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Der militärische Fundplatz von Augsburg-Oberhausen im Vergleich mit Haltern

Presentation (Elaboration), 2004, 15 Pages
Author: Rita Bartl
Subject: Archaeology

Details

Event: Augusta Vindelicum / Aelia Augusta
Institution/College: University of Augsburg
Tags: Fundplatz, Augsburg-Oberhausen, Vergleich, Haltern, Augusta, Vindelicum, Aelia, Augusta
Category: Presentation (Elaboration)
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V111333
ISBN (E-book): 978-3-640-09411-0
ISBN (Book): 978-3-640-22985-7
File size: 60 KB

Abstract

1. Lokalisierung der Fundstelle im Stadtgebiet und Grabungszeitraum Im Sommer 1913 wurden unter der Leitung von Paul Reineke in der Nähe des Zusammenflusses von Wertach und Lech, nahe der Hettenbacheinmündung in die Wertach eine zweiwöchige Grabung durchgeführt ( Abb. 1 + 2). Allerdings ist es heute nicht mehr möglich, die Grabungsstelle exakt zu lokalisieren, da verschie¬dene Skizzen der Grabungsbeteiligten nicht miteinander überein¬stimmen. Es wurden auf einer ca. 3 m breiten und 27-30 m langen Fläche am Rand einer Kiesgrube in 3-4 m Tiefe etwa 10000 Einzelobjekte zutage gefördert. Die Funde lagen auf der Sohle und in der Füllung eines ehemaligen Flussbettes der Wertach. Die Flussläufe von Lech und Wertach haben sich im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach geändert. Wo genau die Wertach in römischer Zeit floss, ist heute unbekannt. Es scheint jedoch klar, dass die Funde sich durch Hochwasser nicht allzu weit vom ursprünglichen Stützpunkt verlagert hatten, da weitgehendst zeitgleiche Gegenstände unterschiedlichen Gewichts gemeinsam am Fundort vorkamen, deswegen wohl tatsächlich auch vorher zusammengehörten und von derselben Stelle abgespült wurden. Eine aufgedeckte Reihe Eichenpfosten könnte sowohl als Uferbefestigung, als auch als mögliche Umwehrung der Militäranlage gedeutet werden, doch fehlen hierzu gesicherte Erkenntnisse, selbst darüber, ob die Pfosten aus römischer Zeit stammen. 1914 war eine weitere Untersuchung von Augsburg-Oberhausen geplant, wurde jedoch auf Grund des Kriegsausbruches nicht durchgeführt. Heute ist das Gelände überbaut.


Fulltext (computer-generated)

Universität Augsburg

Philologisch-Historische Fakultät

Proseminar: Augusta Vindelicum / Aelia Augusta

SS 2004

Referentin: Rita Bartl

Augsburg, 26.05.04 

 

Referat   

Der militärische Fundplatz von Augsburg-Oberhausen im Vergleich mit Haltern

 

 

I.  Augsburg-Oberhausen  3

1.  Lokalisierung der Fundstelle im Stadtgebiet und Grabungszeitraum  3

2.  Die Funde  4

3.  Zeitliche Eingrenzung  5

4.  Funktion und Bedeutung des Militärlagers  6

II.  Die römischen Militäranlagen bei Haltern  8

1.  Geographische Einordnung und Grabungen  8

2.  Fundorte in Haltern und die Funktion der Anlagen  9

3.   Datierung und Bedeutung des Lagers  12

III.  Resümee  13

 

 

I.  Augsburg-Oberhausen 

1.  Lokalisierung der Fundstelle im Stadtgebiet und Grabungszeitraum

Im Sommer 1913 wurden unter der Leitung von Paul Reineke in der Nähe des Zusammenflusses von Wertach und Lech, nahe der Hettenbacheinmündung in die Wertach eine zweiwöchige Grabung durchgeführt (à Abb. 1 + 2). Allerdings ist es heute nicht mehr möglich, die Grabungsstelle exakt zu lokalisieren, da verschiedene Skizzen der Grabungsbeteiligten nicht miteinander übereinstimmen.

