Autor: Peter Liptau
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Details
Jahr: 2006
Seiten: 22
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 7 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 462 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-13889-0
Geschichte der Juden in Konstanz, Geschichte der 1938 zerstörten Synagoge, Geschichte nach 1945, Abbildungen, Quellen
Zusammenfassung / Abstract
Die Synagoge in Konstanz wurde, wie fast alle zur damaligen Zeit bestehenden Synagogen, im Nationalsozialismus in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört. Bis dahin war sie ein herausragender Bau mit einer auffälligen Baugeschichte, da die Gemeinde bei Baubeginn kaum die finanziellen Mittel aufweisen konnte, und doch den Bau am Ende fertig stellen konnte, mitunter durch große finanzielle Beteiligung der Gemeindemitglieder. Die Stadt Konstanz fällt bei der Betrachtung ihrer jüdischen Geschichte des letzten Jahrhunderts ebenfalls besonders auf. Zum einen, da die Konstanzer Bevölkerung zu Beginn der NS-Zeit demonstrativ die Juden weiterhin unterstützte, bis ihr dies endgültig unmöglich gemacht wurde. Zum anderen da in Konstanz nach dem zweiten Weltkrieg sehr schnell wieder eine jüdische Gemeinde entstand, wenn auch vorerst in kleinen Kreisen. Ich gehe in dieser Ausarbeitung auf die Geschichte der Juden in Konstanz ein, welche auch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg beinhaltet. Meinen Schwerpunkt lege ich dabei auf den Bau der Konstanzer Synagoge und deren Zerstörung durch die Nationalsozialisten.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Karlsruhe (TU)
Institut für Kunstgeschichte
PS, BKII: Synagogen in Baden-Württemberg
Wintersemester 2005/2006
Die Konstanzer Synagoge
Peter Liptau
Kunstgeschichte/Baugeschichte
3. Fachsemester
Inhaltsübersicht
1.
Einführung
S. 3
2.
Geschichte der Juden in Konstanz
S. 3
3.
Synagogenbau
S. 7
3.1. Gemeindeaufbau und erste Schritte zum Synagogenbau S. 7
3.2. Finanzierung des Baus
S. 8
3.3. Bau der Synagoge
S. 8
4.
Der Nationalsozialismus
S. 10
4.1. Erste Auswirkungen der
nationalsozialistischen Herrschaft
S. 10
4.2. Erster Anschlag 1936 und Wiederaufbau
S. 11
4.3. Zerstörung in der Reichspogromnacht 1938
S. 12
4.4. Schicksal der jüdischen Bürger von Konstanz
S. 13
5.
Geschichte nach 1945
S. 14
5.1. Grundstück der Synagoge
S. 14
5.2. Gedenken
S. 15
5.3. Neubebauung des Grundstückes
S. 15
5.4. Entstehen einer Gemeinde
S. 16
5.5. Ausblick in die Zukunft der Konstanzer Juden ab heute
S. 17
6.
Schlusswort
S. 18
7.
Literaturverweise
S. 19
8.
Anhang
S. 20
- 2 -
1.
Einführung
Die Synagoge in Konstanz wurde, wie fast alle zur damaligen Zeit
bestehenden
Synagogen,
im
Nationalsozialismus
in
der
Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört. Bis
dahin war sie ein herausragender Bau mit einer auffälligen
Baugeschichte, da die Gemeinde bei Baubeginn kaum die finanziellen
Mittel aufweisen konnte, und doch den Bau am Ende fertig stellen
konnte,
mitunter
durch
große
finanzielle
Beteiligung
der
Gemeindemitglieder.
Die Stadt Konstanz fällt bei der Betrachtung ihrer jüdischen Geschichte
des letzten Jahrhunderts ebenfalls besonders auf. Zum einen, da die
Konstanzer Bevölkerung zu Beginn der NS-Zeit demonstrativ die Juden
weiterhin unterstützte, bis ihr dies endgültig unmöglich gemacht wurde.
Zum anderen da in Konstanz nach dem zweiten Weltkrieg sehr schnell
wieder eine jüdische Gemeinde entstand, wenn auch vorerst in kleinen
Kreisen.
Ich gehe in dieser Ausarbeitung auf die Geschichte der Juden in
Konstanz ein, welche auch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
beinhaltet. Meinen Schwerpunkt lege ich dabei auf den Bau der
Konstanzer
Synagoge
und
deren
Zerstörung
durch
die
Nationalsozialisten.
2.
Geschichte der Juden in Konstanz
Man nimmt an, dass sich in Konstanz bereits zur Zeit der Römer Juden
ansiedelten. Allerdings wichen sie im dritten Jahrhundert vor dem Einfall
der Alemannen zurück. Ebenso findet man in der Geschichte einige
Belege für Pogrome gegen die Juden da man sie als ,Jesusmörder′
betitelte.
