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Reisen in der Nachkriegszeit 1945-1975

Untertitel: u.A. Wahrnehmung von Kunst auf Reisen
Autor: Peter Liptau
Fach: Kunst - Sonstiges

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Details

Institution/Hochschule: Universität Karlsruhe (TH)
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 17
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 361 KB
Archivnummer: V113472
ISBN (E-Book): 978-3-640-13887-6
Anmerkungen :
Kleine Kulturgeschichte des Reisens in der Zeit nach 1945, Vorstellung gängiger Reiseführer der Zeit, Fazit, Quellenangaben, Abbildungen

Zusammenfassung / Abstract

Betrachtet man die gesamten Nachkriegsjahre in Deutschland, gerät neben den Begriffen des Wirtschaftswunders, der Massenmobilisierung der allgemeinen Aufbruchsstimmung, der Verarbeitung der Kriegsjahre und des teilweisen Versuchs der Verdrängung des Erlebten, oftmals auch der Begriff des Reisens und des beginnenden Tourismus in den Sinn. Besonders am Ende der fünfziger Jahre entwickelten sich die Deutschen, statistisch gesehen, zu Weltmeistern des Reisens. Verantwortlich hierfür waren zahlreiche Faktoren, unter denen auch die oben genannten Begriffe zu finden sind. Diese Entwicklungen und deren Begründungen möchte ich auf den folgenden Seiten, hauptsächlich am Beispiel Italiens, dem klassischen Reiseziel der Deutschen, erläutern. Leider fällt es schwer Belege oder Berichte über eine besondere Wahrnehmung von Kunstgegenständen der Reisenden in dieser Zeit zu finden. Die Deutschen fokussierten, der Literatur zufolge, in dieser Epoche vielmehr eine Ablenkung vom Alltag im zerstörten Heimatland, und eine neue Erfahrung von der „heilen Welt“ im ursprünglichen Ausland.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Karlsruhe (TH)

Institut für Kunstgeschichte

PS, BKII, Reisen bildet, bildet Reisen?, Wahrnehmung von Kunst auf Reisen

Wintersemester 2006/2007

Reisen in der Nachkriegszeit ­

Entwicklungen und Beobachtungen

Peter Liptau

Kunstgeschichte/Baugeschichte

5. Fachsemester


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

3

2. Die Entwicklung des Reisens im gesamten 20. Jh. am Beispiel

des Italientourismus

3

2.1. Jahrhundertwende bis in die 30er Jahre

3

2.2. Die Zeit des Nationalsozialismus

5

3. Reisearten allgemein

6

3.1. Forschungs- und Studienreisen

6

3.2. Kriegsgräberreise

6

3.3. Pilgerreise

7

3.4. Tourismus im eigentlichen Sinne

7

4. Die Entwicklung des Tourismus in der Nachkriegszeit

7

5. Reiseführer der Nachkriegszeit

10

5.1. Schnell-Reiseführer

10

5.2. Die Blauen Führer

10

5.3. Reclams Kunstführer

11

6. Inspiration für den deutschen Alltag durch die

(Italien-)Reisenden

12

7. Schluss

14

9. Abbildungen

16

2


1. Einführung

Betrachtet man die gesamten Nachkriegsjahre in Deutschland, gerät neben den

Begriffen des Wirtschaftswunders, der Massenmobilisierung der allgemeinen

Aufbruchsstimmung, der Verarbeitung der Kriegsjahre und des teilweisen Versuchs

der Verdrängung des Erlebten, oftmals auch der Begriff des Reisens und des

beginnenden Tourismus in den Sinn.

Besonders am Ende der fünfziger Jahre entwickelten sich die Deutschen, statistisch

gesehen, zu Weltmeistern des Reisens. Verantwortlich hierfür waren zahlreiche

Faktoren, unter denen auch die oben genannten Begriffe zu finden sind.

Diese Entwicklungen und deren Begründungen möchte ich auf den folgenden Seiten,

hauptsächlich am Beispiel Italiens, dem klassischen Reiseziel der Deutschen,

erläutern.

