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Ökonomische Themen im Gemeinschaftskundeunterricht? - Pro- und Contra-Argumente

Presentation (Elaboration), 2003, 6 Pages
Author: Daniel Fischer
Subject: Politics - Didactics, Political Education

Details

Event: Hauptseminar: Ökonomische Themen im Gemeinschaftskundeunterricht
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Politikwissenschaft)
Tags: Themen, Gemeinschaftskundeunterricht, Pro-, Contra-Argumente, Hauptseminar, Themen, Gemeinschaftskundeunterricht
Category: Presentation (Elaboration)
Year: 2003
Pages: 6
Grade: bestanden
Language: German
Archive No.: V111296
ISBN (E-book): 978-3-640-09376-2
ISBN (Book): 978-3-640-30569-8
File size: 62 KB


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminar:

Ökonomische Themen im Gemeinschaftskundeunterricht

Technische Universität Dresden

Lehrstuhl für Didaktik der politischen Bildung/Gemeinschaftskunde

Institut für Politikwissenschaft

Philosophische Fakultät der TU Dresden

Wintersemester 2003/2004

Ausarbeitung von:

Daniel Fischer

Studiengang:

Lehramt Gymnasium für Geschichte, Gemeinschaftskunde und Philosophie

Wintersemester 2003/2004

Aufgabenstellung:

Referat

schriftliche Textzusammenfassung

(Pro- und Contra-Gegenüberstellung)

Ökonomische Themen im Gemeinschaftskundeunterricht?

Pro- und Contra-Argumente

 

 

 

Textgrundlagen:

Rosen, Rüdiger: Wirtschaft in die Schule. Plädoyer für ein Schulfach Ökonomie in allgemeinbildenden Schulen. http://www.sowi-online.de/reader/oekonomie/rosen.htm

Hartwich, Hans-Herrmann: Kein neues Fach Ökonomie, aber eine moderne Wirtschaftslehre in der schulischen politischen Bildung! http://www.sowi-online.de/reader/oekonomie/hartwich.htm

Sczesny, Christoph/Lüdecke, Sigrid: Ökonomische Bildung Jugendlicher auf dem Prüfstand: Diagnosen und Defizite. http://www.sowi-online.de/reader/oekonomie/sczelued.htm

 

 

Schon die Titelbeiträge lassen, ohne dass man die Texte gelesen hätte, eine Richtung erkennen. Alles in Allem besteht auf ganzer Linie Konsens, dass die ökonomische Bildung in Deutschland in den Lehrplänen zu kurz kommt und einer Reform bedarf. Rosen einerseits plädiert für die Einführung eines eigenständigen Faches, während Hartwich die Ökonomie in Symbiose mit der gesellschaftspolitischen Bildung verankern möchte. Beide Richtungen sind zu diskutieren, und es wird sicherlich schwer fallen, sich auf eine Richtung ad hoc einzulassen. Die empirischen Befunde von Sczesny, Christoph und Lüdecke, Sigrid aber eröffnen uns die Notwendigkeit und Tragweite dieser Fragestellung, sodass bei allen Pro- und Contraargumenten ein Schwergewicht der Bildung auf die Ökonomie hin nicht mehr anzuzweifeln ist.

Rosens[1] liberaler Ansatz von der Versorgungs- zur Chancengemeinschaft soll in einem eigenständigen Fach Ökonomie seine Verwirklichung finden. Das Wissen um die ökonomischen Bedingungen in aller Breite eröffnet ein Feld, in dem das Individuum Ziele finden kann und dabei die Zusammenhänge besser versteht, denn Wirtschaft ist allgegenwärtig.

Hartwich ist ebenfalls dieser Meinung und betont die Subjektsbezogenheit. Ökonomische Themen in Schulen benötigen mehr Schwergewicht. Doch besteht hier das Problem, inwiefern diese Ökonomie anzusiedeln sei. Ein neues Fach würde nur dazu führen, dass andere geisteswissenschaftliche Fächer Einschnitte hinnehmen müssten, da die Lehrpläne voll sind.

Die Ökonomie gehört nach Rosen zur Allgemeinbildung und muss daher schon in einem eigenen Schulfach aufgehen; wirtschaftliche Zusammenhänge und das Verstehen darüber, führen dazu, dass das politische System, die freiheitlich demokratische Grundordnung, besser begriffen werden kann.[2]

Hartwich[3] stimmt auch dem zu, verlangt aber nicht die Einführung eines eigenständigen Faches. Die Ökonomie müsse in der politischen Bildung ihre Verankerung und Verzahnung suchen und finden. Ökonomie als Teil der Gesellschaft kann nicht autark neben den gesellschaftspolitischen Fragestellungen betrachtet werden. Gerade diese intensivere Verbindung von Ökonomie und politischer Bildung führt einerseits zu einem stärkeren Verstehen von Wirtschaftsordnung und -funktionen und andererseits damit auch zur Stärkung der Demokratie selbst. In diesem Ziel sind sich Rosen und Hartwich einig. Der Weg dahin aber bleibt umstritten.

Die Einbindung der Ökonomie in andere geisteswissenschaftliche Fächer führt nach Rosen dazu, dass dann nur halbherzig ökonomisch gelehrt werden könne, da die Fächer (beispielsweise Geschichte) bei ihrem Hauptgegenstand bleiben würden, sodass die Ökonomie in der Folge auf der Strecke bleibt.

Hartwichs klares Contra unterstreicht die Vorstellung der Verbindung von Politik und Wirtschaft. Beides könne nicht nebeneinander gesehen werden; beide bedingen einander! Dieser Grundaspekt muss in der Schule, eben in einem gesellschaftspolitischen Fach mit Ökonomie, klargemacht werden. Das Denken in übergreifenden und komplexen Strukturen muss Vorrang haben vor einengendem Fach- und Faktenwissen, ohne dieses gleich ad absurdum zu führen.

