Sie interessieren sich für Ihre Träume? Sie haben immer wieder Träume, die Sie tief berühren? Sie möchten wissen, was Ihre Träume für Ihr Leben bedeuten? Sie möchten Ihre Träume nicht analysieren, sondern mit dem Herzen verstehen? Sie möchten sich Ihren Träumen kreativ annähern? Dann sind Sie hier genau richtig! Ihre Träume sind das Tor zu Ihrem kreativen Selbst. Als langjährige Traumforscherin freue ich mich, Ihnen meinen kreativen Traumarbeitsansatz vorstellen zu dürfen. Das vorliegende Buch bietet Ihnen einen Einstieg in klassische und moderne Traum-Theorien. Sie erfahren, wie Sie Ihre Traumerinnerung verbessern und welche Möglichkeiten Sie haben, alleine, in Gruppen oder online kreativ mit Ihren Träumen zu arbeiten. Der Schwerpunkt dieses Buches liegt auf kreativen Methoden, mit Träumen zu arbeiten – wie z.B. Theater-Arbeit, Schreiben, „Wenn das mein Traum wäre…“, Collage und multimediale kreative Traumgruppenarbeit. Anschließend werden einige spezielle Traum-Themen beleuchtet – das Traumsymbol Wasser, Überlegungen zur Ähnlichkeit von Traum und Psychose, die Mutter im Traum als Schicksalsmacht sowie Alpträume mit Spinnen. Treten Sie ein in die Welt der Träume – DREAM ON!
DER WEG DES TRÄUMENS
Kreative Traumarbeit
Johanna Vedral
2
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
TRÄUME - Grundlagenwissen 4
1. WAS IST EIN TRAUM UND WARUM TRÄUMEN WIR? 4
Klassische tiefenpsychologische Ansätze: 5
Moderne Traum-Theorien 8
Der Weg des Träumens 11
Der Traum ist ein Tor 15
2. TRAUMERINNERUNG 16
3. METHODEN DER TRAUMARBEIT 18
Wie hängen Traum und Kreativität zusammen? 18
Kreative Traumarbeit 22
Theater-Traum-Arbeit 22
Durch Traumarbeit mein Lebensskript erkennen und neu schreiben 23
Traum-Geschichten 24
Traum-Collagen 25
Wie können Sie Ihre ganz persönlichen Traum-Collagen herstellen? 26
Online-Traumarbeit 28
Kreative Traumgruppen 40
AUSGEWÄHLTE TRAUM-THEMEN 41
1 DAS MOTIV WASSER IM TRAUM 41
2 TRAUM UND PSYCHOSE 53
Was ist Traum und Psychose gemeinsam und was unterscheidet sie? 53
Die Traumentzugspsychose oder wie Träumen uns hilft, nicht verrückt zu werden
55
3 DIE MUTTER ALS SCHICKSALSMACHT 58
Die Mutter als Spinnerin 58
Die Große Spinnerin in der Mythologie 61
Die Große Spinnerin als Traumgestalt 66
Welche Rolle spielt die persönliche Mutter in Träumen? 70
4 TRAUM UND ANGST 79
Traum-Ich-Beobachtung - Konstruktive Traumarbeit mit feindlichen
Traumgestalten 79
Kann Traumarbeit Tierphobien heilen? 85
Wer hat Angst vor Spinnen? Männerträume Frauenträume 94
Schlusswort 102
Die Autorin 103
Literaturverzeichnis 106
ANHANG: ARBEITSBLÄTTER TRAUM-ARBEIT 112
Theater-Traum-Arbeit in der Gruppe (1) 112
Theater-Traum-Arbeit in der Gruppe (2) 113
Traum-Geschichten 114
Traum-Collagen 115
3
Einleitung
-
Sie interessieren sich für Ihre Träume?
-
Sie haben immer wieder Träume, die Sie tief berühren?
-
Sie möchten wissen, was Ihre Träume für Ihr Leben bedeuten?
-
Sie möchten Ihre Träume nicht analysieren, sondern mit dem Herzen
verstehen?
-
Sie möchten sich Ihren Träumen kreativ annähern?
Dann sind Sie hier genau richtig!
Ihre Träume sind das Tor zu Ihrem kreativen Selbst. Als langjährige Traumforscherin
freue ich mich, Ihnen meinen kreativen Traumarbeitsansatz vorstellen zu dürfen.
