Untertitel: Museumsarbeit
Autor: Paul Jörg Koch
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Institution/Hochschule: Philipps-Universität Marburg (Fachbereich Philosophie und Gesellschaftswissenschaften, Fachgebiet Völkerkunde)
Jahr: 2008
Seiten: 33
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 7115 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-12109-0
ISBN (Buch): 978-3-640-12152-6
Anmerkungen Inhalt: -Quellenstudium und Objektvermessung sehr präzise erarbeitet - Thesen verifizieren und falsifizieren bei Objektarbeit untypisch, aber sehr spannende Herangehensweise - interessante Thesen - gute Mischung aus allgemeinen Hintergründen und speziellen Infos zu Exponat Die Version wurde unter Einbezug gegebener Kritik überarbeitet.Anmerkungen
Zusammenfassung / Abstract
Im Rahmen der sog. Museumsübung wurden verschiedene Objekte aus der völkerkundlichen Sammlung unter den Kurspartizipanten verteilt, damit diese sich über das erhaltene Objekt einer fremden Ethnie und Kultur anzunähern bemühen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem Blasrohr, das aus Indonesien stammt und dort von den Dayak auf Borneo gefertigt wurde. Im Folgenden soll zunächst das optische Erscheinungsbild des Objektes beschrieben und anhand dessen Vermutungen über das Objekt an sich und über die Kultur der das Objekt produzierenden/ verwendenden Ethnie angestellt werden. Zur weiteren Untersuchung wird der geographische und sozio-kulturelle Kontext des Objekts betrachtet. Dabei soll versucht werden die Objektherkunft genauer zu lokalisieren. Diesbezüglich interessiert vor allem die unterschiedlich starke Bedeutung des Objekts im Untersuchungsgebiet Borneo, Kalimantan. Die Bedeutung des Objektes soll der Eingrenzung einer wahrscheinlichen Herkunft dienen. Jene wahrscheinliche Herkunft soll an dieser Stelle die Ethnie (Objektverwender), den Ort (Landschaftstypus), die Situation (Art und Weise der Anpassung der Ethnie an die Natur), die Kultur (Alltag) und die Kausalität (Nutzen) der ursprünglichen Verwendung des Objektes in seinem sozio-kulturellen Umfeld differenziert umschreiben. Dazu sollen variierende Lebensbedingungen und –Ansprüche verdeutlicht werden, die hauptsächlich aus den differierenden Formen des Wirtschaftens resultieren. An diese potenzielle Eingrenzung der Herkunft anschließend, erfolgt die Schilderung der Herstellung des Objekts, sowie der Art der Verwendung. Mithilfe der Ergebnisse der literarischen Recherche soll anschließend den zuvor aufgestellten Vermutungen Rechnung getragen werden, indem versucht wird diese zu beweisen oder zu widerlegen. Abschließend werden ein kurzes Fazit und ein Ausblick über die abschätzbare Kontinuität der Herstellung des Objekts, sowie Art und Intensität der zukünftigen Verwendung gegeben. ! Mit dem sozio-kulturellen Umfeld, welches einen Großteil der Arbeit einnimmt, werden die Dayak im Allgemeinen beschrieben, so dass diese Arbeit auch oder vorallem für LeserInnen mit Interesse an der Kultur der Dayak geeignet ist. Es werden hieran traditionelle Riten, politische Organisation, Religion, kulturelle Unterschiede zwischen den Stämmen u.v.m. auf anschauliche Weise verdeutlicht. !
