man

Prozent38 aller Handynutzer, wie teilweise behauptet

nen die implantierten Spracherkennungschips unserer

könnte dabei meinen,

daß ein Zuhause nicht

wird. Der Trend zum Botschaftenschreiben wird sich

Gehirne dem besseren Verständnis des Zusammen-

mehr nötig sei. Natürlich

weiter fortsetzen bzw. verstärken. Neue Standards

hangs. ,,Haustür-Login lost, Universum gestoppt! mb!"

sind wir damit von einer

der SMS werden dazu beitragen, daß die eigentlich

Infrastruktur

abhän-

verbale Kommunikation zum zweiten Standbein der

Eine Ironie der mobilen Begeisterung?

gig geworden, die un-

sere Informations bzw.

Mobilbranche mutieren wird. Zukünftige Modelle von

Nachrichtengesellschaft

,,Kommunikatoren" lassen erahnen, daß wir unser Wis-

Eines leidet gewiß nicht: die Sozialkompetenz. Denn

stützt. Sie hält unser Le-

sensmanagement und unseren Informationspool mo-

das Handy dient manchmal auch einfach nur dazu sich

ben wie in einer Matrix

bil herumtragen werden. Es ist anzunehmen, daß sich

zu einem gemeinsamen Treffen zu verabreden oder die

fest, deren Erhalt uns

wichtig ist.

die gesellschaftliche Kommunikation aufgrund von im-

Zeit dazwischen mit einem IHDL (ich hab Dich lieb) zu

mer weniger Zeit noch weiter vom Verbalen weg, hin

versüßen. Die Menschen sind ständig in Kontakt und

zum Textuellen, bzw. Visuellen, bewegt. Durch Gesprä-

man könnte gar von einem Übermaß an Kommunika-


Nokia geht sogar den

tion sprechen. Vorstellbar ist auch, daß einige Kom-

Daseins, das er ständig neu zu entwerfen versucht. Mit

Schritt weiter und wird

munikationsformeln und Regeln von der SMS ins öf-

dem Handy ist die Gemeinschaft aufgesplittert wor-

21

keine Tasten bei ihrem

fentliche Leben drängen. So verwenden schon jetzt

den, denn das Individuum ist nicht mehr allerfaßbar

zukünftigen Nokia 7700

Lifestyle-Magazine den ,,Chique" der SMS-Sprache in

anhand eines Telefonbuches. Der Drang der völligen

integrieren. Allein ein

Touchscreen bildet das

ihren Artikeln.

Erreichbarkeit geht mit dem Rückzug aus der öffent-

Interface für die volledi-

lichen Gesellschaft der Fremden eine brisante Bezie-

ge Kommunikation. Das

Nicht zu verachten ist die Magie, die der SMS inne-

hung ein. Er bedient sich in seiner individuellen Nische

Äußere hat nichts mehr

wohnt. Die unglaubliche Möglichkeit, auf quasi tele-

der Telekommunikation und erfindet seine Person an-

mit einen Telefon ge-

mein und man weiß gar

pathische Art und Weise seine Gedanken einer weit

hand seines Handys neu. Gegebene Moralvorstellun-

nicht wie man sich das

entfernten Person zu transferieren, gleicht schon einer

gen erkärt er als nichtig. Er selbst ist für sein Dasein

Gerät hier ans Ohr hält.

Wunderwaffe. Dieser Weg führt nun aus der Sphäre des

verantwortlich und beschreitet den Weg einer ,,Ich-AG"

Ist Sprachkommunikati-

Akustischen in die Welt des telekommunizierenden

in vollem Maße.

on als ein rudimentäres

Überbleibsel zu sehen?

Augenmenschen, der mit einem Multimedia-Handy

nicht mehr nur das allumfassende und kontaktfreudi-

In jedem Fall wird es interessant bleiben, diesen Weg

2004

ge gesprochene Wort, sondern auch die einzigartige

der mobilen Kommunikation im Wechselspiel zu ver-

Technik des Alphabets, d.h. des geschriebenen Wortes

folgen.

verarbeiten muß, das ihn aus dem Trancezustand der

nachhallenden Wortmagie doch erst befreite. Es er-

zeugt im Kommunizierenden das Gefühl Unmögliches

zu tun und nicht Denkbares zu denken. Wir haben kein

technisches Hilfsmittel mehr. Seine Winzigkeit mit al-

Holm Hänsel, Mai 2004

len seinen Raffinessen verbildlicht einen begleitenden

Zauberlehrling, der unsere Freiheit ständig neu vertei-

digt und zu festigen versucht.

Schon mit der existenzphilosophischen Anschauung

von Jean-Paul Sartre lassen sich Parallelen zum ,,Mo-

bilismus" unserer Zeit finden. Der Mensch erzeugt

Nokia 7700 bietet erstmals

durch seine Freiheit den eigentlichen Mangel seines

einen Offline-Modus (kein

Funkkontakt während der Ar-

beit)


22 Es ist nicht sicher, daß

Fußnoten

Touchscreeninformatio-

nen nur eine Basis der

1 Möglichkeit, eine Echtzeitunterhaltung mit einer weitentfernten Person zu führen, via Telefon od. Internet.

2

Wissenselite

werden.

Der Servicefunkkanal steht im ständigen Kontakt mit dem eingeschalteten Handy und diente ursprünglich nur den Betreibern zum

Versenden von netzinternen Informationen.