Das vorliegende Buch bietet Ihnen einen Einstieg in klassische und moderne
Traum-Theorien. Sie erfahren, wie Sie Ihre Traumerinnerung verbessern und
welche Möglichkeiten Sie haben, alleine, in Gruppen oder online kreativ mit
Ihren Träumen zu arbeiten.
Der Schwerpunkt dieses Buches liegt auf kreativen Methoden, mit Träumen zu
arbeiten wie z.B. Theater-Arbeit, Schreiben, ,,Wenn das mein Traum wäre...",
Collage und multimediale kreative Traumgruppenarbeit.
Anschließend werden einige spezielle Traum-Themen beleuchtet das
Traumsymbol Wasser, Überlegungen zur Ähnlichkeit von Traum und Psychose, die
Mutter im Traum als Schicksalsmacht sowie Alpträume mit Spinnen.
Treten Sie ein in die Welt der Träume DREAM ON!
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TRÄUME - Grundlagenwissen
1 WAS IST EIN TRAUM UND WARUM TRÄUMEN WIR?
,,Ein Traum ist die kleine verborgene Tür zum tiefsten und intimsten Heiligtum der
Seele." C.G.Jung
Ich betrachte ein Gemälde von zwei Frauen, sie stehen mit dem Rücken zu mir im bewegten Meer, mit nacktem Oberkörper, die rechte ohne Kopf. Sie tragen über ihren Köpfen ein großes Bild. Ich male links eine weitere kopflose Frau dazu (Traum-Ende).
Ich finde ein undefinierbares, verfaulendes Stück Fleisch, ein bleiches Herz, so groß wie ein Kindskopf. Als ich es zum Mistkübel trage, tropft faulig-gärende Flüssigkeit.
Es fällt mir auch runter. Ich habe Sorge, es könnte mir was auf die Schuhe tropfen (Traum-Ende).
Viele Menschen fragen sich, was ihre nächtlichen Abenteuer bedeuten, jenes andere
Leben, das eine parallele Welt zu unserem Alltag zu sein scheint.
Ist der Traum ein Spiegel meiner selbst oder ein Konglomerat von bedeutungslosem
Neuronenfeuer? Sind es Bilderfluten ohne Logik, ohne Sinn und ohne
Zusammenhang oder sind es bedeutungsvolle Schlüssel für offene Fragen? Ist der
Traum eine "mentale Verdauung" oder können wir gar in fremde Welten reisen? Hilft
der Traum mit dem Alltag zurechtzukommen oder entstehen aus diesen Bildern erst
beim Erwachen Geschichten aus dumpfen Erinnerungen und Ahnungen? Ist der
Traum eine Halluzination, eine Flucht aus dem Alltag oder ein Wegweiser für unsere
Seele?
Das vorliegende Kapitel führt durch klassische tiefenpsychologische und moderne
neurowissenschaftliche Traumtheorien und stellt im Anschluss daran mein
Traumverständnis und meinen Ansatz der Traumarbeit vor.
5
Klassische tiefenpsychologische Ansätze
1900 erschien Sigmund Freuds "Traumdeutung". Die mit der "Traumdeutung"
fundierte Psychoanalyse prägte die Diskurse und Mentalitäten des 20. Jahrhunderts
entscheidend. In "Die Traumdeutung" entwickelt Freud sein topographisches Modell.
Darin unterscheidet er das Unbewusste, das Vorbewusste und das Bewusste.
Das Unbewusste ist laut Freud jener Bereich der menschlichen Psyche, der dem
Bewusstsein nicht direkt zugänglich ist, ein System, das vor allem aus verdrängten
oder abgewehrten Bewusstseinsinhalten besteht. Das Unbewusste beinhaltet
insbesondere die Triebe bzw. deren psychische Vorstellungsrepräsentationen
(,,Triebrepräsentanzen"). Eine umfassende Theorie von der Struktur der
menschlichen Psyche legt Freud mehr als 20 Jahre später1 in "Das Ich und das Es"
vor. Vereinfachend dargestellt:
- Das Es, der dunkle, unzugängliche, unbewusste Teil unserer Persönlichkeit,
bezieht seine Energie aus den menschlichen Trieben, in ihm herrschen
Lustprinzip und Primärprozess: Es ist "ein Chaos, ein Kessel brodelnder
Erregungen". Gleichwohl beeinflusst es unser Handeln, ohne dass es uns
bewusst wäre.