- 3 -
Im Jahre 1215 wurde von Papst Innozenz III die Ehe zwischen Christen
und Juden untersagt. Es wurde veranlasst, dass sich Juden nunmehr als
solche kennzeichnen sollten und in dafür eingerichteten Stadtvierteln,
genannt Gettos, zu leben hatten. Auch in der Ausübung verschiedener
Berufe wurden die Juden stark eingeschränkt. Daher verblieb ihnen
meist nur der Geldhandel, Trödelhandel oder die Pfandleihe als
Geldquelle.
Diese Gettoisierung und vor allem die allgemeine Aufhetzung der
Christen gegen die jüdische Bevölkerung hatten im 13. Jahrhundert
außerdem zahlreiche Judenhetzen zur Folge, bei denen oft
fadenscheinige Anschuldigungen der Auslöser für die Verfolgungen
waren.
Trotzdem siedelten sich Juden oftmals in neu gegründeten Städten und
in der unmittelbaren Nähe von Märkten und neuen Handelszentren an,
da sie ihre Tätigkeiten seit dem Erlass von 1215 nur auf Finanzgeschäfte
konzentrieren durften. Konstanz lag auf einer wichtigen Handelsroute
zwischen Deutschland und Italien und war daher eine stark frequentierte
Handelsstadt, weswegen es den Juden möglich war geschäftlich schnell
Fuß zu fassen.
Aufgrund dieser geographischen Lage wuchs Konstanz sehr schnell und
es wurden diverse Märkte weiter ausgebaut. Es kam zu zahlreichen
Neuansiedlungen von Juden, die hauptsächlich aus Frankreich
immigrierten.
In der Nähe des Fischmarktes siedelten sich immer mehr Juden an,
wobei sich diese Besiedlung später weiter nach Süden in die
Mordergasse verlagerte. An dieser Stelle wurde auch etwas später die
erste Konstanzer Synagoge gebaut.
1254 gab es wieder einen Erlass der Kirche, durch welchen sich die
Juden in der Öffentlichkeit als solche Kennzeichnen mussten, nachdem
sich die Gesetze in den letzten Jahren etwas gelockert hatten.
Des Weiteren kam es im Mittelalter wieder zu zahlreichen Pogromen und
Hetzen gegen die jüdische Bevölkerung. Häufige Vorwürfe waren
- 4 -
angebliche Hostienschändungen1, die oftmals von der Kirche behauptet
wurden, um eine Begründung für ihre Morde und Verfolgungen
anzubringen.
Den Höhepunkt der Judenverfolgungen beschreibt das Jahr 1349, da sie
angeblich durch Vergiften der Brunnen in der Stadt für das Ausbrechen
der Pest verantwortlich waren.
Juden wurden nun zwangsenteignet und ihr Eigentum, ihre Häuser und
Grundstücke wurden an Konstanzer Bürger weitergereicht. So wurde
auch die damalige Synagoge in der Mordergasse in bürgerliche Hände
weitergegeben.
Später, im Jahre 1375, wurden die Juden wieder in das allgemeine
Bürgertum der Stadt Konstanz aufgenommen. Allerdings geschah dies
unter sehr starken Einschränkungen und Lebensvoraussetzungen, die
beispielsweise auch wieder ihre auszuübenden Berufe eingrenzte.
Darüber hinaus findet man ab dem Jahre 1427 wieder einige wenige
Belege für die Entstehung einer neuen Synagoge im alten
Siedlungsgebiet der Juden.
Da die jüdische Bevölkerung aber 1429 bereits wieder aus Konstanz
vertrieben wurde, ist es schwer in historischen Unterlagen weitere
Belege für diesen Zeitrum zu finden.
Die vertriebenen Juden wurden in einigen kleineren Dörfern außerhalb
Konstanz´ als Schutzjuden2 aufgenommen.
Im Jahre 1548 verliert Konstanz durch den Verlust der Selbstständigkeit
als freie Reichsstadt unter der österreichischen Macht im internationalen
und regionalen Handel an Bedeutung. Es blieb für ungefähr 300 Jahre
eine relativ unbedeutende Stadt. Jedoch siedeln sich langsam wieder
einige jüdische Familien an, da ihnen durch die Aufklärung einige neue
Rechte und vor allem mehr Freiheiten eingeräumt wurden. Darunter
1 Als Hostienfrevel oder Hostienschändung bezeichnete die Propaganda des katholischen
Klerus zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert einen angeblichen Missbrauch der
geweihten Hostie, fast immer in Verbindung mit einem angeblich vorausgegangenen
Hostienraub. Dies war wie auch die Legenden vom angeblichen Ritualmord ein häufiger
Vorwand für Pogrome.
2 Juden konnten gegen eine Gebühr im Mittelalter sich unter den Schutz des Kaisers
stellen. Damit waren sie vor Übergriffen und Pogromen geschützt.
- 5 -
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