Es wurden auf einer ca. 3 m breiten und 27-30 m langen Fläche am Rand einer Kiesgrube in 3-4 m Tiefe etwa 10000 Einzelobjekte zutage gefördert. Die Funde lagen auf der Sohle und in der Füllung eines ehemaligen Flussbettes der Wertach. Die Flussläufe von Lech und Wertach haben sich im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach geändert. Wo genau die Wertach in römischer Zeit floss, ist heute unbekannt. Es scheint jedoch klar, dass die Funde sich durch Hochwasser nicht allzu weit vom ursprünglichen Stützpunkt verlagert hatten, da weitgehendst zeitgleiche Gegenstände unterschiedlichen Gewichts gemeinsam am Fundort vorkamen, deswegen wohl tatsächlich auch vorher zusammengehörten und von derselben Stelle abgespült wurden. Eine aufgedeckte Reihe Eichenpfosten könnte sowohl als Uferbefestigung, als auch als mögliche Umwehrung der Militäranlage gedeutet werden, doch fehlen hierzu gesicherte Erkenntnisse, selbst darüber, ob die Pfosten aus römischer Zeit stammen.

1914 war eine weitere Untersuchung von Augsburg-Oberhausen geplant, wurde jedoch auf Grund des Kriegsausbruches nicht durchgeführt. Heute ist das Gelände überbaut.

 

2.  Die Funde

Das Fundmaterial besteht aus einer großen Menge Münzen, Metallgegenständen, Gefäßkeramik und Tierknochen, wobei Letztere verschollen sind und auch ein Großteil der Keramik fehlt.

a.) Es wurden 378 Münzen gefunden. Darunter befinden sich republikanische Denaren, ein Aureus des Augustus (Abb. 3), zahlreiche augusteische Kupferprägungen und ein Tiberius-As von 15/16 n. Chr.

b.) Die Keramikfunde setzten sich größtenteils aus Terra Sigillata-Gefäßen (Gebrauchskeramik wie z. B. Teller), südgallische (40 Fragmente) und italische (254 Fragmente) Ware, zusammen (Abb. 4 + 5). Die Bruchstücke von Krügen, Töpfen, Reibschalen und Amphoren (Abb. 6) hingegen, die normalerweise häufiger als die Terra Sigillata auftreten, sind mit 44 Stück deutlich unterrepräsentiert. Die großen, schweren Stücke fehlen.

c.) Die große Fülle von Metallfunden ist besonders hervorzuheben. Das Spektrum reicht von Waffen, wie z. B. zwei Pilumspitzen (typische Waffe von Legionssoldaten) (Abb. 7) und Lanzenspitzen (Abb. 8), Trachtbeständen, wie Fibeln (Abb. 9), bis zu Werkzeugen und Geräten, wie Hammer und Nägel.

Begrenzungen, Tore, Innenbauten und Abfallgruben konnten, durch die zerstörerische Aufarbeitung des Fundortes durch die Flüsse Wertach und Lech leider nicht nachgewiesen werden. Das Lager war aber sicherlich weitgehend aus Holz errichtet und die Dächer mit Stroh oder Holzschindeln gedeckt. Ein Teil der Funde zeigt Brandspuren. Dies kann darauf hinweisen, dass das Lager durch Brand zerstört wurde, entweder durch einen Feind verursacht oder selbst herbeigeführt beim Abzug der Truppe. Die Brandspuren können aber auch einfach von einem unglücklich begrenzten Feuer im Lager stammen. Der heutige Forschungsstand lässt eine eindeutige Interpretation nicht zu.

 

3.  Zeitliche Eingrenzung

Über die Besetzung des Militärplatzes ist viel spekuliert worden. Durch die Münz- und Keramikfunde und durch den Vergleich mit dem Lager Haltern an der Lippe, das etwa gleichzeitig bestanden hat, ist eine zeitliche Abgrenzung möglich. So bestand das Lager bei Augsburg-Oberhausen wohl von ca. 8/5 v. Chr. bis um 6/9 n. Chr., in kleinerer Besatzung vielleicht sogar bis 15/16 n. Chr. Von Schnurbein weist drauf hin, dass v. a. das Ende des Waffenplatzes nicht genau zu fixieren sei, es aber auf jeden Fall in augusteische Zeit gehöre.