- Das Ich vertritt die Persönlichkeit gegenüber der Außenwelt, es ist dem
Realitätsprinzip und dem Sekundärprozess verpflichtet, indem es über
Bedürfnisse und Handlungen und deren Folgen nachdenkt. Dabei ist das Ich
abhängig von den Ansprüchen des Es wie auch von denen des Über-Ichs.
- Im Über-Ich hat sich der elterliche Einfluss, die Erziehung, niedergeschlagen:
Das Über-Ich ist eine Art moralischer Instanz mit Geboten und Verboten.
Das Hauptanliegen der Psychoanalyse ist es, psychische Inhalte wieder bewusst zu
machen, die aufgrund von Erziehung und/oder erlittener Traumata in das
Unbewusste verdrängt wurden. Die Traumdeutung ist laut Freud die ,,Via regia"2 zur
Kenntnis des Unbewussten im Seelenleben.
1 1923
2 Via regia, lat. Königsweg
6
Die klassische psychoanalytische Theorie vertritt die Ansicht, dass in den Träumen
verdrängte und tabuisierte Wünsche in symbolisch verkleideter Form auftreten. Diese
Wünsche drängen ins Bewusstsein, werden von diesem aber abgewehrt und von
einem Zensor (Traummechanismus) in nicht unmittelbar verständliche, symbolische
Bilder umgewandelt.
Träume gelten für Freud als große Rätsel, als schwer zu entschlüsselnde Bilderwelt.
Die Kunst der Traumdeutung besteht darin, dieses Bilderrätsel wieder aufzulösen
und auf die eigentlichen latenten Traumgedanken und Triebwünsche zu kommen, die
in diesen Bildern verborgen liegen.
In der Traumdeutung empfiehlt Freud ein sorgfältiges Studium der Symbole. Mit Hilfe
einer Kenntnis der Traumsymbolik sei es möglich, den Sinn ganzer Träume zu
verstehen, ohne den Träumer nach seinen Einfällen befragen zu müssen. Die
Traumsymbolik führt weit über den Traum hinaus. Sie beherrscht in gleicher Weise
die Darstellung in den Märchen, Mythen und Sagen, in den Witzen und in der
Folklore.
Ein weiterer bahnbrechender Traumforscher war der Schweizer Psychiater Carl
Gustav Jung, der bei Bleuler3 habilitierte, sich aber mit ihm verwarf und sich in
Freuds Bewegung engagierte. Sein Buch Wandlungen und Symbole der Libido führte
zum Bruch mit Freud, da Jung darin Freuds Libidotheorie kritisierte. Danach war
Jung in eigener Praxis tätig und publizierte weiter.
Eine bedeutende Abweichung gegenüber Freud besteht in Jungs Annahme, dass es
neben dem persönlichen Unbewussten auch ein ,,kollektives Unbewusstes" gibt, eine
Lagerstätte des psychischen Erbes der Menschheitsgeschichte. Freud konzipierte
seine Theorie des Unbewussten dagegen stärker auf einer individuellen Ebene.
Jungs Konzeption des kollektiven Unbewussten und der Archetypen ist deutlich
religiös geprägt, was Freud kategorisch ablehnte.
3 Bleuler (1857-1939), ein Schweizer Psychiater, der vor allem durch seine Beschreibung der Schizophrenie (1911: Dementia praecox oder Gruppe der Schizophrenien) bekannt geworden ist, mit der er den bisherigen Begriff Dementia praecox von Emil Kraepelin ersetzte.
7
Archetypen sind im kollektiven Unbewussten angesiedelte Urbilder menschlicher
Vorstellungsmuster, die als unbewusste Wirkfaktoren das Bewusstsein strukturieren.
Viele der Archetypen beruhen auf Urerfahrungen der Menschheit wie Geburt,
Kindheit, Pubertät, Eltern sein, alt werden, Tod etc. Ein Archetyp ist in seiner
Wirkung in symbolischen Bildern erfahrbar - in Träumen, Visionen, künstlerischen
Erzeugnissen, Märchen und Mythen: z.B. das Kind, der Krieger, der Wanderer, die
Mutter, der Beschützer, der Heilsbringer...