Textauszug (computergeneriert)
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Museumsarbeit:
Blasrohr der Dayak
Abb.1: Objekt
GLIEDERUNG
1 Einleitung 3
2 Objekt 4-6
2.1 Inventarisierungsprotokoll 4
2.2 Objektgeschichte 4-5
2.3 Objektbeschreibung 5
2.4 Vermutungen / Thesen 6
3 Blasrohr allgemein 6-7
4 Blasrohr der Dayak 7-28
4.1 geographische Herkunft 7-8
4.2 sozio-kultureller Kontext 8-23
4.2.1 Dayak allgemein 8-15
4.2.2 Wirtschaftliche Differenzierung 15-22
4.2.3 Eingrenzung 22-23
4.3 Herstellung 23-24
4.4 Verwendung 24-28
4.4.1 Formen der Jagd 24-25
4.4.2 Jagd mit dem Blasrohr 25-28
5 Auswertung der Thesen 28-29
6 Fazit / Ausblick 30-31
1 Einleitung
Im Rahmen der sog. Museumsübung wurden verschiedene Objekte aus der völkerkundlichen
Sammlung unter den Kurspartizipanten verteilt, damit diese sich über das erhaltene Objekt
einer fremden Ethnie und Kultur anzunähern bemühen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit
einem Blasrohr, das aus Indonesien stammt und dort von den Dayak auf Borneo gefertigt
wurde.
Im Folgenden soll zunächst das optische Erscheinungsbild des Objektes beschrieben und
anhand dessen Vermutungen über das Objekt an sich und über die Kultur der das Objekt
produzierenden/ verwendenden Ethnie angestellt werden.
Zur weiteren Untersuchung wird der geographische und sozio-kulturelle Kontext des Objekts
betrachtet. Dabei soll versucht werden die Objektherkunft genauer zu lokalisieren.
Diesbezüglich interessiert vor allem die unterschiedlich starke Bedeutung des Objekts im
Untersuchungsgebiet Borneo, Kalimantan. Die Bedeutung des Objektes soll der Eingrenzung
einer
wahrscheinlichen Herkunft
dienen. Jene
wahrscheinliche Herkunft
soll an dieser Stelle
die Ethnie (Objektverwender), den Ort (Landschaftstypus), die Situation (Art und Weise der
Anpassung der Ethnie an die Natur), die Kultur (
Alltag
) und die Kausalität (Nutzen) der
ursprünglichen Verwendung des Objektes in seinem sozio-kulturellen Umfeld differenziert
umschreiben. Dazu sollen variierende Lebensbedingungen und Ansprüche verdeutlicht
werden, die hauptsächlich aus den differierenden Formen des Wirtschaftens resultieren. An
diese
potenzielle
Eingrenzung der Herkunft anschließend, erfolgt die Schilderung der
Herstellung des Objekts, sowie der Art der Verwendung.
Mithilfe der Ergebnisse der literarischen Recherche soll anschließend den zuvor aufgestellten
Vermutungen Rechnung getragen werden, indem versucht wird diese zu beweisen oder zu
widerlegen.
Abschließend werden ein kurzes Fazit und ein Ausblick über die abschätzbare Kontinuität der
Herstellung des Objekts, sowie Art und Intensität der zukünftigen Verwendung gegeben.
2 Objekt
2.1 Inventarisierungsprotokoll
Inventar Nr. in der völkerkundlichen 574 Ind. 86
Sammlung Marburg
Objekt
Blasrohr
Sektion
Indonesien
Land
Indonesien
Ethnie
Dayak
Region
Borneo
Material
Eisenholz
Herstellung
Longitudinale Bohrung
Verwendung
Jagdgerät, Waffe
Bedeutung
Gebrauchsgegenstand
2.2 Objektgeschichte
Das Objekt kam 1960 in die Sammlung der Marburger Völkerkunde, nachdem es, zusammen
mit vielen Anderen aus der Sammlung Nassauischer Altertümer, vom Museum in Wiesbaden
gekauft wurde. Die Sammlung Nassauischer Altertümer, die im Rahmen der Ausgrabungs-
und Sammeltätigkeit des 1812 im damaligen Herzogtum Nassau gegründeten, ältesten
deutschen Geschichtsvereins mit fortwährender Entwicklung, dem sog. ,,Verein für
Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung", entstand, ist die älteste Abteilung
des Museums Wiesbaden (zit. SCHNELL 1984, S. 2).