Eingerichtet wurde der Militärstützpunkt also wohl erst deutlich nach 15 v. Chr. (Okkupation Rätiens und Vindelikiens), womit die 2000-Jahr-Feier Augsburgs 1985 etwas verfrüht stattgefunden hätte. Zwischen 10 und 8 v. Chr., als die Römer ihren Feldzug gegen die Germanen an Rhein und Elbe erfolgreich beendet hatten, könnten Kampfverbände für Oberhausen frei geworden und dort stationiert worden sein. Spätestens als Varus 6 n. Chr. den Auftrag erhielt Germanien in das Imperium Romanum bis zur Elbe einzugliedern, bzw. bei der Schlacht im Teutoburger Wald 9 n Chr., ist wohl ein Großteil der Truppen von Oberhausen an den Rhein abkommandiert worden und nur ein Teil der Besatzung blieb am Standort. Das Ende des Lagers, wahrscheinlich durch eine Hochwasserkatastrophe herbeigeführt, könnte Anlass geboten haben, die Garnison auf das hochwasserfreie Gebiet zwischen Lech und Wertach zu verlegen, wo dann die Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum entstehen sollte. Zwischen dem Ende von Oberhausen und der Errichtung des Kastells in Augsburg herrscht praktisch keine Lücke. Auch die Terra Sigillata Serien überschneiden sich, so dass man von einem fast nahtlosen zeitlichen Übergang ausgehen kann.

 

4.  Funktion und Bedeutung des Militärlagers

Die Stationierung von ein bzw. sogar zwei Legionen in Augsburg wurde lange vertreten, wobei die 13., 16. und 21. Legion in Frage kommen würden. Allerdings ist diese These nicht zu beweisen. Gefundene pila und Dolche als typische Legionärswaffen weisen zumindest darauf hin, dass ein Teil einer Legion in Oberhausen lag. Lanzen- und Pfeilspitzen bezeugen Infanterie, und Pferdegeschirrsbestandteile Kavallerie. Die Einheit bestand folglich aus einer Mischung von Legions- und Auxiliarsoldaten. Die Frage nach der Identität der Einheiten kann nur spekulativ beantwortet werden, man kann jedoch durch die Fundstücke auf Beziehungen zum gallischen Bereich schließen.

Die lange zugeschriebene zentrale, überregionale Bedeutung von Augsburg-Oberhausen seit dem Beginn der römischen Besetzung ist nicht beweisbar. Bis in claudische Zeit (um 50 n. Chr.) spielten vielmehr Kempten und Auerberg eine größere Rolle. Auch ist die These einer offensiven Zielsetzung des Standortes nicht zu halten, da es in dieser Zeit weder größere Germanenfeldzüge noch eine nennenswerte germanische Bevölkerung in dem Gebiet gab. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass nach der Okkupation Rätiens, um Rom allgegenwärtig sichtbar zu machen, größere Truppenkontingente überall, also auch in Oberhausen, stationiert sein mussten. Insoweit bedürfen die Verbände keiner weiteren Rechtfertigung als einfach den Hegemonialanspruch des Imperium Romanum zu betonen. Außerdem bot sich ein Platz wie Augsburg als Militärstützpunkt an, da es eine günstige verkehrsgeographische Lage besaß. Einerseits könnte es als Nachschubplatz für die nördlich der Donau operierenden Truppen fungiert haben, andererseits bildete es geradezu einen Verkehrsknotenpunkt (Abb. 10). Die Ost-West-Route von Salzburg, über Kempten und Bregenz zu den Schweizer Pässen und nach Gallien, konnte man über Epfach (Lorenzberg) erreichen.

Die Brennerstraße und die Via Claudia ergaben eine direkte Verbindung in den Süden. Auch ließen sich von Augsburg aus die übrigen Außenposten nördlich der Alpen relativ gut erreichen.

Oft war mit einer römischen Besatzung vor allem die Aufgabe der Erschließung des Landes verbunden. So könnten die in Oberhausen stationierten Soldaten sich v. a. der Erkundung von Land, dem Straßenbau und anderen pragmatischen Funktionen gewidmet haben, vielleicht sogar dem Eintreiben von Steuern.