Archetypen sind Artikulationen von Energie und von besonderer Bedeutung für das
Verständnis der Schizophrenie. Archetypen wirken sich in der Biographie von
Menschen aus und gestalten ihre Identität, das Gesamt an Geschichten, die sie
fortlaufend über sich und ihr Leben erzählen. Jung sieht die individuelle Psyche stark
beeinflusst von Archetypen, wenn das Ich-Bewusstsein verunsichert oder - wie in der
Psychose -zusammengebrochen ist, da sich dann die Tendenz der Gesamtpsyche
verstärkt, sich nach den archetypischen Ordnungsmustern wieder neu auszurichten.4
In Bezug auf die Traumdeutung richtete sich Jungs Kritik besonders gegen Freuds
These, der Traum sei eine Wunscherfüllung. Jung sah den Traum weniger unter
Triebaspekten oder als moralisches Versteckspiel, sondern als Ausdruck einer
Selbststeuerung des Organismus, um Einseitigkeiten unseres Erlebens, Denkens
und Entscheidens anzuzeigen und auszugleichen. Der Traum ist somit Ausdruck
einer Selbststeuerung des Organismus und das wichtigste Hilfsmittel beim Aufbau
der Persönlichkeit, indem er die Richtung anzeigt, in die sich unser Leben bewegen
wird. Jung sah in Träumen auch Offenbarungsbotschaften einer den einzelnen
transzendierenden unbewussten Weisheit (Weltengeist).
Die im Traum geschaffenen Bilder können als Botschaften verstanden werden, die
wir aufnehmen und lesen können wie Briefe eines guten Freundes.
Die Träume enthüllen unvermutete Kraftquellen und unbewusste Weisheit und
zeigen einen Weg, auf dem der Mensch den Sinn seiner Existenz zu ergründen und
zu erklären vermag.
4 Vgl. Roesler
8
Freud und Jung sind sich einig, dass der Traum eine Möglichkeit darstellt,
abgespaltene Anteile - Aspekte der Persönlichkeit oder die unterschiedlichen inneren
Personen - sichtbar zu machen und diese in die Gesamtpersönlichkeit zu integrieren.
(Traum-Anfang) Ich stehe vor einem Spiegel. Schaue meine Handflächen an - unter der Haut krabbeln dünne schwarze Würmer, die Löcher in die Haut machen. Ich bin entsetzt, zerreibe, zerquetsche sie. Sie sind überall - ich sehe sie im Spiegel auch auf meiner Stirn (Traum-Ende).
Moderne Traum-Theorien
Moderne Traumtheorien sind anders als die klassischen tiefenpsychologischen
Ansätze - meist neurowissenschaftlich begründet. Eine der meist verbreiteten
wissenschaftlichen Theorien über Träume ist J. Allen Hobson′s ,,Aktivations-Synthese-Hypothese". Hobson, ein Neurowissenschaftler aus Harvard, sieht Träume
als zufällige elektrische Funken während der REM-Phasen5 im Hirnstamm6. Er
erklärt, dass diese elektrische Aktivität seltsame, zusammenhangslose Bilder und
Gefühle im Gehirn verursache. Der Cortex7 versucht sinnhafte Traum-Erzählungen
aus diesem Input herzustellen.
Andere Wissenschaftler stimmen mit Hobson darin überein, dass sie diese zufällige
Aktivierung des Gehirns für die Entstehung von Träumen verantwortlich machen.
Unser Gehirn braucht eine gewisse nächtliche Aktivität, damit wir bereit sind
aufzuwachen, wenn Gefahr für uns besteht. Während der REM-Schlafphasen sind
die Hirnwellen ähnlich aktiv wie im Wachzustand. Manche Wissenschaftler sehen die
zufällige elektrische Stimulation als simple Übung des Gehirns, die neuralen
5 Als REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) wird eine Schlafphase bezeichnet, die unter anderem durch schnelle Augenbewegungen gekennzeichnet ist. Weitere Merkmale sind ein niedriger Tonus der quergestreiften Muskulatur und ein bestimmtes Aktivationsmuster im EEG Thetawellen mit einer Frequenz von 4 bis 8 Hz und langsame Alphawellen. Bei Erwachsenen nimmt der REM-Schlaf etwa 20 % bis 25% des Schlafes ein Die meisten Träume finden in dieser Phase statt.
6 Der Hirnstamm verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark und ist für die allgemeinen Lebensfunktionen zuständig. Seine Strukturen kontrollieren die Herzfrequenz, den Blutdruck, die Atmung und das Wach-Schlafzentrum.
