Untertitel: Welche medienpolitischen Ziele hatten die lateinamerikanischen Staaten in den letzten 60 Jahren?
Autor: Bakk.Komm. Irene Hartinger
Fach: Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Details
Institution/Hochschule: Paris Lodron Universität Salzburg (Universität Salzburg)
Jahr: 2006
Seiten: 70
Note: Sehr Gut
Literaturverzeichnis: ~ 70 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 703 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-13932-3
ISBN (Buch): 978-3-640-13976-7
Zusammenfassung / Abstract
1. Einleitung Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Medienpolitik in Lateinamerika“. Dabei möchte ich auf die ordnungspolitischen Ziele eingehen, die die lateinamerikanischen Länder in den letzten 60 Jahren inne hatten. Die beträchtlichen Unterschiede zwischen den Ländern Lateinamerikas erschweren es, pauschale Aussagen über den ganzen Subkontinent zu treffen. Aufgrund der großen nationalen Unterschiede, habe ich mich deshalb entschlossen einen besonderen Fokus auf die Länder Argentinien, Brasilien, Guatemala, Kuba und Mexiko zu legen. Anhand einer Inhaltsanalyse werde ich versuchen, die wichtigsten Punkte und Komponenten in Bezug auf die Medienpolitik herauszuarbeiten. Zum Großteil beziehe ich meine Informationen sowohl aus Fachliteratur, als auch aus dem Internet. Der erste Teil meiner Arbeit gibt einen allgemeinen Überblick über die gegenwärtige Situation in Lateinamerika. Fragen, wie beispielsweise welchen sozialen Problemen und Ungleichheiten die lateinamerikanische Bevölkerung gegenüber steht oder wie sich die Arbeitslosigkeit auf dem Subkontinent gestaltet, werden geklärt. Auch die politische Entwicklung vom 19. Jahrhundert bis heute stellt einen wichtigen Teilbereich in meiner Arbeit dar. Im darauffolgenden Kapitel wird das Verhältnis der lateinamerikanischen Staaten gegenüber den Vereinten Nationen vorgestellt. Inwiefern hat der US-amerikanische Markt noch Einfluss auf den Subkontinent? Ist es inzwischen bereits zu einer vollständigen Abwendung von der US-amerikanischen Vorherrschaft im Medienbereich gekommen? Wie verhält sich Kuba gegenüber seinem erklärten „Feind“? Des Weiteren gebe ich einen allgemeinen Überblick zur lateinamerikanischen Medienlandschaft. (Wie und durch wen gestaltet sich der Medienmarkt auf dem Subkontinent?) Diesbezüglich stellt sich die Frage, welche Medienunternehmen markt¬beherrschenden Großkonzerne der Entwicklung einer pluralistischen Medienlandschaft in Lateinamerika zunehmend im Wege stehen. Unter anderem werde ich das Thema der engen Verbindung zwischen den lateinamerikanischen Massenmedien und den Regierungen aufgreifen, mit folgender Fragestellung im Mittelpunkt: Wie gestaltet sich die objektive Berichterstattung und die Pressefreiheit in den lateinamerikanischen Medien?
Textauszug (computergeneriert)
Universität Salzburg
Fachbereich für Kommunikationswissenschaften
Sommersemester 2006
SE: Globalisierung der Medienmärkte:
Internationale und europäische Medienpolitik
Globalisation of Media Markets: International and European Policy
LVNr.: 641512
Bakkalaureatsarbeit
Medienpolitik in Lateinamerika
Welche medienpolitischen Ziele hatten
die lateinamerikanischen Staaten mit einem Fokus auf Argentinien, Brasilien,
Guatemala, Kuba und Mexiko in den letzten 60 Jahren?
Eingereicht am:
31.10.2006
Eingereicht von:
Irene W. Hartinger
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2.
Landesspezifische Daten zu Lateinamerika 6
2.1
Politische Entwicklung im 19. Jahrhundert bis heute 8
2.2
Größerer Einfluss der Vereinten Nationen oder Rückgang der US-
amerikanischen Dominanz? 9
3.
