Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Diploma Thesis, 2008, 96 Pages
Author: Michaela Bublitz
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Tags: Möglichkeiten, Sozialpädagogik, Erkrankten, Behinderten, Schlaganfall, Patienten, Versorgung
Year: 2008
Pages: 96
Grade: 1,2
Bibliography: ~ 85 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-13984-2
ISBN (Book): 978-3-640-13988-0
File size: 676 KB
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
1. Einleitung Das Ziel meiner Diplomarbeit ist es, die verschiedenen Arten der tiergestützten Therapie in der Sozialpädagogik vorzustellen und sie kritisch zu betrachten. Das Thema der tiergestützten Therapie ist keineswegs neu. Bereits im 16.Jahrhundert erschienen erstmals Zeitungsartikel zu diesem Thema und auch einige wenige wissenschaftliche Berichte. Im 18.Jahrhundert wurden in England Tiere in einer Anstalt für geistig Behinderte Menschen eingesetzt. Immer wieder habe ich in der Literatur und in den unterschiedlichen Studien zum Thema tiergestützte Therapie, von einem oder dem „heilsamen Prozess“ in der Mensch-Tier-Interaktion gelesen. Meistens wird dieser heilsame Prozess jedoch nicht näher erläutert. Darum möchte ich mich in meiner Diplomarbeit genauer damit auseinandersetzen. Die übergeordnete Frage lautet also: Was genau macht den heilsamen Prozess in der Mensch-Tier-Interaktion aus? Was wirkt warum? Und wie? Tiere in der Therapie, Pädagogik oder Geragogik sind hierzulande noch nicht sehr bekannt. Am geläufigsten sind vor allem die Reit – und die Delphintherapien. Im Gegensatz zu uns, sind die angelsächsischen Länder bezüglich der „animal asstistend thera-py“, wie sie dort genannt wird, uns weit voraus. Besonders in den USA, wo das erste Werk zu diesem Thema schon 1969 erschien, existiert zahlreiche Fachliteratur zu diesem Thema In den letzten Jahren hat sich die Wissenschaft etwas vermehrter mit dem Thema der tiergestützten Therapie beschäftigt. Dennoch ist Deutschland mit seinen Forschungen zu diesem Thema im Vergleich zu anderen Ländern noch weit im Rückstand. Die Praxis ist der Theorie im deutschsprachigen Raum weit voraus. So sind die Zahl und auch die Qualität der Praxisprojekte in der pädagogischen oder therapeutischen Arbeit mit Tieren in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen, wissenschaftlich abgesicherte und anerkannte Erkenntnisse zu diesem Thema gibt es allerdings nur sehr begrenzt.
Excerpt (computer-generated)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ___ 3
2. Allgemeine Erläuterungen ___ 6
2.1. Dementiel e Erkrankungen ___ 6
2.1.1. Demenz ___ 6
2.1.1.1. Definition der Demenz nach ICD-10 ___ 7
2.1.1.2. Definition der Demenz im DSM-IV ___ 7
2.1.2. Alzheimer Krankheit ___ 8
2.1.2.1. Ursachen ___ 8
2.1.2.2. Symptome und Krankheitsverlauf ___ 9
2.2. Geistige Behinderung ___ 9
2.3. Schlaganfal ___ 12
2.4. Gemeinsame Einschränkungen ___ 13
2.4.1. Aphasie ___ 13
2.4.2. Apraxie ___ 13
2.4.3. Apathie ___ 14
2.4.4. Affektive Störungen ___ 14
2.5. Therapiemöglichkeiten ___ 15
2.5.1. Snoezelen ___ 15
2.5.2. Basale Stimulation ___ 18
2.5.2.1. Somatische Anregung ___ 19
2.5.2.2. Vibratorische Anregung ___ 20
2.5.2.3. Vestibuläre Anregung ___ 20
2.5.3. Tiergestützte Therapie21
2.5.3.1. Animal Assisted Activities ___ 21