Ursprünglich wurde das Objekt jedoch zwischen 1830-32 von Herrn Oberstleutnant von
Henrici auf einer Reise, die ihn nach der Insel Borneo führte, erworben (vgl. Inventarbuch der
völkerkundlichen Sammlung Marburg).
2.3 Objektbeschreibung
Bei dem Objekt handelt es sich um einen einfachen 129 cm langen Holzstab. Dieser ist
longitudinal mit einer Bohrbreite von 1,3 cm durchbohrt, so dass der ursprünglich 2,8 cm
dicke Stab (am Ausgang des Blasrohrs gemessen) noch eine Wandstärke von 0,8 cm aufweist.
Der Stab ist konisch verlaufend und misst dementsprechend am Ausgang 9 cm und am
Mundstück 8 cm im Umfang.
Die Oberfläche des Stabes ist außerordentlich glatt und glänzend, so dass die dunkel rot-
braune längsverlaufende Maserung sehr gut erkenntlich ist.
Abb.2: Objekt-Detailaufnahme - Mundstück
An einem Ende des Blasrohrs befindet sich ein konisches Mundstück aus Messing. Dieses ist
mit einfachen Verzierungen und Reliefierungen versehen. So sind symmetrische,
längsangeordnete und querverlaufende Vertiefungen in das Messingmundstück eingelassen.
Zudem sind auf dem Mundstück ebenfalls querverlaufende zum Teil eingekerbte und zum
Teil hervorstehende Muster erkenntlich (vgl. Abb.2).
Vor dem Mundstück ist eine, mit Harz angebrachte, Bastschnur befindlich (vgl. Abb.2).
2.4 Vermutungen / Thesen
(1) Das Blasrohr ist bis auf das Mundstück weder verziert noch sonderlich geformt. Es
kann also davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um einen
Gebrauchsgegenstand ohne besondere religiöse Bedeutung handelt.
(2) Es kann vermutet werden, dass das Blasrohr dem Abfeuern von kleinen Geschossen,
wie Pfeilen oder Kugeln, dient und in der Vergangenheit, wie auch der europäische
Bogen, nicht nur als Jagdutensil, sondern auch als Waffe zur Austragung gewaltsamer
Konflikte Verwendung fand.
(3) Aufgrund der enormen Länge des Blasrohres und des dadurch bedingten Gewichts,
wird es vermutlich mit beiden Händen aufs Ziel justiert.
(4) Die glänzende, glatte Oberfläche des Holzstabs, das exakt gebohrte Loch, sowie das
Messingmundstück, lassen Fertigkeiten und Kenntnisse des Produzenten in der Holz-
und Metallverarbeitung oder Handelsverbindungen zu Dritten, die dieser Kenntnisse
kundig waren, vermuten.
(5) Die nicht-sportliche Verwendung eines Blasrohrs impliziert einen geringen
Entwicklungsgrad der Agrarwirtschaft und somit eine geringe Tragfähigkeit von
Menschen pro Raumeinheit. Es kann vermutet werden, dass sich eine Ethnie, die dass
Objekt zur Jagd verwendet, durch eine geringe Bevölkerungszahl und dichte, sowie
eine vermutlich dörflich geprägte Siedlungsstruktur oder gar Nomadismus
auszeichnet.
(6) Die vor dem Mundstück mit Harz angebrachte Bastschnur dient vermutlich als eine
Art Stopper, um das Mundstück am Herauf-Rutschen zu hindern.
3 Blasrohr allgemein
Ein Blasrohr bezeichnet ein laufartiges Rohr, welches zumeist aus Holz oder Metall besteht
und dem Abschießen von Gegenständen, wie Pfeilen oder kleinen Steinen, dienlich ist
(AKTUELLES UNIVERSAL LEXIKON 1994, S. 229). Dazu wird der
abzufeuernde
Gegenstand, nachdem er zuvor vorne in den Lauf geschoben wurde (vgl. Abb.7), mit einem
kräftigen Atemstoß aus der Röhre geblasen (vgl. Abb.6). Das Blasrohr wird heute
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