Die Medienlandschaft Lateinamerikas 12
3.1
Die enge Verbindung zwischen dem medialen und politischen System 14
3.2
Die Verbreitung der Medien in Lateinamerika 15
4.
Das lateinamerikanische Pressewesen 18
4.1
Die Presse- und Meinungsfreiheit auf dem Subkontinent 19
4.1.1
Einschränkung der Pressefreiheit und die ,,schwarzen Schafe" des
Subkontinents 20
4.1.2
Übergriffe auf Journalisten und Medienunternehmen 21
4.1.3
Die allgemeine Situation in Lateinamerika 23
4.2 Guatemala 24
4.2.1
Die guatemaltekische Presselandschaft 25
4.2.2
,,Constitución Política de la República de Guatemala 1985" 25
4.2.3
,,Presse- und Meinungsfreiheit" 27
4.3 Argentinien 28
4.3.1
Die wichtigsten argentinischen Zeitungen 28
4.3.2
Die rechtlichen Grundlagen in Argentinien 29
4.3.3
Argentinien unter der Regierung Peróns 30
4.4
Die Presselandschaft in Kuba 31
5.
Das Rundfunkwesen in Lateinamerika 34
5.1
Der Hörfunk auf dem Subkontinent 35
5.2
Die Entstehungsgeschichte des Fernsehens 36
5.3 Mexiko 37
5.3.1
Das Fernsehen in Mexiko 38
5.3.2
Das mexikanische Rundfunkgesetz 38
5.3.3
,,Televisa" das mächtigste Medienunternehmen Lateinamerikas 41
5.4 Brasilien 43
5.4.1
Das Medienrecht Brasiliens 43
5.4.2 Rechtsgrundlagen
des
Landes 44
5.4.3
Die brasilianische Aufsichtsbehörde 45
5.4.4
Fernsehen und ,,TV Globo" 46
5.5 Argentinien 47
5.5.1
Die argentinische Rundfunklandschaft 48
5.5.2
Das ,,Manual de Instrucciones para las Estaciones de Radiodifusión" und
die
,,COMFER" 49
5.5.3
Das argentinische Rundfunkgesetz 49
5.5.4
,,Clarín" und ,,Citicorp Equity Investment" (CEI) 51
6.
Die globale Nutzung der Neuen Informations- und Kommunikations-
technologien (NIKT) 53
6.1
Lateinamerika im Internet 53
6.2
Privatisierung der Telekommunikationsunternehmen 56
6.3
Regulierung des Internets in Kuba 56
7. Fazit 59
8. Literaturverzeichnis 63
9.
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen 69
1. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema ,,Medienpolitik in Lateinamerika". Dabei
möchte ich auf die ordnungspolitischen Ziele eingehen, die die lateinamerikanischen
Länder in den letzten 60 Jahren inne hatten. Die beträchtlichen Unterschiede zwischen
den Ländern Lateinamerikas erschweren es, pauschale Aussagen über den ganzen
Subkontinent zu treffen. Aufgrund der großen nationalen Unterschiede, habe ich mich
deshalb entschlossen einen besonderen Fokus auf die Länder Argentinien, Brasilien,
Guatemala, Kuba und Mexiko zu legen. Anhand einer Inhaltsanalyse werde ich versu-
chen, die wichtigsten Punkte und Komponenten in Bezug auf die Medienpolitik
herauszuarbeiten. Zum Großteil beziehe ich meine Informationen sowohl aus
Fachliteratur, als auch aus dem Internet.
Der erste Teil meiner Arbeit gibt einen allgemeinen Überblick über die gegenwärtige
Situation in Lateinamerika. Fragen, wie beispielsweise welchen sozialen Problemen
und Ungleichheiten die lateinamerikanische Bevölkerung gegenüber steht oder wie
sich die Arbeitslosigkeit auf dem Subkontinent gestaltet, werden geklärt. Auch die poli-
tische Entwicklung vom 19. Jahrhundert bis heute stellt einen wichtigen Teilbereich in
meiner Arbeit dar. Im darauffolgenden Kapitel wird das Verhältnis der
lateinamerikanischen Staaten gegenüber den Vereinten Nationen vorgestellt. Inwiefern
hat der US-amerikanische Markt noch Einfluss auf den Subkontinent? Ist es inzwi-
schen bereits zu einer vollständigen Abwendung von der US-amerikanischen
Vorherrschaft im Medienbereich gekommen? Wie verhält sich Kuba gegenüber seinem
erklärten ,,Feind"?