2.5.3.2. Animal Assisted Therapy ___ 21
2.5.3.3. Tiergestützte Therapie ___ 22
2.6. Therapie ___ 23
3. Entstehungsgeschichte der tiergestützten Therapie ___ 25
3.1. Erklärungsansätze der tiergestützten Therapie ___ 26
3.1.1. Ansatz nach Boris Levinson ___ 26
3.1.2. Ansatz nach Samuel und Elizabeth Corson ___ 27
3.1.3. Biophilie Hypothese ___ 28
3.1.4. Du Evidenz ___ 30
3.1.5. Bindungstheorie ___ 31
3.1.6. Schichtenlehre der Personen nach Rothacker ___ 34
3.2. Kritische Betrachtung der Erklärungsansätze ___ 36
4. Die Mensch Tier Beziehung ___ 39
4.1. Ein historischer Abriss ___ 39
4.2. Positive Wirkung der Mensch Tier Beziehung ___ 42
4.2.1. Physische und physiologische Wirkung ___ 43
4.2.2. Mentale und psychologische Wirkung ___ 44
4.2.3. Soziale Wirkung ___ 45
5. Kommunikation und Interaktion ___ 45
5.1. Die menschliche Kommunikation ___ 45
5.2. Die tierische Kommunikation ___ 47
5.3. Die Mensch Tier Kommunikation ___ 49
5.4. Mensch Tier Interaktion ___ 51
6. Welche Tiere sind als therapeutische Begleiter geeignet
und wo sind sie einsetzbar? ___ 56
6.1. Delphintherapie ___ 59
6.2. Hippotherapie ___ 61
6.3. Lama und Alpaka Therapie ___ 63
6.4. Hundetherapie ___ 65
7. Einwände der tiergestützten Therapie ___ 67
7.1. Allgemeine Schwierigkeiten ___ 67
7.2. Instrumentalisierung von Tieren in der Therapie ___ 68
7.3. Tierschutzgesetze ___ 68
7.4. Hygieneaspekte ___ 70
7.5. Ethik ___ 73
7.6. Gefahren ___ 73
7.7. Kritik an tiergestützter Therapie ___ 74
8. Theoretische und konzeptionelle Einbindung in die Sozialpädagogik ___ 78
8.1. Folgerungen für die Sozialpädagogik ___ 78
8.2. Dog Water Therapy nach Elke Otto ___ 82
8.2.1. Zielgruppe ___ 82
8.2.2. Ausbildung der Therapiehunde ___ 83
8.3. Einheitliche Ausbildungsstandarts für tiergestützte Therapie ___ 83
9. Schlussbetrachtung und Ausblick ___ 86
10. Quel enverzeichnis ___ 90
10.1. Literatur ___ 90
10.2. Internet ___ 93
1. Einleitung
Das Ziel meiner Diplomarbeit ist es, die verschiedenen Arten der tiergestützten Therapie in der Sozialpädagogik vorzustellen und sie kritisch zu betrachten.
Das Thema der tiergestützten Therapie ist keineswegs neu. Bereits im 16.Jahrhundert erschienen erstmals Zeitungsartikel zu diesem Thema und auch einige wenige wissenschaftliche Berichte. Im 18.Jahrhundert wurden in England Tiere in einer Anstalt für geistig Behinderte Menschen eingesetzt.
Immer wieder habe ich in der Literatur und in den unterschiedlichen Studien zum Thema tiergestützte Therapie, von einem oder dem ,,heilsamen Prozess" in der Mensch-Tier-Interaktion gelesen. Meistens wird dieser heilsame Prozess jedoch nicht näher erläutert. Darum möchte ich mich in meiner Diplomarbeit genauer damit auseinandersetzen.
Die übergeordnete Frage lautet also: Was genau macht den heilsamen Prozess in der Mensch-Tier-Interaktion aus? Was wirkt warum? Und wie?
Tiere in der Therapie, Pädagogik oder Geragogik sind hierzulande noch nicht sehr bekannt. Am geläufigsten sind vor al em die Reit und die Delphintherapien. Im Gegensatz zu uns, sind die angelsächsischen Länder bezüglich der ,,animal asstistend therapy", wie sie dort genannt wird, uns weit voraus. Besonders in den USA, wo das erste Werk zu diesem Thema schon 1969 erschien, existiert zahlreiche Fachliteratur zu diesem Thema.
