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Essay, 2008, 12 Pages
Author: Dr. Stefan Schweizer
Subject: German Studies - Literature of History, Eras
Details
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Abstract
Einen kompakten aber guten Überblick über die Etymologie des Wortes Romantik und die vielfache Verwendungsweise desselben gibt Gerhard Schulz. Im folgenden interessiert insbesondere die Verwendungsweise des Begriffes Romantik als Epochenetikett der zugehörigen literarischen Bewegung in Deutschland bzw. es werden die damit verbundenen Konnotationen dem Begriff zugrundegelegt. Allerdings wäre eine alleinige Fokussierung auf die literarische Romantik fatal, denn gerade die romantische Bewegung in ihrer universalistischen Gesamtausrichtung und unabdinglichen Tendenz zum Absoluten ist als ein die verschiedensten Wissenschafts- und Kunstrichtungen integrierender Ansatz zu verstehen. Besonders deutlich zeigt sich dies daran, daß in der Romantik der Kunst allgemein Lösungskompetenzen zugeschrieben wurden, die man anderen Disziplinen (wissenschaftlicher Art, hier vornehmlich der Philosophie) nicht zutraute. Im folgenden wird versucht, zweierlei Dinge herauszustellen. Einmal sind dies - in äußerst knapp gehaltener Form - allgemeine Faktoren (aber z.T auch Ausflüsse), die sich für die Konstituierung der Romantik als Epoche verantwortlich gezeigt haben. Zum anderen wird ein Paradigmenwechsel in der Philosophie skizziert, welcher als geradezu außerordentlich in seiner Bedeutung für die literarische Produktion der Romantik erachtet werden muß, nämlich die Einbeziehung der Ästhetik in die Philosophie bzw. die Erklärung der Ästhetik als gewichtigstes bzw. eines der gewichtigsten philosophischen Themen überhaupt.
Excerpt (computer-generated)
Die Romantik als kunst- und literaturwissenschaftliche
Epoche
von
Stefan Schweizer
1. Einleitung 2
2. Romantik als Epochenbegriff einer literarischen Bewegung 2
3. Epochenkonstituierende sozialgeschichtliche Implikate 3
4. Realpolitik, Christentum und Utopien 4
5. Wegbereiter der frühromantischen Ästethik: Kant, Fichte und Schelling 5
5.1 Kant 5
5.2 Fichte 6
5.3 Schelling 7
6. Ein Paradigmenwechsel: Die Ästhetik als Krönung der Philosophie 8
1.
Einleitung
Einen kompakten aber guten Überblick über die Etymologie des Wortes Romantik und die
vielfache Verwendungsweise desselben gibt Gerhard Schulz.1 Im folgenden interessiert
insbesondere die Verwendungsweise des Begriffes Romantik als Epochenetikett der
zugehörigen literarischen Bewegung in Deutschland bzw. es werden die damit verbundenen
Konnotationen dem Begriff zugrundegelegt. Allerdings wäre eine alleinige Fokussierung auf
die literarische Romantik fatal, denn gerade die romantische Bewegung in ihrer
universalistischen Gesamtausrichtung und unabdinglichen Tendenz zum Absoluten ist als ein
die verschiedensten Wissenschafts- und Kunstrichtungen integrierender Ansatz zu verstehen.
Besonders deutlich zeigt sich dies daran, daß in der Romantik der Kunst allgemein
Lösungskompetenzen zugeschrieben wurden, die man anderen Disziplinen
(wissenschaftlicher Art, hier vornehmlich der Philosophie) nicht zutraute. Im folgenden wird
versucht, zweierlei Dinge herauszustellen. Einmal sind dies - in äußerst knapp gehaltener
Form - allgemeine Faktoren (aber z.T auch Ausflüsse), die sich für die Konstituierung der
Romantik als Epoche verantwortlich gezeigt haben. Zum anderen wird ein
Paradigmenwechsel in der Philosophie skizziert, welcher als geradezu außerordentlich in
seiner Bedeutung für die literarische Produktion der Romantik erachtet werden muß, nämlich
die Einbeziehung der Ästhetik in die Philosophie bzw. die Erklärung der Ästhetik als
gewichtigstes bzw. eines der gewichtigsten philosophischen Themen überhaupt.
2.