Des Weiteren gebe ich einen allgemeinen Überblick zur lateinamerikanischen Medien-
landschaft. (Wie und durch wen gestaltet sich der Medienmarkt auf dem
Subkontinent?) Diesbezüglich stellt sich die Frage, welche Medienunternehmen markt-
beherrschenden Großkonzerne der Entwicklung einer pluralistischen Medienlandschaft
in Lateinamerika zunehmend im Wege stehen. Unter anderem werde ich das Thema
der engen Verbindung zwischen den lateinamerikanischen Massenmedien und den
Regierungen aufgreifen, mit folgender Fragestellung im Mittelpunkt: Wie gestaltet sich
die objektive Berichterstattung und die Pressefreiheit in den lateinamerikanischen
Medien?
Auch das lateinamerikanische Presse- und Rundfunkwesen ist in Bezug auf die
Medienpolitik von besonderem Interesse. Dabei werde ich zum einen auf die allge-
Einleitung 4
meine Situation in Lateinamerika eingehen und zum anderen das Pressewesen in
Guatemala und Argentinien und diesbezüglich auch dessen rechtliche Grundlagen vor-
stellen. Im darauffolgenden Kapitel werde ich die Regulierung der Massenmedien in
Kuba kurz beschreiben. Weiters stellt das Rundfunkwesen in Lateinamerika ein
wichtiges Thema in meiner Arbeit dar. In einem eigenen Kapitel werde ich den Hörfunk
und das Fernsehen näher beleuchten. Sowohl die Entstehungsgeschichte der Rund-
funkmedien als auch die gegenwärtige Situation sind ein Thema. Unter anderem kon-
zentriere ich mich dabei besonders auf die Länder Mexiko, Brasilien und erneut auf
Argentinien.
Zwar sind die Printmedien für den Großteil der Bevölkerung zugänglich, jedoch stellt
der weit verbreitete Analphabetismus den Subkontinent vor zunehmend große
Schwierigkeiten. Unter anderem gebe ich einen Einblick darüber, wie sich die Presse-
und Meinungsfreiheit auf dem Subkontinent gestaltet. Welche Autoritäten sind die
,,schwarzen Schafe", die Journalisten in ihrer täglichen Arbeit an einer freien Berichter-
stattung hindern? Immer wieder kommt es durch Polizei- und Streitkräfte, Paramilitärs,
Guerrillos und organisierte Kriminelle zu Übergriffen auf die Nachrichtenredakteure und
auf lateinamerikanische Medienunternehmen. Diese Maßnahmen differieren jedoch
stark von Land zu Land. Dabei werde ich einen kurzen Überblick über die
verschiedenen Länder Lateinamerikas geben und die gegenwärtige Situation näher
beschreiben.
Das Internet spielt in unserem Zeitalter eine immer wichtigere Rolle und wächst täglich
rapide an. Aus diesem Grund beschäftigt sich das letzte Kapitel meiner Arbeit mit der
Nutzung der Neuen Informations- und Kommunikationstechnologien. Dabei werde ich
zum einen auf die weltweite Situation kurz eingehen und zum anderen die lateinameri-
kanische Gegebenheiten näher erklären. Aufgrund der prekären Lage in Kuba ist es
mir ein besonderes Anliegen, die Regulierung des Internets und die gegenwärtige
Situation auf Kuba näher zu beschreiben.