In den letzten Jahren hat sich die Wissenschaft etwas vermehrter mit dem Thema der tiergestützten Therapie beschäftigt. Dennoch ist Deutschland mit seinen Forschungen zu diesem Thema im Vergleich zu anderen Ländern noch weit im Rückstand. Die Praxis ist der Theorie im deutschsprachigen Raum weit voraus. So sind die Zahl und auch die Qualität der Praxisprojekte in der pädagogischen oder therapeutischen Arbeit mit Tieren in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen, wissenschaftlich abgesicherte und anerkannte Erkenntnisse zu diesem Thema gibt es allerdings nur sehr begrenzt.
Vor allem in den Bereichen der pädagogischen, sonderpädagogischen, heilpädagogischen und psychologischen Kinder- und Jugendhilfe kommen Tiere vielfältig zum Einsatz.
Seite 3
Es dominieren hier aber individuelle Handlungsansätze, was zur Konsequenz hat, dass es nur bedingt zu einer Informationsweitergabe und zu fachlichem Austausch kommt. Erst seit einigen Jahren gibt es Symposien zu diesem Themenbereich, wodurch der fachliche Austausch angeregt und die Arbeit mit Tieren als Helfer, Begleiter und Co-Therapeut bekannt gemacht und anerkannt werden soll.
Die Medien haben in letzter Zeit verschiedentlich über, tiergestützte Therapie oder Model versuche, wie Projekte mit Tieren in Gefängnissen, in Schulen oder Seniorenheimen, berichtet. Immer mehr Professionelle aus verschiedenen Richtungen interessieren sich vermehrt für tiergestützte Therapie und setzen Tiere in ihrer Arbeit ein. Dabei können therapeutische oder pädagogische Zielsetzungen im Vordergrund stehen.
Mittlerweile entstehen laufend neue Formen der tiergestützten Therapie. Es sind aber erst wenige theoretische Erklärungsansätze über die Wirkung von Tieren auf den Menschen vorhanden und nur zögerlich befasst sich die deutschsprachige Wissenschaft mit dem Thema. Neuerdings werden professionelle Weiterbildungen für Heilpädagogen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Logopäden, Ergotherapeuten ect. in tiergestützten Therapie angeboten.
Verschiedene Studien mit Tieren haben nicht nur im medizinischen Bereich eine Reduktion der Herzfrequenz und des Blutsrucks gezeigt, sondern auch z.B. bei "auffälligen" Kindern die Aufmerksamkeit, die Kommunikationsfähigkeit und die Leistungsfähigkeit erhöht.
Am weitesten fortgeschritten ist die Anerkennung der positiven Wirkungen von Tieren in der Altenhilfe. Die in der Altenarbeit gemachten positiven Erfahrungen mit Tieren sollten auch in die anderen pädagogischen oder therapeutischen Disziplinen genutzt werden.
Der Gedanke, dass Tiere offensichtlich eine positive Wirkung auf den Menschen haben, ist faszinierend und bewegte mich dazu, dieses Thema in meiner Diplomarbeit zu bearbeiten.
Ich werde den Begriff der "Tiergestützten Therapie" in meiner Diplomarbeit verwenden, da wir als Sozialarbeiter und Sozialpädagogen keine Therapien im allgemeinen Sinn durchführen können und dürfen ist diese Bezeichnung irreführend. Dieser Begriff wird aber so auch in der Literatur verwand.
Seite 4
Der Aufbau der Arbeit unterteilt sich in neun Kapitel. Kapitel zwei stel t nach der Einleitung eine detaillierte Einführung in das Thema dar. Es beginnt mit einigen wichtigen Definitionen der Krankheitsbilder und der gemeinsamen Einschränkungen der von mir aufgeführten Erkrankungen.
Kapitel drei befasst sich mit den Theorien und Ansätzen der tiergestützten Therapie. Es beleuchtet verschiedene Erklärungsansätze wie z.B. von Boris Levinson, Samuel und Elisabeth Corson, Edward Osborne Wilson, John Bowlby, Mary Ainsworth und Erich Rothacker.