 

II.  Die römischen Militäranlagen bei Haltern

1.  Geographische Einordnung und Grabungen

Das Militärlager Haltern lag nördlich an der Lippe, ca. drei Tagesmärsche von der Mündung in den Rhein entfernt und in unmittelbarer Nähe zu weiteren Lagern, wie etwa Dorsten-Holsterhausen oder Anreppen bei Paderborn (Abb. 11). Es stammt aus jener Zeit, als die Römer versuchten, ihr Herrschaftsgebiet links des Rheins bis zur Elbe hin auszudehnen.

  Haltern wurde erstmals 1838 vom Preußischen Major Schmidt entdeckt, als er versuchte vom Rhein aus, die Marschwege des römischen Heeres zwischen 12 v. Chr. und 16 n. Chr. während ihrer Feldzüge zu erforschen. Den Annaberg bei Haltern fand er als Soldat sogleich für einen militärischen Stützpunkt geeignet und erkannte dort Wälle und Gräben. Die Berichte von Tagelöhnern, sie hätten dort Schwerter, Dolche und Helme gefunden, bestätigte ihn in der Vermutung, dort auf römische Spuren gestoßen zu sein. Doch erst 1899 wurde mit systematischen Ausgrabungen begonnen. An den verschiedenen Fundorten fanden unter der Leitung von C. Schuchhardt und Fr. Koepp bis 1914 fast durchgehend Grabungen statt. Der erste Weltkrieg unterbrach die Arbeiten, diese konnten dann aber 1925-32 unter A. Stieren fortgesetzt werden. Der zweite Weltkrieg stellte einen weiteren Rückschlag für die Forschung zu Haltern dar, große Teile der Funde und das 1906 errichtete Museum wurden zerstört. Die Funde konnten teilweise durch Nachgrabungen ab 1949 ergänzt werden. Im Bereich des Haupt- und Feldlagers herrscht das Problem, dass nur ca. ¾ des Geländes erforscht werden konnten, der Rest wurde überbaut.

 

2.  Fundorte in Haltern und die Funktion der Anlagen

Im Bereich Haltern wurde an mehreren Stellen gegraben, die sich wie folgt unterteilen lassen (Abb. 12):

a.)    Der Annaberg

Es gelang hier trotz der Ausbeutung des Geländes durch Steinsucher eine ca. dreieckige Befestigung, die sich der Form des Berges anpasste, von ca. 7 ha nachzuweisen. Die Befestigung bestand aus einem einfachen Spitzgraben mit dahinter aufgeschüttetem Wall (Abb. 13). Nach Schuchhardt gab es auch ein Tor im Norden der Ostfront und in der Mitte der Nordwestfront und mehrere Türme. Insgesamt bleiben die Befunde jedoch recht verwirrend und hypothetisch, da sich keine Angaben überprüfen lassen. Das Fundmaterial auf dem Annaberg war sehr spärlich und ist heute verschollen. Zusammenfassend kann man höchstens sagen, dass sich wahrscheinlich ein römisches Lager auf dem Annaberg befunden hat, dies jedoch nicht, wie früher angenommen, als ältester Teil der Anlage von Haltern gedeutet werden kann. Dazu kommt noch, dass der Berg u. a. auch im Siebenjährigen Krieg (1758) militärisch genutzt wurde. Das Bild über diesen Fundort bleibt also unklar und unbefriedigend.

b.)    Die Flur Wiegel

Auf einer Fläche von 270 m Länge und 60 m Breite wurde der sogenannte „Anlegeplatz“ ausgegraben. Diese Deutung eines Flusshafens kommt daher, dass der Lippelauf für die augusteische Zeit direkt an der Flur Wiegel vermutet wurde, was heute jedoch als unwahrscheinlich gilt. Die zahlreich gefundenen Amphoren, die in der Antike als Transport- und Vorratsbehälter dienten, sprechen dafür, hier einen Depot- und Stapelplatz für die Versorgung der Truppen zu suchen. Eine abschließende Deutung kann nicht gegeben werden.