Romantik als Epochenbegriff einer literarischen Bewegung
Die generellen Defizite und die damit verbundenen Probleme von Epocheneinteilungen in
Literaturgeschichten, aber auch die Leistungs- bzw. Klassifikationspotentiale derselben sind
von mir bereits in dem Realismus und Gottfried Kellers "Grünen Heinrich" betreffenden
Papier thematisiert worden. Deshalb wird an dieser Stelle lediglich darauf verwiesen.
Die die literarische Romantik umfassende Zeitspanne wird mit 1798-18352 angegeben. Als
Variante zu dieser Angabe finden sich Datierungen von +/- 5 Jahren.3 Einigkeit hingegen
herrscht hinsichtlich einer Unterteilung der Romantik in zwei unterschiedliche Strömungen,
wobei die sukzessive Veranlagung der beiden ins Auge springt. Es handelt es sich dabei
1Vgl. Schulz, G., Romantik. München 1996, S. 10-13
2Frenzel, H.A. und E., Daten deutscher Dichtung, Band 1. München 1964, S. 249
3Vgl. z.B. Peter, K., Romantik, in: Bahr, E., (Hrsg.), Geschichte der deutschen Literatur, Band 2. Tübingen 1998,
S. 345
einmal um die Frühromantik (um 1798 vornehmlich in Jena), zu deren prominenstesten
Vertretern sicherlich Wackenroder, Tieck, Hardenberg (Novalis) und die Gebrüder Schlegel
zu rechnen sind. Die auf 1805 bzw. 1808/09 datierte Hochromantik umfasste vor allem
Arnim, Brentano und Eichendorff.4
3.
Epochenkonstituierende sozialgeschichtliche Implikate
Kein historisches Ereignis symbolisiert die große Teile Europas umfassenden
gesellschaftlichen Veränderungen - nämlich den Übergang des Feudalismus zur
Bürgertumsherrschaft - besser als die Französische Revolution. Allerdings war die Macht des
Bürgertums in Deutschland vor allem wegen der ungeheuer großen Fragmentierung in über
dreihundert souveräne Staaten beschnitten, da die (in England und Frankreich bereits seit
längerem gegebene nationale Einheit) als relevanter Entwicklungsbedingung und -faktor
wirtschaftlichen Potentials angesehen wird. Diese Konstellation zeitigte zwar für das Heilige
Römische Reich Deutscher Nationen fatale gesellschaftliche Konsequenzen, die aber durch
enorme Entwicklungspotentiale in Kunst und Wissenschaft kompensiert werden konnten:
"Dem Bürgertum, das auch in Deutschland immer mehr Bedeutung gewann und dem Adel
selbstbewußter entgegentrat, fehlte daher die wirtschaftliche Macht, politische Veränderungen
zu erzwingen. Statt dessen baute der progressive Teil dieses Bürgertums auf die Macht der
Moral, auf Philosophie und Literatur."5 Bezüglich der Akzeptanz der gerade angerissenen
sozialen (und nicht wissenschaftlichen bzw. künstlerischen) Gegebenheiten kann man ein
Distinktionsmerkmal zwischen der "klassischen" und "romantischen" (Künstler-) Generation
festmachen, denn während "Goethe und Schiller, die Klassiker, die Position der Aufklärung
unter dem Druck der Verhältnisse am Ausgang des Jahrhunderts mit der feudalen
Gesellschaftsordnung zu versöhnen suchten, kennzeichnet es die Romantiker, daß sie diese
Versöhnung ablehnten."6 Trotz dieser vordergründigen Niederlage des Bürgertums dürfen die
von diesem in ihrer Entwicklungsphase initierten gesellschaftsverändernden Tendenzen nicht
unterschlagen werden, obwohl diese in der (literarischen) Epoche der Romantik noch nicht
völlig zum Tragen kamen bzw. in ihren Auswirkungen allzu stark zu spüren waren. Dabei
handelt es sich um die die Technisierung der Lebensverhältnisse der Menschen und den
Übergang von merkantilistischer zu kapitalistischer Wirtschaftsweise.7 Als die die Romantik
4Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart 1990, S. 398
5Peter, K., Romantik, in:Bahr, E., (Hrsg.), Geschichte der deutschen Literatur, Band 2. Tübingen 1998, S. 349 f.
6Ebd., S. 346 f.
7Schulz, G., Romantik. München 1996, S. 22 ff.
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