Leider fällt es schwer Belege oder Berichte über eine besondere Wahrnehmung von

Kunstgegenständen der Reisenden in dieser Zeit zu finden. Die Deutschen

fokussierten, der Literatur zufolge, in dieser Epoche vielmehr eine Ablenkung vom

Alltag im zerstörten Heimatland, und eine neue Erfahrung von der ,,heilen Welt" im

ursprünglichen Ausland.

2. Die Entwicklung des Reisens im gesamten 20. Jh. am

Beispiel des Italientourismus

2.1. Jahrhundertwende bis in die 30er Jahre

Bereit in deinem Reiseführer aus dem Jahre 1905 wird Italien als ,,Land der

Sehnsucht aller Künstler, Kunst- und Naturfreunde" beschrieben. In dieser Zeit zog

es die reisenden Deutschen weniger wegen der allgemeinen Schönheit der

Landschaft oder des Klimas nach Italien. Vielmehr war die Erfahrung der Ursprünge

unserer Kultur, der Monumente der Vergangenheit Mittelpunkt und Reisemotivation.

An den klassischen Badeurlaub oder an Erholung am Strand dachte zu dieser Zeit

noch niemand.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war das Reisen dem Adel und den

vermögenderen Bevölkerungsschichten und Künstlern vorbehalten. Einzige

Ausnahme bilden hier einige Pilger, die auf mühseeligerem Wege nach Rom reisten,

3


um dort die grösste Kirche der Christenheit, den Petersdom und den Vatikan zu

besichtigen.

Für die Italienreisenden war es unüblich die gesamte Reise an einem festgelegten

Ort zu verbringen, wie es heute meist üblich ist. Vielmehr war es Ziel einer solchen

Reise, das Land in seiner Gesamtheit, mit all seinen historischen Schauplätzen zu

bereisen und zu erfahren.

In einigen zeitgenössischen Reiseführern findet man Zeitangaben von 30 Tagen für

eine schnelle Italienrundreise bis hin zu 75 Tagen für eine ausgedehntere Reise

inklusive einem längerem Aufenthalt in Rom. Man findet zusätzlich noch den Hinweis

darauf, dass es selbst in diesem Zeitrahmen schwer möglich sein würde, das Land in

all seinen Facetten kennen zu lernen.

Hauptreisemittel war die Eisenbahn. In Kooperation der Deutschen, schweizerischen

und Italienischen Bahnbetriebe gab es Reisetickets, die in der Regel 60 bis 90 Tage

Gültigkeit hatten, und für das gesamte Land galten. Es existierten beispielsweise

auch Luxus-Fernreisezüge wie der Berlin-Neapel-Express, nach dem Vorbild des

Orient-Express1.

Hauptreisezeit war zwischen Herbst und Frühjahr, da die Kurorte sowohl im späten

Herbst als auch bereits an Februar mit Sommerlichen Temperaturen locken konnten.

Zudem war es in den Sommermonaten im Mittelmehrraum zu heiß um sich auf

kulturelle Dinge zu konzentrieren. Natürlich war auch aus Glaubensgründen das

Osterfest Anlass für zahlreiche Pilger ihre Romreise genau zu dieser Zeit zu planen.

Der erste Weltkrieg brachte ab 1914 den Fremdenverkehr zwischen Deutschland

und Italien zum erliegen, da beide Länder nun verfeindete Kriegsgegner waren. Erst

durch die Konsolidierung2 von Gesellschaft und Staat 1923 erholte sich der

Tourismus zwischen den Ländern wieder allmählich. Waren es im Jahr 1922 noch

circa 40.000 Italientouristen aus Deutschland, waren es drei Jahre später bereits

zehnmal so viele.

Gesellschaftlicher Wandel und mehr Regelungen für Sozialwesen, Finanzen und

Urlaubstage ermöglichten es nun auch der Mittelschicht kleinere Reisen zu

unternehmen. Vermehrt wurden nun auch von Reiseveranstaltern Pauschalreisen zu

günstigen Tarifen angeboten. Nach Italien konnten sich aber nach wie vor nur die

1 Luxuszug der französischen ,,Compagnie Internationale des Wagons-Lits", der von Paris und Calais

über Wien nach Budapest und Warna in Bulgarien und schließlich bis Konstantinopel (dem heutigen

Istanbul) fuhr.

2 Festigen des demokratischen Gefüges eines Staates.

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