c.)  Die Flur Hofestatt

Auf einer Fläche von 500 : 250 m Größe, die als vorspringende Terrassenstufe in die Lippeaue ragt, liegt die Flur Hofestatt. Insgesamt wurden die Grundzüge von vier, nacheinander an etwa gleicher Stelle angelegten Befestigungen gefunden (Abb. 14). Sie bestanden aus ein oder zwei Spitzgräben mit dahinter parallel verlaufender Holz-Erde-Mauer. Die Funktion der Anlagen lässt sich nur bei der Jüngsten relativ sicher bestimmen, da der Grundriss im Innern (leiterartige Spuren) auf ein Vorrats- oder Speichergebäude hinweist. Der Boden lag nicht auf der Erdoberfläche auf, sondern auf mehreren Pfosten, um das Lagergut vor Feuchtigkeit zu schützen. Auch hier lässt sich die alte Bezeichnung „Uferkastelle“ aufgrund des ungeklärten Lippeverlaufs in augusteischer Zeit nicht halten. Es ist wahrscheinlich, dass die Befestigungen deutlich größer waren, dass man also im Süden einen größeren Geländeabschnitt ergänzen müsste, da Gräben und Mauern an der Terrassenkante abrupt abrechen, also wohl durch Seitenerosion der Lippe abgetragen worden sind. Die wenigen Funde auf der Flur Hofestatt verhindern eine weitgehendere Interpretation zur Funktion der Anlage.

d.)    Das Feldlager

Das 34,5 ha große, beinahe rechteckige Feldlager, im nordwestlich von Wiegel und Hofestatt ansteigenden Hügel gelegen, ist älter als das Hauptlager. Es bestand wohl nur kurze Zeit, da feste Gebäudespuren im Innern fehlen. Die Befestigung war ein Graben, dessen Aushub an der Innenseite als Wall aufgeschüttet wurde. Nach dem Auflassen des Lagers hat durch Abrutschen ein Teil der Wallaufschüttung den Graben wieder etwa zur Hälfte verfüllt. Als später das Hauptlager, etwas versetzt errichtet wurde - hier ergeben sich Überschneidungen - schütteten die Soldaten die restliche Mulde mit Abfällen zu. Nach der Größe zu urteilen, fanden etwa 10-12 000 Soldaten im Feldlager Platz, die in Zelten untergebracht waren. Unterbrechungen des Grabens in der Ost-, Süd- und Nordfront können als Zugang zum Lager gedeutet werden, Torbauten konnten jedoch nicht nachgewiesen werden.

e.)    Das Hauptlager

Die ursprüngliche Größe von 16,7 ha erreichte nach einer Erweiterung im Osten 18,3 ha. Ähnlich wie bei der Flur Hofestatt umgab das Lager zwei Spitzgräben, die auf der Innenseite von einer 3 m breiten Holzbohlen-Erde Mauer begrenzt wurde. Jede Seite besaß einigermaßen in der Mitte, mit Ausnahme der Nordseite, ein Tor, das wahrscheinlich beidseitig von Türmen oder Plattformen flankiert war. Vor dem Tor setzten die Gräben aus, damit der Zugang zum Lager möglich wurde. Im Inneren durchzog ein schachbrettartiges System von Straßen das Hauptlager, die von Häusern und Kasernen, aus Holz und Erde hergestellt und wohl mit Schindeln gedeckt, gesäumt waren (Abb. 15). Gut ¼ der Fläche konnte nicht archäologisch untersucht werden, da sie vorher überbaut wurde. Von den zahlreichen Gebäuden im Innern sollen zum groben Überblick v. a. das Verwaltungsgebäude (Abb. 15, Nr. 1), die Wohngebäude (Nr. 2-7), das Handwerkerzentrum (Nr. 8), das Lazarett (Nr. 9) und die Kasernen (Nr. 11) erwähnt werden. Der Platz reichte aber wahrscheinlich nicht aus, eine ganze Legion, also ca. 6000 Soldaten unterzubringen, er war höchstens für 6-7 Kohorten, d. h. ca. 3600-4200 Mann ausgerichtet.

f.)  Das Gräberfeld

Am Fuß des Annabergs wurden Spuren von Gräbern gefunden, die mit dem augusteischen Material der Lager zusammenpasst, auch wenn eine abschließende Untersuchung noch aus steht. Ein Fund, bestehend aus einer Urne mit der Asche des Toten und den Resten eines Schweinekiefers und weiteren Gefäßen mit Speise- und Getränkebeigaben für das Jenseits, ist eindeutig der römischen Bestattungssitte zuzuordnen.