Rosens Grundthese, die in seinen zwei formulierten Fehlvorstellungen über Ökonomie identifizierbar ist, geht in die Richtung, dass die Ökonomie keinesfalls zu einem Aspekt von Fächern wie Politik und Soziologie herabgesetzt werden dürfe. Ökonomie ist in ihrer Wissensfülle unabdingbar als ein eigenständiges Fach zu begreifen. Kombinationsfächer lösen das Problem nicht, ob nun ein Fach Ökonomie (Rosen plädiert dafür) autonom neben den anderen Schulfächern eingeführt werden soll. Die Trennung von politischer Bildung und Ökonomie bleibt für Rosen Ziel bei der Einführung eines Faches Ökonomie.

Hartwich kritisiert Rosens Vorstellung, die er (Rosen) mit dem Memorandum des DAI untermauert, dass ein solches Fach zu steril auf wirtschaftswissenschaftliches Faktenwissen eingehen würde, anstatt Zusammenhänge zu klären. Lobbyismus und Macht müssen als Faktoren in Verzahnung von Ökonomie und Politik benannt werden. Deshalb kann von einem Fach keine Rede sein, das rein wirtschaftswissenschaftlich die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen ausblendet. Die politische Bildung muss es als ihre Aufgabe ansehen, die Ökonomie als Bestandteil ihres Faches zu begreifen. Dass dies funktioniert, wurde bereits bewiesen.

Rosens und Hartwichs Texte tragen, wie schon angesprochen, einen Konsens in sich, indem der Notwendigkeit von ökonomischer Bildung zugestimmt werden muss. Dass es um diese schlecht steht, beweisen die Untersuchungen von Sczesny, Christophund Lüdecke, Sigrid[4], die von einem „ökonomischen Analphabetismus“ weiter Schülerkreise künden. Grund mag auch sein, wie Rosen und Hartwich bemängeln, dass die ökonomische Bildung in Deutschland kein einheitlich konzeptionelles Bild abgibt, trotz der Notwendigkeit derer und des Plädoyers durch die KMK[5]. In der Regel sei es um Grundkenntnisse an Gymnasien besser bestellt, als dies an Haupt- oder Realschulen der Fall ist. Jungen schneiden hierbei tendenziell besser ab als Mädchen. Die Forderung nach einer Ökonomiebildung geht eben aus der Tatsache hervor, dass die sich immer rasanter werdenden Umstellungen in der Gesellschaft auf jedes Subjekt beziehen und diese Subjekte diese Umstände besser begreifen können, wenn auch die Bildung diese Neuerungen in sich trägt. Wenn diese Forderung nämlich erfüllt würde, könne die Untersuchung auch zu einem anderen und besseren Bild führen. Das Üben, Lernen und didaktisch gute Lehren von Ökonomie kann die Jugend unterstützen, die Ökonomie als Bestandteil ihres Lebens zu begreifen. Ob das in einem eigenen Fach oder in Symbiose mit gesellschaftspolitischen Fächern geschehen soll, muss geklärt werden. Das „WIE“ ist der Haken bei dieser Frage. Das „OB“ steht nicht mehr im Raum und wird durch diese empirische Untersuchung vollends unterstrichen.

 

Schlussfolgerung

Ökonomische Bildung muss einen größeren Stellenwert in der Schule erhalten. Politik ist ohne die wirtschaftlichen Verknotungen nicht mehr zu denken. Funktioniert die Wirtschaft und wird durch die Gesellschaft getragen, dann kann auch eine der Demokratie zuträgliche Politik der Bürger gesamtgesellschaftlich stabilisierend wirken. Wer Politik als etwas von wirtschaftlichen Zusammenhängen abgekoppeltes Aktionsfeld betrachtet, verkennt die Notwendigkeiten einer marktwirtschaftlichen Privatwirtschaft, an der Gestaltung von Politik mitzuwirken. Die Inputs aus der Gesellschaft in das politische System beruhen auf wirtschaftlichen Ergebnissen und Wunschvorstellungen. Diese zu regulieren, kann Politik für sich beanspruchen. Politik allein macht aber keine Wirtschaft! Politik als Bestandteil ökonomischer Verhältnisse zu begreifen, muss die Forderung nach ökonomischer Bildung in den Schulen nach sich ziehen. Die Wirtschaft bestimmt die Gesellschaft. Versuchen seitens der Politik, Wirtschaft gestalten zu wollen, muss begegnet werden. Die letzten Reste des Marxismus sollten uns eindringlich vor der Illusion bewahren, per Dekret eine Gesellschaftsordnung herstellen zu können. „Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.“[6] Ökonomische Bildung soll nicht den jetzigen Zustand aufheben. Es geht darum, Politik und Ökonomie in einer liberalen Bürgergesellschaft zu gestalten. Mehr denn je benötigen wir deshalb ökonomische Bildung, um auch dem Phantom, dass Politik Wirtschaft lenken oder leiten soll, begegnen zu können. 


[1] http://www.sowi-online.de/reader/oekonomie/rosen.htm

[2] Rosen: „Ökonomische Bildung […] stabilisiert die Demokratie.“

[3] http://www.sowi-online.de/reader/oekonomie/hartwich.htm

[4] http://www.sowi-online.de/reader/oekonomie/sczelued.htm

[5] Kultusministerkonferenz

[6] vgl. Marx, Karl/Engels, Friedrich: Die deutsche Ideologie, 1846/1932, MEW 3, S. 35,


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