7 Der Cortex cerebri ist die phylogenetisch jüngste und am weitesten entwickelte Hirnregion. Er dient höheren Funktionen wie z.B. Verarbeitung von Sinneswahrnehmung, Sehen, Lesen, Hören, Sprechen, Planung und Ausführung von Willkürbewegungen, Bewusstsein, komplexem Denken, Persönlichkeit, etc.
9
Verbindungen aufrecht zu erhalten und Träume nur als ,,Unfall" oder ,,Nebenprodukt"
dieses Übungsprozesses.
Wissenschaftler wie z.B. Robert Stickgold und Carlisle Smith sehen den REM-Schlaf und das Träumen als essenziell bedeutend für Lernprozesse. Sie glauben,
dass wir während des Träumens in den REM-Phasen neue Verbindungen im Gehirn
aufbauen und so neue Informationen im Gedächtnis konsolidieren, indem diese
Informationen mit älterer, bereits gespeicherter Information verbunden werden.
Die Unlearning Theory von Crick & Mitchison behauptet das Gegenteil: dass
Träume uns nicht beim Erinnern helfen, sondern dabei, triviale und nutzlose
Informationen zu vergessen. Das ,,unlearning" reinigt sozusagen das Gedächtnis und
hilft uns, neurale Verbindungen für das Speichern neuer Informationen frei zu
machen.
Rosalind Cartwright u.a. sehen Träume vor allem von Bedeutung für unsere
emotionale Selbstregulation. Forscher wie Milton Kramer und Ernest Hartmann
glauben, dass Träume das Resultat ungelöster emotionaler Konflikte sind, die im
Schlaf sichtbar werden.
Die Neurowissenschaftler Llinas und Pare postulieren Traum und Wachzustand als
anders akzentuierte virtuelle Realitäten, mentale Simulationen eines zwischen
verschiedenen Dichten (z.B. Wachen, Träumen, luzides Träumen) fluktuierenden
phänomenalen Bewusstseins.
Wie die obigen Ausführungen deutlich zeigen, gibt es keine letztgültige Meta-Traumtheorie. Die wissenschaftlichen Erklärungen zur Bedeutung der Träume sind
genauso polyphon wie die Träume selbst:
Träume werden definiert als
- Formation von Kompromissen, um halluzinatorische Wünsche zu erfüllen und
gleichzeitig den Schlaf zu schützen;
- als vielsinnige Wahrnehmungssimulation;
- als physiologisches Trugbild und
10
- als mentale/ kognitive/ geistige Erfahrung oder Tätigkeit während des
Schlafes.8
- Weiters als zufällige elektrische Funken während der REM-Phasen im
Hirnstamm,
· als beteiligt an Lernprozessen
- wie auch als bedeutsame Botschaften aus dem Unbewussten.
Victoria Rabinow9, eine holistische Traumforscherin, umschreibt den Traum mit
unterschiedlichen therapeutischen Metaphern:
- Der Traum als alchemistisches Werkzeug der Verwandlung/ Heilung/
Entwicklung: Der Traum ist der verwundete Heiler, eine Körper-Landkarte
oder eine mythische Reise.
- Der Traum als Fährte der Reise nach innen: Der Traum ist ein Trickster, ein
Museum der Erinnerung, Empowerment, eine Grenze, ein Urteil, eine
Identität, der Abstieg der Inanna in die Unterwelt.
- Der Traum als Werkzeug zur Heilung des Herzens: Der Traum als Ewiges
Licht, als Auferstehung, als Epiphanie, als Opfer, als Rückzugsort
(Sanktuarium), als Gnade.
- Der Traum als Werkzeug zur kreativen Inspiration: Der Traum als Maske, als
Mandala, als Divination (Das Kartendeck des Träumers), als gemaltes
Journal, als Muse, als Autobiographie, als Buch der Spiegel, als Stimme, als
Märchen, als Tagebuch, als Kinderbuch, als Mysterium, als Melodrama, als
Korrespondenz, als Poesie, als Mythos.
- Der Traum als Werkzeug für die Schreibtherapie: Der Traum als Labyrinth, als
Fluss, als vergrabener Schatz, als Journal, als Landkarte, als Spiegel, als
Brücke.
Für Swinney und Miller10, Chaostheoretiker der Psychologie, ist ein Traum ein
Strom von chaotischem undifferenziertem Bewusstsein, das durch die Psyche fließt
8 Bosinelli und Cicogna 1984, S.7ff. zit. nach Holzinger 1994, S.12ff.
9 http://victoriadreams.com
10 Graywolf Fred Swinney and Iona Miller 1992
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