Aber jüngere Nutzer

3 Forschungsbericht TU Illmenau "Kurzm. wird gesendet" 2002, ISSN 0027-514X.

sehen noch nicht den

4 http://www.tegic.com/pdfs/salessheets/T9 Adaptive Text Input Sales Sheet 1.pdf 5.5.2004

Sinn, Informationen zu

5 Thema Bezahl-SMS unter http://www.dafu.de/rechts/psms.html 5.5.2004

bunkern. Ihnen geht es

6 aus dem Englischen von http://in.mobile.yahoo.com/new/sms_histoy.html 5.5.2004

7

mehr um den Spaß in

Internet Relay Chat; erste Möglichkeit sich ohne Verzögerung mit einer Person über weite Distanzen schreibend zu unterhalten.

Heutiges Intstant Messaging wie ICQ, .NET Messager, AOL Chat werden auch auf Handys Einzug halten.

der Informationsgesell-

8 GSM ,,Groupe Speciale Mobile" Konsortium zur Festlegung des Mobilfunkstandards 1982

schaft. Sie bilden dort

9 3PGG - The 3rd Generation Partnership Project, Gemeinschaft zur Entwicklung der 3. GSM-Funkgeneration

einen

Randbereich.

10 Enhanced Message Service; Konglomerat zum binären Smart-Message-Service von NOKIA

Um so intuitiv weiter

11 WAP ­ Wireless Application Protocol, Datenübermittlung übers Mobilfunknetz, ähnlich iMode in Japan

12

zu kommunizieren wie

Interactive Voice Response; sprachgesteuerter Telefonservice, bei der Deutschen Bahn unter 0800/1507090

13 Internetfähiger Datendienst fürs Handy von NTT, erstmals in Japan entwickelt nun auch weltweit vertreten, in speziell kompakter

es mit Hilfe der SMS

Seitensprache cHTML verfaßt

möglich ist, fand Nokia

14 NTT DoCoMo, mobile Sparte des japanischen Telefongiganten NTT

den Weg zum Wave-

15 Multimedia Message Service, die erste ,,wahre" Bilder-SMS

16 Technik, die während des Ladens den Inhalt schon darstellt, ohne ihn erst zu speichern.

17 Auch Email-Bombing genannt; Überschüttung des Postfaches mit allerhand Werbe- und Virenmails.

18 Funkstandard, der sehr energiesparend ist und kurze Reichweiten von 10 Metern hat; für kleine Geräte erdacht.

Nach dem dänischen König Harald Blatand (»Blauzahn«), der im 10. Jahrhundert Dänemark und Norwegen unter seiner Herrschaft

vereinigt hatte.

19 Funkstandard für kabellose Computernetzwerke

20 UMTS-Universal Mobile Telecommunication System, ermöglicht erstmals hohe Datenraten für Video- und mobile

Internetanwendungen

21 SMS-Standards weltweit auf www.mobilesms.com 5.5.2004

22 aus ,,Gesellschaft im Taschenformat?" auf telepolis.de Krystian Woznicki 01.01.2002

Nokias Wave Messaging

23 Technology Review Nr.2 S.16

24 aus dem Onlinemagazin www.telepolis.de - ,,SMS erfreut sich schnell wachsender Beliebtheit" 01.10.2000

Messaging. Mit kleinen

25 ,,Handy-Fasten"

Tiroler Tageszeitung 56 vom 8./9. März 2003, S. 13

26

LED-Lichtern werden

www.heise.de/newsticker/data/jk-07.09.00-003/default.shtml 5.5.2004

27 Zukunft der Bezahlart, wobei Kleinstbeträge für Dienstleistungen gesammelt und abgebucht werden. Thema: Micro-Payment in

kurze Botschaften in die

Technology Review Nr.1 2004 S.54 ff

,,Luft geschrieben". Lei-

28 ,,SMS erfreut sich schnell wachsender Beliebtheit" auf telepolis.de 1.10.2000

der funktioniert das nur

29 Grinter, R. E. and M. Eldridge. (2001): ,y do tngrs luv 2 txt msg?` Xerox PARC, USA and Xerox Research Centre Europe, Cambridge,

in ausreichend dunkler

UK; ECSCW 2001

30

Umgebung. Ideal in Dis-

BRAVO-Ausgabe Mai 2004, S.59

31

kos oder Orten mit klei-

www.schulprojekt-mobilfunk.de das Informationszentrum Mobilfunk e.V. bietet Unterrichtsmaterialien an

32 telepolis.de ,,Telefonpetting" von Michael Klarmann 09.02.2002

nen Distanzen.

33 telepolis.de ,,Schlechte Zeiten für Spontan-Beziehungskistendrücker" von Ernst Corinth 18.06.2001


Die Eingabe von Buch-

34 Kleines Gerät in Japan, was die Partnersuche erleichtern soll. Das eigne Profil tastet die Umgebung im Radius von 4 Metern ab um

einen gleichen Lovegety zu entdecken.

staben auf einer mini-

35

23

telepolis.de ,,Handy oder Handgranate" von Michaela Simon 13.04.2004

malen Fläche versucht

36 Wettbewerb und Gewinner unter www.160zeichen.de

Siemens mit einer vir-

37 japanische lyrische Kurzform, Dreizeiler aus 5+7+5=17 Silben. Vom Spielerischen ausgehend, findet das Haiku zu metaphysischer

tuellen Tastatur zu lö-

Tiefe, angedeutet im Bild eines Augenblicks.

sen. Mit einer Lichtpro-

38 Döring, N. (2002). ,,Kurzm. wird gesendet" http://www.gfds.de/muttersprache.html

jektion auf eine ebene

Fläche vor dem Telefon

wird die Tippbewegung

der Finger erfaßt und als

Text übersetzt.

Der schon erhältliche

Digi-Pen von Nokia geht

den Weg, seine Nach-

richten

handschrift-

lich zu verfassen. Eine

Funkverbindung zum

Handy wird diese dann

übersenden. Ist das der

Fingerzeig zu neuen

Kommunikationsmetho-

den?



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