Einleitung 5
2. Landesspezifische Daten zu Lateinamerika
Von sechs Milliarden Menschen auf der Erde müssen drei Milliarden mit nur weniger
als zwei Dollar am Tag auskommen. Die 200 wohlhabendsten Personen weltweit
verfügen über Vermögenswerte, die denjenigen einer Gruppe von Ländern
entsprechen, in denen 41 Prozent der gesamten Weltbevölkerung leben. Das
Vermögen der drei reichsten Männer der Welt übersteigt zusammengenommen das
kumulierte Bruttosozialprodukt der 35 ärmsten Länder und ihrer 600 Millionen
Einwohner. (Benoist 2001, 13)
Kollektiv über Lateinamerika zu berichten, bedeutet eine grobe Vereinfachung der
mehr als 30 Länder mit ihren unterschiedlichen Kulturen und Sprachen, sowie den
differenten historischen, politischen und ökonomischen Verhältnissen. Ebenso wie bei-
spielsweise beim Kontinent Afrika wird gängig auch im Fall Lateinamerika von einem
Kontinent in seiner Gesamtheit gesprochen und nicht zwischen den einzelnen Ländern
und deren komplexen Kulturen unterschieden. Laut Wilke (1987: 9) macht
Lateinamerika knapp ein Sechstel der Erdoberfläche und rund ein Zwölftel der
Weltbevölkerung aus.
Auf dem Subkontinent, der sich von
Abbildung 1: Landkarte von Lateinamerika
der mexikanischen Grenze bei San
Diego im Norden bis zum Kap Hoorn
im Süden erstreckt, lebten im Jahre
2005 etwa 554 Millionen Menschen.
Die Verstädterung in Lateinamerika
ist fast so hoch wie in den Industrie-
nationen immerhin leben drei
Viertel der Bevölkerung in den
Metropolen. Ein Drittel der Latein-
amerikaner ist jünger als 15 Jahre,
da die Wachstumsquote bei zwei
Prozent liegt. Diese ist somit drei
Mal so hoch wie in den Industrie-
staaten, wo im Vergleich knapp 16
Prozent der Bevölkerung unter 15
Jahre alt sind (vgl. Afemann 2002:
1).
Quelle: http://www.lib.utexas.edu/maps/americas/latin_america.gif
Landesspezifische Daten zu Lateinamerika
6
Das Lateinamerika des 21. Jahrhunderts steht auch heute noch immer vor zahlreichen
ungelösten Problemen. Wohl keine Region dieser Erde ist so stark von sozialen Un-
gleichheiten und der Kluft zwischen arm und reich geprägt wie Lateinamerika.
Besonders die Armut stellt ein zentrales Problem auf dem Subkontinent dar.
La situación latinoamericana se está caracterizando por tener la distribución de la renta
más desigual del mundo, en la que 20% de la población más pobre apenas recibe 4%
del ingreso total, mientras que un 10% de la población concentra 60% del ingreso.
1
(Ramírez 2002: 705, Hervorheb. i. O.)
Man zählt fast alle Länder Lateinamerikas zu den Entwicklungsländern und somit zu
den Ländern mit niedrigem Einkommen. In den letzten Jahren haben es nur drei
Länder geschafft in die Gruppe der am meist entwickelten Länder aufzusteigen. Laut
einer Einstufung durch das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen sind dies
Argentinien, Chile und Costa Rica. In diesen drei Gebieten liegt der ,,Human
Development Index" über dem Wert von 0,8. Dieser Wert berücksichtigt neben dem
Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner eines Landes, auch die Lebenserwartung,
den Bildungsgrad und die Einschulungsrate der Bevölkerung. Alle anderen Länder
ausgenommen das am wenigsten entwickelte Land Haiti zählen zu den Ländern mit
einem mittleren ,,Human Development Index". Ein gravierendes Problem stellt die hohe
Arbeitslosenquote in Lateinamerika dar (vgl. Afemann 2002: 1f.). ,,In den letzten Jahren
war durch die erleichterten Arbeitsbedingungen aufgrund des technologischen
Fortschritts, eine steigende Tendenz der Produktivität mit gleichzeitiger Abnahme der
Arbeitsplätze zu verzeichnen." (Haslinger 2004: 25) Somit müssen durchschnittlich
etwa 40 Prozent der Lateinamerikaner mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag aus-
kommen. Besonders auffallend sind diese enormen Einkommensunterschiede in
Brasilien. Die Zahl der Arbeitslosen und Unterbeschäftigten liegt dort bei knapp 50
Prozent und in manchen Regionen sogar darüber (vgl. Afemann 2002: 1f.). Jedoch gilt
nur die Gruppe als ,,arm", die bis zu einem Dollar pro Tag verdient. Jeder der mehr als
einen Dollar verdient wird als ,,nicht arm" eingeordnet. Unter diesen Bedingungen fällt
es leicht, die erbärmlichen Umstände, unter dem der Großteil der Bevölkerung lebt,
herunterzuspielen und die in Misere lebenden Lateinamerikaner als eine Minderheit
darzustellen (vgl. Haslinger 2004: 27).