Die Funde sind in Haltern deutlich besser erhalten als in Oberhausen, wo meist nur kleine Bruchstücke gefunden wurden. Durch den Vergleich mit Halterer Material erst lassen sich die Augsburger Funde besser verstehen. Die Forschung hat jedoch einen herben Rückschlag erlitten, als durch einen Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg ein Großteil der Funde von der Lippe zerstört wurde.

 

3.   Datierung und Bedeutung des Lagers

Das Lager Haltern ist etwa gleichzeitig mit Augsburg-Oberhausen zu datieren. Gerade das Ende lässt sich durch die Münzen relativ gut bestimmen. Nach der Varusniederlage 9 n. Chr. wurde die Anlage wohl fluchtartig geräumt. Durch den Vergleich von Terra Sigillata mit derer aus dem Lager Oberadern lässt sich zumindest sagen, dass Haltern jünger ist als Oberadern, also bald nach 8 v. Chr. errichtet worden sein muss. Das Hauptlager hat innerhalb dieser knapp zwei Jahrzehnte sicher die meiste Zeit und durchgehend bestanden, die Flur Wiegel und Hofestatt lassen sich allerdings nicht genau datieren.

Trotz vieler Lücken, v. a. im Bereich des Annaberges, des Wiegels und des Feldlagers ist die Militäranlage Haltern der am besten untersuchte Militärstützpunkt in der Zeit des Augustus. Die Bedeutung Halterns ging wohl darüber hinaus, nur die Germanen in Schach zu halten, da gerade das Hauptlager auf Dauer angelegt war und man sogar begann, Tafelkeramik herzustellen, was auf äußerst friedensmäßige Zustände hinweist. Die genaue Rolle, die das Lager während der Germanienfeldzüge spielte, ist allerdings nicht einzuschätzen.

 

III.  Resümee

Der militärische Fundplatz Augsburg-Oberhausen ist erst mit Hilfe des relativ gut erforschten Lagers Haltern/Lippe zu deuten. Beide haben etwa zeitgleich bestanden, ca. ein Jahrzehnt vor und nach Christi. Da in Oberhausen aufgrund der Lage an der Wertach, mit ihren Flussbettverlagerungen und Überschwemmungen, keine Spuren im Boden, z. B. von Gebäudepfosten gefunden werden konnten, muss sich die Forschung rein auf die Funde verlassen. Diese sind zwar zahlreich, aber gerade im Bereich der Keramik relativ bruchstückhaft. Die Funde aus Haltern wirken ergänzend.

 

Literaturverzeichnis

Czysz, Wolfgang / Dietz, Karlheinz / Fischer, Thomas / Kellner, Hans-Jörg: Die Römer in Bayern, Stuttgart 1995.

Kraft, Konrad: Zum Legionslager Augsburg-Oberhausen, in: Werner, Joachim (Hg.): Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, Bd. 62, München 1962, S. 139-156.

Schnurbein, Siegmar von: Die Funde von Augsburg-Oberhausen und die Besetzung des Alpenvorlands durch die Römer, in: Bellot, Josef / Czysz, Wolfgang / Krahe, Günther: Forschungen zur provinzialrömischen Archäologie in Bayerisch-Schwaben (Schwäbische Geschichtsquellen und Forschungen, Schriftenreihe des Historischen Vereins für Schwaben, Bd. 14) Augsburg 1985, S. 15-37.

Reineke, Paul: Das augusteische Legionslager von Oberhausen-Augsburg, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, Bd. 44, Augsburg 1918/19, S. 19-29.

Roger, Otto: Römische Funde in Augsburg, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, Bd. 39, Augsburg 1913, S. 258-270.

Schnurbein, Siegmar von: Die Römer in Haltern (Einführung in die Vor- und Frühgeschichte Westfalens, hrsg. von Trier, Bendix, Heft 2), Münster 1979.

Schnurbein, Siegmar von: Die römischen Militäranlagen bei Haltern. Bericht über die Forschungen seit 1899 (Bodenaltertümer Westfalens, hrsg. von Trier, Bendix, Bd. 14), Münster 1981.

Schön, Franz: Der Beginn der römischen Herrschaft in Rätien, Sigmaringen 1986.


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