Untertitel: u.A. Wahrnehmung von Kunst auf Reisen
Autor: Peter Liptau
Fach: Kunst - Sonstiges
Details
Jahr: 2007
Seiten: 17
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 361 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-13887-6
Kleine Kulturgeschichte des Reisens in der Zeit nach 1945, Vorstellung gängiger Reiseführer der Zeit, Fazit, Quellenangaben, Abbildungen
Zusammenfassung / Abstract
Betrachtet man die gesamten Nachkriegsjahre in Deutschland, gerät neben den Begriffen des Wirtschaftswunders, der Massenmobilisierung der allgemeinen Aufbruchsstimmung, der Verarbeitung der Kriegsjahre und des teilweisen Versuchs der Verdrängung des Erlebten, oftmals auch der Begriff des Reisens und des beginnenden Tourismus in den Sinn. Besonders am Ende der fünfziger Jahre entwickelten sich die Deutschen, statistisch gesehen, zu Weltmeistern des Reisens. Verantwortlich hierfür waren zahlreiche Faktoren, unter denen auch die oben genannten Begriffe zu finden sind. Diese Entwicklungen und deren Begründungen möchte ich auf den folgenden Seiten, hauptsächlich am Beispiel Italiens, dem klassischen Reiseziel der Deutschen, erläutern. Leider fällt es schwer Belege oder Berichte über eine besondere Wahrnehmung von Kunstgegenständen der Reisenden in dieser Zeit zu finden. Die Deutschen fokussierten, der Literatur zufolge, in dieser Epoche vielmehr eine Ablenkung vom Alltag im zerstörten Heimatland, und eine neue Erfahrung von der „heilen Welt“ im ursprünglichen Ausland.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Karlsruhe (TH)
Institut für Kunstgeschichte
PS, BKII, Reisen bildet, bildet Reisen?, Wahrnehmung von Kunst auf Reisen
Wintersemester 2006/2007
Reisen in der Nachkriegszeit
Entwicklungen und Beobachtungen
Peter Liptau
Kunstgeschichte/Baugeschichte
5. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
3
2. Die Entwicklung des Reisens im gesamten 20. Jh. am Beispiel
des Italientourismus
3
2.1. Jahrhundertwende bis in die 30er Jahre
3
2.2. Die Zeit des Nationalsozialismus
5
3. Reisearten allgemein
6
3.1. Forschungs- und Studienreisen
6
3.2. Kriegsgräberreise
6
3.3. Pilgerreise
7
3.4. Tourismus im eigentlichen Sinne
7
4. Die Entwicklung des Tourismus in der Nachkriegszeit
7
5. Reiseführer der Nachkriegszeit
10
5.1. Schnell-Reiseführer
10
5.2. Die Blauen Führer
10
5.3. Reclams Kunstführer
11
6. Inspiration für den deutschen Alltag durch die
(Italien-)Reisenden
12
7. Schluss
14
9. Abbildungen
16
2
1. Einführung
Betrachtet man die gesamten Nachkriegsjahre in Deutschland, gerät neben den
Begriffen des Wirtschaftswunders, der Massenmobilisierung der allgemeinen
Aufbruchsstimmung, der Verarbeitung der Kriegsjahre und des teilweisen Versuchs
der Verdrängung des Erlebten, oftmals auch der Begriff des Reisens und des
beginnenden Tourismus in den Sinn.
Besonders am Ende der fünfziger Jahre entwickelten sich die Deutschen, statistisch
gesehen, zu Weltmeistern des Reisens. Verantwortlich hierfür waren zahlreiche
Faktoren, unter denen auch die oben genannten Begriffe zu finden sind.
Diese Entwicklungen und deren Begründungen möchte ich auf den folgenden Seiten,
hauptsächlich am Beispiel Italiens, dem klassischen Reiseziel der Deutschen,
erläutern.
Leider fällt es schwer Belege oder Berichte über eine besondere Wahrnehmung von
Kunstgegenständen der Reisenden in dieser Zeit zu finden. Die Deutschen
fokussierten, der Literatur zufolge, in dieser Epoche vielmehr eine Ablenkung vom
Alltag im zerstörten Heimatland, und eine neue Erfahrung von der ,,heilen Welt" im
ursprünglichen Ausland.