Im Kapitel vier befasse ich mich mit der Mensch-Tier-Beziehung. Es beleuchtet die historische Entwicklung dieser Beziehung und benennt die positiven Wirkungen, die sich für den Menschen ergeben können.
Thema des fünften Kapitels ist die Mensch-Tier-Kommunikation und Interaktion. Dazu werden jeweils Aspekte der menschlichen und tierischen Kommunikation benannt, um dann darzustellen, auf welcher gemeinsamen (Sprach)Ebene eine artübergreifende Kommunikation stattfinden kann. Es werden außerdem weitere Theorien für den heilsamen Prozess aufgestellt.
Kapitel sechs beschäftigt sich mit der praktischen Durchführung von tiergestützter Therapie. Es gibt Aufschluss darüber, für welche Klientel tiergestützte Therapie sich besonders empfiehlt und für welche nicht.
Das Kapitel siebte befasst sich mit den Allgemeinen Einwänden gegenüber der tiergestützten Therapie. Es werden außerdem Überlegungen im Umgang mit Tieren, zum Tierschutz, Hygienefragen, Ethik und zu den Gefahren in der Zusammenarbeit mit Tieren angestellt und beantwortet.
Das acht Kapitel befasst sich mit der theoretischen und konzeptionel en Einbindung in die Soziale Arbeit. Die Idee von tiergestützter Therapie wird außerdem kritisch diskutiert. Es wird eine Methode der tiergestützten Therapie nach Elke Otto vorgestellt. Das Kapitel endet mit Vorschlägen zu einheitlichen Ausbildungsstandards.
Seite 5
Im letzten Kapitel betrachte ich das Thema der Diplomarbeit kritisch und stelle Überlegungen zu Entwicklungstendenzen von tiergestützten Fördermaßnamen in der Sozialen Arbeit an.
Um beim Lesen nicht das Gefühl der Benachteiligung entstehen zu lassen, verwende ich in der vorliegenden Diplomarbeit bei in der Einzahl genannten Personenbezeichnungen mal die weibliche, mal die männliche Form.
2. Allgemeine Erläuterungen
In diesem Kapitel werde ich zunächst einmal die Krankheitsbilder der dementiel en Erkrankung besonders die der Demenz und der Alzheimer Krankheit, der geistigen Behinderung und des Schlaganfalls darstellen. Aus diesen drei Krankheitsbildern fasse ich dann die gemeinsamen Einschränkungen für die Betroffenen zusammen, die sich ausschließlich auf die Einschränkungen, die das Gehirn betreffen, beziehen. Es gibt natürlich noch eine Vielzahl von gemeinsamen Einschränkungen. Da nach führe ich mögliche Therapieansätze dafür auf. Dann unterscheide ich die tiergestützte Therapie und zum Schluss Definiere ich das Wort Therapie.
2.1 Dementielle Erkrankungen
Hirnaltern und Hirnschwund (Atrophie) mit Demenz sind im Entwicklungsprozess gleich, die Auswirkungen jedoch unterschiedlich. Der Übergang von normaler Hirnalterung zur Demenz hin ist schwimmend. Demenz setzt dann ein, wenn das Ausmaß des Hirngewebeschadens eine kritische Marke überschreitet.
Ich werde nun drei verschiedene Definitionen der Demenz aufführen.
2.1.1 Demenz
Eine Demenz (lat. dementia "Verrücktheit") ist eine fast immer, aber nicht ausschließlich im Alter auftretende Erkrankung des Gehirns, bei der es zu einer fortschreitenden Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit kommt. Vor allem ist das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik, nur bei einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Maßgeblich ist der Verlust bereits erworbener Fähigkeiten im Unterschied zur angeborenen Minderbegabung (Oligophrenie). Heute sind verschiedene, aber nicht alle Ursachen von Demenzen geklärt, und einige Formen können in einem gewissen Umfang behandelt werden, d.h. die Symptome können im Anfangsstadium einer Demenz verzögert werden.