1 Die Situation in Lateinamerika charakterisiert die ungerechteste Einkommensaufteilung der
Erde. Während 20 Prozent der extrem armen Bevölkerung kaum 4 Prozent der
Gesamteinnahmen erhalten, konzentrieren sich 60 Prozent der Einnahmen auf nur 10 Prozent
der Bevölkerung. (Eigene Übersetzung)
Landesspezifische Daten zu Lateinamerika
7
2.1 Politische Entwicklung im 19. Jahrhundert bis heute
Lateinamerika besteht im engeren Sinn aus all jenen Ländern Amerikas, die aus den
Kolonialgebieten Spaniens, Portugals und Frankreichs hervorgingen. Bis zur Mitte des
19. Jahrhunderts hatten konservative Diktatoren und Machthaber in den meisten
Ländern die Macht übernommen. Als die spanische und die portugiesische Kolonial-
herrschaft abgeschüttelt werden konnte, geriet der Subkontinent von seiner politischen
Abhängigkeit zunehmend in eine wirtschaftliche Interdependenz. Nun ging der
Imperialismus von anderen europäischen Mächten aus. Zu jener Zeit gewannen die
führende Weltmacht Großbritannien und Frankreich in Mittel- und Südamerika an
immer größerem Einfluss. Später wurden die Länder von den USA abgelöst und die
Vereinten Nationen wurden zum wichtigsten Abnehmer und Kapitalgeber
Lateinamerikas. Im 20. Jahrhundert mischten sich die Vereinten Nationen zunehmend
in die inneren Angelegenheiten einzelner Staaten ein (vgl. Encarta Enzyklopädie
2004).
Die politischen Beziehungen der lateinamerikanischen Länder waren stets durch
Kooperation und Konflikt geprägt. Die wechselseitige, außenpolitische Annäherung hat
keinesfalls zu einer völligen Übereinstimmung geführt. Jedes Land vertritt nach wie vor
seine regionale Meinung und eigene außenpolitische Interessen. Dennoch zeigt sich
im Prozess des Wandels, von Fall zu Fall eine übergreifende Tendenz (vgl. Klaveren
1991: 33). Während in den siebziger Jahren in den Ländern des Subkontinents die
Militärregime dominierten, so gelten die achtziger Jahre wohl eher als Dekade der
Transition zur Demokratie (vgl. Herzog/Hoffmann/Schulz 2002: 10). In den 1980er und
1990er Jahren kam es nach einer Ära des Autoritarismus in mehreren Ländern zur
Redemokratisierung. Zu jenem Zeitpunkt standen die Festigung der Demokratie und
die Überwindung der autoritären Restbestände im Zentrum des Interesses. Dennoch
war dieser Prozess nicht überall und durchgängig von Dauer. In manchen Gebieten
gab es sogar wieder Rückschläge hin zu autoritären Verhältnissen, wie beispielsweise
in Peru unter der Präsidentschaft Alberto Fujimoris (vgl. Wilke 2003: 7). Auch
Argentinien erlebte im Laufe der neunziger Jahre, unter der Regierung Menem, eine
Schwächung und Einschränkung seines demokratischen Systems (vgl.
Herzog/Hoffmann/Schulz 2002: 11).
Während in Costa Rica das politische System von bemerkenswerter Kontinuität
geprägt ist und das Land als wohl stabilste und kohärenteste Demokratie des
Kontinents gelten kann, stellte Peru unter Fujimori ab 1992 sicherlich den drastischsten
Fall dar, in dem der Demokratisierungsprozess in eine Diktatur hinter demokratischer
Landesspezifische Daten zu Lateinamerika
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