2. Die Entwicklung des Reisens im gesamten 20. Jh. am
Beispiel des Italientourismus
2.1. Jahrhundertwende bis in die 30er Jahre
Bereit in deinem Reiseführer aus dem Jahre 1905 wird Italien als ,,Land der
Sehnsucht aller Künstler, Kunst- und Naturfreunde" beschrieben. In dieser Zeit zog
es die reisenden Deutschen weniger wegen der allgemeinen Schönheit der
Landschaft oder des Klimas nach Italien. Vielmehr war die Erfahrung der Ursprünge
unserer Kultur, der Monumente der Vergangenheit Mittelpunkt und Reisemotivation.
An den klassischen Badeurlaub oder an Erholung am Strand dachte zu dieser Zeit
noch niemand.
Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war das Reisen dem Adel und den
vermögenderen Bevölkerungsschichten und Künstlern vorbehalten. Einzige
Ausnahme bilden hier einige Pilger, die auf mühseeligerem Wege nach Rom reisten,
3
um dort die grösste Kirche der Christenheit, den Petersdom und den Vatikan zu
besichtigen.
Für die Italienreisenden war es unüblich die gesamte Reise an einem festgelegten
Ort zu verbringen, wie es heute meist üblich ist. Vielmehr war es Ziel einer solchen
Reise, das Land in seiner Gesamtheit, mit all seinen historischen Schauplätzen zu
bereisen und zu erfahren.
In einigen zeitgenössischen Reiseführern findet man Zeitangaben von 30 Tagen für
eine schnelle Italienrundreise bis hin zu 75 Tagen für eine ausgedehntere Reise
inklusive einem längerem Aufenthalt in Rom. Man findet zusätzlich noch den Hinweis
darauf, dass es selbst in diesem Zeitrahmen schwer möglich sein würde, das Land in
all seinen Facetten kennen zu lernen.
Hauptreisemittel war die Eisenbahn. In Kooperation der Deutschen, schweizerischen
und Italienischen Bahnbetriebe gab es Reisetickets, die in der Regel 60 bis 90 Tage
Gültigkeit hatten, und für das gesamte Land galten. Es existierten beispielsweise
auch Luxus-Fernreisezüge wie der Berlin-Neapel-Express, nach dem Vorbild des
Orient-Express1.
Hauptreisezeit war zwischen Herbst und Frühjahr, da die Kurorte sowohl im späten
Herbst als auch bereits an Februar mit Sommerlichen Temperaturen locken konnten.
Zudem war es in den Sommermonaten im Mittelmehrraum zu heiß um sich auf
kulturelle Dinge zu konzentrieren. Natürlich war auch aus Glaubensgründen das
Osterfest Anlass für zahlreiche Pilger ihre Romreise genau zu dieser Zeit zu planen.
Der erste Weltkrieg brachte ab 1914 den Fremdenverkehr zwischen Deutschland
und Italien zum erliegen, da beide Länder nun verfeindete Kriegsgegner waren. Erst
durch die Konsolidierung2 von Gesellschaft und Staat 1923 erholte sich der
Tourismus zwischen den Ländern wieder allmählich. Waren es im Jahr 1922 noch
circa 40.000 Italientouristen aus Deutschland, waren es drei Jahre später bereits
zehnmal so viele.
Gesellschaftlicher Wandel und mehr Regelungen für Sozialwesen, Finanzen und
Urlaubstage ermöglichten es nun auch der Mittelschicht kleinere Reisen zu
unternehmen. Vermehrt wurden nun auch von Reiseveranstaltern Pauschalreisen zu
günstigen Tarifen angeboten. Nach Italien konnten sich aber nach wie vor nur die
1 Luxuszug der französischen ,,Compagnie Internationale des Wagons-Lits", der von Paris und Calais
über Wien nach Budapest und Warna in Bulgarien und schließlich bis Konstantinopel (dem heutigen
Istanbul) fuhr.
2 Festigen des demokratischen Gefüges eines Staates.
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