Seite 6
Die am häufigsten auftretende Form der Demenz, aber bei weitem nicht die einzige, ist die Alzheimer-Krankheit. Eine Demenz kann auf ganz verschiedenen Ursachen beruhen, für die Therapie ist die Klärung dieser Unterscheidungsmerkmale sehr wichtig(1).
Die diagnostischen Kriterien für eine Demenz beinhalten Kombinationen von Defiziten in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, die zu einer Beeinträchtigung von sozialen und beruflichen Funktionen führen. Als Leitsymptom gilt die Gedächtnisstörung. Am Anfang der Erkrankung stehen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit, in ihrem weiteren Verlauf verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses, so dass die Betroffenen zunehmend die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten verlieren.
2.1.1.1 Definition der Demenz nach ICD-10(2)
Demenz (ICD-10-Code F00-F03) ist ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache, Sprechen und Urteilsvermögen im Sinne der Fähigkeit zur Entscheidung. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Für die Diagnose einer Demenz müssen die Symptome nach ICD über mindestens 6 Monate bestanden haben. Die Sinne (Sinnesorgane, Wahrnehmung) funktionieren im, für die Person, üblichen Rahmen. Gewöhnlich begleiten Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation die kognitiven Beeinträchtigungen; gelegentlich treten diese Syndrome auch eher auf. Sie kommen bei Alzheimer-Krankheit, Gefäßerkrankungen des Gehirns und anderen Zustandsbildern vor, die primär oder sekundär das Gehirn und die Neuronen betreffen(3).
2.1.1.2 Definition der Demenz im DSM-IV(4)(5)
Die kognitiven Defizite verursachen eine signifikante Beeinträchtigung der sozialen und beruflichen Funktionen und stellen eine deutliche Verschlechterung gegenüber einem früheren Leistungsniveau dar. Sie treten nicht im Rahmen einer rasch einsetzenden Bewusstseinstrübung oder eines Delirs auf. Zur Beeinträchtigung des Gedächtnisses muss noch mindestens eine der folgenden Störungen hinzu kommen:
____________________
(1) vgl. VON BOSE 1998, S. 299
(2) Anhang ICD-10, S. 96
(3) GUTZMANN/ZANKE 2005, S. 29
(4) vgl. http://www.sanp.ch/pdf/2007/2007-04/2007-04-005.PDF Stand 08.11.2007
(5) Anhang DSM-IV, S. 99
Seite 7
- Aphasie: Störung der Sprache
- Apraxie: beeinträchtigte Fähigkeit, motorische Aktivitäten auszuführen
- Agnosie: Unfähigkeit, Gegenstände zu identifizieren bzw. wieder zu erkennen
- Störung der Exekutivfunktionen, d.h. Planen, Organisieren, Einhalten einer Reihenfolge
2.1.2 Alzheimer Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit (lateinisch morbus alzheimer) ist eine in der Regel über Jahre langsam fortschreitende Demenz-Erkrankung (lat. demens: ohne Geist sein, "verwirrt") des Gehirns, die vorwiegend im Alter auftritt und mit einer fortschreitenden Abnahme von Hirnfunktionen einhergeht. Die Krankheit beginnt mit geringer, anscheinend zufälliger Vergesslichkeit und endet im Verlust des Verstandes. Im Anfangsstadium ist sie schwer von der normalen Vergesslichkeit abzugrenzen. Sie ist eine Erkrankung des Alters und tritt nur selten vor dem 60. Lebensjahr auf.
1906 wurde sie erstmals durch den Arzt Alois Alzheimer diagnostiziert und als Erkrankung organischen, nicht psychischen Ursprungs beschrieben, unabhängig davon etwa zur gleichen Zeit von Oskar Fischer an der psychiatrischen Klinik in Prag. Der Psychiater Emil Kraepelin benannte die Erkrankung in seinem Lehrbuch der Psychiatrie aus dem Jahre 1911 nach Alois Alzheimer.
2.1.2.1 Ursachen
Da die von Alois Alzheimer beobachtete Patientin relativ jung war (um die 50 Jahre), beschrieb er die später nach ihm als Morbus Alzheimer benannte Erkrankung als präsenile Demenz. Erst später erkannte man, dass dieselben histologischen Veränderungen auch bei älteren Demenz-Patienten auftreten, und bezeichnete diese Erkrankungsform des älteren Menschen zur Unterscheidung gegenüber dem ′echten′ (präsenilen) Morbus Alzheimer als Senile Demenz vom Alzheimer-Typ, kurz SDAT oder DVAT, nach dem 65. Lebensjahr(6). Es kommt zur Degeneration von bestimmten Neuronen und dadurch zu Störungen der normalen zerebralen Funktionen, was bei Patienten zu Störungen bei Sprache, des Denkvermögens und des Gedächtnisses führt. Die Hirnmasse nimmt im Verlauf der Krankheit meist ab, man spricht dann von einer Hirnatrophie. Als Auslöser des Zellverlustes werden zur Zeit vor allem intrazelluläre Ablagerungen eines Fragments von APP
___________________
(6) HEIMANN/KIRCHHEFER 1998, S. 162
Seite 8
(Amyloid Precursor Protein, s.u.) diskutiert. Des Weiteren werden wichtige Neurotransmitter, unter anderem Acetylcholin, nicht mehr in ausreichenden Mengen produziert, was zu einer allgemeinen Leistungsschwächung des Gehirns führt(7).
Einer weiteren Theorie zufolge wird Alzheimer durch eine Insulinresistenz der Zel en im Gehirn ausgelöst und wäre damit eine Folge oder Nebenform von Diabetes.
Es gibt eine genetische Komponente in der Verursachung der Alzheimer-Krankheit. Etwa fünf bis zehn Prozent der Betroffenen zeigen eine familiäre Häufung (FAD, familiar alzheimer disease), die auf Mutationen zurückzuführen sind.
2.1.2.2 Symptome und Krankheitsverlauf
Erste Symptome sind Vergesslichkeit, daraus entstehend Desorientierung, zuerst in jeweils neuer Umgebung, dann auch im eigenen häuslichen Umfeld. In späteren Stadien der Krankheit verstärken sich diese Symptome, so dass der Patient immer orientierungsloser wird. Dazu kommt oft eine Sprachstörung (Wortfindungsstörung bzw. falsche Wortwahl), schließlich kann der Kranke die Namen seiner Angehörigen nicht mehr nennen oder er erkennt sie nicht. Es kommt zu Störungen in der Affekt-Kontrolle, zur Ant-
riebsminderung und damit zur Veränderung des Sozialverhaltens sowie zu schweren
Koordinationsstörungen schon bei einfachen Verrichtungen (Apraxie). Andererseits zeigen die Kranken manchmal Unruhe, fangen an, Möbel zu verrücken usw. Ein weiteres Symptom ist der Wahn, bestohlen worden zu sein. Dieses Symptom tritt häufig in den Anfangsstadien auf.
2.2 Geistige Behinderung
Weil der Begriff der Behinderung, sehr relativ ist, gibt es keine endgültige, allgemein anerkannte Definition, wann ein Mensch als behindert gilt8. Die vier wichtigsten Definitionsansätze verschiedener wissenschaftlicher Diszipline sollen an dieser Stelle dargestellt werden. Zu unterscheiden sind der medizinische, der psychologische, der soziologische und der pädagogische Ansatz9. Den rechtlichen Ansatz werde ich an dieser Stelle nicht mit einbeziehen.
Nach dem medizinischen Ansatz kann Behinderung folgendermaßen definiert werden: "Behinderung ist die Auswirkung einer Schädigung im Individuum und die dadurch [...]
____________________
(7) GUTZMANN/ZANKE 2005, S. 38F
(8) vgl. BLEIDICK 1993, S. 12
(9) vgl. SPECK 1993, S. 45ff
Seite 9
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Author: Marco FeindlerPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Author: Zoran ZivkovicPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Author: Claudia NickelPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Author: Maik PhilippPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Author: Mark RichterPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008
This text can be quoted and accessed from this url: